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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

«r.57

DieOüertzeffilch« Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4.25 3Rf, durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallend« Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereiguisse kein Ersatz. Verlag rwn Dr. C. Hitzeroth. Druck der Unio.-Buchdruckerei von Joh.Sug. Koch, Markt 21,23 Fernsprecher 55, - Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg MM. Ita 9. MStj (Lenzing)

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56. Äik, 1921

Erstes Blatt.

I UHTWH

DeiiWn ReiÄsltt.

MMörung les WchslWers.

18. Sitzung vom 8. März.

, Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um 1,15 Uhr < kor Eintritt in die Tagesordnung erhält dar 538ori i Keichsfanzie» Fehrenbach:

Die Londoner Verhandlungen sind abgebrochen. Unsere Delegation ist auf dem Rückweg. Ich bin der Mrinunz» daß in eine Erörterung der in London tzesnhrken Verhandlungen erst nach der Rückkehr tofere» Außenministers Dr. Simons eingetreten wer­ten kann. Lebhaftes Sehr richtig!) Aber zu einer Maßnahme, welche die alliierten Regierungen beschlos-

.aber feststellen zu dürfen, daß das Urteil schon heute feststeht. (Beifall und Hört? Hört!), daß es jedenfalls in der Richtung feststeht, daß die Auf- bürdung der Schuld ausschließlich auf die deutschen Schultern nicht bloß eine Verkennung, son­dern eine Kränkung der Herren JZwolski, Poin - car6 sowie auch gewisser englischer Staatsmänner bedeutet. (Lebhaftes Sehr richtig!) Ich überlasse das Urteil der Geschichte, ich bin aber der Meinung, daß die Geschichte ihr Urteil wahrzunehme» haben wird nicht bloß über die Schuld am Kriege, sondern auch über das Diktat des Versailler Friedens. (Lebhafter BeifaU.)

Abg. Streseman n (D. Vpt.) bittet, dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten Gelegenheit zu geben, eingehend Stellung zu den Londoner Verhandlungen su nehmen und bis dahin das Haus nicht mit einer Be­sprechung zu befassen.

Abg Crispien Ulnabh.) protestiert dagegen und

Jtu und bereits in Wirksamkeit gesetzt haben, glaube «l> ve spftickstet zu ft in, Stellung zu nehmen, nämlich p> den Sanktionen. Ich beginne damit, daß ich dieses Wert in das richtige Deutsch übersetze (lebhaftes

Wraoo): es sind

nichts als Gewalttaten.

-Mehr richtig?) Ehrwürdige Begriffe des Rechts haben Wt sokchcu Maßnahmen nichts zu tun. t5s gibt r keinen Rechtsboden für di« militärischen Maß- --«chrnen, die die alliierten Regierungen jetzt einge- . leitet habe>«, um einseitig geforderte Leistungen von uns ipl erzwingen. (Sehr wahr!) Dem Protest, den Herr ! Br. Simons schon in London gegen die Beschlüsse der Alliierten erhoben hat, schließe ich mich namens kr deutschen Regierung und des deutschen Volkes an. , Wraoo!)

DieserRechtsbrttch

-iWü auch durch Verkleidungen nicht verhüllt oder gar tzchei! . Der Rechtsbruch erscheint um so schmählicher, Dean er gedeckt wird durch die Namen der Staats» Männer der siegreichen Mächte, und wenn er sich ! richtet gegen ein Volk, dem man jegliche Wehr ge­kommen Hat, nm sich gegen die Gewalt zu wehren. (:r, hört.) Dieser Rechtsbruch wird auch dadurch richt mildert, daß er als Drohung bereits in dem Wtomept angekündigt worden ist, wo die Entente durch tzre Pariser Beschlüsse ihre unmöglichen Forderungen « das i»eutkche Bol kgestellt hat.

: Die letzten.Wochen haben uns in der Uebcrzeugung UWgen können, daß durch diese von den Alliierten I Art weder eine Regelung der europäischen Ver- tzMluisse noch eine Liquidierung des Krieges möglich I (Lebhafte Zustimmung.) Und wenn in dieser Weise MW:igesührest wird ,kann das Uebel nur vergrößert ADerden (Erneute Zustimmung). Glauben wirklich die

