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Amtliches LerÄndigungsdlatt des Kreises ÄiarLurg

Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen

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Uv 69 üür ausfallcnbe Nummern infolge Streiks oder elementarer Sieigniffe kein Ersatz. . Verlag von Dr. T. Hitzeroth.Druck de: Unio.-Buchdruckerei von Joh.Aug. Koch,

1921

Poftfcheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Markt 21 23 Fernsprecher 55,

Erstes Blatt

Angenommen, Polen oder bolschewistische Russen überfielen Ostpreußen oder Oberschlesien. Wie soll sich dann die Reichswehr gegen feindliche Gasangriffe schützen, wenn sie keine Borrichtungen dagegen besitzen darf? Bei dieser kindischen Auffassung des Begriffes einer bewaffneten Macht muß man sich nur wundern, daß man überhaupt unserer Reichswehr noch einige Kanonen und Gewehr« belassen hat; denn damit kann doch schließlich auch noch immer einiges Unheil ange­richtet werden. Die Pariser Verfügung bedeutet aber weiter, wenn sie wirklich ernsthaft gemeint ist, eine Aufforderung an unsere Kommunisten, sich für chren nächsten Putschversuch mit Giftgasen, die garnicht so schwer herzustellen sind, reichlich zu versehen.

Allgemeiner Ausstand ab Dienstag angedroht.

London, 8. April. (Reuter.) Eine gemein­same Versammlung der Exekutivausschüsse der Eisenbahner und der Transportarbeiter hat be­kannt gegeben, daß der volle Streik des Dreibundes am Dienstag um Mitternacht beginne» soll, wen» nicht die Verhandlungen zwischen den Berg­arbeitern und den Vergwerksbefitzern wieder aus­genommen werden.

Der Führer der Eisenbahner Thomas teilt mit, daß die Eisenbahngewerkschaften sich einmütig dahin aussprachen, daß die Bergleute im Recht seien, wenn sie die ihnen gestellten Bedingungen ablehnen, weil sie sie als solche empfinden, die nur den Anfang eines allgemeinen Anschlages auf die Lebensbedingungen der arbeitenden Klaffen dar- stellen, und wenn sie erstreben, die Lebenshaltung, wie sie vor dem Kriege gewesen sei, wieder herbei­zuführen.

teidigung zur See. Die Entscheidung über die Zu­kunft Australiens liege in der Verteidigung des -killen Dgeans. Der Vertrag mit Japan müffe in einer etwas abgeänderten Form erneuert werden. Er müffe jedoch auch für Amerika befriedigend sein. England müffe das Bündnis mit der größten Macht im Osten haben. Den Völkerbund nannte Hughes schwerfällig und Bluff. Der beste Hüter des Weltfriedens sei das britische Reich. Die wahre Hoffnung auf Frieden in der Welt liege in einem llebereinkommen zwischen Amerika, England und Japan.

Im dritte« Langeprozetz In Schwerin wurden km ersten Anklagefall (VerSstentltchung des Artikels »Der Poltzeioberst mit der doppelten Moral) sSmiliche An­geklagten sretgefprochen, weil ste auS der Wah­rung berechtigter Interessen heraus handelten. Im zweiten Anklagesall (Artikel .Nord und Süd") wurde Hauptmann v. Plessen, der Landesgeschästsführer der Organisatwn Escherich, wegen formaler Beleidigung zu 300 Jl Geldstrafe und die Redakteure Graf Moltke. und HUgenstoek zu j< 100 * Geldstrafe verurteilt.

Ein deutscher EiutgkeitStag. Beim Reichstag ist eine Eingabe einiger KreiSgruppen des Nationalver­bandes deutscher Offiziere etngegangen, in der gebeten wird, den 19. Januar alS deutschen .Etntgkettstag" zum gesetzlichen Aetettag zu erheben. ___u

DieOberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis inonatliich t.25 Mk durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr.

Kaiser Karl in der Schweiz.

Bern, 8. April. Exkaiser Karl hat den Wunsch geäußert, wiederum bleibenden Aufenthalt in der Schweiz nehmen zu können. Die vom Bundesrat erteilte Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz hat bekanntlich nur provisorischen Charakter und gilt nur einige Tage. Der Bundesrat wird dem­nächst darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen Exkaiser Karl sich wiederum an­dauernd in der Schweiz niederlaffen kann. Ein» weitere Meldung besagt, der Bundesrat hätte be­schlossen, Exkaiser Karl den Aufenthalt in der Schweiz zu gestatten. Nach einer anderen Meldung ist es jedoch wahrscheinlich, daß der frühere Monarch dauernden Aufenthalt in einem anderes Lande, voraussichtlich in Spanien, nehmen wird.

