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Marburg
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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
Erstes Blatt.
lau:, lief das Volk zusammen, um den Wunder- tesun ,yt sehen, der so kühn war, das; er sich wider ten Papst und alle Welt stellte. Die Fahrt auf Mem „jlichftscheir Rollwagelin" ging über Leipzig, Icumburg, -.cümar, Erfurt, Gotha, Eisenach, Frankfurt. Ja Erfurt predigte Luther in der so stark überfüllten Augustinerkirche, datz die Emporen I* : rachen begannen, und eine Panik ausbrach. Luther füllte die dicht web*äugte Menge mit dem Zurni: „Ser still, UebestVolk, es ist der Teufel, ber dichtet i» eine SpiegeliMMMitzan, sei still, es hat feine Rat". Es fehlteWÜDM Reise nicht an Warnungen. Zn Thüringen fand Luther ein Edikt des Kaisers angeschlagen, datz seine Schriften als vom Papste verdammte der Obrigkeit auszulieferu feien. In Oppenheim wurde ihm gemeldet: „Komme nicht, ts ist alles Kegen Dich". Aber von Frankfurt aus schreibt er: „Christus lebt, und ich werde nach Worms kommen allen Pforten der Hölle zum Trotz". Und von Oppenheim aus jenes bekannte Wort: ,Meun fo viel Teufel zu Worms wären als Siegel auf de» Dächern, dennoch wollt Ich hinein". Am 16. April früh 10 Uhr stieß der Türmer des Domes zu Worms in fein Horn: Luthers Wäglein raffelte durch das nördliche Stadttor herein. Die Kenscheu liefe» zusammen, den kühnen Mönch zu sehen. Der sprach, als er vom Wagen sprang:
Mrd mit mir sein!" Schon folgenden Tags ward Luther vor den Reichstag geführt, aber der große Tag seines Lebens war der 18. April 1521, an dem er vor Kaiser und Reich der göttlichen Wahrheit Srrignit- gab. Hier umflntcte den einfachen Mönch ter Glanz der Erotzen der Welt, deren Mittelpunkt ter jugendlich: Kaiser Karl war: ihn umgaben die Aursürsten, Fürsten, Herzöge, Markgrasen, Erz- Hifchöfe, Bischöfe, Achte, Rechtsgelehrien, zusam- tetn gegen 200 Personen. Aber dieser Cianz blen- tete ihn nicht. Keine Spur von Befangenheit, von Todesfurcht war in jener entscheidungsvollen fchinbe an ihm zu bemerken, vielmehr die vollkommenste Ruhe und jene innere Ueberlegenheit, die '«Lein das Bewußtsein einer gerechten Cache von Unermeßlicher Bedeutung und die Bereitwilligkeit, Wes, auch das Leben, für sie einzusetzen, zu verleihen vermag. „Seine Ceelenkämpfe im Kloster pnb e« gewesen, die ihn nicht nur gegen die Furcht dar dem leiblichen Tod? gestählt, sondern ihm auch »ie Sicherheit des Weges gegeben haben, den er strhen mußte. Rur nicht den Bund mit Eotk ver- »irr-^ vielmehr ein: doppelte Freiheit erkämpfen,
Ser EiaudmW non Mm.
