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1921

DieOberheisijche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4.25 Ml., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr, ftüt ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag von Dr. E. Sitzerath. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Joh. Aug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher 55, - Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Wag, den 19. Will

(Ostrrmond)

Amlliches VerWndigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher lurhefsifche) Oberhessen

Der Anzeigenpreis beträgt für die 9 gesp. Colonelzeile oder deren Raum Psg. u. 10% Aufschlag, amtliche und auswärtige 1. Mk. Andere Spaltendreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufende oder den Raum über */, Serie ern- nehmende Anzeigen sind wir berechtigt, nach der Textspaltenbreite zu setzen und zu berechnen. Togen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 3.00 Mk. Zeder Rabatt gilt als Barradatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sondergebühr.

Die Merdtuno des neuen Schlages.

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j. Doorn, 18. April. Nachdem gestern abend im tzaale des Hauses Doorn von Obechofprediger Dry - hader im engsten Kreise der Familie und des Ge­folges die Tcauerseier für die verewigte Kaiserin ab- ^chalten worden war, würbe die Leiche rlach dem Bahn­hof Maarn übergrführt, wo der Tranerzug in zahl- hrichen Automobilen, deren erstes den Sarg mit der ßeiche barg, um 1/?ll Uhr nachts eintraf. Die ganze tztrecke von Haus Doorn zur Station war von Neu­gierigen stark besetzt. Der Kaiser mit dem Kronprinzen, her Husaren» uiform trug, ebenso die Herzogin von Braunschweig mit Gemahl waren zu erkennen. Für Wenige Momente erhellte das blendende Magnesiumlicht her Photographen den Bahnhof, dann versank alles Wieder in Dunkelheit und tiefe Stille. Dann hörte xran die Stimme des Geistlichen, der das Gebet sprach. Mach den Segensworten wurde der Sarkophag mit der keiche aus dem Automobil in den Salonwagen ge­tragen. Der Kaiser und die übrigen Familienmit­glieder geleiteten den Sarg bis zum Waaen,-in dem Hrinz Oskar zurnckblieb, um die Totenwache am Sarge i*r Mutter zu halten. Tie übrigen Teilnehmer an her Uebersührung fuhren in Automobilen nach Haus Woorn zurück.

i Arnheim, 18. April. Der Zug mit der Leiche der verewigten Kaiserin hielt außerhalb des Bahn­hofs. Die Wege entlang der Eisenbahn sowie das ganze Aelände waren von Tausenden von Zuschauern besetzt. Die Polizei hatte einen umfangreichen Ordnungsdienst '«rifrecht erhalten. Alle Zugänge Waren von Gen- Wrmrn bewacht. Nur einige Personen erhielten die UrlanbniS, sich dem Zuge zu nähern. Der deutsche Konsul Fässer legte einen großen Kranz im Leichen­wagen nieder. Der Zug fuhr um 9 Uhr in der Wichtung nach Zevenaar ab. An der Brücke, die über 'die ^Schienen führt, Wurde der Leichenwagen, als kr Zug vorbei kam, mit Blumen beworfen. Um 10 Uhr passierte der Zug die holländisch-deutsche Grenze und war mit einigen Minuten Verspätung bei dem Orte Zevenaar, wo er den Augen der Zuschauer durch drei Güterzüge entzogen wurde. Ter Bahnhof war von Polizisten und Gendarmen abgesperrt. Ter deutsche Vizekonsul Buschkammer War anwesend und begleitete den Zug bis Elten, dem ersten Ort aus Kutschen Boden. Ein Vertreter der Eisenbahnbehörde begleitete den Zug ebenfalls. Keinerlei Zwischenfälle sind vorgekommen. Alles ging in größter Ruhe

' vor sich.

Emmerich, 18. April. Heute vormittag 9/28 Uhr traf der Sonderzug mit der Leiche der ehemaligen Kaiserin an der deutschen Grenze in Elten ein. Der Bürgermeister überreichte einen Lorbeerkranz als Ver­treter der ersten deutschen Gemeinde. In dem Zuge kfaiiöcn sich Prinz und Prinzessin Adalbert und Prinz Oskar von Preußen, außewem 18 Personen des Ge­folges. Nach dem Maschinenwechsel setzte sich der Zug nach Einmerich in Bewegung. Aus dem Bahnhof in Emmerich hatte sich ein zahlreiches Publikum ein- Pfunden, das den Zug mit Ehrfurcht begrüßte. Bür­germeister Tr. Langen überreichte einen Lorbeerkranz, der die Leideuszeit der Kaiserin versinnbildlichte. Ter Kranz bestand ans einer Dornenkrone, die mit Lorbeer durchwirkt war. Der Sonderzug bestand aus drei Wagen. Im letzten befand sich der Sarg, vollständig mit Blumen verdeckt. Nach einem Aufenthalt von 12 Minuten fuhr der Zug in der Richtung nach Berlin über Wesel weiter. Einzelne Gebäude und Fabriken hatten halbmast geflaggt.

