1921
Marburg MM, den 18. AM
(Dftermottb)
AmUiches BerÄndigungsdtatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
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Bor len neuen
ölegikVaid; lelilek MW.
Ein Eeschaftsministerium.
Zar preußischen Kabinettsbildung teilt das dem Ministerpräsidenten Stegerwald nahestehende Blatt ^ver Deutsche" mit: Nachdem alles gescheitert ist, sind die Verhandlungen für die Bildung eines E e - schäftsMinisteriums ausgenommen.
Nach dem „Vorwärts" lehnt es die sozialdemokratisch« Landtagsfraktion ab, daß Braun, Seve- ring oder andere Fraktionsmitglieder der Aufforde- Nrug Stegerwalds Folge leisten und in ein Geschäfts- oder Uebergangsministerium eintreten. Die Fraktio««» werden jedes Geschäfts- oder Ueber- gangsnrinifterium bekämpfen, das ohne ihre Zu- stimmnng -ustandekommt.
Dem neuen Kabinett werden voraussichtlich drei Parlamentarier und vier Beamte angehören. Laut „Lokskatrz." dürfte sich das Kabinett um die bisherige» Minister Stegerwald, Präsident und LoUswohlfahrt, Fischbeck, Handel, und Am Zehn Haff, Justiz, gruppieren.
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Ns Mo les MlWeMriMns.
Ta-s völlige Fiasko de? vorher a!s Retterin aus Mer Nol gepriesenen parlamentarischen Systems in TeurschlaW wird nach und nach auch denen klar, die sich jrüch« gar nicht nachdrticklich genug dafür ein- gefe^ habe». So schreibt jetzt die demokratische „Vos- fische Zeitung":
Dis D»,er der preußischen Kabinettskrise, die jetzt nicht nuür Woihen, sondern bereits Monate wäbrt, über- tchrritet jedes auch für einen sehr jungen Parlaiuentaris- mu? zuläsfige Mast. Man must tief bedauern, da st .Tarte«», die aufeinander OTn.ioiefch sind, nach so langer Aeir u«h, nicht die Möglichkeiten und die konkreten Formeln einer sachlichen Einigung gesunden haben nno noch tettzer keine andere Rolle zu spielen tbiffen als die »n Ovvositionsgruppen int Obrigkettsstaat«. Es ist »llerhöchstr Zeit, daß die Parteien des vrcuß-ichen Landtags, bi# b^her das Zustandekommen einer Regierungs- tol-i io» verhindert haben, sich endlich der Vcrantivortnn- des parlamentarischen Regimes bewußt werden. Par- cutariZmus besteht nicht darin, daß zurückgetretenc Re-
Aikkriugca diele Sstochen lang die Gefchäste tveitersühre» tmd noLgedrnngen wichtige politische und BenvaltungS- »nordnunge, treffen müssen, weil die Parteisekretäre das Problem der Regierungsbillumg nur unter dem Gesichtspunkt« der Volksversammlungsauswir- fuugeo betrachten. Auch den Führern der preußischen Landirgsinaktionen dürft« nicht unbekannt geblieben sein, tat »as Deutsch« Reich sich in einer furchtbar ernsten Lage befindet und sich vielleicht in ganz wenden Wochen in einer noch viel ernsteren be-- 6nc<wird. In einer Lage, in der möglicherweise sogar den politisch ahnungslosesten Wählern das kleine Partei- sezänk recht nebensächlich und unwichtig erscheinen dürite. Glauben die Herren nicht, daß sie in einer solchen Zeit die Pflicht haben, dem größten Bundesstaat« des putschen Reiches ei« Regierung zu geben, die arbeiten, di« für daS preußisch« Volk sprechen und für seine großen sachlichen Interessen eintrctcn kann?
Das ist gewiß ein sehr treffendes Urteil. Aber, wie dir „N. Tagesztg." nicht minder treffend dazu sagt, fällt es auf diejenigen Parteien, die sich zum Bannerträger des neudentjchen Parlamentarismus gemacht ■ haben.
'K Sommnnilten unter W
HW"" Für und gegen Levi.
