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Amtliches.Verkünd lgungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (bas früher kurheWche) Oberhessen

Marburg

Jh. 36

öfür ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignijie kein Erjatz. (C(nrtnrtlii>nh K TKöRritrtr Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei von Loh. Aug. Koch, ÖVHllUUvilU, U. (jCutUUl

Markt 21'23. Fernsprecher 55.

(Hoeuung)

DieOberhessischc Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 1.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr.

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56. m M

Erstes Blatt.

!ie MMkrit.

Der Mensch, und besonders der Deutsche, des ausgehenden 19. Jahrhunderts, war beherrscht von dem Glauben an denFortschritt auf allen Ge­bieten", es war ihm Ueberzeugung und Herzens­sache, daß mit der Verbreitung derBildung", mit der Ausdehnung des Verkehrs über die gnnze Welt eine Aenderung des Menschen .selbst cintreten würde, eine Erziehung zu höheren Zielen, zu Fried­fertigkeit, Menschlichkeit, zu vorwiegend kulturellen Gütern und Bestrebungen. Das Aussprechen voll Ideen der Weltbeglückung, derUeberbrückung der Gegensätze" harre in dem Zeitalter der Drucker­schwärze, der Festreden und Kongresse scheinbar die Bedeutung von Taten angenommen. Wer er­innert sich nicht, das; vor 1914 ein Krieg von den meisten kaum in den Bereich der Möglichkeit zogen wurde, und wenn schon, so konnte das Mor­den doch nur die Bedeutung einer Drohung haben, lange konnte cs nicht anhalten, das widersprach der Kultur, und übrigens würden die Banken das Geld nicht hergeben. Es ist anders gekommen. Un­sere Feinde haben, soweit sie von diesen Phantasien überhaupt befallen waren, sich sehr schnell in die Wirklichkeit zurückgefunden. Nur der Deutsche träl'mte den Traum weiter und wurde infolgedessen das geeignete Objekt für die allzu erfolgreiche Pro- pago^ida für Demokratie und Völkerfrieden, der der gerissene Wilson mit seinen 14 Punkten die Krone «Motzte. Aller Menschlichkeit zum Trotz ist kein Krieg in der Weltgeschichte so grausam geführt wor­den wie der Weltkrieg. DieWeltkultur" hat die feindlichen 'Staaten nicht gshindert, die Denischen, welche an den Schwindel von Demokratie und Völ­kerverbrüderung glaubten, zynisch zu enttäuschen. Was wir aber nach dem Kriege im sogenannten yriedenszustand erlebt haben, überbietet an bru­taler Klarheit und Offenheit doch alles. Es ist zicht nötig, alles aufzuzählen von den Schwarzen in >er Pfalz, über das Kohlenabkommen, zu den Drangsalierungen der Oberschlesier und andres Rehr. Die letzten Tage haben hoffentlich jedem Deutschen gezeigt, was uns der November 1918 in Ser Tat gebracht Hat. Endlich werden wir einsehen lernen, daß unsere Feinde sich von uns nicht sagen lassen, was für sie gut ist. Daß es ihnen aber mit ihren Forderungen bitterer Ernst ist, wenn sie uns auch noch jo unglaublich klingen, b-rch «uswreobige Politik mit Völkerverbrüderung nach ts zu 4un hat, datz Politik Macht ist und wieder Biacht, und datz das nackte Leben einer Nation mit dieser Machtfrage in engstem Zusammenhang steht, das fist heute bitterste Wirklichkeit. Der deutsche Ge­danke in der Welt ist eine schöne Sache, wenn aber der englische Gedanke und der französische Gedanke «ns in Sklaverei führt, unsere Kinder zum Tode verurteilt und uns die Luft zum Atmen nimmt, dann sollten wir Deutsche endlich einsehen, datz wir die Phantasten zum Teufel jagen müssen, wenn wir in der wirklichen Welt Lebensberechtigung haben srvrlkcn und nicht in einem Wölkenkuckucksheim, das wir uns selbst Hurochtzimmern, über das die andern flachen, das sie uns nicht einmal als unsere ehrliche 'Ueberzeugung glauben.

Seit dem November 1918, gestehen wir es offen, hat keiner je daran geglaubt, datz das, was uns re «Feinde uns sagten, ernst wäre. Als im Krieg ein ^französisches Blatt 150 Milliarden Kriegsenischädi- 6ung von uns forderte, hat alles gelacht. Jetzt Mnnt diese Räuberbande die Kriegsentschädigung «Wiedergutmachung" und erhöht sie noch um ein .Beträchtliches, und es scheint, als ob man in Deutsch­land immer noch nicht den Ernst der Logs Erkennen lwill. Lernen wir endlich, datz allerFortschritt" jten Menschen nicht gebessert hat, man könnte viel- ileicht eher sagen: datz er Geist und Empfindung jbsn Menschen verroht hat. Werfen wir den Glauben ,<nt diese Entwickelung zum alten Eisen und sehen jbie Dinge, wie sie liegen. Frankreich verfolgt die Mte Politik des 18. Jahrhunderts, wie England die jseiner WeUmachtstellung seit Jahrhunderten. Nur Deutsche Träumer glauben, datz, wenn in den beiden «ändern mal dieser oder jener ein Lied von Völker­verbrüderung flötet, dies von politischer Bedeutung lei. Die Dinge sind, wie sie sind. Es gilt, ihnen Nit ins Auge ;u scheiß Deutschland werde hart!

