MechW Rettung
Amülches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
ft. 74
Die ^Oberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlitch t2S Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von 2oh. Ang. Koch. Markt 21,23 — 5-ernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.
Marburg
LmerÄm, Ito 31. Mich lLenzing)
Der Anzeigenpreis beträgt für die 9 gesp. Tolonelzeil« oder deren Raum 75 Pfg. u. 10% Aufs»lag, amtliche und auswärtig« 1.— Mk. Andere Spaltenbreiten nach entsprechender Berechnung. Spät einlaufende oder bett Raum über ll, Sette einnehmende Anzeigen find wir berechtigt, nach der Textjpaltenbreite zu letzen und zu berechnen. Sogen. Reklamen berechnen wir die Zeile mit 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Auskunft durch die Eeschästsstell, und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sondergebühr.
56. m M
Erstes Blatt.
f—~— !■ ■I—IB II—■! HIWI .........
Ae lertrofisiBiötise Snlwafinu« IkilAIM.
Meine Auslieferung der Geschütze der Ostsestungen. Lin unparteiisches Schiedsgericht vorgeschlagen.
Berlin, 30. März. Die interalliierte Militär- kontrollkommisüon hat am 18. März 1921 an das Auswärtige Amr solzende Note gerichtet:
In der Pariser Rote vom 29. Januar 1921 ist der deutschen Regierung der 28. Februar 1921 als Termin ftr die Ausführung gewisser militärischer Bestimmungen ßugebitligt tvvrocn Aus den Meldungen der Kontroll-, »rgane ist nun folgendes festgestellt worden: - 1 Die Auslieferung der über die zugestandene Menge hinaus vorhandenen Waffen ist nicht vollendet, ins- teso:.dere ist neben der zulässigen Zahl von Maschineu-- «lrehren noch die gleiche Zahl von Maschinengewehren zu ürbunaszweckey vorhanden, Utld es ist eine große Menge dusesnandergenommener Waffen vorhanden, unter der Bezeichnung Ertähieile, deren Gesamtwert von der deutschen Regierung selbst auf über eine Milliarde Mark geschützt wird. Andererseits sind verbotene Waffen wie Maschiueupistvken, lange Pistolen und Granattverser nicht «vsgel-esert worden.
2. Das nicht zulässige Artilleriematcrial der Festungen Käsiriii, Königsberg und Lötzen-Boyeu ist noch nicht «sacliefcrt tvürdrn.
3 Die AMieferung des uicht zugelassenen Artillerie- Materials der Küstensestungen ist der Kommission noch nicht angezeigt tvorden. Tie Auslieferung des nicht zu- getasjenen leichte» Festungsmaterials ist zwar bei der Mehrzahl der Festungen im Gange, für Pillau, Marien- bvrg, Königsberg, Lötzeu-Bohen und Küstrin ist sie aber «och nicht im Gange.
Die interalliierte Kontrollkommission nimmt Vermerk Den den oben genannten Verfehlungen. Sie erlaubt sich Krmell darum zu ersuchen, dass vor dem 31. März 1921 Abhilfe geschaffen wird. Sie glaubt ferner hervorheben L> sollen, baß den Bestimmungen der Pariser Note über die Fabriken noch nicht Genüge getan ist.