Niierien Staatsmänner, daß auf diese Art eine ge- to« !e Regeln .] in die europäischen Wirren eingeführt Werden kann? Es ist unmöglich. Sie werden ßch dadurch selbst nur immer weitere Ungelegen- tz-tru schaffen, und man wird nach Lösungen aufs - k«-' suchen müssen, die aus der Sphäre konstruktiver distlSgkichlettet» überleiten in tätsächliche, menschlichen ) «ästen mögliche Wirklichkeit. (Sehr richtig.) Es muß die Stelle der Gewalt der ehrliche Wille, die Eeug-meinschast des guten Willens treten. Wir sind ktreit gewe-cn, zu unserem Teil diese Weltgemeinschaft ks guten Willens zu betätigen. Wir haben uns i Lcht geweigert, aus dem Verlust des Krieges die Mig-u Folgerungen zu ziehen und auf uns zu nehmen. Bit sind uns völlig klar darüber, daß wir beim kkicderaufbau der Welt die schwere Last zu tragen leSeu. Wir haben uns auch redlich bemüht, unsere ; Segnet zu überzeugen von den Grenzen der deutschen ötistungSfähigkeit. (Zurufe auf der äußersten Linken.) f Zunächst haben wir den Tatsachen ins Auge zu . Ren, die durch die Verwirklichung der Sanktionen

Ker das deutsche Volk hereingebrochen sind. Es kommt Mr da» deutsche Volk, das während des Krieges so Vieles durchgemacht hat, abermals eine feroete Zeit. Jetzt gilt es für das deutsche Volk die Höhe seiner Spannkraft, die Ausdehnung seiner Ge- kib und Hiner

Treue im Aus harren»

verlangt sofortige Besprechung. Durch die geheimen Verhandlungen fei schon genug Unheil an-erichtet wmden Mit den Auslastungen des Reichskanzlers sei seine Parle- nicht einverstanden.

Abg. Dr. Levi (Komm.) schließt sich dem an. Der Reichskanzler habe wiederum versucht, die. nationalen Hetzer auszustacheln und die Schuld am Kriege abzu­wälzen.

Abg. Müller-Frauken (Soz.): Angesichts der Lage würde es weder im Jnlairde n o ch im Auslande ver­standen werden, wenn der Reichskanzler geschwiegen hätte. Wir werden natürlich Gelegenheit haben müssen, aus­führlich über die Frage zu sprechen. Bon einem Begraben im Ausschuß kann keine Rede sein. Eine heutige Debatte ohne Anwesenheit Dr. Simons habe keinen Zweck, deshalb schließe er sich dem Anträge Stresemann an.

Der Antrag Crispien auf sofortige Eröffnung der Aussprache wird gegen die äußerste Linke abgelehnt, desgleichen der Antrag, erst das Plenum vor dem Aus­schuß mit der Angelegenheit zu befassen. Das Haus erledigt dann . .....

kleine Anfragen.

Auf eine Anfrage des Abg. Laverrenz (Deutschnat? die auch vom Abg. Löffler (Soz.) gestellt ist, wegen Beschlaguahnte der Gerichtsakten in Sachen des Mordes an dem Zeitungsverleger Kupka durch die Franzosen wird regierungsseitig eine Erklärung abgegeben, die angesichts der großen Unruhe im Hause unverständlich bleibt.

Auf eine Anfrage des Abg. Schultz-Bromberg (Deutschnatl.) wegen der gegen den Wortlaut und den Geist deS Friedensverlrages verstoßenden bevorstehenden Ausweisung politischer Führer und Staatsbeamten, die sich national betätigten, aus dem besetzten Gebiet, er­widert Wirkt. Geh .Rat A d e l m a n n, daß nach den Feststellungen des Reichskommissars diese Befürchtungen unbegründet seien.'

Es folgt die dritte Lesung deS Gesetzentwürfe» betr. Entlastung der Gerichte.

Slbg. Leutheuser (D. Vpt.) bittet das Gesetz nicht durch Hineinnahme der weiblichen Schöffen und Ge­schworenen zu belasten. Nach dem angenommenen Antrag dürfe die Frau ein solches Amt nicht einmal ablehnen.

Abg. Graefe (Deutschnath schließt sich dem an und meint, die Abstimmung habe nur eine Zufallsmehrheit bedeutet. Beim Jugendgerichtgesetz werde Gelegenheit sein, auf diese Frage zurückzukommen.

Abg. Frau Dransfeld (Z.): Für die Fra« ist es notwendig, auch bei der Rechtspflege für die Gleichberech­tigung der Frau einzutreten. Der Antrag Hoffmann- Rosenfeld ist nur Flickwerk. In dieses Gesetz gehört der Antrag nicht.

