Krelses Marburg.
hessische) Oberhessen
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Marburg
SrtilM, ton 25. Seltner (fcermmg)
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Bit »NllMk» MW.
! HuiaetSichsrbtMg der Kabinettsbildung in Preussen.
Berkin, SS. Febr. Zur Frage der Kabinetts »tldunch erfahren die Blätter aus parlamentarischen Kreis«!, teefi der Vorsitzende der Retchstagsfraktion der LeutsÄm Botkspartet Dr. S t r e s« m a n n an die iadere» Keichstagskoalitionsparteien ein Schreiben erichtet har. in dem er vorschlägt, die Verhandlungen Dber die Bildung einer einheitlichen Koalition im Weiche mU» tu Preußen bis nach der Londoner Äonfe- «kuz z» vertagen. Laut „Vossischer Ztg." sei anzu- Mehmesi, Latz diese Vorschläge auch den Wünschen der ,WzIaldemokraiischen Partei entsprechen werden, 's * .
■ Die „3tö{ionaHi&. Korrespondenz^ weist gegenüber der demgLratischcn Presse, die ein Zusammengehen der drei bürgerlichen Parteien, die im Reiche die Regierung bilden, mit den Sozialdemokratien für das einzig 'Gegebene hauen, daraus hin, da^ in. der Besprechung der Parteiführer vereinbart worden ist, daß die Parteien. die im Reiche die Regierung kitÄen, auch in D.eußen geschlossen auftreten sollen. Damit sei zum Anr-drnS gebracht, daß Zentrum und Demokraten die veseitigULg der bisherigen Regieruugsbasis in Preußen für stlbM^rstLridlich halten und den Sozial -nokraten chic bisherige Negierungskoalition kündigen. Es scheine, daß damit die Folgerung gezogen worden sei, die man teni demokratischen Prinzip schuldig war. Denn ohw allen ZwEkl fei die bisherige Regierungskoalition hi Preußen schwer geschlagen aus dem Wahl- kampf zurückgekehrt, und die geringfügig: Mehrheit dir sie ziixrnmäßig noch besitz:, könne den Anspruch aus den 7§srtbcsta»d der bisherigen Regierungskoalition unter ieiiitu Umständen rechtfertigen.
te MMMchl tot MlßMMn Stimm«!!
Tas Wahlergebnis zeigt das Bürgertum in sol- ' Wnder SiLrie: Zentrum etwa 3090000, DeutschnMio »ale ebi:«-3850Ö8ß, Deutsche Lolksp. etwa 2250 000, fcem»Ii3dta etwa 1000 0M Stimmen. Das sind Meint Millionen bürgerliche Stimmen. Ihnen stehen in den drei sozialistischen Parteien knapp ß,4 Win.'open Stimmen g^-enuber. Das Uebergewicht der Lüigrrlichep aber die vereinigten Sozialisten beträgt Äs» btij »ie Hälfte. Aus dieser Tatsache ergibt sich dir pouiifche Bedeutung der preußischen Wählen. Betrachtet man weiter, daß die radikale Links-Opposition, bestehend aus Unabhängigen und Kommunisten, nur über etwa 2'/t Millionen Stimmen verfügt, so erstrhl mau» daß gegenüber den übrigen 13 Millionen Stimmen im preußischem Staatsgebiet diese Oxdosst'on nicht den geringsten Anspruch darauf hat, sich als Wortführer des Sollte anfzuwecfen. Stellen kir endlich fest, daß die Kommunisten als die Ber- keter dcr Moskauer Methoden nur knapp 1,2 Mil- lioucu Stimmen, also knapp den 15. Teil der übrigen Stimmen ausgebracht haben, so ergibt sich die Schluß- folgernng, daß die Selbstbesinnung im Volke sort- schrritet, baß der Wunsch nach Ruhe und Ordnung ' eine immer breitere Basis gewinnt.
Die Provinziallandlagswahlen.
