NmÜiches DerLndigungsblatt des Kreise» Marburg.
Tageszeitung für (das früher kurheflifche) Overhessen
Marburg
1921
irsiteue u. joetmutiung wt Angebot« 75 Psg. Eondergebüfir. Set unter 20 Mk. müssen wir das Porto für die Rechnung berechnen.
Erstes Blatt.
Die hWmjlhe Linke gegen die Regierung v. Kahr.
den fei, ob er zu einer Besprechung mit dem MiniüorptLsi- t bat.
Auflösung bet bremischen Stadtwehr. Einer Mel- dang der „Bassi Zig." ans Bremen zufolge erNörte tn
der gestrigen Sitzung der bremischen Biiraersctzaft bet Präsident, das; der Senat zum Ende dieses Monat- die Entlassung der Stadtwehnnannschasien uers'M
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kommen, was wolle, mit den Deutschnatwnalen werde seine Partei keine Koalition eingehen. Da sei alles Reden umsonst. Der Redner verlangte eine endliche Lösung der Sozialisterungsfrage und nahm in scharfer Weise gegen die „monarchistische Propaganda" Stellung. Der Arbeitswille im deutschen Volke sei gewal- ttg gewachsen. Deutschland könnte aber wirtschaftlich nur dann über Wasser gehalten werden, wenn es gelinge, die früheren Bedingungen für einen ungehinderten Export wieder berzustellen. Der Völkerbund genüge den deutschen Ansprüchen nicht. Er müsse anders konstituiert werden. Amerika würde nur dann etwas zu unseren Gunsten tun, wenn seine eigenen Interessen es dazu zwängen. Hinstcbtkicki der Wiedergutmachung erklärte der Redner, dass man für die Wieder- Mtimachung unsere Leistungsfähigkeit, wie sie heute gegeben sei, zugrunde legen müsse.. Es sei praktisch undenkbar, gleichzeitig die Kuh zu schlachten und zu'melken.
denken bereit sei, die aber erst voraussichtlich am Samstag stattfinden könne.
Die sozialistische Linke verläßt hierauf geschlossen den Saal.
Abg. Stang: Wir müssen grundsätzlich daran festhalten, daß aus den Bestimmungen der Verfassung eine Verpflichtung für den Ministerpräsidenten, einer Minderheit des Landtages Aufschlüsse zu geben, nicht abgeleitet werden kann. Daß diese Einladung an Herrn Auer erst um 9 Uhr abends erging, hängt damit zusammen, daß es erst sehr spät am Schluß der Sitzung der Koalitionsregierung zu einer Einigung gekommen ist. Wenn auch zugestanden werden könne, daß vertrauliche Informationen auch anderen Fraktionen gegeben werden, so steht doch für uns grundsätzlich fest, daß nur der &mbhig als solcher nicht aber die Fraktion die SiantsregieruMg zwingen kann, solche Ausschlüsse zu geben.
Abg. Dirr (Dem.) stellt fest; Auer konnte aber den Zweck der vom Ministerpräsidenten nachgesuchten Aus- 'brache garnicht im Zweifel sein. Daß die Informationen, die gegeben werden sollen, nicht früher stattstnden können, liegt einfach daran, daß die Verhandlungen der ^valitionsp^rteien gestern abend erst fpät'zu Ende kamen. Von einer Provokation und Beleidigung eines großen Teils des Landtags könne nicht die Rede fein. .
Oberregiernngsrat Schel 1 horn bestätigt dann sein telephonisches Gespräch mit dem Präsidenten Auer und -rflärte, er könne es auf seinen Eid nehmen, daß er öl' genstand dec Aussprache ausdrücklich die volitische Lage genannt habe. Auer habe int Gespräch ihm erklärt, es wäre ibm auch ange-.iehr t, wenn die Aussprache erst am Samstag stattfinden würde, weil er als Vizepräsident abgebalken sei, da er den Pri.'identen unterstützen müsse.
