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Ämütches VeMMgungsblatt des Kreises Marburg. >

Anzeiger für (bas früher kurheffifche) Oberhessen

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Oberhessische Zeitung" etidjelttf sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4.25 Mk., durch di« Poft 4.65 Mk. Ausgabe B mitObcrh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ercigniile kein Ersatz. B«rlag von Dr. T. HItzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job.Aug. Koch, Markt 2123 Fernsprecher 55, - Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Dienstag, Den 22. Mz (Lenzing)

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so. m 1921

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Saniere potnMe tanltalte in BDerltlejien

Der Reichspräsident richtete an den deutschen Bevolk- mächtigten m Oppeln, Fürsten Hatzfeld, folgendes Telegramm:

Euer Durchlaucht spreche ich namens des ganzen. deut« fcheu Volles unser aller, trrudiae Leuuatnuna über W.

ivelfcu lind ihm das Eigentum und die Ansbeutung des Kabels BrestNewyork, ehemals das deutsche Kabel EmdenNewyork, zu überlassen.

Wie die Pariser Blätter melden, hat die deutsche Regierung der französischen Botschaft ihr Bedauern über die von Frankreich zu Unrecht beanstandete Rede des Generals v. Seeck 1 zum Ausdruck gebracht. Also Entschuldigung Mr korrektes Verhalte»!

Die Verteilung der deutschen Kabel.

.Baris, 21. März. Wie das .Echo de Barls- mit- ist ein Kompromiß dem Abschluß nahe, um den wünschen Amerikas hinstchtlich der Verteilung der ehe-

>S deutschen Kabel Rechnung zu tragen. Frankreich

,e die Absicht, Amerika seine« guten Wille« zu be-

Die Haltung Amerikas.

Keine Anerkennung des Versailler Vertrages.

. London, 21. März. Der Washingtoner Be- dichterftatter derMorning Post" schreibt juit Bezug itf die Erlvartungen, die von gewissen Seilen an die Mission Bivianis geknüpft werden, der, wie offen tzugcgel-cn wird, als offizieller Abgesandter Frankreichs Nach'Washington geht, um auf die Ratifizierung des Vertrages von Versailles zu drängen, er erfahre von tzlaßgcbender Seite, daß Präsident H.arding auch nicht km geringste» von den Grundsätzen abgewichen fei, Bit er bei dem Wahlseldzug vertreten und in der bei seiner Amtseinsetzung verlesenen Adresse erneut bekräftigt hat. Harding werde dem Völkerbund nicht beitreten und tverde sich an keinem europäischen Bündnis beteiligen. Lr werde keiner einzigen Nation die militärische Unter Ifützuiig der Vereinigten Staaten versprechen und sich

- In die europäische Politik nicht einmischen. Er sei Nur interessiert au der wirtschaftlichen Bröglich- kditeu Europas. Unter diesen Umständen erscheine es *- wie der Berichterstatter derMorning Post" meldet merkwürdig, daß Harding den Besuch Vivianis er-! mutigt habe. Die Wahrheit sei aber die, daß Harding tzaruicht wüßte, daß die französische Regierung die Absicht hatte, Mviani nach Washington zu entsenden, bis er offiziell davon in Kenntnis gesetzt wurde. Der Berichterstatter schreibt, Viviani gehe nach Washington ln der Absicht, Amerika zu überreden, nicht aus dem «o nzern der Verbündeten auszuscheide». Biviani körne jedoch Nichts erreichen. Hier handle es sich um Grundprinzipien der Politik. Frankreich könne den Friedensvertrag von Versailles nicht aufgcbcn. Harding 6nne ihn nicht an nehmen. Da aber von Seiten der Bereinigten Maaten etwas geschehen müsse, so Jei der beste Ausweg der Friede mit Deutsch-! land. Danach könne bann die Frage des Völker-1 Kindes in Ruhe besprochen werden. Aus diesem Wrunde werde Harding von den energischen Gegnern bes Völkerbundes bedrängt, sofort nach Zusammen- irrten des Kongresses der Annahme der Entschließung nor zuzustimmen. Nachdem einmal diese Ent- rchließung angenommen sei, bestehe der Vertrag von Versailles für die Bereinigten Staaten nicht mehr, I tob alle Gefahr, daß Amerika in einen Krieg brr- Fitft werde, sei behoben. I

