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AmUiches Lerlündigungstuatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen
; Kr. 95
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Marburg MM. Den 25. AM l Ostern, and)
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56. m 1921
Vier deutsche Noten.
Sie Sitte on MM.
Nach bem unverbrüchlichen Stillschweigen, bas hie Reg!er»ng in ben letzten Tagen über bie ein-- geleiteten, von Dr. Simons in Bern bereits an- gefünbigträ Schritte gewahrt hat, ist bie Oeffent- lichkeit am Freitag burch bie Veröffentlichung bet deutschen Rote an ben Präsidenten Harding überrascht »vorben, der bie Antwort auf dem -ufje folgte. An sich ist brr Eebanke einer amerikanischen Vermittlung durchaus annehmbar. Die Aktion aber, die mit der Bitte um einen Schiedsspruch ihren Niederschlag gefunden hat, muh nach Form und Inhalt eines überaus peinlichen Eindruck machen Das Geschick des deutschen Volkes hat die Regierung Fehrerrbach-Simons völlig in die Hand des Präsidenten Harding gelegt, eines Mannes, der zwar der deutfchfrinblichen Gesinnung Wilsons nicht verdächtig iU, der aber dennoch durch {einen Schiedsspruch dem deutschen Volke Lasten auferlegt hätte, von bene» er sicher war, bah sie bie Zustimmung der SLestmächte finben würden; denn es steht fest und war nicht anders zu erwarten, dah er sich vorher mir London und Paris in Verbindung setzen würbe nab gesetzt hat. Die deutsche Regierung hätte also sich auch einem Schiedsspruch, der mit den Pariser Beschlüssen identisch gewesen wäre, unterworfen, obwohl sie vorher diese wegen ihrer Unerfüllbarkeit abgelehnt und lieber neue Zwangsmassnahmen hingenommen hat. Nun sagt man, das Kabinett habe von vornherein g e w u h t, bah Har- ding das Echiedsrichteramt ablehnen werde; man habe nur der Welt den guten Willen Deutschlands mit besonderem Nachdruck beweisen wollen. Auch wenn die Berechtigung dieses Standpunktes anerkannt wird, bleibt noch immer ein bedauerlicher Mangel an Würde und Selbstachtung übrig, der sich in der Form der an Harding c\e- richteten Bitte äuhert.
Unter Ablehnung des Schiedsrichteramts will die amerikanische Regierung insoweit der deutschen Negierung zur Verfügung stehen, als die Verhandlungen wieder ausgenommen we«-den sollen. Die Voraussetzung dafür wird aber du,.n.-''blickt, bah Deutschland raschestens Vorschläo -o:miti:crt, „die eine geeignete Verhandlungsbasis ;L>en“. Aber auch damx wäre die Sache noch nicht im Lot, sondern bie amerikanische Regierung wollte daraufhin rrst „in Erwägung ziehen", ob sie die Aufmerksamkeit der verbündeten Regierungen „in einer für sie annehmbare» Weise auf bie Äiigelegencheit lenken" kami. Als» Klauseln über Klauseln. Was es mit dem Begrtß einer „geeigneten“ Verhandlungsbafis auf sich hat, wissen wir nach den Erfahrungen bet letzten Wachen zur Genüge wissen. Frankreich wird eben teic2 andere Basis als „geeignet" ansehen, als diesen igL, die den Pariser Forderungen zugrunde liegt. Kb> Lloyd George wird sich dem nicht widersetzen.
Auch N» neuen deutschen Vorschläge werden Frankreich nicht zufriedenstellen. Frankreich will Faust Pfänder, will Deutschland wirtschaftlich und poMHch vernichten, will die Einheit seines Bestandes zerreißen. Es muh unerfindlich erscheinen, «I« trotzdem noch einige unentwegte Ideologen f» etwas wie Hoffnung unb Zuversicht hegen, trotz der Erfahrungen mit bem Waffenstillstand, dem „Frieden" von Versailles, den Erwartungen Völkerbund und „internationale Solidarität". Sie neue Einmarsch mit allem, was daraus folgt, wird nicht abzuwenben sein. Deutschland mrktz Hjn sich ruhig gefallen lasten; denn es ist völlig wehrlos und ohnmächtig. Man wollte es ja 1918 so, um „Frieden" zu haben!