Berlin, 25. Febr. Dem „Vorwärts" zufolge dir Wahlen zum Provinziallandtag der Pro- !»inz Sachsen eine sozialdemokratische Mehrheit ergeben.
tv&. Düsseldorf, 24. Febr. Vorläufiges aml-, Ncb.'S Wayrergebnis zum rheinischen Provinziallandtag: Regierungsbezirk Düffeldors: Deuisctmationale 10, Deutsche Lolkspartei 12, Zentrum 30, Demokraten 3. Eozi<rldem»kraten 12, Unabhängige 6, Kommunisten 11. — Regierungsbezirk Köln: Deutschnationale 2, Deutsch« Volksxattei 3, Zentrum 15, Demokraten 1, Sozia! dcmoknrteu 8. Unabhängige 0, Kommunisten 0. — Re- aiernagSbeKrk Stachen: Deutschnationale 0. Deutsche Lolksp«Sei L Zentrum 11, Demokraten 0, Sozialdemokraten 2, Unabhängige 0, Kommunisten 1. — 9t c- ei<nme5teltr< Trier: Arbeitsgemeinschaft (^emokra ten, D«,Wey« Bolkspartei und Deutschnationales 1, Zentrum 8, Sozialdemokraten 1, Christliche Volkspar lei i, Idv.av hängige 0, Kommunisten 0, zusammen 159 Sitze.
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Oberschlesien.
Der tzingrisf in die deutsche Rechtspflege.
Wb« Deut Heu, 21. Febr. Heute morgen holten ein französischer Offizier und mehrere französische Soldaten de» d«s Mordes an Theophil Kupka angeklagten Schtosi« M v r c z i l aus dem Gefängnis, wodurch dcr AngcNae» der deutschen Gerichtsbarkeit entzogen wird« vte Gerichtsbehörde protestiert energisch gegen dieses Horvhen.
Ei« Ptstolensorderung. Staatsanwaltschaftsrat Dr. zr»U»e, der kürzlich in einer Wahlrede in Schtvetdwttz die Presse als seile Dirne bezeichnete, die für Geld $nt alles zu haben sei, wogegen der Reichs- verbanp der Deutschen Presse aufs schärffte protestierte, forderte tew Cbesredakteur der „Breslauer Morgen- iettitng* Kratze und den verantwortlichen Redakteur der ,vreSimicr Zeitung", Dr. Langenstrafien, die eben- fabs seue Besitztmpsnns Stellung senommen l Hkl^Sd4*| WW-le» . —
Dr. Simons
Die HoeiisliiWeit Bet MW
Sitzung des Reickswirtschaftsrats vom 21 Februar.
Tagesordnung: Stellungnahme zur Londoner Kon- errnz.
Edler v. B r a n u: Nachdem die Pariser Beschlüsse bekannt geworden sind, haben alle Volkskreise die furchtbaren Bedingungen begriffen. Das ganze Volk ist einig in der Ablehnung der Bedingungen, die Deutschland zu Dienen und Hunger verurteilen. Ebenso einig wie diese Auffassung ist der Entschluß des Volkes, seine Verpflichtungen bis an die Grenze dcr Leistungsfäbigheit zu erfüllen. Lloyd George hat im Unterhaus selbst anerkannt, was Deutschland schon geleistet hat. Nicht nur die Kolonien, unsere Handelsflotte und unser KriegSgerät haben wir abgelirfert, sondern auch Rohstoffe und Waren in großen Mengen. Außerdem haben wir alle deutschen Unternehmungen und einen großen Teil unserer Forderungen an das An-land verloren. Dadurch ist Deutsch- land stark an das Ausland verschuldet, und große Teile dcr deutschen Unternehmungen bleiben Eigentum des Auslandes. Eine weitere Schwächung unseres Volksver- mortens ist unmöglich, wenn Deutschland als Wirt- 'chastskörpcr writerbesteben und arbeitsfähig blcibeti soll Deutschland hat im Kriege Leistungen vollbracht, dir man 'ür unmöglich gehalten hatte. Daher glauben unsere Gegner, baß wir Unmögliches erfüllen können, wenn wir nur wollen. Der stärkste Mille aber ist machtlos gegenüber den Naturgesetzen. Kein Volk kann auf bie. Dauer Sklavenarbeit leisten. Das deutsche Volk will lieber zu Gruiwe gehen, als das Urteil dauernder Sklaverei selbst unterschreiben. Der ReichSminister des Aenßeren rüste« sich nach London zu gehen. Ich richte an ihn namens des Reichswirtschaftsrats die Frage, ob er entschlösset! ist, die einmütige ablehnende Haltung deü deutschen Volke? unerschütterlich, und wenn es sein muß, bis zum bitteren Ende zu vertreten und andere Vorschläge zu machen ,dir die Lebensnotwendigkeit dcS deutschen berürffichtiaeu. OStOalLl
Die Rede des Außenministers.
