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F- AmUiches LerkültLigungsbtutt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhsWchej Oberhessen
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Marburg gteitog, Den 29. Wnl (Dftermottb)
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Bon unserem außenpolitischen Mitarbeiter.
Berlin, 29. April.
Es scheint fast so, als seien wir wieder einmal der Gegenstand einer Bearbeitungsmethode, dec wir in der Kriegs- und Nachkriegszeit oft genug und nicht ohne Erfolg ausgesetzt worden sind. Wie oft hat die Presse des feindlichen Auslandes das deutsche Volk zwischen Befürchtung und frohe Erwartung hin und hergeworfen, bis schließlich der Zweck seelischer Zermürbung erreicht war. Arbeitet der Presse-Konzern auf der Gegenseite auch jetzt wieder nach diesem perfiden Rezept? Die ersten Meldungen aus Washington lauteten auf gut Wetter. In der deutschen Presse spiegelte sich das in den entsprechenden lleberschriften wider: günstige Aufnahme, geeignete Grundlage für Verhandlungen. Aber im zweiten Stadium der Entwickelung kommt schon der Donnerkeil aus der anderen Richtung. Danach leistet die Entente kräftigsten Widerstand, und in Washington ringt sich die Ansicht durch, Amerika könne nichts tun, das Schicksal müsse feinen Lauf nehmen. Dazwischen sitzt die deutsche Regierung und wartet immer noch auf Antwort. jSm Donnerstag mittag mußte Dr. Simons im Reichstag erklären: Nichts Neues in Washington.
Wer sich von allem Anfang an vor Illusionen gehütet-und die wirklich ernsthaften Faktoren allein in die Berechnung gestellt hat, der wird sich in seinen Erwartungen nicht allzusehr getäuscht finden. Rur unverbesserliche Toren konnten aus Frankreichs Einsicht hoffen. Fm Lande des Herrn Poincar^ heißt die Losung schon längst nicht mehr: Reparation, sondern sie geht kn verschärfter Tonart auf die Besitzergreifung von Sicherheitspfändern. Vor den Augen der Franzosen tanzt der Name des Ruhrgebiets wie ein Irr- sicht, das den Wanderer mit unwiderstehlichem Reiz finter sich her zieht. „Die Stimme des Volkes" findet ihren Ausdruck in dem „Echo von Paris", das mit aller Bestimmtheit ankündigt, das Ruhr- ßebiet werde besetzt werden, und zwar in der zweiten Maiwsche. Ein Zurück gäbe es nicht mehr, ge- zebenenfalls werde Frankeich allein marschieren. Fn dieser konzentrierten Form erkennen wir am besten die Methode, die in dem französischen Wahn- stnn steckt. Frankreich will keine annehmbare Entschädigung, sondern es will die dauernde Läy- fiiung Deutschlands. Von diesem Kriegsziel s— denn eingestandenermaßen führen die Franzosen ja noch immer Krieg — geht die französische Regierung nicht ab, und ihr Fanatismus übt den Reiz ans, der von einem Willensstärken Entschluß und seiner konsequenten Durchführung stets ausgeht Das Frankreich will, wisien wir zur Genüge. Die entscheidende Frage ist, ob es auch diesmal wieder feinen Willen allen anderen zum Trotz durchsetz! 1 Gerade in diesem entscheidenden Punkt begegnen wir im Augenblick noch Unklarheiten und Schwankungen, wenn sich die Wagschale auch schon bedenklich zugunsten der französischen Alles- oder Nichtspolitik neigt. In London deckt man wie immer in solchen Fällen die Karten nicht "uf. Nach der ersten günstigen Aufnahme der deutschen Note beginnt sich aber doch schon die Ansicht in der englischen Presse breit zu machen, daß das. deutsche An- ßebot noch viel zu sehr zu wünschen übrig lasse, um bie Zensur genügend zu verdienen. Auch über der Amerikanischen Vermittelungsstelle liegt noch ein -ewisses Dunkel. Doch sieht man schon klar und beutlich, daß Herr Harding und sein Staatssekretär für das Aeußere, Herr Hughes, ihre weiteren Schritte von einem wenn auch vielleicht nur be- bstlgten Plazet der früheren Bundesgenossen abhängig machen. Ob man sich schon mit dem Plazet her Engländer und Italiener begnügen würde, oder bb auch das Gutachten Frankreichs mit ausschlag- kebcnd sein soll, ist aus den widersprechenden Mel- Nungen nicht klar zu erkennen. Genug, t..ashingion fägcrt und inzwischen arbeitet zum mindesten der französische Druck auch an dieser Stelle mit g stei- ^rter Kraft und Entschiedenheit. Der französische Botschafter in Washington hak im Namen seiner Regierung deren „Unannehmbar" bereits zur Kenntnis des amerikanischen Präsidenten gebracht, >nd wen« „Havas" diese Tatsache nach allen Wind- Achtungen hin verbreitet, so legt die französische Regierung zweifellos Wert daraus, sich unwiderruf- «ch auf ihr« Weigerung festzulegsn. Sieht man Eber den Tatsachen ohne jede Illusion ins Auge, so Pird man die Reparationskommission als den shwerstx« Stein des Anstoßes auf dem Vermittler
