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g AmUiches VerWndigungsdlatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

DieObcrhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4J25 SDtt., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag vonDr. T. Hitzeroth.Druckder Univ.-Buchdruckerei von Job.Aug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Mai».

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Marburg Mag, im ß. Anil lvstermond)

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Zm lote ter Soileri».

Es lieg# eint angcrordentlich schmerzliche Tragik darin, bah die Küsterin ihre letzten Tage und Stunden in der .Berbauunng »«bringen mußte. Denn dort auf dem Krankenlager im Lause Doorn wurde keine Schuld gesühnt, sondern eia edles Menschenleben ist zusammengebrochen unter dem Schlag eines unverdienten Schicksals. Es hat viele Fürstinnen gegeben, die ihre Stellung an der Seite eines mSchtigen Herrschers zu politischen Intrigen miß­braucht bade», die Fäden spannen, zu denen weibliche Hand nicht taugt. Die Deutsche Kaiserin hat niemals ihren Berns als Hausfrau und Mutter, in weiterem Sinne als dis lischfigrstelste Fran ihres Landes, aus den Augen verloren. Eie war in weiblicher Zurückhaltung und in alle» Tugenden des Haushalts ein Vorbild. Sie hat in der Stille ihres häuslichen Kreises gewirkt und trotz aller äußeren Rcpräftntatiouspflichlen die Einfachheit und Schlichtheit ihrer Gesinnung gewahrt, sie hat über den Kreis chrer häuslichen Pflichten hinaus Gutes getan, wo sie ko-nntk. Als deutsche Fran hat sie jenes Sprich­wort vou neuem wahr gemacht, daß die Frauen die beiien stich, von denen inan am wenigsten spricht. Als bic Mvotutioa den Kaiserthran umslürxte, hat dir Kai­serin die edelste weibliche Tugend bewährt: die Treue. Sie ist dem Kaiser in die Verbannung gefolgt, obgleich sicher n i e mand gewagt haben würde, ihr in Deutschland ihr Dasein yi stören. So ist sie über die Grenze gegangen, und sie hat nicht nur tiefsten Familienkummer mit sich genommen, sondern auch ein Herz, das von dem Unglück des Vaterürndes schwer war. Und ein gebrochenes Herz ist es, das ans dem Krankenlager in Doorn mit dem Tode lang. Td Kaiserin litt schon in den Fahren vor dem Kriege anr Herzen. Wiederholt suchte sie das heilkräftige kad von Nauheim auf, um Besserung zu finden. Dir Erschütlerunzea, denen sie dann ausgesetzt war, waren aber zu viel für das kranke Herz.

Die Trauer um die Dahiugegangcne beschränkt sich nickt aus die engere Runde, die in Doorn versammelt ist. Sie findet eis lebhaftes Echo im deutschen Lande. Zwar ist gerade is der letzten Zeit eine niedrige Agitation gegen ine Hohenzollernfamilie entsessrlt worden, aber man darf gewrtz sein, daß dieser Haß sich nur in einem engen Kreis politischer Fanatiker austobt. Das deutsche Volk im großen und ganzen weiß, was es der Kaiserin za danken hat und was cs an der Frau verliert, die auch nach dem Sturz von glanzvoller Höhe in tiefstes Unglück Treue betr>ahrt und bewährt hat. Ihr Andenken wird im Herzen der großen Mehrheit des Volkes sortlebcn 61» dar au. eine der edelsten deutschen Frauen, in der sich die bcstey deutschen Eigenschaften verkörperten.

Zain Hinscheiden der Kaiserin schreibt derLokalanz.": An ihre: Bahre dürfen wir es rühmend sagen: Ihr Leben u>e.r reiches, gesegnetes Leben, daS tiefe Furchen überall e.zogeu hat, wo echte Menschlichkeit den nimmer ruhenden Kaarpf gegen die Leiden der Erdciüvelt kämpft. DieTeeust-e Allg. Zeitz." sagt: Die Kunde vom Heim- gauge ter fttzten Deutschen Kaiserin Wick in unzthügen Herzeu ein Gefühl der Wehmut und Ergriffenheit aus- lösen, rin Gefühl der Trauer nm etwas, was uns Fahr- zel-ule fang nahe gestanden hat. Weit über das Grab hinaus wird das Gedächtnis der Kast'erin lebendig blei­ben. Fhrr. Hcrzensgüte war der kostbarste strahlendste Edelster« t» dem Diadem, das einst ihr Haupt schmückte. DieGermmria" schreibt: Auch im katholischen Bolksteil war das Ansehen der Kaiserin groß. Ihre gesamte Per­sönlich.!-.!! sicherte ihr allgemeine Achtung: auch die Geg­ner der Dynastie Lohenzollern werden ihr angesichts des tragischen Geschicks, da? sie getroffen hat, die rein mensch­liche Tefluakmre nicht versagen wollen. Wie dasTage­blatt" chervorhcvt. wird die Nachricht von dem Hinscheidcn der ebcmattgen Deutschen Kaiserin auch in den demokratisch gesinnten Schichten der Bevölkerung aufrichtige Teilnahme erregen st harte immer den Wunsch, nach Möglichkeit die Not zrr kindern, die Kranken zu pflegen und für die Witwen Ml» Warna zu sorgen. DieBoss. Ztg " schreibt: Wie man auch zur Monarchie und zum Niedergang des Hohrnrollcrnhaufcs stehen mag: Dem Unglück dieser Gat:!:! und Marter wird niemand sein Mitgefühl versagen.

