Amtliches Lerkimdigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen
Mr. 85
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Mavburg MMS». 6en 13. W lvftermondj
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Erstes Blatt.
Zm lote ter Soiltriii.
Berschiebung der Beisetzung.
,.v BerNa, 12. April. Wie aus Haus Doorn gemeldet wird, hat entgegen der ursprünglichen Festsetzung die Trauerfeier für die Kaiserin Auguste Viktoria verschoben werden müssen. Sie wird nunmehr ftattfinden in Doorn am Sonntag 17., in Potsdam am Dienstag, 19.
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Berlin, 12. April. Im Einvernehmen mit 6em ehemaligen Oberhofmarschallamt wird bekannt gegeben: Die Beisetzung der verstorbenen Kaiserin ist als eise Feier für die Familie der Dahingeschie- deuerr und einem beschränkten Kreis besonders Ee- iladener geplant. Die Einladungen zu der Feier ergehen mrsschlieglich durch das ehemalige Oberhof- MorjchsMmt. Die Karten hierzu teetifeu angesichts der RuuwVerhältnisse In in ganz ge-
-tinget Zahl ausgegeben werden.
Wie die Blätter melden, haben zu der Beisetzung der 'ftittn'rfn Kaiserin eine große Anzahl deutscher Ftirst- 'lichkeiren ihr Erscheinen angemeldet, u. a. das Herzogs- spaar vsa Braunschweig, Prinz und Prinzessin Heinrich ton Preichen, die Kronprinzessin, der Graßherzog von Mrok'-Erg-Echioerin, Prinz Friedrich Karl von Hessen urch der Großherzog von Baden. Auch General- feldmarfchaU v. Hindenburg und General Ln- ^eudseff haben sich für die Trauerfeier nach Potsdam «»gemeldet.
Dor sogenannte antike Tempel, in dem die Kaiserin beigesctzt wird, ein kleines rotes Bauwerk, ließt unweit des Neuen Palais in unmittelbarer Nütze des Rosengartens, in dem die Kaiserin ihre Lieolingsrofen gezüchtet hatte. Nach der Uebersted- lnng nach Holland hatte die Kaiserin zu ihrer Umgehung mehrfach den Wunsch geäußert, in diesem Tempel, nahe der Stätte ihres Lieblingsaufenthal- tes, einst zur letzten Ruhe bestattet zu werden. Als die schwere Erkrankung der Kaiserin es zur Gewißheit brachte, daß ihre Tage gezählt seien, wurde mit der Herrichtung des Tempels zu einer Ernst begonnen.
Oberhofprediger Dr. Dryander, der die Leiche von Holland nach Potsdam begleitet, wird auch die Trauerrede halten.
Am Sonntag wird mit Erlaubtzis der Regierung ein Gedenk-Gottesdienst in «Len Kirchen Prcußeus stattfinden.
.Haag, 12. April. Wie das „Korresponbenzbüro" Äiitteift. ist vorbehaltlich etwaiger Aenderungen beab- fia'-liat. dem früheren Deutschen Kaiser und dem Kron-. Prinzen jn gestatten, die Lerche der verewigten Kaiserin m3 zur Station Maar:: (Bahnstation Linie Amsterdam'. Emmerich) zu begleiten.
Dir Dentschnationale Velkspartei veröffenilicht zum Tod der Kaiseriu einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: Wir gedenke» der hohen Entschlafenen in der dankbaren Treue, die von jeher der edelste Charakterzug des Deutsche» ist. Sie hat die Stunde der Befreiung nicht wehr erleben dürfen, aber ihr Geist lebt unter uns Pud soll uns Leitstern sein auf dem Wege, der aus kein Dunkel der Gegenwart zu Preußen-Deutschlands Erneuercng führt. Tie Partei weiß sich eins mit dem Empfinde« und den Wünschen aller ihrer Mitglieder, wenn pe hrMossen hat, daß bis zum Tuge der Beisetzung alle geselligen Veranstaltungen der Partei trntcMerben und bei politischen Bersammlungen der Trauer Ausdruck gegeben wird. Ferner wird von den Parteifreunden erwartet, daß sie sich aller lauten Vergnügungen rind Festlichkeiten enthalten und daß der Tag der Beisetzung möglichst überall im Lande durch Traricrsrier» zu begehen ist.
Beiieidstelegranrme an den Kaiser sandten weiter 8. a. die Parteileitung der Teiüschnationalen Volks- Porte: und dec Rrichssranenaiksschnß der Deutschen Volkspartei.
