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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.
Anzeiger für (das ftüher kurheUchej Oberhessen
Die „Oberhessisch« Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatliich 4.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Verlag vonDr. T. Hitzeroth.—Druck der Univ.-Buchdruckerei von Ioh.Aug. Koch, Markt 21/23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Mai».
Marburg SonnaiM den 26. März • (e«*ibi8)
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51.3M 1921
Erstes Blatt.
WtW Böern.
, Ostern, Frühling,, erwachende Lebensfreude, ' Hoffnung, sind im menschlichen Leben allmählich : fast gleiche Begriffe geworden. Goethe hat das im „Osterspaziergang" seines ,,Faust" klassisch formuliert in den Worten: „Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstan- hen.....“ Es erscheint unabweislich, die Ver
knüpfung dieser Bilder jährlich aufs neue vorzu- ' nehmen, und doch kommt sie uns nur von Herzen i und erscheint uns naturgegeben in einer Zeit, in der i auch der Verlauf der Weltgeschichte wie der Le- ■ benslauf des Einzelnen sich natürlich vollzieht. Das aber wird man heute schwerlich sagen können. Wer in diesen Tagen wieder einmal die Evangelien ' aufgeschlagen hat, über deren geistige Kraft und sittliche Hoheit wir, wie selbst Goethe sagte, kaum je hinauskommen werden, der wird zwar aus der Leidensgeschichte Christi von dem Jubel des Aus- ^rstehuugsgedankens entscheidend ergriffen und fortgerissen werden. Trotz allem auch heule! Aber es wäre unwahrhaftig, wollte er, wenn er den Gedanken auf das politische und vaterländische Gebiet lenkt, ihn anders auffassen als eine zwar innerlich notwendige und sichere Verheißung, aber doch für eine Zeit, die wir vorläufig noch nicht fihen.
Die Schwere alles Lesien, was auf uns drückt, ist zu gewaltig, und cs wäre leichtfertig, wollte man das, was als Hoffnungsansätze für eine bessere Zeit sich uns zeigt, zu stark betonen. Freilich darf man sich des Sieges der deutfchei Sache in Oberschlesien freuen. Diese Freude wollen wir uns nicht verkümmern lassen, besonders dann nicht, wcnit wir »ns darüber klar werden, was uns diese Freude begründet. Ist es doch das Erwachen des Zu- fammengehörigkeitsgefühls im Vaterlande. Es <fi an dieser Stelle schon öfter darüber gesprochen worden, daß alles, was uns getroffen hat und noch trifft, im Grunde auf diesem Mangel an Zu- fammengehörigkeitsgefühl beruht, der in unserm Charakter wie in unserer Geschichte wohl begründet, aber für die heutigen Verhältnisie gleichwohl durch- eu» unentschuldbar ist. In der Weltgeschichte haben die Völler schon viele Kriege verloren, auch Deutschland ist nicht zum ersten Mal verschuldet oder unverschuldet einem auswärtigen Feind zum Opfer gefallen. Die Gcschichte lehrt, daß schon früher Völker jelten zugrunde gegangen sind, und wer dell Sinn der Entwicklung im Völkerleben nur einigermaßen versteht, der wird sich sagen müssen, daß heute sicher ein Rückfall in die Sklaverei des Altertums oder die Vernichtung eines 60 Millionenvolks ausgeschlossen erscheint. Nicht nach Naturgesetzen, die unabhängig von den Menschen wirken, sondern allein dadarch, daß die Menschen sich selbst mannhaft gegen ein Los wehren, das heute doppelt naturwidrig erscheint. Auch unser Volk wird seinen Platz in der Welt einst wieder cinnehmen, das dürfen wir hoffen und glauben..
