Einzelbild herunterladen
 

MchßW IMU

AmUiches Lerlündigungsdlatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhefsen

i

DieOberhessische 3«ltung «richeint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis moitatliich 4.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. JyQt aussastende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Lerlag vonDr. C.HItzeroth.Druck der llnio.-Buchdruckerei voa Jod. Aug. Koch, Markt 2123 Fernsprecher 55, Pvstschecklont«: Nr. 5015 Amt Frankiurt a. Main.

Marburg

ÄMkÄW. hen 21 AB lvstermond)

Der Anzeigenpreis beträgt für di« 9 gtjp. Colonelzeile oder deren Raum 75 Psg. u. 10°/( «utlehlag, amtliche und auswärtig« 1. Mk. Ander« SpaltenBietten nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum über */, Seite ein­nehmende Anzeigen sind wir verechtigt, nach der Textspaltendreite zu setzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir di« Zeile mit 3.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sondcrg«bühr.

56. m 1921

^sa

Älr neuen 3mang$maßnagmen.

Frankreichs Hoffnung auf Zerreißung Deutschlands.

Paris, 20. April. Der Berliner Berichterstat­ter desJournal" schreibt, das einzige Mittel Deutschland in den Friedenszustand zu versetzen sei, bei den Rissen einzusctzen, die der deutsche Block von 60 Millionen anfwcise. 1919 hätte man Deutschland nicht in lauter kleine Staaten pulveri­sieren können, wohl aber hätte man es in drei Stücke zerschneiden können, nämlich Nord- deutschland, Süddeutschland, und Nheindeutschland Dazu sei es auch heute noch n i ch t zu spät, und der Zwiespalt zwischen Berlin und Bayern könne diese Ansicht nur verstärken.

Bedrohung Bayerns.

Paris, 20. April.Oeuvre" schreibt, es sei wahrscheinlich, daß im Süden dadurch, daß man Strastburg als Basis annehme, die französischen -Truppen bis nach Neu-Breisach vorrücken würden. In diesem Falle könnten die französischen Truppen Bayern wirksam bedrohen.

Wenn dir Bergarbeiter streiken.

London, 20. April. Reuter erfährt von fran­zösischer Seite, Frailkreich werde die Besetzung des Muhrgebiets nur vornehmen, wenn Deutschland /feinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Wenn die deutschen Arbeiter nach der Besetzung die Arbeit niederlegen sollten, würde Deutschland keine Kohlen erhalten. Dadurch ^verde Deutschland von einer allgemeinen Betricbseinstellung bedroht und nach Ansicht der Franzosen gezwungen sein, seinen Bertragsverpflichtungen nachzukommen. Frankreich könne die militärische Besetzung des Ruhrgebiets allein durchführen. Frankreich denke keineswegs an eine Annektion weder des Ruhrgebiets noch des linken Rheinufers. Der Zweck fei einfach der, Deutschland zum Zahlen zu bringen.

Englische Bedenken.

London, 20. April.Westminster Gazette" schreibt: Die drohenden neuen Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland beunruhigen das Unterhaus. Wenn die Franzosen das Ruhrgebiet besetzen, so be­deutet das einen neuen Schritt zur Erdrosselung des Deutschen Handels. Obwohl die Mehrheit de; Unterhauses bestrebt ist, Frankreich zu unterstützen, so sind Loch genügend Mitglieder vorhanden, die swissen. daß, wenn Deutschland in wirtschaftliches fcl/aos geworfen wird, dies nicht von Vorteil für England sein wird. Diese Mitglieder beginnen, die ^Regierung um eine neue Erörterung über die An­wendung neuer Zwangsmaßnahmen zu ersuchen, be- Dor diese in Kraft gesetzt werden.

L o n d o n, 20. April. Nach derDaily Chro- inide" befürchtet man von der Uebertragung der Goldreserven der Reichsbank ins besetzte Gebiet eine «katastrophale Wirkung auf den Markkurs.

i Die Konferenz von Hythe.

I Vorberatungen für eine große Konferenz der

; Verbündeten.

