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Amtliches Lerkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (bas früher kurhefstfche) Oberheffen

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Marburg mordüo, de» 4. wi lOftermondj

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Kaiser Karls Versuch, den ungarischen Thron TJfii sich Lurch sein überraschendes Erscheinen zu 'retten, ein Entschluß, der keinesfalls von seiner 'Person allein ausging, ist endgültig gescheitert. Dir {»gälische Nationalversammlung hat sich in einer benaschend scharfen Form gegen ihn gewandt und Einstimmig einen Beschlußantrag des Abg. Hencs, Mitgliedes der Partei der kleinen Landwirte, an­genommen, in dem die Nationalversammlung den unerwarteten, Besuch als Ruhestörung schärfstens ,/erurtcilt. Gleichzeitig wurde dem Reichsverweser horthy einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Die größte Üeberraschung ist die Einstimmigkeit des Beschlusses, die darauf deuten läßt, daß selbst die eifrigsten Anhänger Karls ihn und vor allem ihren Führer Andrasiy im Stich gelaßen haben.

! Die französische Unterstützung, die zweifellos von gewißer Seite Karl von Habsburg in Aussicht gestellt worden ist, bleibt deshalb aus, weil die Franzosen eingesehen haben, daß die Zeit für eine Berwirklichung ihrer Pläne zur Begründung eines Reuen Donaustaaienbundes noch nicht gekommen ist. Die jungen Staaten bedürfen noch zu sehr der [inneren Festigung, ehe sie sich auf solche Sachen ein- lassen können. So wurde es ihnen nicht schwer, Kaiser Karl fallen zu laßen wie eine heiße Kar­toffel. llnd das ist das Ende.

i Vor der Abreise.

SKsi en, 4. April. Die formellen und technischen 'Vorbereitungen für die Rückreise Kaiser Karls sind Abgeschlossen. Die Rückreise wird von Sieinamangrr tot§ augelreten. Als Bereiter während der Durch- «eise über ^österreichisches Gebiet werden drei Offiziere Üer Entente als Ehrcnkar'aliere, Organe der Sicher- ' heikswache sowie der Wehrmacht und ein Funktionär

Auswärtigen Amtes vorgesehen. Nach Mitteilun- ßen von österreichischer Seite wird die Abreise als dnmiiteibar bevorstehend angesehen. Man erwartet, baß Kaiser Karl sich bei seiner Mreise mit einem Ausruf an die ungarische Nation wenden werde. Bis sech liegt eine Nachricht, baß die Abreise schon erfolgt ist noch nicht vor.

W i e n , 3. April. Nach Meldungen Wiener ölätter aus Steinamanger sei Exkönig Karl unter Kicbererscheinungen an einer Halsentzündung e r - krankt und müße das Bett hüten.

Berlin, 4. April. Laut „Berliner MontagVost" har Kaiser Karl feine E'nwilligung zur Mreise von der Auszahlung der'seil drei Jahren nicht 'bewilligten K i v i! l i st e abhängig gemacht.

Salzburg, 3. April. In der Landtagssitzung verlas der Landeshauptmann eine Erklärung sämtlicher Par­teien des Landtages, wonach sich diese einstimmig gegen die Durchreise des ehemaligen Kaisers durch daS Gebiet fr- österreichischen Monarchie Verwahrung einlegen.

Lausanne, 2.April. Der Staatsrat des Kanton »Saobt beschloß, dem Bundesrate mitzuteilen, daß der Exkaiser Karl nicht mehr im Kanton geduldet werden Kniif, nachdem er seinem ausdrücklichen Versprechen, sich jeder politischen Tätigkeit während seines Aufenthalts in PranginS zu enthalten, nicht nachgekommen ist.

Sin Armeebefehl Horthys.

