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Amtliches Nerkündigungsdiatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

11t. 81

Die »OderhrWch« Zeitung" erjcheint jechemal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4.25 Wf, durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. !7Lr ausfallend« Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereigniile kein Erfetz. Perlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Unio.-Duchtruckerei »on Job. An«. Koch, Mar't 21.23 ^eroIprecher-55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Kronkfurt o. Main.

Marburg DmnM (en ll Avril (üftermonb)

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56. 3M 1921

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Mreitw Her MuernMung in MM.

Mk.

Wir Berne» Aeuherungen Dr. Simons. Umbil­dung 6er Reichsregierung. Der 1. Mai.

r* Berlin, 13. April. Wen» dec Neichsaußen- , toinifser Dr. Eimons ti darauf angelegt hätte, fick ! selber so rasch als möglich aus dem Reichskabinett |! lHinauszukymplimrntiereu, so hätte er nicht anders der- fsabren können, als tote er es mit der Gewährung einer Vnterredung an den Korrespondenten des berüchiigflen Pariser Hetzblattes und durch bestimmte dabei gemachte ileuhernngen tatsächlich getan hat. Es ist ciu unerhörter Rustand, daß das gegnerische Ausland eher etwas über die Absichten des Leiters der deutschen Außenpolitik erfährt, tzls nicht nvr das ganze deutsche Volk, sondern als das Hieichskabinett selber. Denn der Eindruck, den die Aus­führungen Simons' in unmittelbarer Umgebung der Neichsregierung gemacht haben, war völlig überraschend. Kan hart» wohl gewußt, daß sich Simons mH der Ab­sicht trägt, neue Vorschläge vorzubereiten, daß er aber biese 'Dlbsicht in einer solchen Form iu der Ocssrntlichkeit tttu-ctot hatte »ran nicht erwartet. Dazu kommt, das;

i bestimmte' Aenßrrungen des Reichsaustenministcrs tvenig- Heus in der Form, in der sie durch den Pariser Jonrna- fffien 5 a netto ein demMatin" übermittelt ivorben sind, das Sirichskabinetk geradezu bloßstellen.

J t i Es ist kein Wunder, tvenn unter diesen Umständen hie Stimmung gegen Simons weiter sich verschärft Dai. Die Tatsache der Einberufung des Auswärtige» Ausschusses bringt das auch nach außenhin zum Ausdruck. Aber auch wen» die Simonsschen Aeußcrungen nicht vor- 8gen, müßte es als dringend erforderlich bezeichnet ererben, daß die Rrichsregierung um ihre Absicht hin- ßchliich der Entt'chädigungssrage mit allein Nachdruck Gefragt wird. Bis zum 1. Mai, an dem vielleicht die schtw.rste alle» Entscheidungen um die Zukunft des deut- l r jch n Losses getroffen werden wird, ist es nur noch eine - "kürz.' Frist. Der Reichstag und damit das deutsche Volk haben ein Recht zu wissen, ob di« deutsche Reichs- «giernng den ihr noch zur Verfügung stehenden kargen Rest an Aktivität wirklich auszunutzen bereit ist. Am s 1. Mai wird cs zu spät sei», daun werde» wir in allen

Giesen Dingen überhaupt keinerlei Betocguugsireiheit mehr l Gaben. Es darf auch garnicht verwundern, wenn im Zu- fc>r.iniit6an« mit den jetzigen Dingen, wenn auch vorerst twch in geschlossenen Zirkeln, die ernste Frage auftaucht, ob man von dem gegenwärtigen Reichsaustenministcr tovatkn könne und dürfe, daß er mit Ruhen für das - - | Geutsche Volk und Land die erneut notwendig werden- btn Verhandlungen in der Entschädigungsfrage führen Gönne. Rach Lage der Dinge legt eine solche Frage die weitere auf dir Lippen, ob dir Reichsregierung in ihrer jetzigen Zusammensetzung die erforderliche Basis für die neuen Entschließungen abgeben könne. Jeder Politiker wird sich über die große Verantwortung Rechenschaft Sehen, die in einer Umbildung der Regirrungsbasis im tzezrmvärtigen Augenblick und bei einer innerpolitisch so Ungeklärten Lage, wie sie heute sich bietet, obwaltet. Aber Andererseits muß auch der Gesichtspunkt über alles stehen, Gaß die Interesse» des Landes und Volkes über die Interessen einiger Weniger hinwcggehen müssen Tie Andeutung all dieser Gesichtspunkte zeigt, daß wir uns wieder einmal in einer schwer «n politischen Krisis befinden.

