Einzelbild herunterladen
 

3weites gutt 9?rT40

Freitag, 18. Februar

(Hornung)

1921

' flrttiltW md diMii-n kedmke.

Von Generalsekretär Paul R ü f f e r.

Die Predigt des Klassenkampfes hat die Ar­beiterschaft und das Bürgertum, wenn man diese Heiden Begriffe überhaupt gegenüber stellen darf, ^Auseinander gerissen. Das, was zusammengehört, ist künstlich getrennt wordm. Zu der kon­fessionellen und politischen Spaltung ist die soziale gekommen. Das ist unseres Volkes Unglück. Ge- Hrtjj, natürliche Gegensätze sind zwischen Arbeit­gebern und Arbeitnehmern vorhanden, aber sie sind uicht so tief, daß sie nicht überbrückt werden könn­ten. Es ist etwas ganz anderes, wenn man vom Natürlichen Standesgegensatz redet, als wenn man eom Klassenkampf spricht. Die natürlichen Klassen­gegensätze lassen sich verringern und schietzlich-auch überwinden, die künstlich geschaffenen dagegen nicht. Denn sie wollen keine Versöhnung, sondern Feindschaft, keine Verminderung, sondern Vertiefung. Ihr Ziel ist die Herrschaft der Men Klaffe über alle anderen, dieDiktatur des Proletariats". Nicht Gleichberechtigung, sondern Entrechtung ist ihr Wille. Ganz folgerichtig sagte deshalb vor einigen Wochen der, Stadtverordnete Dörr im Berliner Stadtparlament in Bezug auf das Bürgertum:Wir wollen nicht ihre Eleich- ;derechtigung sondern ihre Entrechtung." Der Klaffenhatz richtete sich zunächst gegen das llnier- i Kehmertum, das es rücksichtslos zu bekämpfen gelte. Natürlich übertrug er sich auch ohne weitere? auf das Bürgertum; denn die Arbeiterschaft sah durch die Brille des Klassenhasses im Bürgertum die Be- ßtzenden, die das nichtbesitzende Proletariat nicht nut Niederhalten, sondern auch ausbeuten wolle. Innerhalb der Grenzen unseres Reiches entstanden Wtf diese Weise zwei feindliche Volksschichten: ^Proletarier und Bourgeoisie", die zwar eine ge­meinsame Sprache redeten, aus einem Blute stammten, aber im übrigen meilenweit von ihren politischen, wirtschaftlichen und religiösen Empfin­dungen und gesellschaftlichen Anschauungen vonein­ander entfernt waren. Die Gemeinsamkeit des deutschen Empfindens und des nationalen Denkens »ar verloren; denn das wahre Vaterland des Pro- letutiats sollte ja das Proletariat aller Länder fein. So entstand ein Volk im Volke, das politisch, gewerkschaftlich und genossenschaftlich organisiert War. Ein Volk von internationaler und anti- Mligiöser Denkart war unter dem Einflutz eines »itzverstandenen Marxismus emporgewachsen, des­sen politisches Ideal der internationale Friede in der Völkerwelt, aber der rücksichtslose Klassenkampf ßm eigenen Volke war.

Aber das alles sollte heute, wo wir als Volk zu einer arbeitenden Klaffe für das Kapital der En­tente geworden sind, nicht mehr maßgebend sein. In der Gegenwart sollte es keine Klasse, sondern Wur noch Deutsche geben. Der künstliche Unter­schied zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum mützte endgültig unter der Not der Zeit verschwinden. In der Gegenwart sollte nur eine Frage die Ar­beiterschaft und das Bürgertum beherrschen:- Wie tauen wir unsere Zusammengebrochene Wirtschaft Wieder auf, und wie machen wir uns frei von den Fesseln des Versailler Friedens? Gegenüber der furchtbaren Gefahr, daß wir als Volk das entsetz­liche Schicksal Irlands und Indiens teilen sollen, fcnit es nur ein Gefühl, nur eine Arffchauung, nur einen Willen geben: Wir sind Deutsche! Die Deutschen von heute sollten sich daran erinnern^datz es der Hannoveraner Scharnhorst, der Nassauer Stein und die Nichtpreutzen Fichte und Arndt