Wien. 3. April. Wie der Budapester Korre­spondent des „Neuen Wiener Tagblattes meldet, wird heute eine außerordentliche Ausgabe des Amtsblattes erscheinen, die einen Armeebefehl des Reichsverwesers Horthy enthält. In diesem Be­fehl wird mit Genugtuung festgestellt, daß die Ein­heit der ungarischen Nationalarmee fest und un- erschüttert ist und daß es der Wille der National­versammlung sowie der ganzen Nation sei, daß im gegenwärtigen verfassungsmäßigen Zustand keine Aenderung herbeigeführt werde.

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Polnische Kriegsvorbereitungen.

> Marienwerder, 3. April. Wie die hiesige ' »Weichselzeitung" aus zuverlässiger Quelle hört, j find kriegerische Vorbereitungen im Gange, die sich ; gegen die oberschlesischen sowie die ost- und west- \ preußischen deutschen Gebiete richten können. Seit der Abstimmung in Oberschlesien wird offensichtlich wiederum mobilisiert. Selbst die kleinsten Orte sind mit Militär voll belegt. Die artilleristische Aus­rüstung ist vorzüglich. An der 'Grenze ist das Mi- tär stark konzentriert. Mit militärischen Trans­porten sind sämtliche Strecken belegt. Offiziere und Eoldaten find sich darüber klar, daß die Maß­nahmen gegen Deutschland gerichtet find. Man Nluß annehmen, daß schon in den nächsten Tagen ein polnischer Angriff bevorfteht.

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Dppersberf und Korfanty auf der Reife nach Paris. ,r; Berlin, 3. April. Wie die „Kreuzztg." aus plverlässiger Quelle hört, ist Graf Oppersdorf, der

noch vor der Abstimmung über die polnische Grenze flüchtete, mit Korfanty nach Paris gereist, um dort für die Abtretung eines ungeteilten. Ober­schlesiens an Polen zu wirsken.

Berlin,». April. Wie die „Boss. Zeitg." meldet, ist im Kreise Rybnik dank des energischen Durchgreifens der italienischen Besatzung und der englischen Kontroll­offiziere die Rühe wieder hergestellt. Eine große An­zahl der Mitglieder der „Bchawka Polska" ist fest­genommen.' In Schwalowitz wurden auf einem pol­nischen Bauerngut schwere Maschinengewehre, Wurf­minen. 20 Kisten Munition beschlagnahmt. Die ober- schles ichen Zeitungen erscheinen wieder alle, die Zensur bleibt indessen bestehen.

Breslau, 3.April. Heute mittag eröffneten Obor- vräsident Zimmer für Niederschlesien, Oberpräsident Bitta für Oberschlesien und dann den ersten für die gesamte Provinz Schlesien gemeinsamen Provinzialkand- tag. Beide Redner wiesen ans das Gesetz hin, das Ober- und Niederschlesien einen eigenen Provinziallandtag ge­währt.

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Die offiziösen Berichte über die Lage im mitteldeut­schen Aufruhrgebiet versichern seit mehreren Tagen, die Beruhigung nehme immer mehr zu, die Aufstandsbewe- rtng .flaue ab, die Lage bessere ZK. Gleichzeitig muß aber immer wieder von Toten, Verwundeten, Plünderun­gen »Ermordungen, Erbeutung von Waffen und von neuen Aufftandsneswrn berichtet werden, wie auch zu- gestanden wird, daß den schwachen und unzureichend be­waffneten Polizeitruppen „an Kräften weit überlegene, mit Waffen aller Art ausgerüstete" Aufständische gegen- übersteben, „die vor keinem Terror zurückschrecken". Ammer neue Banden tauchen überraschend aus und halten die Polizeitruppe in Atem. Der berüchtigte Kommunisten- ffihrer Hölz ist noch immer nicht unschädlich gemacht. Sieht- das nach sorischreitender Beruhigung aus? Zu­zugeben ist, daß die Aufruhrzantren Eisleben, Mansfeld, Hettstedt, das Leuna-Werk in der Hand der Regierungs­macht sind und somit dort die Schreckensherrschaft der Kommunistenbanden erledigt ist. Aber dafür haben diese 'hre Tätigkeit in steigendem Maße aus das Land «erlegt, wo sie tveiter Plündern, erpressen, rauben und morden. Die bedrängten unb in ihrer Feldbestellungs­arbeit behinderten Bauern lener Gegenden haben sich wiederholt an Regierung und Oberpräsidium um Hilfe gewandt.. So richteten die Kreisbauernschaften des Mansselder Seekreifes folgendes Telegramm an Hörsing:

,15 Ortschaften sind geplündert, die Schupo ist zu schwach und abgekämpft, mehrere Personen sind erschossen. Wir fordern sofortigen Einsatz der Reichswehr. Sind sonst gezwungen, Selbstschutz zu organisieren."

Der Reichslandbund wandte sich wiederholl an die Regierung und richtete zuletzt an den Reichskanzler, den Reichsernährnngsministcr, den preußischen Ministerpräsi­denten und den Landwirffchaftsminister folgende Drah- tung:

,,Wetterführung geregelter landwirtschaftlicher Produk­tion durch Aufruhrbewegung in Mitteldeutschland verhin­dert. Beantragen wirksame Maßnahmen znm Schutz von Leben und Eigentum des Landvolkes im Interesse der Bolksernährung."

Bisher ist ein wesentlicher Erfolg dieser dringenden Bitten nicht zu verzeichnen gewesen, sodaß es verständlich erscheint, wenn die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Es scheint fast, als ob für manche Organe der gegen­wärtigen Regierung ein Aufruhr damit erledigt sei, daß die Aufrührer nicht mehr städtische oder industrielle Bevölkerung, sondern „nur noch" das Land drang­salieren, dessen Schicksal ihnen offenbar gleichgül­tiger ist."

Die Regierung scheint in ihrem Opsimismus der Anächt zu iein, daß jede Gefahr von kommunistff't.or Seite gebannt sei, wenn die Rusrührerbanden zersprengt und an weiteren Gewaltakten vor der Hand gehindert sind. Das wäre eine gefährliche Selbsttäuschung. So schnell geben diese radikalen, von Moskau unterstützten Kreist thre Sache nicht verloren. Ans den letzten Verhand­lung der kommunistischen Aktionsausschüsse wird der „D. Tagesztg." »nitaeteilt, daß die mitteldeutsche Ans- standsbewegung nur von rleinerem Maßstabe unb ge­wissermaßen ein Ablenkungsmanöver sein sollte, um die Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Auf­marsch abzuziehen, her von Norden und von Südde ntschland her zu der für den 15. bezw. BO. April geplanten Hanptaktion erfolgen sollte. Die örtlichen Führer indessen, vor allem Hölz •unb Me rges, hielten sich nicht im Rahmen der Ver­abredungen, sondern trieben die Dinge weiter, und all­mählich gingen auch die in Bewegung gesetzten Kräfte aus eigenem weiter. Infolgedessen sei die Parole der Zentrale, die bereits am Ostettonnabe-rd a b b l i e s, viel­fach nicht durchgedrungen und erst allmählich sei es ge­lungen, im mitteldeutschen Aufstandsgebiet abzuwiegeln. Nach außen hin sei das Eingreifen der Zentrale nicht in Erscheinung getreten, weil man gerade in der Ver­wirrung, die durch di- zersplitterten Tellaktionen her­vorgerufen wird, die letzten Vorbereitungen für die Durch­führung der Generalaktion ungestört glaubte treffen zu können.

Aufmerksamkeit. .Sneraie unö CcklaLberettfchaft sind Dana® mehr wie je am Platze.

BÄM LÄubttW d« WMttts.