Dazck gehört aber vor allem, daß das Volk die ganze Schwere feines heutigen Loses erst erkennt. ^Siur der kann Ostern feiern, der die ganze Vitter- ' leit des Karfreitags geschmeckt hat. Bislang hat das Volk in seiner Gesamtheit ganz zweifellos die Schwere der Zeit nicht erkannt. In vielen Kreisen herrscht scheinbar eitel Wonne, Luxus und Leichtsinn regieren, ein Kampf aller gegen alle ist um den । Besitz von Geld und Eenutzmitteln entbrannt. In ; dem politisch entmündigten Volke haben die wirt- ! fchaftlichen Fragen den Einzelnen wie das Volk derartig ergriffen, daß uns der Zusammenhang -wischen politischen und wirtschaftlichen Fragen fast abhanden gekommen zu sein scheint. * Eine Mabe, die umso gefährlicher ist, als in den po- 5Atisch geschulten Ländern unserer Feinde eine ^derartige Wirkung unmöglich ist. Dieses Ueber- i Zagen des Wirtschaftlichen, das Verkennen der .Bedeutung des politischen Wollens, der Selbst- ^dehauptung eines Volkes in der Welt erscheint s leider bei uns heute riesengroß. Wollen wir je als [ Volk wieder an einen Aufstieg denken, so gilt es hier -entschlossene Umkehr. Das bedeutet nicht Verleug- kAvng der Wichtigkeit wirtschaftlicher Fragen, im ^Megenteil, ihre Lösung auf dem einzig möglichen k^tzege der Selbstbehauptung des Ganzen nach außen, lieber die trennenden wirtschaftlichen Schranken ^Mweg muß das deutsche Volk deshalb nach außen zusammenstehen. Es ist ein bitteres Geschick, •oft so schwere Schicksalsschläge und harte Not uns -4kp dazu zwingen müssen. Aber leider zeigt unsere Geschichte, daß das der Weg ist, den das deutsche Lvlk nun einmal immer wieder zu gehen hat. ? Neues Leben ist nur da möglich, wo ein Wille H»tr Umkehr vorhanden ist. Für unser Volk-heißt
das, daß nur dann an einen Aufstieg zu denken ist, wenn es einen entschloßenen, einmütigen, gemeinsamen Willen wieder zum Ausdruck bringen kann. Solange es noch auswärtige Völker fertig bringen, dadurch, daß sie sogenannte Ideen als Sprengpulver in unser Volk hineinwerfen, uns nicht zu einer Einigkeit kommen zu lassen, solange haben s i e leichtes Spiel, und die Hoffnung Deutschlands ist ein Schatten. Noch scheint uns aber die Erkenntnis dessen, daß unser Volk bis jetzt von einer Illusion zur andern getaumelt und immer wieder enttäuscht ist, und daß es im Grunde nichts anderes gibt, auf das sich ein Volk verlassen kann als seine eigene Kraft, daß alle Versprechungen andrer Illusion oder Betrug find, nicht völlig durchgedrungen. Aus dieser Erkenntnis allein aber wird bei uns der stahlharte Wille geboren werden, als einiges Volk zu neuem Aufstieg zu gelangen. Brauchen wir deshalb auch nicht an der Zukunft zu verzweifeln, so wollen wir uns doch bewußt bleiben, daß wir zuvor schwere Tage zu bestehen haben werden, in denen unser Volk aufs neue ein harte Schule durchmachen muß. Besteht es diese Probe, so leuchtet auch dem deutschen Volke nach dem Karfreitag ein Heller Ostermorgen, an den wir alle glauben. ***
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Bit Miml des MWMWiMll- teWts.
Die deutschen Einwände abgelehnt.
Die Agentur Havas veröffentlicht die Antwort- We bes^Kriegsentschädigungsausschusses auf die deutsche Mst». vom 22. März, in der die Zahlung von 12 Milliarden Eoldmark bis 1.Mai und 1 Milliarde bis 23. März abgelehnt worden ist, da nach deutscher ^Ansicht die geförderten 20 Milliarden bereits gezahlt worden sind. In der Antwortnote wird erklärt, daß nach dem Wortlaut des Friedensvertrages allein , ber sog. Wiedergutmachungsansschuß dafür zuständig sei, den Wert der von Deutschland bewirkten Lieferungen und Leistungen zu bestimmen und zu beurteilen, was von den bis jetzt bewirkten äiefeiungen auf die 20 Milliarden Eoldmark anzurechnen sei. Das Verlangen, 1 Milliarde Eoldmark bis zum 23. März zu zahlen, habe der Ausschuß gestellt auf Grund der Gewißheit, daß Deutschland genügend Aktiven besitze, um eine solche Zahlung zu leisten. Auf jeden Fall müsse die Gesamtsumme der 20 Milliarden Goldmark des § 235 bis zum 1. 5. 1921 bezahlt sein. Der Wortlaut sei unerbittlich, und die Nichteinhaltung dieses Artikels biete, wie überhaupt jeder Vorstoß Deutschlands gegen seine Verplichtungen, die Möglichkeit, Zwangsmaßnahmen nach sich zu ziehen.