ReichSminister de» Aeußercn Dr. Simons: Ich weiß, daß in dem vorläufigen Relchswirffchaftsrat in erster Linie die Konsumenlen-Intcrefseu Vertretung sin- den. Aber im großen und ganzen hat daS Ausland recht wenn es den Reichswirtschastsrat die Kammer der Arbeit nennt. Von der deutschen Arbeit wird außer- ordentlich viel durch die Pariser Beschlüsse gefordert, die sich zum großen Teil aus den Eniwaffnungskragen und zu -inein kürzeren Teil au? den Reparation «fragen ziffam mensetzk. Die ReichSrcgierung ist gewillt, dir Entwaff- niiugsverpflichtungeu, die dec Friedensvertrag von Versailles und das Abkommen von Svoa unS auierlegt hat in dec Form, wie sie jetzt in ihren mäßigeren Termine" >m deutschen Volke in Pari? auserlegt worden sind, lomst innerhalb des RabmenS bet Fri--benSvertrages zu erst allen. Wir haben uns ja militärisch so ziemlich bis auf das Hemd ausgezogen. Nach dem, waS uns ßOri- geblieben ist, können wir mit knapper Not den ruhigen Gang unserer wirtschaftlichen Produktioii gewährleisten 'fßer von einem militärischen Angriff aus fremde Völker b'nn unter ernstbasten Leuten keine Rede mehr sein Lebhafte Zustimmung^ Die Frage der Dieselmotoren ist noch immer nicht im Sinne unserer Auffaninig geklärt. Ich will weiter Hinweisen auf die Ausdehnung dr? Begriffes der Kriegsmaterialien. wodurch wichtige friedliche Industrie« geschädigt werden. Ich will endlich Hinweisen aus btt Unterdrückung der deutschen Frie- denSluftschirfahrt, die nach unserer Ansicht für UNS von außerordentlicher Bedeutung und für den friedlichen Verkehr mit dem Auslande unabweisbar ist- Ich hoffe, daß in London sich Gelegenheit bieten wird, über >i?fe Fragen sich mit den Gegner verständig zu unter- 'xtlten. Ob daS der Fall sein wird, ist freilich nicht sicher. Hat doch jetzt die Agence HavaS mitzeteilt, daß rtie Besprechungen sich ausdrücklich erstrecken sollen oui rtie Reparationen, nicht auf die Entwaffnung. Unzweifelhaft ist aber, daß wir mit de« RevarationSfragen einen außerordentlich harten Sturm werden zu bestehen haben. Während die Pariser Beschlüsse^ in heißen ■lämbftn, und wie ich glaube, in großer vast zustande vtonuntn sind ohne eine Einigung auf der allgemeinen Basis der Interessen unserer Gegner zu erzielen, dürfen wir nicht hoffen, zu positiven Ergebnissen in London zu kommen, und wir werden innere Gegenvorschläge so einrichten müssen, daß wir auf eine Einigung unserer Gegner rechnen können. Freilich wird jetzt in der französischen Bresse gesagt, in Loudon bandele es sich nicht mehr um eine Äenderung der Pariser Beschlüsse, sondern nm deren Durchführung. Tann gehen wir vergebens nach London. Denn eine Anwendung und Durchführung dieser Beschlüsse halte ich für
völlig ausgeschlossen.