. A. * * *

Die Kabinettsderatung.

' Berlin. 13. April. Das Rcichskabinett hat in feiner heutigen Sitzung die politische Situation eingehend erwogen. In der Beurteilung der Lage ergab sich Einmütigkeit.

Zwischen Dr. Simons und den Minifterkollegen herrscht kantD. Allg. Ztg." llebereinstimmung darüber, daß Deutschland den Verbündeten sobald eis möglich seinen gut-m Willen beweisen und vor dem 1. Mai eine Einigung über die Wiederherstrl- lungssrage herbeiführen werde.

| 4 England und ein neues deutsches Angebot.

London, 13. April. Reuter verbreitet fol­gende Mitteilung: Ein vernünftiges neues Ange­bot, das Deutschland aufrichtig in der Absicht machen würde, die berechtigten Ansprüche der Ver­bündeten zu befriedigen, würde von der britischen Regierung mit sorgfältiger Ausmertsamkeit ausgc- dommcn werden.

Die Schadenerjatzfordernnge«.

Pari», 13. April. Havas meldet: Die Re- parationskommission erklärt, das? sie die Anhörung der deutschen Delegation über die Festsetzung der r deutschen Schuld beendet habe. Die Schadensersatz- Pflichten, die von den einzelnen Machten eingereicht worden seien, seien sämtlich der deutschen Delega­tion zwischen dem 9. und 20. Februar weitergcgeben worden. Schließlich habe der Ausschuß in 20 feier­lichen Sitzungen in der Zeit vcm 22. März bis zum 12. April dis deutsche Delegation selbst angehört. In den nächsten Sitzungen werde der Ausschuß end­gültig den Betrag der deutschen Schadenersatz­leistungen festsetzen, die Deutschland nach dem Frie­den svcrtrag zahlen müsse.

|| T Das Abgabengesetz in der französischen Kammer.

Paris, 13. April. Die Kammer begann heute die Beratrmg des Cefetzentwurfes über die Abgabe

IngeMe GwmMmtn.

Kopenhagen, 13. April.BerUngske Ti- dende" meldet aus Helsingfors: Rach den hier ein« getroffenen bolschewistischen Zeitungen breitet sich die Baurrnerhebung gegen die Sowjetherrschast mit rasender Schnelligkeit aus. Die Gouvernements Tambow, Woronesch, Kursk und Samara befinden ich bereits im Besitz der aufrü'rerischen Banern. Im Gouvernement Charkow wird die Hauptstadt Charkow von den Bauern angegriffen und hart bedrängt. Die bolschewistische Regierung hat die 8. und 9. Division entsandt, um der Stadt zu Hilfe zu kommen. Cie wurden ab-r geschlagen und von ihrer Operationsbofis abgefchnitten. Die Kosaken de« Dondistritt» haben sich ben Bauern- anfrübrern angeschlossen, der von Annottoo» geleitet wird. Tie Zeitungen geben zu, daß dir Be­wegung als ernst bezeichnet werden muß, da fie das südliche Rußland non den getreidereichsten Cou- vernemcnts abschließt.

eines Teiles des Verkaufswertes der aus Deutsch-1 land noch Frankr-^ ei"o-für-ten Wore». Mehrere Abgeordnete erhoben Einwendungen gegen den Entwurf, da er Frcmkre ch nur Opfer auferlege und ihm keinen Nutzen bringe, erklärten jedoch, da er die Folge der Londoner Konferenz sei, für ben Entwurf zu stimmen.

