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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Anzeiger für (das früher kurheffifche) Oberhessen

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Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatliich 4.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. Für ausfallende Nummern infolge Streits oder elementarer Ereignisse fein Ersatz. — Verlag von Dr. T. Hitzeroth. — Druck der Upiv.-Buchdruckerei von Joh.Aug. Koch, Markt 21/23 — Fernsprecher 55, — Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

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56.3o|t|

1921

Jlr.37

$r. Gimons über hie Milet SeWW.

Die deutschen Gegenvorschläge.

wb. Stuttgart, 13. Febr. Der Reichsminister hes Auswärtigen Dr. Simons sprach heute vormittag dor mehr als tausend Personen, darunter di« wärt- lem bergischen Minister, die Vertreter aller Organisationen der Beamten, der Arbeiterschaft, des Handels, der In­dustrie iifto. über die politische Lage. Dr. Simons be­grüßte zunächst die Gelegenheit, die ihm geboten sei, vor süddeutschem Publikum 'feie brennendsten Tagesira- tzen zu besprechen und sich davon zu überzeugen, ob die Stellungnahme der Reichsregierung auch im deutschen fBfiben den Beifall der Bevölkerung finde, lieber die Stellungnahme selbst seien in letzter Zeit Zweifel ent­standen, besonders infolge der Annahme der Einladung stach Loudon. Diese Zweifel seien unbegründet. Die Erklärung, die der Minister im Reichstage abgegeben habe, bestehe vollkommen zu Recht. Der Minister setzte fick hierauf mit den Reden Lloyd Georges, Briands und »es Grafen Sforza auseinander. Er bemängelte, daß keiner dieser Staatsmänner es für der Mühe wert erachtet habe, aus dem Material der Brüsseler' Konferenzen den Nachweis auch nur zu versuchen, inwieweit Deutschland zur Zahlung stier ungeheuerlichen festen Annuitäten von sechs Milliarden Gold jährlich fähig sei. Keiner habe I [ ' praktisch dargelegt, wie man sich solche Leistungen finanz­technisch und wirtschaftstechnisch zu denken habe. Statt dessen habe man nur völlig phantastische Zistern über die künftige Höhe des deutschen Exports, für die jede, auch ter geringste Unterlage fehle .gebracht, lieber die zwölf-