Es i? Kar, dah diese Entwicklung nicht ohne Einfluß esf den Bestand der jetzigen Reichsregie- rung sein air>, wenn diese Krisis auch zunächst Noch nicht wirksam wird, weil bie Frage nach bem Sang be# nächsten äußeren Ereignisse alles anbete in den Hiirtergrunb treten läht. Aber im Hinblick auf die weitgehende Kritik in nahezu allen Pariei en darf bie Stellung sowohl dos Außenministers Dr. Simons als auch des Reichskanzlers Feh- re u b ach als unhaltbar gelten.
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De. Rosen Nachfolger Simons?
Rotterdam, 24. April. In diplomatischen Kreisen kn Haag verlautet, dah bie Reise bes deutschen (Äefaubim im Haag, Dr. Rosen, nach Berlin wit bem voraussichtlichen Rücktritt Dr. 0'mons zu- sammenhiknge.
Verli«, 24. April. Aus parlamentarischen Kreisen hort der „Lok.-Anz.", dah sich bie Stim- wung gegen De. Simons innerhalb der Deutschen Volf-pnr'ei verschärft hat. Wie bem genannten «Ißttc ferner mitgeteilt wird, betonten die Mitglieder der Relchsregierung, dah sie sich der Trag- Deite ihr« Vntschsustes, an Amerika zu cpxsllieren,
vollkommen bemüht gewesen wären. Sie seien auch bereit, allein dafür bie Verantwortung zu tragen.
Die Zerreihung Deutschlands.
Paris, 23. April. Der Korresponbent bes „Jntransigeant" berichtet aus Brüste!, er glaube, dah auch die Besetzung von Dortmund in Frage komme, sowie die Möglichkeit, auch München unb ftnbere Teile Deutschlands von Berlin abzu- schneiben.
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Sie sstchttnz m Wtze.
Englisch-französische Uebereinstimmung. — End» gültige Entscheidung durch den Obersten Rat.
Hythe, 24. April. (Reuter.) Lloyd George unb Briand unterhielten sich heute früh privatim miteinanber. Die formellen Besprechungen begannen um 11 Uhr. Die Premierminister prüften die Berichte der Sachverständigen über die deutsche Wieberaufbaunote, bie in bet Nacht zum 22. d. Mts. eingegangen wat.
Reuter gibt über bie Vormittagssitzung folgenden Bericht aus französischer Quelle: Die Besprechungen der Premierminister begannen um 11 Uhr und wurden um 2 Uhr vertagt. Die Erörterungen trugeff allgemeinen Charakter unb bewiesen vollständige englisch-französische Ueberein st immun g über die Notwendigkeit. Deutschland zur sofortigen Zahlungsleistung zu zwingen. Die Premierminister bemühten sich, verschiedene Gesichtspunkte richtig zu stellen, beispielsweise die Opposition gemistet britischer liberaler unb Arbeiter- kreise g-gen neue Sanktionen, um eine zufrieben- stettenbe Lösung zu erreichen. Es mürbe festgestellt, dah eine Besetzung des Ruhrgebiets nur zeitweise erfolgen unb aufgehoben werde, so bald Deuts ' und zahle. Sie würbe also nicht bcn Charakter -e ne Annektion tragen.
Zn bet langen unb formellen Nachmittagskonferenz würbe ein Veschluh nicht geiaht. Endgültige Entscheidungen werden am 30. April bei bet Zusammenkunft des Obersten Rates getroffen werben, bie wenn der Kohlenstreik vorüber ist, in Paris, wenn nicht, in London stattfinden wirb. Wie verlautet, befinben sich beibe Parteien in Uebereinstimmung. Die französischen Vorschläge wurden ein« stimmig gebilligt. Wenn das Ruhrgebiet besetzt wirb, wirb sich die britische Beteiligung babei auf einige Abteilungen Kavallerie und einige Tanks beschränken. Es wird betont, dah das Pariser Uebereinkommen sich noch in Geltung befindet
Der britische Botschafter hat aus Berlin telegraphiert, dah die deutsche Note an die Vereinigten Staaten dem amerikanischen Botschafter in Berlin heute mittag ausgehändigt worden ist.
Lloyd George für einen letzte» „Bersöhnungs- versuch".
