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AmÜiches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen .

M. 38

DieOberhesstsche Zeitung" ericheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatliich 4.25 Lik., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Berlag von Dr. L. Hitzeroth. Druck der Univ.-Vuchdruckerei von Ioh.Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher 55, Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

Marburg

Jienstßo, Den 15. Febrvrn (Hornung)

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51. Salti.

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Ultimo itr Me 6h MemWeks in Den Segne».

Keine Herabsetzung der geforderten Summe. Nur Sorschläge über die Ausführung,smcthode gefaltet

Wb. Paris, 14. Febr.Pelit Parisien" sagt zu bk« in Stuttgart von Dr. StmonS aufgestellten Thesen: Wenn auch die Rede von Dr. Siinoiis uns m'ckts Neues über die deutschen Srg.'t'oacshlige bringt, so werfen sie doch eine Frage auf, die eine unmittel­bare Beantwortung erfordert. Dc. Stmous läßt ver­lauten, daß Deutschland in London beantragen vitb, die Gesamtschuldsumme herabzusehen. Das ist ein Punkt, in dem man die deutschen Anregungen kei- »esfalls berücksichtigen darf, welcher Act sie auch sein mögen. Man kann sich wohl die Anregungen zu eigen macken, die die Vertreter Deutichlands über bic Zablung Lweise Vorbringen, falls die Deut- -schen ebenso vorteilhafte Vorschläge machen wie es di-- von den 42 Jahresraten oder der ISpcozeuttgen Zollabgabe sind. In kerne m Falle aber könne davon di° Redr sein, die Gesamtsumme der deutschen Schuld Herabzusehen. Weder Frankreich, noch seine Ver­bündeten wüichen mit sich hai-.deln lassen über die Vesamtsumme der festen Jahresraten noch über den Rrur.pscch dec abänderungsfähigen Jahreszahlilirgen im kerliältnis zum wachsenden Wohlstand Deutschlands. Au diesem Punkt würde Frankreich unerbittlich fein und es würde sehr Wunder nehmeil, wenn es Lloyd George nicht ebenfalls wäre.

Pertinax sagt imEcho de Paris", die Bemerkung des Ministers, daß die deutschen Vorschläge btt drin­gendsten Bedürfnisse der Verbündeten befriedigen kön­nen, lasse daraus schließen, daß inan zum Programm von Brüssel, mit anderen Worten zu den 5 JahreL- zehluiigen und den Naturalleistungen, zurückkehre" wolle. Das seien Irrtümer, die man mit einiger Mühe in elfter Stunde beseitigt habe. Da Deutschland nicht mehr hoffen könne, daß die Festsetzung feine: jVisaiiitr.erpflichtungen ausgeschoben werde, was die Ei- kiite stets vor die Gefahr gestellt hätte, sich auf;u- losen, bevor die Operatton zu Ende geführt worden feine, versuchten die deutschen Minister eine Lösung zu siudeu. die das gleiche Ergebnis zeitigen könnte.

DasJournal des Tvbats" sagt, der Minister Habe aufs neue erklärt, das Abkomme» von Paris fei el>: Verhandlungsgrundlage unannehmbar. Re habe gesagt, die Revision des Versailler Frird.-ns- b« träges sei unvermeidlich. Er habe sogar dagegen protestiert, daß der Vertrag von Versailles Deutschland die Schul- am Kriege zuerkenne. Man könne nicht geiiatirn, daß die Ministerien von Berlin und Wien teurer die Legende vdn der Schuld verbreite. Es feare gut, wenn die Vertreter der Berbündtten die iiö.i'st: Gelegenheit ergreifen würden, um Dr. Simons tiite. Rüge zu erteilen. Sie könnten offizielle Kund- tzcluugen. wie die in Stuttgart, nicht dulden. Die beu;id}cn Delegierten seien nicht nach London brnifen, Ivi über die Revision des Pariser Abkommen? zu uer- Hiudeln. Sie hätten nur Vorschläge, Kombinationen oder Anregungen über die besten Aussührungs- » e t h o d e n der in Pans getroffenen Entick-idungr» vorziil-ringen. Man dürfe nicht dulden, daß sie den .Rund öffneten, um von Revision zu sprechen.

