Oberhessisdie Blätter
Wöchentliche Unterhaltungsbeilage zur Oberhessischen Zeitung
Landgraf Wilhelms U1L Kavalierreise
fein Tod in Paris am 21. November 1170.
! Lon Carl Kn etf ch.
* (Schlutz.)
lieber Beaumont ginge am 11. August durch (Baint Denis, „allwo eben die Madame d'Or- leane beigesetzet werden sollte, und deswegen ein schön Geläut von überaus großen Glocken gehört, auch überaus viele vornehme Messieurs und Damen waren, Ihre Durchlaucht aber gingen gerad durch »ach Paris." Zn den nächsten Tagen hatte der Landgraf gleich Gelegenheit, unerkannt ein großes Manöver mit anzusehen; denn dem König sich vorstellen lassen wollte er erst nach der Rückkehr von seiner geplanten Tour ins innere Frankreich. Diese kriegerische Hebung hatte einen stark polnischen Leigeschmack, denn im September überfiel Ludwig XIV. mit denselben Truppen, die sich vor ihm hatten zeigen müssen, das Herzogtum Lothringen. „Sonntag, den 14. August also führe Ihre Durchlaucht nach dem Camp, ^.llwo der König seine Armee lei Conflans in 18 000 Mann bestehend zu Felde geführet, und er der König die Hälfte zu sich ge- V-mmen sind die andere Hälfte dem Marfchall de Ciequi zu kommandieren gegeben, welcher sich damit vor einen Wald gesetzt und mit 70 oder 80 Redouten vorher verschanzet und verpalisadiret. Hierauf marschirte der König mit den seinigen gegen solchen in zweien Linien an. Als er nun so nah kam, daß er den Crequi in seinem Vorteil stehend gewkrhr worden, stellete er seine Armee in Bataille auch in zweien Linien, die Fußvölker aber in die erste Fronte zur Attaque, als eine Brigade Fußvolk «md dann eine Suadron Reuter, eins um das andere. Als solche also gestellt, gab er dem Feind zwei Losung aus allen seinen Stücken, rvelcher aber nicht sobald antwortete, sondern blieb still in keinem lrenchement stehen. Daruff avancierte der König In voller Bataille uff des Feinds trenchcment an. Lolches derselbe sehend, gab er auch Losung aus seinen Stücken. Der König näherte sich allgemach mit seiner Artillerie und ersten Fronte, canonirte uff die gesetzte Redouten, ließ die erste Fronte Fußvolk daruff angehen, die Reuter folgten Fuß vor Fuß •ff dasselbe. Die retranchirten wehreten sich tapfer mit Canoniren, Handgranaten und sMusqueten, di: Königlichen aber trungen mit Gewalt auf das Irenchement und redouten, sonderlich uff den rechten Flügel, rissen die Pallisaden ein. sprangen zu ihnen in die trencheen hinein, schlugen den Feind aus etlichen heraus und eroberten selbige. Uff dem linken Flügel hielte es härter. Die Königlichen, sie schon auch in der Fourie in die Redouten trungen und den Feind herausschkugen, setzten sich doch solche, durch ihre Cavallerie secundiret, und schlugen die Königlichen wieder heraus und zurück, daß sie sich uff ihre in der zweiten Linie zurück in reseroe stehend ge^ssene Cavallerie reterirten, sich wieder faßten und daruff abermal in großer fourie engingen, den Feind nachmals aus den redouten schlugen und den Platz behielten. Und wie es be- gunnte dämmericht zu werden, ließ der König die retraite blasen, und marschirte die Armee auf eine starke Meil wieder in ihr Lager."
Mit dem Herzog von Tarent kam in Paris der junge Fürst öfter zusammen, auch schloßen sich ihm
Der Zusammenbruch.
Erzählung aus dein hessischen Dorfleben von Heinrich Naumann.
kSchlutz.)
