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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marbmg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

DkeOberheffifche Zeituni" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 4.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. * Verlag vonDr. T. tzitzeroth.Druck der Univ.-Vuchdruckerei von Joh.Lug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher SS, Poststheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

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Die AsMrmz 6« HltimnluMs. ,

Auslieferung zweier Luftschiffe.

Berlin, 19. Mai. Auf Grund des Londoner Nlti- »atums hat die Interalliierte Luftfahrkontrollkommis­fon dem Auswärtigen Amt unter dem 18. Mai 1921 yne Note zugehen lassen, die sich mit der Frage der Entschädigung für die im September 1919 zerstörten 7 Marineluftschiffe befaßt. ES wird danach entsprechend her von der Botschafterkonferenz bereits im vorigen Jahre Betroffenen und in das Ultimatum aufgenommenen Ent­scheidung, die Auslieferung der beiden Zivil­lustschiffeNordstern" undBodensse" ver­langt, und zwar soll dieNordstern" noch vor dem 80. C. 21 an Frankreich abgeliefert werden, während sich die Kontrollkommission wegen des Zeitpunktes der Ueber- 'tzabe der Italien zugewiesenenBodensee" eine weitere Mitteilung Vorbehalten hat. Was die Entschädigung für bie übrigen 5 Luftschiffe anbelangt, so kann diese nach der jEntscheidung der Botschafterkonferenz in Gold, aber auch , iu Ersahbautcn geleistet werden. Das nähere hierüber sott > tarch einen besonderen Vertrag geregelt werde», den die -Lontrollkommission dem Auswärtigen Amt demnächst «Vermitteln wird.

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Berlin, 20. Mai. DemSeiet Tageblatt" zu­folge begibt sich Reichskommissar für die Entwaffnung Dr. Peters in den nächsten Tag-m nach München, Pvecks Rücksprache mit der bayerischen Regierung in bet Enttvafsnungsfrage.

T Berlin, 20. Mai. Wie dasBerl. Tageblatt" erfährt, hat gestern im Wiederaufbauministerium unter keilnahme von Vertretern des Auswärtigen Amtes sowie alter interessierten Berufsverbände eine Be- .Arecht'.ng über die Lieferung von Holzhäusern für die zerstörten Gebiete in Nokdfrankreich stattgesunden. Im Lauf- der nächsten Woche wird sich ein Vertreter des Miede raufbauministeriums nach Paris begeben, um kti dem französsichen Wicderanfbauminister Loucheur. bireft zu verhandeln über die in Frage kommenden -Typen der Häuser. Nach Abschluß dieser Besprechun- jpii wird dann sofort mit der Lieferung begonnen werden.

i . Die Entwaffnungsfrage.

tob. Berlin, 19. Mai. Die Entwaff - «ungsfrage wird unter der Leitung des Reichskanzlers im Reichsministerium des Innern Behandelt werden. Es sind Besprechungen zwischen Bayern und dem Reiche im Gange. Die Reichs- kegierung hofft, daß die bayerische Angelegenheit |a einem guten Ende gebracht werden kann, j, -Sie Reparationsfrage.

I Berlin,19. Mai. DieDeutsche Allg. Ztg." schreibt: Heute nachmittag findet eine Sitzung der iFachreferenten über die Reparationsfrage »nd zusammenhängend damit über Steuerfragen jlatt. Da der bisherige Steuerertrag nur das innere i Budget des Reiches deckt, muh für die übernom- jtecucn Reparationsverpflichtungen noch Deckung ! durch neue Steuern gesucht werden. Zn der Sitzung ifeilen Richtlinien für die Lösung dieser Frage auf- tzrftellt werden.

Der Mische MMd in SbnWeM

Flugblatt der deutschen Parteien und Erwerk- schäften.