Das Haus tritt hieran! in die Tagesordnung ein. Da, tote der Präiioent miUeilt, eine Wortmeldung zur Interpellation nicht vorliegt (die sozialistischen Parteien waren nicht mehr in den Saal znrückgekehrt), war die Interpeltatiou erledigt.
Mm Memmen fier MdnM.
Berlin, 11. Febr. Im Reichsarbei lsministen«n> wurde über die neuen Forderungen der Gehilfen in» Buchdruckereigewerbe verhandelt. Es wurde schließlich nachstehender Spruch gefällt: Ter Schssckftuna-- aussscht ist der Ansicht, daß die Teuerungsverbältnisse seit dem 3. November 1929, ungeachtet der zwischenzeitlichen Teuerung, nicht so gestiegen sind, daß von einer wesentlichen Aenderung der Verhältnisse gesprochen werden kann Zur Abgeltung aber der zwischenzeitlichen Teuerung ist den Gehilfen und anteilmäßig den Hilfsarbeitern' liber 21 Jahre eine Beihilfe zu gewähren, die wöchentlich beträgt in den Lohnklassen B und C in den kleineren Orten mit einem Lokalznschlag bis einschließlich,7'/« v. tz. 10 Mark, in den mittleren Orten mit einem Lokalzuschlag bis einschliMkich 17Vt v. H. 12 Mark und in den übrigen Orten 15 Mark. Die Gehilfen erhalten die vorstehende Beihilfe nicht, wenn sie mehr als 15 v. 5. über ihren Tariflohn während der ersten fünf Lohnwochen des Jahres verdient haben. Soweit in einzelnen Betrieben nach dem Abkommen vom 3. November 1920 mit Rück- fich auf die Teueningsverhältnisse außertarifliche Zulagen gewährt worden sind, können diese auf die obigen Beihilfen angerechnet werden. Die Beihilfe ist während der Zeit vom 1. Februar bis l.Mai zu zahlen und kann auf Wunsch der Arbeitgeber ober Arbeitnehmer in einem Gesamtbetrag von 130 Mark bezw. 156 Mark bezw. 195 Mark oder in Teilbeträgen gezahlt weichen. Die Delegierten beider Parteien sind nach Leipzig abzereist, wo der Tarifausschuß zusammengetreten ist. Bis Samstag haben sich die Parteien über Annahme oder Ablehnun ’ des Vorschlages zu entscheiden.
Der frühere Reichskanzler Müller zur Lage.
Höchst, 11. Febr. In einer Wäblerversammlung erklärte der vorsttzende der sozialdemokratischen Reichs- tagssraNion- und frühere Reichskanzler Hermann Müller, die Sozialdemokratie werde nur dann wieder in die Regierung eintreten, wenn entweder die Mehrheitsverbältnifle im Reichstag stch änderten oder wenn ganz bestimmte zwingende Gründe vorlägen, die ti den breiten Arbeitermassen notwendig erscheinen ließen, daß ste wieder in die Regierung gingen. Er lehnte nach einer scharfen Polemik gegen die Rechtsparteien jegliches Zusammengehen mit der Deuisch- natioual«, Volksvarlei ab.' indem er erNärte, es möge
heftige Angriffe im Landtag.
Wb. München, 11. Febr. Der bayerische Landtag war heute früh der Schauplätz stürmischer Auf - tritte. Aus der Tagesordnung stand die Interpellation der U. S P., die vom Ministerpräsidenten Aufschluß über die Berliner Verhandlungen verlangte. Als der Regierungsvertreter erklärte, daß der Ministerpräsident iit- svlge anderweitiger dringender dienstlicher Geschäfte nm Erscheinen im Haust verhindert sei und daß es ihm wegen der Vertraulichkeit der Berliner Ministeraussprache unmöglich fei, dem Landtag darüber Ausschluß zn geben, entstand bei den sozialistischen Parteien eine große Erregung, die sich in heftigen Zwischenrufen Luft machte. Vwe den sozialistischen Parteien lvurde diese Erklärung <rf£ ene Pro okation eines erheblichen Teiles des Landtages bezeichnet und die sofortige Nnterbrechung der Sitzung gefordert, um zu der nun geschaffenen Situation Stellung nehmen zu können. Präsident Königbauer ließ darauf eine einstündige Unterbrechung eintreten, in der die Parteien zu besondere^ Fraktionssitzungen zusammen traten.