Dec2empö" nennt die Rede des R.-ichs:"inist.-rs «hie zweile Weigerung. Tie Rede von Stiittgnct gebe Allen beiiitnigen Recht, die, wie derTempS", die Notwendigkeit erkannt hätten, zu handeln. Tie deutsche Regierung gehe imch London in dec Absicht, das Abkommen vom 29. Januar abzulch.ien, weil der ersten Weigerung im Reichstag alle Fraktion-» tzcsvlgt feien. Was Dr. Simons von Gegenvorschlägen tzeiaal habe, sei schr vage, und hinsichtlich der Ziffer jei zu bemerken, daß das französische Parlament und das französisch« Publikum keinen neuen Rabatt dulden könnten. Deutschtand dürfe um keinen Preis weniger zahle» als das Wkommen vom 29. Januar skstfetzte, und auch mit nicht weniger Ga- «antie» Dr. Simons habe eine sehr ernste Debatte tffcffret, dadurch, daß er den Vertrag von Versailles fellst verworsen habe. Lloyd George habe in sein-r Birminghamer Rede gejagt, wenn man an den Ver­mag rühre, dann schasse man eine Kriegsgefahr, die deutsche Regierung fechte den Friedensvertrrg an. Sic führe dadurch sich, ja ganz Europa auf einen Weg, der zum, Konflikt treibe.

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U. Dee Xeichsfina^zminister über dir Pariser Forderungen.

Berlin, 14. Febr. In Münster sprach auf Veranlassung der Zentrumspartei am Sonnabend Vieichsfinanzminister Dr. Wirth über die bevor­stehenden Londoner Verhandlungen. Wenn in Lon­don nur ein Diktat entgegengenommen werden solle, dann fei er der Auffassung, daß die deutschen Mi- Lster erst gesucht werden müßten, die nach London Hinge». Eine Diskussion müsse unter allen Umstän­

den stattfinden. Wirtschaftlich sachverständige Meu­chen müßten sich um den grünen Tisch sammeln. Mit Vernunft und Gefühl wolle die deutsche Regierung nach London gehen, aber die Eefühlwelt allein dürfe uns nicht beherrschen. Daß die gesuchte Verständi­gung uns große, schwere und unendliche Opfer auf- crlegen würde, sei selbstverständlich. Doch könne man keine Vermögenswerte geben, die Arbeit müsse die Grundlage sein, auf der man in London verhandele'. Niemals werde es eine deutsche Re­gierung geben, die ihr Ja unter ein Versklavungs­diktat setze. Auch für die Arbeiterwelt seien die Londoner Verhandlungen von großer Bedeutung.

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Der Standpunkt Bayerns.

wb. Berlin, 14. Febr. Das gestern ^urch den bayerischen Gesandten dem Reichskanzle^Rber- gebene Schreiben der bayerischen Regierung vom 14. Februar gibt dem schon aus den Veröffentlich­ungen der letzten Tage bekannten Standpunkt der bayerischen Regierung in der Einwohnerwehr- und Entwaffnungsfrage wieder, wonach die Einwohner­wehr für das bayerische Volk eine Lebensnotwen- digkeit darstelle. Sie betont ferner, daß sie den Entschluß der Reichsregierung, ohne die Londoner Verhandlungen abzuwarten, an die Ausführung der Entwaffnung heranzutreten, für verhäng­nisvoll halte. Wenn die Reichsregierung gleich­wohl zum Vollzug des Entwaffnungsdiktats vor­gehen zu müssen glaube, so müsse die bayerische Re­gierung die Verantwortung für diese Maßnahmen der Reichsregierung überlassen.

Das neue Wettrüsten.

England, Amerika, Japan.

wb. London. 14. Febr. Der Washingtoner Berichterstatter derTimes" meldet, die Debatte im Kongreß bestätige die Absicht Amerikas, feinen Flottenhaushalt nicht abzuändern. Im Senat sei auf die Behauptung hingewiesen worden, wonach die Erklärungen britischer Marinesachverständigen, die den Wert der Großkampfschiffe herabsetzten, eine Propaganda der britischen Regierung seien, um aus das amerikanische Schiffsbauprogramm einzuwir­ken.

Amerika baut zwei Luftkreuzer mit einem Flug­bereich von 2100 Meilen.

DerDaily Telegrapb" meldet aus Washington, die Ablehnung des Rüstungsbeschränkungsgesetzes im japanischen Repräsentantenhaus habe anschei­nend in Washington großen Eindruck gemacht. Man sehe diesen Beschluß Tokios als Antwort auf die Politik des amerikanischen Senatsausschusses für Marinefragen an, eine Flotte zu bauen,die der je­der anderen Macht gleich ist". Japan müsse bauen, weil Amerika baue, und Amerika müsse bauen, weil es eine jeder anderen gleich kommende Flotte haben müsse.

