Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Nr. 75
Anzeiger für (bas früher kurhessische) Oberhessen
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Mavburg .
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50. M?.
1921
11 Ae Gietemag WteMMIaah.
W Magdeburg, 31. März. Die Meldestelle beim pberpräfideuM teilt mit: In Magdeburg herrscht Ruhe. Winzelne Zusammenrottungen von Arbeitslosen sind ohne Bedeutung. In Westeregeln im Kreise Wanzleben sand «in bedeutender Dynamitdiebstahl statt. Der größte iflleil des Dynamits wurde durch eine fliegende Kolonne der kchuhholiiei wieder ausgefunden. 20 Personen wurden fcstgenommen, darunter auch einige Oesterreicher. In den Lcunatverken herrscht Ruhe. Es treiben sich noch zwei Landen herum, die eine östlich von Halle, die andere im Unstruttal. Die letztere wird bereits verfolgt. Bei einer Unternehmung verloren die Aufständischen in der Nähe Nn Wiehe 15 Tote und 13 Gefangene. Es wurden mehrere Last- und Personenkraftwagen erbeutet. Die Schutzpolizei hatte keine Verluste. Auch bei einem Unter- ; »ehmen gegen Quersurt wurden von einer Bande nach V DL Personen festgenommen. Die Versprengten rotteten sich ■ wieder zusammen und ziehen gegen Anhalt. Im Kreise Liebenwerda treiben die Anarchisten ihr Uittvesen, hauptsächlich in Bockwitz und Mückenberg. Sie requirieren anb plündern. Drei Gutsbesitzer wurden verschleppt. ®i.‘ Eisenbabnbrücke Mückenberg—Plessa wurde von den r Ämimuniften besetzt, um das Hcranzieheir von Truppen
§«! verhindern. Ta§ Kohlenwerk Plötz bei Wettin wurde . -Heute Nacht von Kommunisten beseht. Tie Sicherung des 1 ^Betriebes wirb durch die technische Nothilsa und die Schutz- (Polizei durchgrführt. In .Halle herrscht Ruhe. In Naun- Horf hielt eine Baude einen Personeuzug an und plünderte HH Reisenden aus. Die Verfolgung der Bande wurde in He 'ege geleitet. Auch Lobes neu wurde von einer Haube geplündert. Unter den Gefangenen.befinden sich Ausseir, Oesterreicher, Marokkaner und Alge- tit r. Die Verluste der Kommunisten allein bei der kn nähme des Lrunawerkcs betragen 30—40 Tote und 68 Verwundete.
Erfurt, 31. März. Im Laufe des gestrigen Tages s.tzmrüeu bis in die späten Abendstunden zahlreiche Ver- Hllftungen rgenommcu. In Erfurt-Nord wurde ein Ärger von 60 Gewehren beschlagnahmt. Das Rathgus, las .Hauptpostgebäude und die Gas- und Elektrizitätswerke werden durch die Polizei stark gesichert.
Im Laufe des Mittwoch sind die beiden Kommunisten- - Wrer Förster und Orphal verhaftet worden. Die Wnmunistische Nachrichtenzentrale int Restaurant Blücher Wurde aufgehoben. Von der Polizei sind weitere Brr- Haftungen vorgeuommeu worden, die im Zusammenhang W J** ‘>fm Eisenbahnattentat stehen. Es steht fest, daß । l «kannte kommunistische Führer als Urbeber anzusehcn fab weitere Anschläge waren geplant, um die Be- =, tölkerung zu beunruhigen. Bei einem Kommunisten- i Phrer wurde ein Waffen lager ausgehoben, in dem sich eine größere Anzahl Gewehre, Hattdgranaten und Kmtition befanden. »
Gotha. 31. März. Dem gestrigen Beschluß gemäß k.Wurde der Generalstreik am 30. März beige, legt.