Auguste Viktoria wurde am 22. Oktober 1858 als älteste Tochter des Herzogs Friedrich von Tchlestvig'Hol- stein-Ssnderbnrz-Augustenbnrg und der Prinzessin Adel­heid von Hohenlohe-Langenburg in Dölzig Leboren. Am 27. Februar 1881 fand ihre Vermählung mit dem Prinzen Wilhelm von Preußen in Berlin statt. ^Der Ehe der Kaiserin entsprossen sechs Sühne und eine Toch- ter. Bis auf den Prinzen Joachim sind alle Kinder der Kaiserin noch am Leben.

Beisetzung in Deutschland.

Berkin, 11. April. Die Leiche der früheren Kaiserin Angnstc Viktoria wird nach der Trauer­feier, die m Doorn Donnerstag abend abgehalten wird, nach Wildpark überführt, wo die Beisetz­ung am Sonnabend vormittag im Mausoleum bei dem 9Iewtt Palais erfolgt.

Wie die Blätter von zuständiger Stelle erfah­ren, furb bereits vor längerer Zeit alle Einzelheiten Über die Beisetzung von Mitgliedern der ehemaligen königliches Familie zwischen dem Hofmarschattamt und der Preußischen Regierung geregelt worden. Den Ausnutzungen, die die Beerdigung bis in alle Tinzelhekten regeln, stimmte auch das Haus Doorn damals

Zu d« Rocht vom Freitag zum Samstag wird die Lei^ der Kaiserin in Wildpark eintresfen und tar iwu Süiti»e#tnnfana5aebiü-;iie5 auf­

gebahrt werden. Am Samstag vormittag wird dann der Sarg in Gegenwart sämtlicher Mitglieder des Hauses Hohenzollern mit Ausnahme des Kai­sers und des Kronprinzen nach dem im Park von Sanssouci gelegenen antiken Tempel Lbergeführt werden, wo die Beisetzung erfolgen wird.

Beabsichtigte Kranzspenden nimmt der Schloßinspek- tor Dallmann, Neues Palais bei Potsdam, entgegen. Sicherheitsvorkehrunge» aus Anlaß der Beerdi« gung der Kaiserin.

Berlin, 12. April. Wie dasBerl. Tagebl." erfährt, hat die preußische Regierung alle Vor­kehrungen getroffen, um eventuelle Zusammenstöße bei der Beisetzung der Kaiserin zu verhindern, die zu einem unwürdigen Verlauf der Feier führen könnten. Absperrungsmatznahmen durch die Schutz­polizei sind in weitestem Maße angeordnet worden.

Die letzten Stunden.

Berlin, 12. April. Wie die Blätter melden, waren ain Sterbelager der Kaiserin der frühere Kaiser und Prinz Adalbert zugegen. Die Kaiserin ist bewußtlos in den Armen des Prinzen enr- chlafen. Man erwartdt das Eintreffen des frü­heren Kronprinzen in Haus Doorn. Der Kaiser und der Kronprinz werden den Trauerzug bis an die deutsche Grenze geleiten. Prinz Oskar hat sich nach Holland begeben, um die Ileberführung der Leiche der Verstorbenen nach der Station Wild­park zu leiten.

In der letzten Nacht war der Zustand immer chlimmer geworden. Die Pulstätigkeit stockte voll­ständig, und durch eine Injektion wurde der Todes­kampf abgeschwächt. Der holländische General­sekretär des Ministeriums des Innern Karn war der einzige, der vom Kaiser empfangen rrttrbe, um wegen der Ueberführung nach Potsdam zu ver­handeln.