Vor neuen Zwangsmaßnahmen.
Paris, 25. März, lieber die Folgen, die die Weigerung Deutschlands, am 23. März eine Milliarde Goldmark und Ende April weitere 11 Milliarden zu zahlen, nachsichziehen >verden, glaubt „Petit Parisicn" zu wissen, daß die tierbünbeten Regierungen sich jedenfalls darauf beschränken werden, die neuen Verfehlungen Teutschlanüs sestzustellen, sich aber ihre Handlungsfreiheit Vorbehalten. „Matin". behauptet, man erwäge eine Steuer auf alle Produkte, die das Ruhrgebiet auf dem Wasserwege verlassen, die Beschlagnahme der Steuern im Rheinland und der Zölle der auf dem Wasserwege nach Deutschland eingeführten W - n. „Journal" schlägt vor, man solle die natürlichen Reichtümer Deutschlands, die Domänen und Wälder und Bergiverke ausbeuten, neue Steuern einführen und die kommerzielle Ausbeutung Deutschlands organisieren, d. h. die Verbündeten solle» gewissermaßen die ausbeutende Gesellschaft der deutschen Industrie werden.
Paris, 24. März. Nach dem „Petit Journal" hat die Reparationskominiistbn (KriegZentschädigungs- ausschuß) gleichzeitig mit ihrer Mitteilung an die verbündeten Regierungen von der Weigerung Deutschlands zur Zahlung eine Verschärfung der Zwangsmaßnahmen vorgeschlagen, darunter die Abberufung aller preußischen oder nichirheinischcn Beamten im besetzten Gedi.'t und ihre Ersetzung durch im Lande geborene Beamte. Das Blatt meint, um mit dem deutschen Widerstand serllg zu werden, müsse man zu schärferen Maßnahme» greifen. — Per- tinax befürwortet im „Echo de Paris" als weitere Maßnahme die A u ß e r l r a f t s e tz u n g bet* Fristen für die Besetzung der Rheinlande.
Paris, 24. März. Nach einer Havas-Meldung bestätigte B r i a n b vor den ^enatsarisschiissen für auswärtige Angelegenheiten und Finanzen, daß Frankreich unb England durchaus einig darin seien, daß die Besetzungsfrist erst zu laufen beginne, wenn Deutschland anfangen würde, den Friedensvertrag auszufübren.
Berlin, 24. März. Nachdem in Ausübung der militärischen Sanktionen die verbündeten Mächte mit einem schwerbewaffneten Truppenaufgebot am 8. 3. Düsseldorf und Duisburg-Ruhrort besetzt haben, find es überall kleinere Abteilungen, die, ohne großes Aufsehen zu erregen, die für eine allmähliche Einkreisung und Abschnürung wichtiger Punkte im Kohlen- und Induftrie- revier in Besitz nehmen. Am 22. 3. besetzten, die Verbündeten den wichtigen Bahnknotenpunkt Osterfeld, wodurch sie sich Esten auf 10 Klm. nähern. Auch scheint die Besetzung der Schleuse 7 an der Vereinigung des Dortmund-Ems- mit dem Rhein-Herne- Kanal geplant zu sein.
Die augenblickliche Neübefestigung der Sowjets««- schäft in Rußland hat für die deutschen Kommunisten das Signal zu einer Reihe vo» verbrecherischen Gewalttaten gegeben, durch die sie glauben, auch bei uns den Brand der Weltrevolution entfesseln zu können. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Vorgänge im mittel« ratschen Industriegebiet, das immer mehr zum revolu- tirnären Brandherd geworden ist, in Sachsen, Berlin und den norddeutschen Hafenstädten in ursächlichem Zusammenhang miteinander stehen und Teilaktione» sind, die sich zu dem großen, seit langem drohenden,, von Regierungs- und anderer Seite aber nie ganz ernst genommenen kommunistischen Umsturz auswachsen sollten. Auch wer geneigt war, der linksradikalen Agitation kein zu großes Getvicht beizulegen, dagegen irgendwelche Gefahren von rechts sehen zu müssen glaubte, wird jetzt em festes Durchgreiseu der Regierung für unbedingt erforderlich halten. Es will doch allerhand heißen, daß es dec sozialdemokratische Obcrpräsident Hörsing war, der polizeiliche Schutzmaßnahmen gegenüber dem verbrecherischen Treiben im Mansselder und Eislebener Gebiet nicht länger vermeidbar erachtete und dem besondere Vollmachten zur Unterdrückung des Austuhrs verliehen worden sind. Wie es scheint, geben die Aufrührer ihre Sache bereits verloren. Im Einzelnen haben sich die letzten Ereignisse wie folgt abgespielt:
M M»sk in Mi W SislritH.
