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Amlliches VerWMgungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für ldas früher kurhessische) Oberheffm

Rr. 69

Cie ^bcrhejsiiche Zeitung'' erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatliich 4.25 'Sil., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mit „Ober-. Cport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. — Le,lag von Dr. E. Hitzeroth. — Druck der Univ.-Buchdruckerei von Ioh.Aug. Koch, Warte 21.23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg ÄM, Den 23. Mörz l Lenzing)

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56. Mrs.

1921

3er MA Terror in öDerlWen.

DkM ml mteillK.

Ter Absti::.:.cm»gssieg in Oberschlesien ist nicht so glänzend ausgefallen, wie er es in Ostpreußen und in Schleswig gewesen ist. Aber doch dürfen luir ihn mindestens ebenso hoch, ivenn nicht höher einschätzen, -als die erdrückend« deutsche Mehrheit, die sich in den andern Abstimmungsgebieten ergeben hat. Denn in Oberschlesien — das muß mit allem Nachdruck betont werden — in jenem südöstlichen. Zipfel deutscher Erde, der zwischen feindlichen Gewalten eingeklemmt liegt, herrscht seit vielen Monaten der brutalste pol­nische Terror, tobt sick> ein Schreckens­regiment auS, das unter französischer Protektion steht, und gegen das die italienischen und englischen Besaßungstruppen machtlos sind. Dieser Gewaltherr­schaft hat das Deutschtum in vollkommener Ohn­macht nnd Wehrlosigkeit gegenüber gestanden, lind deshalb ist der Abstimmungssieg, der unter der drohenden Mündung der französischen Gewehre und dem erhobenen Knüppel der polnischen Schreckens- baliden erfochten worden ist. als der untrüglichste Be­weis für das Deutschtum Oberschlesiens einzuschützen. Die polnischen Terroristen und ihre französischen Protektoren rechneten mit einem Sieg ihrer Gewalt­politik auf der ganzen Linie. Deshalb haben sie auch schließlich in der Frage der gemeinsamen Abstimmung der heimattrenen Oberschlesier nachgegeben. Sie waren der festen Erwartung, daß das Votum der Heimattreuen nicht mehr entscheideird in die Wagschale fallen kö^ne.

Mau darf heute laut und offen sagen, daß der polnische Terror nnd der französische Schutz, unter dem er sich ausbreiten konnte, bis in die letzte Zeit hinein ununterbrochen deutsches Blut geforbffi hat, und daß auch von den Heimattreuen, die nach Oberschlesien gefahren sind, sicher viele die Treue, die sie dem Deutschtum bekundet haben, mit. Schaden an Leib und Gut, wenn nicht mit dem Leben bezahlen mußten. Um nicht die Heimattreuen von der Reise nach Oberschlesien abzuschrecken, ist die Oefsentlichkeit mit den täglichen Berichten über die polnischen Greuettaten verschont worden. Sonfl hätte die Welt erfahren, wie man dort aus deutscher Erde unter den Augen der fran­zösischen Besatzung gegen das Deutschtum gewütet hat.

Darum ist das, was die unbeirrbare Anhänglich­keit an das Deutschtum am Sonntag an der Wahl­urne selbst in den bedrohtesten Gebieten geleistet hat, nicht hoch genug einzuschätzen. Wo das Deutschtum 60oz> der Stimmen für sich errungen hat, da hätte es ohne den polnischen Terror rielteidjt 80 bis 90»/» gehabt, und wo es 80 vis 9Qo/0 errungen, hat, da wäre es bei voller unparteiischer Wahl ganz unbestritten als Sieger durch das Ziel gegangen.