wege Hardings betrachten müßen. In demselben Augenblick, in dem die deutsche Regierung 50 Milliarden wirklich blutenden Herzens als denkbar äußerste Leistung auf den Opferaltar der Entente legen will, überreicht uns die Reparationskommission eine Reichnung von 132 Milliarden Eoldmark (Gegenwartswert), unter Ausschluß jeglicher Abzüge für bisherige Entschädigungsleistungsn. Dieser Forderung gegenüber muß allerdings der Abstand des deutschen Angebotes ungeheuer erscheinen, und es kann nichts anderes als brutale Absicht sein, daß uns die Reparationskommisfion gerade jetzt mit dieser Forderung ins Haus fällt. Und die Reparationskommission ist nicht Frankreich allein, sondern sie ist ein Organ aller Ententestaaten.
Da ist wieder der 1. Mai in seiner ganzen drohenden Schwere und der französische Gerichtsvollzieher, der uns nach Herrn Vriand die Rechnung überreichen soll, hat den Vermittler Harding schon fast verdrängt. In dem Ringen von Wahnsinn und Vernunft scheint abermals der Wahnsinn Sieger zu bleiben. Selbst der „New Pork Herald" neigt zu der Ansicht, daß Harding zunächst nicht Einhalt gebieten könne. Wir werden auf die Entscheidung nicht mehr lange zu warten haben. Wir werden ihr nur gewachsen sein, wenn wir uns schon jetzt auf einen Fehlschlag rüsten und entschlossen sind, auch neue Gewalt zu ertragen, ohne wankend zu werden.
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In Arg Nr ImzMten AMm.
England lehnt auch ab.
London, 28. April. (Reuter.) Im Unterhause erklärte LloydEeorge.er bedauere sehr, daß die deutschen Reparationsvorschläge durchaus nicht zufrieden st el- l e n d seien. Sie würden gegenwärtig mit anderen Vorschlägen zugleich mit den Finanzsachverständigen aller Verbündeten sehr sorgfältig geprüft werden. Zur Besetzung des Ruhrgebietes sagte der Premiermini^er, er zweifle daran, daß die Entscheidung des Obersten Rates vor Montag oder Dienstag fallen könne.
London, 28. April. Tie in den Leitartikeln der Blätter zum A"sdruck gebrachte Ansicht g-ht bahr'-, daß die deutschen Vorschläge in ihrer augenblicklichen Form unannehmbar seien. Das neue deutsche Angebot werd? zwsifellos sorgfältig erwogen werden. Es müß-e iedoch erst fest- gestellt werden, was verschiedene zweifelhafte Klauseln bedeuten, wie die, daß die augenblickliche Grundlag- der deutschen Produktion nicht vermindert werde und daß der deutsche Handel von unvroduktiven Forderungen befreit werde. Die erste Bedingung brauche keine Schwierigkeiten zu verursachen, wenn mit dm Zwangsmaßnahmen auf die Bezug genommen sei, nur die kürzlich auferlegten und nicht unter den Friedensvertrag entfallenden Maßnahmen gemeint seien. Die zweite Bedingung bedeute jedoch, daß Deutschland ganz Oberschlesien behalte, was angsichts des Abstimmungsergebnisses unmögl'ch sei. Wenn die brit e Bedingung sich auf Saarkohlenlieferungen beziehe oder auf den Schutz der alliierten Schlüsselindustrien, so stehe dies außer Frage. Außerdem erscheine der von Deutschland angebotene Betrag zu niedrig im Verhältnis zu den Summen, auf die die Verbündeten ihre eigenen Vorschläge berabzusetzen bereit waren. Außerdem wird von den Blättern erwähnt, daß in der deutschen Note nicht die E n t w a s f - und die Aburteilung der Kriegsbeschuldigten angeführt wurden. -- Die „Time s" verzeichnet in einem Leitartikel den bevorstehenden Beschluß der amerikanischen Regierung: Deutschland mitzuteilen, daß das deutsche Angebot keine geeignete Grundlage für eine Erörterung bilde.