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Stegerwalds Bemühungen.

Berlin, 12. April. Wie dasBerl. Tagebl." schreibt, haben die Bemühungen des preußischen Mini­sterpräsidenten Stegerwald, der gestern mit den Koalitionsparteien über die Regierungsbildung verban­delt hat, noch nicht zum Ziele geführt. DerVoss. Ztg." zufolge soll Äegerwald beabsichtioen. dem Land- tagspräsidente» seinen Rücktritt mitzutrilen, falls es ihm nicht gelingen sollte, ein politisches Kabinett zu bilden. Weiter toirb derBossischen Zeitung" mit­geteilt, daß die Aussichten des Ministerpräsidenten Stegerwalds, eint Rrgiernngskoalition zustande zu bringen, sehr gering feien. Die von sozialdemokratischer Seite stammende Anregung, ein Kabinett zu bilden, das tells aus Politikern, teils aus Fachministern be­steht ,wobei die politischen Minister den alten Koali- tionsparteien, die Fach Minister der Deutschen Volks­partei entnommen werden sollen, finde bei der Deutschen Volkspartei wenig Gegenliebe.

Gegenüber den Auslassungen derKöln. Volkszig." bleibt derVorwärts" bei der Behauptung. eS sei von den Vertretern der preußischen Zentrumsfraktiyu nicht einmal, sondern bei mehreren Gelegenheiten in der bestimmtesten Weise zugesichert worden, daß Sttaer- wald sofort zurücktreten werde ,falls ihm nicht die Bildung einer Regierung gelingt, die die Zustimmung der Sozialdemokraten finde.

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London , 11. April. Tie Tatsache, daß die Berg­arbeiter jetzt eingewilligt haben mit den Bergwerks­besitzern zusammen zu kommen, wird als positives An­zeichen dafür ang-sehen, daß der Streik beigelegt werden wird. Es kann vielleicht zeitweise Rückschläge geben, der endgültige Ausgang wird jedoch in zuständigen Kreisen als außer Frage stehend angesehen. Das am Sonnabend zustande gekommene Kompromiß toirb im ganzen Lande mit großer Befriedigung begrüßt. Eisenbahner und Transportarbeiter erkannten, daß nur die Hälfte der Mannschaften dem Streikrufe folgen würden, und daß der Streik infolgedessen unvermeidlich fehl schlagen müßte. In Regierungskreistn ist man überzeugt, daß der Generalstreik, wenn er ein­getreten wäre, n-ch- 48 Stunden gedauert haben würde. Während des ganzen Streiks ist kein Verlust an Men­schenleben cingetreten.

Die Konferenz mit der Regierung, Bergwerksbc- sitzecn unb Bergarbeitern, die heute stat-fand, ist nach einer Rede Lloyd Georges <r.? "'ags teitagt werden. In dieser Rede legte Lloyd George beiden Parteien nahe, ein Komitee zur Prüsitng der Ber- hältnis'r zu ernennen und das Ergebnis der Konferenz am Nachmittag zu unterbreiten.

London, 11. April.Daily Telegraph" zufolge hat die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen England und Rußland bisher nicht zu einer Belebung de: Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern seftchrt.

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Bor neuen deutschen Vorschlägen. Französische Drohungen.

t* Berlin, 11. April. Die Aeußerungen des Reichsaußenministers Dr. S i m o n s in Bern,daß die deutsche Regierung demnächst Gelegenheit haben werde, ihren guten Willen zu beweisen", lassen da­rauf schließen, daß von der deutschen Regierung eine neue Initiative unternommen werden soll. Inzwi­schen sind aus Paris Mitteilungen nach Berlin ge­langt, daß die französische Regierung auf solche Vor­schläge wartet. Nach den Pariser Informationen scheint für die nächsten Tage schon die Mitteilung der gesamten Entschädigungsforderungen an die deutsche Reichsregierung bevorznstehen.