E ist deutscherseits zu verlangen, daß die Ver­bündeten diesen unbestreitbaren Tatsachen Rechnung tragen. So wie die Dinge liegen, wäre eine soge- uannte Korrektur des Abstimmungsergebnisses nach geographischen und sonstigen Rücksichten eine Ver­sündigung am Deutschtum. Soll die Abstimmung über­haupt einen Sinn haben, so wird man eben dem Mehr­heitswillen Rechnung zu tragen haben. Außerdem ist Oberschlesien als ein unteilbares Ganzes zu betrachten, das Abstimmungsergebnis in seiner Gesamt­heit zu bewerten. Seine Verstümmelung, kein will­kürliches Zerreißen dessen, was durch jahrhundertelange Geschichre und durch eine blühende wirtschaftliche Ent- wickeluiig aufs Engste verwachsen ist! Keine Zugeständ­nisse an die aufgestachelte Begehrlichkeit Polens! Wir wollen das Land, das sich mit unzweifelhafter Mehrheit für uns ausgesprochen hat, auch bei Deutschland be­halte». Sollten Entscheidungen getroffen werden, die davon abweichen, sollte namentlich Polen die Kühnheit haben und nach der Abstimmung vollendete Tatsachen schaffen, so wird man Deutschland zur Abwehr dieser' Vergewaltigung gerüstet findeiu

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Die Abstimmungsziffern der inter­alliierten Kommission.

Berlin, 22. März. Tie Blätter veröffentlichen die von der interalliierten Kommission in Oppeln sestgestellten Abstimmungsziffern. Danach sind ab­gegeben worden für Deutschland 716 406, für Polen 471106 Stimmen. Die Abweichung von den deutscher­seits gegebenen Zahlen ist also nur ganz gering. Auch nach der Statistik der interalliierten Kommission haben Veulhen-Dadt und Land immer noch eine deutsche Mehrheit, Groß -Srrchlitz «ine geringe polnische Mehrheit.

Die Unruhe« t« Italien. Bei einem von Kommu­nisten in Eanoga pstvorgerusenen Zusammenstoß zwl- schen Kommunisten und Rationalisten wurden zahl­reiche Personen verwundet, darunter mehrere schwer, i Las Bür, der Sozialistenliga wurde zerstört.

i Einführung der Sommerzeit in Holland. Wie der - «Lelegraas- melde», wird in Holland in der Nacht zum ’C Nprtk die Som«erjeit eingesührt. __

Die neuen ZmiMMWWn.

Eine weitere Besetzung. — Der gefährliche chinestsche Dolch.

wb. Berlin. 22. März. Gestern wurde der Bahnhof Osterfeld bei Oberhausen, der für die Ver­bindung zwischen Oberhausen und Essen wichtig ist, durch französische Truppen besetzt.

Die Verhastung des Bürgermeisters und Polizei- inspektors in Walsum ist erfolgt, weil im Besitze des Diirgermeisters sich ein chinesischer Dolch befunden haben soll. Die beiden Herren wurden nach 2!4tägiger Haft wieder entlasten.

Der Warenverkehr zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet.

Berlin, 22. März. Der Reichsrat nahm eine Verordnung betreffend die Regelung des Warenverkehrs zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet an. Das als Strafmaßnahme gegen Deutschland eingesührte Zollregime macht cs notwendig, daß die Reichs­regierung in der Lage ist, auf schleunigem Wege Maß­regeln zu ergreifen, um besondere Schädigungen der deutsch?» Wirtschaft zu verhindern. Insbesondere darf die bisherige Kontrolle der Ein- nnd Ausftchr nicht unterbrochen werden.

Auch der Volkswirtschaftsausschvß des Reichstages nahm einstimmig die Verordnung an. Zur Begrün­dung- der Verordnung führte der Regierungsvertreter u. a. aus: Tie Besatzungsbehörden beabsichtigen, eine Zollgrenze rechts des Rheins zu errichten und die deutschen Ein- und Ausfuhrbestimmungen für das besetzte Gebiet außer Kraft treten zu lassen. Es werde die Hauptaufgabe des RcichSkommissars sein zu ver­hindern, daß notwendige Inlandswaren über das besetzte Gebiet abströmen und daß unerwünschte Aus- landswaren durch das besetzte Gebiet einbringen. Eine Erweiterung der bestehenden Vorschriften der Außen­handelskontrolle werde sich nicht vermeiden lassen, ins­besondere werde unter Umständen eine deutsche Rhein­kontrolle stattfinden müssen.