Paris, 28. Avril. Die französische Regierung hat gestern dem Botschafter Jusserand in Washington die Instruktion erteilt, dem Staatssekretär Hughes zu erllären, das deutsche Angebot sei unannehmbar. - - Wie Pertinax im „Echo de Paris" mitteilt, wird sie wie folgt begründet:
In den deutschen Vorschlägen könne die französische Regierung nur eine neue Anstrengung des Deutschen Reiches erkennen, um sich hinter Amerika zu verkriechen und sich den Folgen des Friedensvertrages von Versailles zu entziehen. Die Zahlungen, die Deutschland leisten wolle, feien niedriger als die im Abkommen von Paris vorgesehene Summe. Außerdem fehle ein Gegenwert für dir zwöliprozentige Erportstcuer. Tie deutschen Vorschläge enthielten hinsichtlich der Regelung der Schuld weder eine Zeitbeschränkung, noch Zinsensestsetzung, noch ttgenb eine Bestimmung über die Amortisation. Was die 12
Milliarden anbetreffe, die nach Artikel 35 des Vertrages fällig seien, io werde ein vollkommener Verzicht darauf verlangt. Aber das fei noch nicht alles. Deutschland mache seine Versprechungen, so ungenügend sie an sich seien, von unannehmbaren Bedingungen aller Art abhängig: so den Ersatz der Reparationskommission durch eine internationale Kommission, Aufhebung des Vorzugsrechts auf alles deutsche Eigentum aus Grund des Artikels 248, Aufhebung der Garantie, die durch die Anwesenheit der Truppen am Rhein geschaffen werde, Aufhebung der jüngst erlassenen Zwangsmaßnahmen, Freigabe des deutschen Eigentums im Anstande, vollkommene Freiheit des deutschen Handels und vielleicht auch noch oie Zusprechung Oberschlesiens an Deutschland. DaS französische Volk würde unangenehm überrascht sein, wenn in dieser Angelegenheit die Vereinigten Staaten Deutschland auch nur die geringste Unterstützung leihen würden. Pertinax fügt hinzu, man habe mit Befriedigung die Versicherung erhalten, daß Belgien genau so handeln werde wie Frankreich.
wb. P a r i s, 28. April. Nach Beendigung seiner Mitteilungen vor dem Finanzausschuß des Senats erklärte B r i a n d tn den Wandelgängen des Se- «ats: Allen Verbüiweten Lemeinsam ist die Frage der Reparationen. Aber es gibt eine Frage von besonderer Bedeutung für Frankreich, den Erenz- nachbar Deutschlands, nämlich die seiner persönlichen Sicherheit. Ilm diese Sicherheit zu verbürgen, müsse Frankreich Unterpfänder ergreifen. Augenscheinlich laufe man durch die Besetzung des Ruhrgebietes gewiße Gefahr, die uns um den Nutzen der Besetzung bringen kann. Aber gerade hier muß man seine Geschicklichkeit beweisen. Bei der Besetzung Düsseldorfs und anderer Städte hat der deutsche Arbeiter eingesehen, daß wir nicht mit imperialistischen Absichten kamen und hat deshalb unsere Truppen gut auf genommen. Heule kann es gerade so gehen, wenn man den Bergleuten der Ruhr die Ernäbrung und ihre Bezahlung sicher st eilte. Auf jeden Fall müssen wie ein Unterpfand nehmen.