Wem» Korfantyseine Leute aufrufen will". '

Sonbon, 21. März. Die Blätter verwerfen aus die Bedeutung des Ergebnisses der Volksabstimmung in Oberschlesicn für die Zukunft Deutschlands und I Europas. Ueberall wird von Möglichkeit gesprochen, I daß es in Oberfchlesten nach Bekanntgabe des Ab­stimmungsergebnisses zu Zusammenstößen zwischen s Deutschen und Polen kommen könne. Auf die Frage dos Berichterstatters des »Daily Telegraph" Repington an Korfanty, was er tun werde, wenn es nach der Abstimmung zu Unruhen komme, erklärte Korfanty, er werde den Verbündeten 48 Stunden geben, um die Ordnung wiederherzustellen, und würde dann seine Leute aufrufen.

Heimkehr von der Abstimmung.

B e r l i u, 21. März. Ein vieltausendstimmiger Jubel­schrei brauste durch die weiten Hallen des Schlesischen Bahnhofs, als heute abend gegen IO1/« Uhr der erste Lvndcrzug mit heimkehrenden Oberschlesiern eintraf. Nach einem Trompetensignal richtete Reichskanzler Fehren- b a ch, der in Begleitung mehrerer Herren vom Auswär­tigen Amt erschienen war, einige Worte an unsere ober- schlesischen Landsleute. Begeisterte Hochrufe auf Ober­schlesien und das deutsche Vaterland bekräftigten die Wort« des Kanzlers. Dann spielte die Munk das Vaterlands- liedDeutschland, Deutschland über alles", das alle An­wesenden entblösten Hauptes mitsangen. Dem Reichs­kanzler wurden beim Verlasse» des Bahnhofs fcegeijterte Huldigungen dargebracht. ___________,. w 2

| Räte-Rusiland.

Amerika und Rußland.

London, 21. März. Wie der Washingtoner Be­richterstatter derMorning Post" meldet, sprechen feste Anzeichen dafür, daß die Washingtoner Regierung dem Beispiel der britischen Regierung folgen, und die Handelsbeziehungen mit Rußland wie­der aufuehmen werde, wenn Lenin die Bedingungen des zwischen Rußland und Euglaud abgeschlossenen Handelsvertrages einhalte. Auf der anderen Seite tilgen zahlreiche amerikanische Blätter, zum Teil in den schärfsten Ausdrücke», die Aktion der britischen Re­gierung in dieser Frage.

Eine Koalitionsregierung-

Kopenhagen, 21. März. In Helsingfors liegen Nachrichten aus Reval vor, wonach Lenin mit einer Reihe führender PersöuljchkeSen unter den Mensche- iviki und Sozialrevolutionären Verhandlungen cingelettet haben solle. Rach der ^BerNngske Tidende" bandelt es sich um die Möglichkeit der Bildung einer Koalitiousregiernug.

Die Kronstädter Flüchtlinge.

Kopenhagen, 21. März. Wie aus Finnland gemeldet ivird, befinden sich von den aus Kronstadt ge­flüchteten Militär- und Zivilpersonen noch etwa SO 000 auf dem Eise. Die Auswanderung der Flücht­linge wurde durch einige Batterien gedeckt. Nach der Einnahme von Kronstadt wurden die Straßen von kl> t u c s i s ch e n T r u p p e n gesäubert, wobei es zahl­reiche Opfer gab.

Aus dem belebten Gebiet.

Selbstverständliche Erlasse.