Nach Lloyd George und Brtand Graf Sforza.

Stach London und Paris hat auch Rom den groben parlamenlartschen Tag erlebt, an dem di« Regierung über die Londoner Verhandlungen mit Deutschland Berich» erstattete. Rach Berichten italienischer Blätter soll Minister Dr. Simons in London gesagt haben, datz er die italienischen Vertreter nicht zu seinen Geg­nern rechne. Tie Rede des italienischen Auhen- ministers, des Grafen Sforza, wird ibn von dem Gegenteile überzeugt haben. Der italienische Ausien- minister bat der Kammer erzählt, auf Seiten der beut» fchen Regierung fehle lebet gute Wille, um zu einem Abkommen zu gelangen. Man habe deshalb Zwangs- mafmabmen anwenden müssen. Offenbar lasten sich auch-chic Italiener von dem Glanz beS Milliarden- fegenS immer noch blenden, den die Verbündeten von Deutschland erwarten.

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Die mustergilttge englische auswärtige Politik.

Paris, 22. Marz. Gestern wurde im Senat der Bericht von Lucien Hubert über den Hausbalt bet auswärtigen Angelegenbetten verteilt. In ber Ein­leitung wird, wie Havas berichtet, eine interessante Darstellung ber englischen auswärtigen Politik ge­geben. Der Berichterstatter weist auf bte Geschicklich­keit Englands bin, womit es sich überall Freunde gewinne und Agenten in allen Par­teien und allen tätigen Gruppen der fremden Länder besitze. England hab« überall seine Augen, Obren und Hände, und es würbe gut sein, wenn bte französische Politik sich dieses Vorgehen zum Muster nehmen würde.

Der MMnd im Mchdm« GM.

Halle, 22. März. Die Streiklag« im Jndusttie- rcvier verschärfte sich gegen gestern im allgemeinen nicht. Auf ben Werken der Mansfelder Gewerkschaft ist eher eine Zunahme ber-Arbeitswilligen festzustellen. Rabikale Elemente hielten heute früh die elektrische Kleinbahn im Mansfclber Bergrevier an, das einzig» Verkehrsmittel der Arbeiterschaft, und zwangen sic zur Umkehr, sodaß viele Arbeiter gezwungen waren, den Arbeitsstellen fernzubleiben. Auch auf dem Land« mürbe in vereinzelten lanbwirtschaftlichen Be­trieben unter dem Drucke bes Streikbefehls bie Arbeit niebergtlrgt. In allen Betrieben bes Jndustriereviers ist eine Bekanntmachung ausgehängt, baß, wer inner­halb breier Tage nicht wieder auf ber Arbeitsstelle erscheint, als aus bem Arbeitsverhältnis aus ge­schieh en betrachtet wird. *

Berlin, 22. März. Wie di« „Rote Fahne" meldet, haben die Arbeiter des Leuna-Werkes bei Merse­burg beschlossen, bie Arbeit sofort einzustellen, falls bie Betriebe von ber Schutzpolizei besetzt werben sollten.

Reichskonferenz der U. S. P. Im ReichstagSge- Väube begann am Sonntag bie Reichskonferenz ber Unabhängigen Sozlalbernokratischen Partei, bie bis zum Dienstag tagte. Die Reichskonferenz, die hinter verschlossenen Türen tagte, war von etwa 200 Per­sonen besucht. Als Vorsitzende der Reichskonferenz wurden Erispicn und Ledebour gewählt. . Crispien hielt ein groß angelegtes Referat über die polittsche Lage und beschäftigte sich besonders mit den Forde­rungen ber Verbündeten. Weiter ging ex auf die durch das Inkrafttreten der .Sanktionen" neu ge­schaffene Lage ein.