• prvzeuiig« Ausfuhrabgabe seien die verschiedensten An­sichten zu Tage getreten, die vielfach in völligem Wider­spruch zu einander ständen. Die bisherige Debatte habe' ter eines mit voller Klarheit ergeben, daß die Nepara« tionsbestimmungen des Friedensvertrages die ungeheure Auigabe des Wiederaufbaues der europäischen Wirtschaft nicht gelöst hätten, sondern daß sie durch neue Bestim­mungen ersetzt werden müßten. Eine neue Lösung könne Aber nicht diktiert werden, sie müsse vereinbart werden. Da die Hauptlast der Aufgabe auf Deutschlands Schulten» falle, sei es nötig, Deutschlands freiwillige sZnstiminnug zu gewinnen. Die deutsche' Regierung habe ihre Verpflichtung zur Erfüllung des Friedeusvertrages grundsätzlich anerkannt und sei auch von der Notwendig­keit überzeugt, daß das deutsche Volk, indem es sich für die Unterzeichnung des Vertrages von Versailles entschied, es auf sich genommen habe, bis an die Grenze dec Leistungsfähigkeit für die Heilung der Schäden des Krie­ges zu arbeiten. Die deutschen Gegenvorschläge, soü'.den zeigen, daß Deutschland seine Pflicht ernst Nehme. Gf werde sich bemühen, Vorschläge zu machen, die zwar nicht mit phantastischen Ziffern vrunkten, aber den Vorzug hätten, praktisch durchführbar zu fein und die dringendsten Bedürfnisse der alliierten Länder zu befriedigen, lieber den Inhalt erklärte der Minister keme näheren Angaben machen m können, da die Prüfung der Sachverständigen noch in vollem Gange fei Er beschränke sich deshalb darauf, darzulegen, welche Fehler der Pariser Vorschläge nicht wiederholt werden dürften. Ein Hauptfehler sei es, daß die Pariser Kon­ferenz die Aufgabe zu sehr als finanzielles Problem und zu wenig als Produktionsproblem angefaßt habe, r daß sie es völlig unterlassen habe, die Wirkungen der von Deutschland geforderten finanziellen Leistungen auf den Produktionsprozeß der Welt zu untersuchen. Aber auch die finanziellen Bestimmungen als solche seien un­praktisch, d« die Mobilisation der Annuitätenschuld nicht möglich sein werde. Abgesehen von der langen Dauer seien die Annuitäten auch wegen der Unsicherheit über die Kri der Zahlung als Grundlage des Kredits ungeeignet, denn im Zusammenhang mit den übrigen Bestimmungen des Friedensvertrages könne man nie wissen, in welchem jllmsangr sie in bar, in welchem Umfange sie durch an- rrchnnngsfähige Sachleistungen beglichen werden würden. Was die europäische Gesamtwirtschaft brauche, nämlich eine große internationale Anleihe zu ihrem Wieder- Aufban, insbesondere zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und zur Heilung der sonstigen Kriegsfchäden, sei ter erreichbar, wenn man eine ganze Anzahl von kompli­zierte» Bestimmungen des FriedensvertrageS durch ein« l fache, klare Finanzverpflichtungen ablöse. Weiterhin be­dürfe es einer Verständigung über die Bedingum'- ”, (unter denen der deutsche Export, die einzige feanemve Duelle für deutsche Zahlungen, gesteigert werden t5u u, dhne sich selbst sowohl, wie die Industrie Der übrigen ^Staaten aufs schärfste zu gefährden. Die I2pwzenti°e ' Exportabgabe sei, wie der Minister des näheren ausführte, dazu jedenfalls das allerungeeignetste Mittel. Man solle darüber die industriellen Sachverständigen der beteiligten Länder in unmittelbare Verhandlungen eintreten lasten.

Endlich aber müsse auch daS technische Problem des kSiederankbanS der zerstörten Gebiete energisch angefaßt lverdew, 83 gehe nicht an, daß Frankreich und Belgien febe technische Mitarbeit Deutschlands ablehnten, ohne fekbst imstande zu fein, die Ausgabe zu lösen. Deutschland biete feine nneigennützige Hilfe an, es wolle weder Kolo­nien gefleht«, noch Baugewinne machen; es habe nur nickt die Absicht, ungeheuere Summen zu zahlen und zu ver­zinsen für Arbeiten, die eS bereits mtt sehr viel geringeren

I Kosten hätte ausführen können.

Der Minister erklärte, er fei sich bewußt, daß jeder. | Vorschlag, den die deutsche Regierung jmit gutem Ge­st wissen machen könne, bei der Gegenseite'einen ähnlichen I Sturm der Entrüstung auslösen werde, wie er jetzt bei I der Bekanntgabe der Eutentesorderungen durch Deutschland I brauste. Dos sei eben die Folge des Fehlers, zahlenmäßige I ßorbenmgw auszustellen, ehe man den Versuch der Ber- «!>. n;» irürtWwiftfirtwtt ILttteriaa: n der Devti-

