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50. 3M

1921

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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Marburg

Mot, ten 24. Äoi

Verlag vonDr. E. Hitzeroth.Druck der Univ.-Buchdruckerei von Iod.Aug. Koch, Markt 21,23 Kerntzrecher 55, - Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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VeuW-irknzWer Muffel über vberMen

Pbjchließnng der Grenze. Lebensmittelversorgung. Bezahlung der Arbeiter.

wb. Berlin, 23. Mai. Der französische Bot­schafter hat am 19. Mai nachstehende Note dem Reichskanzler übersandt:

Eure Exzellenz haben mir gestern von den Mass­nahmen Kenntnis gegeben, die das Reichswehr­ministerium getroffen hat, um die Bildung von Freikorps zu verhindern, und die das Reichswehr­ministerium verfügt hat, um jegliche Beförderung von Freiwilligen und Waffen nach Oberschlesien zu untersagen. Nach den mir zugegangenen Infor­mationen sind diese Maßnahmen zu spät getroffen morden, um das Eindringen bedeutender bewaff­neter Kontingente von außerhalb nach Oberschlesien zu verhindern. Die in der Gegend von Kreuzburg unter dem Befehl v. Arnims vereinigten Frei- ' korps sollen mehr als 8000 Mann zählen: gleichfalls wird die Anwesenheit der Freikorps von Ä u l o ck bei Oppeln und von Schmitt bei Krappitz gemel­det. Die Gruppe Ratibor, die täglich Berichte ver­öffentlicht, soll über 9000 Mann und mehrere Ka­nonen verfügen. Die erste Maßnahme, die diese Lage gebieterisch erheischt, ist die strenge Abschlie- tzung der Grenze zwischen dem deutschen Gebiet und idem Abstimmungsgebiet durch die deutschen Be- j Hörden. Hie polnische Regierung hat bereits einer derartige« an sie gerichteten Aufforderung ent- i 'sprechen.

< r i In zweiter Linie wäre ich Eurer Exzellenz dank­bar, wenn Sie die zuständigen Behörden anweisen wollten, der interalliierten Kommission die Aufgabe f der Lebensmittelversorgung zu er­leichtern

Schließlich muß ich erneut darauf bestehen, daß die Reichsban! aufgefordert wird, unverzüglich

die zur Bezahlung der Arbeiter notwen­digen Fonds nach Oberschlesion zu entsenden. Rach den Angaben, welche die Legationsräte Ri­chard Meyer und v. Moltke gestern abend der Bot­schaft gemacht haben, soll diese Sendung an die zwiefache Bedingung geknüpft sein, daß die Kom­mission die pekuniäre Verantwortung für die Be­werkstelligung ihrerseits übernimmt und daß die Zahlungen auf gewisie Betriebe beschränkt werden. foie nach Ansicht der deutschen Vertreter der Kon- ; trolle der Insurgenten entzogen sind. Dieser An­spruch ist mit dem Buchstaben und dem Geist des 'Vertrages unvereinbar, wonach die Regierungs­kommission als Vertreterin der alliierten Mächte die ausschließliche Verantwortung für die Aufrecht­erhaltung der Ordnung trägt. Unterbieten Um­ständen ist die deutsche Regierung gehalten, sich auf die Kommission zu verlassen, die Beförderung und ibie Verteilung der Fonds nach ihrem Ermessen ficherzustcllen. Würden die verfallenen Löhne weiterhin zurückgehalten werden, so würde sie sich schwerlich dem Vorwurf entziehen können, die all­gemeine Wiederaufnahme der Arbeit unmöglich zu I Machen und die Anarchie zu verlängern, welche die 'Kommission zu unterdrücken - bemüht ist.

, Indem ich im Auftrage meiner Regierung die j Aufmerksamkeit Eurer Exzellenz auf diese verschie- Idenen Punkte lenke, zweifle ich nicht, daß sie diese jht dem versöhnlichen Geiste prüfen wird, von dem iihre Politik getragen ist, und mit dem Wunsche, dazu beizutragen, daß eX £>erb von Unruhe aus- 11 'gelöscht wird, der für den allgemeinen Frieden be- j sonders gefährlich ist.

gez. Charles Laurent.

Rechtfertigung des Selbstschutzes. Die Anarchie hi Oderfchlefien. Ohnmacht der interalliierten

< Kommission.