Mainz, 21. Mär». OüiziSs wird imEcko du Rhin" rnitgeteilt, daß der Vorsitzende der Rbeinland- konnnission diese Kommission davon in Kenuinis ge­setzt bat, daß der bayrische Minister des Innern in llebertragung eines Dekrets der preußischen Reaierung auf die bayrische Pfalz allen Beamten' dieser Provinz vorfchreibt und den Geistlichen anemvfiehlt, sich pxin- zivieil von allen Kundgebungen und Festlichkeiten der BesatzungsbehSrde» f e r n z u b a l t e n. Aelmsiche Rundschreiben seien auch in anderen Teilen des besetz- ten Gebietes verbreitet. Die Nbeinlaudskominisston habe den Retchskommissar um Aufklärung über diese Fnstrukttonei! ersucht, die den Willen der derrtfchen Re­gierung bewiesen, den Beamten vorzuschreiben, eine Haltung cknzuirebmen, Pie den Beziehungen der Cour- toisie widerspreche, welchen mit den verbündeicn Be- satzungsbehörden bestehen müßten.

Die widerrechtliche Bcrhafturrg auf unbesetztem Gebiet.

Vor einiger Zeit war ein auf deutsches uustefetztes Gebiet geflüchteter T-nitich-Amenkancr Berg do kl fern Amerikanern widerrechtlich dahiu verfolgt und bn-haftef worden. Gestern standen nun desivegen die Amerikaner Detektiv Neas und Sergeant. 3intmer, ferner die vier deutschen H e l f e s h e k s e r bei der Entfilb- rungssache, Chauffeur Hildebrandt, Gustav Ster-! aer, Gottlieb Keim und Auaust Darubach vor der j

I 8tlinMm't Im RttsMM WOm- Y Erbiet.

I- ' Ultimatum der Arbeiterschaft.

Halle, 21. März. In der Nacht zum Samstag begann dir vom Oberpräsident Hörsing angekün-, . digie potizeiliche Besetzung des Jndustriereviers im 'Regierungsbezirk Merseburg. Daraufhin stellte die MauZselder Arbeiterschaft den Schutztruppen ein Ulti­matum. das am Sonntag nachmittag vier Uhr ablief. Da es nicht beantwortet wurde, setzte heute früh der Generalstreik ein, der sich nach den : tinßetaufentu Nachrichten immer mehr ausdehnt. Die Streikleitung erließ einen Aufruf, worin die Besetzung; A durch dir Schutztruppeu als derAnfang der weißen ; Kampagne" bezeichnet wird. Die Arbeiterschaft wird j \ zirm Generalstreik anfgeforberf, Pis die Schutzpolizei völlig aus dem Bezirk zurückgezogen worden ist.

Berlin, 22. März. Blättermeßungen aus Halle '^zufolge dehnt sich der Generalstreik im Wonsfelder ^Bergbau andauernd weiter ans. Die Gewerkschaften 'und die Mehrhcitssozialisten bemühen sich, die Be- s völkerung zu beruhigen und bieten sich als Vennittler V zwischen den Streikenden und den Behörden an. Nach derVosjischen Ztg." sind die Mausfelder Arbeiter auf Moskauer Weisung Hirt ohne Abstimmung b in den Streik getreten. DerVorwärts" bestätigt r diese Vermutung und sagt: daß Moskau Leichen V brauche. Die K. P. D. müsse in den nächsten Wochen auf Moskauer Befehl blutige Zusammenstöße herbei ' führen. Sie hoffe, auf diese Weise zu dem ersehn-- b te.n Blutvergießen zu gelangen. Auch die pFreiheit" nimmt in scharfer Weise Stellung gegen ben Streik.

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Verhaftung des Berliner KommunistenführerS.

Berlin, 21. März. DieRote Fahne" meßet: Der Vorsitzende der Berliner Organisation der kom­munistischen Partei, Friesland, ist von der Krimi­nalpolizei verhaftet worden.

Das Matt wiederholt in einem -Aufruf die Auf­forderung an das Proletariat, mit derWaffeiN der H o n d die Gegenrevolution zu bekämpfen.