Aus dem Dunkel einer trüben Gegenwart hebt D leuchtend und groß ein gewaltiger Tag deutscher Geschichte wie der Geschichte des Reiches Gottes heraus, der 18. April, an dem vor 400 Jahren Luther Jn Worms vor Kaiser und Reich stand. Es war die Zeit, da Deutschlands Geschichte Weltgeschichte war, ter Tag, an welchem auf deutschem Boden von eiuent deutschen Mann ein großer Sieg des Geistes Md der Wahrhaftigkeit unter den Menschen er- Lmpft wurde. Es ist eine wunderbare Fügung, daß die Feier dieses Tages in die Zeit der tiefsten Demütigung Deutschlands und des deutschen Volkes Und furchtbarer innerer Wirren auf allen Gebieten des staatlichen und kirchlichen Lebens hineinfällt, t als ob Gott uns zu verstehen geben wolle, daß wir düht in stolzer Ueberhebung diesen Tag feiern, son- terir vielmehr dessen gedenken sollen, wieviel wir Mn dem Erbe der Reformation verloren oder über- Karpt uns noch nicht angeeignet haben. Nicht in r- Herausforderung des katholischen Teils der deut- Mn Christenheit wollen wir den Wormser Tag festlich begehen, umsoweniger als wir es eben erst mit schmerzlicher Beschämung erleben mutzten, daß te- alle Lutherland, die Grafschaft Mansfeld, vorab lL.leben, die Wiege des Reformators, der Schau- t MH blutiger kommunistischer Greuel war.
Und doch gedenkt der protestantische Deutsche ; trvd wer linmer auf der weiten Welt Freiheit und Mrlichkeit liebt, mit stolzer Freude und mit einem - . chrlügen Brennen im Herzen jener großen denkwür- - teeen Tage und Ereignisse. Am 26. März 1521 ritt - ter kaiserliche Herold Kaspar Sturm, das Tuch mit ? tern Reichsadler über dem Arm, über die Elbbrücke in Wittenberg ein, um Luther zu dem Reichstage in Dopms zu entbieten. Luther war ohne Zögern : i bereit, dem Ruf zu folgen. Ihn schreckte nicht das ; Schicksal eines Huß, an das Viele dachten. Am Gründonnerstag, den 28. März, bestieg er noch ein- i v- ssl d e Kanzel, doch ohne in seiner Prcd'gt auf ! Mnc eigene Lage Bezug zu nehmen. Am 2. April «folgte nach herzlichstem Abschied von der Stadt Wittenberg der Aufbruch. Die Reise glich hier und da einem Trimnvbzuge. Wo Luther in eine Stadt
die des Gewissens, und die Freiheit, Gottes Wort schriftgemäß auszulegen"! Dieses Ziel stand dem Zeugen von Worms vor der Seele. Darum war sein Auftreten das eines wahren Helden, der nicht an sich und an den Eindruck seiner Person, sondern nur an Gottes Sache und an sein liebes deutsches Volk dachte.
Wer kennt nicht das große Bekenntnis, das Luther in den Abendstunden des 18. April — es war schon dunkel geworden, und Fackeln waren in dem überfüllten Saal des bischöflichen Palastes ent* zündet — unerschrocken und mit aller Freudigkeit ablegte! Ein Biograph Luthers sagt von diesem Bekenntnis: „Es war der großen Szene würdig und es bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte der Welt". Es lautet: „Weil denn Eure Kaiserliche Majestät und Gnaden eine schlichte Antwort begehren, so will ich eine Antwort ohne Hörner und Zähne geben dieser Maßen: es sei denn, daß ich durch Zeugnisse der Schrift oder durch helle Gründe überwunden werde — denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien allem, weil am Tage liegt, daß fie öfters geirrt und sich selbst widersprochen haben —, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten heiligen Schriften und mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort. Widerrufen kann ich und will ich nichts, weil wider das Gewissen zu handeln unsicher und unehrlich ist. Gott Helf mir. Amen." Bei diesen Worten hatte sich Unruhe im Saal erhoben: man stritt im Saal für und wider Luther. Seine letzten Worte gingen in dem Lärm verloren. Eine andere, aber nicht sicher beglaubigte Fasiung der Schlußworte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen" ist eine große Macht unter den Menschen geworden. „Aber es ist Luthers Ruhm nicht, datz er sprach: „Hier stehe ich", sondern da-tz et stand". Er stand wie ein Fels in der Brandung. So haben ihn uns die Künstler dargestellt: den aufrechten Mann, die Rechte auf das Bibelbuch gelegt, das Haupt zum Himmel gewandt. — Als Luther die bischöfliche Pfalz verließ, in der die Reichstagssitzung stattgefunden hatte, empfingen ihn draußen die Spanier mit Zischen und mit dem Ruf: „Ins Feuer mit ihm, ins Feuer!" Luther aber, in feine Herberge zurückgekehrt, reckte seine Arme empor und jubelte: .Ich bin hindurch, ich bin hindurch!" Ein Einzelner und kein Großer dieser Erde hatte vor einer imposanten Versammlung, die eine große Nation und eine weltumfassende Kirche vertrat, seine religiöse lleber- zeugung bekannt. Damals ahnte Keiner, daß ein neuer Tag für die deutsche und die europäische Welt angebrochen war. Der Tag von Worms ist der Geburtstag des Protestanttsmus.