Auf diese Rote hat das Auswärtige Amt am 26. März 1921 geantwortet: ,
Die Reichswehr besitzt an Geschützen, Mincnwersera, Maschinengewehren, Gewehren und Karabinern nur noch die durch Artikel 164 des Vertrages und durch das Protokoll von Spaa festgesetzten Mengen. Für die sonstige Bewaffnung des Heeres schreibt der Vertrag keine Zahlen h»r. Der Br sch daran überschreitet nickt das Maß taffen, was zur Ausrüstung eines 100 000 Mann-Heeres j erforderlich ist. Tie deutsche Regierung, ist aber, wie sic bereits früher erklärte, bereit, die vo/handelten laugen Distolen und Maschinenpistolen auf die Zahl dec zugelasse- «ea Gewehre und Karabiner in Anrechnung zu bringen, tkbungswaffen können nicht als Waffen im Sinne des Vertrages betrachtet werden, da sie für die Verwendung zum scharfen und blinden Schuß dauernd unbrauchbar gemocht »vorden sind. Die Annahme, daß aus- emandergenommcne Waffen im Werte von 1 Milliarde Mark vorhanden sind, ist irrig, wohl aber sind, wie $4 in meiner Rote vom 11. Februar dargelegt habe, Ersatzteile und Halbfabrikate für Waffen und Munition von solchem Werte vorhanden. Fertige Waffen können ms den vorhandenen Teilen ohne Neufabrikation anderer keile und langwieriger Bearbeitung nicht hergestellt werben. Um die zweckbose Zerstörung großer Werte zu vcr- awckcn, hatte die deutsche Regierung bereits im September 1820 vorgefchlages, die Bestände, soweit sie nicht für die Truppe und die Zeugämter »nmittclbar benötigt werden, im besetzten Gebiete lagern zu lassen. Sie hat diesen Vorschlag in der Note vom 11. Februar erneuert. Tie Kontrollkommission behält sich in ihrer Note vom 19. Februar die Antwort darauf vor. Die Entscheidung der Botschafterkonfereuz ist bis jetzt nicht cingegangcn. Nach Artikel 180 Absatz 4 und Artikel 167 Absatz 1 des Vertrages von Berfaillks ist Deutschla-d berechtigt, das Stiftern ber. befestigten Werke an der Süd- und Cftgrenge mit der am H>. Januar 1920 vorhandenen Bestückung zu behalten. Dem Drucke der Alliierten weichend mußte sich die deutsche Regierung gleichwohl entschließen unter Wahrung des Rechtsstandpunktes die ganze Artillerie- «nsrüstung der Festungen an der Südgrenze und den größten Teil der Artillerie der Lstsestungen auszuliefern, eit hat nur für Königsberg, Küstrin ; tto Venen e-i e Anzahl von Geschützen zurückbehalten, die zur Ver- teibigütig dieser Festungen erforderlich sind. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Osten ist die Auslieferung dieser Geschütze «nmöglich. Aehnlich ist die Sachlage bei bet Ausrüstung bet Festungen mit Nahkampfwaffen tack -gerät. Sie beuische Regierung hat vertragliches Recht aus ferne Beibehaltung. Ueber ihre Verpflichtung tinaus hat sie sich genötigt gesehen, für bie Festungen tat der Südgrenze in die Ablieferung zu willigen. Für die Ostfestungen muß sie an ihrem Recht fest halten. Lei den Küstenwetken ist die Ablieferung des gesamten von "bet Kontrollkommission nicht genehmigten Kriegsmaterials im Gange.
Die deutsche Regierung hat k e i n e r der Bestimmungen des Friedensvertragi's, die die Ausrüstung des Heeres stick der Festungen betreffen, zuwidergehandelt. In den Punkten, die zwischen ihr und den alliierten Regierungen Ureitig sind, ist sie überzeugt, daß sie das Recht aus ihrer Beite hat. Sie erklärt sich bereit, biete Streitpunkte einem inparterffiS«» Schiedsgericht zu unterbreiten.
Simin Serk Meinen In Innn.