Die Berliner Wahlkreisverbände der Deutschen Volkspariej veranstalten am Sonntag in der Stadlhalle eine Tranerfeier. Redner sind die Abgeordnelen Pros. Kahl und Frau Mende.
Der Raticnalverband Deutscher Offiziere bittet seine Mitglieder aus 4 Wochen Trauerabzeicheu anzulegen.
Der Dresche Ofsizier-Bund widmet der Kaiserin einen Ht warm gehaltenen Nachruf, in dem tr besonders auf ihre Verdienste während des Krieges für die Soldaten hinweist und ihr Schicksal mit dem der Königin Saifc vergleicht.
Das Beileid des Auslandes.
Wie«, 12. April. Die Blätter widmen der Kaiserin Auguste Viktoria Worte ehrenden Ge- denkese. Sie heben hervor, daß die Kaiserin jiü) mit Bewußtsein und Wille» vom politischen Getriebe feeWgehalten habe u«d ste die schlichte Frau
Stegernxttds Bemühungen.
Wiederkehr Severings, Brauns und HSnischs?
Berlin, 12. April. Wie die Blätter mitteilen, sind die Bemühungen des Ministerpräsidenten Stegerwald, ein Kabinett in Preußen zustande zu bringen, das von der Deutschen Volkspartei bis zu der Sozialdemokratie reicht, als gescheitert anzusehen. Stegerwald ist gegenwärtig bemüht, ein Geschäfts mini st erium zu bilden, in dem die drei bisherigen Koalitionsparteien vertreten sind und etwa zwei Ministerien durch Beamte besetzt werden sollen, die der Deutschen Dolkspartei nahestehen.
Der „Lok.-Anz." und der „Vorwärts" nennen übereinstimmend folgende Liste des neuen preußischen Ministeriums:
Präsidium und Volkswohlfahrt Stegerwald, Inneres S e v e r i n g, Handel Fischbeck, Kultus Hänisch, Justiz Am Zehn- h o f f, Finanzen ein Beamter, ebenso Landwirtschaft. Braun dürfte als Minister ohne Portefeuille dem Kabinett angehören. Er werde wahrscheinlich die Mzeprästdenlschast im Staatsmini- sterium übernehmen und soll gleichzeitig mit der Vertretung der preußischen Regierung im Reichsrat betraut werden, um dadurch die Verbindung mit der preußischen Staatsregierung aufrechtzu- erhalteu.
Die neue Regierung würde also aus 3 Sozialdemokraten, 2 Zentrumsmännern, 1 Demokraten und 2 "Beamten bestehen.
Willi« ter WM» SegtaM?
Rücktritt zweier Minister.
Blättermeldungen aus Dresden zufolge bat der erkrankte sächsische Juftizminister Dr. Harnisch ^Soz.) das Gesamtministerium um seine Entlassung. Auch der sächsische Wirtschastsminister Schwarz wird 'ächt wieder in sein Amr zurückkehren, das er wegen lrankheit verlassen hat. Ob durch den Rücktritt der eiben Minister eine Regierungsumbildung stattsiuden wirb, bleibt abzuwarten.
Der „Köln. Ztg." zufolge sind die Gründe des Rücktritts Dr. Harnischs rein politischer Natur. Bereits bet der politische« Aussprache über die kommunistischen Unruhen am 7. April forderte Dr. Harnisch den völligen Verzicht auf die parlamentarische Hilfe xt Kommunisten und den Rücktritt des Kabinetts. Ta der mehrheitssozialisiische Ministerpräsident Puck und Die übrigen Minister aber die Konsequenzen aus den ksmmt'nistischen Verbrechen nicht zogen, habe es nunmehr Dr. Harnisch für seine Person getan, nach seiner eigenen Aeußerung deswegen, weil er von Demokratie -tnb Pa-tamentarismus eine andere Ausfassung habe.
Briands Drohungen.