Oppeln, 18. Mai. Tie deutschen Parteien und Gewerkschaften lassen in großen Mengen in Ober- sthlesieu ein Flugblatt verbreiten, worin es u. a. heißt:

Seit 14 Tagen tobt sich der verbrecherische Wahn- «fwn Korfantys »nd seiner Aufrührer in Oberschlesien «>s. Unendliches Elend hat Korfanty über unsere Heimat gebracht. Er ruiniert das Land, um seinen Uhrgeiz zu befriedigen. Auch feine Freunde, die Ber- baudSmächte, wollen mit diesem Subjekt nichts mehr f» tun haben und verurteilen das Verbrechen an Land )nb Volk, das er durch seinen blutigen Aufstand be­dangen hat. Tie deutsche Regierung hat ungeheuere Bkengen Lebensmittel für das Aufstandsgebiet und bie oberschlesischen Arbeiter zur Verfügung gestellt. Diese können aber nicht nach Oberschlesien geschasst derben ,weil der Aufstand den Bahnvrrkehr lahm- fclcflt hat Es ist nicht möglich, euch die Lebensmittel ,|u bringen, da die Gefahr besteht, daß sie von den Musrührern angehalten nnd ausgeplündert werden. Mehnlich verhält es sich mit den Geldsendungen. Das ifeelb ist da, aber keiner will es aus Furcht vor den jte an die Zähne bewaffneten polnischen Wegelagerern das Aufstandsgebiet bringen. Korfanty ist durch sbie Ausrührer selbst als der größte Schwindler unseres Jahrhunderts entlarvt worden. Korfanty glaubt sich ,1« Oberschlesien einige Tage behaupten zu können. :®ic Befreiung Er Joch Korfantys muß das Wer! sber Oberschlesier selbst fein. Wir müssen uns selbst iHrlfen. Tic Oberschlcsier in den Kreisen Kreuzburg, 'Ratibor und Kosel-Nenstadt haben sich neu organisiert, Jto* ihre Befreiung durchzuführen. Jetzt schlägt die jBkunde, wo bie Trennurigslinie yrfäUt, ,

Korfanty an Lloyd George.

London, 18. Mai. DieMorning Post" ver­öffentlicht ein langes Telegramm, bas Korfanty an Lloyd George in Erwiderung auf dessen Unterhausrede über Oberschlesien gerichtet hat. Korfanty erklärt oarin, er habe durch sein Vorgehe» die Anarchie und oen Bürgerkrieg in Oberschlesien verhindert. Weiter heißt es in dem Telegramm:Gewisse sowohl englisch« lische als auch französische Kreise könnten Ihnen sage», daß ich in Berlin während des großen Krieges mein Leben aufs Spiel fetzte, um selbstlos der Sache Eng­lands und Frankreichs zu dienen." Korfanty appelliert zum Schluß an das Gerechtigkeitsgefühl Lloyd Georges, an seine Ehre als Engländer und fordert einen ge­rechten Urteilsspruch, der auf den Vertrag von Ver­sailles gegründet sei. Auch dieses Telegramm zeugt wieder von der namenlosen Unverfrorenheit eines Mannes, dessen einziges Beweismittel die Lüge ist. In England wird ntox wissen, was man vom Vorgehen Korfantys zu halten hat, der in diesem Telegramm die Dreistigkeit besitzt, zu behaupten, Anarchie und Bürger­krieg in Oberschlesien verhindert zu haben, während er es gewesen ist, der sie heraufbeschworen hat. Daß Korfanty sich zur Vervollständigung seiner Charakte­ristik auch noch rühmt, während des Krieges von Berlin aus Spionendienste wider sein eignes Land verübt zu haben, wird der Welt wohl erst recht zeigen, welch ein trauriger Mensch dieser polnische Wühler ist.

Kattowitz schwer bedroht.

