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Amtliches Verkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen

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DieOberhesfliche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4.25 Wt durch di« Post 4.65 Ml. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Ml. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Lerlag von Dr. L. Sitzerath. Druck der llnio.-Buchdruckerei von Ioh.Aug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg MM, den 1L W sOstermonds

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56. 3M

1921

9t. Simons litt Hie SntsWigmsIkW.

Aalündigung neuer deutscher Vorschläge.

Bern, 9. April. Reichsminister Dr. Simons Rattete am Samstag anläßlich seiner Anwesenheit i Bern dem Ches des politischen Departements Motta, dem Vizepräsidenten Haab und dem Bun­desrat Schulthetz einen Höflichkeitsbesuch ab. Dr. Simons betonte hinsichtlich der Reparationsfrage feinen entschiedenen Willen, innerhalb der Grenzen jtes Möglichen zu der Wiedergutmachung beizutra- ßen. Er sprach dabei die Ansicht aus, daß die deutsche Regierung wohl demnächst Gelegen­heit haben werde, ihren guten Willen zu beweisen.

Paris. 10. April. DerMatin" breichtet über eine Unterredung seines Berner Vertreters Sauer- vein mit dem Reichsminister Dr. Simons in der

x tiefer erklärte: Ich habe nicht versucht, einen Ein­

griff der Vereinigten Staaten zu erlcmge«. Mein L .Zweck bei der Hebcrzeichnung des Memorandums .war eiufach der, den deutschen Standpunkt gegen­über den der Verbündeten auseinanderzusetzen. Was mich betrifft, so erinnern Sie sich, daß ich in Spaa unserem guten Willen, die verwüsteten Ge- i - biete aufznbanen, klar ausgesprochen habe. Aber

fcs handelt sich nicht nur um den Wiederaufbau, j Frankreich will ohne Zweifel Geld haben. Das ist viel sihwieriger, denn Geld haben wir nicht. Wir können das Problem nur durch eine Verstän­digung mit Frankreich lösen. In der Reparations­frage ist Frankreich die beherrschende Macht, und G keine seiner Verbündeten wird es daran hindern, M 'immer schärfere Zwangsmaßnahmen enzuwenden. habe niemals auf die Uneinigkeit unter den Verbü.'.deten gerechnet, also muh man mit Frank- .reich verhandeln. Aber ich glaube nicht cm die Methoden von Paris und London. Man mutz neue Grundlagen suchen und neue Verhand­lungsarten. Die Zahlungsfähigkeit eines Landes unterliegt nicht nur technischer Beurteilung, sie ist auch eine physiologische Frage: denn die Arbeits- 1 dedingungen spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. In dieser Hinsicht bin ich viel optimistischer, was k Deutschland anbetrifft, als viele andere. Aber das Abkommen, das man treffen will, mutz in weitestem Matze diesem physiologischen Faktor Rechnung tra­gen. Ich kann Ihnen sagen, daß ich nicht Minister einer Regierung bleiben würde, die nicht den abso­

luten Willen hat, ihre Verpflichtungen bis zur i äußersten Grenze der LeGungsfähigkeit j Deutschlands zu erfüllen. Uebrigens bin ich der

; Ansicht, duh wir in wenigen Tagen in nmviderleg-

j barer Weife unseren guten Willen bewei- j f e n werde». Ich bin überzeugt, datz das franzö­sische Volk es vorziehen wird, unseren guten Will nt ' f auf die Prooe zu stelken, als durch den Druck dir : I Waffen einen schon entwaffneten Gegner, ohne datz ! f jemand Ratzen daraus ziehen könnte, zugrunde zu ! I richten. Die Ausdehnung und Fortsetzung der Z:r«ngsmatznahmen würde eine ungeheure Gefahr nicht nur für mein Vaterland, sondern ' | anff für ganz Europa bedaqt^n.