Vor uns steht der Held von Worms mit seinem todesbereiten Zeugnis, „der Ritter ohne Furcht und Tadel, mit ber Helmzier der Hoffnung und dem Sturmhelm der Eetrostheit, mit dem Schild des Glaubens und dem Schwert des Geistes, wir sehen ihn getrosten Mutes mit den Feinden streiten und den Tod verachten. Zu feinen Füßen liegen seine Feinde, er aber lenkt der Burg der Väter zu: O Ehrenburg sei nun gegrüßt mir!“
Der 18. April, der große festliche Gedenktag kommt heran. Wehe uns, wenn wir nur des Propheten und Helden Grab schmücken, aber es unterlassen, Gott, zu bitten, daß Luthers Glaubensgeist auf uns und unser Volk als Erbe komme, der wahre lautere fromme Geist, der von sich nichts, aber von Christo Alles hat, hält und bewahrt. Es gilt das Wort zu beherzigen: „Gedenket an eure Lehrer, die auch das Wort Gottes gesagt haben, ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach!" Luther ehrt am besten, wer mit ihm glaubt an das Evangelium und mut ihm braucht das Licht, das da scheint in befcinftemis! In diesem Sinne segne Gott den hVtz^'.sziehenden großen Gedenktag für unser Volk! . , W.
Die griechischen Siegesmeldungen.
Paris, 15. April. Die Zeitungen bringen aus Arhen Einzelheiten über die Schlacht bei Tnlom Bunar, die mir einem glänzenden Siege über die Kemalisten endete. Der Feind hatte ans Eski Schehir etwa 32 000 Mann, darunter 3000 Kavalleristen unb 30 Kanonen herangezogen. Gleich die ersten Schüsse des griechischen Sperrfeuers rissen gähnende Lücken in die türkischen Reihen, die mit anerkennenswerter Tapferkeit angrifjeu. Nach heftigem Handgemenge, das mehrere Stunden bauerte, begannen die Türken zu weichen. Die Griechen eröffneten dann in 1600 Meter Höhe das Feuer aus die Kemalisten. Unter diesen entstand hierdurch eine Panik, und sie zogen sich in wilder Auflösung an der Eisenbahn zwischen Kitha und Aston Karahissar zurück. : -
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7. Sitzung vom 15. April.
PräsLent Seiner! eröffnet die Sitzung um 12V- Uhr. DaS Haus erledigt zunächst kleine Anfragen.
Auf eine Anfrage des Abg Menzel-Stettin wegen der durch den 6 Uhr-Ladenschluß verursachten schweren Schaden in Handel unb Gewerbe wird regierungsseitig mitgeteilt, die Vewrdnnng gründe sich auf die Reichsverordnung. _
Der Gesetzentwurf über den Staatsvertrag betreffend den Uebergaug der Wasserstraßen an das Reich, wird dem Hauptausschuß überwiesen.
Es folgt die Weiterberatung der Anfragen über die Unruhen in Mitteldeutschland.