„Wenn der T. . die Pastete holt", donnerte der Lchauzenfrist, „dann suchen wir Porstandsmitglieder das Geld in unseren Taschen, die Kaffe verliert keinen Heller. Da fahr doch gleich der Kuckuck 'rein, so'n Schwiiidelmensch, der die ganze Welt und seine besten Freunde angeschmiert hat. Laßt mal alles 'rauskommen, der Zickenhofbauer hat auf dem Schweinemarkt was läuten hören. Der Schuft mit seinem glatten, lachenden Gesicht hat überall Kredit gehabt und alles »ngesch windelt, was ihm in den Weg gelaufen ist. Ein chrlicher, verschämter Mann kriegt kein Ferkelchen ge- #umpt, und dieser Frechdachs hat mit lächelnder Miene Lausende zusammengeschwindelt. Wenn er nicht tot ist, dann kanns ihm noch schlecht gehen, dann kommt thm >te Weinsauferei und Eier- und Schinkenfrefferei noch euer zu stehen."
Der Schanzenfritz war ein aufgeregter Mensch, und >ie zweihundert Mark, für die er aufkommen mutzte, wurmten ihn höllisch. Der christlichen Nächstenliebe rntschlüpstn diese harten Worte nicht: aber dem sparsamen Mann, der nicht gern eine Mark vergeudet, der sich kein Glas Wein erlaubt und nun viele Fäßchen Wein für den Hans bezahlen soll, sind diese bitteren Worte nicht so hoch anzurechnen.
„Uns allen", sagte der Dorfitzend« und stemmte seine dicken Fäuste auf den Tisch, ..ist es eine ernste Warnung mit dem Vertrauen in Zukunst vorsichtiger zu fein. BornrainersL hat unser Bertraueu getäuscht, und das ist ein schwerer Schlag für uns. Ein Vorstandsmitglied, ein Mann im Ehrenamt, nein, das ist nicht auszusprechen."
„Ei. wart doch-°mal ab", räuspert« sich der Müller- Hanse Jost, „vielleicht ist ja die 6o«bc noch gar nicht so Klimm."
..Richt schlimm", schrie der Schanzenfritz erbost und schlug auf den Tisch, daß das Tintenglas klirrte, „noch . viel schlimmer, wie ihr alle ahnen könnt, — ich habe seit vorgestern von so viel Forderungen gehört, die alle eingelaüfen sind, wenn nur die Hälfte rechtskräftig ist. bleibt von Bornrainersch Hof kein Stein auf dem wideren."
drei Hessen, die schon länget im landgräflichen Auftrage in Paris weiten, an, Herr von Schwertzell, Dr. Combach und Heppe. SaintCloud, Bois de Bincenne, Beau, Fontainebleau. Orleans und viele andere Orte wurden aufgesucht. Zwischen Amboise und Tours längs der Loire waren viele Wohnungen in die Steinfelsen gebaut. Von 6au m u t reiste der junge Herr weiter nach Touars, um hier feine Verwandten zu besuchen, den Duc de la TremouMe, Prinzen von latent, und seine Gemahlin. Hier hatte er wiederholt Gelegenheit, sich von der unglücklichen Ehe seiner Tante zu überzeugen. An demselben Sonntag, als Wilhelm VII. in Saumur mit seinem ganzen Gefolge in der reformirten Kirche zum Tisch des Herrn gegangen war, hatte der Prinz von Tarent zu Anglers seine Confession getan, das heißt, er war zum Katholizismus übergetreten. Von An- giers gings nach Nantes. Am 5. September harte der Landgraf Gelegenheit, in Bi ronniöre mit dem jungen Caoalier Monsieur Henri de Susannet oder de la Forest, der 5 Jahre als Rittmeister dem Herzog Georg Wilhelm zu Braunschweig-Celle gedient hatte, eine Parforcejagd auf einen Rehbock mitzumachen, die über 7 Stunden dauerte, im Beisein von mehr wie 20 Baronen und Edelleuten mit 70 Hunden. In La Rychelle gialßetts ein hitziges Fieber, hier 'mag vielleicht der Grund zu des Landgrafen Erkrankung zu suchen sein, von der wir noch hören werden. In Fontenay, einem feinen Städtchen, halten sich viele vom Adel auf. „Allhier war Monsieur de la Rochelle Frau, eine schöne junge Dame, des Königs Lieutenant Monsieur de Eouderi Tochter, welches gleichfalls eine schöne junge Dame, der Lieutenant Monsieur de Gouderi war ein höflicher Kavalier, so Ihrer Durchlaucht aufwartete, er hat mit seiner Frauen 26 Kinder erzeuget."
