Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Marburg Mittwoch, im 30. Marr
(Leu,in,)
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5t. 3M
1921
Die Aufvuhvbewegung.
Stt SmM mit ieiM« Solle.
■ C Berlin, 29. März. Infolge des Verkaufs von Ikeparationskutzle durch die verbündeten Empfangslän- btr richtete die deutsche Regierung an die Reparations- kommisfi.n in Paris und die belgische Regierung eine Skote, in der auf die umfangreichen Verkäufe deutscher ßkeparatipuskohlc durch die Empfangsländer hinge- foiesen wird. Äte deutsche Regierung hat in der Note dom 6. 12, v. I. durch Vermittlung der deutschen ^lkriegslasrenkammifsion ohne Widerspruch der Repara- twndfommiyiea ihren grundsätzlichen StandMnkt wiederholt dalsin Kum Ausdruck gebracht, daß Deutschland Üwaigen AuÄauschgeschäften mit Reparationskohle zu- 1 f ftimme und au dem daraus entstehenden Vorteil be- diligt wekderr muß. Noch weit weniger als derartigen Nusta'.rfchgeschZsren fann Deutschland dem Verkauf von KeparatiouÄkohle in der geschilderten Art zustimmeu. Deutschland könne trotz allkr Bemühungen die ihm duferlegten Zohlenlieferungcn nicht erfüllen. Der Kinspruch der deutschen Regierung gegen Höhe und Art dieser Auflage ist bisher unberücksichtigt geblieben, «msowenige: iA es für sie erträglich, wenn andererseits schne BeteilrINng Deutschlands und noch" dazu unter erhebliche Teile dcrsenigen Lieferungen, wtiair pe nutet schtveceit Schädigungen der eigenen Wirtschaft saft allen verbündeten Ländern zugeführt, i beringt wird.
i Gute neue Konferenz in Parks?
» | 'n a i i s, M. März. „Homme Libre" erfahrt ans
• »oft für den Ha", daß neuerdings i * eine intrrMWsite Konferenz notwendig werden sollte, M Orcse tu ParlZ jtattfinden wird.
Mviartts Reise nach Amerika.
Dre Frage Le» Ratifikation des Versailler Vertrages.
Paris. 23k März. Nach einer Havasmeldnng ans NewchorI ist der Abgeordnete V i v t a n t gestern in Rc>»Vdrk LNGekomuieu. Er erklärte bei feiner An- Wnst. er lii ms8 den Vereinigten Staaten gekommen, .um de» ueuea Präsidenten der Republik der Achtung ; der sranzalrjchea Regierung und des französischen Volkes ;,n versichern.
Loudon. 28. März. Die .Morning Post" meldet buZ Wajoingiau über die Mission ViviaNis: Viviani werde den Man. den die sranzösische Negierung aus- tzearbeiret habe, um die Vereinigten Staaten zur katifilatkou des Vertrages von Versailles und »um Eiuirtü hi den Völkerbund zu bewegen, Vordringen. Es sei aber zweifelüaft. ob der Präsident lifleitbtoetoe Zusicherungen geben werde. Die end- Uültige anSMsirrtge Politik Amerikas sei bisher nicht Zmsgearbeilrt worden, Harding befinde sich zwischen Vvei Jeurrn. Di« letzte Novemberwahl habe eine Leiluahme bee Bereinigten Staaten am Völkerbund Ausgeschlossen und allen weiteren Erörterungen lein Gute gemacht, die Begeisterung der Bötterbunds- trinde sei rt6e» versrüht. Es bestehe in Amerika Imnierhin noch eine starke Partei zu Gunsten der Ratifikation des Derhages von Verseilles durch die Ver- tintfllctt Staaten, selbst wenn die Ratifikation unter Vorvettalteu vefoigr. Interalliierte Rechtsgelehrte erklärten. daß, wenn die Bereinigten Staaten den Friedensvertrag tttiy ratifizieren, sie keine» Anspruch auf die tiorntalifiw deutschen Kabel oder über die Verfügung der vormals deutschen Inseln erheben könnten. 'Die malcrieLeu Interessen würden den Vereinigten - Staate» die Zkdkifikation zur Pflicht machen.