Oppeln, 19. Mai. In den Kreisen Ratibor und Kosel versuchten die polnischen Aufrührer das linke Oderufer zu gewinnen. Tie Insurgenten drangen nachts unter Maschinengewehr- und Minenfeuer gegen die Brücke bei Kreuzen ort vor. Der Angriff scheiterte. Ebenso erfolglos versuchten sie bei Kobelwitz auf dem linken Oderufer festen Fuß zu fassen. Stärkere Schießereien werden aus Rogau und Mechnitz gemeldet. In Kattowitz ist die Lage sehr bedrohlich. Heute morgen stellte eine polnische Abordnung an den Magistrat die Forderung auf Uebergabe der Stadt,, welche abgelehnt wurde. Die Erregung in der Stadt ist groß.

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Berlin, 20. Mai. Der am 3. 5. von den pol­nischen Insurgenten festgenommene deutsche Ple- biszitkommissar, Rechtsanwalt Knnth, der über die Grenze auf polnisches Gebiet nach Schwarzwasser gebracht worden war, jetzt aber wieder freigelassen worden ist, erzählt in einem Bericht über seine Erlebnisse in polnischer Gefangenschaft, daß die Führung der Aufständischen überall in den Händen von Posener aktiven Soldaten sei, die erklärten, daß sic nach Oberschlesien kommandiert worden seien. An der Grenze versehe polnisches reguläres Militär den Etap­pen- und Nachrichtendienst. Er habe auch auf pol­nischem Gebiet Franzosen angetroffen. In Schwarz- Wasser hätten zehn französische Offiziere Nachschub und Verpflegung, den Munitionstransport usw. geleitet. Er habe einwandfrei Nachschübe von Minenwerfern, Munition und Verpflegung aus Polen festgestellt. Oberfchlesische Bauern und Bergarbeiter hätten nur dem Namen nach das Kommando über die Insurgen­ten, während die eigentliche Führung in den Händen aktiver polnischer Offiziere auch höheren Ranges liege. Hinter der Front würden Kompagnien junger Leute, die aus Freiwilligen, die aus Polen, Posen und West- preußen zusammengeströmt sind, bestehen, von aktiven polnischen Offizieren ausgebildet.

Nach einem polnischen Bericht haben die Polen seit Beginn des Aufruhrs 956 Tote und über 1400 Verwundete verloren.

Nach einer Meldung derTägl. Rundschau" aus Gleiwitz hat Rechtsanwalt Wolny in Beuthen den ihm angetcageuen Posten des polnischen Plebiszit­kommissars, als Nachfolger Korfantys, abgelehnt. In einem polnischen heeresbesehl wird einem Priester der besondere Tank ausgesprochen, weil er au der Spitze der Polen zum Sturm vorging.

Gleiwitz, 20. Mai. Die Lage hat eine loesentliche Verschlechterung erfahren. Gleiwitz, Beuthen undKatw- witz sind von der Außenwelt vollständig abgeschnitten. Alle Austveise die von den Polen ausgestellt ivaren, sind jetzt für ungültig erklärt worden. Am Mittwoch Nachmittag gegen 5 Uhr versuchten die Polen einen An­griff aus Gleiwitz aus Richtung Sosnitza, der durch hef­tiges Mafchinengewehrseuer und Gewehrseuer eingeleitet wurde. Tie Verteidiger schlugen den Angriff ab. Ein deutscher Eisenbahnbeamter wurde hierbei durch einen Bauchschuß getötet. Sonst ist die Lage in Gleiwitz selbst ziemlich unverändert. Der Lebensnüttelmangel macht sich immer mehr fühlbar. Aus Richtersborf sind in der Nacht neuere Meldungen eingetroffen, die besagen, daß die Polen das Dorf wieder besetzt haben, nachdem es be­reits geräumt war. Die Polen gaben bekannt, daß Richtersdorf wieder unter polnische Verwaltung gestellt sei. Alle hier !>e'indlichen deutschen Beamten gelten ihres Amtes enthoben. In einem anderen Aufruf der Polen werden alle Männer aufgesordert, sich unter dir Lahnen der polnischen Insurgenten zu begeben.