Von Touars aus, wo der alte Herzog Henrich de la Tremouille noch lebte, machte Wilhelm mit dessen Schwiegertochter, seiner Tante, der Prinzessin von Tarent, die die Gelegenheit benutzte, sich bei dem Neffen einmal auszusprechen und ihm ihr Leid zu klagen, und deren ältester Tochter einen Ausflug nach Richelieu in das überaus schöne Schloß des Cardinals, die Damen fuhren dann schweren Herzens nach Tours zurück, der Landgraf zog nach Poitiers und Chatellerault. „Es werden allhier eine große Menge Uhren, Messer, Scheren und andere Sachen verfertigt. Ihre Durchlaucht kauften eine Uhr, das Gehäuse wie auch Kette und Schlüssel von purem Gold, vor 20 Pistolen." Bei La Hay an der Creuse mußten sie die Pferde über eine Brücke, „so sehr hoch und lang und sehr baufällig und gefährlich war, führen lassen".
Diese wochenlange Reise von Ort zu Ort war sehr anstrengend, ja aufreibend, namenttich für den von Jugend auf nicht kräftigen Körper des jungen Landgrafen. Am 26. September in Blois (zwischen Touars und Orleans) mußte man notgedrungen Rast machen, der Landgraf hatte plötzlich die Gelbsucht bekommen und fühlte sich recht schwach. Da er sich aber rasch zu erholen schien, setzte man am andern Tag die Reise fort. In Orleans sahen sie den König mit der Königin, „beneben Monsieur und Mademoiselle, Madame Lavalliere und Montespan, sitzend zusammen in einer Kutschen mit 6 Schimmeln bespannt mit einem starken Train und
„Nicht möglich, nicht möglich, bas ist ja in unserem Dorf noch nicht dagewesen, daß einer mehr Schulden wie Wert hat, und kein Mensch sollte es wissen", fuhr der Vorsitzende dazwischen, „und wenn es wirklich so schlimm sein sollte, dann wohnen ja doch dem Hans seine beiden Kinder hier im Dorf, haben große Häuser und viel Geld vom Vater bekommen, die werden doch nm keinen Preis der Welt ihren Vater im Grabe verfluchen lassen, sondern ihres Vaters Ehr« retten und den Betrag an die Kasse zahlen, zumal beide Mitglieder des Viehkassenvereins find, das trau ich ihrer Ehre zu und ihren guten Namen wollen fie noch nicht verlieren."
„Ich trau denen gar nichts zu: jeder ist stch selbst der Nächste, denken fie, und wie man die Leute um ihr ehrliches, sauer verdientes Geld bringt, das haben fie sicherlich vom Later gelernt", tobte der Schanzenfritz weiter.
Da gabs auf der Dorssttaße Leben und trotzdem die Dunkelheit schon herniedersauk, «ar bald wieder alles auf den Beinen.
„Eie bringen Bornrainersch Hans, fie bringen ihn", lief die Kunde von Haus zu Haus.
„Ach Gott, erbarme dich", seufzten die Frauen und hielten die Hände zusammengepreßt, „wie wird er denn kommen?"
Da kam ein Wagen langsam gefahren wie ein Leichenwagen, rechts und links gingen einige Männer schweigend daneben.
Zwischen Oberrieden und Wolfershain hn Felde hatten fie den Hans gefunden — „der Schlag hat ihn gerühtt, et ist blau im Geficht, gelähmt auf der rechten Seite, hört nichts, steht nichts, kann nicht sprechen, lallt nur unverständliche Motte; bet Arzt hat ihn in Wolfershain gesehen, mit sollten ihn nach Hause fahren", lautete bet kurze Bericht bet Männer, die ben Wagen aus Wolfershain begleiteten. Der Fuhrmann aber war Zickenhofbauers Vetter, bet seinem Schuldner ben letzten Liebesdienst erwies und sich bei bet Gelegenheit nach ben „Verhältnissen" erkundigen wollte.
