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Amtliches VerkündigungsblaU des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

DieOderhelsijche Bettun < erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich

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4.25 3Rf., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag oonDr. T. Hitzeroth. Druck der llnio.-Buchdruckerei von Joh.Äug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Dienstag, dm 17. Kai

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56. 3*

1921.

Mild; InM an LiM Kurse.

r* Beschuldigungen Deutschland--.

x- Paris, 14. Mai. Ministerpräsident Briand yflärte als Antwort auf die gestrige Rede Lloyd Georges im Unterhause einem Vertreter des ^emps", der Auszug der Rede des englischen Premierministers, den er besitze, sei zu unvoll- ßändig, als datz er ein endgültiges Urteil abgeben ßnne. Er sei jedoch nicht erstaunt gewesen, datz der stanzösische Standpunkt von dem Lloyd Georges wesentlich abweiche. Der englische Standpunkt »erbe beeinflußt von der Ansicht des britischen Kommissars in Obcrschlesien, die von der Ansicht des französischen Vertreters und auch in gewißer Ve- pehung von der des italienischen Kommissars ab- »eiche. Es sei wünschenswert und das sei auch die Ansicht der französischen Negierung, datz man den drei Kommissaren unbedingt nötige Zeit lasse, vm ihre verschiedenen Ansichten auszugleichen und ge,ätz dem Vertrage einen einheitlichen Vorschlag Pnsichllich der Erenzlinie-zu machen. Es sei sicher ein Irrtum gewesen, von der Kommission in drei eher vier Tagen einen Bericht über eine so heikle Frage zu verlangen, der erst in Angriff hätte ge- wmmen werden können, nachdem das Ergebnis der Abstimmung Gemeinde für Gemeinde endgültig habe bestimmt werden können. Es seien drei ver­schiedene Berichte erstattet worden, die die Verbün­deten noch nicht gemeinsam hätten prüfen können. Das sei der Grund der Unruhen, aber auch die falsche deutsche Nachricht (!) über den endgültigen Cha­rakter der Zusprechung des Industriegebietes an Deutschland entgegen dem Ergebnis der Volks­abstimmung trage Schuld daran. Briand vertritt den Standpunkt, datz das Uebel noch vollständig Meder gutgemacht werden könne, denn die verbün­dete Kommission habe ihre volle Pflicht getan, ohne m irgend einer Weise mit den Aufständischen zu paktieren, noch einen Waffenstillstand mit ihnen abzuschlietzen, wie es die tendenziöse deutsche Pro­paganda (!), die die Welt überflute, gesagt habe. Die französischen und die italienischen Truppen hät­ten Verluste an Toten und Verwundeten gehabt «rd ihren ganzen Einfluß aufgewandt, um die Un­ruhen zu bekämpfen.- Die Ruhe sei beinahe wieder­hergestellt, man habe einen direkten Kampf zwischen Deutschen und polnischen Banden verhindert.

Paris 14. Mai. (Haoas.) Briand empfing heute nachmittag die Vertreter der ausländischen Presse und gab ihnen folgende Erklärung ab»