. ’ Die feit einer Reihe von Tagen verbotene „Rote ! die aber offenbar durch kein Mittel der Staats- ■ gcwalt ast Erscheinen verhindert werden kann, wandte sich au» Freitag in einem heftigen Aufsatz gegen Paul Levi, den einstmaligen Vorkämpfer des Kommunismus in Tegtick^and. Levi trug in Deutschland schon die Fahne der Äsoiet-Republik voran, als die sogenannten Ren- hemmurusten noch mtt den Unabhängigen zusammen an dcmfeTen Fraktionstisch saßen. Nunmehr ist er für die „Role Aaßue" auch schon ein Abtrünniger geworden, der sich durch sei» „Renegatenmanöver" die Acht und Bann dvn Moskau zugezogen hat. Und alles das, weil er in einer nachwies, welches Verbrechen der kom-
inunMchr Putsch gewesen ist. Ob freilich Levi Ursache hat, sich tdrv diese Behandlung zu beklagen, ist eine eitbeee 5**t« Die Kommunistische Partei stößt einen Führs» »ach dem andern ab. Daran können diejenigen am »Smweurnisten Anstoß nehmen, die den deutschen firn. ..taetSe* bU russischen Sklavenketten haben schmieden hÄft» Dir „Rote Fahne" weist mit Recht darauf Hin, dich Se»i von seiner Moskauer Reise als begeisterter »P.ttichiL" z» rückgekehrt ist. Nur scheint dieses Feuer de^ B^aH««rkg nicht lange genug angehalten zu haben. $4$ ft» aber hätte er allerdings wissen müssen, daß iu der KmEnnistischen Partei Deutschlands die deutschen FiHr« nichts nnd die Moskauer Zentrale alles zu sagen hab Dieser Zustand ist mit sein eigenes Werk.
Wie kfe „B. Z. am Mittag" mitteilt, ist anzuneh- wen, daß nicht nur Levi, sondern auch noch andere Kom- rnnuistensühr^, so Adolf Hoffmann, Klara Zetkin Braß «ch Dänmig in kurzer Zeit aus der Partei
Braß, Däumig, Adolf Hoffman«, Klara Zetkin und andere ergreifen in einer Erklärung in der „Roten Fahne" das Wort zur Verteidigung Levis und erklären, daß sie die politische Auffassung Levir über die Märzattion und das Verhalten der K. P. D. teilen. Die Zentrale habe durch Einleitung der putschistische» Aftiou die Partei fn schwerste Verwirrung gestürzt. Die Unterzeichner der Erklärung verlangen die schleunigste Einberufung eines außerordentlichen Parteitages» der Stellung zu den umstrittenen Fragen nehmen soll, da sie der Zentral« das politische und moralische Recht absprechen, allein und selbstherrlich über die Köpft der Mftglieder- schast hinweg über Fragen zu entscheiden, von denen dir gesamte Existenz der Partei abhänge. In einer Gegenerklärung teilt die Zentrale mtt, daß sie da- gesamte Material über die Märzaftion der Exekutive der Dritten Internationale unterbreiten wolle, wnt deren Entscheidung einzuholen. Sobald die Verhältnisse es irgendwie gestatteten, berufe die Zentrale einen Parteitag riv, wenn irgend möglich, noch vor dem dritten Wahlkongrcß, der am I.Jnni stattfind«.
In einem Schreiben an die Zentrale der K. P. D bat der aus der Partei ausgeschlossene Levi gegen den Ausschluß Bernsens eingelegt. Tie „Rote Fahne" teilt mit, dem Appell werde Rechnung getragen.
DflW«Menti$s M.
Kundgebung für den Anschluß. — Die ablehnende Haltung der Regier»«g.