Ein trauriger Abend in Bornrainersch Hof. Ein trübes Licht beleuchtete das düstere Zimmer. Nut das Stöhnen des sch weile ibenben Mannes durchbrach die unheimliche Stille. Der Nachtwächter stand lange vor dem Hof; als er die Mitternachtsstunde äbgeblasen hatte, hielt er das Horn krampfhaft in bet schwieligen Hand und schaute nach ben matterleuchteten Fenstern,
6 Compagnien zu Pferd und einer zu Fuß durch Orleans uff Chambourg fahren." Dann gings weiter und weiter, bis man endlich am 1. Oktober Paris erreichte, wo der junge müde Fürst im Hotel de Hollands ein wenig verschnaufen konnte, da der König, dessen RüÄunst der Landgraf sehn- lichst erwartete, um baldmöglichst heimkehren zu können, noch ausblieb. Man wollte nun aber doch die Zeit auskaufen, fuhr also in die Comödie, nach Versailles, besah dort die berühmte Menagette mit allen nur möglichen exotischen Tieren, auch das schöne Lusthaus, woran noch fleißig gearbeitet wurde, den herrlichen Garten und das ebenfalls noch im Bau befindliche großartige Königliche Haus, ebenso in Ruell das Haus, das der Duchesse d'Aiguillon vorn Cardinal Richelieu geschenkt worden war, mit seinen Wasserkünsten, Charenton, Ar- cenil mit seinem berühmten von der Königin Maria von Medici erbauten Aquaduct und anderes mehr. Am 19. Oktober aber wurde der Landgraf krank. Zuerst blieb er trotz der starken Beschwerden noch auf, dann aber stellte sich ein heftiges Fieber ein, so daß die Umgebung Wilhelms in ihrer großen Besorgnis schließlich nicht mehr allein die Berant- wottung glaubte tragen zu können. Ein berühmter schottischer Arzt, Dr. Donaldson, Schwager des aus Marburg gebürtigen Vizekanzlers von Deuber zu Cassel, wurde herangezogen, der sich neben dem hessischen Leibmedicus Dr. Huxholtz und Dr. Combach die erdenklichste Mühe gab, dem Kranken zu helfen. Aber die Schwachheit nahm sichtlich zu, im Schlaf redete der Fürst irre, im Traum beschäftigte er sich fast nur mit seiner in Cassel zurückgekassenen jungen Braut. In klaren Momenten sprach er seine Sehnsucht aus, nach Cassel und zur Mutter zurückkehren zu können. Am 11. November liest er Dalwig? an die Landgräfin schreiben, er verlangte sehr, sie zu sehen, „damit er auf deutsch tuntet und nicht also von denen Franzosen geschunegelt werden möchte". Aber bald war er sich selbst über seinen völlig hoffnungslosen Zustand klar, er fiel in die tiefste Melancholie, aus der ihn niemand zu reißen vermochte, und sah unausweichlich ben bitteren Tod fern von der Heimat vor sich. Man rief noch den Lsib- medicus des Dauphins, Dr. Brayer an das Kran- kenlaaer, namentlich da nun auch der Casseler Leibarzt Huxboktz ebenfalls am Fieber schwer erkrankte. Aks der König in St. Germain von der Krankheit des Landgrafen vernabm, schickte er noch seinen Leibarzt Dr. Ballot. Auch er wandte alle damals der Medizin bekannten und ibm nützlich erscheinenden Mittel an und schien auch zeitweise etwas Erfolg damit zu haben. Aber die leise anfteimende Hoffnung auf Besserung wurde gründlich zerstört, am 21. November abends schloß der junge Fürst in den Armen seiner treuen Diener die Augen.
So hatte die ein halbes Iaht vorher fröhlich begonnene Rette ein böses Ende genommen. Die Landgräfin-Mutter erbielt in Berlin, wo fie stch gerade bei ihrem Bruder zur Hochzeitsfeier Landgraf Friedrichs von Hessen-Homburg mit der älteren Prinzessin von Kurland aufhielt, die Trauerkunde. Herr von Hoff war am 22. November von Paris abgereist und batte die Nachricht persönlich am 3. Dezember noch Cassel gebracht, von wo sie dann lofott nach Berlin weitergegeben" wurde. Die vpifsbegteitnng in Paris hatte noch schlimme Tage. Man feziette ben Toten, um genau die Krankheitssymptome festzustellen und balsamiette dann aufs aus denen ihm so manchmal helles Lachen entgegen- aeklimgen mar. „Was man doch alles in den langen Jahren in so einem Dorf erleben mutz", seufzte der Wäckter und ging schweigend davon.
In ben nächsten Tagen gabs viel Neuigkeiten im Dorf. Die Gläubiger schossen empor wie bie Pilze nach bei Regenzeit im Herbst auf dem Anger.