P a r i 4, W. Marz. Die Vereinigten Staaten haben tot alle Verbandständer eine Note gerichtet. In dieser soll Ameriklr }Äen Vorbehalt hinsichtlich der Abkom- Ntftt gemilcht daSeu, die ohne seine Mitwirkung im Lause des Krktzg^ getroffen wurden.
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Simin Sari in Insoni.
Budapest. 29. März. Das Ungarisch« Tele- Draphett Äort^pvubenzbüro meldet: Ostersonntag Nachmittag erschien König Karl unerwartet in Budapest sind suchte dbll Reichsvcrweser Nikolaus v. .hortHy stuf. Nach kurze» Besprechung hat der König auf Wunsch des Mkchsverwcsers und der in Budapest weilenden Parteiführer und Regier» ngsmitglievern die Hauvtsttkdi verckafsen. Die ungarische Regier»ug hat BersügunMt» zndossen, damit die Rückkehr des Königs Karl nach einem nentralcu Staate ermöglicht werde. In der tztzupistadt und im Laude herrscht vollständige Kühe. TaS Pirbitkinn erhielt von der Reise des Königs kam» SlfitutaiS.
3nt MkavI »es früheren König Karl in Ungarn erfährt »ie Korrespondenz: Der frühere König
toar Sonnsö«id in Stein antanger eingetroffeu und & beim dorkiPlk Bischof abgestiegen. Ministerpräsident Gras TÄekr w»vde nach Steinanranger berufen. So- toofjl er wie DberD Lehar haben dem früheren König don der Durch-Shrung seiner Absichten abgeraten, trotzdem ftMdev König Sonntag früh im .Kraftwagen siach Budat* In einem zweiten Wagen fuhr Ministerpräsident Leleli, der ungefähr zwei Stunden ^äter in Äuda<»eg eintraf. Der Reichsverweser v. r porthy WK tzzMmmen unvorbereitet, und nach einer
langen Besprechmrg riet er dem König zur Rückreise in die Schweiz. Der König fuhr mit dem Ministerpräsidenten am Sonntag abend von Budapest ab. Er entschloß sich aber während der Fahrt, imLandezu bleiben und soll sich gegenwärtig in Steinamanger befinden. In der Besprechung war auch von einer Zustimmung der französischen Regierung zur Rückkehr des Königs die Rede. Ter sranzösische Vertreter in Budapest hat iuzwischen in formeller Weise bekannt gegeben, daß die Verbündeten sich der Rückkehr des Königs auf den ungarischen Thron widersetzten.
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Die Ausstandsagitation in Berlin.
Berlin, 29. März. Die Nacht und der Vormittag find bis nitf kleine Zwischenfälle in Berlin ruhig verlausen. Alle öffentlichen Gebäude erhielten eine besondere Bewachung. Wie wir hören, wird znr Zeit in den meisten Betrieben abaeltintmt, ob man streiken ober arbeiten soll. Ueberall machen fick kleinere «6 größere Truvps bemerkbar, die in die Betriebe einbringen und die Arbeitswilligen zum sofortigen Streik Zu bewegen versuchen. In einigen Werken wurden die Demonstratiteit von der Polizei verjagt und die Rädelsführer fcstgenommen. Ein großer Demoustrationszug, der von Reinickendorf nach Süden marschieren wollte, wurde ausgelöst.