Die Nachrichten, die in Oberschlesien verbreitet wurden, und die es so darstellen wollten, als ob die Perbandsregierungen in der Sitzung des Obersten Nates in London beschloßen hätten, Deutschland trotz der Ergebniße der Volksabstimmung den ge­samten Grubrnbezirk zuzuteilen, haben lebhaften Äorn und Empörung unter den Grubenarbeitern polnischen Ursprungs hervorgerufen und zu einem Aufstand geführt. Dieser Auständ gewann ständig w Macht und nahm bald den Charakter äußerster - Heftigkeit an. Die französische, die englische und die italienische Regierung gaben unverzüglich die förm- .sichsten Anweisungen, um es unmöglich zu machen, baß dieses Unglück größeren Umfang annehme. Die französische Negierung unternahm einen Schritt bei bei polnischen Regierung, damit diese ihre Staats­angehörigen daran hindere, Schritte zu unter­nehmen, die nur dazu angetan wären, der polni­schen Sache in Oberschlefien zu schaden. Im Verfolg Nn Zusammenstößen zwischen französischen und ita­lienischen Truppen einerseits und den polnischen Insurgenten andererseits gab es Tote und Verwun- bete. Das beweist wohl deutlich, datz die Polizei- kräfte voll und ganz ihre Pflicht erfüllt haben. Die Kanzösische Regierung erhebt also auf das entschie- benite Einspruch gegen alle die falschen und Irre­führenden Nachrichten, deren Zweck es ist, die fran- öosische Regierung so hinzustellen, als hätte sie ihre Pflicht nicht erfüllt. Sie hat sie in jedem Falle bittet den schwierigsten Umständen erfüllt, indem sie it 12 000 Soldaten Leben und Eigentum der deutschen gegen mehr als 100 000 polnische Insur- lenten verteidigt hat.

Briand sprach dann von der Stellungnahme der Perbandsregierungen untereinander in dieser 8rage und erklärte: Frankreich stellt sich auf den Pötzen des Vertrages von Versailles, der keines­wegs angibt, datz ein verschiedenes Verfahren für *e[e Gegend zur Anwendung kommen mutz, je näch­stem, ob sie Kohle enthält oder nicht. Wenn in dem -Kohlengebiet eine polnische Mehrheit vorhanden ist, darf nicht deshalb, weil es sich um Arbeiter- Mmmen handelt, dieses Gebiet Polen weggenom- *en werden. Die Grenze wird unter Berücksichti- der Abstimmung und unter Berücksichtigung *** völkischen und wirtschaftlichen Erfordernisse ge- Kdllen werden.

Paris, 16. Mai. Bei dem gestrigen Empsizpg >es polnischen Ministers für auswärtige Angelegen­heiten Sapieha erklärte, nach demMatin", Minister­präsident Briand, Frankreich werde auf keinen Fall i>tn Einmarsch der deutschen Armee in Oberschlesien znlassen. Briand sprach aber die Hoffnung aus, daß die polnische Regierung ihre Neutralitätspoli- t i f (?) aufrecht erhalte, damit die Aufgabe der inter­alliierten Kommission nicht erschwert werde. Fürst Sapieha, der gestern nachmittag Paris wieder verließ, um nach Warschau zurückzukehren, will am Donners­tag im polnischen Parlament als Antwort auf die Rede Lloyd Georges Erklärungen abgeben, die nach Ansicht desMatin" sehr energisch gehalten sein sollen, denn der Minister werde zum ersten Male vor dem Lartde und Parlament die antipolnische Politik der englischen Regierung auseinandersetzen.

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Stimmen rm Rede LW Store«.

Erregung in der französischen Presse. Erbitternug in Polen.

Paris, 14. Mai.Temp s" sagt zur Rede Lloyd Georges, er wolle die Dinge mit Zurückhaltung beurteilen. Lloyd George werfe den Polen vor, daß sie während des Krieges in der deutschen und in der österreichischen Armee gekämpft hätten. Dieser Bor­wurf sei deplaciert in einer Rede, die Deutschland so günstig sei. Die Polen, die in feindlichen Armeen gedient hätten, hätten die Freiheit des Handelns und das Recht des Kommandos nicht gehabt. Diejenigen, die behaupteten, daß Deutschland, damit es bezahlen könne, die Jndustriegegend von Oberschlesien nötig hätte, vergaßen erstens die Bestimmungen des Ver- ttages und dann, daß die polnische Regierung am 23. April den Alliierten den Vorschlag gemacht habe, an den Reparationen teilzunehmen und zwar wäh­rend 30 oder 40 Jahre und unter dec Kontrolle einer Interalliierten Kommission. Lloyd George hebe auch von dec Gefahr gesprochen, die später ein wieder orga­nisiertes Rußland bedeuten könne. Tas Blatt fragt: für wen? Gewiß nur für die Macht, die heute das Baltische Meer beherrsche und die Konstantinopel in Händen habe. Lloyd George glaube die Lösung des russischen Problems gesunden zu haben. Denn er schone heute Deutschland, um es den Russen entgegen zu stellen, wie 1914 Frankreich und Belgien sich Deutschland entg-gengestellt hätten, nm ihm den Zu­gang zum Kanal zu ver'perren. So seien die Rollen für einen neuen Krieg verteilt. Seien deshalb so viele britische Soldaten auf französischer Erde tap'er ge­fallen? Habe dafür die französische Regierung darauf verzichtet, das Ruhrgebiet zu besetzen?