Paris, 13. April. (Havas.) Briand emp­fing heute Marschall Fach und General W e y - gand. Dem Botsckiafterrat wohnte gleichfalls Marschall Fach bei. Der Rat nahm Kenntnis von dem Bericht des militärischen VerbandsausschuNes in Versailles über die Wiederaufnahme der Er­zeugung von nichtmilitärischen Luftfahrtmaterial in Deutschland und davon, daß die deutschen Festun­gen im besetzten Gebiet den neuzeitlichen Anforde­rungen nicht mehr entsprechen.

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Minus Mfait.

W aff)tilgten,-13. Avril. In der Botschaft des Präsidenten Harding heißt es weiter:

Die Dringlichkrst des fofertmen Tarik notgesehe? kann nicht genug bervoraehoben werden. Ich stabe feine Svmvatbie für die Idee, daß eine Fl«t eingeführter Waren die Kosten des Lebensunterhaltes herabfetzen tot-d Ester wird dadurch untere Kaufsähigkeit zerstört. Die Re- *'i?ion her Tari'soefetze muß auf eine Schutzzollpoli­tik gegründet fein.

Die Stelle, die sich mit den Fragen der äußeren Politik Mafien, lautet wie folgt: An dem angenblick sichen Bund der Weltregiernni mit feinen Uebervollmach­ten wird unsere Republik keinen Teil haben. Es ist fair, der Wett im aff gemeinen und unseren Assoziierten tm Kriege im bekond-ren zn erklären, daß der Völkerbund- vertrag unsere Genehmigung nicht erhalten kann. Ganz vifenkundig wurde das büchst« Ziel des Völkerbundes da­durch hinfällig gemacht, daß der Bund mit dem Fried, nsvertrag verkettet und dadurch zn einem Ztv an asm i 11rl der (sieget im Kriege wurde. Das bei den Wahlen gegebene Versprechen, nach einem Ver­band der Nationen zu streben, wird tret gehalten.

Mit Bezug auf die Frag« des Sonderfriedens mitDeutschlnnd sagte Harding in bet Botschaft noch Die Bereinigten Staaten sieben als einzige unter den alliierten und assoziierten Mächten noch technisch im Kriegszustand mit den Mittelmächten. Die «normale Sage darf nicht weitet fortbauern. Um technisch den Frie- deuszustand ost« Verzug berzustellen, würde ich die dies­bezügliche erklärende Entschließung des Kongresses mit Einschränkungen, die wesentlich find, um alle unsere Rechte zu schützen, g i-1 h e i ß e n. Eine solche Aktion könnte in keiner Weise als Desertion von Denjenigen ausgelegt werden, mit denen mit im Kriege gemeinsam unsere Opfer brachten: denn diese Mächte befinden fick' bereits im Friedensznsiand. 'Es würde jedoch eitel 'ein. separate Friedensverträae mit den Mittelmächten tu schlie­ße». Nachdem der FriedenSzustand zuhaust erklärt worden sei, könne Amerika dazu übergeben, vertraglich? Beziehungen abzuschließen. Amerika stabe seine Ver­pflichtungen bei Schaffung von Ruhe in Europa. Diese Restauration müsse geschaffen werden, st'vot der mensch­liche Fortschritt wieder ein sei-,en könnte.

Paris, 13. April. Zu bet Botschaft des Präsi­denten Harbins sagt Pertinax: Der Völkerbund fei iot, umsomehr, als er außer auf die Mitarbeit von Amerika auch auf die von Deutschland und Rußland vcr- iübten müsse. Es handle sich nunmehr um eine private Gruppierung von Mächten, was demberühmten" Volker- bundstatnt jede Bedeutung nehme. Seit zwei Jahren habe man sich über Amerika getäuscht. Das System, das von den leitenden Männern von 1919 aufgebaut worden fei, sei in Trümmern zerfallen. ES gäbe feine militärische n Schutzverträge mehr.