Die Versuche der beiden fommuni'titoeii Parteien, am Dienstag die Betriebe in Berlin lahmzulegen, find fast restlos gescheitert. Wie der Polizeivräfident Richter laut „Vorwärts" erklärte, wird in der überwiegenden Zahl der Großbetriebe voll gearbeitet. Nur bei einigen ist ein geringer Teil der Belegschaft in den Streik getreten. Die Abstimmung in der A. E. G., Huttenstraße, ergab 12 000 Stimmen gegen und 300 Stimmen für den Streik. Die Direktion hat jedoch baS Werk geschlossen, da ein Teil der Belegschaft ent'Mpsfe» war, blindlings bet kommunistische» Parole zu folgen. In den städtischen Werken ist die Arbeiterschaft entschlossen, unter allen Umständen und eventuell mit eigenen Kräften Stillegungsversnche su verhindern. Im Gaswerk Charlottenbnrg, das als besonders radikal gilt, wurden 564 Stimmen gegen und nur 212 Stimmen für bett Streik abgegeben. Die wenigen Arbeitsniederlegungen find durch planmäßige Falschmel- bitngen, daß die Werke durch die Schutzpolizei besetzt seien, erzielt. In Wirklichkeit ist eine polizeiliche Besetzung bon Judustriewerken bisher nicht nötig gewesen. ,
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Nord- und Ostdeutschland.
Hamburg, 29. März. Die Arbeit auf der Deutschen $iktft wurde in vollem Umfange wieder aufgenom* mcn Ueber die Wiederanfnabnie der Arbeit auf der Vulkan-Werst und bei Blohm und Boß sind noch keinerlei Verbandlungen gepflogen.
Bremen, 29. März. In der Osternacht wurden von den Kommunisten etwa 70 Fernsprechtelegraphen- leitunaen nach außerhalb in unmittelbarer Nähe Bremens abgeschnitten. Die Ostertage sind ruhig verlaufen.
Königsberg, 29. März. Der Obervräsident, der Regierungspräsident und der Polizeipräsident erließen aemtinfam eine Kundgebung, worin der besonnen« Teil der Bevölkerung dringend gebeten wird, sich von kom- munistischen Treibereien fernzuhalten. Der Militärbe- sehlsbaber für den Bezirk des Wehrkreises 1 erließ ein; Verordnung, wodurch kommunistische Versammlungen bis auf toeitertS verboten sind. Alle politischen Verfamm- tungen unterliegen vorläufig der Anmeldepflicht.
Breslau, 29. März. Ter „Schlei. Zeitg." zufolge -’teignetr sich beute mittag in der Nikolaistraße 59/60, wo sich das Parteibüro der Kommunisten und die Redaktion der „Arbeiterzeitung" beftndet, eine gewaltige Explosion, wodurch eine Wand zertrümmert wurde und Hunderte von Fensterscheiben zersplittert. Menschen sind nicht verletzt.
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England.
London, 29. März. Wie die Blätter • melden, bestehen keinerlei Anzeichen für irgend ein Eingreifen der englischen Regierung, in den Streit zwischen Bergwerksbesitzern und B-rgaftbeitern. Eine Gesamt- einstellungderArbeitin den Kohlenbergwerken am 1. April erscheint unvermeidlich.
London, 29. März. „Taily News" meldet, daß zwischen Amerika und England augenblicklich eine Erörterung der Abrüstungsfrage stattsindet. Die Vereinigten-Staaten seien damit formell an England herangetreten. England habe die Frage der giftigen Gase »nd hochexposiven Stosse aufgeworfen. „Daily News" zufolge ergibt sich daraus die Frage einer internationalen Kontrolle der ehemischen Industrie.
„Daily Chronicle" schreibt über die kommunistischen Unruhen in Deutschland, es bestehe kein Grund, wegen der Unruhen eine Verzögerung in der Entwaffnung eintreten zu lassen. Lloys George habe aus gutem Grunde der Frage der Entwaffnung di« größte Wichtigkeit beigemessen.
Spaltung der britischen Arbeiterpartei.
London, 29. März. Eine Minderheit der Unabhängigen britischen Arbeiterpartei beschloß, aus dieser Partei auszuscheiden und sich der Moskauer Jnter- nattonar« gnzuschließ««.