Minister Severing, mit Pfuirufen von der äußersten Linken unh Beiiall von den Mehrheitssozialisten begrüßt, dankt dem Präsidenten, daß er biete Aussprache nicht in der Zeit des Ausstandes habe stattsinden lassen, denn zu dieser Zeit habe gehandelt werden müssen. Dann wolle er auch dem Abg. Gräf antworten. Welche rechtsgerichtete Bettung habe denn rechtzeitig auf diesen Aufstand aufmerksam gemacht? Alle Veröffentlichungen über einen Aufmarschplan der Kommunisten lind Unsinn. Auch ich bin gewillt, den Putschen der Kommunisten jederzeit entgegenzutreten (Bravo), unb für die Mitarbeit der Presse bei der Bekämpfung von Putschen bin ich dankbar, aber man kann mir nicht verdenken, wenn ich nickt aus alle Mitteilungen der „Deutschen Zeitung. der „Roten ffaftne" oder der „Leipziger Volksztg." hineinfalle. Daß die von Ihrer Sekte geplanten Maßnahmen ebenso gefährlich sind, wie die der Kommunisten, steht fest. Wenn die Deutschnationale Partei jetzt mit einem Male eine Schadenersatzrechnung aufmacht, so ist das eine geistige Bankerotterklärung, die nach dem Kapp- Puffch geradezu lächerlich wirkt. (Großer Lärm unb Protest«! se rechts, Beifall links.) Dies ist höchst bedauerlich in' dem Augenblick, wo der Bund der Feinde uns neue Schwierigkeiten macht. (Erneuter Lärm.) Aus Zeitungslügen gebe ich nichts. (Erneuter Protest.) Ter Redner wendet sich dann gegen die äußerste Linke. Er erinnert an die Marisfelder Erhebung auS dem Jahre 1909, die damals durch Militär niedergeschlagen wurde und betont, daß damals von der Regierung die Saat gesät worden ist, die jetzt aufgegangen sei. Die Behauptung, daß Hörsing den Kommunisten Straffreiheit zuge- fagt habe, die die Waffen abgeben, fei eine Zeitnngs- lüge. In der ersten Zeit war der Einsatz der Schutzpolizei allerdings gering, aber in den von dem Abg. Gräf angeführten Fällen war ber Einsatz ber Reichswehr auch nach dem Urteil militärischer Sachverständiger nicht ersorderlich. Wir danken den Angehörigen der Schutz- polizek dafür, daß sie weder den Lockrufen der Links- bolschewisten noch denjenigen ber Rechtsbolschewisten gefolgt sind. Die Rede des Abg. Gräf muß gekennzeichnet werden als eine Zusammenstellung von Unwahrheit, Schiefheit und Lügen. (Beifall bei den Sozialdemokraten ) Ich kann mich nickt zu der Judenhetze entschließen, die ber Abg. Gräf empfiehlt. Ich habe mich nicht grundsätzlich gegen die Heranziehung der Reichswehr zum Kesseltreiben gegen die Verbrecher gewandt. Meine viel angegriffene Rede habe ich eineMTag vor der Beerdigung des erschossenen Sylt gemlten. (Laute Rufe bei den Kommunisten: Des ermordeten.) Nein, ich protestiere gegen diesen Ansdrnck unb wiederhole des erschossenen Sylt. (Neue Ruse ber Kommunisten: beS ermordeten! Gegenruse bei den Sozialisten, lärmende Streitigkeiten zwischen den Sojialifteit und den Kommunisten.) Ich erkenne die wertvollen Dienste der unabhängigen Landräte von Bitterfeld und Delitzsch an. Die Tätigkeit des Landrats von Sangerhausen wird geprüft werden. Der Abg. Eoerlein sprach von Polizeispitzel. Die kommunistische Partei hat ihre Spitzel aber sogar in den preußischen und Reichsministerien (hört, hört), die Abschriften amtlicher deuffcher Dokumente nach Moskau senden. (Hört, hört.) Die Kommunisten können nicht bestreiten, die Attentate und Aufstäilde vorbereitet zu haben. Die einzigen, die kein Recht haben über weißen Terror zu klagen, sind die Kommunisten, denn sie bilden den roten Terror. Unser Volk will aber weder den roten noch den weißen Terror, es will Ruhe und Ordnung. (Beifall bei der Mehrheft.) Vom Standpunkte der Demokratie werden wir uns nicht abbringen lassen, weder durch die Bvlsche- wisten von links, noch durch diejenigen von rechts. (Lebhafter, langandauernder Beifall bei der Mehrheit, vereinzeltes Händellatschen auf der Tribüne.)