Breslau, 19. Mai. TieSchlesische Volks­zeitung". veröffentlicht einen Erlaß des Fürst­bischofs Bertram für das besetzte oberschlesische Tiözesangebiet in dem die Geistlichen aufgefordert wer­den in den besetzten Gemeinden, in denen der Gottes­dienst und die <SeeIforge teilweise oder ganz aufgehört haben, Aushilfe zu leisten. Sie sollten dabei be- ruyigend aus die Bevölkerung einwirken und beson­ders auf das Verbrecherische der Angriffe auf Leben und Habe der Mitmenschen mit allem Freimut und Nachdruck Hinweisen. Es wird ferner darauf hinge- wiesen, daß sich die Geistlichen jedweden Politisierens in der Kirche und bei der Seelsorge zu enthalten und in der Ausübung politischer Rechte ein würdiges Maß einhalten sollen. Außerdem wird vor verhetzender und verleumderischer Agitation gewarnt.

Oppeln, 19. Mai. Im Kreise Kreuzburg ist die Lage im, wesentlichen unverändert. In den Krei­sen Ratibor und Kosel versuchten die polnischen Auf­rührer das linke Oderufer zu gewinnen. Tie Insur­genten drangen in der letzten Nacht unter Maschinen­gewehrfeuer gegen die Brücke bei Kreuzenort vor,. Nach­dem der Angriff gescheitert war, versuchten die Auf­ständischen noch die Brücke in die Lust zu sprengen. Aber auch dieser Sprengverfuch mißlang. Die pol­nischen Insurgenten versuchten ebenfalls ohne Erfolg bei Kobelwitz auf dem linken Oderufer festen Fuß zu fassen. Stärkere Schießereien werden aus Rogan und Mechnitz gemeldet. Aus dem Kreise Beuthen wird mitgeteilt, daß die Insurgenten die Eisenbahnwaggons mit polnischen Bezeichnungen übermalen und polnische Nummerschilder für Kraftwagen ausgeben. In Katto­witz ist hie Lage sehr bedrohlich geworden. Heute mor­gen stellte eine polnische Abordnung an den Magistrat die Forderung auf Uebergabe der Stadt. Diese Forde­rung wurde abgelehnt. Die Stimmung der Bevölke­rung in Kattowitz ist sehr erregt.

Verstärkung der englischen Truppen.

Köln, 19. Mai. Zwei englische Regimenter wurden gestern Mitsivoch von der englischen Besatzungsarmre im Westen in Marsch gesetzt, um nach Oberschlesien trans­portiert zu werden.

Briands Ansicht.

Paris, 18. Mai. Wie aus Loudon gemeldet wird, verösfentlicht dieDaily Mail" eine Unter­redung mit dem Miuisterpräsiden,ten Briand. Danach sagte Briand, auch.die Fran­zosen wünschten, daß der Versailler Friedensvertrag durchgeführt werde; aber nichts in dem Vertrag sage, das; alle reichen Bergwerksbezrrke Oberschlesiens den Deutschen znsallen müßten und daß die Polen nur das erhalten sollten, was übrig bleibt. Er wünsche nicht, sich in einen Streit mit Lloyd George einzu­lassen. Er halte ein Zusammentreffen mit Lloyd George nicht für wünschenswert, solange noch nicht alle Dokumente über die Volks­abstimmung von der interalliierten Kommission in Oppeln eingegangen seien.

Eine polnische Rote an Amerika.

Washington, 19. Mai. Reuter. In ihrer Note an die Regierung der Vereinigten Staaten er­klärt die polnische Regierung, daß die Plebiszitkom- mffsion dadurch, daß sie die Entscheidung 2 Monate in der Schwebe hielt, mit den hochgespannten Gefühlen der Bevölkerung gespielt habe. Ter Aufschub schien das Gerücht zu bestätigen, daß die Entscheidung nicht in Uebereinstimmung mit dem Ergebnis der Abstim­mung getroffen werde, sondern auf politische Kom­binationen iind Interessen der in der Plebiszitkom­mission und dem Obersten Rat vertretenen Mächte be­gründet sein würde. In Anbetracht der infolgedessen verbreiteten Auffassung sei es nicht überraschend, daß die schlesischen Polen zu den Waffen eilten.