Hannover, 18. April. Ter Sonderzug mit der Leiche der verewigten Kaiserin traf heute Nachmittag kurz vor 5 Uhr hier ein und setzte nach einem Auf­enthalt von 15 Minuten, wahrend eine von Privat­personen herrührende Kranzspende überreicht wurde, die Fahrt nach Braunschweig fort. In Braunschweig kam der Zug um 6 Uhr 20 Minuten auf dem Ost- bahnhof an, wo Maschinenwechsel stattfand. Als der Zug in den Bahnhof einlief, setzte das Geläute der Glocken des Tomes und der in der Nähe des Bahn­hofs befindlichen Johanueskirche und des Marienstiftes ein, das andauerte, bis der Zug den Bahnhof Wieder verlassen hatte. Ter Bahnhof war abgesperrt. Nach einem Aufenthalt von 10 Minuten ging die Fahrt 66er Helmstedt und Magdeburg Weiter.

Die Ankunft in Wildpark.

Wildpark., 18. April. Der Sonderzug mit dem Sarge der verewigten früheren Kaiserin Auguste Viktoria lief um 10% Uhr hier ein. SHif sdem Bahnsteig hatten sich eingefunden: die frühere ! Kronprinzessin, die Prinzen Eitel Friedrich und August Wilhelm mit ihren Gemahlinnen, der Hausminister Graf A. zu Eulenburg und die frühere Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff.

Warschau, 15. April. Der Reichstag hat den Bigaer Friedensvertrag mit Sowjetrustland In dritter

Sie MioeitrMM wieher Meiler!.

Reines Beamtenkabinett oder alte Koalition?

Berlin', 19. April. Die Bildung eines preu­ßischen Uebcroangsministeriums aus dem Zentrum, den Demokraten und Beamten ist gescheitert. Die dcnlokratische Fraktion beschloß in ihrer gestrigen Sitzung, sich an einem solchen Kabinett nicht zu beteiligen. Dem T." zufolge versucht Stegerwald jetzt, ein reines Beamtenmini- t e r i u m zu bilden.

Nach einer anderen Lesart, die dieBosi. Ztg." wiedergibt, sind Verhandlungen im Gange, ein Kabinett auf der Grundlage der alten Regierungs- koalition herzustellen. Die Aussichten einer Wie- derkebt der alten Koalition werden von dem Blatt als günstig bezeichnet.

Eine Erklärung Stegerwalds.

Berlin, 19. April. ImBerl. Toaebl." veröffent­licht Ministerpräsident Steqetwald einen AussatzBin­dungen", worin er zum Schluß erklärt:Mir war bei meiner Annahme des Amts von Bindungen nichts be­kannt. In diesem Falle wäre ja der Ministerpräsident im Wesentlichen nur der Makler zwischen den seitherigen Koalitionsparteien gewesen, fine Rolle, die ich unter allen Umständen abgelehnt hätte. Tasür braucht man keinen Ministerpräsidenten zu Wählen. Nachdem ich an­nehmen mußte, allseitig bedingungslos gewählt zu fein, weil die Vertreter der Zemrumspartei nach wie vor auf das entschiedenste bestritten, eine Vereinbarung getroffen zu haben, glaubte ich aus innen- und außenpolitischen Gründen wegen dieser nachträglichen Meinungsverschiedeu- beit unter den Parteien mein Mandat nicht Hiebet» legen zu sollen. Meinerseits wollte ich jedenfalls nicht dazu beitragen, den noch vorhandenen geringen Rest von Staatsautorität weiter untergraben zu lassen. Für^bicses mein Verhalten sollte meines Erachtens auch die. Sozial- d-'mokratie Verständnis haben.

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Mtmtz unter SroiWs SmnvMe.