Borden neuenZwarkgsmatznahmen

Ruf der Suche nach Helfershelfer«.

: . Nach einer Meldung desVerl. Lokalanz." aus

Paris [üH die französische Regierung ihre Eesand- : t- tcn und Geschäftsträger bei alle den Mächten, die den Frtedensvertrag mit Deutschland unterzeichnet haben, angewiesen haben, festzustellen, inwieweit

-- die einzelnen Staaten bereit seien, sich nach dem 1. Mai mit allen Kräften für die strikte Durchfüh­rung iss Friedensvertrags von Versailles einzu­setzen, inwieweit sie ferner bereit seien, eventuelle Zwangsmaßnahmen zur Erreichung der Erfüllung der Artikel, die bisher von der deutschen Regierung nicht erfüllt worden seien, zu veranlasien. Es heW tzerner, daß dieser zunächst nicht offiziellen Aktion «y den nächsten Tagen eine offizielle fran­zösische 3Z»te an die einzelnen Regierungen folgen werde, die sich mit den gleichen Fragen beschäftige. Man in Paris, daß sich u. a. auch die tschecho- flowaktzche rmd polnische Regierung bereit erklären

werde», ettio an solchen Zwangsmaßnahmen teil­zunehmen.

Wie «rkiutet, sollen die Zwangsmaßnahmen in der Bchhlagnahme der Steuern und Staatsein­nahmen en besetzten Gebiet, eventuell der Erweite­rung der Besetzung bestehen (Essen, Frankfurt a. M.)

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Sie dsotsihe Protestnote an den Völkerbund.

Par«'«. 10. April. Laut Meldungen der ,,Chi- p- rags Zubwee soll die deutsche Protestnote gegen die Zwangsmaßnahmen vom Völkerbund im Juni

l>ie MkiWlgknze.

Aus Koblenz wird den Pariser Abendblätter« gemeldet: Die Verordnung über die Einrichtung des neuen Zoll­regimes am Rhein enthält folgende Bestimmungen:

1. Die Zolleinnahmen, die an den früheren Grenzen erhoben werde», werden dieselben bleiben, wie vor der Durchführung der von der Londoner Konferenz angenom­menen Zwangsmaßnahmen.

2. Die Zolleinnahmen für die Einfuhr in das besetzte Oiebiet aji den neuen Grenzen werden dieselben sein, die der deutsche Zolltarif vorschreibt, aber auf ein Viertel herabgesetzt. .

3. Die Zolleinnahmen bei dem Uebertritt aus dem be­setzten Gebiet in das nicht besetzte Deutschland werden dieselben sein, die der deutsche Zolltarif vorsieht, aber in Papicrmark, das heißt ungefähr der 15. Teil der Hebet* nähme in Goldmark.

Die Gerichte des Besatznngsheeres sind mit der An­wendung der erlassenen Strafmaßuahmr» für Verstöße betraut, die Strafen verhängen können bis zu 5 Jahren Gefängnis und 500 000 Mark Geldstrafe.

Die östliche Zollgrenze beginnt an der holländischen Grenze, umfaßt die Häsen von Ruhrort und Duisburg und de» neuen Brückenkopf Düsseldorf, den Brückenkopf Köln, folgt wieder dem Rhein, verbindet dann bie beißen Brücken­köpfe von Koblenz und Mainz durch eine Linie bei Di:;- Langenschwalbach und folgt dann wieder dem Rhein bis zur elsäfsischeu Grenze.

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Köln, 10. April. Um eine einheitliche Vertretung der Interessen der Industrie und des Handels des gesamten besetzten Gebietes zu gewährleisten, bildeten sänitliche Handelskammern des besetzten Gebietes, der Zentral­verband des deutschen Großhandels, der Einzelhandelsver- band für das besetzte Qkbiet und der Einzelhandelsverband für Rheinland-Westfalen einen gemeinsamen Wirtschafts­ausschuß für das besetzte Gebiet zur Vertretung der Interessen der besetzten" Gebiete gegenüber den deutschen und fremde» Behörde«. --

Entgegen den Meldungen Berliner Blätter ist ftstzu- stellcn. daß Landesrat Dr. Horion, der Stellvertreter der Landeshauptmanns der Rheinprovin», die Uebernahme der Stelle eines Staatssekretärs für die besetzten Gebiete endgültig abgelehnt hat.