Der Stand der kommunistische« Aufruhrbewegung unb ihrer Bekämpfung kennzeichnet sich durch ein offensichtliches Fortschreiten der im Wesentlichen immer noch mit Polizeikräften ausgeführten Beruhigungsaktion in Mitteldeutschland und das weitere Bemühen der Kommunisten, durch Herbeiführung eines Generalstreiks den Boden für ihre Umsturzpläne vorzubereiten. Soweit man sehen kann, haben sie damit nur kleine Teilerfolge erzielt. In der Frage der Unterdrückung der kommunistischen Unruhen herrscht zwischen der Reichsregierung und der preußischen Regierung Einvernehmen dahin, daß alle Vorbereitungen für das Einsetzen der Reichswehr getrosfen werdeit, falls die Polizei- kräste für die Unterdrückung der Ausstände nicht mehr genügen sollten. Wie eher erklärt wird, ist die preußische Regierung W überzeugt, daß der kom- munististhe Aufruhr kurz vor dein Zusammenbruch steht.
In Mitteldeutschland
wurden bisher ungefähr 1400 Aufständische sestgenom- nteit, wovon die Mehrzahl auf die Lennawerke entfallt, die in der Nacht zum 29. d. Mts. im Sturm genommen wurden. (In der gestrigen Stadtauflage bereits gemeldet.) Da Leuna als stärkster Stützpunkt des ganzen mitteldeutschen Gebiets gegolten hat, wird die Besetzung des Werkes auf die aufrührerischen Kreise nach Ansicht des Ministers Severing niederschmetternd wirken. Die Bewegung werde höchst wahrscheinlich tu Kürze, spätestens bis Ende der Woche erledigt sein.
lieber die Besetzung des Leunawerkes wird aus Merseburg noch gemeldet: Dein musterhaft durch- geführten Angriff wurde zunächst heftiger Widerstand geleistet. Erst als der das Werk umgebende hohe Bretterzaun durch die stürmenden Gruppen des Grafen Poninski überwunden war und hinter diesen Maschinengewehre in Stellung gebracht worden waren, ließ der Widerstand der Aufständischen nach. Ein Entkommen war für die Eingefchlossenen unmöglich, da vom Norden die Gruppe Merseburg, vom Süden eine kombinierte Gruppe Goehrig das Werk ringeschlossen hatten und außerdem die Brücken über die Saale dttrch Lastkraftwagen mit bewaffneten Mannschaften gesperrt waren. Sämtliche Truppen, die an dem Unternehmen beteiligt waren, standen unter der Leitung des Obersten Kluesser. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 1200 erhöht. Das erbeutet« Material ist noch nicht gesichtet. Jedoch sind viele Gewehre, Maschinenge- wehre, drei Lastautos in* ein behelfsmäßiger Panzer- zng erbeutet worden.
Ueber die Lage im einzelnen wird gemeldet:
M a g d e b u r g, 29. März. Aus den Kreisen des Regierungsbezirks Merseburg liegen Meldungen vor, daß tut einzelnen Stellen die Ausständigen sich «viederum zu kleineren Trupps zusammenrottcn. AuS den Aussagen der Gefangenen geht hervor, daß wahrscheinlich Mar Hölz sich im Geiseltal herumtreibt. Bei Gröbern faitb ein heftiger Zusammenstoß zwischen einer Hundertschaft unb Aufständigen statt. Auf beiden Seiten find erhebliche Verluste zu verzeichnen In Magdeburg ist alles ruhig. Es gelang, eine schwere Veibrecherbande. sogenannte Sprengkomma,rdo, festzunehmen. Dies bestand ans lauter Ausländern. In Erfurt herrscht Rübe.
__ Eisleben, 29. März. 11 Uhr abends: In der Stadt ist auch weiterhin alles ruhig. Der er Re fahr-, planmäßige Zug ist heute abend hier eingetroffen.
Wie verlautet, soll heule mittag bei Rieder-Röblingen bas Automobil mit Hölz und dessen Adjutanten unter Feuer genommen worden sein Der Adjutant sei tot, Hölz sei entkommen.