Wien, 30. März. Das Erscheinen König Karls in Ungarn erregte hier zwar großes Aufsehen, aber keine Beunruhigung. Die Mehrzahl der Blätter betont, daß der König schlecht beraten war, als er sich zu diesem Schritt entschloß. Wenn Ungarn in seiner Mehrheit auch monarchisch sei und König Karl als seinen legitimen König anerkenne, so hätte seine Rückkehr nur im Einvernehmen mit den Regierungsfaktoren in Budapest vor sich gfjen sollen. Für Oesterreich sei wohl keine Verwickelung zu befürchten, da mit der baldigen Abreise des Königs aus Ungarn bestimmt gerechnet werden könne. Die Blätter bringen Einzelheiten über die Vorgänge in Budapest. Danach habe der König den Reichsverweser aufgefordert, ihm die Macht zu übergeben, dock? Horthy habe erw'dert, daß der König U n m ö g l i ch e s verlange.' Er, Horthy, habe sein Amt von der Nation erhalten, und er könne dieses Amt nur der Nation wieder zurück- gebe». Er müsse, vor die Wahl zwischen König und Volk gestellt, sich auf die Seite des Volkes stellen. Ter König solle Watten, bis das Parlament die Ent- schcid'mg getroffen habe. Ter König sei durck die Mitteilung äußerst erschüttert gewesen und soll seiner tiefsten Enttäuschung Ausdruck gegeben haben, da er einen stürmischen Empfang in Ungarn erwartet hatte. Im Zusammenhang mit dem Erscheinen des Königs in Ungarn hat ,wie die Blätter melden, die Regierung die Verhaftung des legimistisch gesinnten ehemaligen Ministers des Innern Benicky und des Präsidenten des Vereins „Erwachendes Ungarn" Smt'esamyi verfügt. Auch ber ehemalige Stadtkommandant von Budapest Lukasic soll verhaftet wotdeu fein.
In Wiener politischen Kreisen ist mau bet Ansieht, daß der Kaiser auf dem Wege über Tirol und dem südlichen Gebiete Oesterreichs nach Üngcfrn "zu^ück- gereist sei und unter falschem Namen seinen Uebertrsil auf ungarisches Gebiet ermöglichte. Während n('e sonstigen Meldungen besagen, daß sich der Kaiser in Steinamanger befindet, meldet die „Neue Freie Presse", daß et auf Ansuchen der ungarischen Regierung und unter dem Schutze Spaniens aus Ungarn a b g e r e i st sei und sich auf dem Wege nach Spanien befinde. Ten Blättern zufolge soll der Kaiser während ber Besprechung mit dem Reichsverweser wiederholt erklärt haben ,daß er lieber sterben wecke als Ungarn verlassen. Nichtsdestoweniger habe er sich den überzeugenden Worten der ihn begleitenden Offiziere nicht verschließen können und ein gewilligt, wieder avzureifen. Nach seiner Ankunft aus Budapest in Steinamanger nahm bet Kaiser im Palast des Bischofs Aufenthalt,' der von Gendarmen bewacht wird. Tie Garnison von Steinamanger soll dem Kaiser den Treueid geleistet haben.
König Karl Militärdiktator von Westungarn?
W i e n, 30. März. Wie das „Neue Wiener Tageblatt'' erfährt, ist im Laufe des gestrigen Abends in feierlicher Weise in Steinamanger die Militärdiktatur für Westungarn und die westlichen Gebiete Ungarns ausgetusen worden. Exkaiser Karl hat als König von Ungarn die Leitung der Militärdiktatur übernommen und den Obersten Lehar zum Kommandanten seiner Truppen ernannt. Soweit man mit Budapest sich verständigen kann, wecken dort alle diese Nachrichten dementiert.
Der Protest der Verbündeten.
Buda pest, 30. März. Die ungarische Regierung hat heute die Note der Verbündeten erhalten, in der die Wickerkehr ber Habsblitger als ein Kriegsfall bezeichnet wird. Auf Grund dieser Note sind Graf Audrafsy, ferner der Bezirkskommandant von Budapest Paul Hegedüs, Ministerpräsident Teleki und Graf BeIhlen zu Exkaiser Karl nach Steinamanger gereist. Aus Steinamanger ist die Nachricht ein» getroffen ,daß bie dortigen Behörden sich auch weiterhin den Anordnungen, die sie von Budapest erhalten, fügen werden.