, L iebcuwerda, 31. März. Dir Sage im Bram»- H>5icnrcvicr des Kreises Licüemverda ist seit gestern verschärft. Tic Mitglieder der ncugebiidelen roten Armee swahmeu Haussuchungen vor, die vor allen Dingen der Erlangung von Waffen galten. Die Landjäger 'wurden entwaffnet. Die Nachricht von der Ver- shastuug der Direktoren der Millygrube entspricht nicht Heu Tatsachen. Die Direktoren verhandeln vielmehr arit bi1 n Arbeitswilligen.
Verlin, 31. März. Nach einer Meldung des „Lok.- Rnz." ans Leipzig wurden heute auf dem Leipziger kauvtbahnhos die Hauvträdelsführer des Leunawerkes . verhaftet. Es sind dies die Arbeiter Kempin und krenzlotv. beide aus Berlin. Im Leipzig-Bornaer Braun- - lbhlettrevier wird voll gearbeitet. Neue Zwischenfälle ; Haben sich nicht ereignet.
, Berlin, 31. März. Wie die Blätter ans Halle dtclden, hat der gestern in Halle erlassene Aufruf des allgemeinen deutschen Getverkschaftsbundes, der die Arbeiter zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit auf- ; forderte, zur Folge gehabt ,daß heute in fast sämtlichen L Esttrieben von Halle die Arbeit wieder ausgenommen ' wurde.
Befetzung von Delitzsch.
Leipzig, 31. März. Aus Delitzsch wird be- ttchrct: Die Stadt wurde von der Reichswehr und der Schutzpolizei rampslos besetzt. Zahlreiche Verhaftungen i wurden vorgenommen.
Reue Kämpfe zwischen Leipzig und Halle, 5 Delitzsch. 31. März. Die „Delitzscher Zcitg.- beachtet über die Lage bei Gräbers, der Ort ist gestern Nachmittag 4 Uhr von den roten Banden kampflos Hera um t worden. Sie haben sich in die Gegend 6vn Gütz und Dammendors zurückgezogen, wo sie sich ktnschanzen und plünderitd und raubend ÜMhcr st reisen. Der Gemeindevorsteher in Hkoirschgen ist von ihnen erschossen worden. Der der Bande soll der Petersberg bei e sein. Schutzpolizei und Reichswehr sind von Halle, Bitterfeld und Delitzsch im Anmarsch. Kämpfe Md im Gange.
Berlin, 31. Marz. Nach einer Meldung des ^agebl." war für heute vormittag die Aushebung des mumunistischen Herdes in Groebers angesetzt. Tie Kom- Mnisten hatten jedoch davon Nachricht erhalten und 8™ w der Richtung Osmünde—Landsberg abgezogen.
dem Rückzüge zerstörten sie alle Televhonleitttngcn.
dem Gute Guetz haben die Ausrührer geplündert W de« Gutsbesitzer ermordet. Sie versuchen jetzt * Landarbeiter l« den Streik zu Hetzen.
Die EntlvllUNg der Gwlnerwlrei.
Meie öchkitte Her 9tekfisreoieruno ii Wen.
Berlin, S1. März. (Amtlich.) Bon den in den Pariser Entschließungen gestellten Fristen für die Entwaffnung der Einwohnerwehren läuft die nächste heute ab. Die Reichsregierung nahm, nachdem ihre Einwendungen von der Entente zurückgewiesen worden waren, mit Rücksicht auf die. Bestimmungen des Friedensvertrages und die internationale Lage den Standpunkt eht, daß die Entwaffnung der Einwohnerwehren fristgemäß durchzuführen ist. Im ganzen Reiche wird es auch möglich fein, die Frist vom 31. März, die stch auf die Ablieferung von schweren Waffen und eines Teils der leichten Waffen bezieht, innezuhalten. Nur Bayern scheint in Verzug zu bleiben. Um den Widerstand gegen die jetzt fällige Waffenabgabe durch die Einwohnerwehren in Bayern z» beseitigen, hat die Reichsregierung am 23. März nochmals durch ein vom Vizekanzler Dr. Heinze persönlich überbrachtes Schreiben bei der bayerischen Regierung die ernstesten Schritte unternommen. Es hat die Gründe ausgcfuhrt, aus der die Reichsregirrung die weitere Durchführung der Entwaffnung der Einwohnerwehren trotz aller Bedenken für notwendig hält und ersuchte die bayerische Regierang dringend, der von den verfassungsmäßigen Organen der deutschen Regierung versolgteit Politik, die von allen anderen Ländern einhellig als notwendig anerkannt ist und durchgeführt wird, durch positives Mitwirken bei der Entwaffnung die Bahn zu ebnen, da nach der deutschen Behäckenorganisation die Entwaffnung ohne
geWhiwn ein» MWmllmWm.