Bornrainettch Hans konnte nickt sprechen, er lallte nur und zuckte nur mit der linken Schulter. Seine Gläubiger kamen und gingen, flehten und fluchten, baten und drohten. Andere kamen, schauten mal zu. tagten nickts enb gingen davon. Wieder andere haben sich gar nicht gemelbet, um stch keine Blösse zu geben und ausgelacht zu werben wegen ihres Verlustes.
In Bornrainersch Haus war nickt mehr gut fein, der Hausherr lag gebrochen am dem Siechbett. Er konnte nichts an ordn en, nichts mehr regeln.
„Er mutz 'raus, mutz in bie Stille, roo er nicht mehr aufgeregt wirb", sagte der Doktor.
Wieber stauben am Abend bi« Leute auf der Dorfstrasse in Gruppen zusammen unb flüsterten stch etwas zv. Die Frauen seufzten unb hielten bi« Hände krampfhaft gefaltet.
„Jetzt kommen fie", riefen die Kinder.
Ein Fuhrwerk wie ein Leichenwagen glitt langsam und lautlos wie ein Schatten vorüber. Die Umstehen- den sckauten hin unb hielten den Atem an. Bornrainersch Hans, der noch vor kurzem so lustig lachend, lo freundlich grsttzend, so rüstig in der Vollkraft des Lebens über die Strah« schritt, wurde als Ruine, als verfallenes, gebrochenes Menschenkind aus seinem lichten, freudvollen Vaterhaule nach seiner Tochter gebracht, die dem armen, hilflosen Vater die letzte Pflege erweisen wollte.
Die schmucke Richte machte die Tür zu und ging nach Haus«.---
Bornrainersch Hans hat ausgelitten und wurde als Leiche still und stumm zum letztenmal über bie Dorfstrasse nach bern stillen Friedhof hinausgefahren.
„Der liebe Herrgott möge ihm in ben stillen Lei- benstagen mit seinem Erbarmen unb in bet Todesstunde mit seiner Gnade nahe gewesen sein — wie es in meinem Gebetbuch heitzt", sagte die ZickenhofbSuettn zur „Nachbarsche", als fie vom Friedhof hinweggingen und ihnen bas bumpfe Rollen der Schollen auf den Sarg nachtönte.
sorgfältigste den Leichnam der geliebten Herrn ein. Der ausführliche Krankheitsbericht und die Le« schreibung des Befundes ist erhalten. Man kann wohl daraus schließen, daß der Landgraf an Typhus und sich daraus entwickelnder Lungenentzündung gestorben ist. Ob vielleicht bei einer richttgeren Behandlung der Kranke hätte gerettet werden können, wer kann das sagen. Für einen mebernen Menschen ist es jedenfalls peinlich, von den vielenLave- ments, Aderlässen, Clystieren, Purganzen, Laxier- träntiein, vinum emeticum ufw. zu hören, mH denen die berühmtesten Aerzte damals arbeiteten und vielleicht dem jungen Landgrafen vom Lebest geholfen haben.
Unter den größten Schwierigkeiten wurde im Geheimen — auch jetzt wurde das Inkognito gee wahrt — die Leiche durch so vieler Herren Länder von Paris nach Cassel beförbert. Am 10. Januar 1671 fuhr man von der französischen Hauptstadt ab, über Chalons, Verdun, Metz, Saarbrücken, Homburg in der Pfalz, Landstuhl, Gernsheim a. Rhein, an Darmstadt vorbei nach Heldenbergen, Staden, Bingenheim, Lich, Hachborn, Kirchhain, Ziegenhain, Frielendorf, Hebel, bis endlich am 8. Februar 1671 der traurige Zug in Weißenstein, dem heutigen Wilhelmshöhe, ankam. Erst über einen Monat später wurde der junge Landgraf in feierlichster Weise In Cassel in der großen Kirche beigesetzt.
Allen Nachrichten zufolge hat das Land Hessen damals einen guten Fürsten verloren, und doch können wir dem Schicksal danken, daß mit seinem frühen Tode für den jüngeren Bruder die Bahn frei wurde.. Landgraf Earl, der 60 Jahre lang, von 1670 bis 1730, wenn auch die ersten Jahre noch unter der Vormundschaft der Mutter, Hessen regle* ren durste, ist sicher einer der hervorragendsten Fürsten gewesen, die unser Land gehabt hat.
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Die alten Römer als Raucher.