Wien, 30. März. Wie eine Zeltungskorrefpon- den; erfährt, ist per angekündigte Schritt bet großen und der kleinen Entente gegen jeden Versuch einer Restaurierung der Habsburger in Ungarn bei 6er ungarischen Regierung bereits erfolgt. Relcksverwefer Horthy beharrt xtuf seiner Haltung gegen den Etköntg Karl, womit sich die Vertretet ber Tschech'o-Slowalot, ber südslawischen und bet rumänischen Regierung zu- rteben gaben.
Die griechisch türkischen Kämpfe. Die Griechen sollen Esli Schehit besetzt haben. Die hellenische Flotte soll an der asiatischen Küste des Schwatzen Meeres ihre Operationen begonnen haben.
Nach einet Neutermeldung aus Athen soll die kema- ltstische Rcgieruilg Angora verlassen und sich nach Sivas begeben haben.
Die Aufvuhvbewegung.
Das kommunistische Hauptquartier in Halle ausgehoben.
B e r l i n, Sv. März. Wie die Matter aus Halle melden, wurde dort das kommunistische Hauptquartier, von dem aus der Aufruhr in Mitteldeutschland geleitet wurde, von der Schutzpolizei ausgehoben. Als die Polizei in die Büroriiume eindrang, sprangen bie beiden anwesenden Kommunisten Schneidr- windt und Hartfeld aus dem Fenster auf den Hof und feuerten von dort aus auf die Beamten. Nach kurzem Feuergefecht wurden beide getötet. Bei der Durchsuchung der Räume wurde eine große Menge Kartenmaterial und Pläne über die Auf- fteüung und Einteil--.ng der Banden, ihre Führung ufw. gefunden. Auch sand sich die Meldung vor, daß die Ansthkäge auf die Zcitungsbetriebe in Halle erledigt seien. Unter den in Aschersleben verhafteten Kommunisten befinden sich fünf, die dringend verdächtigt sind, die Bombenanschläge auf bU Landgerichte in Dresden und Freiberg sowie aus den Bahnhof Hettstedt verübt zu haben. Einer der Bcr- hafteten hat bereits ein Geständnis abgelegt, an den Bombenattentaten beteiligt zu fein. Die Pläne zu den Anschlägen wurden von einem Verfchwörer- komitee ausgearbeitet, das feine Beratungen in Charlottenburg abzuhaltcn pflegt. Die Verdächtigten sind alle Berliner.
Weiter wird gemeldet: 1
Ein Kommando der Schutzpolizei Lbez^afchte in einer Villa in der Reilstratze eine kommunMfthe Zulammenrünft. 2 Flüchtlinge wurden erschossen. Aus den Papieren und Akten, die man im Hause fand, geht bervor, daß man hier auf das Hauptzentrum der Leitung des mitteldeutschen Aufruhrs gestoßen war. Man fand ganze Berge von vorzüglichen Generalstabskarten Mitteldeutschlands sowie Berkchrskarten mit Eintragungen von Sprengungen, die bereits ausgeführt waren oder ansgeführt werden sollen. Ferner fand man militärische Karten, aus denen die Aufstellung der militärischen Organisationen der roten Armee in Mitteldeutschland, die Einteilung der Stäbe und die Routen der Kuriere ufw. hervorgehen. Man fand die Pläne, die sich auf die Aktion gegen die Stadt Halle beziehen und die Absicht der kommunistischen Leitung in Halle zu Tage fördern.