1 London, 20. April. DemDaily Chronicle" zufolge erwartet man, daß an der in Hythe siattfin- fvenden nichtformellen Besprechung die Vertreter Italiens, Japans und Belgiens nicht teilnehmen würden. Die Zeit fei zu kurz, und wenn alle fünf Mächte zur Teilnahme an der Konferenz aufgefor­dert würden, dann würden die Beratungen einen formellen Charakter annehmen. In diesen aus­schließlich englisch-französischen Beratungen könnten .natürlich keinerlei Beschlüsie gefaßt werden.

i Paris, 20. April. Marcell Hutin berichtet, daß Briand dem englischen Premierminister ein in grasten Zügen ausgearbeitetes Projekt Frankreichs porlegen werde, wie Deutschland zum Zahlen ge­bracht werden soll. Die Besprechungen werden sich: fast ausschließlich mit der Frage der deutschen Zah­lungen befassen. Andererseits will Hutin von einer bekannten diplomatischen Persönlichkeit erfahren haben, es sei das Ziel Briands, dahin zu gelangen, daß England neben Frankreich bei seinem Vorgehen im Ruhrgebiet vertreten sein werde. Heber die Blockade Hamburgs werde man später noch frechen, wenn Deutschland nicht nachgebe. Der »Petit Parisien" schließt aus der Tatsache, daß Fach, stjeygand und Wilson nach Hythe kommen werden, ^ die Einzelheiten der neuen militärischen Lwangsma.ßnahmen dort zur Sprache kommen wür- »cn, jedoch werde ihre Inkraftsetzung von den Ent­schließungen der Konferenz abhängig gemacht wer­ten, die-voraussichtlich in Paris tagen werde, sowie Natürlich auch von der Haltung, welche Deutschland M der nächsten Zusammenkunft einnehmen würde.

: Parks, 20. April. In der heutigen Kammer- Dmg sagte Finanzmiuister D o u m e r, die Regierung

Mritl Slmrm'ds.

Rur formale Bedeutung?

Berlin, 20. April. Im preußischen Landtag unterbrach nach 5 Hhr Präsident Leinert die Beratung der deutschnationalen Anträge über die Zwangswirtschaft durch Verlesung eines Schreibens des Minifterpräfidenten Stegerwald worin es heißt:

Im Laufe der Verhandlungen Über die Bil­dung des preußischen Ministeriums kam mir zur Kenntnis, daß ein Teil der bei meiner Wahl zum Ministerpräsidenten auf mich entfallenen Stimmen unter irrigen Voraussetzungen abgegeben worden ist. Da ich nicht gesonnen bin, aus diesem Anlaß wegen des vermeintlichen Mitzbranchs des in mich gesetzten Vertrauens Angriffe auf meine persönliche Ehre auf mich zu ziehen, halte ich eins erneute Wahl des Ministerpräsidenten notwendig. Ich ziehe daher meine Annahmeerklärung hiermit zu­rück.«

Die Verlesung rief große Bewegung im Hause hervor und wurde mit Bravo-Rufen auf der äußer­sten Linken begleitet. Präsident Leinert vertagte die Weiterberatung und setzte auf die Tag^sord-

keune keine eiligere Aufgabe, als die Schäden in der ehenialigen Kampfzone zu bezahlen. Die Gesamtlast, die Deutschland bezahlen müsse, belaufe sich aus 50 Milliarden Franken. Damit Frankreich die ver­wüsteten Gebiete wieder ausbauen könne, müsse Deutsch­land seine Verpflichtungen erfüllen und es werde mit aller erforderlichen Energie vorgegangen werden, damit dies geschehe.

Londo n, 20. Avril.Daily Chronicle" schreibt in einemBolle Harmonie zwischen den Verbündeten" überschriebenen Aufsatz, Deutschland spekuliere aus die Möglichkeit, einen Keil zwischen Engkarü» und Franke ich zu treiben. An der Besetzung des Ruhrgebiets würden englische Truppen n i ib t teilnchmen, da keine verfügbar sein England erhebe jedoch gegen die Besetzung keine Einwendungen. DoS einzige andere Koblengebirt liege in Oberschlesien, und dieses Kvhlengebiet werde wahrscheinlich bald den Bolen zugewiesen werden an­gesichts der durch die Abstimmung erwiesenen großen polnischen Mehrheit (?) unter den ansässigen Einwoh­nern. Deutschland könne sich infolgedessen kaum lange seinen Verpflichtungen entziehen.

Belgrad, 20. April. Die südslawische Regierung hat die Erhebung der üOprozentigen Abgabe auf die deutsche Einfuhr gemäß den Londoner Beichlüsfen geneh­migt. Die Maßnahme ist bereits in Krast getreten.