wb. Paris, 28. April. Die Minister tag teil heute morgen unter dem Vorsitz Millerands im Elyfee. Briand unterrichtete seine Kollegen über den Stand der ausmärfgen Angelegenheiten und über die Bedingungen, unter denen er aus der Londoner Konferenz die Auffassung der französischen Rcg'eru g vertreten wird. — Mar- fckall Ioffre ist heute mittag nach London abgereist
London, 28. Aprsi. Neber dm gestrigen Londoner KabmettKrat verlautet, daß die Meinung der mglischm Minister recht geteilt gewesen sei. Lloyd ^mg- war zunä-bst gene'gt, die ne en Vorschläge als Basis für neuert ch- V rhand'un-'en anzunehmen, wäre ober aufgrund der Brfprechnnaen mit dem belgischen Mi'sister Zakpar jedenfalls zu d'k Ansicht gekommen, bas; sie keineswegs in Erwägung gezogen werden könnten.
Paris, 28. April. Tie Ablehnung, die die deutschen Vorschfg' 'n Paris nah-zu erfahren haben, scheint sich jetzt auch auf England und sogar aisi Amerika zu üb-r'ragen. Wie d'e sra -zössich- Re sic- rung, so hat auch die englische ihren Botschafter in Wach'n^ton b a "f ragt, mit der am-rikanischen Regierung sich dahin zu verständigen, daß die deutschen Vorschläge in ihrer jetzigen Form nicht annehmbar seien.
Sie Auffassung in Berliner diplomatischen Kreisen
Berlin, 29. Apsisi Wie das „Bert. Tagest alt" zu wissen glaubt, herrscht in Berliner diplomatischen Kreisen die Auffassung vor, daß die Aussichten einer am-rikanif^-n Vermittlung wenig günstig 'eien. Es werde a's unzmeif'lha't angenommen, daß Präsident Harding und die am-rikanifche Regierung den lebhaften Wunsch haben, zur Beilegung des Konflikts und zur Verhinderung der Gewaltmaßnahmen beizutragen. Es scheine auch ziemlich sicher, daß in Washington die deutschen Vorschläge für eine mögliche Verhandlungsgrundlage geha'ten werden, obg^ich man bei einigen Punkten gern eine klarere und bestimmtere Fassung gewünscht hätte, was zu Rückfragen in Berlin Veranlassung gegeben haben dürfte. Da gegen werde bezweifelt, daß die amerikanische Regierung angesichts der ablehnenden Haltung der französischen und nun auch der englischen Regierung ihre dankenswerte Bemühungen zum Erfolge sühren können.
Sie neuen „Gonlfimn“. ■
Paris, 28. April. Die Beratungen der Sachverständigen in London dauern fort. Man setzte zwei Unterkommissionen ein, die einen Ausgleich zwischen den englischen und den französischen Anschauungen herbeiführen sollen. Es wurden weitgehende Maßnahmen für die Besetzung des Ruhrgebiets getroffen. Ferner tcurben alle Vorkehrungen ins Auge gefaßt, um für 100 000 Mann französischer Truppen Unterkommen zu schassen. ,
Der „Newyork Herald" weiß von einem Besetzung-« zu berichten. Man dürfe auch nach Frankfurt, Hamburg und Bremen ziehen. Verhindert könne das nur werden, wenn Deutschland die erste Zahlung von 20 Milliarden sofort vornehme, und wenn sich Deutschland zum Pariser Abkommen bekenne.
S t r a ß b u r g, 28. April. Die Straßburger Mor- genbtätter melden, daß in den ostfranzösischen Militärbezirken bereits sieben französische Divi^ sionen bereit gestellt sind, um nach dem Rheinland« transportiert zu werden.
Rom, 27. April. Es ist sicher, daß die italienischt Regierung Frankreich bei der Besetzung del Ruhrgebiets keinen wirksamen Widerstand ent gegen setzen wird.
Zusammentritt des Obersten Rates.