Wien, 17. April. Heute sand in der Volkshalle des Rathauses, sowie auf dem Rathausplatz eirte Kundgebung der werktätige» Bevölkerung Oesterreichs statt für den Anschluß an Deutschland, zu der sich die gewerkschaftlichen, industriellen und fochtechnischen, sowie die politisch-nationalen Vereinigungen, die deutsche Studentenschaft und die Mittelschulen inngefunden hatten. Zahlreiche Redner traten für den Anschluß an Deutschland ein. Dann wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der erklärt wird, daß angesichts der Nichtlebensfähigkeit Oesterreichs diesem nur der Anschluß an Deutschland wirtschaftlich« Mittel bringen könne. Es wird ferner gefordert, daß es dem österreichischen Volk ermöglicht werde, von seinem Recht Gebrauch zu machen, vor dem Völkerbund den Wunsch nach dieser Vereinigung zum Ausdruck zu bringen. Eine Gruppe von Mani- sestanten versuchte nach der Versammlung vor der französischen Gesandtschaft zu demonstrieren, wurde aber von der Polizei zerstreut. Die gefaßte Entschließung wurde dem Bundeskanzler durch eine besondere Abordnung unterbreitet. Die Regierung und der Nationalrat «erden aufgefordert, sofort alles einzuleiten, was zur Anbahnung des An- schlusies erforderlich ist und vor allem die Volksabstimmung sofort vorzunehmen. Der Führer der Abordnung bemerkte hierzu: Die Regierung habe zwei Wege gezeigt, die zur Rettung Oesterreichs beschritten werde« könnten, den Weg der Kredite und jenen des Anschluffes. Nachdem die Teilnehmer der Kundgebung die Hoffnung auf die erste Löfung verloren hätten, bleibe ihrer Auffassung nach nur noch der zweite Weg übrig. Bundeskanzler Mayr nahm die Entschließung zur Kenntnis und erklärte, er könne sich der Anschauung nicht anschließen, daß der erste Weg nicht weiter verfolgt werden solle. Dieser Weg müffe vielmehr erst zu Ende gegangen werden, und es könne seiner Ueberzeugung nach nicht mehr lange dauern, bis ein Ergebnis erreicht sei. Er bitte daher noch «m einige Wochen Geduld. Den zweiten Weg. das unmittelbare Anschlußbegehren könne die Negierung in diesem Augenblick nicht beschreiten, da Oesterreich dann keine Kredite bekommen würde, ganz abgesehen davon, daß man Oesterreich den Anschlitß gai nicht gestatten werde.
Tiroler Lanbesregiernn- gegen Bundesregierung.
Innsbruck, 15. April. Heute fand ein großer Demonstrationszug gegen das Anfchlußoerbot der Entente statt. Die Teilnehmer zogen vor das Gebäude des Landeskulturrats, wo Landeshauptmann S ch r a f f e l eine Ansprache hielt, in der er die Hoffnung ausdrückte, daß auch die übrigen Mitglieder der Landesregierung sich feiner Ueberzeugung vom Rechte der Volksbefragung anschließen werden. Non einer Korrespondenz wurde gemeldet, daß die Bundesregierung die Rückgängigmachung der für den 24. 4. angeordneten Volksbefragung verlangt und der Landesregierung den Vorwurf gemacht habe, daß sie auf den Anschluß hinzielende Umtriebe dulde. (Stürmische Zurufe.) Die Landesregierung werde aber noch heute die Forderung der Bundesregierung a b l e h n e n. (Tosender Beifall.) Die Tiroler würden wie ein Mann für den Anschluß an Deutschland stimmen, worauf die Menge entblößten Hauptes das Andreas Hofer-Lied anstimmte.
M md Loche«» Wliot.
Die Ausdehnung der Besetzung. — Erhebung dauernder Ausgaben.
Paris, 16. April. Marcel Hutin erklärt im „Echo de Paris", daß der Gegenstand, der gestern den an der wichtigen Sitzung beteiligten Persönlichkeiten zur Beratung vorgelegt wurde, doppelter Natur gewesen sei, militärischer und wirtschaftlicher. Hutin hat von einer wohlunterrichteten Persönlichkeit erfahren, daß bei der Regierung zwei Berichte vorgetragen wurden, der eine von Fach, der andere von L o u ch e u r. Fach macht einen Unterschied zwischen dem Mannschaftsbestand, der im Anfang des Unternehmens nötig sei und ziemlich b e - deutend sein müßte, um gegen jeden etwa auftretenden deutschen Widerstand gerüstet zu sein, und den Mannschaften, welche in Zukunft genügen würden. Letztere würden nicht mehr als die Hälfte der Mannschaften betragen, die bis zum 1. April verwendet worden seien. Diese könnten durch die Einberusung der Jahrgänge 1918 und 1919 zusammengebracht werden. Der Jahrgang 21 wird nach etwa drei Monaten die Entlastung dieser Jahrgänge ermöglichen. Foch erklärte, daß die Grenzen des besetzten Gebietes nicht nur nach militärischer, sondern auch nach wirtschaftlicher Notwendigkeit gezogen werden müßten.