Es ist nicht eine durchdachte, sondern eine von rasendem Haß eingegebene Idee, daß wir dauernd 6 Milliarden Goldmark aus unserem Ausfuhrüberschuß dei Gegnern zur Verfügung stellen sollen. Schon jetzt macht sich überall die Bestrebung geltend, unsere ?lus- fuhr zu unterbinden. N-berall wird Fürsorge getroffen, um die deutsche Konkurrenz, dir durch den geringen Wert »er deutschen 3ifata zum Steigen gekommen ist, wieder ziuLkrudräugr».. Wie tzaßi dazu daS Verlangen, neben
über die Paris
lito 8l>ktorWt». — Bit totiiStn 6ts
jährlich 6 Milliarden Goldmark uns noch eine 12prozentige Äusfuhrsteuer aufzuerlegen. (Lebhaftes Sehr richtig!) Die Statistik zeigt besonders in den letzten Tagen, daß von einer aufsteigenden Bewegung nicht die Rede fein kann. Im Gegenteil, die Geschäftslosigkeit, die sich in Amerika zeigt, wird auch un5 erfassen. (Bewegung und Zustimmung.) Das ist allgemeine Welttendenz ,die dahin geht, den Bedarf nach Möglichkeit -einzuschränkcn. .Lebhafte Zustimmung), um die furchtbaren Lasten, die der Krieg allen Völkern auserlegt hat, durch Sparsamkeit >Keder abzutragen. Wie kann man da glauben, daß Deutschland das alleinige Land sein kann, das eine solche Steigerung seiner industriellen Entwicklung vornehmen kann. In dieser Zumutung, die uns von Paris aus- edegt wird, liegt nichts weiter als der Wisst, die deuffche Wirtschaft zu Gunsten bet fremden Industrie zu zerrütten, wodurch dann allerdings dann auch bie Wirt- 'Ärft ditiscr Länder zerrüttet wird. (Sehr richtig.) Deshalb handeln bie Gegner gegen ihr eigenes Interesse, wenn sie das deutsche Volk zu solcher Fronarbeit ver- -irteilen. ES ist nicht denkbar, daß diese Arbeit geleistet werden kann, ohne die Lebensinteressen unserer arbeitenden Bevölkerung weit über die Grenzen des Zulässigen heräb- , Ulfen zu lassen. Von der Regierung ist bereits beschlossen worden, daß wir
Gegenvorschläge machen
wollen. Wir haben uns große Mühe gegeben, diese unge- i>euer schwere Ausgabe >zu lösen, um mit praktischen Vorschlägen kommen zu können. Wir müssen dabei die Bedürfnisse .unserer Gegner prüfen und suchen, ihnen genug zu tun. Ich habe vor kurzem die letzte Sitzung per Sachverständigen geleitet und die Einstimmigkeit in ■ >ra Gegenvorschlägen nicht zu erzielen vermocht. Inzwischen haben wir aber die Anregungen de? Sachvcr- ständigenausschusses im engeren Kreise noch verfolgt, und wir sind dahin gekommen, der Neichsregirrnng in sich tragbare und für die deutsche Wirtschaft erträglichere Vorschläge machen zu können, die auch die Bedürfnisse der Gegner berücksichtigen und sich in einem Maße-halten, daß sie praktisch ausführbar sind. Darüber wird 'ich das Kabinett wahrscheinlich heute oder morgen schlüssig» ".-rrden^Die letzte Sitzung mit den Sachverständigen ist
uf Freitag berufen worden. Wir werden allerdings '-iffenigeu Vertretern des deutschen Volkes, die ein Anrecht darauf haben, Mitteilungen über die Gesamtheit unserer Vorschläge machen, und dies soll in der nächsten Sitzung des Ausschusses des Reichswirtschaftsrates geschehen, um sie in den Gedankengang der Gegenvorschläge eiuzuführen, die dann von dem Kabinett sestgelegt werden. Woranf es der deutschen Regierung ankommt, ist, daß ws deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit seiner Regierung zurust:
Bleibe fest!
-nd: Wir vertrauen, daß du fest bleibst. Darm werden wir fest bleiben. Davon können Sie überzeugt sein, wir
iud uns der Verantioortung wohl bewußt, die wir in London zu tragen haben. Ich benutze die letzte Gelegeu- ch-it, vor der deutschen Oesfcntlichkcit nochmals meiner eben Ueberzengung Ausdruck zu geben, sgß es gegen Recht und Vertrag verstößt, wenn eine Ab- -ifniutg zu Sanktionen überhaupt Anlaß geben würde Lebhafte Zustimmung. > Vorschläge sind dazu da, angenommen oder abgelehnt zu werben. Dieses Recht tvird auch durch den Vertrag von Versailles berücksichtigt, wonach Reparationen oder Sanktionen erst in Frage kommen, wenn festgestellt ist, daß wir unsere Verpflichtungen nicht erfüllen. Diese Verpftichtungen sind uns aber nock nichk einmal mitgeteilt worden in der Form, daß sie als beschlossen von uns anzusehen sind und ohne oaß wir gezeigt hätten, sie zu prüfen. Also meine Zerren, ick erkläre, haß Sanktionen noch nicht zu erto.rrtcn sind wenn es nach Recht und Billigkeit geht. Andererseits' erkläre ich, daß sich manche Anzeichen wahrnehmen lassen, baß eine Ablehnung der Vorschläge von Paris als Widerspenstigkeit Deutschlands anfgesaßt und zu Sanktionen, führen wird.