Paris, 24. April. Der Berichterstatter des „Temps" in Hythe meldet, Lloyd George habe gesagt, man müsse nicht nur die wirkliche Schwäche der deutschen Regierung in Rechnung stellen, sondern auch auf bie Kreise in ben verschiedenen verbündeten Ländern Rücksicht nehmen, die Einwendungen über bie Art bei Sanktionen machten. Et habe direkt auf ben gestrigen Brief von Asquith, Lord Robert Cecil und Clynes hingewiesen unb auch het- vorgshoben, dah bie amerikanische öffentliche Meinung, die heute für bie Verbiinbeten günstig sei eine weniger günstige Haltung einnehmen könnte, wenn man gegenüber Deutschland Maßnahmen von groher Strenge anwende. Der englische Premierminister sei geneigt gewesen, einen letzten Vet- söhnungsvetsuch mit Deutschland z» empfehlen.
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London, 24. April. „Observer" schreibt: Bei den ersten Beratungen zwischen ben beiden Premier- minifiern wurde ein wichtiger Punkt deS fran'.ösischen Vorschlages, nämlich, ob die Besetzung des Ruhr-- gebietS unumgänglich sein soll, in bei Schwebe gelassen. Lloyd George sei auf diesen Punkt nicht weiter eingegangen, da er in 11. Stunde noch Hoffnung hatte, daß Berlin mit einem greifbaren Angebot her- bortreten werde. Ter „Observer" führt bann weiter aus: In Paris haben anscheinend in den letzten Tagen zwischen den Sachverständigen eine Meimmgs- verschicdenhcit geherrscht. Es wurde dort übet 2 Pläne beraten. 1- einen allgemeinen von Seydoux entworfenen Plan, tvonach eine interalliierte Kontrolle der deutschen Ausfuhr unb bet deutschen Kohlenerzeugung ausgeübt werden soll, mit bet Drohung einer Besetzung des Ruhrgebiets, wenn Deutschland ich widerspenstig zeige, 2. dem sofortigen und endgültigen Plan einer militärischen Besetzung des Ruhrgebiets als Einleitung und als Mittel zur Erzwingung der Forderungen. . ----. —
3005 DtüMlünö jetzt anbietet.
Die Antwort an Amerika.
Berlin, 24. April. Das Reichskabinett hat heute mittag in einer Schluhberatung den Text der Antwort an die amerikanische Regierung einmütig festgestellt.
Aus parlamentarischen Kreisen verlautet, die nunmehr fettiggestellte Note an Amerika enthalte auch die neuen deutschen Gegenvorschläge. Montag morgen 8 Uhr wird die Regierung mit den Führern der bürgerlichen Parteien und der Mehrheits- sozialisten eine Besprechung abhalten, in bet sie vorn Inhalt der Rote Kenntnis geben wird.
Berlin. 25. April, lieber die Art der neuen deutschen Vorschläge wird der Telegraphen-Union mitgeteilt: Es handelt sich bei ben deutschen Vorschlägen um eine Alternative von zwei Möglichkeiten. Der ganze Plan ist in 8 Paragraphen gefaßt. Da man im Kabinett der Auffassung war, dah man der Volksstimmung in Frankreich und Amerika Rechnung tragen müsse, enthalten die deutschen Vorschläge u. a. ein festes Zahlungsangebot, das die deutsche Leistungsfähigkeit im Auge behält» aber auch der Volkspsychologie der Gegenseite Rechnung trägt. Es steht in seiner Höhe zwischen den Pariser Beschlüsien und den deutschen Vorschlägen von London.
Der h«ati»e MtzmiOmmMs.
Zustimmung zu dem Angebot der deutschen Gewerkschaften.