waren, die in der Zeit des napoleonischen Zusam­menbruches in der Erkenntnis, daß es nur der historische Beruf Preußens sein könne, Deutschland zu neuer Blüte zu führen, an der Aufrichtung des zujammengebrochenen friderizianischen Staates ge­arbeitet haben. Was damals die Erkenntnis einer Anzahl tatkräftiger Männer war, mützte heute ge­meinsames Erkenntnisgut des deutschen Volkes ein: PreuHen ift die Schicksalsfrage des Reiches.

Auf dem Boden dieses Erkenntniffes mutz sich Arbeiterschaft und Bürgertum am 20. Februar zu- ammenfinden. Die Arbeiterschaft braucht sich nur eiten zu lassen von wirklich ehrlichen So­zialisten, die ihre marxistischen Scheuklappen ab­gelegt und die das Nationalgefühl über das Klassengefühl gestellt haben. War es nicht der eng­lische Sozialist John Burns, der erklärte:Er habe genug gehört von Arbeiterstiefeln, Arbeiterziigen, Arbeitermargarine. Er sei auch der besonderen Ar­beiterkandidaten überdrüssig." War es nicht San­ders, der erklärte:Die Führer der arbeitenden Klaffen haben eine kritische Zeit vor sich. Die Pre­digt des Klaffenkampfes mag ein ausgezeichnetes Mittel sein, um hungernde Massen in schlechten Ge­schäftszeiten zusammenzuballen, aber diese Art Pro­paganda hat keine Macht, den hingebenden be­geisterten Arbeiter im Dienst des Eeheimwesens zu schaffen." Warum beachtet die deutsche Arbeiter­schaft nicht die Stimme dieser Männer?

*-

Die kommunistischen Kampfpläne.

DieDeutsche Tagesztg." setzt ihre kürzlich be­gonnenen Verössentlichungen über die Vorbereitungen der kommunistischen Kampspläne sür Berlin unter bolschewistischer Oberleitung fort und bringt einen Auszug aus den Organisationsvorberettungen. die sich auf die zivile und wirtschaftliche Verwal­tung erstrecken. Danach wird die Retchsexrkuttve als oberste revolutionäre Instanz aller innerpolittschen und wirtschaftlichen Organisattonskörper genannt. Der Retchswtrtschaftsrat sei als Ausführungstnstru- ment auf innerpoltttscheM und wirtschaftlichem Gebiet geplant. Er setzt sich aus verschiedenen Kommissionen, die der Propaganda, der Rohstoffverfassung und Be­wirtschaftung, der Regelung des Verkehrs, des Ver­waltungswesens und des Finanzwesens soivie der ge­samten Produktton dienen sollen, zusammen. Bei dem gesamten wirtschaftlichen und innerpolittschen Ausbau der kommunistischen Gesellschaft ist nach Mög­lichkeit das weibliche Proletariat mit gleichen Pflich­ten und Reckten wie das männliche heranzuztehen. Auch diePost" bringt Mitteilungen über Vorbe­reitungen der Kommunisten zum Bürgerkrieg. Sie veröffentlicht zwei Gehetmprotokolle, die die Be­sprechung der Führer der Kampforganisatton Breslau behandeln. In diesen Protokollen wird besonders der Bericht eines Genossen Schuster über die Propa­ganda 6et den Behörden und der Reichswehr ange­führt. Er enthält nähere Angaben über seine Be­mühungen, kommunistische Vertrauensleute in die Polizei und die Reichswehr hineinzuschmuggeln und Vorbereitungen für die Fabrtkatton von Spreng­bomben und Anlegung von geheimen Waffenlagern zu treffen.

Nm boWWW PropagandauM.