Zu diesen Sanktionen gehören:
die Verlängerung der Besetzung, die Mchtansiiahme in den Völkerbund, die Errichtung eines eigenen Zollgebiet-s in den besetzten (Yebieten und die weitere Besetzung deutschen. Gebietes außerhalb des Rheinlandes. Ich Hal» die wirtschaftlichen Folgen dieser Sanktionen mit den Ministern der Länder, bie ich besucht habe, ausführlich durchgesprochen, und ich nehme an, daß sie auch ver Reichswirtschaslsrat durchberaten hat. Sie sind schwer für bie deutsche Wirtschaft, insbesondere infolge der Zerreißung zusammenhängender Wirtschaftsgebiete und infolge der Unterstellung deutscher Gebiete, welche bisher ?rei waren, unter die Fremdherrschaft. Es kann nicht Aufgabe der deuffche« Delegierten in London jein, den Eindruck zu erwecken, daß mir leichtherzig über diese Ge- 'ahren hinweggehen, sondern zu betonen, daß wir den iiiten Willen haben, mitzuarbeiten an einem gemciiifamcn Plane des Wiederaufbaues. Der Wichrraufbau , must a nb ers gemacht werden. Es ist nicht menschenniogliH, daß ein Volk den ganzen Schaden ivied-erzutmacht, tun 27 andere Völker erlitten haben. (Lebhaftes „Sehr richffgl") Die deutsche Regierung hat die Absicht, riü5öem den Friedensvertrag in den Grenzen des M ög - lichenauSzuführen. Wie weit diese Grenzen gehen, hüben wir geprüft. Sie gehen nicht annähernd
er Beschlüsse.
»mchMt. — Seine Utonlenet!
’o weit, wie unsere Gegner glauben. Es handelt sich hier um eine gemeinsame Aufgabe der ganzen kulturellen Menschheit. Alle, die am Stiege beteiligt waren, ja selbst diejenigen, die nur zngeschaut haben, müssen Mitarbeiten. Man darf nicht verharren auf der Androhung von Sanktionen. DaS ist nicht die Form, in der wir die Welt von den Folgen des Krieges befreien können^ (Sehr richtig.) Das deutsche Volk schickt seine Leute vor den Feind. Solange sie dort stehen, muß die deutsche Heimat geschlossen bleiben. Wir müssen unserer Politik und unserer Wirtschaft eine Schonzeit auferlegen, damit wir nicht durch ein Wort und eine unüberlegt^ Streithandlung unS in bei Sanktionsfrage gefährlich sind. Wir warnen, den Kampf in dieser Zeit ans die Spitze zu treiben. Ich warne twr allem — »nd da unter-! streiche ich das, was ich heute in der deutschen Presse ge-> lesen habe — vor unbedachten politischen Abenteuern« wie sie von mancher Seite geplant werden. Diese Abenteuer wird sich die Regierung nicht gefallen lassen, und ich werde das meinige tun, einen derartigen Versuch unnachsichtlich niederzuschlagen. Wir brauchen eine Zeit des Aufatmens für unsere Wirtschaft, eine Sicherheit dafür ,daß uns die Gegner nicht selbst die Möglichkeit zuschanden schlagen, ihnen in den Grenzen deS Möglichen »ür ihre Bedürfnisse behilflich zu sein. Wenn der Reichs- wirffchaftsrat hier der Regierung seine Unterstützung leiht« so werde ich persönlich ihm von ganzen Herzen dankbar sein. (Lebhafter langanhaltender Beifall und Hände- llatschen.)