Abg. Frau Lüders (Dem.): Bon der Forderung der Zulassung zum Schöffen- und Geschworenenamt gebt die Frau nicht mehr ab. Wir können von einer Absetzung der Forderung bei biefeni Gesetz nur dann reden, wenn uns die Regierung eine bündige Zusage über den Zeitpunkt der Durchführung dieses Gesetzes gibt.

Abg. Frau P s ü l f (Soz.) hält an dem Gesetz fest.

Justizminister Br. Heinze erklärt, politisch stehe die Zulassung der Frau zum Schöffenamt fest. Es frage sich nur, ob durch dieses Gesetz oder später. Eine An­nahme des Antrages Lcutheuser würde die Sache nicht verzögern, sie vielmehr in das richtige Gleise bringen. Schon in wenigen Wochen werde er eine Vorlage ein­bringen, sodaß die Zulassung schon im nächsten Jahre erfolgen könne.

Abg. Frau v.Oheimb (D.Bvt.) stellt sich auf den Boden des Anträge» Leutheuser.. Wir Frauen sind nicht Vertreter des weiblichen Geschlechts hier im Hause, son­dern für untere Wähler. Viel besser wäre es, wenn die

A beweisen. Ich habe Vertrauen zum deutschen Volk. > allem aber gedenken wir in diesem Augenblick Teil» unseres deutschen Vaterlandes, die wir in T^er Liehe umfassen, die zunächst von den Maß- *chmen de» alliierten Mächte betroffen werden. Es herzerhebend für uns wahrzunehmen, welcher Geist ® diesen Gebieten Herrscht, welche Entschlossen- : welche Ausdauer und welcher Mut, alles aus

zu nehme», wenn, es gilt, dem Vaterlande die *:pte zu leisten. (Lebhafter Beifall.) Mr danken ^eten Brüder» int bedrohten Gebiet für diese Beweise Anhänglichkeit und werden altes tun, was möglich - * um ihnen ihre schlvere Lage zu mildern. (Er- - *E«er Beifall.) Noch

; ei» Wort zur Schuldfrage.

des Auswärtigen Dr. Simons hat e3* London an die Geschichte appelliert. Ich glaube

Frau auf die Männer erzieherisch einwirken würde. Damit würde der Würde des Hanfes mehr gedient.

Abg. Dr .Rosenfeld bedauert, daß eS nicht einmal möglich sei, in einer so verhältnismäßig unbedeutenden Sache zu einer Ucfcereinfiimmung zu kommen.

Inzwischen ist ein Antrag Radbruch-Pfülf (Soz.) zur Entschließung Leutheuser eingegangen, der die Regie­rung ersucht, einen Gesetzentwurf vorzutegen, der der Fran den allgemeinen Zugang zum Schöffen- und Geschwvre- nenamt regelt, während die Entschließung Lentheuser lediglich den Zugang öffnen will.

Der Antrag Leutheuser^tD.Vpt.) und Gen., der die Zulassung der Frauen als Schöffen und Geschworenen wieder aus dem Gesetz streichen will, wird in nament­licher Abstimmung mit 183 gegen 146 Stimmen an­genommen. (Pfuirufe bei den Kommunisten.) An­genommen wird die Entschließung derselben Antragsteller, in der die Negierung ersucht wird, schleunigst einen Gesetz-

tLortsetzuW auf der 2. SeftrZ _

M NN M Des VerjMer Vertrages.

9« MW AmM.

Elberfeld, 8. März. DieBera.-Märkische Zeitung" meldet aus Düsseldorf, daß heute zwischen 4 und 5 Uhr englische und französische Truppen dort eingezogen find. Eigen 6 Uhr kreisten ein Dutzend Flieger über dem Rhein und dem bisher unbesetzten Gebiet zwischen Düsseldorf und Duisburg. Bald darauf zogen Kavallerie, Maschineitgewehrabtei- lungen und Infanterie in schwerer Kriegsaus- rüstnng in Düsseldorf ein. Die Franzosen haben vorläufig die Führung, aber auch Belgier und Eng­länder find vertreten. Ein Teil der Truppen schwenkte bei Kaiferswrth nach Duisburg ab. Die Tr.'r-Acn besetzten die »«Herrn Stadtviertel und Len Ä» r sf von Düsseldorf. Sie wurden in Schulen und Kasernen unterzebracht, Tie Offiziere bekamen Quartiere in Hotels. Die Schutzpolizei tut weiter Dienst in Düsseldorf, jedoch ohne Waffen. Der Der» kehr und der Telephoudienft nach dem linksrheini­schen Gebiet ist augenblicklich rmterbrochen. Die Bevölkerung verhält sich zurückhaltend. Zwischen­fälle sind bisher nicht eingctreten.