Die Anschlußbeweguug regt sich in Deutsch-Oester­reich mit elementarer Gewalt, und zwar immer unauf­haltsamer, je näher der Abstimmungstermin, den sich der Tiroler Landtag gesetzt hat, hcraurückt. Nachdem die Anschlußbewegung längere Zeit durch das Verbot der Ver­bündeten lahmgelegt war, hat sie sich wieder an die Ober­fläche durchgerungen, weit in Deutsch-Oesterreich die natür­liche Entwicklung unter allen Umständen dahin drängt, eutiwber den natürlichen Anschluß an das Deutsche Reich zu siuden, ober aber als zusammenhangloser Splitter ein Scheindasein zu führen, das zwischen staatlichem Leben und Tode hin und her schwankt. Die Erkenntnis dieser Tatsache hat zuerst in Tirol zu dem Beschluß geführt, eine Abstimmung vorzunehmen, und trotzdem sich die Wiener Zentral-Behörden alle Mühe gegeben haben, die Bewegung zu hemmen, hat sie doch auf die anderen Länderteile übergegriffen, und so ilt überall heute der Gedanke in Deutsch-Oesterreich wieder lebendig. Welches Ergebnis eine Abstimmung haben würde, ist von vorn­herein über jeden Zweifel erhaben. Es würde sich eine überwältigende Mehrheit für den Anschluß an Deutsch­land ergeben: denn jeder Deutschösterreicher weiß, daß der österreichische Staat nur auf biefe Weise lebensfähig bleiben kann. Daneben brängt natürlich auch bas «tarn» mesgefühl mächtig dazu, den staatlichen Zusammenhang mit dem Deutschen Reiche zu finden.

Frankreichs Pläne werden durch diese Auschlußbc- wegung durchkreuzt. Es träumt immer noch von der Donau-Föderation, deren Voraussetzung ein öster­reichischer Staat ist, der von der Gnade Frankreichs leben muw Infolgedessen hat Frankreich jetzt der Anschluß» belvegung die Drohung entgegengesetzt, jede Hilfsaktion zu Gunsten Deutsch-Oesterreichs sofort einzustellen, was natürlich gleichbedeutend wäre mit dem langsamen V e r- hungernlassen der Wiener Bevölkerung. Wenn es sich noch lohnte, über den Völkerbund eint Satire zu schreiben, so gäbe dieser Vorfall Veranlassung zu einer der grausamsten Variationen dieses Themas, lieber 4Jahre lang haben die Verbündeten angeblich für das selbst- veftimmuiigsrccht der Völker unentwegt gekämpft. Dann ist ein Völkerbund gegründet Worben, der dauernd Frieden stiften soll. Deutsch-Oesterreich ist Mitglied dieses Bun­des geworben Trotzdem Wirb seiner Absicht, zunächst nur einmal die Willensmeinung der Bevölkerung über ihre staatliche Zukunft sestzuftcllcn, bereits ein fester Riegel vorgeschoben. Und dieser frtmbe Wille, diese Vergewal­tigung des Seibstbestimmungsrechis, soll Teuisch-Ocster- reich mit der Hnngerpeitsche aufgezwungen Werben. Es ist klar, baß die Auschlußbewegung sich auch auf biete W«ise nicht unterdrücken läßt. Sie ist das Ziel einer natürlichen Entwicklung und wirb sich durchsetzen. Das Vorgehen Frankreichs konnte nur dazu dienen, den Völkerbund noch mehr in der Achtung der Welt herab- zusetzen, als cs bisher schon geschehen ist. Aber auch das ist eigentlich unnötig, nachdem Präsident Harding den Völkerbund durch ein vernichtendes Werturteil !otge­schlagen hat.

Wien, 18. April. DiePolirifckw Korrespondenz" meldet: Bundeskauzler Tr. Mayr liest dem srauzösischeu Gesandten wegen der Kundgebungen, die gestern vor dem Gesandtschaftsgebäude stattsanden, sein Bedauern aus-

5er deuMe EMektand soll M dem besetzten Gebiet Macht werben.

Berlin, 18. April.' Wie das Wolff-Büro er« ährt, wurde von der Entschädigugskommission an den Vorsitzenden der deutschen Kriegslastenkom- misston mündlich die Aufforderung gerichtet, die Goldbestände der Reichsbank und der übrigen deutschen Notenbanken bis zum 1. Mai nach Plätzen im besetzten Gebiet, etwa Köln oder Koblenz überzusühren. Die Maßnahme soll eine Sicherheit Lr die deutschen Leistungen auch nach dem 1. Mai ein. Die deutsche Regierung soll fick verpflichten, )ah ohne Zustimmung der Entschädigungskommif- ion äbet dieses Gold zur Befriedigung anderer Gläubiger nicht verfügt wird. Die schriftliche klrber- mittlung dieser Aufforderung steht noch aus. Je­denfalls darf schon jetzt kein Zweifel darüber gelaf- icn werden, daß hier eine Forderung vorliegen würde, der von deutscher Seite unter keinen Umständen entsprochen werden kann.