rationspflicht zu Ende geführt hab«. Hätte man daS Brüsseler Programm zuerst verwirklichl, so wäre es viel­leicht uiöglich gewesen, nach dem sogenannten Srtzdoux- schen Vorschlag zu einer vorläufigen Regelung der deutschen Leistungen zu gelangen. Jetzt sei das ausge­schlossen, weil das deutsche Volk hinter jedem Provisorium die ungeheure Zahl der Goldmilliarden wie ein Gespenst aufsteigen sehe. Es erscheine undenkba.r ,daß der Reichstag ein solches Abkommen annehmen werde. Die Annahme jedes Abkommens, das in London geschlossen werde, könne durch die deutschen gesetzgebenden Körper­schaften abgelehnt werden. Tas erklärte der Minister für notwendig, weil darin eine Aenderung des Friedensver­trages von Versailles und daher der Reichsgesetzgebtzng enthalten sei. Die Gegner hätten ja anerkannt, daß ihre Vorschläge vom Friedensvertrag abwichen. Ter fran­zösische Ministerpräsident habe das schärfste Urteil über diesen Vertrag ausgesprochen, das bisher überhaupt ge­fällt worden sei: „Er fei nicht lebendig!" Diese Erkennt­nis unserer Gegner, daß das Werk von Versailles verande- rungsbedürftig sei, bilde einen Aktivposten in der Bilanz der Pariser Konferenz. Tie Schwvriakeiten der richtigen Mänderung des Vertrages welchen nach der Meinung des Ministers dadurch vergrößert, daß bit Basis der Ver­ständigung nicht breit genug gewählt sei. Bei der über­ragenden Stellung, die sich die Vereinigten Staaten von Amerika als Gläubiger der Entente und als der Rohstoff­lieferant für die europäische Industrie mit Recht für die Reparationsfrage beimesfen könnten, erscheine es auffällig, daß die Londoner Konferenz auf einen Zeitpunkt eingesetzt sei, wo die amerikanische Regierung nicht in die Debatte eiugreifen könne. Vermutlich sei der Druck, den die Rälie des 1. Mai auf die Reparationskommission ausübe, für eine Beschleunigung der Konferenz entscheidend gewesen. Ebenso nachteilig wie das Fehlen Amerikas werde^ sich auch die ungeklärte Lage im Osten.'für eine dauerhafte Lösung des Reparativnsproblems gellend machen. Wenn die Gegner damit rechneten, daß Deutschland durch einen gesteigerten Export die Riesensummen für die Reparation verfügbar stellen werde, so müßte ihnen daran liegen, dir die deutsche Industrie, statt auf ihre eigenen Märkte, aus p>e des O Rxn6 lnnzulcnken. Statt dessen habe es bei; Anschein, als »o man auch Vier »u emtr

Politik greife, wie sich aus der Vereitlung der deutschen Wirischaftsverhandlungen mit den Oststaaten ergebe. Man könne ihm nut beikommen, wenn man statt des Gedankens der Strafe und der Konkurrenz den Gedar'-n der Hilfe und der So lid a rit ät in den Vordergninb stelle.

Zum Schluß forderte der Redner bk Zuhörer auß jeder in seinem Kreise dahin zu wirten, daß die cutfxriluöe Stimmung, mit bet bisher das deutsche Volk den Barver Beschlüssen gegenübergetreten fei. nicht int Streit über Einzelheiten gefährdet werde, sondern daß die Manner, die Deutschland zu vertreten haben würden, sich dabet ge­tragen fühlten von der einmütigen Unterstützung rhrcr Volksgenossen. w

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Zahlung der Ausfuhrsteuer in Gott. — Das Nhein­gebiet als „spfanb*.

wb. Paris, 12. Febr. Vor der Senatskom- misston für die befreiten Gebiete hat auf Veran­lassung des Senators Ribot Minister L o u ch e u r erklärt, die Ausfuhrsteuer müsse nach dem Abkom­men von Paris Deutschland in Gold bezahlen Man spreche davon, von den Jahreszahlungen 2r Prozent in Geld und 75 Prozent in Waren zu ver­langen, seien es Kohlen, Holz oder andere Güter.

Pertinax behandelt im „Echo de Paris" die Frage der Flüssigmachung der deutschen Schuld uns in Verbindung damit die Frage der Zwangs matznahmen. Er h«t wenig Hoffnung, baß die Verbündeten die Schuld ohne weiteres erhalten werden und verlangt deshalb Pfänder. Deswegen sei Frankreich gezwungen, in unmittelbarer Näh« des Ruhrgeüietes zu bleiben. Solange fcie franzö­sische Forderung nicht die Forderung der Verbünde­ten geworden sei. dürfe der Brückenkopf von Kehl nicht nach 6 Jahren, das gesamte Rheingrbiet nicht nach fünfzehn Jahren geräumt werden. Nur durch eine solche Orientierung, werde die franzößscye Politik etwas erreichen, sonst werde sie ein Stotz ins Leere sein.