Keine Ablehnung der Vermittlerrolle durch Amerika.

Berlin, 20. April. Eine Nachrichtenagentur meldet, daß Amerika einen von Deutschland durch eine neutrale Macht ausgestreckten Fühler, der Amerika zu einer Vermittlungsaktion veranlasien sollte, abgelehnt habe. Wie verlautet, entspricht diese Meldung nicht den Tatsachen. Sie gehört zu den zahlre'chen unzutreffenden Kombinationen der letzten Tage. Den tatsächlichen Sachverhalt wird der Minister des Auswärtigen sobald als mög­lich bei der Beantwortung der Interpellation über die Reparationsfrage im Reichstag mitteilen.

Beginn der Zollsperre.

Köln, 20. April. Die Kontrolle des ELter- und Postverkehrs in der neuen Zollgrenze hat heute eingesetzt. Die letzten Eüterzüge mit unverzollten Waren haben die Zollbahnhöfe kurz vor 12 Hhr nachts verlassen. Heute früh glichen die Bahnhöfe schon einem Warenlager. Auf den Bahnsteigen lagern überall Berge von Waren aus Güter- und Personenzügen. Die deutschen Zollbeamten geben sich alle Mühe, den Verkehr schnell und glatt abzu­wickeln, doch muß man berechtigte Zweifel hegen, ob ein regelmäßiger Verkehr auf die Dauer möglich ist. In Sachverständigenkreisen glaubt man, daß die Bahnhöfe bald vollständig verstopft fein werden. Auch die Spediteurs richten sich dementsprechend ein und nehmen nur Sendungen auf kleinere Entfer­nungen an.

Düsseldorf, 20. April. Bis heute vormit­tag gegen 9 Hhr riefen die Zollmaßnahmen keine besondere Störung im Personenverkehr hervor, da die französischen Aufsichtsbeamten die Züge, ohne Rücksicht darauf, ob die Zollbeamten mit der Re­vision fertig waren oder nicht, nach zehn Minuten Aufenthalt weiterfahren ließen. Im Güterverkehr ist bereits eine Stockung eingetreten.

Die Ausliefsrungsforderung bet Rheinland» kommifsion.

Koblenz, 20. April. Bei dem befristeten Aus- lieferungsverlangen handelt es sich um Fälle, die bis zum Oktober vergangenen Jahres zurückliegen und um die Strafverfolgung von solchen Perfonen, die eines Verbrechens oder Vergehens gegen Personen oder

nung der Donnerstagssitzung als ersten Punkt dis Wahl des preußischen Ministerpräsidenten.

Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß der Rücktritt des Ministerpräsidenten Stegerwald nur formale Bedeutung hat. Die Mehrheit des Landtages fei entfchloffen, Stegerwald erneut zu wählen. Stegerwald lege Gewicht darauf, vor allem die politisch-moralische Atmosphäre gereinigt zu wissen.

Stegerwalds neu geplantes Kabinett.

Berlin, 20. April. Von gut unterrichteter Seile wird mitgeteilt: Ministerpräsident Siegerwaid, der noch Zurückgabe seines Postens noch einmal zur Wahl ge­stellt wich, beabsichtigt sür den Fall seiner Wieder­wahl folgendes Kabinett zusammen zu stellen: Ste­gerwald Präsidium und Voikswobliahrt. Fischbeck Handel, Tr. Am Zehnhofs Jufti-, Rcichsoiinister a. D. Schiffer (Mitglied des Reichstags und Land­tags) Inneres, S a e m i s ch, Präsident des Landes- stnanzamts in Cassel, Finanzen, Ministerialdirektor Warmbold Landwirtschaft, Staatssekretär Prof. Dr. Becker Wi,,enschaft, Kunst und Volksbildung.

Das neue Kabinett wich sich in dem oben äuge deuteten Falle am Freitag dem Landtag vörstellen.

Eigentum der Streitkräfte der alliierten und asso­ziierten Mächte beschuldigt iocrden.

---*---

Oberschlesien.

Keine Neutralisierung des oberschlrsischcn Industrie­gebiets.