' Hierauf ist dem französischen Botschafter heute folgende Antwortnote zugeftellt worden:

Eure Exzellenz haben mir in der Note vom 19. !ds. Mts. die Ausfassung der französischen Regierung t ^ber gewisse, Oberschlesien berührende Fragen über­mittelt. Ich benütze gern jede Gelegenheit, um -durch Erörterung mit den in Berlin beglaubigten t Vertretern der beteiligten Regierungen die Mög- ilichkeiten zu erschöpfen, den Brandherd in Ober- Schlesien zu beseitigen, dessen Fortbestehen, wie Eure -Exzellenz mit Recht ausführt, den allgemeinen Frie­den aufs schwerste gefährden mutz. Eure Exzellenz - Haben aus den Maßnahmen der deutschen Regie­

r ^ung ersehen, daß diese dieBildungvonFrei- korps auf deutschem Gebiet und den Uebertritt dom nicht besetzten deutschen in das besetzte Gebiet A'.cht duldet. Etwas ganz anderes ist der S e l b st - sch u tz, den die an Leben und Eigentum aufs höchste - r gefährdete Bevölkerung Oberschlesiens in Erman­glung jeglichen Schutzes durch die französischen

Truppen und in berechtigter Notwehr gegen pol­nische Insurgenten von sich aus zu bilden genötigt war. Auf diesen, aus dem Zusammenschluß der Be­völkerung hervorgegangenen Selbstschutz auf einem Gebiet, das der Verwaltung der interalliierten Kommission untersteht, hat die deutsche Re­gierung keinerlei Einfluß. Die deutsche Negierung hat über die bisher getroffenen bekann­ten Anordnungen hinaus aber Anweisungen erteilt, daß die zur Ueberwachung der Grenzlinie des be­setzten Gebiets auf deutscher Seite vorhandenen Sicherheitsorgane wesentlich verstärkt werden.

Eure Exzellenz erwähnten, die polni sch e Re­st i e r u n g habe der Aufforderung zur Sper­rung der Grenze entsprochen. Demgegenüber habe ich die Ehre festzustellen, daß eine Verfügung der polnischen Regierung wielleicht ergangen sein mag, daß die Grenze tatsächlich aber vollkommen offen steht und tagtäglich der Uebertritt von pol­nischen Soldaten sowie der Nachschub von Munition und Material jeder Art für die Insurgenten erfolgt. Aus der Menge des hierüber vorliegenden Mate­rials erwähne ich nur einen Vorfall, der sich in den letzten Tagen ereignet hat. In dem noch im Macht­bereich der alliierten Kommission befindlichen Kreise Kreuzburg haben in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai 250 bis 300 Polen die Grenze überschritten und den Ort Ko st au angegriffen. Auch hier mußte der anwesende örtliche Selb'^chutz e greifen, um das Leben friedlicher oberschlesischer Bürger zu schützen. Der Angriff konnte nur unter blutigen Verlusten abgeschlagen werden, nachdem die ein- gedrungenen Polen im Dorf Kostau ein Gehöft in Brand gesetzt hatten. In Uebereinstimmung m-t Eurer Exzellenz stelle ich mit Befried'gung fest, daß die interalliierte Kommission für die Aufrechterhal­tung der Ruhe und Ordnung in Oberschlesien allein verantwortlich ist.

Die A n a r ch i e, von der in der Note die Rede ist, und die seit 3 Wochen in Oberschlesien herrscht, steht allerdings zurzeit in schwerstem Widerspruch zu den Verhältnissen, unter denen der Präsident der interalliierten Kommission die Verwaltung des blühenden Landes im Februar vorigen Jahres übernommen hat. Die Wieder: erstellung der Ruhr ist doch nicht, wie es in der Note a> gedeutet ist, eine Frage der Wiederaufnahme der Arbeit, denn es handelt sich garnicht um einen Aufstand wirtschaft lichen, sondern einz'g und allein um einen solchen politischen Charakters. Der poln'sche Auf stand bezweckt unter Verletzung der Bestimmungen des Friedensvertrages und unter Verhöhnung jeder, moralischen Rechtsempfindens die Vergewaltigung des oberschlesischen Volkes.' Die Leiden, welche die unglücklichen Bewohner von den mit grausamstem Raffinement vorgehenden Banden zu erdulden haben, sind unbeschreiblich. Aus der großen Zahl von unerhörten Vorfällen sei hier nur an die vor wenigen Tagen durch die Polen erfolgte M i ß - Hand lu n g der beiden Ingenieure Winkler und Tabbe in Friedenshütte erinnert, die in der Turn­halle über ein Pferd gelegt und mit Peitschenhieben, bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, dann wiederholt durch Erfrischungen zum Bewußtsein gebracht und daraufhin weiter geschlagen worden sind, so daß sie jetzt hoffnungslos darniederliegen.