Eine neueLösung" der oberschlesischen Frage.

Paris, 18. Mai. DieChicago Tribüne" be­richtet heute von folgendem Plan: Oberschlesien solle unabhängig gemacht werden, entweder unter der Herrschaft des Völkerbundes wie das Saargebiet oder unter einem unmittelbaren Regime der alliierten Mächte. In Frankreich sehe man ein, daß es angesichts der gegenwärtigen Lage der Tinge saft unmöglich fei, Polen den ganzen Jndustriebezirk zu sicherns ES sei auch geplant, nach einer gewissen Zeit die Volks­abstimmung zu wiederholen.

Bei der vorstehenden Meldung handelt es sich wohl um einen Versuchsballon von amtlicher Seite. Solchen Anabhüngigkeitszielen mutz mit aller Schärfe widersprochen werden. Das deutsche Volk verlangt sein auf Grund der Abstimmung klar zu­tage getretenes Recht!

Korfanty bietet Kohlen an.

Berlin, 19. Mai. Sämtliche Wiener Groß­händler erhielten von Korfanty ein Schreiben mit der Aufforderung, Vertreter nach Sosnowice zu entsenden, um mit dem Plebifzitkommissariat über die Liefe­rung vberjchlefijcher Kohle und Koks LH verhasdels.

Bis auf die Firma Berl lchnten alle Wiener Groß« Händler es ab Vertreter zu entsenden. Tie Wiener Regierung ist bemüht, auch bie Firma Berl abzy- halten, Vertreter nach Sosnowice zu schicken.

Abermalige Verleumdungen Deutschlands.

Paris, 19. Mai. DerTemps" bestätigt in einet offiziös beeinflußten Note, daß schon Verhandlungen statt- gefunden haben über die Frage, wie sich Frankreich gegen» über einem Einmarsch deutscher Truppen in Oberschlesien verhalten würde. Und zwar teilt das Blatt mit, daß sowohl Lord Curzon mit dem französischen Botschaft« in Soitbon als auch der britische Geschäftsträger mit der französischen Regierung Besprechungen hierüber gehabt habe. Die englische Regierung wünsche, daß sobald wie möglich eine Konseren» des Obersten Rates über die ober­schlesische Frage stattsindc. Die französische Regierung könne sich jedoch hierüber erst nach Beendigung der par­lamentarischen Verhaichlungen aussprechen und auf da» englische Ersuchen vor Montag keine Antwort gebe«. JnAvischen habe die englische Regierung wissen wollen, ob Frankreich eine Besetzung des RuhrgcbieteS ins Auge fasse. Ein derartiges spontan von Frankreich ausgeführte» Vorgehen werde in London Einwendungen hervorruße«. Die französische Regierung ihrersefts habe aber schon jetzt bestätigen können, daß sie das nicht beabsichtige, wen» keine Ereignisse eintreten, das die Besetzung des Ruhrgo» bietes erfordere. Man glaube zwar in Paris nicht, daß sich ein derartiges Ereignis in Oberschlesien vollziehe« werde, aber man könne nicht absolut garantieren, daß es sich nicht doch ereignen werde, denn das hänge ja nicht von Frankreich ab. Im übrigen bemerke man in Pari», daß die Lage der polnischen Regierung im Vergleich zu der der deutschen Regierung eine ganz andere sei. Die pol- . nische Regierung habe ihre Grenzen gesteckt und die Auk» stäudischen Korfantys handelten außerhalb deS ihrer Ober­hoheit unterstehenden Gebietes. Aber deutsche Bande«, bie in OberschKiM Anfällen, organifierten und bewaff­neten sich auf einem Geölkt. das der deutschen Regieniu« unterstehe. Wenn man also detr-Fn^.^.herstMn müsse man in Berlin vorgehen und aus die Gefahr Hin­weisen, denen sich Deutschland aussetze, wenn eS nicht die Kriegsvorbereitungen unterbreche, die sich in Deutsch­land vollziehen. - u