Abg. Dr. Meyer (Komm.) begründet hierauf eine große Anfrage, die sich gegen das Verbot der „Roten Fahne" und die Zerstörung ihrer Maschinen richtet. Sin weiterer Antrag verlangt für den durch das Zeitungs- vcrbot entstandenen Schaden vollen Ersatz aus Staatsmitteln.
Abg. Jefchke (Komm.) begründet dann unter heftigen Angriffen auf den Staatskommifsar Weißmann die kommunistische Anfrage wegen der
Erschießung des Obermafchinenmeisters Sylt.
Er erklärt, der Transport des Sylt sei absichtlich einem Beamten übertragen worden, der schon im Jahre 1919 einen Kommunisten auf der Flucht erschossen halte. Außerdem hat man Sylt drei Stunden lang auf dem kalten Fußboden liegen lassen und ihn bann an Füßen und Schulter» fortgeschleift.
Der Abg. Paul Hoffmann toitb wegen fortgesetzter wüster Zurufe an ben Polizeipräsibenten Richter zweimal zur Orbnung gerufen.
Abg. Jefchke fortfahrend: Das ganze Sezierunz!- geschäft, die Entfernung der Kleid«, des Gehirns und tx: Eingeweide sind weitere Belveise für die Verschleierung» - taktik des Ministers. Im übrigen sind dem Mörder nach der Tat reiche Geldgeschenke zugegangen. Sylt ist all ein Opfer des Proletariats gefallen, hoffentlich wirb fein Nachfolger schon im offenen Kampfe fallen können, (Bravo bei ben Kommunisten.)
Abg. Franken (Komm ): Deutsche Behörden haben sich dazu hergegeben, die Entente zum Einschreiten gegen daS Proletariat zu veranlassen. Daher stammen bie belgischen Maßnahmen in Moers unb bie Drohung mit ber Wiederholung des Schauspiels von Löwen. Ms der Redner zu diesen verächtlichen Subjekten auch den von de» Kommunisten in Moers tödlich mißhandelten Peter Zim- met rechnet, «hebt sich ein ohrenbetäubender Lärm. Unter den Rusen „Lump, Schuft" stürzen bie Sozialdemokraten aus die Tribüne los, und in dem minutenlangen Wirrwarr hört man nut einzelne Ruse und sieht den Redner gestikulieren. Die Glocke des Präsidenten vermag zunächst keine Ruhe zu schassen. Mtin versteht nur die Protest« der Sozialdemokraten dagegen, hier noch einen Totgeschlagenen zu beschimpfen. Sie verlangen, daß dem Redner dal Wort entzogen wird. Dieser spricht unter tosenden Schluß« rufen weiter, wobei ihm der Abg. Paul Hoffmann suffliert. Endlich schweigt der Redner, verläßt aber die Tribüne nicht. Ein erneuter Versuch weiter zu sprechen, wird aufs neue iticbcrgefdjrieen.
Vizepräsident Dr. Porsch unterbricht darauf bi« Sitzung eine Viertelstunde, während die «regten Szene»! im Saale fortbauern.