Der enMe SergaMerrasIM.

Allgemeinausstand ab morgen.

London, 18. April. Reuter meldet: Der Ar­beiter-Dreibund beschloß, daß der Ausstand am Freitag abend 10 Uhr beginnen soll.

London, 12. April. Ten Bergleuten teilte heute Abend die Arbeiterdreibundkonferenz mit, daß die Ver- Vethandlungen über die Vorschläge der Regierung und der Bergwerksbesitzer mit irgendwelcher Aussicht aus Erfolg nicht toieber ausgenommen werden könnten. Es fei jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo der Dreibund zur Aktiv n schreiten müßte.

Der Präsident des Verstandes der Bergwerksbesitzer, opbt befand, oaß dir Verhandlungen über die Frage der Nationalisierung des Bergbaues und der nationalen Regelung der Löhne abgebrochen worden sind. Er etflärte, daß die Bergwerksbesitzer den Arbeitern alles angeboten haben, toaS sie zu gewähren im Hande sind.

Die Entschließung Knox.

Washington, 13. April. Knox legte heute dem Senat seine Entschließung vor, durch die der Kriegszustand mit Deutschland und Oesterreich für beendet erklärt werden soll. Die Entschließung, die dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten überwiesen wurde, behält den Vereinigten Staaten ihre Recht« aus dem Versailler Vertrag vor.

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Die preußische Regierungsbildung.

Berlin, 13. April. Der ./Deutschen Allgem. Ztg." zufolge hat Ministerpräsident Steger- w a I d Verhandlungen mit der Deutschen Volks- partei (Abg. v. Krause) angeknüpft. Es soll durch eine direkte Aussprache zwischen der Deutschen Bolkspartei und der Sozialdemokratie ein letzter Versuch gemacht werden, die Gegensätze zu über­brücken. Gelinge das nicht, so dürften, dem Blatt zufolge, die Bemühungen Stegerwalds, ein Kabi­nett zu bilden, als gescheitert anzufehen sein.

Die gestern veröffentlichte preußische Ministerliste ftnnt noch nicht als «ubgültig bezeichnet werden. Be« : Luders bei der Deutschen Bolkspartei hat sich Wider­spruch gegen eine derartige KaLinettszusammensetzung geltend gemacht.

Aus der Reichstagssraktion der Deutschen Volks- Partei wird dem ,/Lokalanz." geschrieben, daß Trz- b e r g e r und Sch ei bemann durch die Regierungs- bilbung in Preußen einen Keil in di« Regienmgs- koalition treiben wollen, um dann im Reiche die alte Koalition der Nationalversammlung wieder erstehen zu lassen.

DieTägliche Rundschau" beschäftigt sich mit der Frage in einem AufsatzDie neuen Quertreibereien Erzbergers". Sie schreibt: ES zeigt sich immer deut­licher, daß Erzberger direk! und durch seine Mittels­männer für die Unterwerfung unter daS Pariser Diktat arbeitet und zu diesem Zwecke auch in einer gewissen Gemeinschaft mit Scheidemann für die Wieder­herstellung der alten Koalition auS den Tagen der seligen Nationalversammlung einzntreten sucht.

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Scheidemann gegen Ebert.