Berlin, 31. März. Aus Anordnung des Reichskabinetts bat sich eine Kommission aus Beamten des Reichsministeriums des Innern, des Reichswehrministe- riums und des preußischen Ministeriums in das mitteldeutsche Ausruhrgcbiet gegeben, um an Ort und Stelle sich von den Ergebnissen der Polizeiaktion zu überzeugen. Hefter ihre Eindrücke ist heute in einer gemeinsamen Sitz- uitfl des Reichskabinctts und des preußischen Kabinetts Bericht erstattet worden. Die Feststellungen gehen dahin, daß die Polizei ihre Aufgabe mit der größten Hingabe und in vortrefflichster Weise gelöst habe. Die Maßnahmen, die zur Unterdrückung der Beivegung getroffen waren, können als völlig zweckmäßig bezeichnet werde«. Sie sind so schnell und kräftig durchgeführt worden, löt« c5 die Schwierigkeit der Ausgabe zu ließ, sodaß ein Einsatz von Reichswehr außer den der Polizei beigegebenen Batterien im Äufstandsgebiet weder erforderlich war, noch, wenn keine Rückschläge erfolgen, fernerhin erforderlich werden wird. Die «Äuberung des Gebiets von zersprengten Bauden zur Verhinderung neuer Zusammen- wttungen und zur Feststellung ttnb Festnahme bet «Schuldigen werbe noch geraume Zeit anbauern, die ihrer Natur nach am besten durch die Polizei gelöst werde. Die Polizei wird daher vorerst nodj in dem Aufruhrgebiet bleiben. An einzelnen Aufruhrheiden außerhalb deS von der Polizei befriedeten Gebiets wird nach Bedarf mit Reichswehr eingegrisfen, so gegenwärtig in Liebenwerda. Zu diesem Zweck wird die Bereitstellung des Militärs zunächst beiftehalten. Die Bevölkerung des heimgesuchten Gebiets kann daher mit Vertrauen aas eine baldige völlige Wiederkehr ruhiger und sicherer Verhältnisse rechnen.
Die Verluste der Schutzpolizei.
Berlin, 31. März. Wie die Blätter mMetten, bat die Schutzpolizei bei der Unterdrückung der Unruhen in Mitteldeutschland bis heute 34 Tote, darunter drei Offiziere und 50 Verwundete, darunter zahlreiche Schwerverletzte, zu verzeichnen. In dem Aufstandsgebiet wird jetzt von der Polizei eine durchgreifende Säuberungsaktion durchgefübrt. Es werden Haussuchungen nach Waffen veranstaltet, und nach den schuldigen Aufrührern wird gefahndet.
Die Bercttstellung der Reichswehr.
Von amtlicher Stelle wird miigeieili, daß Ävischeu beut Reick, und Preußen über die Polizeiaktion gegen die kommunistischen Aufrührer keinerlei Meinungsvet- schtedeuheitey bestehen. Die Besetzung von Sanger- haitien, Aschersleben und Bitterfeld durch ReichAvehr- lrnppen ist lediglich als Bereitstellung auszusassen. Von der bayerischen Reichswehr ist zunächst ein Infanterieregiment mit Artillerie und Kavallerie sowie eine Ploniertowpagnie nach Mitteldeuifülland abgegangen.