Die Anschlutzabstimmmig in Tirol verboten.

Wien, 3. Febr. Die vom Tiroler Landtag be- Mosstne Volksakstimmung über den freiwilligen An- piug Tirols an das Deurjche Reich ist nunmehr auf Dftuchen der hiesigen Ententekommission von der Bun­desregierung verboten worden- Dir Abstimmung f6lUe am letzten Sonntag im Februar stattjinden.

Weitere KrktSrmge« Sri*.

tvb. Paris, 4. Fcbr. In der heuiizen S tzung der Kammer setzte Tardieu seine gestern unter­brochene Rede fort. Die Such'c-ständige» tm fest- gestellt, daß Deutschland imstande sei. den Friedens- Vertrag auszusühven. Gerade diese» Äugend ick n äh e man, um die Forderungen herab'usetzen. Man hätte ein allgemeines Pfand auf das gesamte Haben Deutsch­lands nehmen müssen. Ma» hätte das Budget, die Fiuanzcn, den bemühen Handel kontrollieren muffen und nachher -die Annuitäten int Hinblick auf deren Flüssigmachung festsetzen müssen. Seit einem Jahre hätten die Verbündeten können und müssn. (Die äußerste Linke unterbricht stürmisch und fragtt Was? Was?) Tardieu fährt fort: Dir Klauseln des Friedens- Vertrags anwenden und von Deutschland Jabreszah-- fiuigen im ungefähren Betrage von 4 Milliarden ver­langen. Er verlange von der Regierung, daß sie djf Berhandlu»gen mit den Verbündete»; wi der auf- n-hmL, da die Konferenz von Paris zu keiner ratifi­zierten Tntschridung gekommen sei. Diese Koefrreuz sei überstürzt gewesen.

Bria nd erwiderte: In meiner Naivität habe ich zuerst Freude empfunden, als ich von btc Interpel­lation Tardieu vernommen hatte. Ich kenne, glaube ich, die Vorzüge des Versailler Berlrnzs, aber ich kenne auch alte seine Fehler. Er habe geglaubt, daß Tardieu, als ec gestern in die Debatte eingriff, habe mitarbeiten wollen. Gewiß bindet das Abkommen von Paris nicht die Kammer. Tic Kammer habe also das Recht, ine Revision zu verlangen. Briand er­innerte daran, daß Tardieu ihm vorgeworfcn habe, er babe die Expedition von Saloniki ausgibrn foulten. Nach Lobiprürben auf Doumer und Loucheur sägt der Ministerpräsident, der Versailler Vertrag sei an-gc- zeichnet, es seble ihm aber »irr eines, wie den beruhten Rnnlliugen, uämlrch, daß cr lebend, sei. Pm ihm Leben euizuhaucheu, müsse man sortgescht A 'strer.- gnngen mache».Sie haben gtauben können, daß England, dieses große und edle Land (Lebhafter Bei­fall). nachdem c5 sein Blut an unserer Seile vergossen, h.ri daran denken köncnn, in einem solchen Konsor­tium Deutschland an dir Stelle von uns zu sehen. Ich will unsere» Alliierten nicht die Beleidigung an tun, cim derartige Hypothese zu diskutieren." (Lebhafter Beifall.) Die Lage bleibe schwierig. Die Konferenz von Paris hätte zu einem Ergebnis führen müssen. Er habe ein Gefühl für den Ernst der Siuiidc. Ättc Zwangsmaßnahmen würden jolldar sch aigc> wendet, sodaß es Te.itschtand von nun an u nmög - tich \(i, dc.i $eäud) zu »ach-», sich feinte Ve> piiichtungen zu entziehen, ohne daß die Zwaugsmaß- nahmen in Kro.fl tr-tcn. Man habe Teuft cklam.. die Zwargi-maßnahmrn nicht notifiziert, weil sie eine Argel genheil der Vcrbnuoc en s re» und Deutsch land nichts anging en. Es habe sie n rt zu diskutieren. Arn» nach dem Abkomme: von Paris die Deutschen ferner Ausführung Hinder- nisse enig g.nsitztrn, bann werde die jetnge 8tegieru g ihre Psticht erfüllen und die Kammer könne sicher fei t, daß das ritt aller erforderlichen Strenge gisch-'ft-'.