Wb. Paris, 17. Febr. Der allgemeine Sicher­heitsdienst teilt mit, daß im Departement Pas de Calais zahlreiche Plakate und antimilitaristische Flugschriften verbreitet werden. Die Untersuchung ist im Gange. Ferner sind in einem Lager früherer russischer Legionäre Propr- gandazeitungen und -Broschüren für die bolschewistischen Ideen beschlagnahmt worben, die de rrDruckort Newhork und die JahreszaU 1921 tragen. Einer der Ervedienten dieser Zeüungen soll im Departement Sonne wohnen. Auch hier ist die Untersuchung im Gange. Weiter wird nach derNation Belge" auS Brüssel berichtet, daß dort in letzter Zeit bei mehreren Extremisten Nach-

BaeeBeeeeeeeeeeeeeB

Nachdruck verboten.

Der Triumph des Lebens

Roman von Lola Stein.

34. Fortsetzung,

Als sie ausbra'cheu, entbrannte ein Zank zwischen den beiden Herren, wer Irene heimbegleitea sollte. Sie selbst, der es peinlich war, daß sie sich darum stritten und Käte kaum beachteten, entschied.

Es ist ganz selbstverständlich, daß Walter mit inir geht und Helmut mit Käte. So gehört es sich »nb so ist es richtig." <

Helmut schmollt- und mich Käte sthien diese An­ordnung nicht recht zu fern. ®ie wäre viÄ lieber mit Walter gegangen. Aber dec hatte Jcene schon »ntergrssßt, zog den Hut unb nickte bett Geschwistern za.

Gute Nacht, Kinder! Auf Wiedersehen! 1I<tb |nnft euch nicht zu viel auf dem Wege."

Sie gingen zu Fuß. Die Nacht war mild und schon Pud sie sehnten sich beide nach Bewegung.

Walter sprach unaufhaltsam mit formierter Lustig­leit und Lebhaftigkeit von allen möglichen gleich- gülttgcn Dingen. Irenes Herz wurde wiedw traurig »nb schwer, denn sie fühlte, er wich ihr aus.

Als eine Pause in ihrem Gespräch entstand, drückte sie des Binders Arm fester an sich und sagte:

Walter, ich sehne mich oft nach Plauderstüuden, wie wir sie früher hatten. Warum fehlen sie uns fetzt?" I

Liegt es denn nur an mir, Schwesterlein? Früher habe ich dich immer gesucht und dann auch gefunden. Nun, seit ich das nicht mehr so ausschließlich tue..

Nun suche ich dich", fiel sie ihm ins Wort,aber ich finde dich nicht, Walter. Du weichst mir aus. Und mir ist immer, als hättest du mir vielerlei zu sagend

,Was wäre in meinem Leben, das du nicht wußtest?"

Das ist es eben, was mich quält, Jung'! Frühe: wuntc ich alles von dir. Jetzt ist es mir so, als ob ou mir manches verbirgst. Es liegt irgend etwas liuauiatioiodi?ne§.. uniftheu tuiS. den Gedanke-.» werde

....... »" nii~ir-----------

ich nicht los! Aber tvas es ist. das vermag ich nicht zu sagen und mit nicht zu erklären."

Er lachte auf, es sollte Heller llragen, aber e8 schien ihr gequält zu sein. Und sie hatte auch gefühlt, daß sein Arm, der in dem ihren lag, bei ihren Worten zuckte.

Du träumst- Irene! Ich bin nervös, ein bißchen überarbeitet und reizbar in den letzten Mo,arten, das ist alles! Aber zwischen uns unb unsere Liebe ist irichts Fremdes gekommen, wenigstens nicht von mir ans."

Danni st es gut", murmelte sie wann.Mehr will ich ia nicht! Lieber Junge, bu sagst von btt <mS Auch ich bin bir die Gleiche geblieben, die ich immer war, denn wenn dir mein Herz auch nicht mehr allein gehört, so ist meine Liebe zu btt darum doch nicht ge­ringer geworden."