I Strafkammer in Mosbach. Die Anklage gegen Rea> I un Zimmer lautet auf Anmaßung von Amtsgewalt I um gegen Neas noch auf lahrläfsige Körperverletzung. I Die vier deutschen Helfeshelfer werden der Beihilfe zur «'Amtsanmaßung beschuldigt. Auf Befragen des Vor- I fitzenden erklärt Neaf, daß er als Kriminalbeamter nach I Verbrechen zu fahnden und Untersuchungen zu führen I habe. Neaf hat mit Hilfe der deutschen Behörd-n amcri- I ranifche Deserteure in Rostock, München und Stuttgart I fefigenontmen,- in Danzig sogar 20 Ausreißer. Ueber seine Ausweispa die xe, die er bei seiner Fahrt ins unbesetzte

I Gebiet besaß, erklärte Neaf, daß der gewöhnliche Ausweis I den Zusatz enthielt:Zur Abholung eines Arrestanten". I Aus Grund dieses Zusatzes wollte Neaf auch in Eberbach den Vergdoll festnehmen. Tiefer Zufatz war ihm in Koblenz durch den Kriminalkommiffar Schuchardt gegeben worden. Neof hebt hervor, daß keine Belohnung für die i Ergreifung des Bergdoll ausgefetzt war: er habe Berg-1 dolls Verhaftung lediglich aus Pflichtgefühl vornehmen wollen.

Die neuste Leistung Herr« v. Gerkachs.

Herr v. G e r l a ch hat, was unglaublich erscheinen mag, allen seinen bisherigen Leistungen die Krone auf- I llcsetzt. In Wiesbaden, Int besetzten Gebiet, in Gegen­wart französischer Offiziere .und Ueberwachungsbe- amter hat er es fertig gebracht, tn einer öffentlichen Versammlung des Näheren auszuführen, daß Deutsch­land die a l l e i u i g e Schuld am Weltkrieg trage. Von nationaler Sette ist ihm mit der gebührenden Schärfe entgegengetreten worden. Er mußte sich die Worte ins Gesicht schleudern lassen: »Sind Sie über­haupt eiu Deutscher?" Für diese Worte wurde der be- tressendc junge Mann von den Franzosen verhast- t e t,. Herr v. Gerlach aber erfreut sich deren vollster I Anerkennung.

Frankenwährung im Saargrbiet.

Vom 1. Mas an werden im Saargebtet sämtliche I Einnahmen gleichviel welcher Art, der Eisenbahn, so­wie dcr Post und der Telcgraphenverwaltung in I Franken erhoben. Vom gleichen Tage an wird das Personal der Eisenbahn, der Post, sowie der Tele- graphenverwaltnng tn Franken besoldet oder entlöhnt.

Für ungiftig erklärte Wahlen.

Berlin, 22. März. Immer mehr Meldungen über den surchtbaren polnischen Terror während btt Abstimmung treffen aus Oberschlesien ein. Wie die 1 .Ostdeutsche Morgenpost" meldet, ist dir deutsche Wahl- cntballn-tg im südlichen Telle des Kreises Rybnik auf den polnischen Terror zurückzuführen. Nicht einmal die deutschen Mitglieder dcr paritätischen Ausschüsse wagten cs, zur Wahl zu erschetueu. Demselben Blatte ' Zufolge ist die Wahl Im Alt- und Neu-Radzioukau und 1 Stolarzowltz von den Engländern für ungültig er­klärt worden, weil in den Wahlbüros nur polnt-. , f ch e Stimmzettel abgegeben wurden.

Welter verlautet, nicht amtlich, daß die Abstimmungj im Kreise Pletz von den Italienern für un­gültig erklärt werde, weil die Abstimmungssrei- beit durch den Polnischen Terror zu stark beeinträchtigt- war.

DieUnparteilichkeit" der Franzosen.

Berlin, 22. März. Ein Schlaglicht auf die »Un- Parteilichkeit" der Franzosen wirst folgende Meldung', derTägl. Rundschau" aus Kattowitz: Auf dem Wochenmarkt tn Nikolai hatte sich am Montag eine riesige Menschenmenge etngefunden, der durch Beamte des polnischen Ptebiszitkommiffatiats die Wahlergeb­nisse betanntgegebcn wurden. Anwesende sranzöflsche Offiziere beglückwünschten die Polen zu dem Ergeb­nisse der Wahl. Die Polen nahmen schließlich einen französischen Hauptmann auf die Schultern und trugen ihn unter großem Jubel auf dem Marktplätze herum Der Hauptmann hielt dann eine Rede, tn der er fügte, vaß diese Erde, also die Gegend von Nikolai, z« Polen ko mm en müsse.