Zn der französischen Oeffcntlichkeit wird gegen­wärtig ein Trommelfeuer von Drohun­gen gegen Deutschland gerichtet, für den Fall, daß bis 1. Mai, dem Verfallstermin des Friedensver­trags, die Entschädigungsfrage ' nicht gelost sein sollte. Die französischen Militärs schwelgen nur so in Vorschlägen von der militärischen Besetzung Deutschlands, und man hat für diese Besetzung eine Linie erreicht, die Deutschland von Norden nach Sü­den in zwei Hälften teilen würde. Die französischen Politiker suchen ihre Ziele nicht minder weit, hoffen sie jedoch mit anderen Mitteln zu erreichen. Die größte Gefahr liegt in den Bestrebungen dieser Seite, die alte französische imperialistische Annek­tions-Politik gegenüber dem Rheinland vorzube­reiten» zum anderen aber durch Erlangung der Mainlinie den deutschen Norden vom deutschen Sü­den zu trennen. Man muß doch sehr bedenklich wer­den, wenn man in der Sonntags-Ausgabe der Vossifchen Zeitung" eine angeblich aus unterrichte­ten französischen Kreisen informierte Mitteilung des Pariser Berichterstatters dieser Zeitung Dr. Feldmann findet, wonach die französische Re­gierung unbedingt entschlossen sei, wenn bis zum 1. Mai keine Verständigung mit Deutschland ange­bahnt sei, mit Maßregeln vorzugehen, die eine Katastrophe für Deutschland bedeuten könnten.Ich versichere Ihnen", erklärte der Ge­währsmann .Dr. Feldmanns,daß der F o r t b e - stand Deutschlands in seiner heuti­gen Gestalt ernstlich gefährdet ist, wenn Ihre Regierung von dem angebotenen Ausweg keinen Gebrauch macht." I« rote weit auch diese schwerwiegende Aeußerung in den Kreis der Stim­mungsmache zum Zwecke der Einschüchterung Deutschlands gehört, läßt sich schwer beurteilen. Aber man wird auf deutscher Seite gut daran tun, mit der unbedingten Entschlossenheit Frankreichs, gegenüber Deutschland die allerschärfsten Gewalt­mittel militärischer, politischer und wirtschaftlicher Natur anzuwenden, nüchtern zu rechnen. Wir kön­nen es uns nicht leisten, diese Dinge an uns heran- kommen zu lasten. Wir müssen vielmehr verlangen, daß die deutsche Reichsregierung den gegen das deutsche Volk und Land geplanten niederhämmern­denFaustschlag" pariert. Die nächsten Tage wer­den für die Entwickelung dieser Dinge von einer un­geheuren Bedeutung sein. An die Staatskunst des deutschen Auswärtigen Amtes wie des Reichs­kabinetts werden nunmehr gewaltige Anforderun­gen gestellt werden müssen; denn in dem, was die deutsche Regierung demnächst an neuen Vorschlä­gen zu bieten gewillt ist, wird sich das Schicksal über Leben und Tod Deutschlands ausprägen.

Weiteres über die französischen Pläne besagen folgende Meldungen:

DerPetit Parisien" schreibt: Wenn man nach den neuen deutschen Kundgebungen schließen soll, muß man damit rechnen, daß die deutsche Regierung bis Ende April den Verbandsmächten neue Vorschläge machen wird. In letzter Zeit wurde durch den deutschen Staats­sekretär Bergmann ein ernühafter Versuch gemacht, bei dem Vorsitzenden der Brüsseler Konferenz, Delacroix, die Unterhandlungen wieder zu eröffnen. Er beschränkt sich allerdings darauf, seinen Wunsch nach Unterhandlungen auszudrücken, und dieser Versuch blieb ergebnislos. In amtlichen französischen Kreisen sicht man indessen voraus, daß auch die neuen deutschen Vorschläge wesentlich unter den Zahlen des Pariser Abkommens. bleiben werden, also unannehmbar sind. Man erwägt daher heute schon die Maßnahmen jcker Art, die man den verbündeten Mächten zur Gutheißung unterbreiten will, tun Deutschland zu zwingen, nach dem I.Mai seine Verpflichtungen zu erfüllen.

DerPetit Parisien" tritt ferner mit, daß Sach­verständige verschiedener Finanzabteilungen wüßten, welche eventuellen wirtschaftlichen Sanktionen in den neuen besetzten Gebieten nach dem I.Mai in Kraft treten Knuten. Man denkt an die Erhebung einer Steuer a.uf dir Kohlenproduktiou im Ruhrgebiet. Ob­

schon eine Steuer dieser Art nicht fähig fei, die Annui­täten zu ersetzen, die Deutschland schulde, könne sie doch bei einer Produktion von 90 Millionen Tonnen be­achtenswerte Ergebnisse zelligen.

KMlilHinuiWs KimkM»Iz über M?