Max Hölz
soll der Führer der Aufständischen güvesen sein, die das Leuna-Werk, die Rielenanlage zur Erzeugung in Stickstoff, besetzt hatten. In Halle sind Plakate angeschlagen worden, auf denen er die Massen zum Kampf gegett die „Reaktion' aufruft, zu der er auch Herrn Hörsing rechnet. Am Schluss heißt e5t „Wir haben als Geqenmaßnahme das proletarische Stanv- recht verdangt,wir schlachten dteBourgotsie ab oBnc Unterschied des Atters und des Geschlechtes. Wir sprengen ihre Villen in die Lust und «Kämen ihnen das geraubte Geld ab.'
solche positive Mitwirkung der bayerischen Behörden nicht durchg.-sührt werben könne.
An dem Tage der Ueberreichung des Schreibens brach der Aufstand in Mitteidenlschlaud in schwerer Formt aus. Die Reichsregierung ließ durch ihren Vertreter der Münchener Regierung sofort erklären, daß die Reichsregierung dieses Aufstandes mit den ordentlichen Organisationen — Schutzpolizei und Reichswehr — Herr werden toerbe, daß also auch diese Bewegung die Zurückhaltung des jetzt fälligen Teiles der Entwaffnung der Einwohnerwehren nach Auffassung der Reichsregierung nicht notwendig mache. Die jüngsten Ereignisse gaben trotzdem, vor allem wegen der hervor- getretenen Mängel in der B e w a f f u tt n g der Schutzpolizei, den Widerstreben in bayerischen Bevölkerungskreifen neue Nahrung. Eine endgültige Aenßerunz der bayerischen Regiersug liegt noch nicht vor. Tie Reichsregierung hält gegenüber der bayerischen Regierung an dem Standpunkt sest, daß die fällig; Waffenabgabe der Einwohnerwehren durch - zuführen ist. Sie ließ domeutsprechend auch durch beii Reichskommissar für Entwaffnung die erforderlichen Anordnungen wcitergeben. Die Mängel in der Ovganisation und Bewaffnung der Schutzpolizei müssen auch nach bet Auffassung der Reichsregierung ausgeglichen werden, da dieser verstärkte Schutz nicht nur für Bayern, sondern für ganz Deutschland erforderlich ist. Tie Znrückhallung der schweren Waffen und Maschinengewehre bei den Einwohnerwehren in Bayern jedoch ist nach Anffassnng der Reichsregierung kein geeignetes Mittel, um diese oder andere Verbesserungen für ganz Teutschlaich zu erreichen. _ .
Rheinland-Westfalen.
Essen, 31. März. Im rheinisch-westfälischen Industriegebiet ist die Lage unverändert. Auf der linken RLeinstile befinden sich noch die Belegschaften der Zechen Rheinpreußen. Schacht 1,2,3 und ß, Tiergardt, Schacht 1 und 2, Friedrich Wilhelm und Wilhelmine Meißen im Ausstande. Schacht 4 und 5 der Zeche RHeintzreußen sind von den Kommunisten .besetzt. Die Zeche Tiergardt Schacht 1 und 2, die ebenfalls von den Kommunisten beseht war. ist heute morgen wieder freigegcbeu worden. — Wie von kommunistischer Seite mitgeteilt wird, beschloß di; Streikleitung für den Westen in der Nacht den Abbruch de s Streiks.
Dortmund, 31. März Gest«« abend gegen 91/? Uftr wurde im Stadthaus« am' Eingang der Kämmereikasse eine Sprengladung zur Explosion gebracht. Die linke Portalseite ist beschädigt,' die Fensterscheiben wurden zertrümmert. Die Täter sind entkommen.
.Köln, 31. März. Verbrecherische Elemente haben itt der vergangenen Nacht nach einer Meldung der „Köln. Zeitg." die vor einigen Jahren erbaute große Eisenbabnbrücke bei Somiborn durch Dynamit zu sprengen versucht. Zum Glück ist ihr Vorhaben mißlungen.