Ein engltsch-volnlscher Zusammenstoß.

London, 21. März. Dem Rcuterbüro zufolgt sind am Abstimmungstage bet Sandsberg nördlich von Oppeln tatsächlich polnische Truppen in das Ab­stimmungsgebiet gekommen, wurden aber bald von engiifctzen Truppen über die polnische Grenze zurüch gewiesen.

Die deutsche Mehrheit.

Die deutsche Mehrheit, die sich bei der Abstimmung in Oberfchlesten ergeben hat, ist nicht ganz so groß, wie zunächst g .'meßet wurde. Sie betrog' 61 Prozent. Das bebeutet aber trotzdem einen ausgesprochenen und überaus erfreulichen deutschen Sieg, namentlich wenn der nicht verhinderte polnische Terror und die miß­liche Lage der Deutschgesinnten in Betracht gezogen wird. Es ist trotz allem ein deutscher Sieg errungen worden, den der Oberste Rat nicht abschwächen kann:

Oppeln, A. März. Nach den nm 7 Uhr rnor- gen3 vorliegenden Meldungen sind in Oberschlesien insgesamt 713 700 deutsche und 460 700 polnische Stimmen abgegeben worden. Das bedeutet eine deutsche Mehrheit von 61 Prozent. Einige ausstehende Ergebnisse können an diesem für Deutsch­land günstigen Gesamtergebnis nichts mehr ändern.

Beuthen, 21. März. Bon der oberfchlesischen Volksabstimmung weiden weiter folgende Einzclergebnisse bekannt: (In Klammer befinden sich die polnischen Stim­men.) Kattowitz 22 803 (3839), Laurahülte 6725 (6919), Sohenlohehütte 643 (298), Beuthen-Sladt 24 979 (6585), Köniashüttc 32 257 (7906), Oppeln-Stadt rund 20 800 11100), Tarnowih-Stadt 7536 (1367), Schwientochlowitz 8335 (5875), Hindenburg rund 16 000 (11 OOO), Zaborze «842 (6041), Mvrgenroth 608 (523), Leobschütz-Stadt 9895 (61).

Polnische Mehrheiten.

Oppeln, 21. März. Im Kreise Pletz sind rund 14 400 deutsche und 41 000 polnische Stimmen, im Streife Rybnik rund 28 500 deutsche und 50000 pol­nische Stimmen abgegeben worden.

Der Reichspräsident

erläßt folgenden Aufruf: '

An das deutsche Volk! Die deutsche Sache in Ober fchlesien bat einen entscheidenden Sieg errungen. El ist dem einmütige« Etnsteben des gesamten deutsche« Volkes zu verdanken. Die eingesessene Bevölkeruns Bevölkerung bat ungeachtet aller gegnerischen Per . suche, sie den deutschen Gedanken zu entsremden, i» ihrer überwiegenden Mehrheit treu zum Vaterlandl gehalten. Die.stimmberechtigten Oberscbleüer aus dem Reich und aus dem Auslande haben, ersüllt von der Liebe zur Heimat, Entbehrungen und Müden nicht ge­scheut. Sie sind allen Einschüchterungsversuchen zum Trotz vollzählig nach Oberschlesien geeilt, um ihrer Pflicht gegen Heimat und Vaterland zu genügen. Betz größter Opferwilltgkett haben alle Schichten der Be­völkerung durch Sammlung der Grenzspende dtt Mittel beigesteuert, um auch dem Aermsten die Reife nach Oberschlesien zu ermöglichen. Die Abftimmung«- kommifston bat durch bingebende, unermüdliche Arbeit und mustergültiges Zusammenwirken das große Bert vollenden helfen. Ihnen allen, ohne Ausnahme ist bet bleibende Dank des Deutschen Volkes gewiß.

Berlin, 21. März 1921.

Der Reichspräsident Der Reichskanzler

Ebert. Fehrenbach.