London, 19. Mai. Reuter erfährt auS wohl­unterrichteten Kreisen, daß alle Aussicht dafür besteh^ der Oberste Rat werde zum Wochenende zusammentreten. Bisher liegt von französischer Seite kein Anzeichen dafür vor, daß die Franzosen nicht bereit sein würden, mit ihren Alliierten auf der Konferenz bald zusammen zutreffend Der Eindruck sei vielmehr der, .daß die Franksten ba»W bereit seien, sobald Briand seine Erklärungen in der fran­zösischen Kammer abgegeben habe. ES wird behauptet, daß alle guten Resultate, die auS der Abhaltung der Konferenz folgen könnten, zunichte gemacht werde» wür­den durch einen Aufschub um einige Wochen, für den ge­wisse Kreise eintreten. Eine Verzögerung ein« end- gültigen Aktion könne die Sage nur erschweren. Es sei wenig wahrscheinlich, daß diese Konferenz zu irgend einem bestimmten Beschluß bezüglich der Zuteilung der strittige« Gebiete kommen werde. Sie werj^ sich vielmehr auf ttne Besprechung der allgemeinen Politik beschränken. ij

Paris, 19. Mai. WieJournal" mitteilt, soll d« britische Geschäftsträger int Laufe seines Besuches am Quai d'Orsay mit einem gewissen Nachdruck gefragt haben, welches die Haltung Frankreichs sein, wenn organisierte deutsche Abteilungen in das strittige Gebiet Oberschle- sicns einbringen würden. Die britische Regierung habe vor allem zu erfahren gewünscht, ob bei dieser Eventuali­tät Frankreich das Ruhrgebiet besetzen würde. ES vtt- stehe sich von selbst, daß es unmöglich gewesen fei, auf fine derartige hypothetische Frage eine Antwort zu er­teilen. Die Erklärung, die Mini ».rpr äsident Briand am Sonnabend abgab, bezeichne genügend, tote Frankreich eine derartige Initiative Deutschlands auffaffe.

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Polen.

Berlin, 19. Mai. TasBerl. Tagckl." meldet aus Warschau: Ter polnische Ministerpräsident Witos gab im Sejm die angekündigte Regie­rungserklärung über Oberschlesien und g<ck unter stürmischem Beifall des Parlaments bekannt, daß die französische Regierung ihm soeben mitgeteilt habe, sie werde nicht zulassen, daß die oberschlesi« s ch e Frage anders als aus der Grundlage des Ber- iailler Vertrages des Abstimmungsergebnisses ent­schieden werde. Sie werde weiter nicht zulassen, daß bewaffnete deutsche Mteilungen ober deutsche Munition über die oberschlesische Grenze gelangen können. Wita» erklärte, die polnische Regierung werde sich erneut «« die Leitung der Aufständischen wenden mit ber Auf­forderung, die Aufstandsbewegung zu liquidieren, um so die Möglichkeit einer gerechten Entscheidung deS Schicksals Oberschlcsiens durch die Alliierten zu geben. Die polnische Regierung verbleibt auf dem Stand­punkt dcs Versailler Vertrags und unternimmt de« erwähnten Schritt in der Ueberzeugung, daß bi«- Alliierten einschließlich Englands ein Einrücken bet, Deutschen nach Oberschlesien nicht zulassen werden, i

Damit schloß die Erklärung und gleichzeitig dir Sitzung unter starkem Beifall und Hochrufen aus dir Aufständischen {!}. Die KröHekUML wurde auf FeeijaH vertagt, -----"