Magdeburg, 2. April. Die Meldestelle des Oberpräsidiums teilt mit: Im Regierungsbezirk Magdeburg alles ruhig. In Westeregeln (Kreis Wanz­leben) wurde erneut Dynamit gefunden.

Regierungsbezirk Merseburg: Es werden noch fort­während Streifen ausgeführt, die von Erfolg sind. So wurden zwischen Hettstedt und Eisleben noch 44 Personen festgenommeit. In Wittenberg ist der Streik abgebrochen worden. In Liebenwerdw ist alles ruhig. Hier verhaftete eine Radfahrerpatrouillc die H'aupt- rädclssührcr. Im Unstruttale finden andauernd Strei­fen statt.

Im Regierungsbezirk Erfurt ist alles ruhig. Die kommunistische Flugdlattagitätion dauert an. Die Fest­nahme von Kommunisten, welche sich an dieser Agita­tion beteiligten, dauert fort.

Oberpräsident Hörsing erläßt folgende Bekanill- machung: Seit dem 10. 3. kamen in der Provinz Sachsen u. a. schweren Berb rechen hauptsächlich zahl­reiche Dynamit-Attentate an Privateigentum, öffent­lichen Bauwerken usw. vor. Die Täterschaft ist in einzelnen Fällen bereits festgestellt, jchoch in einer Anzahl von Fällen noch nicht ermittelt. Den Personen, welche Aufllärung über die bis heute unermittelten Verbrechen derart geben können, daß die Strafverfol­gung unb Ucberführung des Täters möglich ist, sichere ich namens des Reichsentwaffn ungs kommissars je nach Art der Uebtrsührung des Verbrechens bezw. muh der Höhe des angerichteten Schadens eine Belohnung von 1000 bis 2000 Mark zu.

Lieben Werda, 2. April. Verbrecherische Ban­den terrorisieren weiter die Bevölkerung und verhindern die Arbeitswilligen am Betreten der Arbeitsstellen. Gestern früh begann unter Führung des Obersten Kretzschmar die Säuberung des Ländchens. Die gestern verhaftet gemeldeten Landwirte Weise und Höche in Größtenmühlen konnten ans dem Gewahrsam be» Banditen flüchten und sind in Sicherheit.

Die Ausgabe der Reichswehr.

Berlin, 2. April. <Amtlich.) In der Oesfent- lichkeit ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß die Reichswehr durch Verfügungen der Regierung ge­hindert sei, an der Niederwerfung des Aufruhrs itr Mitteldeutschland und an der Säuberung des Ge­bietes von den Verbrecherbanden mitzuwirken. Diese Auffassung ist irrig. Die Reichswehr ist seit Ablauf der für ihre Heranziehung technisch erfor­derlichen Zeit im Umkreis des bedrohten Gebietes bereitgestellt. Sie dient zur Absperrung des Gebietes und führte in verschiedenen Orten beson­dere Aufträge für die eigentliche Säuberungsaktion aus. 5m Eesamtgebiet ist die Reichswehr nach ihrer Organisation zu solchen Unternehmungen we­niger geeignet als die zu solchen Unternehmungen ausgebildeten Mannschaften der Schutzpolizei. Trotzdem ist die Reichswehr selbstverständlich be­auftragt, nötigenfalls der Zwilverwaltung Hilfe zu leisten, wie dies ohne Schaden für ihre Aufgaben möglich ist, also namentlich in der Nähe, ihrer Auf­stellung.

Hölz wieder entkommen.

100 000 Mar! Belohnung für Ergreifung des Hölz.

Die „Voss. Zig." erfährt, daß auf die Ergreifung des Kommunistcnsührers Hölz von der preußischen Regierung eine Belohnung von 100000 Mark ausgesetzt worden ist. Auf die Verhaftung des Hölz wird deshalb besonderer Wett gelegt, weil unzweifelhaft feststeht, daß er der g e i st i g e L e i t e r des ganzen kommunistischen Arrfruhrs sowie auch der Urheber der zahlreichen An­schläge auf die Eisenbahnen, Amtsgebäude und auf die Siegessäule gewesen ist.