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Das Saargebiet.

wb Berlin, 14. Febr. Die Regier» ngskommtss'.on des Saargebietes übertrug vor langer Zeit die Wahr­nehmung der Auslandsinteressen der Bewohner de-Z Saar- gebietes, die ihre Staatsangehörigkeit nicht wechselten und zuweilen mit dem staatsrechtlich nicht zutreffenden Aus­druckSaarländer" bezeichnet werden, der französischen Regierung. Im Zusammenhang hiermit richtete die Reichsregierung verschiedene Noten an die Regierungs­kommission bei Saargevieies und an den Völkerbund. In einer bereits einige Zell zurückliegenden Note er­klärte die Reichsregierung, die Wahrnehmung der Inter­essen des Saargebiets in Deutschland durch stanzöfische Vertretungen nicht anerkennen zu können. Die Wahr­nehmung dieser Interessen durch Frankreich wäre mit dem Versailler Vertrag unvereinbar, da das Saargebiet dem übrigen Deutschland gegenüber n i ch t Ä u S l a n d ist. Die Frage, ob es aufhört Reichsgebiet zu fein, wird erst 1935 aus Grund einer Volksabstimmung entschieden.^ Es wäre auch unbegreiflich, wenn die im Saargebiet anfälligen deutschen Staatsangehörigen in Deutschland gegenüber den. deutschen Behörden von Frankreich vertreten sein sollten.

Kürzlich hatte sich die Reichsregierung mit einer anderen Seite dieser Frage zu beschäftigen. Nachdem ihr ein im Amtsblatt der Regierungskommissio» des Saar­gebietes veröffentlichten Schreiben der französischen Regie­rung bekannt wurde, wonach diese sich bereit erklärte, den im Ausland ansässigenSaarländern" den Schutz der stanzösischen, diplomatischen und konsularischen Agen­ten angedeihen zu lassen, macht die Reichsregwrnng daraus aufmerksam, daß hier ein Versehen vorliegen muß, denn der Friedensvertrag tennt feineSaarländer", sondern nur Bewohner des Saargebietes. Die Reichsregierung hat deshalb eine Berichtigung des Schreibens der ftan- zösischen Regierung beantragt und im übrigen erklärt, daß sie den Schutz der im Auslande ansässigen, im Saargebiet beheimateten Personen insoweit für sich beansprucht, als diese die Reichsangehörigkett besitzen.

Polnische Wirtschaft.

Die größte Armee in Europa.

Berlin. 14. Fcbr. Der Warschauer Korrespon­dent derVoss. Ztg." schreibt über bett chaotischen Zustand der polntjchrn Staatswtrtfchast u. a.. Der polnische Voranschlag tveist einen Fehlbetrag von 80 Milliarden polnischen Mark auf. Nach dem vor kur,em vcrrsfeiitlichken Stalus der staatlichen Daclehnskussea beträgt der Papicrgcldumlauf 50 Milliarden Mark. Weiter bedeutet eine schwere Schuld Polens das von Frankreich und anderen Freunden an Polen seit Jahr und Tag gelieferte Kriegsmaterial, deren Höhe sich nicht an»äh;raß fcjtstellen läßt. Am meisten zehrt das polnisch« Heeccsivesen nn Polens Siaatsköcper. Es beansprucht 80»fr. der gesamten polnischen S^aats- aiisgaben. Laut Voranschlag für i921 besitzt das kleine Polen die relativ größte Armee in ganz Eu­ropa, für deren Unterhalt kein einziger Pfcni'ig an? den Staatseinnahmen verwendet werde»- kann, da die Militärausgaben 80 Milliarden Polenmark betragen, also ebenso hi ch sind wie das Defizit im Staats­haushalt

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Oberschlesien.

Berlin 14. Febr. Wtc von zuständiger Seife erklärt wird ist von einer Festsetzung beS Absttinmungs termins für Obrrschlesien nichts bekannt.

wb. B r stau, 14. Febr. Wie derSchlei. Volks- zcllg/ aus K'.cnzburg tu Oberschlesien gemeldet w:r5, erfüllen bei den gejhtgen S:adkverorbne'emvah'en die Liste der Lmimglcn deutschen Parteien 518S und die Liste der Nalienalpoleu nur 276 Stimmen.

Dasselbe Statt meldet aus Oppeln, daß der bekannte pelnsich« Agiiaior Sebuymach.rmeister Mako sch nach T'inlkÄleffen von 250000 Mark Schulden flüchtig ist. Nele; se'n Vetmögen luurbe der Konkurs eröffn:t. Es ist a, nlchmen, daß Makojch über die Polnisch« Grenze en.kommen ist.

wb. Kattowitz, 15. Febr. Regieruugsrat Vallois, ' ijetrat Hörstke, Klinii'.iaiobermachtmeiper Bienefeld unb Pvltzcibvie Stumpke haben gestern den Aus- lveistingsbefechl erhallln., Ste müssen bts zum 15. b. Mts. das Abstimmungsgebiet verlassen haben.