P a r i s, 20. April. DemJournal" wird aus Loudon gemeldet, es seien dort Nachrichten ver­breitet, wonach man deutscherseits vorschlagen wolle, das industrielle Gebiet in Oberschlesien mit seinem Hinterland provisorisch zu neutralisie­ren und es unter die Kontrolle einer interalliier­ten Kommission zu stellen. Auf diese Weife rönne das Industriegebiet als Garantie für die Enrfchä- digungszahlungen dienen. Von der deutschen Re­gierung wird hierzu erklärt, daß diese Gerüchte völlig gegenstandslos feien, da es für Deutschland nur eine Lösung geben kann: ein ungeteiltes bei Deutschland verbleibendes Oberschlesien.

Das Wüten der polnischen Brrbrecherbanden.

Breslau, 20. April. Mitglieder der gehei­men polnischen Militärorganisation überfielen in Rosenberg den Besitzer der weißen Mühle in seinem Hause, töteten den Müller und dessen Frau und raubten 14 000 <AL Den Landjägern gelang die Verhaftung der Verbrecher.

Beuthen, 20. April. Als Protest gegen die tätliche Mißhandlung einer Lehrerin durch polni­schen Pöbel setzte die Lehrerschaft in Roßberg bei Beuchen den Schulbetrieb für einen Tag aus. Das Lehrerkollegium der Volksschule 3 in Myslo- witz veröffentlicht eine Erklärung, den Schuldienst nicht verrichten zu können, solange nicht in dis Schule Tag und Nacht eine zuverlässige Wache ge­legt wird. Veranlassunazu der Diensteinstellung bildet die ständige Mißhandlung und Bedrohung der Lehrkräfte.

------

Die Kornmunistenverhastrmgen. t

Berlin, 20. April. Wie bereits gemeldet, sind gestern Brandler, der erste Vorsitzende der V. K. P. T. und neun seiner Genossen verhaftet worden, weil sie verdächtig sind, eine gewaltsame Aenderrrug der Reichsversassung unternommen und durch Schriften zu hochverräterischen Handlungen ausgesordert zu haben. Es hat sich her ausgestellt, daß Brandler in Böhmen g-bereu und Tschecho-Slowakc ist. Nach Er­ledigung des gerichtlichen Verfahrens wird die Berliner Polizei wahrscheinlich die Ausweisung Brandlers veranlassen.

Man nimmt an, daß zwischen Hölz und der Zentrale der B. K. P. T. engste Beziehungen bestanden.

Blätrermelt.ingen aus Halle zufolge, hat der unafc« häng'ge Sanbrat von Sangerhausen Kasparek einen längeren Urlaub von unbestimmter Tauer mtgtittien. Gegen ihn schwebt ein von der Staatsauwalischaft ein- geleitetes Verfahren wegen Hochverrat.

Berlin, 20. April. DerLok. Anz." meldet aus Halle: Ter Anschlag aus die Elbbrücke bei Torgau, Weswegen bereits 18 Angellagie zu 56 Jahren Zucht­haus verurteilt worden sind, brachte heute wieder 14 Angeklagte vor das Torgauer Sondergcricht. Der Schlosser Dietze wurde zu 10 Jahren Zuchthaus ver­urteilt. Einer erhielt 6 Jahre Zuchthaus, 7 je 5 Jahre Zuchthaus, die übrigen werden später ab­geurteilt werden.

Kommunistische Wahlniederlage.

Halle, 20. April. Durch die letzten Unruhen haben sich die Betriebsratswahlen in Mitteldeutsch­

land verzögerl. Bisher liegen die Ergebnisse von 40 Werken vor, die einen völligen Zusammen­bruch der Kommunistischen Partei erkennen lassen. Gewählt wurden bis jetzt 222 Mitglieder des Berg- arbeiterverbaudes, 2 Unionisten, 1 Hirsch-Dnncker scher lind 11 Kommunisten.

-*

Die Metzm der Kaiserin.