Berlin, 31. März. Der Polizeipräsident setzte eine Belohnung von 60000 Mar! zur Aufklärung der Dynamitanschläge in Cbarlvttenburg und Spandau aus
Berlin, 31. März. Das märkische Elektrizitätswerk teilt mit: Heute Nacht wurde das Krasiwerk Heger- müble bei Eberswalde von bewaffneten Banden ange- arifseu, die auf die Leute des Werkes Gewehrfeuer richteten, um sich gewaltsam Eintritt in das Werk zu verschaffen. Der Angriff wurde von der eigene« Belcg- schait abgeschlagen.
Breme«, 31. Mär». Der Streik bei der Aktiengesellschaft Weser ist im Abflauen begriffen. Annähernd zwei Drittel der gtüttnien Arbeiter, 5700 Mau«, erschienen heute zur Arbeit.
Stuttgart, 31. März. Eine Anzahl Führer der kommunistischen Partei Württembergs wurden heute bei einer Gcheimsitzung in Anwesenheit zweier zugereister Kommunisten überrascht und da belastendes Material vorgesunden wurde, vorläufig in Polizeigewahrsam genommen.
Berhafttrng des Kommunistenführers Sylt.
Berlin, 31. März. Der Kommuniltenführer, Elettrizitätsarbetter Wilhelm Sylt, wurde heute nwrgen wegen Aufruhrs von der Kriminalpolizei sest- genontme« und auf das Polizeipräsidium gebracht. Stls er auf dem Polizeigcsänguis dem Kriminalkom- missar zur Vernehmung vorgeführt werden tonte, schlug er dem begleitenden Beamten mit der gebauten Faust ins Gesicht und versuchte die Ueberrafcbung des Beamten auszunutzen und zu flüchten. Der Beamte brauchte feine Waffe und schoß. Die Kugel drang in den Rücken, durchbohrte den Körper «nd trat auf der rechten Brustfette heraus. Shtt wurde sofort vom Kreisarzt Medizinalrat Lindemann unterfucht. Die Verletzung ist zwar fchwer, aber nicht lebensgefährlich, da weder Herz noch Lungen getroffen sind.
Wie die Blätter Mitteilen, bestreitet der im Polizei- gefängnis verwundete Kommunist Sylt, einen Flucht- verfuch gemacht zu haben.
Die gestttge Morgenausgabe des .Der Tag' wurde wegen des Artikels .Was nun, Herr Severtng?' be- Wagnahmt. Die Beschlagnahme, «folgte gpj Vergü-
Paris, 31. März. Tie französische Stammel hat dem Antrag, zwei neue Marschälle von FnmH» reich zu ernennen, mit 282 gegen 238 Stimmen «I den Kammerausschuß zurückvcrwiesen. Diese Abstim» tnung wird so gebeutet, daß damit den Antrag als erledigt bezeichnet wetzen kann.
Der Gtoiii de; KmmMWMe«.
Das Reichskabineit Hai seinen Beschluß, die RiichS- ivehr zunächst noch iu Bereitschaft zu halten,, damit begründet, daß die Lage den Einsatz des Militärs nicht mit Notwendigkeit erfordere. Diese Aussassung der Lage spiegelt sich auch iu den Nachrichten vom kommunistischen „Kriegsschauplatz" wieder. Dem äußeren Anschein nach ist die Aufruhrbewegung nameutkich in Mitteldeutschland abgeflaut. Sollte damit das End« der Kam pfbewegung gekommen sei«, so wäre das nicht überraschend. Denn vom ersten Tage des Putschest an lag es ja auf der Hand, daß die kommunistischen Banden selbst in ihrem mitteldeutschen Hauptquartier eine Minderheit darstelltcu, die ihr Regiment lediglich aus die Wirkung des kommunistischen Terrors stützte. Menu den kommunistischen Bunden inzwischen -uuächft einmal der Atem ausg-gangeu wäre, so wäre das nicht zn verwundern. Nichts aber könnte verkehrter sein, als die Auffassung, daß man nunmehr den kommunistischen^ „Zwischenfall" als endgültig beigelegt betrachte« könne und daß die Negierung nun etwa Veranlassung habe, die Hände beruhigt in den Schoß zu legen.