Absetzung des Sultans durch die Kemalisten?

Landen, 14. #c6r. DcmDaily E- p" wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Kemalisten den Sulla» für abgesetzt erklärt uno Osman Fuad zum Sultan ansgcrusen haben solleii. Osman Fuad gibt sich als Schn von Abdul Hamid, ans. Er ist in Berlin erzogen worden, wo er als Freund des Kaisers galt.

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wb. Konstantinopel, 14. Febr. Die Abord­nung der Regierung von Konstantinopel ist mit den» Olicittci.preß nach Loi'.oon abgesahrtm. Die $De­flation von Angora ist am 7. 2. tni* Soib-tjug nach Adatia algekohren, wo jie einen italienischen Post- dan pser nach Brindisi benutzen wird.

wb. Paris, 14. Febr. Nach einerMatiit"- Meldung tp ein englijches Geschwader bestehend ans 2 Vanzcrkreuzeru unb 2 Torpedobooten in Suche ia ang-fontmen.

Noch einerMatin"-Meldung aus Athen wird Adinical Brliis zum Obcrkomunsiar in Konstantinopel ernannt werden.

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Rücktritt des schwedischen Kabinetts

wb. Stockholm, 14. Febr Das Kabinett d e Geer ist zu rückgetreten. Der König hat die Mitglieder Per Rcgirrung ersucht, vorläufig i n Amte zu bleiben. *

Der König hat heute nachmittag mit dem Reichs­präsidenten unb den Parteiführern beraten. Das Blatt Sozialdemokraten" erklärt, daß der GÄanke an ein Koatitionskalllnett noch weniger möglich ist als im Herbst und meint, daß die fomuienbe Regierung den selben Typ haben wirb wie die alte mit einigen wenigen Personalt eranderungen. Tie konservative Presse äußert ihr« Befriedigung über den Rücktritt der Re­gierung.Aftonbladet" gibt cm Eterücht weiter, wo­nach Branttng den Auftrag erhalten hat, das neue Kabinett zu bilden.

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Deutsch-Oesterreich.

wb. Wien, 14. Febr. Nach einer partetan.tll'chen Mittellung fand gestern eine Sitzung der Reichspa llci- liitung der GroßoeutjcheN Voltspartei statt, in der vou alten Rednern betont wurde, daß die Pattei mit allen Mitteln auf die rascheste Durchführung der Volksabstimmung über den Anschluß an Deutschland zit dringen , ______

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Cassel, 14. Febr. Heute begann vor tzem Son« dergettcht bcrm Reichsicehr-Gruppenkommando 2 tfe Cassel die Berhandluitg gegen 7 Personen, die am 19. Januar im Ruhrgebiet verhaftet wo eben sind, unter der Beschuldigung, sich gegen die Verottmung deS Rttchspräsidenten vorn 30. Mai 1920 vergangen zu haben. Die Verhandlung wird durch den Vorsitzenden des Sondergetichtes, LaudgerWtsrat Hartmann, geleitet. Tie Verteidigung werden die Rechtsanivalrr Dr. Wolsf-Düsjeldorf und Dr. Seckel führen, außerdem sind zu Berlcidigecn die Casseler Rechts­anwälte Dr. Fuchs und Kästner bestellt worden, Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, eS untec nommen zu haben: Personen zu einem Verbände mlli tänscher Art zusanimt-nzuschtießen. etuetfi Verband: militärischer Art augchort zu haben, Angchöttge del Reichswehr und staatlichen Polizei zum Ungeh»:sanl mit vereinten Kräften gegen Anordnungen der zustän­digen Dienstsiellcu aufgrsordcrt zu haben. Die Anklage wirfl beit Btschuldigten besoitders vor, daß sie danach gestrebt hätten, Anhänger für die Rote Armee zu gewinnen und auf die staatlichen Verbände zersetzoiw zu wirken.

Rechtsanwalt Wolff führte verschiedenes Material dafür an, daß das Gericht seiner Ansicht nach ungesetzlich sei, weil es verschiedene Artikel der Reichsverfassung ver­lese. Die Verordnung deS Reichspräsidenten vom 30. Mai 1920, auf die sich die Einrichtung der Sondergenchte stütze, sei aus einem anderen Sinn heraus geboren, um bit ungesetzliche Organisation von Freikorps während bet Kapp-Putsches zur Rechenschaft zu ziehen. Im Verlauf der Berhanblung wolle er beweisen, daß diese Korpl mmtlich noch bestehen und bcivaffnet im Land verteilt sind. Der Staatsanwalt wolle jetzt den Spieß umdrehen unb zu einem großen Schlag gegen die kommunistische Partei als solche aushole».