Hölz ist bei der gegen Beesenstedt unternommenen Aktion wieder entkommen. Die Eislebener Polizei- trnppen haben die unter Führung Hölz' stehende Bande, die 500 Mann stark war, zersprengt. Hölz entkam über die Saale. Die Kommunisten verloren 20 Tote und eben soviele Gefangene; 6 Maschinengewehre, 150 Gewehre unb taufenb Schuß Munition fielen in bie Hände der Polizei. Auch von Merseburg ans wurde eine erfolgreiche Säuberunngsaktion vorgenommen, wobei etwa 50 Gefangene ein geb rächt wurden. Die Aufrührer ließen viele Tote und Verwundete auf dem Platze, sowie ihre ganze Bagage von 40 bespannten Fahrzeugen und mehreren Autos.

Wie dem „Berl. Lokalanz." aus Halle gemeldet wird, nahm Hölz auf Schloß Beesenstedt Quartier. Aus dem Schlosse verschwanden neben Vieh, Bekleidungs- unb Gebrauchsgegenstänben auch viele wettvolle Schmucksachen.

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Laut „Boss. Zeitz." übersteigt bie Gesamtzahl der Gefangenen, bie bisher in Mitteldeutschland gemacht wurden, bereits 2000. t , , ______ .. ,

Meldungen aus Mitteldeutschland besagen, daG mehrfach Leichen der Schutzpolizisten, die in ben Kämpfen mit ben Kommunisten gefallen sind, in gräß­licher Weise verstümmelt sind, was von zustän­diger Seite bestätigt wird. @3 sind photographische Aufnahmen solcher verstümmelten Leichen erfolgt, bie demnächst der Öffentlichkeit als Beiveisstücke rorgelegt werden sollen. ,

In Bernburg wurden sieben Kommunisten, darunttt der Führer der K. A. P. D. Brandenburg verhaftet, die IV, Zentner Sprengstoff bei Görna geraubt hatten. Die Verhafteten gestanden ein, daß sie beabsichtigten, die Eisenbähnbrücke, die mchrheitssozialistische Zeitung, das Rathaus und Kreishaus in Bernburg in die Lust zu sprengen. ,

Eingreifen der Belgier bei MoerS.

Essen, 2. April. Auf der linken Rheinseite be­setzten die belgischen Besatzungstrustpen in der Früh« die Zechen Wilhelmine Mcvissen, Tiergardt 1 unb 2, sämtliche Schachtanlagen bet Zeche Rheinpreußen.

Brüssel, ». April. Die Agence Belgigue meldet über die Zwischenfälle, die sich in Moers ereigneten, noch folgende Einzelbellen: Zwischen den Kommu­nisten, die in größerer Zahl die linksrheinischen Koh- lcnschächte besetzten, und nlchtkommuulsttschen Arbeitern kam es in dieser Gegend zu Zusammenstößen. Belgi­sches Militär griff hierauf ;um Schutze der nichtkom- munistifchen Arbeiter ein unb machte, da sich die Korn« mnirtsten zur Wehr setzten, von der Waffe Gebrauch. Hierbei wurden 3 Arbeiter getötet und 27 verwundet, während die Belgier keine Verluste hatten. Es getane den Truppen, die Ruhe wieder herzustellen. Einige Arbeiter, die sich bei dem Aufruhr besonders hervorge­tan hatten, wurden verhaftet. In der Gegend herrscht jetzt völlige Ruhe.

Der Reichsverkehrsminister an die Eisenbahner.