Die deutsche Regierung ist ständig bemüht, Mit­tel und Wege zu finden, um die unbeschreiblichen Qualen der oberschlesischen Bevölkerung zu lindern Sie ist in Uebereinstimmung mit Eurer Exzellenz grundsätzlich bereit und gewillt, in jeder praktischen Weise, auch mit Lebensmittel- und Geldsendungen, die Lage zu erleichtern. Es besteht jedoch nach der übereinstimmenden Ansicht aller beteiligten und sogar der unmittelbar betroffenen Kreise in Ober­schlesien die objektive Unmöglichkeit für die Gewähr, daß Gelder oder Lebensmittel in die Hände der wirklich Empfangsberechtigten gelangen und nicht den Zugriffen den Insurgenten unter­liegen. Der Präsident der interalliierten Kommis­sion verfügt wenige Kilometer hinter Oppeln über keinerlei Befugnisse mehr und ist nicht in der Lage, seine etwa gegebenen Garantien in die Tat umzu- setzen. Auch die von ihm ausgestellten Bescheini­gungen haben bei den polnischen Insurgenten, die teilweise beginnen, sich in unabhängige wilde Ban­den aufzulösen, keinerlei Geltung mehr. Dies zeigt sich deutlich z. B. bei der Reise der von General L e Rond nach Oppeln gebetenen Deputation der Arbeiteroertreter aus K a t t o w i tz. Trotz der Bemühungen des französischen Kreiskontrol­leurs, Majors Salerou, wurde hier die Abreise von den Polen zunächst überhaupt nicht gestattet. Die daraufhin von Salerou vom polnischen Hauptquar-1

tier persönlich erbetenen schriftlichen Ausweise wur­den auf der Fahrt von den polnischen Posten eben­falls nicht anerkannt, so daß die Deputation wieder umkehren mußte. Auch der schließlich von dem pol­nischen Kreisbeirat Cornick in Kattowitz in pol­nischer Sprache unterschriebene Ausweis genügte nur bis zu den ersten Postenketten von Mikultschütz. Von dort mußte sich die Deputation durch Verhand­lungen von Ort zu Ort in polnischer Begleitung bis kurz vor Oppeln durchhelfen. Ein ferneres Beispiel für die völlige Ohnmacht der interalliierten Kom­mission und ihrer Organe ist das am 14. ds. Mts. durch die polnischen Insurgenten erfolgte Anhalten des Rybniker Transportzuges von etwa 700 Flücht­lingen, obgleich diesem Zug freies Geleit von Seiten des polnischen Befehlshabers schriftlich zugesagt war und obgleich der Zug unter militärischer Bedeckung von drei alliierten Offizieren und 50 französischen Soldaten fuhr. Bis aus die Frauen, Kinder und älteren Männer wurden alle Flüchtlings verschleppt und vier Personen unterwegs im Walde von Tarnowitz nach vorherigen schwersten Mißhandlungen ohne irgendeine Veranlassung e r - schossen, darunter der 14jährige Gymnasiast Haase aus Rybnik.

Den Ausführungen dieser Note werden Eure Exzellenz entnehmen, daß die deutsche Regierung alles zur Besierung der oberschlesischen Aage zu tun bereit ist, soweit es die tatsächlichen Verhältnisse nicht unmöglich machen. Die deutsche RegieruM will die Hoffnung nicht aufgeben, daß es den Be­mühungen der interalliierten Kommission gelingen wird, endlich Mittel und Wege zu finden, die ord­nungsmäßige Gewalt in Oberschlesien wieder herzu- stellen und die Bevölkerung von dem Joche der pol­nischen Insurgenten zu befreien.

(gez.) Dr. Wirth.

Briand droht mit Vergeltungsmaßnahmen.