I n t r a u s i g e a n t" sagt, Lloyd George sei schlecht unterrichtet über die Geduld der französischen öffentlichen Meinung, wenn er sie für fähig halte, unge­straft seine Phantasien nach d-nen von Wilson zu er dulden, den er als Weltfriedensrichter ersetzen wolle. Ernste Tinge müßten ernst behandelt iverden. Bis aus weiteres verpflichte der Friedensvertrag von Versailles die ganze Welt, auch England: keiner seiner Unter­zeichner, auch wenn er Lloyd George heiße, dürfe seine Klauseln vergessen und Entscheidungen treffen, die den alliierten und assoziierten Mächten, vor allem Frankreich, England, Amerika, Italien und Japan zukämen.

L i b e r t e" ist besonders entsetzt, daß Lloyd George nicht vor dem Gedanken zurückschrecke, Deutschland zu gestatten, sich in Oberschlesien der Reichswehr zu be­dienen. Nm etwas derart Gefährliches ins Auge zu fassen, welche Sicherheiten könne Lloyd George haben, die Frankreich nicht besitze, welche Versprechungen müß­ten seine diplomatischen Agenten Deutschland gegeben haben, die Frankreich weder kenne, noch verbürgt habe?

W a r s ch a u, 16. Mai. Die Warschauer Presse äußert sich in maßloser Erbitterung zu der Rede Lloyd Georges über Oberschlefien.

TieGa^ta Poranna" schreibt in einem Leitartikel, Lloyd Georges Bebauptungen zeugten von jener Igno­ranz, die aus seiner bekannten Verwechsellmg von Gali­zien und Schlesien hervvrgche. Er sei in allen Fragen Ostgalizieu, Masuren, Wilna, Danzig Polens Feind gewesen. Nicht Polen, sondern Lloyd George breche den Versailler Vertrag und behandle ihn als einen Fetzen Papier. Seine Aeußerungen über die Teilnahme deut­scher Truppen bei der Niederwerfung des Aufstandes in Oberschlefien kämen einer direkten Aufforderung an Deutschland zum Einmarsch gleich. Polen wolle einen Krieg mit Deutschland nicht, aber in dreiem Falle müsse die Regierung aus ihrer vafsiven Neutralität heraustreten.

DerKurier Poranny" nennt Lloyd Georges Rede unerhört. Aus jedem Satz habe Wut gcgen^Polen herövrgesprüht. Es sei nicht die Rede eines Staats- manncs, sondern eines Advokaten getreten, der eine schlechte Sache vertrete.

R e z e s z p o s p o l i t a" schreibt, vier Elemente in Lloyd tzleorges Rede seien hervor;.:heben: Erstens die Entdcckrmg, daß die polnische Bevölkerung Oberschlesiens zugcwandert fei, zweitens die Beleisigung, daß Polen für seine Freiheit nichts getan habe, drittens der Witz, daß Polen in Obcrfchlesien den Versailler Vertrag vergewaltigt

habe, viertens die Drohung, daß deutsche Truppen sich auf Oberschlesien stürzen sollten. Niemand in Europa vergewaltige bett Versailler Vertrag so wir Lloyd George. Seine Aufforderung an Deutschland zunt bewaffneten Einmarsch in Oberschlesien sei unerhört.