Die Aussprache.
v.Siemens (Arbeitgeber): Der Feind verlangt von unS Gold. Goldbergwerke haben wir nicht. Unser Gold ist in erster Linie unsere Arbeitskraft. Aber dieses Gold ist nur gemünzt brauchbar. Zur Begleichung seiner Rechnungen muß der Feind auf unsere Arbeitskraft zurückgrei- sen. Von unserer Produktion können wir aber nur den lleberschuß abgeben. Es bleiben uns nur zwei Mitte! zur Bezahlung des Ueberschusses: Ersparnisse durch 93er- brauchsbeschränkung und Herabdrückuug unserer Lebenshaltung einerseits und Produltionserhöhung andererseits Die Lebenshaltung können wir nicht gut weiter ein-* schränken. Den Luxus fördert Frankreich selbst dadurch >aß eS die zollfreie Einfuhr französischer LuruSartike! erzwingen will. Wenn wir die Forderung der Entente öurchführen wollen, so müssen unsere Arbeiter 42 Jahre lang zwei Stunden täglich länger arbeiten. Da? ist nach den Naturgesetzen unmöglich. Ucbrrdies wird die Aus- »uhr durch die Belastung mit 12 Prozent erschwert. DaS "ind Widersprüche. Man stellt uns unmögliche For- Meningen, um uns den Peweis des guten Willens ab- michneiden. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben zu unseren Vertretern in London das Vertrauen, daß sie der Wahrheit zum Siege verhelfen. Erweist sich die Lüge als zu stark, so sollen sie wissen, daß die deutsche Wirtschaft geschlossen hinter ihnen steht. Mit besonderem Nachdnick aber rufen wir Ihnen zu (Redner wendet sich an den Minister Dr. SimonS): Sie haben nicht daS Recht, in London Wech'el auszu- trllcn, durch die Sie unsere Kinder und Kindeskinder der Sklaverei überliefern. (Stürmischer, langanhaltender SBei- iall)
Wissel (Arbeitnehmeivertreter): Was die Pariser Be- ichlüsse von uns fordern, hätte nicht einmal vas Deutschland der Vorkriegszeit erfüllen können. Die deutsche Arbeiterschaft ist entschlossen, bis an die Grenze der LeistungS- iähigkeit zu gehen, ebenso fest aber auch entschlossen, sich nicht in eine Sklaverei hineintreiben zu lassen. Sie wird ihre Errungenschaften, namentlich den Achtitunden- ag, sich auch durch bie Entente nicht nehmen lassen. Die deutsche Arbeiterschaft will sirr die Wiedergulmaffung irbeiten, aber sie will die Hoffnung haben, baß es ihren lindern besser geht. (Lebhafter Beifall.)
Staatssekretär a. D. August Müller: Die Forde- ruugeu der Entente sind undurchführbar, weil sie den igenartigen Charakter der deutschen Volkswirtschait nicht berücksichtigen. Selbst bei Einstellung nur des notwendigsten Bedarfes an Nahrungsmitteln brauchen wir im nach-' icn Jahre eine Fleischcinfuhr von 600 000 Tonnen und ■ine Einfuhr von 3 Millionen Tonnen Brotgetreide. Tas bebrütet dem Werte nach eine Einfuhr von 3,8 Milliarden Goldmark. Um zu vernünftigen Forderungen zu aelangen, inüjsen neben den Prvduftions- auch die Austauschverhältnisse berücksichtigt werden. Kein Staate-, mann ist im Stunde, daS vorliegende Abkommen zu unterzeichnen.
A i t t h ö f f (Vertreter des Handels und der Banken): Die Ersültung des Pariser Abkommens ist unmög- lich. Wir haben untere Handelsflotte verloren. 50 000 S-eteutc sind brotlos. Wir können unseren Ezvort in den 'ächsten Jahren nicht beträchtlich heben. Im .fernen -st-steu haben sich Japaner und Engländer in untere Ge- chäste hineingffest. In Südamerika machen uns die bereinigten Staaten das Lmndelsgeschäft streitig. Ruß». !.mb ist noch für unseren tzauoel verschlossen. Australien tat sich gegen unsere Einfuhr abgejperrt. In Aftika fiitii uns unsere Sittioir.cn genommen. Kanada erhebt Zu« chlagszölle aus deutsche Poren. Ueberaü sehen wir Be« nebungen, die Eiuftihrzölie zu Ungunsten Deutschlands z, -rhöhen. Lieber unter Schicksalsschlägen in Ehren bei stehen, als in Uuehren den deutschen Namen »n schänden, Lebhafter Beffalt.)