8« einem neuen AMM?

Berlin, 22. März. Die Meldungeti über pol­nischen Terror östlich und südöstlich von Kattowitz häufen sich in beängstigender Weise. Laut „Bert. Lokalanz." ist der Bahnhof Schoppinitz voll von ver­wundeten Deutschen. Ein neutraler Journalist wurde in Schoppinitz lebensgefährlich verletzt. Das deutsche Abstimmungskommissariat in Kattowitz wird von vertriebenen und mißhandelten Deutschen über­laufen. Tie Franzosen scheinen weiter nicht gewillt zu sein, dem Treiben der Polen ein Ende zu bereiten. Englische Truppen griffen im Nordosten der Grenze energisch ein und verprügelten eine polnische Bande.

Berlin, 22. März. Der „Berliner Lok.-Anz." meldet ans Kattowitz: Die Grenze nach Polen ist vollständig offen. Bei Schoppinitz gehen die Polen unter Führung von Musikkapellen hinüber und herüber. Die Deutschen werden mit Knüppeln vertrie­ben. In Kattowitz sammeln sich viele Hunderte von Vertriebenen, die von entsetzlichen polnischen Greueln berichten. Tie Erregung ist sehr stark. Wenn nicht die interalliierte Kommission die Grenze energifdj absperrt, ist bei dem zuuehntenden Fanatismus ber Polen mit sehr ernsten Dingen zu rechnen.

Berlin, 23. März. Uebereinstimmeyd meiben bie Blätter aus Kattowitz, baß in bem Gebiet östlich unb südlich ber Stadt Iber polnische Terror unum­schränkt herrscht. Die interalliierten Behörben ver­sagen ben Deutschen jeden wirksamen Schutz. In anderen Grenzorten, so in Ehorzow unb Vaingow, sind Hallersoldaten, die als Abstimmungsberechtigte herein­kamen, jetzt plötzlich in voller militärischer Ausrüstung und mit Waffen versehen erschienen, lleberall in diesen Orten wurde diepolnischeRepublikaus- gerufen. Auf ben Kirchen unb Rathäusern in Bogutfchütz unb Gieschewald sinb bie polnischen Reichssahnen gehißt worben.

Nach einer Melbung ber „Täglichen Rundschau" stürmten gestern nachmittag polnische Banben bie Polizeibüros ber Stabt Kattowitz unb vernichteten bas gesamte Aktenmaterial.

Das „Berliner Tageblatt" rechnet mit einer ver­stärkten Wieberholung b«s Augupaufstan- b es, falls die verbündeten Truppen die polnischen Truppen nicht über die Grenze zurückbrängen sollten.

Der Berichterstatter bes „Vorwärts", bet die Ver­hältnisse gestern nachmittag in verschiedenen Orten selber in Augenschein nehmen konnte, faßt die Lage in ben Worten zusammen: Die Hölle ist jetzt hier los!

Wie ber „Vorwärts" aus Gteiwitz meldet, herrscht in ber gesamten beutschorientierten Arbeiterschaft eine kaum noch zu überbietenbe Erbitterung über bie schänblichen Taten der Sokolbanden. Zu Hunderten wurden die Arbeiter mit Gummiknüppeln von chren Arbeitsstätten vertrieben. Für den Fall, daß die interalliierte Kommission nicht eingreift, werden von ben beutschen Gewerkschaften Gegenmaß- regetn erwcgM. Den Gewerkschaften ist es unmög­lich. sich noch einmal an bie interalliierte Kommission zu wenden, ba biefe bereits bie Gewerkschaften bei ben letzten Vorstellungen abgewiesen hat. Die Gebuso ber beutschen Gewerkschaften ist erschöpft. Die Arbeiter sehen sich auf sich selbst gestellt, unb es kann geschehen, baß unter ber erzwungene« Abwehr ebensoviel Un- schulbige leiben müssen, wie es burch ben polnischen Terror geschieht.