Paris, 12. April. Die Kammer hat heute mit der Beratung des Gesetzentwurfes begonnen, durch den die Ausgaben festgestellt toerben sollen, beten Rückerstattung nach beni Friedensvertrag Deutschland zu- fällt. Ministerpräsident Briand erklärte, daß Frankreich jetzt handeln müsse. Die bisher getroffenen Sanktionen hätten noch nicht zu Ergebnissen geführt. Am 1. Mai befinde sich Deutschland all seinen Per- tragsverfehlungen gegenüber. Der Gläubiger habe jetzt einen ausführbaren Titel in der Hand. Der Gerichtsvollzieher sei abgefchickt. Wenn sich der Schuldner widerspenstig zeige, banini tmüffe ein Gendarm ihn begleiten. Die ReparationSkommission werde ihr strenges Urteil fällen, und dem Gegner sagen müsst ,daß er zu bezahlen habe. Sonst müßten alle Zwangsmittel ang'wendet toerbcn, die der Gläubiger in Händen habe. Jetzt habe die ReparationSeom- miffion die Rechnung zu präsentieren. Darüber seien sich die Verbündeten einig.
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Die Festsetzung der Eesumtschuld Deutschlands.
Paris, 12. April. „Petit Parisien" meldet, daß die Summe, die die Reparationskommission als Gesamtschuld Deutschlands sestftellen werde, auf jeden Fall den Betrag von etwa 160 Milliarden Goldmark erreichen werde.
Eine Konferenz der Parteiführer.
Berlin, 13. April. Wie die „Germania" erfährt, hat die Reichsregierung die Führer der Regierungsparteien nach Berlin berufen, um mit ihnen wegen der in Aussicht genommenen Wieder aufnahme der Verhandlungen mit der Entente über die Reparationsfrage Fühlung zu nehmen.
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MiMMöMi 8. MM die fetafan». Die Durchführung d r Entwaffnung noch nicht möglich.
München, 12. Apr'l. Im Finanzausschuß d:s Landtags gab heute Ministerpräsident v. Kahr dein Standpunkt der bayerischen Regierung in der Ent- toaff1mn.33fra.3c Ausdruck. An der ablehnenden Haftung bet Reg:r-.ng gegenüber bcm Eniwaffnungsgtsrtz habe sich nichts geändert. Da die kommunistisch bol- fchcwisiifche G.fahc von Tag zu Tag gewachsen, sei, fei die Zeit für die Entwaffnung der Selbsischudorgani- satisneu noch nicht gekommen. Ter Ministerpräsident sprech dann der Mehrheit der Arketterschast ferne An- etfenatmg aus, daK sie bei der jüngsten Aufrnhr- ke.wcguug in Mitteldeutschland ihre Ruhe und Arbeit bewahrt habe. Die Ducchfübrnng der Entwaffnung in dem Maße des Pariser Diktat? fei zur Feit nicht mögl'ch. Er müsse deshalb-der Reichsregierung nahelegen, die Verbündeten zu ersuchen, in eine neue Würdigung der Frage einzutreten.
ein Wiedererscheinen des Blattes zu verhindern, wurden Teil: aus den Notaliousmafch-nen herausgenommen.
Gegen den verantwortlichen Redakteur der „Roten Fahne" ist das Verfahren wegen Hochverrats ein* geleitet Word:».
Hausfrau und Mutter gewesen.
Budapest, 12. April. Die ungarischen Blätter drücken zmn Ableben der ehemaligen Kaiserin Auguste Viktoria ihre tief;‘e Ergriffenheit aus.
bei Familienpflichten als Gattin und Mutter gesehen habe. So sei ste ein Muster der deutschen
geblieben ist, die ihren Lebenszweck in Erfüllung - beschlagnahmt wegen des Artikel? „Henkerjustiz" der * ....... * ~ ge- sich mit den außerordentlichen Gerichten besaßt. Um
London, 12. April. Die Morgenpresse veröffentlicht längere Beschreibungen und zum großen Teil auch Bilder der verstorbenen Kaiserin. Der „Daily Telegraph" schreibt: „Wir können die unglückliche Frau wegen ihres Tcdes nicht so sehr bemitleiden als wegen jener tragischen Periode von Erinnerung und Leiden, die sie durchlebte ehe die Befreiung kam." -•
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Die Unruhen in Mitteldeutschland.
Eine preußische Denkschrift.
Berlin, 12. April. Den Blättern zufolge wird die preußische Denkschrift über die Unruhen t» Mitteldeutschland am Donnerstag veröffentlicht werden.
Heim- n;:b Flurschutzverbände in Anhalt.