Frankreich gegen bie beMen BvrWäge.

London, 18. April.Daily Mail" berichtet aus Paris, bah Frankreich bie erwarteten deutschen Vorschläge auf Ileberuahme der Schulden der Ver­bündeten an die Vereinigten Staaten, Ausgabe einer langfristigen, von den Verbündeten garan­tierten Anleihe, Beteiligung der Verbündeten an der deutschen Industrie und Unterstützung des Wie­deraufbaus Frankreichs durch Rohstoffe und Ar­beiter ablehnen werde.

Die Beratungen der Sachvetstäiüngen.

Paris, 18. April. (Havas.) Die militäri- chen und wirtschaftlichen Sachverständigen sind heute morgen zusammengetreteu, um über die wei­terhin zu treffenden Mahnahmen gegen Deutsch­land wegen Nichterfüllung seiner Verpflichtungen zu beraten. An der Sitzung nahmen teil: Marschall F o ch und General Weygand in Begleitung des Eeneralstabes, außerdem Seydoux, Abteilungs­direktor vom Ministerium des Aeuheren und meh­rere Sachverständige über wirtschaftliche und finan­zielle Fragen. Man glaubt, daß diese Sitzung nicht die letzte sein wird, sondern daß ihr noch ähnliche folgen werden, um den Gesamtplan der Zwangs- mahnahmen fertig zu stellen.

London, 68. April.Daily Telegraph" mel­det, daß zwischen Frankreich und seinen Verbünde­ten ein Gedankenaustausch über die Frage weiterer Zwangsmahnahmen im Gange sei.

Keine Vermittlet.

Rom, 18. April. (Havas.) Im V rtikan dementiert man die Nachricht, dah der Heilige Stuhl sich zur Vermittlung der neuen deutschen Vorschläge bereit erklärt habe.

Paris, 18. April. (Havas.) Aus Washington wirb gemeldet, dah die Mehrheit der Mitglieder des auswärtigen Ausschusses ein Eingreifen der Vereinigten Staaten in der Frage der Entschädi­gung abgeneigt sei.

Brüssel, 18. April. (Havas.) DerSoir" meldet, dah in der Sache der neuen deutschen An­gebote die Reichsregierung Schritte bei dem bel­gischen Gesandten in Berlin unternommen habe. Dieser habe aber erklärt, diese Schritte mühten bei den Verbündeten unternommen werden.

Tagung des Obersten Rate».

Paris, 18. April. Pertinax spricht imEcho de Paris" die Erwartung aus, dah der Oberste Rat in den ersten Tagen des Mai in Paris zusam­mentreten werde. Er werde sich nicht nur mit dem Wiederherstellungsproblem zu befassen haben, son­dern auch mit der Frage von Oberschlefien. Der Oberste Rat werde sich über die zukünftige deutsch­polnische Grenze auszusprechen haben.

Eine französische Rote an Bayern.

Berlin, 18. April. Wie dasB. T." aus Wien meldet, verlautet dort aus gut unterrichteter Quelle, dah die französische Regierung an die bayerische Regierung eine Note gerichtet habe, in der Frankreich gegen angebliche bayerische Umtriebe in Tirol Protestiert. Bayern sei rach der Note für die Auschluhvolksabstimmung in Tiro! verantwort­lich und habe dadurch den Friedensvertrag von Versailles verletzt. Die französische Regierung be­hauptet, im Besitz eines umfassenden Beweis- materia für das Vorgehen Bayerns zu fein.

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Gegen die Anforderung deutfcher Zollbeamter.