tob. Düsseldorf, 8. März. (7 Uhr abends.) In der Stadt liegen nur französische Truppen. Es bestätigt sich nicht, daß die Besetzung über Düssel­dorf hinaus ausgedehnt werde. Die SBei6inbu"2 zwischen Düsseldorf und Duisburg wird durch Ka- vatleriepatrouillen aufrecht erhalten. Die Post- und Telegraphen.ämter sind besetzt.

wb. D n k s b u r g, 8. März. (7 Uhr 40 Min.) ttm 2 tttft nachmittags hat die Besetzung der Stadt durch die Franzosen begonnen und ist bisher ohne Zwischen-» fall verkaufen. Die Post- und Telegraphenämter sind besetzt.

wb. Düsseldorf, 8. März. Das Kommando über die verbündeten Truppen in Düsseldorf hat der französische General Tegoutte. Um 12 Uhr wurden von ihm die Spitzen der Stadtverwaltung und der staatlichen Behörden empfangen. In der Mittags­stunde trafen auch noch zwei britische Marine-Flug­zeuge au fdem Rheine ein.

wb. Paris, 8. März. Wie demJntran- ffgrant" aus Mainz gemeldet wird, ist die Rede da­von, zum Stadtkommandanten von Düffeldorf einen belgischen General zu ernennen.

wb. Paris, 9. März. Wie derPetit Pa- rifien" aus Nancy meldet, hat gestern ein Infan­terie-Regiment die Stadt verlassen und ist nach den Rheinlanden befördert worden.

M a r /i 11 e, 9. März. Senegalschützen sind heute nach der Rheingegend abgegangen.

wb. Brüssel, 8. März. (HaraS.) Der Minister für Landesverteidigung beschloß, da» 2. Greuadier- rcgiment nach dem Rhein zu senden. Es wird wahr­scheinlich heute abend abrücken.

wb. Prag, 8. März.Cas" ist ermächtigt fest- zustrllen, daß die Tschecho-Slowakri an den Sank­tionen gegen Deutschland sich nicht beteiligen werde.

Wettere Nusdehnung der Zwanxsinabnahmen?

wb. B r ü s s e l, 8. März. (Havas.) Zn politi­schen Kreisen ist man der Ansicht, dah die D-utschen in einigen Tagen nachgeben werden. Spllten sie je­doch in ihrer Haltung beharren, so ist man all- tjerneut der Ansicht, daß die militärischen und wirr- schaftlichen Maßnahmen weiter ausgedehnt werden müssen.

Mjänguno I» Mastnmisäiütitlts.-

Streikverbot. Kein Pers»»rnverkehr.

wb. Düsseldorf, 8. März. Dar Oberkom­mando der verbündeten Besatzungstruppen hat eine Proklamation erlassen, die u. a. bestimmt: Der Belagerungszustand wird verhängt. Die Ordnung darf unter keinen Umständen gestört werden. Die deutschen Behörden und die öffentlichen Dienst­stellen werden unter der Kontrolle der Besatzungs­behörden ihren Dienst weiter versehen- Die Be­amten bleiben auf ihren Posten. Kein Streik wird geduldet. Jede Person muß ihre Iden­tität Nachweisen können. Jeder Auflauf sowie jede Kundgebung auf der Straße sind verboten. Private und öffentliche Unternehmungen dürfen nur mit Genehmigung des von dem Oberbefehlshaber er­nannten Ortsdelegierten ftattfinden. Der Verkehr innerhalb der neubesetzten Zone ist bei Tage frei, in der Nacht wird er durch den Ortsdelegierten im Einvernehmen mit dem Ortskommando geregelt, fo daß die Arbeiten unter keinen Umständen Rot lei­den. Im allgemeinen wird der Nachtverkehr nur vrtersagt werden, wenn vorkWunende Fälle diese

Maßnahme für unbedingt nötig erjcheinen lassen. Die Ein- und Ausreise in die und aus der besetzte» Zone ist bis auf weiteres untersagt. Aus­genommen sind die Arbeiter, welche auf ihrem Wege zur Arbeit täglich die Grenzen überschreiten müssen. Vom Eisenbahnverkehr ist der Versonen» verkehr vorläufig untersagt. Arbeiterzüge und internationale U-Züge sind ausgenommen. Der Güterverkehr wird durch die Verordnung der Ver­kehrs- und Verpslegungsgeneraldirektion der Armer geregelt. Zeitungen bezw. Blätter, Flugschriften, Anschläge usw., überhaupt sämtliche für das Publi­kum bestimmten Schriftstücke dürfen allein mit vorheriger Genehmigung des Ortsdele- üetten verteilt oder angeschlagen werden. Post, Telegraphen- und Telephonverkehr erleiden keim Unterbrechung, jedoch sind sie einer Kontrolle unter­worfen. Weiter müssen alle Waffen innerhalb 12 Stunden abgegeben werden. Zuwiderhandlungen werden krieg-gerichtlich verfolgt.