Nach längerer Zeit hat der ehemalige Reichskanzler und ietzige Cberbürg-rmeifier Scheidernann sich wieder in öffentlicher Rede zur politischen Lage geäußert. Es geschah in einer Versammlung in Mannheim. Wir wollen aus der Rede nur einen Punkt herausgreifen. Es ist bemerkenswert, daß er die Stellung des Präsi­denten Ebert alsvollkommen unhaltbar" bezeich­net, weil Ebertausschließlich die nichtsozialistischc Regierung mit feinem sozialdemokratischen Namen decken" müsse. Scheidemann erklärt, daß die Rücksicht­nahme der Sozialdemokratischen Partei auf ihren früheren Vorsitzenden da ihre Grenze finden müsse, wo die Interessen der Partei und des Volkes und für Scheidemann sind dasidentische Interessen" gefährdet werden. Daß Sche bemann für einen Rück­tritt des Reichspräsidenten sich einfetzt, weil die Sozial­demokratie nicht mehr die erste Geige in der Reichs­regierung spiele, wußte man schon lange in vertrauten politischen Kreisen. Die jetzige Aeußerung Scheide- manns ist ein interessantes Dokument für die aus­schließlich parteipolitischen Jnterefjen, die für die sozialdemokratischen Führer maßgebend sind. Daß Scheidemann auch bei diesem Anlaß wieder dieSozia­lisierung des Bergbaus", die die führenden Köpfe seiner Partei und er wohl selbst nicht für durchführbar halten.

vertritt, zeigt weiter, wie «5 ihm nur ans die agita­torische Wirkung ankommt.

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Es können Reiche gestürzt und Kronen zerschlage» iuerben. aber es giot eine unsichtbare Krone der natür­lichen Hoheit und der sittlichen Größe, die keine Gewalt- tat und keine Bosheit ihrem Träger rauben kann. Solcher Art war die Krone unserer Heimgegangenen Kaiserin und Königin Auguste Viktoria. Die verewigte Fürstin iift wenig an die Oesfentlichkeit getreten, sie hat sich niemals in politische Fragen gemischt. Ihre Wirksamkeit lag auf andere», für die Frau auf dem Throne ungleich edleren unö besseren Gebieten. Sie war ein Vorbild bei Gattin und Mutter, «ine Vertreterin dec deutschen Frm in Bezug auf die Tugenden, die unser Volk geschmückt haben und die wir un5 erhallen müsse» in ben sittliche« Rttb physischen Nöten dieser Zeit, wenn unser Vater- tanb wieder emporkomnien will. Unverständige und feind- elig gestimmte Kreise habe» Äaguste Viktoria eine Be­terin und Frömmlerin genannt, weil sie sonst auch rem garnichts finden konnten, um an ihr zu mäkeln und ih« Persönlichkeit in den Augen der blinden Menge berab- zufetzen. Gewiß, die verstorbene Kaiserin-Königin war eine sehr fromme streng kirchlich gefinnte Frau, aber diese Richtung entfloß der Herzensüberzeugung und der Erkenntnis dessen, was unserer Zeit not tat, nicht aber der Aeußerlichkeit und Sonderzwecken. Sie trug den Glauben in der Seele, nicht auf den Lipven, sie hat praktische Folgerungen ans ihm für die Pflege der Kirchlichkeit im Volke, für bk Wohltätigkeitseinrich­tungen und für die Nächstenliebe im weitesten Sinne, namentlich in der Stille, gezogen. Glanz und Prunk lagen ihr, die mit ihrem Gemahl die mächtigste Krone teilte, wesenssremd, wen» schon sie sich den Pflichten bet Repräsentation nicht entzog, sondern ihr durch die natürliche Majestät ihres Auftretens und durch ben bil zuletzt wirkenden Zauber ihrer Erscheinung eine Weihe zu geben wußte, die oft wohltuend von der Prachtcntfaltung höfischer ober parabemäßiger Feste abstoch.