Berlin, 2.April Der Reichsverkehrsminister er­ließ einen Aufruf an die deutschen Eisenbahner, in bett es heißt: Durch bie verbrecherischen Handlungen sind brave Beamte getötet oder zu Krüppeln geworden. Wer ben politischen Kampf mit Bomben nnb Dynamit in daß Eisenbahnwesen ßindnträgt, bet ist für bie Eisenbahner eine schwere Gefahr, ein Feind, der ihm an Leben unk Gesundheit geht. Wer tückisch des Nachts die Ein­richtungen bet Bahn beschädigt, bet wird zum Meuchel­mörder, insbesondere an jenen Beamten, bie auf bet Lokomotive und im Packwagen zu allererst in ein siche­res Verderben gehen. Niemand hat das Recht, durch Anschläge gegen btt Eisenbahn seine politischen Zie» zu fördern. Wer es tut, ist ein Verbrecher, der keine Schonung verdient. Die Eisenbahn ist auch kein Instru­ment ,das sich zum Kampf gegen die bestehende Verfassung mißbrauchen lassen muß Ich rufe die gesamten deut­schen Eisenbahner zu meiner Hilfe auf, sich selbst, bfe Bahnanlagen und den Bettteb jetzt unb in Zukunft gegen solche verbrecherischen Eingriffe zu schützen. Den Eisen­bahnern. bie bereits in ben letzten Tagen bei der Abwehr bet Anschläge mitgewirkt haben, sage ich meinen wärmste» Dank in ber Zuversicht, daß ihr Beispiel der richtig ev- tannten unb freiwillig übernommenen Berufspslichte» Allgemeingut bet deutschen Eisenbahner wird.

Sine kommunistisch« Verschwörung in Schlesien.

Berlin, 3. April. Wie dem „Berl. Lok. Anz* aus Breslau gemeldet wird, kam man in Walden, bürg (Schlesien) einem großen kommunistischen Komplott dadurch auf die Spur, daß bei dem kom­munistischen Agitator Dembsky eine Explosion von Sprengstoff erfolgte. Bei einer Haussuchung fand man fertige Bomben, Sprengkapseln, Zünder, lose» Sprengstoff, Telephondraht und Telephongerät. Verschiedene Kommunisten, darunter der Stadt­verordnete Dembsky, wurden verhaftet.

Berlin, 2. April. Der Polizeiiräsbnt hat bat angeotbnele Verbot aller Versammlungen unter fre'em Himmel unb aller Straßendemonstrationen aufgehoben.

Berlin, 2. April. In dem Gas-, Wasser- unk' Elektrizitätswerk Lichteilberg ist heute vormittag ein Streik ausgebrochen. Die gesamte Belegschaft verließ den Bettteb in aller Ruhe. Notstandsarbeiten wurde» ansgeführt. Die Arbeiter verlangen die sofortige Auf­hebung des Schießerlasses und wollen durch ArbeitS- rnhe gegen die.Erschießung Sylts demonstrieren.

Berlin, 2. Apttl. Als nachmittags bet Boll­ringzug bie Kanalbrücke hinter bet Gasanstalt That- lottenburg passierte, wurde er von bisher noch unb«« kannten Tätern beschossen. Ein Fahrgast wurde du riß eine Kugel im Gesicht verletzt. Nach Aussagen ver­schiedener Personen sielen heute um die angegebene Zeit auch auf das Laubengelände, das fich in der Nähe bet Kanalbrücke befindet, mehrfach Schüfst, deren Urheber nicht festgestellt werden konnten. f

Berlin, 2.April. Einer Slättermelbung aus Dres­den zufolge kam eS gestern abend in Dresden zu einen* Zusammenstoß zwischen kommunistischen Demonstrante» und der Schutzpolizei, es wurden zahlreiche Verhaftungev vorgenommen.

München, 2. Apttl. Die Poliztt verhaftete al» Hev stellet eines GenetalstteftauftuseS für bk Kommunisten in München ben 26jähttgen nicht immatrikulierten St» beulen Schiff aus Berlin. In seinem Besitz wurdf eine Menge $ropagonbamateriat gefunden. z