Berlin, 12. April. Die „Tögl. Rundschau" meldet aus Hglle, daß die anhaklisch? Regierung den Bewohnern anheimgestkllt hat, durch die Bildung von örtlichen Heim- und Fl u r s ch utz v erv ä n de n. ihr Eigentum selbst zu schützen. Tie Mitglieder dieser Schtchverbände sollen auch da? Rech' jum Besitz von Waffr»' haben, sowie verdächtig» Personen anhalten und durchsuchen dürfen. Ette gr Ze Anzahl anhakti-■ scher Gemeinden gründete bereits derartige Schutz- tocrbäiibe. '
. Besihkö^nahme der „Roten Fahne".
P. r I i n, 12. April, Lfill der „Lojf. Fig." wurde heule das Zenttalorzm» 'Oec ocrcmig.cu !rmmmt.isiischc» Partei, die „Rete Fahne', von der Salatsanwaltschast
Aus dem besetzten Gebiet.
M a i n z, 12. April. Marschall Franchct d'Esperey nahm Truppeubesichtigungen in Mainz, Wiesbaden und Bingen vor. In Koblenz, wohin er mit einem Dampfer fuhr, nahm er an einem von General Allen zu seinen Ehren g g bene.t Frühstück teil.
Wiesbaden, 11. April. Ein Dtznamitsund von einem Zentner, der im Jagdschloß Platte im Walde gemacht wurde, hat die Aufmerksamkeit der Franzosen auf das Treiben der botiigen Kommunisten geleurt. Ihren Führer, den Ctadtverordneicn Greis haben sie, da auch zugleich Flugblätter mit der Aufforderung, in den Generalstreik zu treten, verteilt wurden, festgeuommen. Aus beschlagnahmten Schriftstücken gehl hervor, daß das Gerichisgebäude, in dem das französische Militärgericht tagt, in die Luft gesprengt werden sollte. Tas Gebäude wird schars bewacht.
Wem schulden deutsche Beamte Gehorsam?
Wie das „Journal" aus Mainz meldet, hat die deutsche Regierung den Oberregierungsrat Seidel, der von der Interalliierten Kommission zum Direktor des neuen Zolldienstes ernannt worden war, nach Berlin berufen und ihm einen anderen Kosten zugewiesen. Die Kommissioit hat darauf beschlossen, daß gegen Seidel ein kriegsge- richtlicki-s Verfahren wegen Ungehorsam bei Ausübung der ihm erteilten Befehle anhängig gemacht werden soll.
Es ist klar, daß keine deutsche Regierung und kein deutscher Beamter zur Durchführung der
...... w 11 ■ । «rr rinwrumi Zwangsmaßnahmen, die tm schärfsten Wider» s p r u ch zum Versailler Friedensvertrag stehen, also auch zur Errichtung der neuen Zollgrenze, irgend wie die Hand bieten kann. Es kann al» sicher angenommen werden, daß die deutsche Regierung einem beabsichtigten Zwange gegen Deutsche zur Erlangung ihrer Mithilfe bei Durchführung der Eewaltmaßuahmen schärfsten Protest entgegensetzen wird.
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Sr. 6iw5' »enter Wirmer!.
Rach einer bereits am Montag ausführlich mitgeteil- ‘.'u Pariser Meldung hat Dr. Simons in Bern einen Mitarbeiter des „Matin" empfangen und sich mit ihm über Deutschlands Gnlschädigungspflicht und Entschädi- anngspläne unterhalten. Bet allem Verständnis für bit Vwvagandawirkung in der französischen Presse wirb man doch stark bezweifeln können, ob es sich für einen deutschen Minister empfiehlt, über das Thema der Ent- tchädigungSpflicht. gerade mit einem Vertreter des schlimmsten Pariser Hetzblattes zu sprechen. Die Zweifel sind umsomehr angebracht, als Dr. Simons auf Grund früherer Erfahrungen den Entschluß gefaßt hajj., sich von ans- käudlfchen Journalisten überbau pt nicht mehr ansftageti zu lassen In einem früheren Falle war eine derartige Unterredung des Außenministers in mißverständlichen Ausdrücken erteilt oder w-edergeqeben worden und infolge' dessen vielen Angriffen ausgesetzt. Dieselbe Erscheinung zeigt sich auch diesmal: denn auch die neueste Unter- rednng des Artßenministers enthält mehrere bedenkliche Stellen.