Bolkseinkommen und Steuern in Deutschland.

B e r l i n, 12. Febr. Wenn man mit einem ge­samten Volkseinkommen Deutschlands von 140 Milliarden Paviermarkt zu rechnen hat, so entfal­len auf den Kopf der Bevölkerung 2333 Papter- mark. Nach der Umrechnung in Eoldmark ergibt dies die Summe von 233% Goldmark auf den Kopf. Davon müssen in Deutschland 75% Mark Steuern bezahlt werden, was 32,3 % ausmacht. Nach Ab­zug der Steuern bleiben 158 Eoldmark auf den Kopf der Bevölkerung übrig. Hier drückt sich die schwere wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes am deutlichsten aus.

wb. Bremen, 12. Febr. In einer Rede vor der Handelskammer erklärte der Reichsministsr der Finanzen, datz die Einkommen- und die Bosttz- fteusrn die Grenze des Möglichen erreicht, ja sogar überschritten halten. Diese Auffassung finde man auch in Kreiseu. der Verbündeten. An eine Ver­schärfung dieser Steuern könne daher nicht gedacht werden.

Die deutschen Kohlenlieserungen.

wb. Paris, 12. Febr. Nach dem „Temps" findet am 1. März eine Beratung der Reparations- kommisfion mit deutschen Kohlensachverständigen statt, um das Lieferungsprogramm zu bestimmen.. Für Februar und März b l e i b fr es bei der Liefe­rung von 2 200 000 Tonnen -ft 250 000 Tonnen Rückstände.

Die Kontrsllsögte.

wb. Berlin, 13. Febr. Blättermeldungen zufolge verhinderte in Stettin eine Berliner En­tentekommission die Ausfahrt der Dampfer, darun­ter die des russischen Dampfers „Sobotnik", lieft ihre Ladung löschen und untersuchen, da sie Waffen für die russische Regierung an Bord vermutete. Nach Mitteilung von zuständiger Stelle hat sich Kapitän Bode von der deutschen Friebenskommis- sion in Begleitung von Vertretern der alliierten Marinekontrollkommission nach Stettin zur Unter­suchung der Angelegenheit begeben.

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WM; iralMki Seit.

Von der Kammer nur noch geduldet.

wb. London, 13. Febr. Der gut unterrichtete Pariser Berichterstatter der „Westmiitster Gazette" ihreibt, das Schicksal Briands hänge von der Lon­doner Konferenz ab. Die französische Kammer werde Briand nur gestatten, seine unmögliche, aber immer noch relativ mäftige Politik unter ihrer Aufsicht weiterzuführen und argwöhnisch die Vor­gänge auf der Londoner Konferenz beobachten. Briand sei nur geduldeter Weise Ministerpräsident. Man halte ihn „auf Probe". Er habe die Mehr­heit im Parlament bekommen, werde jedoch ge­warnt. Er habe eine bestimmte Kündigung zum der französischen Kammer kein Vertrauensvotum erhalten, sondern ein Toleranzvotum. Die überwiegende Mehrheit des nationalen Blocks, die ihm gestattet habe, sein Amt weiterzuführen, werde lebe Abweichung von den Pariser Beschlüssen als im Widerspruch zu der zum Ausd-ruck gebrachten Meinung der Kammer stehend ansehen. Wenn er den Deutschen auch nur irgendwie nachgeben ollte, bestehe keine Hoffnung, datz er seiner Nieder-' läge entgehe. Aus den Verhandlungen in der fron-' zösischen Kammer gehe die wirklich wichtige poli­tische Tatsache hervor, datz der nationale Block in F o r g e o t seinen Führer gefunden habe. Forgeot ei dazu bestimmt, einen beträchtlichen Einfluß in der französischen Politik zu gewinnen. Briand be­herrsche noch das Feld, die Frage sei nur, wie lange noch.