Die kommunistische Atem- itnb Gcsechlspaus? beweist zunächst einmal, wie leicht es gewesen wäre, bet bet Aufwendung der gegebenen staatlichen Machtmittel diesen Schreckensbanden in ein paar Tagen gründlich und endgültig das Handwerk zu legen. Wenn «8 aber am Dienstag noch möglich wa^, daß eine Polizeitruppe bei dem Vorgehen gegen den Ort Gröber? zwischen Halle und Leipzig fernere blutige Verlust« hatte, so zeigt sich darin «klein schon die Unzulänglichkeit der Mwehrmethode, die die preußische Regierung bnrch die Aufbietung sporadischer Posizeitnipps ein- geschlagen hat. Dieser Art der Bekämpfung sind auch terroristische Banden, die nur eine Minderheit barstelleil, auf längere Zeit gewachsen. Sie brauchen ' nur, wie das die Kommunisten auch getan haben, den Schlupfwinkel zu wechseln, um immer wieder von neuem Aufruhr zu stiften und Blntopfer von der Polizei zu fordern. Sie können auch, wie das jetzt der Fall zu sein scheint, sich einmal für einige Zeit' totstellen, um in der Stille sich auf neue Taten vorzubereiten und während der Kampfpause die Generalstreikparole und die mündliche und schriftliche Hetze an der Stellt von Dynamit, Pulver und Blei arbeiten zu lassen. Daß auch diese Wirkung sehr ttefgreifend sein kann« beweist die Lage in Halle. Im übrigen sind auch iw Mitteldeutschland die verschiedenen Brandherde deA kommunistisches Putsches noch keineswegs verloschen, und in den Säubern Sachsen unb Baden sind dir Zustände ebensowenig beruhigend wie im westliche« Industriegebiet.
— Es wäre deshalb verkehrt, den Kommunistenputsch für erledigt zu halten. Es muß gefordert werden, daß sich weder die preußische noch die Reichsregierung durch eine vielleicht nur vorübergehende Beruhigung z« falschen Maßregeln verleiten lassen. Solange man nicht weiß, ob die Kommunistenbewegung tot ober nur scheintot ist, darf auch die militärische Alarmbereitschaft nicht aufgegeben werden. Zum andern aber darf bi« Regierung ihre Arbeit keineswegs als beenbigt ansehen, wenn die Kommunisten von sich aus „Ruhe halten**. Das wäre ungefähr der Standpunkt des Herrn Hörsing, der zufrieden ist, wenn der Kommunist von der Trüm- merpatte seiner Tätigkeit bis aus weiteres nach Hans, geht. Die Regierung hat vielmehr die Pflicht, bet kommunistischen Bewegung ein für allemal das Lebenslicht auszublasen, damit unsere ruhige Entwickelunß nicht wieder durch die Vorkämpfer des Bolschewism«- gestört werde« kann.
lasiung des Siaatskommissarst für die öffentlich? Sicherheit. x •
Eine Denkschrift der preußischen Regierung.
Berlin, 31. März. Die preußische Regier««»! gibt über die Entwicklung, die zu dem Kommuntste«»- aufstand führte, in der nächsten Zeit eine Denkschrift heraus. ।
Gegen die Sondergerlchie.
Die Berliner Gewerkfchaftskommlssion und da« Orkskariell Groß-Berlin des Afabundes fordern in einem Aufruf in der .Freiheit' die Aufhebung der Verordnung über die Sondergerichte.
Anschläge in Ostpreußen.
Weh lau, 31. März. Der .Welllauer Ztg." zu- folge wurde in Goldbach in der vergangenen Nacht ei« Sohn des Besitzers Tftiel von den Kommunisten et« fchosfen. Auch wurden in der Näfte von Goldbach vergangene Nacht verschiedene Telegravhenstangen abgesagt. Der Kleiubahnzug nach Labiau mußte verschiedentlich anhatte««, bis die Telegraphenstangen und -drähte vom Gleis entfernt waren.
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