Flucht bet mehrheitssozialistischen Führer.
Magbeb urg, 24. März. Beim Oberpräsi- benten lag heule mittag solgenber Bericht über die Lage im Aufruhrgebiet vor: Die Lage in Eisloben ist sehr bebrohlich. Die Gefechte bauern fort, lieber all Plänberung und Bränbe. Die mehr- heitssozialistischen Führer schätzen bi« Waffen bet Kommunisten bei Eisleben auf minbestens 40 Maschinengewehre unb 8—10 000 Gewehre. In Oberröblingen und Siebten werden größere Brände beobachtet.
Ankunft von Berstärkungspolizeitruppen.
E i sl e b en, 24. März. (5 Uhr nachm.) Rach heftigen Kämpfen, die feit gestern abend andauerten und auch Opfer forderten, schlug sich eine nicht unbeträchtliche Verstärkungstruppe hierher durch. Um 2 Uhr nachmittags erschien die erste Patrouille Polizeitcuppen wieder in den Straßen, die in kurzer Zeit von den dort herumlungernden Menschen ge- säubert waren. Die neu eingetroffenen Truppen brachten eine ganze Anzahl Arbeiter als Gefangene ein, die ihnen als S p i o n e der Roten Armee entgegengeschickt waren. An dem in der Richtung auf Halle gelegenen Stadteingang hatten die roten Truppen Barrikaden errichtet, die jedoch kein wesentliches Hindernis barstellten. Die Gefangenen wurden sofort zum Aufräumen der Straßen verwendet. Der Bahnhof würbe ben Kommunisten entrissen und von bei Schutzpolizei b e - setzt. Ebenso wurde der im Seminar untergebrachte Teil der Schutzpolizei befreit. Zurzeit wirb noch um bie Mädchenschule gekämpft, in der gleichfalls einige Abteilungen Schutzpolizei untergebracht würben. Sonst herrscht in ben Straßen völlige Ruhe.
Die nach Eisleben entsandte Verstärkungstruppe dec Schutzpolizei wurde gestern abend be'm Bahnhof Stedten von bewaffneten Arbeitern der Ortschaft Schcapiau angegriffen, bie ben Waster- turm am Bahnhof besetzt hatten. Das Feuergefecht hielt bis brei Uhr nachts an, bann ging ber Muni- tienswagcn ber Schutzpolizei in Flammen auf. Bei Sonnenaufgang marschierte bie Abteilung nach Eis- leben wetter, verfolgt von ben Aufrührern.
Magdeburg, 24. März. Wie verlautet, ist der Bahnhof Hettstedt von den Kommunisten gesprengt worden.
In Halle haben die Arbeiter des Gas- unb Wasserwerks bie Arbeit wieder ausgenommen. Die Elektrizitätswerke -arbeiten. Die Hallenser Eisenbähnarbeiter haben Mst 600 gegen 400 Stimmen den Streik abgelehnt.
Ein Diktat in der Frage der Holzlieferungen.
Berlin, 24. März. Die Verhandlungen zwischen bei beutschen Regierung und ber Reparationskommission (Kriegsentschabigungsausschuß) wegen bet zu gewährenben Preise für das gemäß dem Versailler Vertrag an die Verbündeten zu liefernde Holz haben zu keinem Ergebnis geführt. Der Ausschuß ist daher zu einem Diktat unter Festsetzung bet Preise geschritten und besteht auf dem Beginn der Lieferung zu ben in bem Liefetungsvst- ttag vorgesehenen Lieferfristen. Durch bas Mittel ber Ausschreibung wirb versucht werben, ob bie Lieferung zu ben von bet Reparationskommission bestimmten Preisen aufgebracht werben kann.