, Ich möchte dich glücklich sehe«, freite", sagte <u leise,ganz glücklich. Am Ziel deiner Wünsch». Dann werde auch ich ivicbet froher fein. Wann wird das fein, S.bwcsterlein?"

Ich weiß eS nicht. Alles liegt nj? ungesprochen zwischen uns. Uni ich muß dir sagen, ich bin nicht ungeduldig. Ich terstehe fein Warten und mW»1? ihn nicht anders tute er ift."

Aber ich möchte chn anders. Worauf wartet er btr.n noch? Alle Wege find ihm dich frei unb geebnet. Er braucht nut die Hand auSzustrecken nach feinem Glück unb et tut c5 nicht!''

Warum bist ou so erregt. Junge? JH verstehe dich gar nicht. J«>er Metrsch empfindet doch anders. Er nimmt eben auch auf die Do« noch Rücksicht. Und aus sein Sind. Ich begreife daS vollkommen/'

Ja, Irene, kenn er sie geliebt hätte."

Nein, auch so. Unjer Gespräch tut mir weh. Laß (£18. Ick bin nur froh, daß du mit versichert hast, scfaß nichts zwischen uns getreten ist"

Von mir aus wird nie etwas zwischen unS treten, Irene. Ich liebe dich ja mit einet so ausfüllend-.n, mich ganz biherrschendeu Liebe. Ich glaube, du fvnßt manchmal gar nicht, wie sseht!"

Und weichst mir dennoch, aus?"

sorschungen angestelli worden sind, deren EHebnis daran! schließen läßt, daß in .Kürze eine breite Propaganda auf Anordnung Moskaus gleichzeitig in Brüssel, Paris, Amsterdam und Deutschland zu ertvarten sei.

--*--

Auslandsschiebungen.

Wb. Berlin, 17. Febr. Die Verscviebungen von Düngemitteln ins Ausland werden vom Landes- poltzeiamt beim Ministerium des Innern energisch verfolgt und haben zu zahlreichen Festnahmen an verschiedenen Plätzen des Reiches geführt. U. a. wur­den der Hilfsreferent der hiesigen Autzenüandelsstelle fiir Chemie namens Ritzefeld und seine Amtsvor­gängerin Rabeus verhaftet. In Frankfurt a. M. wurde vor kurzem der Kaufmann M. Rothschild wegen Verschiebung von Chemikalien nach Holland dem Richter vorgeführt. In dieser Angelegenheit wurden im Hamburger Hafen grotze Mengen Chemikalien und Medikamente beschlagnahmt. Wegen ähnlichen Sckne- bnngen, in die Beamte der Farbindnstrie Mittel- douffchlands verwickelt sind, befindet sich der Kauf­mann Sattler im Berliner Untersuchungsgefängnis. A,ich gegen die Firma Roos & Co. in Berlin schwebt ein Verfahren wegen verbotener Ausfuhr von Chcmi- kalien nach Amerika auf Grund gefälschter Ausfuhr­bewilligungen. Die in Frage kommenden Werte gehen in die Millionen.

DerB. Z. am Mittag» zufolge wurde durch die Berliner Kriminalpolizei wieder ein mit großer Sorg­falt vorbereiteter Handel mit gefälschten Einfuhr­scheinen aufgedeckt. Es handelt sich um eine Einfuhr­bewilligung für 6000 Tonnen Auslands zucker, die einer Berliner Großhandlung angeboten »vurden. Da die Freigabe der Einfuhr von Auslandszucker nur unter großen Schwierigkeiten erlangbar unb das Ob­jekt bei 6000 Tonnen rund 120 Millionen Mark dar- tellt, gingen die Beteiligten mit der Polizei der Sache nach und stellten fest, daß der Einfuhrschein gefälscht war. i

---*---

Herr Haenisch und die Studenten.