Kann man sich Cäsar mit der Tabakspfeife vorstellen? Mtt dieser Frage glaubte ein Arckäologe ohne ; weiteres beweisen zu können daß ein Pfeifenkopf aus Ton, ber bei einer Ausgrabung bei Hanau an einer römischen Fundstätte zu Tage kam, zweifellos modern sein mühte. Das war vor dreißig Jahren; seit dieser Zeit find aber eine Reihe von Funden gemacht und literarische Zeugnisse beigebracht worden, die zeigen, daß bie alten Römer in ber Tat Raucher gewesen find. Direktor D. Blümlein, bet bas Material zu dieser Frage in der „Umschau" zusammengestellt, weist zunächst auf die zahlreichen Pfeifenköpfe unter römischen Funden in Schweizer Museen hin, die lange genug mtt Argwohn von den Gelehrten betrachtet wurden, well ihnen meist ent o'ttbenttscker Fnndberickt fehlte Dann aber fand Sahnt 1902 bei Ausgrabungen bet Römer- feste Aliso bei Haltern über 50 Bruchstücke von Tonpfeifen in 8 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche, und zwar kn Schichten, bie in nackrömiscker Zeit völlig unbeachtet geblieben waren. Man fand btei verschiedene Typen, die zum Teil Ornament«, Formabzeichen und Buchstabenstempel trugen. Später bearbeitete ber Schweizer Reber die Fundstücke seines Landes und gab ein reiches Abbildungsmaterial. Meist ist das Pfeifenrohr sehr kurz, sobah wahrscheinlich ein Holz- ober Schilfrohr angesetzt war, wie es sich bei einem Funde auch erhalten hat. Selbst Deckel mit Scharnieren find noch vorhanden. Die Pfeifen find aus Ton, Eisen ober Bronze angefertigt. Schon bie griechischen Autoren berichteten vom Rauchgenntz keltischer, thraktscher unb anderer barbarischer Völker, bie fich durch Einatmen vom Rauch gewisser Samen, von Eq«
„Ja, ja, bas Leben ist ernst, unb bas Ende gewiß, man kann es gar nicht ernst genug nehmen", sagte bie Nachbarsche.
Bornrainersch. Hof. bas schöne Merkchen, ist zusammengebrochen, unb bet Zusammenbruch hat viel Staub aufgewirbelt.
Als Kaufsumme find an dreitzigtausenb Mark gelöst worben. Ein hübsches Kapital, unb bie Gläubiger freuten fich.
An Schulden haben fich aber über vierzigtausenb Mark Dorgefunben, ohne diejenigen ber verschämten Gläubiger, die sich nicht gemeldet hatten. Da war die Freude der Gläubiger vorbei, und mancher hat die Faust geballt und dem Entschlafenen kein gutes Andenken bewahrt.
Auch ber Schanzenfritz hat seinen Teil an bie Viehkasse bezahlen müssen, unb et hat grimmig auf ben Tisch geschlagen.
„Es wäre eine Freude gewesen, wenn bie Kinder bie Ehre Uftes Vaters gerettet hätten, und die Kaffe wäre vor diesem dunklen Fleck bewahrt geblieben. Sie habens nicht getan. Sckade für die Kinder selbst, ts hätte ihnen wohl zum Segen gereicht", sagte der Vorsitzende unb strich ben Namen des einstigen Not- standsmitaliedes aus dem Register.
Die Geschichte ist aus. Auf Bornrainersch Hans seinem Grab wächst schon lange Gras. Roch selten wird im Dorf davon gesprochen, es ist schon lange her, und andere Neuigkeiten haben mtt den alten Sachen aufgeräumt. Der Aerger bet geprellten Gläubiger, ber betrogenen Stute ist lange schon verglommen.
Die Zickenhofbäuerin ist längst ein altes, gebeugtes Mütterlein geworben, bas ben jüngsten Enkel auf dem Schosse hält und ben grösseren von ben verschiedene^ Familien in den Bauernhöfen erzählt.
Auch diese Geschichte, die fie bet ihren Nachbars, Leuten erlebt hat, hat fie ben Enkeln erzählt unb manche ernste Mahnung und manchen frommen Spruch hinzugefügt.
Mütter, bie solche Dorfgeschichten erzählen, find.gatt Engel für Kinder und Enkel. Kinder und Enkel, dm solchen Geschichten lauschen und fich als Exempel (4 Herzen nehmen, werden dem Dorfe -nm Segen MA reichen.