Am Dienstag ist die Kaiserin in dem stillen und friedlichen Tempel des Parkes von SauLseuci bei- gesetzt worden, den sie sich als letzte Rubesiätte ge­wünscht hat. Die Trauer und die Liebe deS deutschen Volkes haben sie auf dem Weg aus der Verbannung zur letzten Ruhestätte begleitet. Selbst in Berlin leider nimmt ja heute die Reichshauptstadt eine wenig rühmliche Sonderstellung ein waren am Beifetzungs- lage die Straßen der inneren Stadt und der Vor­orte mit dem Wehen und Wogen schwarz-weiß-roter Fahnen gefüllt, deren Trauerwimprl bewiesen, daß auch in Berlin die Teilnahme an der Feier in Pots­dam allgemein war. Nirgends im ganzen Deutschen Reich wird es anders gewesen sein. Die Bekundung herzlicher Teilnahme, die überall im deutschen Volk zutage trat, war ein freiwilliges und deshalb nur um so wertvolleres Zeichen der Liebe und Ver­ehrung. Ein Hauch der großen Zeit des Deutschen Reiches ist über das Land hinweggegangen, als die Kaiserin in Potsdam zu Grabe getragen wurde. Tas alte deutsche Heer und die alte deutsche Marine lebten toieber auf in zahlreichen Abordnungen, die der Kaiserin die letzte Ehre erwiesen. Ein Berliner Blatt bemerkt nicht mit Hnrechi, man habe bei der Br- gräbuisseier trotz allen Mangels an höfischem Prunk doch ein gewisses Zeremoniell bemerkt und eS als eine Wohltat empfunden. Eine Wohltat, weil man von dem Gegenstück, der allgemeinen Verwahr­losung des öffentlichen Leben?, leider nur zu viel Proben genossen hat.

Es wird von niemanden bestritten »erben, daß die Bkisetzungsfeiec in Potsdam eine vollständig un­politische Angelegenheit war und sein mußte, und niemand wird bedauern, daß die immer noch im Amte befindliche alte preußische Regierung sich nicht dabei vertreten ließ. Aber für das deutsche Volk und sür alle die, die in Potsdam an der Feier teilnahmen, war es die ehemalige Deutsche Kaiserin, die bestattet wurde und nicht dietote Frau", von der derVvr- wäris" spricht. Niemand, der am Dienstag in Pots­dam als Teilnehmer weilte, niemand, der im Geist trauernd mit an der Bahre stand, war gewillt oder sich bewußt, ein«politische Demonstration" mitzu- machen. Ungeheuer findet derVorwärts" die Dinge, die sich zugetragen haben.Beamte der Republik" haben sich an einermonarchistischen, antirepubli- kauischen Kundgebung" beteiligt, Formationen der Reichswehr find mitmarschiert, die Potsdamer Garni­son sogar geschlossen, und auch Sdjüler haben nicht gefehlt. Zwar hat Herr Harnisch ausdrücklich ange­ordnet, daß der Schulbetrieb nicht unter der Feier leiden solle. Trotzdem haben die Spionenaugen de> Vorwärts" Schüler aufgepirscht, sogar Scharen vou Schülern, ja ganze Klassen.Sie fehlten sicher iui der Schule, wie die Reichswehr bei ihrem Dienst­betrieb." DerVorwärts" fragt, waS die zustän­digen Minister dagegen tun werden, und er wünschh sie möchten endlich einmalein Exempel statuieren". Ja, auf diese Statuterung des Exempel» warten sehr viele schon lange. Mau hat es seit den November» tagen immer wieher erleben müssen, daß irgendein sozialdemokratisches Schaugepränge mit den größten Störungen und Hemmungen in das össcmlickie Leben und in den behördlichen Betrieb emgriff. Man hat es erlebt, als man den toten Liebknecht mit fürst­lichem Prunk zu Grabe trug, und man hat es iit jüngster Zeit wieder erlebt, als der Kommunisten­führer Sylt pomphaft bestattet wurde. Das waren Demonstrationen, politische Kundgebungen, die ihre drohende Sprache gegen den Staat und gegen die Behörden richteten. Und niemals ist es der Behörde eingefallen, ein Exempel zu statuieren. Den Kom- munistensührer Sylt, der sich auf das Schwerste gegen Staat und Gesellschaft vergangen hatte, habenrepu­blikanische Beamte" massenweise zum Grabe geleitet, und in der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben selbst demokratische Vertreter dagegen Ein­spruch erhoben, daß der Magistrat durch zahllose Be­urlaubungen zu diesem Zweck der Stadt schwere Geld­opfer auferlegt hat. Hat man bei dieser Gelegenheit etwas davon gelesen, daß derVorwärts" Einspruch erhob? Da sollte die sozialdemokratische Presse zu einer Trauerkundgebung schweigen, die dem deutschen Volk aus dem Herzen kommt, und die nichts weiter sein will als eine Selbstbesinnung auf die besten Kräfte, die der deutschen Volksseele iunewohnen: Aus Treue in Glück und Leid.

In Altenburg hat sich der Kirchenvorstand ge- weigert^ dem OffiziersbuÄ uufe den fititgeroeraac*