Rülktritt des ungarischen Außenministers.

W i e n, 8. April. Wie dieReue Freie Presse" aus Budapest meldet, gab Dr. G r a tz seinen Rück- tritt und erklärte in einer Unterredung, daß sein Entschluß unabänderlich sei.

Die Zollgrenze am Rhein.

Mainz, 8. April. Die Zollgrenze am Rhein soll am 20. April in Kraft treten.

$u versehen, die lediglich dazu bestimmt sein können, ihnen gegen Angriffe mit besonders gefährlichen Kampf­mitteln Schutz zu gewähren. Erst wenn die Absicht des Friedensvertrages ,den Gebrauch giftiger Gase zu ver­hindern, nicht nur wie jetzt im deutschen Heere, sondern allgem ein verwirklicht ist, wird für Deutschland die NoiweMgkeit entfallen, seine Truppen mit derartigen Schutzvorrichtungen zu versehen. Ich bitte Sie» diese Stellungnahme der deutschen Regierung zur Kenntnis der alliierten Mächte zu bringen.

Die WrdrsM neuen KmaltrngtznahMN.

Paris, 8. April. Kriegsminister V a r t h o u erklärte im Senat: 1914 hätte das siegreiche Deutschland den Frieden sichern können, 1921 müffe das besiegte Deutschland den Frieden sicherstellen. Menn es das nicht wolle, werde es fühlen, daß man die Macht habe. Er habe die gefährliche Ehre, wenn es nötig werde, die Hand zu führen, die Deutsch­land nach dem Worte des Ministerpräsidenten a m Kragen fassen werde. Schließlich behauptete der Knegsminister, aus dem Berichte des Generals Rollet gehe hervor, daß Deutschland eine Politik des Widerstandes und des schlechten Willens ver­folge.

Stuf fei, 8. April. Der frühere Kriegs­minister Maffon erklärte einem Vertreter desXX Siöcle":Wenn Frankreich beschließen sollte, mi­litärische Schritte zu unternehmen, so ist es unser ureigenstes Jntereffe, uns a n z u f ch l i e - ß e n. Wenn Deutschland weiterhin hartnäckig jede weitere Reparationsleistung ablehnt und Frank­reich daraufhin zu entschiedensten Maßnahmen greift, muffen wir an seiner Seite stehen."

Kommunistische Unruhen.

P a r i s, 8. April.Echo de Paris" meldet aus London: Die britische Regierung hat über die schottischen großen Grubendistrikte den Belagerungs­zustand und das Standrecht verkündet. In meh­reren Städten haben die Streikenden die Macht an sich gerissen und die kommunistische Repu­blik ausgerufen. Es find 4 Bataillone der Earde- brigade feldmarschmäßig eingetroffen, um gegen die Unruhestifter vorzugehen.

Außerordentliche Maßnahmen der Regierung.

London, 8. April. (Unterhaus.) Lloyd George teilte mit, daß man an Freiwillige appel­liere zur Bedienung der wichigen Verkehrsmittel und zur Einrichtung als Spezialkonstabler für die Schaffung einer besonderen Rotstandspolizci. Auch sei es nötig, Reserven von Heer und Flotte zu den Bahnen einzuberufen.

Große organisierte Körperschaften der Berg­arbeiter verhinderten durch Drohungen und Ge­walt die Pumparbeit in den Gruben. Die Regie­rung fei entschlossen, die Freiwilligen zu schützen. Sie werde, von allen Hilfsmittels der Allgemein­heit Gebrauch machen.

Die gesamte Abendpreffe steht unter dem Ein­druck der ernsten, durch den Streikbeschluß der Eisenbahner und Transportarbeiter geschaffenen Sage. Im Unterhause erklärte Lloyd George unter großem Beifall, es sei die Pflicht der Regierung als Bevollmächtigte der Ration, diese'Katastrophe zu verhindern. Lloyd George richtete den Ruf an Freiwillige zur Verteidigung des Landes. Die Rekrutierung derVerteidigungskräfte" beginnt den Blättern zufolge morgen.Daily Mail" und Elobe" zufolge sind die Eisenbahner bereit, mor­gen um Mitternacht in den Ausstand zu treten.