Di: Sointeiberaiuiig der Interpellation wird aus Dienstag nachmittag vertagt. t

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Die hörigen deutschen Arbeiter.

mb. Paris, 4. Febr.Le Peuple" schreibt zur gestrigen Ministererklärung in der Kammer und im Senat: Die Ansicht, daß Deutschland in -Zukunft 2 200 000 Tonnen Kohlen monatlich statt der bisherigen 2 000 000 Tonnen liefern könne, bedeutet für die deut­schen Arbeiter eine erschöpfende M eh r a r b e it. Man kann nicht behaupte», daß dies dem Vertrag von Ver­sailles entspricht, weil das dem Vertrag beigegebene Arbeitcrkecht den Grundsatz des Achtstundentages ver­tritt, der aber jetzt schon bei einer Lieferung von 2 000 000 Tonnen erheblich überschritten werden mutz. Wenn man aber andeutet, wie es Briand gestern getan hat, datz sich die deutschen Arbeiter in einer Hörig­keit gegenüber Frankreich befinden, so schwört man damit Aufhetzereien gegen die Entente herauf.

Italienische Bedenken gegen die AusfuhrabzaLe.

. Rom, 4. Febr. Gegen die Pariser Konferenz- bcschlllsse tauchen in her italienischen Presse immer mehr Bedenken auf. Besonders lebhafte Besorgnisse ruft dort die Ausfuhrabgabe hervor, die zwar zu einem guten Schutz der englischen und französischen Industrie zu wer­den verbricht, für Industrielle der weniger stark ent­wickelten, daher mehr von der Einfuhr abhängigen Länder, darunter vor allem für Italien, aber recht un­angenehme Folgen haben kann. Deutschland sagt man wird notgedrungencrweise seine Preise um die Abgabe erhöhen müssen, und Italien mit seinem gro­ße» Bedarf deutscher Produkte infolgedessen einen beträchtlichen Teil der Abgabe zu tragen haben, die dann zu Neunzehntel in den Taschen der großen Verbündeten endet. Die italienische Presse ist im übrigen der Anschauung, daß die Beschlüsse der Pariser Konferenz nicht endgültig seien, wenn man überhaupt die Absicht habe, endlich einmal zu einem geordneten Friebenszustand zu Jelanßen. .,_LJ .

Bayern und die Entwasfungssrage.

Berlin, 5. Febr. Nach einer Blätterineldung aus München fand dort gestern unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten v. Kahr ein Ministerrat statt, auf dem die.Richtlinien beraten wurden, die Herr v. Kahr in der Frage der Pariser Beschlüsse bei der Reichs- regierung vertreten wird. DemBerl. Tagebl." zu­folge wird man auf der einheitlichen Ablehnung des Pariser Diktats bestehen und keinesfalls auf eine verschiedenartige Behandlung der Reparationsfrage und der Entwaffnungsfrage eingehen. Der Ministerrat faßte einstimmig den Beschluß, datz jede andere Auffassung für Bayern unannehmbar sei.

Ausschaltung Amerikas in der Wiedergutmachungsfrage.

Paris, 4. Febr. Nach demTernps" beabsichti­gen die Verbündeten, auf der Londoner Konferenz die Reparationsfrage ohne Befragung der neuen ameri­kanischen Regierung zu lösen.

wb. Paris, 3. Febr. Havas meldet: General Rollet, Ehef der interaMierten Militärkommissiou in Berlin, wird sich heute von Paris auf seinen Posten nach Berlin 3uiütSeee5en.

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Die Brüsseler Sachverständigen- Konferenz.

Die deutschen Delegierten in Berlin unabkömmlich.

wb. Berlin, 4. Febr. Wie verlautet, erhielt der erste Delegierte der deutschen Delegation für Brüssel, Staatssekretär Bergmann, die Ein­ladung zur Fortsetzung der Verhandlungen in Brüssel auf den 7. Februar. .Bergmann antwortete, die deutsche Delegation sei n i ch t in der Lage, der Einladung zu folgen, weil die deutsche Regierung augenblicklich mit der Prüfung und Durcharbeitung tiet tpxxrifct Befchrnff» s->» «nh tlT<*rbpt die

Hilfe der für Brüssel bestimmten Sachverständigen nicht entbehren könne.

wb. Paris, 3. Febr. Havas meldet: Die deutsche Delegation teilte der französischen Negie­rung mit, datz die deutsche Regierung nicht glaube, zur Brüsseler Konferenz Vertreter entsenden zu können, da die Anwesenheit ihrer Sachverständigen in Berlin unbedingt notwendig sei zwecks Prüfung der Beschlüsse der Pariser Konferenz und Vorberei­tung. der Teilnahme der deutschen Regicri-g an der Londoner Konferenz.