Berlin, 29 März. Nach einer Meldung de? „Lok.-An;" auS Halle befiehlt Oberpräsident Höriing in einem Aufruf den Ausländern, die keinen festen Wohnsitz unb feinen bauernden Erwerb in der Provinz Sachsen haben, diese sofort zu verlassen. Unter den in Halle in der Nacht zum Montag Verhafteten befindet sich auch der 24 Jahre alte Paul Jacob aus Ammendorf, der die beiden l-tzten Eisenbahnattentate in der Nähe von Halle verübt hatte. Er wird von mehreren Staatanwaltschaften steckbrieslich verfolgt. U. a. werden ihm zwei Raubmorde zur Last gelegt.
Nach einet Meldung her „B Z. a. M." wurde eine etwa 500 Manu starke kommunistische Bande, die bk Eisenbahnbrücke bei Ammendorf sprengte und dadurch den Zugverkehr nach Thüringen unterbrach, bei dem Bahnhof Ammendorf durch die Schutzpolizei gefangen genommen. Der berittene Führer dec Bande trug eine russische Uniform. Ein Teil der Bande hatte rusfische Militärmäntel an. Im Bahnhof wurde ein militärisch organisiertes Büro mit Karten unb Plänen gefunden, woraus die militärische Organisation des Aufruhrs hervorgeht.
Erfurt, 29. März. Tie Schutzpolizei wurde heute nachmittag aus dem nördlichen Stadtviertel zurückgezogen, nachdem im Laufe des Tages fast in allen Betrieben die Arbeit wieder ausgenommen worden war. Ausschreitungen haben nickt stattaeiuiideu.
Querfurt, 29. März. Eine Bande hat hier eine Reihe von Geschäften geplündert und die Stadt lass« beraubt. Bor der eintresfenden Schutzpolizei verließe« sie auf Automobilen unter Mitnahme des Bürgermeisters und zweier weiterer Geiseln die ©tabt. Die verfolgeitde Schutzpolizei erreichte die Bande. Bei dem sich entwickelnden Feuergefecht wurden die drei Geiseln verwundet. Eine Anzahl KvmmuniRen, darunter ihr Führer Straube, sielen.
Suhl, 29. März. Heute vormittag wurde hier mit übertoiegtttber Mehrheit der Generalstreik beschlos- fen. Alle Betriebe ruhen. Bon morgen ab können keine Zeitungen erscheinen.
Jena, 29. März. Die Mion dec Kommunisten in Jena war von vornherein dadurch erschwert, daß die Arbeiterorganisationen sich gegen den Generalstreik erklärten. Es gelang den Kommunisten nur, den Betrieber Straßenbahn stittzulegen unb die Arbeiter der Betriebswerkstätten des Elektrizitätswerkes zur Einstellung der Arbeit zu veranlassend
. BerfammlnngS- und Nmzugöverbot.
Magdeburg, 29. Mär». Obecpräsident Hörsiicg erläßt für die Regierungsbezirke Magdeburg und Erfurt eine Bekanntmachung, die alle Versammlungen untet freiem Himmel, Zusammenrottungen unb Umzüge verbietet. Alle in Räumen stattfindendeu Versammlungen finb mindestens drei Stunden vorher der Polizeiverwal- tung zu melden. Diese hat daS Recht der Auslösung und Uebertvachnng bei Gefährdung der Ruhe und Ordnung, auch das Recht eines vorherigen Verbots der geplanten Versammlung.
Au-Zllände.
Halle, 29. März. Nachdem die Einnahme bei Leunawerks in der Arbeiterschaft bekannt geworden war, wurde die Elektrizitütsversorgling fti ff gefegt Die Stadt ist ohne Licht. Der elektrische Bahnverkebr ruht. Die Stillegung der übrigen städtischen Werke, Gas «nd Wasser ist gleichfalls zu erwarte«.
Wittenberg, 29. März. Eine aufgeregte Menschenmenge zwang die biestgen Zeitungen, den Druckbetrieb einzustellen und sich an dem allgemeinen Streik zu beteiligen. Die Zeitungen konnten nicht erscheine«.