Der Kultusminister Haenisch bat kür^ich in Böt­tingen und Halle vor den Studenten sein Kulturprogramm und seine Stellung zu den die akademische Welt bewegenden Fragen entwickelt, und zwar waren seine Ausführungen auf einen versöhnlichen Ton gestimmt. Die Wirkunq wurde aber aufgehoben durch eine zweite Rede in Göt­tingen, die Herr Haenisch vor Arbeitern hielt.War er dort Diplomat, so zeigte er sich hier als Parteisekretär der S. P. D., predigte er dort Versöhnung, so ließen hier seine Ausführungen wenig von einer solchen Stimmung verspüren. Seine Fähigkeit, sich dem Angenblicke an- znpasieu und leichte Lorbeeren zu ernten, ist zu bewundern: ein. Kultusminister, dessen Versprechest" dahingeht, Studen­ten und Arbeiter zusamenzuführen, und der dann den Stu­denten den Weg zi'.r Verständigung nicht gerade er­leichtert, sollte mehr durch die Tat als durch schön ge­sprochene Worte seinen guten Willen beweisen. Wir warten aus die Tat!" So schreibt ein Göttinger Student imBerl Lokalanz."

In Halle wurden die nationalen Töne Herrn Haeniscbs von vornherein nicht ernst genommen, dir Studenten lach­ten. Als Vertreter der Studentenschaft richtete in der Halrschen Zeitung" Friedrich Wilhelm, Prinz zur Livpe, einen offenen Brief an den Minister, in dem die Rede des Ministers scharf verurteilt wird. Der Minister habe eine Wahlrede gehalten. Er dürfe keine Autorität bei der deutschen Stickentenschast beanspruchen. -- Auch die Kommunisten greisen Haenisch scharf an. Die Studenten hätten recht gehabt, daß sie den Minister ausgclacht hätten, schreibt derKlaffenkamps". Der Minister sei m den Studenten auf dem Bauche gerutscht und habe Bauernfang betrieben._______________________

Du hast fo oft geklagt: das deutsche Bott ist ein Volk von Schlafmützen und Nachtwächtern; es ver­schläft noch feinen eigenen Untergang. Und Du hast aufatmend hinzugefügt:Gott fei Dank, ich bin nicht wie die andern!" Jetzt kannst Du bewei­sen, daß Du kein Nachtwächter bist. Oder bist Du doch wie die andern? Dann erwache und wähle!

Politische Tagesnachrichten.

Mehlspende amerikanischer Katholiken. DieKöln. Volksztg.» meldet: Erzbischof Dr. Schulte erhielt vom Erzbischof von Chicago ein Kabeltelegramm, daß eine Liebesgabe von 30 Millionen Pfund Mehl sür d'z Notleidenden in Deutschland geschickt werden je.'-/, Gleichzeillg fragte der Erzbischof an, üb die Re. rcgienlng de» erforderlichen Schiffsraum stellen töi.ti. Sowohl der Reichskanzler als auch der Reichl, ernührungsminister haben dem Kölner Btfchos untei dankbarer Anerkennung der charttativen Großtat der Katholiken Nordamerikas telegraphisch wiffen lassen, daß der Schiffsraum unverzüglich zur Verfügung gr- ftellt werden soll.

Bei der beabsichtigten Erhöhung der Zuckerfteuer rechnet das Rclchsfinanznttnistertum mit einer Mehr- cinnahme von rund einer Milliarde. Gegenwärtig ergibt die Zuckersteuer rund 200 Millionen Mark.

Der Nachfolger LegienS. Der frühere würftem- bcrgische Arbeitsminister und sozialdemokratische Ab­geordnete L e i p b a r d t hat die Stellung eines Vor­sitzenden des Allgemeinen deutschen Gewerkschafts­bundes angcireten und fein Mandat als würitem- bergischcr Landtagsabgeordncter ntedcrgelegt.