Berlin, 23. April. In der Wicderausbaufrage hat die deutsche Regierung eine Note an ben Ent- schädigungsausschuß gerichtet, in der es heisst:
Deutschland ist durchdrungen von der Ueberzeugung, daß es für die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Friedens der Welt unumgänglich notwendig ist, bie im Kriege zerstörten Gebiete wieder anfznbanen. Deutschland erklärt sich nochmals auf das Bestimmteste bereit, am Wiederausbau mit allen verfügbaren Mitteln und Kräften mitzuwicken und bei der Durchführung int Einzelnen jeden Wunsch der beteiligten Mächte, soweit wie irgend möglich, zu berücksichtigen. Für die Art der T u r ch f ü h r n n g des Wiederaufbaus erlaubt sich oie deutsche Regierung unter Aufrechterhaltung ihrer seit 1919 gemachten Angebote zusammenfassend auf folgende Möglichkeiten hinzuweisen:
1. Deutschland könnte den Wiederaufbau bestimmter Städte, Flecken oder Dörfer oder bestimmter zusammcn- höngender Teile bes Wi.'dcraufbaiigcbicts unter lieber- nahm» sämtlicher Kosten in eigener Regie oder durch Vermittlung eines internationalen Siedelungs- nnternehmeus übernehmen. Bei einer derartigen Regelung werden vor allem die Erfahrungen verwertet werden können, bie Deutschland bei dem Wiederaufbau der im Kriege zerstörten Gebiete Ostpreußens gemacht hat. Deutschland will im Augenblick davon absehen, diesen Vorschlag näher zu erläutern, da sein Grundgedanke bisher bei den alliierten Regierungen aus Bedenken gestoßen sei.
Deutschland ist ferner willenZ, unabhängig von der zu 1 vorgeschlagenen Regelung, seinen Entschluß alsbald für den Wiederaufbau der zerstörten Teile Rordfrantreichs und Belgiens alle Hilfsmittel bereitzustellen, zu betätigen. Deutsche Gewerkschaften haben beschlossen, folgende Leistung-n anzubieten:
_ In ben zerstörten.Gebieten sofort nach Maßgabe der näheren Wunsche der allierten Regierungen die Auf- ränmilngsarbeiten und Ausforstungsarbeiten vorzunehmen. Die Ziegeleien im Ausbaugebiet in Stand zu setzen oder neue zu errichten, ebenso Kalk-, Gips- unb Zementiverke daselbst zu erbauen, die erforderlichen Maschinen und Geräte zu liefern und heimische Bausroiie und Baumatenalien aus Deutschland zu liefern: Vorkehrungen zu treffen, daß die int Aufbaugebiei nicht vorhandenen Geräte und Maschinen für Bauzwecke aus Deutschland herangeführt werden können, einschließlich der Bau- >!ofse, die für die ersten Einrichtungen erforderlich find: sofort mit der Anseriigung von Behelfsbauten aller Art, mindestens aber von 25 000 Holzhäusern Wohnhäusern) zu beginnen und diese vor Beginn der kälteren Jahreszeit aufzustellen: dazu die Ausstattung, z. B Möbel, Oefen. Kochherde und Kochgeschirre zu liefern: nach den Plänen unb unter Kontrolle der srau- zösischen Behörden Hoch- unb iefbauten jeber Art auszuführen.
Tie deuifche Regierung ist willens, auf den Boden tiefer Vorschläge zu treten. Im Einvernehmen mit ben deutschen Bauarbeiter-Organisationen einschließlich der Organisationen der Angestellten unb Beamten versichert bie beutsche Rcg'erung, baß die Mit- gliebtr dieser Organisationen bereit (üib, bei dem
Wiederaufbau der zerstörten .Gebiete durch" Arbeitsleistung mitzuwirken.
Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, fofort und bis zur Schaffung einer witteren Regelung derjenige» Geschädigten, die ihre zerstörten Häuser und sonstige» Anlagen wieder aufgebaut sehen wollen, leistungsfähige unb vertrauenSwürbige Unternehmer z« benennen. Die Geschädigten können auch ihrerseÜS deutsche Firmen bezeichnen, mit denen sie in Verbindung zu treten wünschen. Die deutsche Regierung ist bereit, bie gesamten Kosten solcher Reparationsbauten, soweit sie in Papiermark gezahlt werden können, gegen Gutschrift auf das Reparationskonto zu übernehmen, während sie bie Zahlung bet in ausländischer Währung entstehenden Kosten weiterer Regelung vorbehält.
4. Falls bie alliierten Regierungen wünschen, daß die Mitwirkung bet deutschen Regierung am Wiederaufbau in anderen als den vorstehend vorgeschla- genen Formen erfolgt, so ist bie deutsche Regierung bereit, jede von alliierter Seite gegebene Anregung und jeden gemachten Vorschlag eingehend und gewissenhaft zu prüfen, um auch in jeder anderen, den dortigen Wünschen entsprechenden Form am Wiederaufbau teil» zunehmen.