London, 28. April. Der Oberste Rat wird am Samstag programmäßig zufammentreten. Sämtlich« verbündeten Mächte, außer Italien, werden auch ihrt militärischen Sachverstänoigen hinzuziehen. Von eng» lischer Seite wird bezeichnenderweise der Flottenchef Lock) Beatty zugegen sein.
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Ausländische Pressestimmen.
Bern, 28. April. In der Schweizer Presse mehren sich die Stimmen, wonach die deutsche Aktion ein außerordentlicher geschickter und vernünf - tiger Schritt ist. Auch wird zugegeben, daß die neue Offerte bedeutend weiter geht als das Londoner Angebot. Tie Hauptfrage sei aber letzt, was Amerika zu tun gedenke. In dieser Hinsicht wäre nach bei „Neuen Zür. Ztg." kainn anzunehmen, daß Harting Vem neulich formulierten Beg-hren Frankreichs scharst Opposition machen würde. Vielleicht tverde Harding einen Mittelweg einschlagen und nach Berlin darübe» Vorschläge übermitteln, wie man zu annehmbaren Vorschlägen gelangen könne. Man scheine in den Vereinigten Staaten in dieser Beziehung vor allem aus Hoover Hosfii» -g zu setzen.
Die „BaSler Nachrichten" erllären, daß die deutschen Vorschläge aus jeden Fall diskutabel seien. Frankreich wolle aber nicht mehr verhandeln, sondern ins Ruhrgebiet ein- rücken und aus dem europäischen Konunem ein französisches Kohlen Monopol errichten. Damit würden die Neutralen und alte, die aus die deutsche Kohle angewiesen sind, sür Frankreich in Kontribution gesetzt, um die deutschen Schulden zahlen zu Helse». Diese Aussicht ginge, so schließt das Blatt, auch die beiden angelsächsischen Großstaaten an. Niemand habe ein vernünftiges Interesse daran, daß durch den Einmarsch ins Rnhrgebiet der leidliche Friede, der endlich erreicht worden fei, wieder völlig in Frage gestellt werde. Wenn Frankreich gegen die Interessen Englands, Amerikas und der ganzen Menschheit die prüfungslose Ablehnung der deutschen Vorschläge dorch- ketzen sollte, so werde es sich rühmen können, die besten Diplomaten und die fatalste Politik auf dem Erden- gründ zu besitzen.
London, 28. April. „Daily News" schreiben in einem „Was will Frankreich" überschrieenen Artikel, die bisherige Stellung a rne der sranzösi« schen Regierung gegenüber den neuen deutschen Vorschlägen stütze die Ansicht, daß ohne Rücksicht auf die von Denifchland eingebrachen Vorschläge, Frankreich die Zerstörung Deutschtands zustande bringen wolle. Das Blatt fragt, ob Frankreich bereit sei, in dieser Frage allein zu stehen und ob es sich das leisten könne, die össentliche Meinung in England und Amerika unberücksich igt zu losien, indem es grundsätzlich alles, was Deutschland anbietet, sogar als Grundlage für eine Erörterung ablehne.
London, 28. April. „Daily Herald" schreibt: Die französische Regierung denkt nicht in erster Linie an den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in Frankreich, sie denkt vielmehr an eine dauernde Besetzung weiteren deutschen Gebietes. Sie denkt an die Zertrümmerung Deutschlands, an einen neuen Rheinbund, vielleicht auch an die Errichtung eines neuen Königreichs Westfalen.
London, 28. April. Times meldet aus Wash ng- ton, da aller Grund zu der Annahme bestehe, daß die Vereinigten Staaten der deutschen Regierung mitteilen werden, daß die deutschen Vorschläge zu einer Uebermittelung an die Alliierten nicht berechtigen, hege man keinerlei Erwartung, daß die müitärischcn Maßnahmen der Verbündeten gegen Deutschland ve hindert toer-itu können. Demgegenüber meldet Daily Te egraph aus Re c York, trotz des f an* zösischen Vetos sei man der Ansicht, daß Präsident Hardings Regierung ihre Bemühungen sortsetzen werde, um eine Regelung über die Reparationsfrage zustand v- zubringen.
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Berlin, 28. April. Wie -die Blätter von untre» richteter Seite erfahren, ist bisher eine Antwort Amerikas aus die deutschen Vorschläge beim 8U*