Nach 11 Uhr wurde die Sitzung wieder ausgenommen: Abg. Stang (Bay. Vpt.) gab zu Beginn der Sitzung folgende Erklärung ab: Tie Koalitionspartei.'n hatten beabsichssgt, zu Beginn der jetzigen Debatte eine Erklärung abzugeben, die zur Klärung der Sage beitragen soll. Da aber die sozialistischen Parteien Wert darauf legen, daß nach der Geschäftsordnung die Interpellation schon jetzt besprochen wird, so erkläre ich, daß wir hernach die von 'uns beabsichtigte Erklärung abgeben lverden. — Präsident Königbauer gab dem dringenden Wunsche Ausdruck, daß die weiteVerhandlungen in einer Form gepflogen toerfx'n, die' der Würde des Hauses entspreche.
Abg. Timm (Soz.): gab dann im Namen seiner Fraktionsfreunde folgende Erklärung ab: Seit acht Tagen i'erfianbett die bayerische Regierung durch den Minißer- vrässdenten v. Kahr mit den Koalitionsparteien über die Rückwirkung des Pariser Diktats aus das deutsche und das baperische Volk und die Stellungnahme der Regierung hierzu. Gestern hat der Ministerpräsident auf einer Tagung der Bäuerischen Volksvartei den grundsätzlichen Standpunft der Regierung dargelegt. Trotz dieser auf einer parteipolitischen Tagung erteilten Informationen hat der Ministerpräsidenten heute hier hie Erklärung abgeben lassen, daß er sich der selb st verständlichen Pflicht -ntziehe, der bayerischen Volksvertretung selbst Informationen in dieser die höchsten Lebensinteressen des Volkes berührenden Angelegenheit zu geben. Dieses Verhalten ist mtr unerhörte, im parlamentarischen Leben noch nie daaewestue Provokation und eine unglaubliche Be stKfguna großer politischer Parteien der Volksvertretung Diese Mißachtung wiegt umso schwerer, als hinter den ’on der Regierung ansgeschafteten Parteien gerade ein Teil des werktätigen bayerischen Volkes steht, der durch die Rückwirkungen des Pariser Diktats am härtesten getroffen wird. Das parteipolitische Gebaren der bave- rifchen Regierung ist umfo kurzsichtiger und muß der- hänanisvoller wirken, als gerade in dieser Zeit dst aefchlofstne Ein'akeit des ganzen Volkes eine Lebensnotwendigkeit für Deutschland ist, deren frivole Gefährdung durch den bayerischen Ministerpräsidenten unabsehbare'Folgen 'mch sich ziehen muß. Wir halten es mit hf£ Ehre und Würde der von uns vertretenen Volkskeile 'iMknvereinbar. an den Verhandlungen des Landtags teil- ’mnebmen, fofame nicht Herr v. Kahr feiner Vertsslich Zungen als Ministerpräsident nachgekommen ist. Hierzu rebeu wir ihm Gelegenheit, indem wir folgende Frage Zellen, dessen unverzügliche Beantwortung wir verlangen- reiche Haltung gedenkt die baw-rssche Regierung zu de» aus dem Pariser Diktat fich ergebenden wirtschaftlichen und volitifchen Fragen einzunehmen?