Die deutsche Regierung bittet die alliierten 9tfr- gierungen, die erforderlichen Besprechungen über die Einzelheiten der zu treffenden Regelung möglichst sofort einzuleiten.
Bit M|$t Mmü ii btt Staat d« W btflonta.
Berlin, 23. April. Die von der deutschen Regierung in der Angelegenheit des Goldbestandes der Reichsbank an ben Entschädigungsausschuß abgegebene Note lautet in ber Hauptsache:
Wenn bie Reparationskommission von bet deutschen Regierung zur Schaffung einer Sicherheit und Garantie für die Reparationen vor dem? 1. Mai 1921 die lieber- tragung des gesamten Metallbestandes der Reichsbank an die Reichsbansfilialen in Köln oder Koblenz verlangt^ so liegt es nahe, diese Entschließung daraus zurückzuführen, daß der Absatz 2 deS Artikels 248 des Friedensvertrages^ nach welchem die deutsche Regierung ohne vorherige Zustimmung der Reparatioiiskommisfion weder Geü> aus- sührcn, noch darüber verfügen, noch seine Ausfuhr, noch, die Verfügung darüber gestatten darf, mit Ablaus bei 1. Mai 1921 außer Kraft tritt. Di« deutsche Regierung erklärt sich bereit, sofort die erforderlichen gesetzlichen Maßnahmen zu treffen, damit noch vor dem 1. Mai die Geltung der gesamten Bestimmung bis zum 1.Oktober verlängert wird. Die verlangten Maß- nahmen aitszusühren, ist der deutschen Regierung schon aus bem Grund nicht möglich, weil die Reichsbank als Privatinstitut in der Verwaltung ihres Privat- eigentums, insbesondere ihres Metallbestander, frei und von bet Reichsfinanzvetwaltung unabhängig ist- Die Maßnahme würde auch dem von der Reparationskommission erstrebten Zweck, bie Durchführung der deutsche» Reparationsverpslichtungen sicherzustellen, nicht dienlich sein, denn es würde durch die erzwungene Wegführung der letzten Golddeckung deutscher Banknoten eine erneute schwere Erschütterung der deutschen Valuta und des deutschen Geldwesens unausbleiblich eintreten. Eine fo hervor- gerufene erneute starke Entwertung der deutschen Valuta würde zu einer schweren Krise der deutschen Wirtschaft und einer dauernden Herabminderung ihrer Lcistungs- sähigkeil führen. Sie würde zuletzt alle Besitzer deutscher Mark im Auslände sowie überhaupt alle ausländischen Gläubiger Deutschlands sehr in Mitleidenschaft ziehen.
Die Weihiiio der MgsbMMWen.
Zurückweisung des Borwurfs der Verschleppung.
Berlin, 23. April. Zn einer Note der deut scheu Regierung an die Botschafterkonferenz über die Kricgsbeschuldigten wirb bet Vorwurf als unberechtigt zurückgcwieseil, daß das Verfahren verzögert unb verschleppt würbe. Die erforderlichen Unterlagen seien zum Teil noch gar nicht (Italien, Rumänien, Serbien), zum Teil unvollständig unb verspätet (Frankreich, Belgien, England) übermittelt. Die Schwierigkeit der Ermittlung des Sachverhalts sei von Frankreich unb England bei anderer Gelegenheit selbst anerkannt worden. So habe die französische Regierung auf die Ditte um Aufklärung eines Vorfalls, der sich im September 1920 im Arbeitslager von Poncilac abspielte, im März 1921 erklärt, daß die Ermittelung des Sachverhalts mit Rücksicht auf die inzwischen vergangene Zeit unmöglich sei. Die britische Regierung äußerte sich am 6. Februar 1920 in der Frage der Mißhandlung der deutschen Besatzungen bei der noch nicht acht Monate zurückliegenden Versenkung der deutschen Flotte in Scapa Flow in ähnlicher Weise. Wenn gleichwohl der Vorwurf der Ve« zögerung de» Prozesses erhoben und die Behang,