Paris, 15. Mai. Zur gestrigen Erklärung Briands sagtM a t i n", was wird sich nun, da der französische Ministerpräsident den unüberlegten Aeuße­rungen Lloyd Georges die These der Vernunft ent­gegengesetzt hat, ereignen, wenn Deutschland auf die Anregung des englischen Premierministers vertrauend, glaubt, mit Waffengewalt in Oberschlesien intervenieren zu können. Dann werden die französischen Truppen ins Ruhrgebiet einmarfchieren. Das hat Briand nicht gesagt, aber wir bestätigen es, weil es unmöglich anders sein kann. Wir werden Detltschland nicht gestatten, feine Kräfte gegen Polen zu erproben. Wir werden nicht den Krieg in Mitteleuropa entfachen lassen. Tie alliierten und assoziierten Regierungen sind übrigens gestern von dem französischen Standpunkt in der oberschkesischrn Frage m KenntnB gesetzt worden. Untere Politik kann nicht von den Schwankungen Lloyd Georges abhängen. Wir haben für uns das gute Recht, den gesunden Menschenverstand und die Kraft. Aus uns ruht die Verantwortung für die Ordnung in Europa. Wir werden ihr Respekt ver­schaffen, mit oder ohne Lloyd George.

London, 15. Mai. Havas meldet, die englische Regierung habe durch ihren Botschafter Briand eine Note über die Ereignisse in Oberschlesien Überreicht, in der Lloyd George um eine baldige Zusammenkunft mit Briand gebeten habe. Briand habe erwidert, daß er über diese Sache nicht verhandeln könne, be^or er mit dem Parlament Fühlung genommen habe. Tie Kammer soll nächsten Donnerstag ihre Arbeiten auf­nehmen.

Paris, 15. Mai. WiePetit Parifien" be­richtet wird in der Antwort der französischen Regie­rung ans die an sie gerichtete englische Note über Oberschlesien u. a. noch mitgeteilt: Wenn auch in ge­wissem Maße den Polen die Verantwortung für die Ereignisse in Oberschlefien zufalle so habe die polnische Regierung doch eine korrekte Haltung beobachtet und die Grenze gesperrt. Die Note drückt Verwunderung darüber ans, daß die englische Regierung noch nicht die von bet Bvtschasterkonfcrenz beschlossene Demarche in Berlin ausgeführt habe. Die französische Negie­rung bestätigte formell, dgß die Vertreter Fankreichs in Oberschlefien auch keinen Waffenstillstand mit den Aufrührern unter Festsetzung einer Demarkationslinie geschlossen hätten. Endlich leugne man französischer- feits niemals» die Absicht gehabt zu haben, das gesamte oberschlefische Becken nötigenfalls mit Gewalt den Polen zuzufprechen. Wenn Teulsihland in Ober­schlesien mit Waffengewalt eingreife, könne Frankreich aus keinen Fall dem passiv zusehen.Jntransigearit" fügt hinzu, ein bewaffneter Eingriff Deutschlands in Oberschlefien werde als casus belli angesehen werden.

Für Lloyd George.

London, 17. Mai. Der Arbeiterführer Hen­derson erklärte, die Rede Lloyd Georges gebe die Meinung der Mehrheit des englischen Volkes wie­der.

Paris, 17. Mai. Man meldet, datz das ganze Kabinett dis oberschles. Frage gebilligt hat. Das ist besonders wichtig für das Verhältnis zwischen Lloyd George und Cecil. Dieser ist bekanntlich der Vor­kämpfer des Gedankens, mit Deutschland zusammen­zugehen, um im Osten Europas zur Ordnung zu kommen.