Abg. Franken (Komm.) glaubt beweisen zu können, daß ber Eingriff ber Entente direkt auf Veranlassung Peter Zimmers erfolgt fti, ber auch schon im t-origei: Jahre seine eigene Partei betraten habe. Tie Sozialisten haben inzwischen bemonftrkrenb ben Saal verlassen, besglcichen bie Rechte, bie Demokraten und bas Zentrum. Im Saal befinben sich nur noch bie Kommunisten unb bie Unabhängigen, sowie Horchposten ber übrigen Parteien.
Aus Antrag ber Rechten erfolgt baranf die Besprechung der Anfrage Gräf.
Abg. Stieler (Ztr.) meint, daß die Kommunisten sich als bie Vertreter der Arbeiterschaft hinstellten, fei eine UeberJjebung. So weit seien wir noch nicht u::v würden auch so weit nicht kommen. Die 1 Million orga- niffetier christlicher Arbeiter seien für den Kommunismus nicht zu haben. Es ist durchmis zu billigen, daß die Reichswehr nicht herangezogen wurde, nachdem bie Schutzpolizei in so bankenswetier Weis« ihre Aufgabe erfülÜ hat. Die Sonbergerichte sinb rechtsgültig unb, stehen im Einklang mit ber Verfassung. Es muß auf bie Entente eingetoirtt werben, daß sie eine stärkere Bewaffnung unserer.Schutzpolizei zuläßt.
Abg. Dr. Pinkern eil (D. Vpl.): Die Regicrun- mußte durch Anzeigen von den kommunistischen Vorbereitungen unterrichtet sein. Herr Hörsing aber erfllrtt alle diese Mitteilungen für bürgerliche Wahlmanöver. Es steh'^'einwandfrei fest, daß die Schutzpolizei bei b« Unterdrückung des Aufstandes zu f chw a ch gewesen und vor allem zu schwach bewaffnet gewesen ist. Die ehemalig königlich-sächsische Polizei stand Gttvehr bei Fuß. Es muß ein Abkommen für gegenseitigen polizeilichen Schutz zwischen den Bundesstaaten getroffen werden. Wir tira- langen eine Untersuchung der Gründe, aus denen heraus die Reichswehr nicht eingesetzt worden ist. Die Erklärung des Ministers genügt uns nicht. Gegen die Reichswehr ist die Arbeiterschaft verhetzt. (Ruse bei ben Kommunisten: Mit Recht! DieReichswehrsinbLumpen- gesinbel!) Glocke bes Vizepräsidenten. Die Reichswehr muß in Mitteldeutschland stark vertreten fein. Wir verlangen restlose Durchführung der Entwaffnung und scharfe Ueberwachnng der Ausländer, die als russische Kompagnieführer die Arbeiter verhetzen. Herr Hötsing hat jämmerlich versagt und muß entfernt werden.
< Abg. Dr. Schreiber (Dem.): Bewiesen ist, baß ber Einfluß bet Gewerkschaften nicht stark genug wat, ber Rabikalifietunz von rechts unb links entsprechend entgegen;uarbeiten. Solange bie Sipo austeichte, kann man ber Regierung keinen Vorwurf aus bet Nichlvetwen« düng der Reichswehr mackem Wir lehnen jämllich« Anträge gegen die Sonbergerichte ab.
Morgen mittag 12 Uhr: Tiätengefetz und Weiter •beratung.
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Berlin, 15. April. Der AettestenauSschntz bei preußischen Landtages hat beschlossen, von der Vertagung, die beabsichtigt war, bis auf weiteres abzufehen. Die Beratungen über bie Unruhen in Mitteldeutschland wecken voraussichtlich das Haus noch in der Samstags- unb Montagssitzung beschäftigen. (Eine Vertagung dürfte erst in Frage kommen, wenn die Regierungsbildung ihre Lösung gefunden hat.
Gegen die Zwangsbewirtfchastung des Getreide». Die Deutschnationalen brachten im Landtag etnew Antrag ein, bei der Reichsregierung dahin zu wir, ken, datz die Zwangsbewirtschastung des (BettelNt bald aufgehoben werde.