Kattowitz, 22. März. Die Gcgenb östlich unb südöstlich von Kattowitz, besonders die Ortschaften Janow, Gieschewald, Rodszin, Schoppinitz und andere wurden von schwerstem polnischen Terror heimgesucht. Mißhandelte flüchtige Deutsche auS jener Gegend treffen dauernd in Kattowitz ein. Dem KreiS- tontrolleur ist Meldung erstattet.

Weite: werden die Meldungen über polnischen Terror in vielen Orten des Kreises Pleß während der Abstimmung bestätigt. Der Krciskontrolleur hat amt­liche Feststellungen über den Umfang des Terrors angeorbnet Eine Entscheibung dieser Frage ist noch nicht gefällt.

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Beuthen, 22. März Die oberschleflschen Morgen­blätter beschäftigen sich eingehend mit dem Abstimmungs- «raebniS, das sie übereinstimmend als einen großen deut­schen Sieg bezeichnen. Die „Ostdeutsche Morgenpost"' fd)reibt: Es ist unerklärlich, wie bie Polen von einem kölnischen Siege sprechen können. Die Polen sind unter» legen unb dürfen keinen Schimmer einer Hoffnung haben, baß bie Entente ihnen etwa aus Grunb der Abstimmung iocnigsienS einen Teil Oberfchlefiens zuspricht, denn die Entente erkannte die Unteilbarkeit unb Zusammen- gchörigkett Oberschlesiens baburch selbst an, baß sie auS Obetfchtesien ei« einheitliches Abstimmungsgebiet

machte. Die „Oberschlesische Morgenzeitung" unterstreicht bie fibertoältigenbt Größe des deutschen Steges, ber trotz der bevorzugten Stellung ber Polen und trotz baat» fträubenben Terrors errungen würbe. Der Oberste Rat könne als Vollstrecker bc8 im FriedcnSvertrage fest- aclegten Willens nicht einen Augenblick zöger», ba# Abstimmungsgebiet baldmöglichst ungeteilt dem Deut­schen Reiche zurückzugeben.

Für eine Teilung Oberschlesiens.

Englische und französische Stimmen.