Wie dieKöln. Bolksztg." hört, ist dem Kölner Re- aierungspräsidenten Brügger nunmehr das Amt des Staatssekretärs für die besetzten Gebiet« angrtragen worden.

Paris, 10. April. Rach einer Meldung desPetit Varisien" aus Mainz teilte der französische Oberkommissar Tirard mit, daß kein deutsches Flugzeug besetztes deutsches Gebiet überfliegen dürfe.

Freiheft, Gleichheit, Brüderlichkeit.«

Berlin, 9. Avril. Bei der Uebernahme des Kommandos tu Düsseldorf liest der zum Nackfolaer des Generals GauSer ernannte Befehlshaber der 5. fran­zösischen Kavallertedtvision, General Henueeque, durch feinen Adjutanten den Spitzen der deutschen Be­hörde» eine Ansprache verlesen, die In folgenden Wor­ten ausklang:

Als Sohn des siegreicken Frankreichs bringe ich die bohen Ideale der Freibeit, Gleichheit und Brüderlich­keit mit, die das französische Banner bereits seit mehr als einem Jabrbundert durch ganz Europa getraaen bat. Ihre Freiheit wird also geachtet werden unter der Bedingung, daß sie die Sicherheit meiner Truvven nicht bloßstellt und datz die Ordnung nickt gestört wird. Die Gleickheit wird sich durck gleicke Gerecktiokeft für alle an den Tag legen, und was die Brüderlichkeit be­trifft, fo wird sich die unsere leickt den bescheidenen Tugenden derer zuwenden, die sich plagen und die leiden. AndererseUS wird es an denen sein, die diesen abscheulichen Krieg beraufbesckworen, die Brüderltck- keit aufkeimen zu lassen, indem sie sich bestreben, uns die Grausamkeiten vergesien zu lassen, die ihre Ar­meen in Nordfrankreich und Belgien begangen baben, jenen Ländern, die sie shstemattsch und auf Befehl verwüsteten. Wohlwollend wird mein Wohlwollen nicht bis zur Schwäche herabsinken. Wer sich meinen Beseblen nicht fügt, oder iver sich ihnen widersetzt, wird Gegenstand strenger Matzregeln werden. Ver- fieffen sie nicht, datz Reckt über Gewalt gebt, aber nur unter der Bedingung, datz die Gewalt dem Rechte zur Verfügung steht. Ich verfüge über beides: das soll Ihnen sagen, daß daS Recht geachtet werden wird.

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Tschecho-Slowakei.

Pilsen, 10. Avril. Von dem hiesigen Divisions­gericht wurde das Urteil gegen elf Soldaten und Unter» ossiziere der Maschinengewehr-Abteilung des Infanterie- Regiments Nr. 35 gefällt, die während der bekannten Denkmalunrnhen in Afch im November vorigen Jahres das Denkmal Josefs II. auf dem Bismarckplatz wegen umgestürzt haben. Sämtliche Angellagte wurden von der Anklage des Aufruhrs freigcfprochen: wegen Be­schädigung fremden Eigentums wurden drei von ihnen zu vier Monaten, sieben zu drei Monaten, einer, der außerdem wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens angellagt tvar, zu viereinhalb Monaten Kerker ver­urteilt. Die Verurteilung der Angeklagten erfolgte be­dingt auf die Dauer von zwei Jahren.