Ueber die Lage in Mitteldeutschland liegen weiter folgende Meldungen vor:
Magdeburg, 30. März. Die Meldestelle beim Oberpräsidenteil teilt mit: In Schkeuditz, Regierungsbezirk Merseburg nnttbe heute die Arbeit eingestellt. Es treiben sich dort bewaffnete Banden umher. Der Verkehr der elektrischen Bahn Leipzig—Schkeuditz ist wegen Streiks eingestellt. In Bitterfeld herrscht Ruhe. In Zornewitz hat heute morgen eine Abstimmung über bcn Streik stattgefunden. 600 stimmten gegen und 200 für den Streik. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist im Gange. In Halle ist das Bild unverändert. Der wilde Streik geht weiter. In Liebenwerba hat sich die Sage zugespitzt. Hier hat heute vormittag eine Versammlung stattgefunden, in der ein Berliner Kommunist auftrat, der behauptete, daß in Berlin der Generalstreik ausgebrochen sei und der aufsorderte, die Aktion auch im dortigen Kreis in schärfster Art durch- zusühren. Daraufhin hat die Versammlung dies einmütig beschlossen. Die Arbeiter versahen sich von neuem mit Waffen und besetzten heute vormittag die Millvgrube, deren Direktoren sie verhaftet haben. Die Arbeitswilligen aus der Grube Lauchhammer wurden vertrieben. Um 2 Uhr war beabsichtigt, sämtliche öffentlichen Gebäude im Ländchen zu besetzen und alle Lebensmittel zu requirieren. In Ohrdrufs, Sömmerda, Langensalza und Worbis herrscht Ruhe. Die Eisen- bahndirektion Erfurt hat 22 streikende Arbeiter ent» lassen. Zweck der kommunistischen Sprengungen und Attentate auf öffentliche Gebäude, Bahnübergänge usw. ist die Zersplitterung der Polizeikräfte. Außer in 2 Betrieben Wick in Erfurt überall gearbeitet. Wiehe bei Artern wucke heute von 150 Kommunisten besetzt. Der Pfarrer und der Bürgermeister wurden verhaftet und sollen gegen ein Lösegelb von 100 000 Mark freigelassen wecken. Die Pfarrei, die Läder und die Post sollen geplündert sein. Der Kirchturm ist mit einem Maschinengewehr besetzt.
W e i ß e n fe l s, 30. März. Bei den Kämpfen mit der Schutzpolizei 'hatten die Kommunisten 50 Tote und viele Verletzte, darunter 25 sehr schwer Verletzte. Die Weißenfelser Schutzpolizei verlor einen Toten und 4 Verwundete.
(Erfurt, 90. MÄH. Der durch die (Sprengung an der EisenbahnMterführung angerichtete Schaden iß
nur geringfügig, dg das Sprengmaterial nicht int Mauerwerk untergebracht, sondern frei in der Unter-» führung niedergelegt worden war. Als Täter komme»« einige 18jährige Burschen in Betracht, die bereits verhaftet sind. Sie gehören der kommunistischen Partei an.
Gotha, 30. März. Die Sage in Gotha ist noch immer ungeklärt. Seit gestern früh ruht das Elektrizitätswerk völlig. Auch das Gaswerk ist seit gestern Abend Jti(( gefegt. Die Staot war letzte Nacht ohne Licht. 'Auch heute ist noch kein Strom vorhanden. Die Zeitungen werden deshalb wieder nicht erscheinen können. Ein großer Teil der Arbeiterschaft ist arbeitswillig, kann jedoch infolge der Stromsperre in den Betrieben nicht voll beschäftigt wecken» Allgemein iftz ein starkes Abflauen der ganzen Streikmache zu bemerken.
Jena, 30. März. Die Arbeiterschaft der Firma Karl Zeiß hat heute früh die Arbeit wieder geschlossen ausgenommen. Der Antrag der Kommunisten, im Betriebe eine Abstimmung über den Generalstreik vornehmen zu (aifen, wurde vom Betriebsrat abgelehnt. Auch die kleineren Teilstreiks sind verpufft.
Leipzig, 30 Mürz. Eine von Gröbern kommende bewaffnete kommunistische Bande besetzte heule mittag Schkeuditz. Ein von Schkeuditz nachLcipzig fahrender Personeuzug wurde von den Aufrührern beschossen. Die Ausstäudischen haben auch den Betrieb der Leipzig—Schkeuditzer Außenbahn vollkommen lahmgelegt.
Bocken i tz, 30. März. Im östlichen Teil des Braun- kohlengcbictes de? Kreises Siebente»rba herrscht seit bem Ostersonnabend der Generalstreik. Zu Ausschreitungen ist es nur in ftvcnigcu Fällen gekommen. So wuckei die Bäulichkeiteu de- Ritterguts Dötlingen bei Elsterweck; zerstört.