Die Geschichte bes Hohen,ollenihaufes ist nicht allzu reich an großen Frauenerscheinungen. Dafür ist sie ober auch frei von Gestalten, bie das Uebermaß verkörpern. Drei edle Frauen tagen hervor: Luise Henriette do« Otanien, die Gemahlin des Großen Kurfürsten, bie Köm-, gin Luise, unser« heimberusene Kaiserin und Königi»; August? Viktoria. Die Vergleiche zwischen diesen drei' fürstlichen Frauen liegen nahe. Luise Henriette war, durch Glück und Unglück die treue, tapfere Gefährtin ihres Gemahls, den fie auf allen Reisen und Kriegszüge« begleitete und durch Zuspruch über bie zahlreichen Ent­täuschungen seines Lebens getröstet hat. Der König!« Lutze, der hochgemuten Mutter Wilhelms I., brach daS Geschick ihres preußischen Vaterlandes fiüh das Herz. Ihr Geist, verklärt durch teermei Mitempfinden, schwebte einem guten Engel gleich der guten Sache voran, all sich Fürst und Volk auf bie Pflichten gegen das Vater­land befannen und sich zur Heimzahlung der angetane« Schmach aufrafften. Das Geschick der Kaiserin und Köni­gin Auguste Wtton'a ist ungleich härter als ba$ der Königin Luise, die in der Blüte ihrer Jahre, erst 34 Jahre alt, zur Ewigkeit heimging. Aber sie konnte ihr Haupt i« der Heimat zum Sterbru legen, sie sah sich umgeben von einem dankbaren, treuen Volke, dessen »roße Zukunft sich vor ihrem verklärten Blick spiegelte. Anders Auguste Viktoria, lene starb fern her Jöeimat in Ver­bannung. Dem Gatten und ältesten Sohn ist es nicht vergönnt, die irdische Hülle der Entschlafenen bis zur beimatlichen Ruhestätte zu geleiten. Sie sah den höch­sten Glanz ihres Hauses und erlebte besten tiefen Fall. Kein Hostnunasstern auf bie Erstehung ber Macht nnb Größe ibrrS Vaterlandes leuchtete in da» Dunkel, threr fangen schweren Krankheit, deren Leiden durch den Stele»« 'chmerz vergrößert worden sind.

Als Tochter deS Herzogs Friedrich von Schleswig- Holstein-Sondcrburg-Aiigustenburg geboren, stand bereits das Kind unter dem Eindruck ber geschichtlichen Anbah­nung folgenschwerer Ereigniste. Der Vater erhob 1863 nach dem Tode des Königs Christian IX. von Dänemark auf Grund feines Erbrechtes Anspruch auf die Herzog­tümer. Darüber entbrannte ber deutsch-dänische Krieg: Schleswig-Holstein wurde eine preußisch« Provinz, das Haris der Augustenburger verschwand in ber Zahl der depossedierten Fürsten. Auguste Viktoria begegnete 1879 ihrem künftigen Gemahl zum ersten Male am, Hose der Königin Viktoria von England, wo beide zu Wrndsov auf Besuch weilten. Die Verlobung beruhte auf rem persönlicher Neigung, wenn auch Bismarck treffend bmerR bat, daß sie der freudige Schlußatt eines koniliftreichen Dramas war, indem sich hier ber Gegensatz zwischen be« Ansprüchen der Augustenburger und den durch Preuße« vollzogenen politischen Tatsachen ausglich. Die Wah! war eine durchaus glückliche, denn der aufs Einfache und Praktische gen'chtere Sinn der künftigen Kaiserin und Königin übte einen im Saufe der Ereignisse nicht zn un ter) ch ätzend en wohltätigen Einfluß auf die Wesens­art Wilhelms II. aus, der mit ,u hochgesteckten Pläne» und einem in vieler Hinsicht doch wohl zu weitgehende» Idealismus an seine Herrscherausgaben herantrat und trotz des allerbesten Willens manchen Fehler in dieser Beziehung begangen hat

Es muß eine zu Herzen gehende Stunde für alle Teil­nehmer gewefeu fein, als die Verlobung am 14. Mar 1880 im Schlosse zu Babelsberg stattsand. Der grafe Kaiser Wilhelm L, die durch Wucht der Erfahrung und öen Glanz der Erfolge umwobene Gestalt, legt« feust bes