Marburg

Sonnabend, den 8. April (DjtermoRb)

Sein teMserät fite Ne SWMk.

(Eine deutsche Slate.

Berlin, 8. April. An die interalliierte Militär- kontrollkommission wurde von der deutschen Regie­rung folgende Note gerichtet:

Durch Note vom 31. März Wird der Beschluß der Botschasterkonferenz zur Kenntnis der deutschen Regie­rung gebracht, Wonach der Gebrauch von Gasschutz- gerät für das deutsche Heer untersagt sein soll. Die deutsche Regierung muß an ihrem Wiederholt zum Aus­druck gebrachten Standpunkt festhalten, daß der Stertrap von Versailles keine Handhabe bietet, das deutsche Heer in bet Verwendung anderer als in Anlage zu Teil 5 Abschnitt 1 ausgcsühtten Materials zu beschränken. Ab­gesehen davon kann die deutsche Regierung nicht er­kennen, aus welchem Grunde es Deutschland unmöglich gemacht werden soll, seine Truppen mit Vorrichtungen

(Monte innere Stile.

Der englische Ministerpräsident hat seinen inner- politischen Feldzug für die nächsten Wahlen aus­schließlich auf den Kampf gegen die Arbeiterpartee eingestellt, die er umstürzlerischer Bestrebungen be­zichtigt,' er arbeitet, um einen bei uns geläufigen Ausdruck anzuwenden, an einer Art Bürgerblock gegen die proletarische Linke. Es gibt Leute, die behaupten, der große Bergarbeiterstreik komme der englischen Regierung sehr gelegen, und sie habe nichts Ernsthaftes getan, um ihn zu verhüten; die Einschränkungen und Unannehmlichkeiten, die er mit sich bringe, seien ihr gerade recht, um die bür­gerlichen und kleinbürgerlichen Mafien mit Revolu­tionsangst zu erfüllen und in der Gefolgschaft der Koalition zu erhalten, die jetzt England ebenso vor dem inneren Feinde zu retten verspricht, wie sie es vorher vor dem äußeren, Deuschland, gerettet hat. Möglich aber auch, daß die innere Krise doch ernster urirbr als daß sie durch Neuwahlen nach Regie- rungswunsch beschworen werden könnte. Die eug- jitoe Arbeiterschaft beginnt jetzt kräftiger als bis­her die wirtschaftfTMn Folgen einer Politik zu spü­ren, die den Wiederaufbau Europas hemmt und niederhält, statt ihn zu erleichtern und zu fördern. Nachdem man erst vor einigen Monaten den Gru­benarbeitern eine Lohnerhöhung zugebilligt hatte, die man zwar als provisorisch bezeichnete, die sie aber natürlich nicht als so rasch vorübergehend auf- fatzte, gibt man sie jetzt der Ungunst der Konjunk­tur preis und mutet ihnen Lohnkürzungen zu, die zum Teil sehr erheblich sind. Zugleich will man sie zwingen, das Prinzip des Einheitslohnes, auf das die großen englischen Gewerkschaften das stärkste Gewicht legen, zu opfern und die Entlohnung nach den besonderen Produktions- und Rentabilitäts- Verhältnissen der einzelnen Bezirke regeln zu lassen. Die gesamte englische Arbeiterschaft sieht in diesen Vorgängen das Zeichen zu einem Abbau der Löhne und zur Aushöhlung der lohnpolitischen Errungen­schaften der Kriegs- und Nachkriegszeit und des­halb sind Eisenbahner und Transpottarbeiter be­reit, den streikenden Kohlenarbeitern zu Hilfe zu kommen. Es wird sich zeigen, ob Lloyd Georges Lavierkunst auch durch diesen Sturm zu steuern ver­mag.

i Du; mMHk Problem.

v Das als Allheilmittel gepriesene parlamen- Arische System hat den Nachweis seiner völligen Aageeignetheik für deutsche Verhältnisse erneut Wld drastisch bewiesen. Das seit sechs Wochen auf­geworfene Problem der Regierungsbildung in Preußen ist keiner Lösung nahegebracht worden, ob- wl)l es mehrere verschiedenartige Mehrheiten im eeuen Landtag gibt. Aber man kann die Parteien und diese sollen ja nach parlamentarisch-demo­kratischen Grundsätzen maßgebend sein nicht guter einen Hut bringen. Die Sozialdemokraten uw ((en die bisherige Koalition, die noch über eine schwache Mehrheit verfügt, fortsetzen und mit keiner brr Parteien rechts vom Zentrum Zusammengehen; bas Zentrum will die alte Koalition nicht fott- fttzen, weil das Wahlergebnis dem offensichtlich ent- Meusteht; die Demokraten wolle«, weder alte Koa- fition noch eine solche mit Zentrum und VqM- yettei (wie im Reiche), da das eine Minderheits- ßsalition wäre, die sie ablehnen: die Deutsche tBoltspartci wäre zu jeder Mitarbeit bereit, lehnt gier die weitgehenden Forderungen der Sozial- bemofraten ab. Die parteioffiziöseNationallibe­rale Korrespondenz" schreibt dazu:

.Was di« Sozialdemokraten anlangt, so gesallen Re i M immer noch darin, gegenüber allen anderen Par- Wen den starken Mann zu spielen. Minister Severtng D« sogar am Dienstag in Berlin ganz offen mit einer Aktion" gedroht offenbar doch für den Fall, das; die ^zialdemokralie sich gezwungen sehen sollte, auf ihre . beriete Machtposition in Preußen zu verzichten. Wir

-rd nach wie vor der Ansicht, daß bei der Neubildung ber preußischen Negierung diese Machtposition unter Wett Umständen gebrochen werden muß, und wir HWtrbcn es sehr bedauern, wenn Zentrum und Demo- tttiifcbc Partei die Soziardemokraten durch Nachgiebig­keit uird uugc,e>hifertigte Zugeständnisse in der Hart- eScfipfcit bestärken würden, ihre bisherige Machtstel- 'kimg in der preußischen Regierung und Verwaltung Wicht preiszugeben."

Es bleibt aus diesem wundervollen Zustaird nur ,,jein Ausweg: ein unpolitisches Eesihäftsministe- iliam aus Fachministern mit einem Ministerpräfi- :beeten, den vermutlich das Zenntrum stellenn wird. Wan nennt die Abgeordneten Sieger wald teb Herold.) Heute wird er gewählt.

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E. v

Berlin, 8. April. Die Fraktionen des preußischen (Landtages und der interfraktionelle Ausschuß hielten [Jäte erneut Beratungen über die Regterungsbilbung ab b)ne $u einem Ergebnis zu komme». Die beurefritiMr Ataktion vertrat, lautBerk. Tagebl.", den Standpunkt, M unter allen Umstanden der Ministerpräsident morgen tzamiblt werben müsse. Diesem müsse e$ dann überlassen Unten, aus Grund des von ihm ausgearbeiteten Pro- tzramms sich mit den einzelnen Parteien in Verbindung H setzen, um sich ihre Unterstützung zu sichern.

LautBerl. Lok.-Anz." Würde ein Zentrums-Minü- Aerpräsident die Unterstützung der Deutschnationalen, der Deutschen Bolkspattei, des Zentrums, der Demokraten, *tr Hannoveraner und der Wirtschaftspattei finden. Ob 'wb die Sozialdemokraten den Zeiitrumskandidateu Wäh­le» werden, ist noch ungewiß. Der gewählte Minister- beäiihfHt wird die Bildung eines Geschästsministerinms vornehmen.

Der sterbende Völkerbund.

Die Ablehnung der amerikanischen Staaten.

fcf London. 8. April. Ein diplomatischer Mit- = arbeitet desDaily Telegraph" schreibt: Infolge » -der endgültigen Weigerung der Regierung Har- jding, dem Bolkerbunde beizutreken, befürchte man, 'befi eine Anzahl von mittel- und südamerikanifchen ( Staaken sich jetzt ebenfalls vom Völkerbunde los» I ' taten werden. Nicaragua habe bereits aus Spar-

Nrnfeitsgrünben seine Verbindung mit dem Völker- tande gelöst. Andere kleinere Republiken seien »ersucht, dasftlbe zu tun, unter der Begründung, taß, seitdem die Teilnahme der Vereinigten Staa­ten ausgeschfossen ist, der Bund für ihre auswär­tigen Interessen zwecklos sei. Argentinien . I»be seine Mitgliedschaft so gut wie eingestellt, seit­dem cs wegen der Nichtzulassung zum Bund die | ®enjer Versammlung verließ, und die Stellung­nahme Washingtons werde Argentinien wahr- taeinlich zum endgültigen Austritt veranlassen. Aach Chile sei stets in der Unterstützung des Völkerbundes lau gewesen.