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung vom 15 Februar 1921 wurden in Böhmen 8663131 Ein­wohner gezählt. Seit der letzten Volkszählung am 81. Dezember 1910 ist dir Zahl der Einwohner um 119002, das ist um 1,77 Prozent, gesunken. In Böhmen, Mäh­ren, Schlesien wurden 9 994 369 Einwohner gezählt. Hier ist die Zahl der Einwohner seit 1910 um 77126 fO.7G Prozents «funken. ____ .......;

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Starke Mehrheit für Stegerwald.

Berlin, 9. April. Zn der heutigen Sitzung des preußischen Landtags wurde der Abgeordnete Stegerwald (Zentrum) mit 332 von 388Stim­men zum Ministerpräsidenten gewählt; 23 Stimm­zettel waren unbeschrieben, die übrigen Stimmen waren zersplittert. Die Wahl wurde mit starkem Beifall ausgenommen.

Ferner wurde in der endgültige» Wahl Präsi­dent L e i n e r t wiedergewählt, desgleichen Abg. Porfch (Ztr.) zum ersten, Abg. Dr. v. Kries (D.-Natl.) zum zweiten und Abg. Earnich (D. Bp.) zum dritten Vizepräsidenten.

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Nach der Wähl des Ministerpräsidenten wurde der Dringlichkeitsantrag Ebe r le in (Som.) auf Freilas­sung des kommunistischen Abg. Plen ge-Soliiigen. der von der englischen Besatzungsbehörde rerhafiet und nach Köln überführt worden war, behandelt. Der kommunistische Abg. Schönebeck begründete den Antrag.

Der Abg. Deerberg (Teutschnatl.) beantrag!« den Antrag dem Rechtsausschuß zu überweisen, da, bevor Schritte bei der Rheinlandkommission unter­nommen würden, nachgeprüft werden müßte, welches Delikt sich bet Abgeordnete Plenge zuschulden komme» lasse».

Mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien gegen die sozialistischen Fraktionen wurde die Ausschnß- beratnug beschlossen.

Rach Beratung einiger Anfragen wurde die nächste Sitzung für Donnerstag, 14. April, mittags 2 Uhr, angesetzt. Tagesordnung: Anfragen und Interpella­tionen wegen des Aufstandes in Mittel­deutschland und der Einsetzung der Sondergerichte.

Die Wahl, die im preußischen Abgeordnetenhaus am Sonnabend endlich nach langer Verschleppung vorgenommen worden ist, hatte ein Uebettaschungs- etgebnis. Sie stellt, äußerlich gesehen, eine Koali­tion von den Deutschnationalen bis zu den Mehr­heitsozialdemokraten dar. Es wäre aber verfehlt, hinter dieser äußeren Front tatsächlich etwas Der­artiges zu vermuten. Die Wahl selbst bedeutet zunächst nichts weiter, als daß sämtliche Parteien von der Rechten bis zu den Mehrheitsfozialdemo- kraten in bent Minister Stegerwald die Vertrauens- perfon sehen, von der sie eine Lösung der bisheri­gen Regierungsschwierigkeiten erwarten. Es ist selbstverständlich, daß dabei die Erwartungen der Deutschnationalen nach einer ganz anderen Richtung gehen als die der Sozialdemokraten, und -es wird sich erst im weiteren Verlauf der Dinge zeigen müßen, ob Minister Stegerwald tatsächlich im Stande ist, eine Lösung zu finden, die auf der einen oder ande­ren Seite eine genügend starke parlamentarische Gruppe befriedigt. Daß Minister Stegerwald die Rechte und die Linke gleichzeitig befriedigen könnte, ist ausgeschlossen.

Der Plan Stegerwalds.