Rheinland-Westfalen.
Ausnahmezustand in Esse».
Essen, 29. März. Nach zuverlässigen Na.hrichie» wurden bei einem Zusammenstoß auf dem Kopstadtpiatz in Essen drei Angehörige der Schutzpolizei und elf Demonstranten, also 14 Personen getötet und 10 Man« der Schutzpolizei und 36 Denionstranten verwundet
Henle Nacht wurde bet Ausnahmezustand verhängt. Sie Lag« im Bergbau ü fafgenbe: Im östlich« Industriegebiet siud die Belegschaften tast aller Zeche« vollzählig emgefahrnt Nut ringtfhe Werke streiken, s» in Hamm, Nord-Bochum, Wattenscheid unb Gelsenkirche«. In Essen ist bie Stimmung bet Bergarbeiter ruhiger geworden. Im Duisburger Gebiet und aus bet linke« Rheinseite sind die Belegschaften überhaupt nicht angefahren, und die Arbeit ruht dort vollkomfuen. In bet Kruppschen Fabrik sink» bie Arbeiter heute vollzählig zur Arbeit erschienen, sie tvüuschen ungestört arbeiten zu dürfe« und haben Vorkehrungen getroffen, Ruhestörer fenizubalten. Das Straßeubild ist völlig normal.
Esse n, 29 März. In Essen ist der Tag ruhig versausen. Das „Ruhr-Echo" ist von heute ab auf eine Woche verböte n wegen einer Aufforderung zum Hochverrat und bewaffneten Widerstand gegen die öffentliche Getvalt.
Dortmund, 29. März. Die Stadt ist ruhig Fast alle Betriebe haben die Arbeit tuiebcc ausgenommen. Unter den gestern hier feflgenomtnenen Kommunist«« befinden sich auch der KommnniRenfsihrer Neinberg. Mlftglsickte Aktion der Soinmimisten im Wuppertal.'
Dülleldors, 29. März. Nach Darstellung bt» Düsseldorfer Regierungspräsidenten hat sich die Lage Im ganze» Negierungsbezirk Im Laus« des Heuligen Vormittags eiilspannt. Meldungen aus den Städten des Bezirks besagen, daß überall heute vormittag Ruhe herrscht Dort, wo es Infolge der kommunistischen Schießereien gestern zu Aktionen der Kommunisten gekommen ift, sind diese durch Eingreisen der Schutzpolizei schnell nittcrbriicTt worden. Während in allen anderen Orte» die Arbeiter der Slreikparole nicht gefolgt sind, streiken in Remscheid nock) 50 Prozent der Arbeiter. Der Zugverkehr Von Westdeutschland nach Osten ist auf der Vlocksialion Obordogelsaud Vor Hagen von den Kommunisten gesperri. Die Züge werden deshalb über Hantttgen geleitet Der General- plan der Putschisten, die Stadt Elberfeld und damit das Wiivvertal und das Bergische Land in dw Hand zu bekommen, ist gefdteiieri. Jin Lause des heutigen Vormittags wurden die Stetnbrsiche in Grntser und Dornak nnd f>le doriigen Wälder, ine denen sich ver- fVrcngic Kommunlslenbanden iiniheririeben. durch bk Schutzpolizei grfötibert
Plünderungen und Zusammenstöße.
Berlin. 29. März. Zn blutigen Zusammenstöße» ist es in Wcstt eiftschlanb in Schwelm unb Gevelsberg gekommen Dort lmben bie Kommunisien bie Reichsbank und das Po'amt geplündert. Sie erbeuteten ins- ■ famt 550000 Mark Eine starke Abteilung der Schutzpolizei stellte die Bande. Es fqm zu einem Gefecht, tu dem die Kommunisten 50 Tote unb eine größere Zahl Venoimdete hatten. I« Mettmann würbe nach einem Handstreich auf das Bürgermeisteramt die Reichrbauh« ncbcnstelle von einer Bande besetzt unb 650000 Mark ent»