Ausweisung des Prinzen Sixtus aus Italien Stefani meldet amtlich: Prinz Sixtus von Bourbon, der während des Krieges eine Zeit lang viel genannt war wegen seiner im Auftrage seines Schwagers, des rüheren Kaisers Karl von Oesterreich, gemachten Ver­suche zugunsten eines Sonderfriedens, hat dieser Tage im Ausland ein Buch mit dem TitelOesterreichs An­gebot eines Sonderfriedens» veröffentlicht. Was Italien betrifft, so enthält daS Buch eine Fülle von Insinuationen und Lügen, die trtdn einmal die Ehre eines Dementis verdienen. Da sich aber der Prinz gegenwärtig in Italien äufbätt, wurde ein Aus­weisungsbefehl gegen ihn erlassen.

Hier wurde «der Ansturm der Barbaren aufge­halten". In Frankreich bat man die Absicht, für di« Besucher der französischen Schlachtfelder die Front- ltnie zu markiere», auf der die deutsche Offensive tm Frühjahr 1918 zum Stillstand kam. Die von einem Bildhauer entworfenen Marksteine sollen die Inschrift tragen:Hier wurde der Ansturm der Barbaren anf- gehalten.» /

Der Plan einer kommunistischen Rrvolutton in den lateinischen Staaten. Die Untersuchung der kürzlich aufgedeckten Kommunistenvcrschwörung hat craeben, daß für den 1. Mai d. Is. eine große kommunistische Revolution geplant war, die gleichzeitig in Frankreich, Italien und Spanien hätte ausbrechen solle». DaS stiel der Bewegitng war, anl ersten Tage sänltlich« Batiken, Finanz-Jnsttttlte und Sparkassen zu besetzen

Polens Absichten auf Memel.

Berlin. 17. Febr. Nach einer Meldung ans Memel ist zum kommissarischen Landrat des zum Memel-Gebiets gehörenden Kreises Pogeggen der praktische Arzt K u ck l t ck ernannt worden. Dieser wohnt erst seit kurzem im Kreise und war vor einem Jahre in der Provinz Posen als Arzt tätig. Wie die Voss. Ztg." schreibt, handelt es sich für Polen offen­bar um den ersten Vorstoß nach dem Memelland, das nach den Warschauer Wünschen zusammen mit Litauen in absehbarer Zett dem großpolirischen Reick angegliedert werde» soll.

Marburg und Umgegend.

Marburg, 18. Februar (Hornung).

* I m Marburger Ruberverein v. 1911 sprach g-stern Abenb Vizeadmiral Engel über b" Notweubiqkeik beS Wiederaufbaus unserer Haudelsstytt; für bas bcursche Volk unb über ben Seeverei», den Nack folger b-5 FlvttenvereinS, der diesen Gedanken terbmien unb vertiefen will. Ausgehend von der Bedeutung von Seehandel unb Seefahrt, wie fit von Fi üblich List unb bem Große,! Kurfürsten gekenn­zeichnet worben sinb, legte Erz. Engel bie unerträg- lichen Zustände bar, bie sich ans bet Auslieferung der deutsche» Handelsflotte ergeben haben und die nut durch ben Bau einer neuen zu beleben sind. Die Zahn» der früher und jetzt im Besitz' der deutschen Schiffsreebercien befindlichen Schisse reden eine er-

Das bat andere Gründe.'"

Die du mir nicht sagen kannst?"

Nein! Ach, ich weiche btr gar nicht au?. Ich will dick glückltch sehen, voll glücklich, mein Liebling Dann werde ich auch wieder mehr in Deiner Nähe fein.

Ich verstehe nicht, was das eine mit dem anderen zu tun bat, Walter?"

Muß einer denn immer altes vorn anderen ver- stchen?»

Wenn man sich lieb hat, gewiß! Da dachtest früher genau fo!"

Sie traten in der Landshuter Straße angekommen und diückten sich nun abschiednehmend die Hand.