wb. Düsseldorf, 8. März. An einer Besprech­ung in der Kunstakademie nahmen, wie die Blätter melden, ein französischer und ein belgischer General teil. Der französische General crkfärte, daß die Ver­bündeten die Besetzung Düsseldorfs, Duisburgs und Ruhrorts nicht als Militäraktion betrachten, sondern als Aktion der Justiz. Weiter wurde mit- gcteilt, daß Düsseldorf von Engländern, Belgiern, vor- wg-5»eife aber Franzosen besetzt werde. Der General kündigte an, daß bei angemessenem Verhalten der Vo-.ö!kcrnng bald Erleichterungen eintreten könnten. Auf Auftage des R-g'ernngspräsisenteil wurde erklärt, daß wegen der staatlichen Schutzpolizei noch eins nähere Versügung ergehen werde. Vorläuffg bleibe es bezüg­lich der Polizei beim Alten. Der Einmarsch btt Besatzungstruppen hat sich ohne iede Storung voll­zogen. Die Brvötkerung verhielt sich musterbasl. Der Hanptbähnhof wurde in den Morgenstunden von einer kleinen Abteilung besetzt, bald darauf aber wieder ver­lassen. Vis in die ersten Nachmittagsstunden hat der Eisenbahnverkehr keinerlei Störungen erfahren. Auch dec Telegraphen- und Telephon-erkehr blieb abgesehen von Beschränkungen im Verkehr mit den linksrhei­nischen Gebieten ungehindert. Die Regierungsgebände, das Bezirkskommando und das Kasernenviertel sind von belg-scheu Abteilungen besetzt. Nach einer behörd­lichen Anordnung müssen am heutigen Einzugstoge der Besatzung-Struppen die Theater, KinoS, Konzert- lokale usw. geschloffen bleiben.

Die Zurückziehung der amerikanischen Truppen.

wb. W a s h i n g t o n, 8. März. Das Kabinett beriet gestern über die Frage der Zurückziebung der amerikanischen Streitkräfte aus, Deutschland. Die hiesigen Politiker erwarten, daß das Vorgehen der, verbündeten Heere den Beschluß der Regierung be schleunigen werde.

Die Mmim m Wm.

30 Kilometer östlich des RheincSl

wb. Mainz, 8. März. In einem augenscheinlich inspirierten Artikel desEcho du Rhin" über daß Inkrafttreten der Sanktionen heißt es u. a.: Die Frage der Bildung einer Zollgrenze am Rhein unterliegt dem Studium. Da die Städte Köln, Koblenz und Mainz in diese Zone einbegriffen sein müßten imd diese drei Brückenköpfe Unterbrechungen in der Kon­tinuität unter sich ausweisen, die ernste Unzuträg­lichkeiten bieten würden, würden sie umzuwandeln sein in einen 30 Kilometer breiten Gelände­streifen längs des Rheines, und auf dieser Linie würden die neuen Zollposten errichtet werden.

Köln, 8. März. Wie dieKöln. Ztg." meldet, wirst die in Aussicht genommene Zollgrenze am Rhein .bereits ihre Schatten voraus. Me wir hören, ist' von einem großen Werk im besetzten Gebiet bereits im Hinblick «uf die kommende Zollabschnürung ein indust-' rieller Auftrag im Werte von 60 Millionen Mark rückgängig gemacht worden. Es versteht sich von selbst, daß eine solche Abbestellung von den schwer-, sten Folgen für die Arbeiterschaft bt-- gleitet sein wird.

Drohung mit neuer Blockade. '

wb. London, 8. März. DieDaily Mail" schreibt: Man darf wohl an nehmen, daß jeder Ver«, such Deutschlands, die neue Zollgrenze durch Ab­lenkung seines Handels nach Rotterdam oder irgend^ einem anderen Hafen zu umgehen, durch die Ver­hängung der Blockade durch die Verbündete» zum Scheitern verurteilt fein würde.

wb. London, 8. März. Bei der Darlegung der Ergebnisse der Londoner Konferenz im Untechause' lallte Llövd Geoczki es würden di« notwendige»-