Ter neue preußische Miniüerptäsident Stegerwald hat sich gegenüber einem Mitarbeiter der ZentrumS-Parla- ments-Kortespondenz übet seine nächsten Pläne bezüglich bet Bildung des Kabinetts wie folgt ausgesprochen: Er hat die Absicht, ein Gefchästsministerium zu bilden, in dem nicht nur Beamte sitzen werden, sondern auch Poli­tiker bezw. Parlamentarier . Er will zunächst Verhand­lungen mit einigen bisherigen Mitgliedern des Kabinetts führen, um diese für das Kabinett zu gewinnen. So hat er die Absicht, de» bisherigen Justizminister Am Zehn- hoff zu bewegen, das Justizministerium zu behalten und den bisherigen Handelsmiuister Fischbeck ebenfalls um sein Verbleiben im Amt zu ersuchen. Das Finanzministe­rium beabsichtigt er dem Demokraten O e s e r anzubieten, der im bisherigen Kabinett Verkehrsminister war. Mini- sterptäsibent Stegerwald will ferner den bisherigen Mini­ster des Innern Sevcring bitten, in seinem Amt zu verbleiben. Das Kultusministerium und das Landwirt- schafisministerium will der Ministerpräsident mit Be­amten besetzen. Das von ihm selbst bisher geleitete Wohlsahrtsministerium will er beibehalten. Mini­sterpräsident Stegerwald sicht diese- von ihm geplante Geschäftsministetium selbst als ein Provisorium an, wäh­renddessen dir Bemühungen fortgesetzt werden sollen, ein« tragfähigc Regierungsmehrheit für ein politisches Kabinett zu bilden.

Adam Andreas Stegerwald ist am 14. Dezember 1874 in Greußenheim bet Würzburg geboren. Nachdem er als Schreiner gearbeitet hatte, besuchte er die gewerb­lichen Fortbildungsschulen in Stuttgart und München. Später widmete er sich nationalökonomischen Studien in München und Köln. Mitte der neunziger Iah« besann

er in der Gewerkschaftsbewegung hervorzutreten. Sieger- wald gründete 1899 den Zentralverband christlicher Holz­arbeiter Deutschlands. Inzwischen war aber sein Nam« so weit bekannt geworben, daß er 1902 zum General­sekretär bei christlichen Gewerkschaften Deutschlands ge­wählt wurde. Im Jahre 1908 wurde er auch als inter­nationaler Sekretär der christlichen Arbetterorganifatio- nen berufen. Zum Studium der Arbeiterbewegung bereiste er England, Holland, Belgien, Frankreich, die Schweiz, Italien und Oesterreich, ©tegcttoalb ist seit März 1920 Mitglied des preußischen Kabinetts Braun als Minister für Volkswohlfahrt.

Presseurteile.

DerVorwärts" rechnet es der Sozialdemokratie als ein besonderes Verdienst an, daß sie durch ihre Stimm­abgabe für Stegerwald die preußische Regierungsbildung zunächst wenigstens um einen Schrill vorwärts gebracht habe und meint, daß andernfalls, wenn Stegerwald nur die bütgerlichen Parteien ans seiner Seite gehabt hätte, er die Wahl sofort hatte ablehnen müssen. Wetter er­klärt derVorwärts", die Sozialdemokratie hätte erst dann für Stegerwald gestimmt, nachdem die Unterhänd­ler des Zentrums die Zusicherung gegeben hätten, daß Stegerwald sofort wieder zurücktreten wolle, falls ihnr nicht die Bildung eine- Kabinetts gelinge, welches auch die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion finde. Dagegen hat dieKreuzzeitung" von Stegerwald selbst erfahren, daß dieser keiner Partei gegenüber Ver­pflichtungen eingegangen ist.

DerLokal-Anzeige?' bezeichnet Lttegerwalb als einen Minister wider Willen, der sich nur im letzten. Augenblick dazu habe überreden lassen, als Retter in bet Not in die Bresche zu springen: Das Blatt begrüßt i« Stegerwald eine völlig unverbrauchte Kraft des parla- mentatisch-polltifchen Lebens, der eine große Frische bei Geistes und eine ausgeprägte Beweglichkeit des politische« Denkens mit lebhafter Neigung zu entschiedener Jut- tiative verbindet uud der auf Grund seiner politisch-sozialen lleberzeugung vielleicht in der Lage sei, das Äaatsschifs noch von dem Strudel zurückzureißen, in den es die sozial listische Mißwirtschaft hrneinzusteuern dwhte.