Aus der Besprechung sei allem Anschein nach die Notwendigkeit zu Tage getreten, daß die Besetzung über di «Grenze n des eigentlichen Ruhrgebiets hinausgehen und sich zum mindesten auf einen Teil des westfälischen Industrie-Gebietes ausdehnen müste. Loucheur weist darauf hin, daß die neuen Zwangsmaßnahmen nicht nur ein neues Mittel feien, um einen Druck auf Deutschland auszuüben, sondern auch ein Weg, um in den Besitz der Forderungen zu gelangen, ja gegebenenfalls selbst als ein Zahlungsweg ständigerArt, der auchüberdieDauer der Besetzung hinaus erhalten werden könnte. In diesen Plänen sei ein ausgedehntes Netz von Abgaben auf die Rheinkohlen und auf dis Rheinindustrieerzeugniste enthalten, welche aus dem besetzten Gebiet ausgeführt würden. Hutin bemerkt dazu, daß nach ziemlich verläßlichen Berechnungen der Betrag bei Summe, der auf diese Weise in die Kaste des Entlchäd'gungsausschuffes fließen würde, auf etwa 3 Milliarden geschätzt werde. Die Berichte Fachs und Loucheurs seien von den übrigen Teilnehmern an der Sitzung voll gutgeheißen worden.
Die Frage des „Sich bezahlt machen".
Paris, 17. April. Wie der „Petit Parisien" mitteilt, wurde in der Konserenz im Elysse am Freitag beschlosten, eine gemischte Kommission ein- zusetzen, die Vorschläge ausarbeiten soll, welche nach dem 1. Mai den Verbündeten unterbreitet werden sollen, wenn Deutschland nicht nach dem Friedensvertrag von Versailles seine Verpflichtungen bis dahin erfülle. Diese gemischte Kommission wird am Montag eine Sitzung abhalte«, woran u. a. Marschall Foch, General Weygand, Loucheur und Sey- doux teilnehmen.
Das Blatt sagt weiter, da die Konferenz der Verbündeten nicht vor den ersten Maitagen stattfinden könne, würden die französischen Sachverständigen ungefähr 14 Tage Zeit haben, um ihre Arbeit zu vollenden. Eewiste Fragen müßten geklärt werden, vor allem die, wie weit die verbündeten Truppen vormarschieren sollten und wie man die Bewohner der besetzten Gebiete ernähren solle. Das militärische Problem könne also nicht von dem wirtschaftlichen getrennt werden. Die Hauptfrage aber sei, wie man sich bezahlt machen könne. Wenn man beispielsweise eine Steuer auf die Kohle des Ruhrgebiets lege oder die Kohlengruben beschlagnahme, die im Staatsbesitz feien und deren jährlicher Ertrag auf 13 Millionen Tonnen geschätzt werde, erhalte man nicht viel. Eine Kohlcnsteuer von 50 Prozent des Wertes ergebe keinen höheren Betrag als 700 Millionen Goldmark. Der Wert de« Staatsgruben überschreite nicht 500 Millionen Goldmark. Man sei also weit entfernt von den Milliarden Eoldmark, die man für die Reparationen nötig habe. Höchstens könnten die Erträg- niste im Ruhrgebiet die Besetzungskosten decken unb einen kleinen Betrag für die Reparationen übrig lasten. Die Besetzung des Ruhrgebiets oder jedes anderen industriellen Bezirks müste also viel eher als ein Druckmittel auf Deutschland als ein Zahlungsmittel angesehen werden.
Der „Matin" sagt, es wäre unklug anzunehmen, daß wenn man einmal das Ruhrgebiet vom übrigen Deutschland getrennt habe, Deutschland sofort kapitulieren werde. Das Ruhrgebiet müste nicht nur ein Druck-, sondern auch ein Zahlungsmittel sein. Man müste eine längere Besetzung ins Aug: fasten und kein Mittel unversucht lasten, um die normale Produktion aufrechtzuerhalten. Die Arbeitslöhne für die Bergarbeiter und die Fabrikarbeiter würden von den Kontributionen, die man den Städten auferlege, bezahlt werden. Nach dem Plan von Loucheur sollen die Fabriken im Ruhrgebiet, namentlich die metallurgischen, zum Nutzen der „befreiten" Gebiete ausgebeutet werden.
Pertinax erinnert im „Echo de Paris" daran, daß Briand erklärt habe, er könne zwischen Frankreich unb Deutschlanb eine Intervention von keinel Seite bulden. Mehr als je versuche Deutschlanb. dem Abkommen von Paris ben Rücken zu brehen. „Wir werben sehen, ob es in einigen Wochen noch bas gleiche Ziel verfolgt, wenn wir bis bahin bie Herren bes Ruhrgebietes, fein wirt- schaftliches Leben in unserer Gewalt haben, wäh- lenb bie Verfassung bes Rheinlandes als wirtschaftlich vom brutschen Körper abgetrenntes Gebiet bei ihm bie Befürchtung auskommen läßt, baß seiner Einheit ein schmerzlicher Schlag broht."