Komm doch wieder häufiger", 6it Irene,horst fragt fo oft nach dir, et vermißt dich. Ec meint, du wichest ihm ans. Mir scheint eS mich manchm il so. Aber warum mir? Was hat er dir denn getan?"

Er mir? Nichts, Jrenchen! Unb nun Schluß der Debatte und Gute Nackt! Ich werde mich bessern, werde in Zukunft öfter erscheinen."

Aber als Irene allein war unb sich in ihrem Zimmer entkleidete, tarnen die alten Zweifel ihr wieder unb die alte Angst um Walter. Was war mit ihm? War hatte ihn so verändert?

Sie konnte ben Gedanken nicht bannen, daß er tot etwas verbarg, ein Geheimnis vor ihr hütete, das nicht» Gutes enthielt. Ost unb of: in letzter Zeit hatte sich die imbesti,»mte Angst vor einem brrfjenben Unheil Irenes bemächtigt, immer dann, wenn fit Walter gesehen unb er so selten gewesen war.

Auch heute hatte fein Wesen sie tief beunruhigt. Was bedeutete sein Erschrecken, fein Schrei, als sie »amen? Und was seine Bemühungen, sie nicht sehm zu lassen, war er las? DenRaskolnikow"! Warum sollt« sie daS nicht wissen?

Sollte sie glauben, daß er sich nur mit wissen-- schoftlicher Lektüre beschäftigte? Ach nein, das war es wohl nicht. So war er niemals gewesen, falsche Eitel­keit war chm fremb. 1

Alsq lag etwas Mldetes vor. Sein Erschrecken,

als sie ben Titel des Buches las! Seine Heftigkeit! Und dann wieder seine leidenschaftlich? Zärtlichkeit.'

Sie verstand ihn nicht mehr.

Er war von jcher ein exaltierter unb überspannter Juige gewesen. Ein Mensch', der sich opfern konnte für eine Idee! Ein Anarchist durch und durch iit seinem Fühlen.

Die Mutter hatte früher oft bekümmert ben Kopf geschüttelt über Walters umstürzlerische Träume, Irene halte meistens darüber gelacht. Ste nahm das alles nicht idrnft, nicht tragisch! St- glaubte, ihren über-. spannten Bruder mit bem guten unb weichen Herzen zu kennen. Unb wenn sie auch oft scheczend zu ihm gesägt:eS ist gut, baß bu nicht in früheren Zeiten-» lebtest unb römischer Imperator gewesen vis!!" so batte sie doch niemals geglaubt, daß seine nnreistn Ideen Gewalt über ihn bekommen föihilen. H

Er träumte von Mäht, seit er ein Knabe war. Bon Macht in irgendeiner Form. Herr sein über anbere! Mcnsckeuschicksale formen, beeinflussen, zer­stören ober anfbaner können, daS wae sein Ideal gewesen! Deine Jdccn waren im Grunde edel, er wollte flirt» tkibessern, ändern, nützen, ober sie ver­trugen sich nicht mit den herrschenden Gesetzen, bu Walter inncliich lerachtete unb für überlebt unb erlogen erklärte. _i

Irene seufzte. Was für ein ewiges Rätsel war, doch die menschliche Seele! Dieses Herz, bas ste zu kennen geglaubt wie ihr eigenes, schien ihr plötzlich fremb und weit unb unerreichbar zu fein

Sie sihnte sich nach Horst. Nach feiner fickeccil Ruhr, feinem bewußten Können unb Wissen, feinet Abgeklärtheit in vielen Dingen, in denen Walter n-d) unreif war. Ach, wenn sie sich doch erst in seine Arme ftmiegen, ihm alle», alles sagen könnt-, was sie bewegte. Sich anlehnen an feine starke und zielbewitM Männlichkeit.

Bon der Sorge um ben Bruder fanden ihre Ge­danken Znfluch'. bei bem Geliebten. Mit feinem Namen aui den Lippen fchlmnmcuc sie endlich et«. -

< (Fortsetzung folgt.)