DieDeutsche Allg. Ztg." begrüßt Stegerwald ebenfalls als fingen, einsichtigen und politisch erfahrenen Mann, zu dem man das Vertrauen haben darf, baß unter seiner Leitung bcr preußische Staat über die Schwierig­keiten hinwegkomme, die ihm jetzt drohten. Er werd« allerdings versuchen müssen, sich eine stabilere Grundlage für sein Kabinett zu schaffen als sie jetzt vorhanden ifo wenn bas Kabinett von tangerer Dauer sein soll.

DieTägliche Rundscha u" erklärt es im In«-- esse bet Herstellung geordneter Zustände für erwünscht, buu Stegerwald die Lösung seiner schwierigen Ausgabe ge­linge. Die Vorbedingungen dafür seien glücklich, weil Stegerwald zunächst das Vertrauen aller Parteien genießt, so daß verschiedene Lösungsmöglichkeite» voo Händen sind.

DieBossische Zeitung" schreibt, daß Stegev- wald in erster Linie darauf hinstreben wird, doch noch eint große Koalition zustande zu bringen und andernfalls fett Mandat in die Hände des Landtags zu rücklegen wecke.

Di« Stellung der Deutschnationalen.

Die Deutschnationale Volkspartei gibt zu der Wahl bei Ministerpräsidenten Stegerwald folgende Erklärung ab:

Die preußische Landtagsfraktion der Deutschnationale« Volkspartei hat bei der Wahl des Ministerpräsidenten ihre Stimme dem vom Zentrum ausgestellten Kandidaten Stegerwald gegeben. Sie mußte das schon deshalb tun, weil bei der Technik des Wahlvorgangs andernfalls kein« Sicherhett dafür gegeben war, daß nicht ein MehrheitS- fozialist, vermutlich Otto Braun, gewählt worden wäre. Die weitere Stellungnahme der Deutschnationale» Volks­partei zum Ministerpräsidenten Stegerwald wirb sclbst- vetständlich von der Art abhängen, wie er das Ministerium zusammcnsetzt. Politisch erstreben die Deutschnationale« für sich nichts. Was sie sachlich von der neuen Re­gierung erwarten, ist in den nachfolgende« vier Punkte« der parteiamtlichen Erklärung vom 26. Mär» biriel Jahres niedergelcgt: 1. Wiederausrichtung der feste« Staatsocknung in Preußen. Wiederherstellung einet fachmäßigen, unparteiischen, von unbrauchbaren Elemente» gereinigten Verwaltung. 2.Beseitigung des bauern* feindlichen LandwirtschaftSmtuisterS. Be­setzung bei LandwirtschastsminifteriumS mit einem F a ch- m a n n, ber das Vertrauen der preußischen Landwirte ge­nießt. 3.Berufung eines Kultusminister?, bet seine Schulerziehung in christlichem unb vaterländischem Geiste verbürgt. ^Strengste Sparsamkeit. AuSze- ftaltnng bet Steuergesetzgebung, die eine weitete wirtschaft liche Aushöhluug bei Mittelstände- vermeidet.

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Amerika.

Für eine ne«e Weltfriedenskonferenz.

Washington, 9. April. Wie bet Vertreter desUnited Telegraph" erfahren haben will, find die republikanischen Führer entschlossen, fich für die Einberufung einer neuen Weltfriedenskonfetenz in den Vereinigten Staaten einzusetzen, um die Cer«, kündeten mit den Deutschen zusammenzukringen. Einladungen dazu sollen innerhalb eines Monat» versandt werden.