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wb. Paris, 11. Fcbr. In brr Finanzkonunission b<-§ Senats ist sepgestrilt worden, daß infolge deS^Acht- stnndenja^.s das Defizit der französischen Ersen- babaen seit 1920 3,1 Milliarden Fr. beträgt. Für daS Iah' 1:321 wird das DHzit täglich^aus 8 Mill. Fr. beriffert.

wb. Paris, 11. Febr. Havas meldet aus London: In Grrßbntamncn werde die Ankunft einer Gruppe ttanzösifcher Industrieller erwartet, die über ein Ab­kommen mit englischen Industriellen uuftrhawdcln solle. 35 Handke sich dabei um die in Elsaß gewonnenen Kalimengen, für deren Berarbeilung die Frin- zosen die nötigen Einrichtungen nicht besäßen England besitze diese Einrichtungen, und es handle sich darum, »wischen den französischen xnb englischen Unter« Händlern »ine Arbeitsgemeinschaft durch.»fuhren.

Japanisch-französischer Zwischenfall.

tob. London, 11. Febr. Reuter meldet aus Tokio: In Yokohama fand eine Revolverfchtetzerei »wischen französischen Matrose» deS Kriegsschifies .Armand Bohio" und fapanischen Polizisten statt. Fünf Matrosen und acht japanische Polizisten wurden verwundet. Neun französische Matrosen wurden ver­haftet. Der französtsche Konsul untersucht die Ange- legenhett.

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M AM»! Set bsyMr« Mnm-

München, 12. Febr. Die endgültige Ant­wort der bayerischen Regierung an die Reichsregie­rung ist heute in Berlin eingetroffen. Entgegen der ursprünglichen Absicht wünscht die bayerische Regie­rung, datz die Note als vertraulich behandelt und der Oeffentlichkeit nicht »ur Kenntnis gebracht wird.

Wie das „Berl. Tagebl." mitteilen kann, beharrt die bayerische Etaatsregierung in der Note au ihrem Standpunkt, baft die Pariser Forderungen einschlieftlich der Frage der Einwohnerwehren e i ri­tz e i t l i ch zu behandeln wären, anerkennt aber auch in der Entwaffnungsfrage das Recht der Reichsregierung zu gesetzmäßigen Maßnahmen, für deren innerpolittsche Folgen sie jedoch die Verant­wortung ablchnt.

Protestkundgebungen.

wb. Berlin, 13. Fcbr. Im dem grössten Saal Berlins, dem Sportpalast, der dicht gefüllt war, ftnti eine von der Liga zum Schutze der deutschen Kulftn veranstaltete Bolkskundgebung aller Stünde und Schich- len gegen die Pariser Beschlüsse stall. Nachdem Reichs- tagsabgeoroncter Geheimrat Prof. Dr. Kahl, andter Dr. Riezler, Rcichstagsabg. Laverrenz, Reichslagsabg. Dr. Pfeiffer und Dr. C r o l l untef brausendem Beifall der Versammlung zur Einigkeit del ganzen Volles in der Frage der Ablehnung des neuen Diktats aufgerufen hatten, erreichte die St-mmung ihren Höhepunkt, als der Schauspieler 2ubt> g Hattml ein Gedicht mit dem Leügeoanken: „Wir unterschreiben nicht" vortrug. Zum Schluß sang tue pieltansend- köpsige Menge stehend das Lied: „Ich hab' mich tti geben". Einstimmig wurde eine Entschließung ange- rommcii, die die Reg erung aufsorvert, keine unerfüll­baren unbilligen Bedingungen anzunehmen.