Rom, 17. Mai. DasB. T. meldet: Die ge­samte italienische Preße steht entschieden auf der Seite Lloyd Georges. DerTempo" weist auf die wachsende Kluft zwischen London und Paris hin und nennt Briands Erklärungen widerlich chauvi­nistisch. Der Berliner Vertreter derGazette del Popolo", Dr. E. de Benedetti, hebt das gute Recht Deutschlands hervor, sich gegen die durch die Inter­alliierte Kommission hervorgerufene polnische Ver­gewaltigung zu wehren. Die Hauptsache ist auf den Rat Amerikas geschehen. Die Annahme des Ulti­matums hat die diplomatische Lage durchaus ver­ändert. Bald werde die Entente und Polen sie zu ihrem Leidwesen erkennen. Lloyd Georges Rede bedeutet einen kategorischen Fall. DieStampa" rät Polen und Frankreich, zum Rückzug zu blasen. Die Ententekornrnifsion hätte den skrupellosen De­magogen Korfanty längst aus Oberschlesien auswei- sen sollen.Popolo d'Italia" ruft der Entente zu, Italien werde seine oberschlesischen Toten nicht ver­geßen. Die moralische Solidarität des Verbandes sei schwer erschwürtet. Der Oberste Rat müße die oberschlefische Frage bald gerecht entscheiden.

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Wir müßen uns hüten, die Bedeutung der Rede Lloyd Georges zu überschätzerz. Es ist an dieser Stelle bereits vor einigen Tagen daran shingewiesen worden»

daß dem so schwer bedrängten Oberschlefien und damit unserem Vaterland nicht geholfen ist mit schöne» Worten, beten wir nun von englischer und auch italie­nischer Seite genug geerbt habe». Lloyd George wird zeigen müssen, ob er auch ernstlich gewillt ift seine Auffassung in genügend scharfem Maße gegenüber Frankreich zur Geltung zu bringen. Die Rede bei englischen Premierministers bebrütet noch feine end­gültige Entscheidung! Tas deutsche Volk wird mit Genugtuung Kenntnis nehmen von der Anerkennung des Gerechtigkeitsstandpunktes in der oberschlesische» Frage, es kann aber nach so furchtbaren Enttäuschun­gen an diese Gerechtigkeit erst dann glauben, wen» sie Ausdruck findet in Taten! ; , .. j.v;_i .

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Det mlniffit AMmd in SbnMßen.