Nach einer längeren sich hierauf abwickelnden Ok 'chästsordnungsdebatte gibt Abg. Stang im Namen und im Auftrag der Koalitionsparteien des Landtag- folgende Erklärung ab: Die Verhandlungen in Berlin und mit der Reichsregierung find streng vertraulichen Charakters. Solange diese Vertraulichkeit auch durch Zustimmung der Reichsregierung nicht aufgehoben ist, kann die Regierung in öffentlicher Sitz»na keine Mitteilungen machen. Den Koalitionspartnern welche die Verantwortung mit zn tragen haben, find folch- Ausschlüsse vertraulicher Art naturgemäß zu gegangen Wir find im Einklang mit der Regierung keineswegs der Meinung, daß nicht auch anderen Fraftionen vertrau ssche Informationen gegeben werden können. Daß auch der Herr Ministerpräsident dieser Auffassung ist, geht ans der Tatfache hervor, daß er gestern nach Beendigung der Verhandlungen den Koalikionsparteien dem Bize- bräfibenten des Landtages, dem Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei Auer eine Einladung zu einer Besprechung zugeben ließ, deren Gegenstand die Erteilung von Ausschlüssen über die mit den Berliner Verhandlungen 5ufammenfiängenben politischen Fragen bilden sollte.
Abg. Blum tritt (U. S.) gab für seine Fraktion eine Erklärung ab, in der er das Verhalten des Minister- Präsidenten als unerhörte Verletzung der Rechte des Landtages und eine Herabsetzung her parlamentarischen Opposition zu Mitgliedern zweiter Klasse bezeichnete.
Abg. Auer erklärte, daß er gestern abend von Oberregiernngsrat Schellhom telephonisch befragt tvor-
Der (Stanhmmff des bayerische« Ministeriums.
wb. München, II. Febr. Mnnste'präsid'nl v. Kahr ergriff in der gestrigen Sitzung des Landesaus- fchusses der Bayerischen Volkspartei das Wort, um den Standpunkt der Regierung im Sinne der bekannten Erklärung darzulegen. Nach dem Bericht der Münchener Neuesten Nachr." sagte er ». a.t Wir ssnd uns bewußt, daß es unser Recht und unsere Mich- ist, auf die Willeusbssdnnq her Reichsregierung mit den uns verfassungsmäßig ,zustehenden Mitteln in dem Sinne, den wir als Recht erkennen, einzuwirken und den Kräften vrtgegeu,zuarbeiten, di- wir für verhängnisvoll hallen. Wir sind uns aber auch bewußt, daß die letzte Entscheidung und damit die ganze Ber- antwortuno der Reichsregierung überlassen blliben mutz. Dieser Standpunkt dürfte sö unangreifbar sein, daß alle Beunruhigung, die in den letzten Togen enistanden ist, von jedem als unbegründet erkannt werden muß.
wb.. München, 12. Febr. In der gestrigen NiN- mlttagsiih'ung des bayerischen Landtages erklärte Königsbauer: Heute vormittag wurde von der sozirl- demokratischen Fraktion hier im Hause eine Erklärung abgegeben. Diese Erklärung ist als Interpellation -ing-bracht worden. Der Ministerpräsident läßt mir mitteilen, dqß et se^bstve-ss"-^'-^ b-r-ft sei, die nunmehr eingebrachte Interpellation bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu beINitwvrt - n. Das Hans -rmöchtigte das Präsidium, die nächste Bosss'tzung in' Laufe der nächsten Woche anruberaumen, um dies, Futerv-llation zu besprechen. Im übnaen soll es bei Her getroffenen Vereinbarung, drei Wochen lang nut die Ausschüsse tagen zu lassen, verbleiben. Hierauf vertagte sich das Hans.
wb. München, 12. Febr. Amtlich wird gemeldet: Der Ministerrat hat sich mit der Lage befaßt. Er bar dabei die einhellige Auffassung vertreten, daß es nicht nur die Pflicht, sondern auch her eigene Wunsch der Staatsregierung ist, sowohl dem Landlag wir auch dem ganzen Lande rückhaltlos Auf- kläntng über die Lage zu geben. Die Vorbesprechungen mir den Koalitiomsparleien sind vorgestern abend' zn Ende gegangen. Im Anschluß daran suchte der Ministerpräsident die Fühlung mit dem Führer der sozialdemokratischen Fraksson für eine Aussprache über die politische Lage aufzunehmen. Die Sta rtsregienmß wird daher die nächste Gelegenheit benützen, in diesen» Sinne zu verfahren.