Der Dänische evangelische Äirchenausschuß als Ge- ’amtotrtrehnig der deutschen Landeskirchen erhebt in einer Erklärung gegen die Pariser Beschlüsse „vor Goft und aller Welt,' insbesondere vor der evangelischer Ehristeubcit, die Anklage, daß unter dem Namen uni Verwände des Friedens ein christliches Kulturvolk aul den Reihen der freien und lebensfähigen Völker ge 'ttichen werden soll".

tob Leipzig, 13. Febr. hier fand heute eim eindrucksvolle, von der Arbeitsgemeinschaft der ver einigten Parteien sowie von wirtschaftlichen uni kulturellen Verbänden veranstaltete Masfenknndgchunc gegen die Forderungen der Verbündeten stall. 9hdj einer stark besuchten Versammlung int Zentraltheatei in der etn Redner ans Berlin sprach,'begaben sich btt Teilnehmer in geschlossenem Zuge, in dem unter Voraa- tritt nn.Hörer Musikkapellen schwarz-weiß--Me Fahnen und zahlreiche dem Zweck der Veranstuliung ent- ku-platz. wo 13 Redner unS" eutc" yreäfte^fTWA« pracke't die Unm-gllchkeit der Erfüllung der Forde­rungen hervorhoben und betonten, daß Deutschland nicht nach London gehen dürfe, bevor nichts getwu istsi he, was man dort mit ihm vorhabe. Von der R-ichsregierung wurde Bedangt, daß sie unter allen Umständen an dem von ihr ausgesprock-"' -'n-

annehmbar" fc ft ft alte.

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Der Raub der deutschen Kolonien.

Wie die „Befreiung" der Eingeborenen aussicht.

wb. London, 12. Febr In London fand dem „Manchester Curadian" zufolge eine Versamm­lung der Antt-Sklaverei-Gesellschaft statt, die sich mit der Frage bei Verteilung der Mandate be- ützte. Prof. Murrey erklärte, die Hauptbefürch- tung sei die offen zugegebene Absicht der französi­schen Regierung, große afrikanische Heere auszuheben. Diese Politik, die für den Frie­den Europas das größte Verhängnis bedeuten würde, stehe vollständig im Widerspruch zu den Bestimmungen des Völkerbundes, die sich nut dem Schutz der Eingeborenen befaßten. Ein Mit­glied der Versammlung erklärte, die Eingeborenen von Togo und Kamerun sollten unter britischer und nicht französischer Verwaltung stehen, worauf Sir Olivier erklärte, es bestehe nicht die geringste Aus­sicht, daß diesen Völkern gegenüber das Versprechen der 'Selbstbestimmung innegehalten werde. Die Verteilung dieser Gebiete zwischen beiden Zan­dern habe lange v o r der Begründung des Völker­bundes stattgefunden. '

Dem „Manchester Guardian" wird aus Mel- bourne berichtet, baft in bem vormaligen deutschen Neu-Guinea und auf Samoa bet beutsche Besitz enteignet werbe, ohne baft man bas Mandat abwarte und trotz des durch General Holmes ab­gegebenen feierlichen Versprechens, baft das Privat­eigentum geachtet werden solle. In Tonga habe eine Firma, die infolge des Verschwindens bet beutschen Schiffahrtslinien jetzt so ziemlich das Mo- nopol auf den Südseeinseln habe, das gesamte zum Kauf angebotene deutsche Eigentum angekauft.

Die deufichen Kabel.

tob. London, 11. Febr. Nach einer .Times'. Meldung aus »-asbi-mton hat die ‘merantterte Ver- bindungsmittel-Konferenz, die fick mit der Verteilung der ehemals deufichen Kabel belaßt, gestern ihre Ver« Handlungen in Washington wieder ausgenommen. In der Haltung der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Kabel sowovl des Atlanfiscken tote des Stillen Ozean« fit keine Aenderung eingetreten. Die Entwicklung der Verhältnisse seit Vertagung der letzten Konferenz (Mitte Dezember) hat die Amerikaner In ihrem Ent« frtUuh bedürft, die Wiederherstellung des atlanfilcken Kabels für den Dienst zwischen den Vereinigten Staaten* und Deutschland und die R 0 ck e r >t a 11 u n g des Kabels Guam-Yap-Schanghai und Riederläudisch« Indien flcherzustellen.

Der Direktor bet Berliner Mission, v. Karl A X e tu seid, ist zum Gencrallnperiutendcntcn der Rurmar| ernannt worden.