Berlin, 18. April. Die deutsche FriebenS- belegation in Paris übergab der Botschafterkonserenz anläßlich der Errichtung eines besonderen Zollregimes iür die Rheinlande eine Note, in der sie gegen diese Maßnahme als eine Verletzung des Vertrages von Versailles und des Abkommens über bie Besetzung bet Rheinlaube Protest erhebt. Es heißt in bet Note:

Artikel 270 bes Vertrages von Versailles gestattet ben alliierten und assoziierten Mächten bie Einführung eines eigenen Zollregimes für bie befehlen Gebiet« nur unter bet Voraussetzung, baß eine solche Maß­nahme für erforderlich erscheint, um bie wirtschaftlichen Interessen ber Bevölkerung dieser Gebiete zu währen, wahren. Die beteiligten Mächte der Rheinkaichkom- Mission versuchten aber garnicht, bie Maßnahme mit der Notwendigkeit bet Wahrung ber wirtschaftlichen Interessen ber besetzten Gebiete zu rochtsettigen. Sie charakterisietten sie vielmehr als eine Repressalie und als eine Strasmaßnahme. Der französisch« Ministerpräsibeul erkannte am 4. AGril in ber Kam­mer ausbrücklich an, es hanble sich hier um ein übet die Bestimmungen des Vertrages von Versailles hin- ausgeheubes Vorgehen.

Gegenüber dem in ber Berorbuung von ber inter­alliierten Rheinlaudkommission beanspruchten Recht bei Requirierung von Dienstleistungen beutscher Zoll­beamter für bie Zwecke ber Durchführung bes Zoll­regimes mag bahiugestellt bleiben, ob bie Dienste von Beamten überhaupt ber Requisition unterliegen. In dem Falte gestattet bie Haager Lanbkriegsorbnung Artikel 52, bie Reauisition von Naturalleistungen und von Dienstleitzungeu für keine andere Zwecke als, die Bedürfnisse des Besatzungsheeres. Im übrigen widerspricht es, ganz abgesehen von bet Rechts- tage, allen Grundsätzen ber Moral, baß Staatsbeamte gezwungen werden sollen, bei ber Durchführung von Maßnahmen mitzuwirken, bie ausgesprochenermaßen als eine Repressalie gegen basjenige Sanb eingesührt werben, bem sie angehören unb bem sie burch ben Bc« amteneio zu besonberer Treue üerbunben sinb. Die Rheiulanbkommission ist burch bas Abkommen über bie militärische Besetzung bet rheinischen Gebiete als ba« oberste Organ ber an ber Besetzung beteiligten Mächte für bie vertragsmäßige Durchführung bet Besetzung bestellt wotbeit. Die brutsche Regierung mnß baher bie Regierungen btt Besatzungsmächte verantwortlich- machen für bie von ihrem Vollzugsorgan vollsühtte» Vettragsverletzungen und legt gegen bie vorfiehenb ge­kennzeichneten Maßnahmen ber Rheinlandkommission feierlich Verwahrung ein.

Gleichlautende Noten ließ die deutsche Regierung den Regierungen in London, Patts, Brüssel unb Rom zugehen.

Aufrechte deutsche Beamte.

Nach einer Meldung desBerl. Lckalanz." ver­ließen wegen der bevorstehenden Errichtung der franMschen Zollgrenze der Vorsteher des Ludwigs- Hafener Hauptzollamtes Weiersmullet und der zu seinem Nachfolger bestimmte Vorsteher des Haupt­zollamtes Kaiserslautern Mann ihren Amtssitz freiwillig, weil sie es mit ihrem Gewissen und ihrem deutschen Diensteid nicht vereinbaren konn­ten, den von den Franzosen verlangten Dienst- leistungen zu entsprechen.

6in wettetet Mitt tut Mminmg her Meinlmhe.

Gegen den deutschen Reichskommisiat der besetzten Gebiete.

B e r l i n, 18. April. Die interalliierte Rhein- landkommisfion verlangte die Rücklieferung von drei Personen, die sich angeblich Verfehlungen tm besetzten Gebiete hätten zuschulden kommen lassen und ins unbesetzte Deutschland flüchteten. Sollte diese Rücklieferung bis zum Abend nicht erfolgen, so will die Rheinlandkommisfion ihren Regierun- gen Vorschlägen, entweder den deutschen Reichskom­missar für die besetzten Gebiete das Agrement zu entziehen oder seine Dienststelle aufzuheben. Dem Verlangen auf Auslieferung kann laut der Deutschen Allg. Ztg." nicht stattgegeben werden, da vor allem die Verfehlungen der Personen nicht hinreichend begründet seien. Es finde zwischen der Kommission ud der deutschen Regierung ein Schriftwechsel statt, von dem zu hoffen sei, daß er die Rheinlandkommisfion von ihrem unbegründeten Vorhaben abbringen werde.

Wenn diese Hoffnung trügt, liegt ein weiterer Schritt zur völligen Abtrennung der Rheinlands von dem übrigen Deutschland vor»