Die Volkskundgebungen.
' ftf. Berlin, 11. Febr. Dem Rekchspräfidenfen, der Reichsregierung und de« Auswärtinen An«k gehen fortgesetzt aus allen Teilen des Reiches und von den rerschichenite» Kreisen der Bevölkerung Kundgebungen zn den Pariser Beschlüssen zu. Diese Erklärungen, ans die im einzelnen zu antworten nicht möglich ist, und die von den verschiedensten wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten aus die Un- möqlichkeit der Erfüllung der Pariser Beschlüße zum Ausdruck bringen, sind ein erfreuliches Zeichen dafür daß das deutsche Volk in ganz überwiegender Mehr- beit geschlossen den Standpunkt der Reichsreqiernno billigt, welcher in der Erklärung des Reichsminister? des Aenßern vor dem Reichstage am 1. Februar festgelegt ist.
Eine Stimme der Vernunft.
wb. London, 10. Febr. Im Lyccumttub erklärte Lord Parmoor zu den Parif-r Betzingunaen der Re- parationsfrag«, es sei nicht leicht verständlich, wie tr einem Lande industrielle Energie wiederbelebt werben solle, das länger als eine Generation einen drückende,' Tribut zahlen solle. Die Auferlegung eines Zwang? ansfuhrzolle? sei kaum vereinbar mit einer uuanhängigen Finanzpolitik. Die einzige Art der Be zahlung sei die durch ausfuhrfertige Waren. DieF würde j.doch die Beschäftigung der Arbeiter in England ernstlich gefährden. Weder noch Rohstoffe seien zur Zahlung vorhanden. Jeder Eingriff in den deutschen Handel würde nur die Zahlungsfähigkei' Deutschlands vermindern. Zunächst sei es nötig, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands aus der Konferenz fest zustellen, auf Deutschland vertreten sein tuerbe.
Die Ansicht in Italien.
’ wb. Rom, Febr. Die Kundgebungen in Deutsch land gegen die Pariser Beschlüsse machten hier großen Eindruck. Politische Persönlichkeiten sprachen fick dahin aus, daß der wirtschaftliche Wiederaufbau und die politifth« Versöhnung schwer zu erreichen H»n. solang- eine Stimmung herrsche, wie sic sich in Berlin, London und Pans kundgab. Der „Corner- d'zssal-a" sch echt hierzu: Es ist wehr, daß auch vor dem Friedens- Verträge von Versailles T>eutWfanb dasselbe „litt an- nehmbar" aussprach, sich dann aber doch beugen muß'e Heute gewinnt man aber dctt Eindruck, daß das deutsche Nein entschlossener ist. Diesen Eindruck gewinnt man mehr aus der Einigkeit des flittc&rtgf3 als aus den Aussöhn,ngcn dc§ Ministers Stmons.
Sie «Wen Irigoeionloinniltingen.
Neue Feststellungen.