Schwerfällig und Sluff*

London, 8. April. Nach einerTimes"- Belbung aus Melbourne gab der australische Mi­nisterpräsident Hughes im Parlament eine Er- ! 68tung ab, er fei für die Erneuerung des japanifch- ^glischen Bündnisses. Australien könne nur eine

Nation bleiben mit einer angemessenen Ver-

$05 kMltsiW MM«.

Der Exkönig Karl hat nach achttägigem Aufente halt Ungarn wieder verlassen und ist, unter Be». wachung, in sein Exil zurückgekehrt. Die kleine Entente hat ihren ersten großen praktisch-politischen Erfolg errungen. Es ist noch nicht völlig geklätt und wird vielleicht noch lange nicht völlig aufge­klärt werden, ob die französische Politik bei der ganzen Angelegenheit von Anfang an die eindeu­tige Rolle gespielt hat, die ihre verantwortlichen Träger für sie in Anspruch nehmen. Während kein Zweifel darüber besteht, daß gewisse französische Generalskreise das habsburgische Abenteuer offen begünstigt und ermutigt haben, wird die heimlich» Ermunterung Karls durch die französische Regie», rung selbst von den Pariser Offiziösen energisch in Abrede gestellt. Von den Freunden des Exkaisers wird dagegen die Mitteilung verbreitet, daß der Ministerpräsident Briand Karl versprochen habe, eine vollendete Tatsache zunächst stillschweigend und späterhin ausdrücklich.anzuerkennen. Es fällt schwer zu glauben, daß Herr Briand den Widerstand der kleinen Entente und Italiens, die sich durch eine Rückkehr der Habsburger in ihren Lebensinteressen bedroht suhlen, so gering eingeschätzt haben sollte, daß ec rfiit einer solchen Politik durchzukommen meinte. Auch wenn Karl von Habsburg klüger, männlicher und entschlossener aufgetreten wäre, hätte das Ergebnis feines Putsches kaum anbstt sein können. Er hätte sich vielleicht etwas länger in Ungarn gehalten, hätte eine gewisse Anzahl be­waffneter Anhänger um sich gesammelt, und es wäre schließlich möglicherweise zu Zusammenstößen mit tschecho-slowakischen ober südslawischen Trup­pen gekommen. Indes hätte Ungarn nach dem be­waffneten Eingreifen der kleinen Entente ebenso vollständig und wahrscheinlich unter härteren und demütigenderen Bedingungen nachgeben müssen, wie vorher. So wenig gefestigt die staatlichen Ver­hältnisse und jo widerspruchsvoll die Jntereffen der Völker und Regierungen auf dem Gebiete der ehe­maligen österreichisch-ungarischen Monarchie auch noch sind, gegen eine Wiedererrichtung des Habs« buiger Reiches ober eines ähnlichen, die Selbstän« big feit bet Nachfolgestaaten bedrohenden Gebildes, stehen alle diese Länder schon heute einmütig und mit ausreichender Kraft zusammen. Die franzö­sische Polittk wäre schwerlich stark genug, diesen Widerstand zu überwinden, und es ist, wenn sich nicht ganz grundlegende Veränderungen vollziehen, sehr unwahrscheinlich, daß sie einen ernsthaften Versuch tu dieser Richtung unternehmen wirb.

Die Abwehr der Habsburger durch die kkeine Entente liegt durchaus im deutschen Interesse. (Ein Reuösterteich unter französischem Protektorat wäre eine ausgesprochen deutschfeindliche Macht; es wäre ein Werkzeug bet Einkreisung und Nieder« Haltung Deutschlands und würde die Vereinigung bet Deutschen des Reiches mit denen der östetteichi« scheu Alpenlänber verhindern. Die mitteleuro« päische Konstellation, die ihren Ausdruck in der klei« nen Entente findet, macht auf die Dauer den An­schluß Deutsch-Oesterreichs an das Reich unvermeid­lich,' auch dann, wenn die Tschecho-Slowakei sich Frankreich gegenüber verpflichtet haben sollte, die­sen Anschluß ohne die Zustimmung des Bölkerbun-' des mit Waffengewalt zu hintertreiben.

Der Anzeigenpreis betrögt für die 9 gejp. Colonelzeile oder deren Äaum 75 Pfg. u.

10 Auychlag, amtliche und auswärtige 1. Mk. Andere Spaltenbreite« «ach r* entsprechender Berechnung. Spät einlausende oder den Raum über y, Seite «in- jy, 011011 nehmende Anzeigen find wir berechtigt, nach der Textspaltendrette zu setzen und zu ----

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