Staatsanwalt Dr. Meyer ertoiberte, daß bisher c*«= Wissens nach noch gegen feine rechtsstehende Orga- nifitfien verhandelt worden ist, weil feinerlei Mate­rial gegen solche vorlag. Immer seien es, rote beispiels­weise bei dem Jungdeutschen Orden in Cassel, harmlose Vorgänge gewesen. Dagegen treibe die kommunistische Presse eine schamlose Hetze gegen die Regierung, gegen die Richter, gegen Wehr und Polizei und fordere täglich die Massen zum bewaffneten Aufruhr auf. Täg< lich schießen neue rote Organisationen wie die Pilze aut der Erde.

Rechtsaiuvalt Dr. Wolff stellt fest, daß oer Staats* -inwalt den Prozeß von vornherein in ein politisches , Jahrwasser gebracht habe. Er würde übttgens im Ver­laufe der Verhandlung noch w: d:rholt Gelegenheft ftnden, sich mit dcm Staatsanwalt in politischem Kampfe zu messen, wobei letzterer den kürzeren ziehen werde. Der Verteidiger führte zahlreiche Waffenfuube bei Rechts­organisationen an und verweist aus bas Breslauer Sonber- gerichtsurteil, burch bas ein Leutnant sreigesprochcn wor­den ist. DaS Gericht beschloß, die Abschrift über dieses Urteil einzufordern.

Nachdem das Gericht sich für zuständig erklätt hatte, legte der Borsitzeude dar, daß die ordentlichen Ge­richte mit ihrem Ueberfluß an formellen Bestimmungen nicht dem Zwecke der Verordnung des Reichspräsidenten entsprechen, eine Beschleunigung im Interesse des Be­standes des Reiches herbeizuführen. Von einem Wieder­aufleben der Militärgenchtsbarkttt könne keine Reve sein. Daun wurden die Anklagen gegen die einzelnen 7 An­geklagten verlesen, woraus Rechtsanwalt Dr. Wolff wiederum den Antrag stellt, daß das Gericht unzuständig sei, weil die Angeklagten auf Grund der Anklage deS Hochverrats schuldig sein müßten. Die Verhandlungen ge­hörten dann vor das Rcichsgettcht.

Im weiteren Vettaufe wurde vom Staatsvuwalt die AnNageschttft erläutert Sie baut sich auf wlgende Punkte auf: Besteht in Deutschland eine Rote Armee? 53 sei von größter Wichtigkeit, die Frage zu klären, wo Die Anstifter bet Organisation einer solchen Armee zi suchen seien. Um bie Sachlage zu klären, beantrage er, saß hcrvorragenbe Führer unb Mitglieder der kommu­nistischen Partei als Zeugen geladen werden. Der Ver­teidiger Dr. Wolff verlangte darauf sofott bie Labung »on Dr. Levi, Däumig unb Frau Klara Zetkin.

Hierauf trat man in bie Vernehmung ber ersten drei Angeklagten ein. Der Bergmann Schröer, ein bisher unbestrafter Mann gibt an, baß er zunächst der Unab- hängien unb bann den Kommunistischen Partei angehött Mt Er sei des Glaubens, nur durch den Kommunismus könne der Kapitalismus beseitigt werden. Der Gärtner Eli n g m ü ller ist der Ueberzeugung, daß ow übrigen sozialistischen Parteien daran kranken, daß sie den Pa­zifismus auf ihre Fahne geschrieben haben. Die Aus­einandersetzungen zwischen Kapital unb Arbeit könnte* nicht auf unblutigem Wege geführt werben. Der »ritte Angeklagte Bergmann Harbich ist ebenfalls ber Ansicht, > fick das kommunistische Ideal nicht ohne 'Setoatt vev virkticken läßt Die Sitzung wurde dann auf Mittwoch vertagt _________

Der preußische Minister ves Innern richtete an dat Re­gierungspräsidenten und den Berliner Poli^ivräsidenten folgenden Erlaß: Im Hinblick auf die am 20. Februar stattfindenden Wahlen zum preußischen Landtage usw. tv suche ich die Polizeibehörden darauf hinzuweisen, daß sie rechtzeitig die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen haben, um eine ungestörte Durchführung des Wahlge- schästeS, auch im Falle einer nachfolgenden Bewegung, i» Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu gewährleist«».