Belgien alS Vermittler?
London, 16. April. Der Brüsseler Berichterstatter der .Times" meldet, er habe guten Grund zn der Annahme, dass Deutschland versuchen werde, die Verbindung mit den Verbündeten durch die Vermittlung Belgiens wieder aufzuncbmen. Der Gevank« an eine Annäherung zu diesem Zwecke an eine neutrale Macht sei fallen fallen gelassen worden.
Die geplante Nebernahme bet Schulden an Amerika.
London, 16. April. Einer .Exchange'-Meldung aus Newhork zufolge verbreitet die .Newhork Press" eine Berliner Meldung, wonach in amtlichen Kreisen verlautet, dass divhlomatische Verhandlungen im Gang, seien, um ein Uebereinkommen mit Amerika bezüglich der Uebernahme der Schulden der Verbündeten an Amerika durch Deutschland zu treffen. Frankreich soll von diesen neuen deutschen Plänen nicht sehr eingenommen sein.
Amerika beteiligt sich wieder an ben Beratungen.
Paris, 16. April. Der Sonderberichterstatter des .Matin" meldet aus Newhork: Es ist sehr wahrscheinlich dass Präsident Harburg dem amerikanischen Vertreter B o h d e n demnächst Anweisungen geben wird, seinen Platz inrMttschädigungsausschuss eiuzunehmen, nm auf biete Weise feine Stellungnahme noch greifbarer und deutlicher zu Tage trete« zu lassen. Es ist auch nicht unmöglich, dass der amerikanische Botschafter in Paris, Wallace, in Bälde wieder an den Beratungen des Obersten Rates teilnehmen wird.
Paris, 17. April. Nach einer Havasmeldung auS London kündigt eine aus Wasbingion stammende De- pesche offiziell an, dass die Vereinigten Staaten entschieden hätten, sich auf den Konferenzen über die Entschädigungsfrage» sowie bei allen anderen, die sich aus Fragen beziehen, die durch den Krieg veranlasst wurden, vertreten zu lassen.
Die Biehlieferungen.
Berlin, 16. April. Zu bet von bet Agentur Havas verbreiteten Meldung, baß auf Anweisung bet beutschen Regierung bie Viehlieferung eingestellt sei, erfährt bas Wolffbüro aus unterrichteter Stelle, baß eine Einstellung bet laufenben Nieh- licferungen nicht stattgefunben hat unb baß auch ein Beschluß bet beutschen Regierung auf Einstellung dieser Viehlieferungen weber vorliegt noch bei Reparationskornmission mitgeteilt würbe, vielmehr ist in einem Notenwechsel bei Ktiegslasten- kommission mit bet Repaiationskommission bieser gegenüber ausbrücklich bei Wunsch ausgesprochen worben, in weitere mündliche Besprechungen über die Frage der Preisfestsetzung bezüglich der Viehlieferungen einzutreten. Deutschland ist nach wie vor bereit, mit der Lieferung zu beginnen, sobald es durch eine billige Festsetzung des Abnahmepreises überhaupt in die Lage versetzt wird, Vieh zur Ablieferung zu erwerben.
In Hamburg iss auf Anregung bet dortigen Kaufmannschaft ein vollständiger Bovkott von Erzeugnissen englischen, französischen unb belgischen Ursvtungs^beschlos- sen worden. Es werden weder französische Schnäpse noch Weine ausgeschenkt werden. Auch sämtliche Konserven und andere Waren sind verbannt worden. Di« Bewegung bat auch auf Breslau übet gegriffen. Der Verein Berliner Hotelbesitzer steht dem Boykott ebenfalls sympathisch geenüber.
Wie der „B. Z." ans Essen berichtcttwird. sieht man in industriellen Kren en Rheinland-Westfalens her Zoll- spette mit ruhigem Ernst entgegen. Es ist zu erwarte«, dass sich nach Emiührung deS Straf- und RevataltonS- Zolliystems ein Schiebeitum von bisher noch niemals beobachtetem Umfange breitmachen wird: bene bie Weftmächt« verfügen nicht über bie nötige Anzahl geschüttet ßollbtomun. um ibt jßroaramm tcckmtlL bextb*