Rsttzmilitärischer Ausnahmezustand in der Provinz , Sachsen.
Berlin, 24. März. Der Reichspiästbent erließ heute Nacht für bie Provinz Sachsen auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 ber Reichsverfassung unter Gegenzeichnung bes Reichskanzlers unb im Einvcr- stcinbnis mit ber preußischen Regierung Vorschriften zur Wiederherstellung ber öffentlichen Sicherheit unb Dtbnung in ben gefährbeten Eegenben. Es handelt sich hier um einen nicht- militärischen Ausnahmezustand, bei bem die Zivilverwaltuiig mit erhöhten Befugnissen ausgestattet wirb. Dent- entsprechend würbe zum Zivilkommisiar der Ober- präsident der Provinz Sachsen, Hörsing, ernannt.
Bitte um Einstellung des Kampfes.
Die Forderungen der Polizei.
Magdeburg, 25. März. Die Kommunist« n- führer in Eisleben find beim dortigen Kommandcur erschienen und haben um Verhandlung«» über dis Einstellung des Kampfes im ganzen Mansfelds-Hen Gebiet gebeten. Der Kommandeur lehnte aus Weisung des Obcrpräfideute» jede Verhandlung mit den aufrührerischen Arbeitern ab und stellte folgende Forderungen:
1. Die aufrührerischen Bande» stellen sofort deu Kampf ein. Dann wird die Schutzpolizei nicht mehr schießen. 2. Alle Waffen und Munition find sofort abzugeben. Diejenigen, di« freiwillig abliesern, werden nicht nach Ramen gefragt u»d werden auch nicht verfolgt. Sämtliche Kraftwagen unb sonstigen geraubten Sachen sind sofort zurickzugrbrn. Gestattet wird, daß die Ortsbrhörden di« Waffen einsammeln. Die Arbeit ist sofort in alle» Betrieben wieder aufzunehmen. Die erschienenen Kommu- nistensührer unter Führung des Redakteurs Bachstedt der „Malsfelder Volkszeitung" versprochen, bei ihren Leuten mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß die Bedingungen angenommen und vorbehaltlos befolgt werden.
. WHnmo einer toten Am« M Ütm.
Halle, 25. März. Der „Halleschen Zcitg." zufolge ist bie Biümng der toten Kampftruppen in bet GegeniMvon Leuna int Gange. Das Riesenwerk von Leuna ist in ber Hand der Poten, die sich bewaffnet habe» und zu Kompagnie» und Einheiten formiert sind. Bis jetzt sind sie etwa 6000 Mann stark. Die roten Regimenter verfügen über einen wohlvrganisierten Nachrichtendienst mit RaLsahtertruppen usw. Vorläufig nimmt die rott Kampftruppt noch eine abwartende Haltung ein. Gestern gingen? tote das Blatt berichtet, kommunistische Patrouillen in Halle van HauS zu Haus und befählen den Männern, sich zum Eintritt in die Rate Armee bereitzuhalten. Furchtsame, bie der Parole nicht folgen wollten, wurden mit Erschießen bedroht. Die aus der Umgebung von Hallt komrntndtn Nachrichten zeigen, daß bit kommunistische Bewegung sich auch bort immer mehr zu einer einheitlichen Aktion verdichtet. In Ltuna werden alle votbeikvmmenden Männer zum Eintritt in die roten Kampftruppen gezwungen. Nach verschiedenen Ottschaften wurden van den industriellen Zentren aus Streifzüge unternommen, um wehrfähige MStmner zum kommumsti- schen Waffendienst zu pressen. Zwischen Leuna und Ammendorf sind van den internationalen Verbrechern etwa 8000 Gewehrt, die meist nagelneu sind, an bie roten Kampftruppen verteilt worden. Die Technische Nothilfe steht aklionsbertit, doch hat sie noch keinen Befehl zum Einsetzen erhalten. Die Hettstedter Bahnlinie ist durch eine Brücktnsprengung bei Hettstedt zerstört worden. Die Halleschen Straßenbahn« haben sich bisher g'gen den Streik ausgesprochen.
Qutrfurt, 2>. März. Eine Kvmmunistenver- sammlung beschloß die Verkündigung des General« strciks. Sonst ist die Sage hier ruhig. In vev-' schiedenen Ortschaften findet man an ben Häusern
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