Man wird auch diesmal erst abwarten müssen, ob die Wiedergabe dessen, was Dr. Simons in Bern oefa^.t hat. wirklich das R-chtige trifft, ober >■ -e Aenßerungen falsch wiedergegeben hat. .. .ons
gesagt hätte, tr werde aut in einer 9i. »j bleiben, die gewillt fei, ihrer Entschädtoungspflicht bi? zur Grenze aer deutschen LeistnngIsähigkeit zu erfüllen, so würde ha? ünscren Feinden eine außerordentlich bequeme und wirksame Waffe in Oit Hand geben, falls Dr. Simons ans dem Kadfnett aussthefden sollte. Er selbst hat be- Wnt, baß er mit seinen Ministerkollegen bisher feine Fühlung genommen hat, sodaß er auch nicht wissen “ann, ob das Kabinett als solches über die Gren;e vnftrer Leistnilgssähigtkit mit Tr Simons gleicher An- 'scht ist. V^kanntlich hat der Außenminister tu London :;tt Angebot vertreten, das über unsere Leistungsfähigkeit hinaus ging. Soiite also Tr. Simons mit ftinem Vorschlag nicht durchdringen, so wurde daS selbstverständ- ttch sofort für unsere Gegner ein willkommener Anlaß lein, zu behaupten, daß wohl er, aber nicht die deutsche Regierung die ehrliche Absicht habe, Entschädigung „biS zur Grenze der deutsche» Leistungsfähigkeit" zu leisten, nölte sich also Dr. Simons so ausgedrückt, wie gem'ckdet tourte, so hätte er tiajecer Regierung in emer Wife die tüände gebunden, gegen die man fehl schon Einspi'. eh erheben müßte.
Auch das, was Dr. Simon? über seine Haltnug in der Lönboner Konferenz gesagt hat, ist zum minbesteu ruenig glücklich — immer vorausgesetzt, daß die Wiedergabe seiner Worte zutrisit. Im übrigen wäre es schwer zu verstehen, wenn Dr. Simons in Bern bereits von einem netten dentfchen Angebot in entschied euer Ferm gesprochen hätte, während er gleichzeitig auf der anderen Seite betont, daß er keine Fühlung mit dem Kabinett gehabt habe und eist den Kanzler und seine übrigen Kollegen spreche« müsse, ehe ein neues Angebot gemacht tverbe.
Tie Unterredung hat deshalb auch in amtlichen Kreise» überrascht. Im ÄiiSwärtizen Amt sind, so heißt eS, fei ne neuen Vorschläge auSaeacbeitet worden.
Heftige Kritik übt u. a. die „Deutsche Tagesztg." an dem Verhalten des Außenministers, besonders «veil er den Berichterstatter eines französischen Hetzblattes, daS uns leit Jabre» mit Schmutz bewirft, zum Vertrauten feiner Pläne und Berkünber der Richtlinien deutscher Außenpolitik erwählt habe. „Man stelle sich einen analoge» Fall in irgend einem anderen Land der Gebe vor, das noch Anspruch auf Achtung erhebt!" Auch biefe Unterredung verstärke den sich immer stärker aufdrängendetz Eindruck, daß Dr. Simons es an Gefühl für Wirkung im In- und Ausland, wie-überhaupt an politischem Instinkt häufiger fehlen lafse, als es die Rcichsinteressi» vertragen könnte» e e
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Unser Berliner rMitarbeiter schreibt uns zu dieser At,gelegenheit:
Der Reichsaußenminister Simons bat bei seinem Aufenthalt in Bern dem Vertreter des „Matin", Jules Sauer- wein, Erklärungen abgegeben, die wieder einmal da? anscheinend den Simonsschen Aeußernngen anhaftende 'beschick haben, mißverstanden ,u werden. Bevor sich 0 r Außenminister nicht persönlich in Berlin zu diesen Erklärungen geäußert haben wird, läßt sich nicht feststellen, ob die Mitteilungen Sauerweins richtig ober gefärbt waren. Es wirb recht eigenartig empsunben, baß der Reichsaußenminister dem Vertreter eine? der schärfste« > französischen Hr-tzblätter Unterredungen über wahrschein- ; liche Maßnahmen der deutsche» Reichsregierung gewährt, die bas deutsche Volk in feinen Lebensnerven berühre« und über die nähere Informationen zu erlangen, ben deutschen Pressevertretern äußerst schwer, oftmals gänzlich unmöglich gemacht wird.
Wenn man Dr. Nmon? recht versteht, beabsichtigt er auch jetzt noch nicht, neue Vorschläge zu machen. Von diesen soll «st die Rede fein, wenn die netten „Vorbesprechungen", M deren SLotwendigkcit sich SinwuS allerbtagi