Paris, 23. Mai. Briand, der heute abend vom Lande nach Paris zurückgekehrt ist, hatte einer Havasmeldung zufolge eine Besprechung mit dem deutschen Botschafter Mayer, in der, wie Havas er­klärt, Briand Dr. Mayer ersucht haben soll, auf jeden Versuch eines Angriffs in Oberschlesien zu verzieh ten, wenn Deutschland sich nicht Vergeltungsmaß­nahmen von feiten der Alliierten aussetzen wolle. Die Agentur Havas glaubt zu wissen, daß dieser Schritt, um größere Bedeutung und größeres Ge­wicht zu haben, von einem ähnlichen Schritt in Lon­don bei dem deutschen Botschafter Sthamer unter­stützt werde. Später begab sich Briand in das Elysäe, wo er mit Millerand beriet. Der Minister­rat, der morgen wie üblich tagen wird, wird sich je­denfalls mit der oberschlesischen Frage befaßen. Am Nachmittag wird Briand in der Kammer eine Er­klärung abgeben, in der er wahrscheinlich die Trag­weite des heute unternommenen Schrittes erläutern wird.

Die englische Auffassung.

L o n d 3 n, 23. Mai. Wie Reuter erfährt, sprechen maßgebende Kreise in London ihr Erftannen aus über die Meldung, die französische Regierung habe ge- fordert, daß in Berlin ein neuer Schritt unternommen werde, nm die deutsche Regierung aufzufordern, den Einmarsch von Freiwilligen nach Oberschlesien zu der- hirbetn. Der britische Botschafter habe sich in dicker Frage schon verschiedene Male mit vollem Erfolg an die deutsche Regierung gewandt. Am 19. Mai habe die deutsche Regierung einen Ausruf erlassen, in dem str-die Rekrutierung von Freiwilligen für den Kamps in Ob,-Schlesien unter Androhung strenger Strafen »erbietet Jetzt habe sie in der gleichen Frage eine entsprechende Antwort auf die Note der interalliierten Militölkontrollkommission vom 14, Mai erteilt. Reuter gibt diese Antwort.im Wortlaut wieder und fährt sott: Es ist unnötig zu sagen, daß man in London genau so gut wie in Paris der Meinung ist, das iiuermächtigte Eindringen von Freiwilligen in das schlesische Abstimmungsgebiet sollte absolut ver­hindert werden und das schlechte Beispiel KorfantyS sollte von den Deutschen nicht nachgeahmt werden.

London, 23. Mai. TicDaily News" meldet, daß die deutsche Regierung auf die französische Note an das britische Ministerium des Aenßern antworten werde, die deutsche Regierung Hobe ihre Zusagen betressend die Frei- willigen-Formationen in Oberschlesien ehrlich erfüllt unb cs wäre verständiger, wenn die alliierten Botschafter in Berlin sich unkieinanbet mit der deutschen Regierung sachlich verständigten anstatt provozierend auszutreten. Man brauche sich nicht zu wundern, daß Deutschland weder Nahrungsmittel noch Geld nSich -Oberschlesien gehen lasse, denn beides würde nur den Ausständischcn zugute kommen. Bon einer Verletzung des Versailler Vertrags dadurch könne keine Rede sein. Trotzdem sei dem deutschen Reichskanzler ein Wink gegeben, daß durch solche Hand­lungsweise die deutschen Interessen nicht gefördert wer­den würden. jLvkal-Anz. )

Dr. M» MemiMn.

Berlin, 23. Mai. Der Reichspräsident hat ben bisherigen Gesandten im Haag, Dr. Rosen, »um Reichs­minister des Aeußern ernannt und den Reichskanzler von der Wahrnehmung der Geschäfte dieser Ministeriums entbunden.

Der zum Außenminister im Kabinett Wirth ernannte 'Dr. Rosen blickt auf langjährige Erfahrung in allen Zweigen des auswärtigen Dienstes zurück. Er gehött seit 1889 dem Auswärtigen Amt an. Mehrere Jahre hin­durch wirkte er am Konsulat in Beirut und an der Gesandtschaft in Teheran, 1899 wurde er zum Konsul in Jerusalem ernannt, ein Posten, den schon vorher sein Vater als preußischer Konsul bekleidet hat. Anfang 1901 wurde Rosen als vortragender Rat in die politische Ab­teilung des Auswärtigen Amts berufen. Hier bearbeitete er die Orientpolitik, bis er Anfang 1905 mit einer Sonder­mission nach Abessinien zur Anknüpfung von Handels­beziehungen und zum Abschluß eines HandelsvettrageS be­traut wurde. Ende 1905 übernahm er den Gesandten­posten in Tanger. 1910 wurde Rosen als Gesandter nach Bukarest, 1912 in gleicher Eigenschaft nach Lissabon versetzt, wo er bis zum Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen im März 1916 verblieb Scsi Herbst 1916 bekleidete er den Posten des GesaMcn im Haag, dev namentlich währeiü» des Krieges eine besondere Bedeu­tung gewann.