Verschärfung der Lage. Die Ztaliener ziehen sich zurück."Verschleppungen. <

Oppeln, 16. Mai, abends. Die Pfingstfeierkage haben eine Veränderung und Verschärfung der Lage t» si>lge bet Truppenverschiebungen gebracht, die im ober« schlesischen Aufruhrgebiet in den gefährdete» Kreist« eotflenommen wurden. Nach dem Abtransportber italienischen Truppen auS Nikolai wurde der Ort von bat polnischen Aufrührern besetzt, bie die 65 Mann starke Gruppe der deutschen Abstimmungspolirei eutrvafsnelett und gefangen nahmen. Zahlreiche deutsche Flüchtlinge, bie sich in Nikolai aufhielte«, sind verschleppt worden. Nach neueren Nachrich­ten wurde Nikolai von den Insurgenten später wieder geräumt. Die italienischen Truppen räumten weiter­hin die Kreise Pleß und Rybnik und zogen sich in Richtung auf Ratibor zurück. In den Städten Rbhnik und Pleß befinde sich nur eine schwache französische Be­satzung, sodaß die Gefahr enter Besetzung dieser Städte durch bie Aufständischen besteht. Bis zur Stunde liege» über eine erfolgte Besetzung noch keine Nachrichten vor. AuS dem Streife Rybnik werden zahlreiche Drang« salierungrn der dortigen deutschen Gruben« beamten gemeldet. Gogolin im Kreise Groß-Stre« litz wurde gestern aus Richtung Annabetg von den Insur­genten mit Artillerie stark beschossen. Auf deutscher Seite sind mehrere Tote zu beklagen. Es gelang indessen den Aufftärwischen nicht, den Ort zu besetze«, Heute morgen trafen Verstärkungen der deutschen Abstim­mungspolizei aus Oppeln in Gogolin ein, da ein polnische« Angriff erwartet weche, bet bis zur Zeit noch nicht ehw gefetzt hat. In den Kreisen Hindenburg und Tamowitz Tertvrsälle und Verhaftungen von deutschgesinnten Obev- schleffieru. In den übrigen Kreisen ist die Lage im wesentlichen unverändert. Von der interalliierten Kom­mission ist mehrfach eme Besserung bet Lage in Ober» schlesien berichtet worden, bie den tatsächlichen Verhält­nissen in keiner Weise entspricht. Dem Vertreter bei Auswärtigen Amtes beim deutschen Bevollmächtigten ist auf sein Ersuchen, sich durch Augenschein von den tat­sächlichen Machtverhältnissen in den von den Insurgen­ten besetzten Gebieten überzeugen zu können, von dem Stellvertreter des Generals Lerond erklärt worden, daß er zu seinem Bedauern nicht in bet Sage sei, die Garan­tien für feine Sicherheit zu übernehmen. Weiter ist ein von Beuthen nach Oppeln fahrendes Lastauto mit vier Frauen und etwa zwanzig Mannern, obgleich es unter ftanzösischer Fahne fuhr und von französischem Militär eskortiert wurde, in Peisktetfcham von polnischen Insur­genten angehalten worden. Die sämtlichen Männer wur­den herausgeholt und verschleppt. Ueber ihren Verbleib ist nichts bekannt. Der Kraftwagen ist allein mit bem, Führer, der Eskorte und den vier Frauen in Oppeln an«, gekommen. Außerdem ist ein Eisenbahnzug mit etwa 650. Flüchtlingen aus dem Steife Rybnik, bie nach Ratibot imrchzulassen, bie Polen sich ehrenwöttlich bem italio-s nischcnOberst Salvioni verpflichtet hatten unb der von, je einem englischen, einem französischen und einem italieni­schen Ossizier sowie von 50 französischen Mannschafte« begleitet wurde, entgegen den feierlichen Versicherungen der Polen angehalten worden. Die Frauen, Kinder sowie einige Flüchtlinge dursten die Weiterfahrt fortseben, wäh­rend 150 deutsche ?lpobeamte und 300 junge Leute auf dem Kreise Rbynik trotz Protestes der interalliierte« Offiziere nach Loskau gebracht wurden. 100 Flüchtling« sind in Lucasino bei Ratibot von den Polen zurückgs- balten worden. Im übrigen wird aus Oberschlefien Lebensmittelnot und Geldknappheit gemeldet. In bet Be­völkerung macht sich neuerdingS eine Harte Erregung bemerkbar, da Ereignisse befürchtet werden, die eine Folge der durch den polnischen Aufstand hervorgerusenen tritt-. schastlichen Schwierigkeiten darstellen. !i

Ein Notschrei des deutschen Plebiszitkommißars. , mb. Breslau, 14. Mai. Der deutsche Pl«' biszitkornmißar Dr. Urbanek richtete in Erwiderung auf das Schreiben Korfantys durch Vermittlung eines amerikanischen Berichterstatters an die Staatsmänner der Entente eine Erklärung, in btt:1 er betont, datz der Plan des gegenwärtigen Auf« ftandes in Oberschlefien von den Polen bis in» Kleinste durchgearbeitet und vor« bereitet war. Die feierlichen Versicherungen Korfantys in derErenzzeitun g", datz et alles getan habe, um die Störung der öffenlliche» Ordnung zu verhüten, feien das Gegenteil bet Wahrheit. Wenn bereits am Morgen nach dem Er« scheinen des nur im Weichbilde Beuthens in bei

1 schränktet Anzahl verbreiteten, die angebliche«