WIM Mwle un die »Munis« : Mkden.

I Kattowitz', 22. März. Im ganzen Landkreis : Beuthen flattern besorg» iseregende polnische Unruhen : auf. In Deutsch-Pieeard würben bie Gebrüder Dudek, ; her eine Mitglied des paritätischen Ausschusses, er­schossen. Auf der Straße BeuchenMiechowitz - wurde die Straßenbahn angehalten. Sämtliche Leute wurden herausgezerrt und vor den Augen der fFr-anzosen verprügelt und schwer mißhandelt?

Einige trugen einen Nervenschock davon. Die Orts- I stelle Orzegow des deutschen Plebiszitkommissariats wurde vertrieben. 30 Personen wurden teils schwer, I teils leicht verletzt. Von Hohenliude trifft die Mel­dung ein, daß bie Polen die Straßenbahn anhalten, I Drohungen gegen die Deutschen ausstoßen und mit Gesang durch die Straßen ziehen. Auf Vorstellungen I beim Kreiskontrolleur wurde geantwortet, er habe Ikeine Leute zur Verfügung. In Kars ent­waffneten die polnischen Apobeamten die deutschen I Apobeamten. Die polnischen Apobeamten schlagen auf die Leute ein. Heute Abend zog in Beuthen eine Bande I von 60 Polen im geschlossenen Zuge zum Hotel Lomnitz. I An General Seronb wurde ein Telegramm um Hilfe I gesandt. In Karbowa bei Kattowitz wurden Haud- I granaten geworfen. In Schoppinitz wurden polnische «Umzüge veranstaltet. Gewallt ätigkeiren gegen Deutsche I verübt und die Wohnungen der Deutschen geplündert.

Ein abstimmungsberechtigter Berliner wurde auf brr Straßenbahn mißhandelt. Ein int Kraftwagen Vor­st berfahrender französischer Offizier nahm ihn mit. I Ruch eine Frau wurde schwer mißhandelt. Schwache französische Abteilungen sind nach Schoppinitz gesandt worden. Eine schwere Schießerei ist im Gange. I Die Deutschen flüchten. In JosefSdorf ziehen Banden I umher und drohen die Deutschen zu erschlagen.

Aus Lanrahsttte werden gleichfalls Zusammenrottungen I gemeldet, welche schwere Gefahren für die Deutschen I befürchten lassen. Die zuständigen Kreiskontrollenre sind wiederholt dringend von verschiedenen Seiten um IHilfe gebeten worden, bisher jedoch ohne jeden I E r f o l g.

Beuthen, 21. März. Aus dem Abstimmungs- I gebiet wird gemeldet: Von zwei Gruben des Kreises I Rybnik wurden 100 Arbeiter durch polnischen Terror I vertrieben. Die Ortschaften deS Kreises unterlagen I einem unerhörten polnischen Terror ohne jeden mili- I tärischen Schutz. Am 18. 3. wurde in Godow das I Automobil des Abstimmungskommissariats durch ein I Maschinengewehr beschossen. Der Apobegleiter wurde getötet, der Führer verletzt. An einige» Orte» tmtrden die ankommenden Abstimmler verprügelt. Schwerster «Terror wird auch aus dem Nordteil des Kreises Pleß in Umgebung Nicolais gemeldet, wo die Abstimmler und deren Gastgeber bedroht, beschimpft und teilweise verletzt wurden. In der Nacht zum 19. März wurde bas Dorf Anholt von einer Bande umzingelt und zwei Stunden beschossen. Das Pfarrhmts wurde durch drei Handgranaten schwer beschädigt. Die deutschen | Mitglieder. in dem Wahlbüro in Rabztonkau und Tarnowitz legten ihre Aemter nieder, weil ihnen Er- imordung angedroht wurde. Aehnliche Terror­fälle werden aus den Kreisen Groß-Strchfitz, Katto- wjtz, Hindenburg und Gleiwitz gemeldet. Zahlreiche Dörfer forderten militärischen Schutz, da sonst die .Ausübung der Abstimmung unmöglich sei.