London, 22. März. Zu dem Ergebnis der Volks­abstimmung in Oberschlesien schreibt bie „Times": Die Abstimmung habe eine allgemeine.Mehrheit zu Gunsten bes Festhaltens an Deutschland ergebe«. Nachdem die Abstimmung vorüber sei, toerbt anerkannt, baß eine Teil««« der Ber«werkrpr»vinz unver- meib lich fei, nicht nur infolge ber Abstimmung, fonbent auch im Hinblick auf bie allgemeine wirtschaftliche Sage in Europa. Die Kommission müsse befriebigenbe Grenze» finben unb erwägen, ob bie neue Grenze sofort in Kraft treten soll ober erst nach einer Reihe von Jahren., — Der Sonberberichterstatter bfr „Times" in Beuthen meldet, bie polnischen Vertreter versuchten keineswegs ihre Enttäuschung über bie großen beutschen Mehr­heiten zu verbergen. Sie schrieben bies ber großen Zahl ber zugereisten Stimmberechtigten zu. Kvrfanty hab« jeboch versichert, bte Polen hätten in neun südöstlich«» Bezirken, als Block zusammengefaßt, in 65 Prozent bet Gemeinben gewonnen, unb Polen mülle daher ein sehr wichtiges Stück ber Provinz erhalten. — Der „Daily Chronicle" schreibt: Die Zahlen bet oberschlesischen Abstimmung würben bem Obersten Rat wahrscheinlich beträchtliche Schwietig ketten verursachen. In bem gesamten Gebiete betrage die Mehr­heit bet beutschen Stimmen 253 000. Da jeboch dkl Zahl ber zugereisten Stimmberechtigten, von benen bie meisten überhaupt keine wirklichen Beziehungen zu Ober» schlesien hätten, 200000 betragen soll, so sei bie deutsch« Mehrheit unter btt ansässigen Bevölkerung nicht groß. Wenn bie Stimmen ber Ansässigen in ben einzelnen Ab- stimmungSbezirkcn für sich gewählt würden, so erscheine tf möglich, daß alle östlich gelegenen Landesteile eine Mehr­heit zu Gunsten Polens aufweisen würben. Es würbe bte Aufgabe bes Obersten Rates sehr erschweren, baß bie brei Bezirke, bie polnisch stimmten, nicht symetnsch zu ein» anher unb zu bet polnischen Grenze ober zu ben Haupte Mittelpunkten, die bentsch stimmten, liegen. Der nach Ober» schlesien entsandte Sonderberichterstatter de- Blattes weift darauf hin, baß bie Mehrheit bet gelernten unb organisier­te« Arbeitet für Deirtschlanb Stimmten. — Die „Daily News" brückt ihre Bestiebigimg barßber auS, baß ber von Deutschland errungene SSeg entscheidend ge­nug ist, um wenig Raum für weitere Agitation zu lassen. ES sei klar, baß bie Provinz sich umvidcrrusiich färbe# Verbleiben unter beutfdjer (Souveränität erklärt habe. Oberschlesien werbe augenscheinlich nicht an Polen fallen. Polen würbe vielleicht brei ober vier Ge­meinden erhalten, jttioch nicht mcbr, unb bannt ver­schwinde bet eine Einwanb. ben Dr. Simons auf bet Londoner Konferenz bezüglich feines zweiten Vorschläge# vorbrachte

Paris, 23. März. Die Pariser Abendpresse vertritt ben Stanbpurckt, baß die Austeilung von Oberschlesien nach dem Friebensvertrag möglich fei unb daß eine anbete Entscheibung gat nicht getroffen werben könne. Der „Temps" sagt, bet Vertrag seh« weise voraus, daß Oberschlesien nach der Volksab­stimmung geteilt werben solle.

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Amerikanisch« Urteile.

New B o r k, 22. März. (Reuter.) In Besprechung beS Abstimmungsergebnisse# in Oberschlesien erklärt bit „New York World", der deutsche Sieg sei ein weiterer Triumph für den Grundsatz der Selbst­bestimmung in nationalen Angeleqenh iien. „New York Herold" sagt, das Abstimmungsergebnis ist in gleicher Weise ober in noch höherem Grade ein Sieg für Frankreich und die Verbündeten, weil bte schlesischen Hilssquellen wesentlich sinb für bie brutsche Produk­tion, aus der die Reparation bezahlt werben muß. „New York Times" schreibt: Der Verlust ber ober­schlesischen Gebiete ist ein harter Schlag für ba# polnische Prestige unb ein noch schwererer Schlag tüt bie polnische Industrie.

»tvuiwesftaat Oberschlesien".

Breslau, 23. März. In einem Aufruf des deut­schen Abstimmungsfvmmisfars Dr. Urbanek heißt es: Die deutsche Mehrheit beträgt über eine Viertel Million. Die Heimat ist gesichert! Keine Macht ber Welt barf es wagen, gegen bin klar ausgesprochenen Willen bet überwiegenben Mehrheit dieses Land au# bem Jahr- hunberte alten Zusammenhänge mit Deutschland zu löse». Der Sieg ist unser! Aber auch wir empfingen Wunden« Die streife Tarnowitz, Pleß unb Rybnik stimmten über» wiege,ib polnisch. Darin liegt eine Gefahr. Ib# Araber von Tarnowitz, Pleß unb Rvbnik: soll bti Oberste Rat aus Eurer Abstimmung entnehmen, bef Ihr Euch von unS trennen wollt? Ihr gabt polwschl Stimmzettel ab, ab« nimmermehr, um ba# Band IX