wb. Berlin, 11. Febr. Nach den Vorstellungen, die die deutsche Regierung in London, Paris, Rom und Warschau wegen der starken polnischen Truppenansammlungen an der Ostgrenze des Reiches erhoben hatte, ist die Tatsache dieser Truppenansammlungen von polnischer /unb französischer Seite bestritten oder auf Demobilisations- matznahinen zurückgeführt worden. Von zuständiger Stelle wird hierzu mitgeteilt, daß der deutschen Regierung nunmehr eingehende, sorgfältig geprüfte Nachrichten über die Höhe der Truppenstärke i» westlichen polnischen Grenzgebiet vorliegen. Danach befindet sich zur Zeit, nachdem neuerdings weitere Abtransporte erfolgt sind, von den Truppen der ersten Linie an der deutsch-polnischen Grenze an der Südgrenze Ostpreußens (im Raume Lomscha—Mlawa—Ostrolenka) die 4. Division in Stärke von 14 000 Mann, in Westpreußen (im Raume Eraudenz—Thorn—Bromberg) die 16. Division und die sogenannte sibirische Brigade in Stärke von 20000 Mann, in der ehemaligen Provinz Posen (im Raume Hohensalza—Posen—Lissa —Ostrowo) die 14., 15. und 17. Division sowie die zwei Reservebrigaden in Stärke von 54 000 Mann, längs der oberschlesischen Grenze (im Raume Czen- stochau—Bielitz—Neusanden—Krakau) die 6., 21. und P^dhalanski-Division in Stärke von rund 42 000 Mann. Dazu kommen in Reservestellungen bie 11. Division im Raume von Lodz unb die 22. und 1. Legionärdivision im Raume von Warschau, ebenfalls in Stärke von 42 000 Mann. Diese Trup- penaufgebote stellen also allein schon eine Gesamtstärke von 172 000 Mann dar. Dazu kommen Noch die Truppen der zweiten Linie, die allein an der oberschlefischen Grenze (im Raume Czenstochan —Sosnowice) einschließlich der drei Grenzbrigaden und der irregulären Truppen (P. O. W.) eine Stärke von 25 000 Mann aufweisen.
Das Gesamtausgebot der an der deutsch-polnischen Grenze versammeltenTruppen beträgt über 212200 Monn An der titanischen Front bes'.nden sich zur Zeit 70600 unb an der rassischen Front nur 126000 Manu. Daraus folgt, daß mehr als die Halste der jxsamlen Formationen gegenwärtig nicht an der Nord- Pst- und Ostgrcnze Polens, sondern an btt Grenze des mit Polen im Frieden befindlichen Deutschen Reiches steht. Die Erklärungen des polnischen Mi-ii- perc- des Aenßern, daß die. Truppenbewegungen nur dem Ziel der Demobilisation btctfetz, lassen sich mit den Tatsachen nicht vereinbarr», hast bisher nur 'bie Liesten Jahrgänge und K- entlassen
worden sind. Die übrige:; Jahrgänge sinsi teilweise mit Ausrüstung und Bewaffnung fristlos beurlaubt worden. Neueinziehungen an beurlaubten Mann- fchaKen siiid wiederholt gemeldet worden. Die geseh- lichr-Frontdienstpflicht beträgt zur Zeit in Polen nut 2 Stott dessen lverden ab»: mindestens 5 Jahrgänge» unter den Waffen belassen, bie genügen, um die Atmet auf Kriegsstärke zu erhalten. Weiter sind einige bisher noch nicht unter den Waffen stehende Osfizietsjahtesklossen neu einberuftn worden. Auch sind nut kriegsunbrauchbare Pferde und Fahrzeuge verkauft, kriegsbrauchbare dafür neu eingestellt worden. In einer ganzen Reihe von Fällen ist fest- geftellt worden, daß Regimenter, die sich zur Zeit in be« westlichen Grenzgebieten Polens befinben, auf Kriegsstärke belassen worden sind und daß sogar ihre Ersatzsotmationcn in voller Stärke weiter besteh'n. Endlich befindet ein Teil der im deutsch-polnischen Grenzgebiet stehenden Fonnationen tatsächlich nicht tn den Heimatgarnisonen. Daran? ergibt sich, daß voir einer Demobilisation des polnischen Heeres bisher nicht die Rede sein kann. Die deutsche Regierung hat sich daher veranlaßt gesehen, wegen der vorstehend geschilderten Tatsachen erneut bei den eingangs erwähnten Regierungen vorstellig zu werden.
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