Georg Bernhard gibt in derVost. Ztg." den Bericht eines auswärtigen Gewährsmanns wieder, wonach zwischen der Londoner Konferenz und bet Briandschen Kammerrede ein umfangreiches A b» kommen zwischen Frankreich und England zu» standegekommen ist. In diesem Abkommen sichert England den Franzosen jede nötige militä­rische Hilfe gegen Deutschland zu. Für diese Garantie hat Frankreich den folgenden Preis zahlen müsten: 1. Es desinteressiert sich im besetzte» Teil Vorderasiens (gibt vermutlich vor allem die Gewinne wieder in Syrien auf), Frankreich ver­zichtet ferner auf eine eigene Politik in Rußland. Es sichert endlich dem britischen Reich Waffen- hilfe mit feiner ganzen Flotte für den Fall eines Konflikts Englands mit irgend einer überseeischen Mchat zu. Es handelt sich hier also im Wesen uro einen englisch.! ^fischen Eeheimvertrag, befielt außerorbentliche L T utung und Gefahr für Deutsch- lanb nicht zu verkennen ist, wenn ein solcher tatsäch­lich abgeschlosten worden ist.

Der diplomatische Mitarbeiter des englischen Observer" spricht dagegen von einer neuen eng« lisch-frauzöfischen Krise in Bezug auf die Entschä- bigungsfrage. Die Franzosen hätten erklärt, daß sie nach bem 1. Mai zu neuen Zwangsmaßnahme» übergehen werben. Mit einem solchen Schritt würde sich Frankreich noch weiter von seinen Ver­bündeten e n t f e r n en. In britischen amtliche» Kreisen frage man sich verblüfft, worauf denn bi< französische Politik abziele. Angenommen, ein roeh tercs Stück beutschen Gebietes werbe besetzt, ange­nommen, bie Franzosen marschierten nach Berlin, was sei bamit gewonnen? Auf biefe Frage bleibt Frankreich bie Antwort schnlbig. Man könnt sich nur schwer bem Eebanken verschließen, baß Frankreich biese Frage niemals in Erwägung ge- zogen habe unb baher keine Antwort geben könne. Die britische Regierung könne nicht verstehen, roi« bie Franzosen hofften, bie Bezahlung bei deutschen Entschädigung in 20 oder 50 Jahres durch einen Vormarsch nach Berlin zu sichern. Man dürfe nicht vergessen, daß in Bezug auf die Zahlung der fünf ersten, in Paris festgesetzten Zahreszahlungen zwi­schen Deutschland und den Verbündeten eine Mei­nungsverschiedenheit nicht herrsche. Die Deut­schen hätten fünf Zahreszahlungen angenommen. Die Bedingung, die damals dafür gestellt wurde, nämlich daß Oberschlefien ohne Abstimmung an Deutschland gehen solle, sei durch die Abhaltung bet Abstimmung aufgehoben. (Eine solche Sebingung würbe bekanntlich niemals gestellt.) Soweit bie Entschäbigung in Betracht kommen, sei bie Lagt bie, baß bie oberschlesifche Frage ausgeschaltet und unabhängig geregelt werbe. Ein anderer wichtiger Punkt, den die französische Regierung unbedingt in anbetracht der neuen Konferenz, die jetzt notwendig sei, verstehen müsse, sei der, Frankreich wolle Geld, England aber wolle Handel. Die englischen Be­dürfnisse seien vitaler als die französischen, solange die britischen Märtte in Europa den Engländer» verschlossen seien. Infolge des Bestehens der Fran« zosen auf militärischen Zwangsmaßnahmen und der daraus folgenden Verwirrung der wirtschaftlichen Beziehungen könne England niemals mit feiner Wiederherstellung beginnen.

Die Dieselmotoren.

Lettin, 11. April. LautDeutscher Allg. Ztg." übergab di: deutsche Regierung am 81. März bi« von dec Botschasterkonferenz geforderte Liste über bif Vermeidung dec Dieselmotoren der M.rinckontroll- kommission. Die Liste weist insgesamt 423 Maschinen auf. Hiervon waren am 31. März vier zerstört, da ihre Instandsetzung nicht mehr möglich war, 343 sind für Handelszwecke verkauft, und nur 75 befinde» sich noch unverkmift zur Verfügung der deutschen Re­gierung. Wie das Blatt dazu bemerkt, ist diese- der beste Beweis dafür, wie dringend die deutsche Wirtschaft gerade dieser Maschinen für ihren Wiederaufbau bedar».

Die Kohlenlieferungen.

Paris, 11. April. Es finden in Pari» Bett Handlungen statt zwischen der Reparaftonskommif« ston und den Vertreter» der Kohlenindustrie. 3* Erwartung eine» allgemeinen LieferungsplaWeP;