Die Nrfiihkm der Ultimatums.

Dr. Wirth über die Richtlinien der deutschen Politik.

Berlin, 23. Mai. In einer Unterredung mit einem Redakteur desB. T." erklärte Reichskanzler Dr. Wirth über die Richtlinien der deutschen Politik u. a.: Alsbald nach der Bildung der Regierung sind die zuständigen Ressorts angcw.esen worden, die Reparationsfrage nach großzügigen Gedanken zu bearbeiten. Sie werden sie in Form den Gesetz- emwürsen dem engen Ausschuß des Kabinetts und' hernach dem Kabinett selbst vorlegen. Diese sachliche« Borbereitungen können nicht auf die Augenblickspolitik eingestellt fein; denn unsere Politik muß von sachlicher Seite her auf lange Sicht gestellt feie. Deutschlands Befreiung kann nur durch Arbeit-« leistungen erfolgen. An den Opserivillen des deutsche» Bolles und an den festen Willen dauernd mitzu« arbeiten, nicht nur für ein paar Wochen, must appelliert werden. Diejenigen Parteien, die sich an der jetzigen Regierung beteiligen wollen, müssen - ihre Mitarbeit auf Jahre einstellcn. Niemand soll ausgeschlossen sein, der auf sachlichem Boden am Wiederaufbau-' Programm Mitarbeiten will. Mit Personen, die etwa nur patteipraktisch manövrieren, will und darf Deutsch­land nicht rechnen. Ich werde die Mitarbeit jener großen wirtschaftlichen Führer herzlich begrüßen, die in der Kriegszeit dem deutschen Volke durch Organi- salionsarbeit das Ausharren im Weltkampf ermöglicht haben. Auf die Frage, waS ihn zum Jawort beinz Utimalüm bestimmt habe, antwortete der Reichs­kanzler:Mer in der Welt hätte bei der Ablehnung dcit Ultimatums an Deutschlands Willen geglaubt, 6i< zur Grenze feiner Leistungsfähigkeit den Friedensvera trag zu erfüllen? Niemand; wir hätten die ganze Welk gegen uns gehabt! Wenn wir im Kriege ba< Leben und die Gesundheit von Millionen nicht schontest, um wievielmehr müssen wir opfern, um dadurch deutsches Land und die deutsche Freiheit reiten zT können." '

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Aufhebung der Sanktionen?

Düsseldorf, 24. Mai. Nach einer Mitteilung ans englischer Quelle steht die Aufhebung der Zollsanktio- ucn im Rheinland bis spätestens 6. Juni in Aussicht- Einige Tage vorher wird die Räumung der Städte Düssel­dorf, Duisburg und Ruhrort durch die BesatzungStrnppen angeorduet werden.

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Der zolMt WMd in MerWei

Annaberg von Deutschen und Engländern genommen.

Berlin, 23. Mai. Wie die Morgenblätter melden, wurde in einem umfassenden Vorstoß von Krappwitz und Cosel aus gestern unter englischer und deutscher Führung von Abteilungen des deutschen Selbstschutzes Annaberg, der höchste Punkt Oberschlesiens, ge­nommen. Drei Wochen war Annaberg, ein berühm- Wallfahrtsort, von den Polen besetzt und mit Artillerie bespickt. Er beherrscht das Land weit hinaus und ist entscheidend für mehrere wichtige Eisenbahnlinien. Die Polen wurden vollkommen geworfen; sie verloren drei Geschütze. Gleichzeitig wurde im Nordosten des Annaberges der strategische Punkt Großstein ge­nommen. Die Polen verloren hier zwei Minenwerscr und sieben schwere Maschinengewehre.

Französische Parteinahme. Schwere Mißhandlungen.

Oppeln, 23. Mai . Infolge der Absperrung de» oberschlesischen Industriegebietes von der Außenwelt er­halt die deutschc'Oesfentlichkeit erst jetzt Kunde von einem Telegramm, das die deutschen Parteien und Gewert»