Braunschweig, 30. März. Eine kommunistisch- Versammlung sprach sich gestern in einer Entschließung einstimmig für den Ckitmilftreif ans.
Der Dank an die Schutzpolizei.
Magdeburg, 30. März. Oberpräsidcut Hör« sing richtete in seiner Eigenschaft als Regtcrnugskom- mtssar an den Polizeiobersten v. Kl üb er solgende- Daultelegramm:
Rach Niederwerfung des Ausstandes und der gestrigen Besetzung der aufständischen Operattousbasis deS Lcunawerkes spreche ich zugleich im Namen des Ministers des Inneren Ihnen und allen Polizeibeamten verbindlichste» Dank mrd vollste Anerkennung ans. Der rasche Ersolg ist der umsichtigen und energische« Führung ebenso zu bauten wie der aufopferungsvolle» Tatkraft der Polizeitruppen selbst, die trotz der große» körperlichen Anstrengungen mit frischer Begeisterung die Aufständischen angriffen und zerrieben. Diese Leistung ist umso höher eiuzuschätzen als die Gegner numerisch stärker waren und technisch besser a u s g er ü ste t. Major Folte und der ihm unterstellten Truppe, die vom ersten Tage an den Ansturm im Ausruhrgebiet erfolgreich aufbielt, bitte ich noch meine besondere Anerkennung auszusprcchen. Die Namen der Gefallenen und deren Heimadressen sowie die Namen der Verwundeten und bereit jetziger Aufenthalt sind mir möglichst umgehend zu melden, um den Hinterbliebenen und Verwundeten meint Teilnahme unmittelbar übermitteln zu können.
Im westlichen Industriegebiet.
Essen, 30. März. Die Belegickaften aus den Zechen des rheinischen Industriegebiets fuhren heule fast überall vollzählig an, außer auf einigen linksrheinischen Schachtanlagen, wo die Belegschaften stark mit kom- inunistifchen Elementen durchsetzt sind. Die Versuche der Kommunisten, den Generalstreik hervorzurusen, sind demnach vollkommen gescheitert.
Düsseldorf, 30. März. Da die Kommunisten angekündigt hallen, sie würden heute morgen die Arbeitswilligen aus den Betrieben holen, hatten die Arbeiter Maßnahmen getroffen, um dem Terror vor- znbeugen. Auch von der Polizei waren Vorkehrungen getroffen worden. In der Nacht hatten die Kommunisten Plakate angeschlagen, in denen zum Generalstreik und zmn Bündnis mit Sowjetrußland ausge» fordert wurde. Die Plakate wurden von der franzSst- schen Besatzungsbehörde heule beschlagnahmt und entfernt. Die gestrige Nummer der hier erscheinenden .Freiheit- wurde ebenfalls von der Besatzungsbehörde beschlagnahmt. Die Düsseldorfer Arbeiterschaft ist der Streikparole bis auf ganz verschwindend kleine Teils nicht gefolgt
Süddeutschland.
Nürnberg, 30. März. Die Kommunisten fange» an auch in Nordbayern sich zu regen. Heute morgen wurden in Nürnberg Flugblätter und Handzettel verbreitet, in denen zum Generalstreik und zur Verhinderung von Mafien-, Munition- und Truppentransporten nach Mitteldeutfckland ausgesordert wird. Der Bezirksvorstand ber sozialdemokratischen Partei Frankens ruft die Arbeiterschaft aus, den Moskauern nickt die Kastanien aus dem Feuer zu holen, geschloffen t» den Betrieben zu bleiben und sich nicht von unbetont« Wörtlichen gewissenlosen Leuten ausputschen zu laffe»
Karlsruhe, 30. März. In der beigangette» Nacht kam es in Ettlingen zu einem Zwischensatz Etwa 12 Insassen des dortigen Reserve-LarEtH j