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Der Ernst der Zeit.

Gegen würvelose Vergnügungen.

wb. V e r l i n, 4. Febr. Der preußische Minister des Innern hat an die Regierungspräsidenten und den Berliner Polizeipräsidenten folgenden Erlatz gerichtet:

Der Ernst der Lage des deutschen Vaterlandes, wie er in den letzten Tagen durch die Pariser Be­schlüsse über unsere Entschädigungslasten klar ge­worden ist, lätzt es u n z i e m l i ch erscheinen, datz in den bevorstehenden Karnevalstagen in größerem Umfange karnevalistische Belustigungen, insbeson­dere Tanzlustbarkeiten, stattsinden. Von einem allgemeinen Verbot derartiger Veranstal­tungen will ich mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Schädigungen, die dadurch den beteiligten Ec- schäftskleisen erwachsen würden, absehen, bitte aber, darauf hinzuwirken, datz solche Veranstaltungen nur stattfinden, wo insbesondere mit Rücksicht auf die getroffenen Vorbereitungen sich sonst wirklich schwere wirtschaftliche Härten ergeben würden und daß sie sich in einem Rahmen halten, der würdelose Ausschreitungen ausschlictzt. Uebrigens darf er­wartet werden, datz die Bevölkerung selbst sich des Ernstes der Lage bewuht ist und eine ent­sprechens» Haltung beobachten wird.

Das bayerisch« Verbot aufrechterhalten.

wb. Berlin, 4. Febr. Der bayerische Minister­rat bestätigte das Verbot von Faschingsveran­staltungen und Tanzlustbarkeiten nach eingehender Würdigung aller Verhältnisse. Wer dem Gebot zuwider handle, habe eine gerichtliche Strafe M ge­wärtigen.

Protestkundgebungen.

wb. Berlin, 4. Febr. Der allgemeine Rutscht Giwerkschastsbnnd richtet an bte Arbeiter bet Welt einen Aufruf, in dem es heißt: Die Sklaverei, die in Afrika abgeschafft wurde,' soll in Europa wieder eingäührt werden. Die europäischen Großmächte, die arigeblich einen Völkerbund errichreiv> wollen, habe» ihre Einführung für ein halbes Jahrhundert befchlosfe». Sckwarze Soldaten, die ans dem Innern Afrikas nach Europa gebracht werden, sollen dafür sargen, daß die weißen Sklaven chre Pflicht tun. Ungefähr eben­soviel wie das ganz« deutsch« Nationalvermögen vor

dem K»rge ausmachte, soll im Lauf von zweiui'dvie-zkg Jahren von bett deutschen Arbeitern erzeugt und an. die Sieger abgeliefert werden. Das deutsche Volk hat sich bereit erklärt, im Rahmen der Möglichkeit deck angerichteten Sckmdcn wieder gutzumach en, es ist nicht berät zum Vorteil des internationalen Kapitalismus zu Grunde zu gehen. Haß und Erbitterung werden sich in den Herzen einfressen, auch in den Herzen der­jenigen, die ihr ganzes Leben lang für die inter­nationale Verständigung und für die Voller, ecbrnd:- rung kämpften. Arbeiter der Welt, ihr habt b i5 Wort

München, 4. Febr. Im Zirkus^inne fand gestern abend eine van vielen Tausenden besuchte Ver­sammlung der national-sozialistischen Arbeiter statt. Nach Beendigung zogen die Teilnehmer in geschlossenem Zuge in die Stadt in der Richtung auf das Hotel Jahreszeiten", wo die französischen und englftchen Kommissionen wohnen. 2 Dutzend Schutzleute machten an der Maximilianstratze den Versuch, den Zug zu zer­streuen. Es gelang jedoch der Menge, vor das Hotel zu fomnwt, wahrend die Schutziuaimischaft sich darauf beschränkte, die Eingänge zu besetzen. Hierauf wurde Deutschland über alles" und andere Lieder gesungen, sowie eine Protestrede unter musterhafter Ruh« ang» hört. Danach zerstreut« sich di« Menge ruhig.

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Str 6iW eines AMMlenMe;.

wb. Berlin, 3. Fcbr. Die Rcichsregi n>»g li 8 dem v »läufigen RetchSwirischaftsrat und dem Rcichs- rat ben Entwurf eine? Reichs mietcnge sc tzeS. zugchcn. Der Entwurf gibt unter grundsätzlicher Auf­rechterhaltung der Zwangswirtschaft auf den Gebiet« des Wohnungswesens feste Regeln für die Beccchounz der gesetzlichen Miete. Jeder Lectrtc^ttil kann sich jederzeit auf die gesetzliche Miete berufen und dadurch bewirken, daß sie vom näckstzulassigea K.ni- bigur.getermin ab, bei grober Unbilligkeit scho i frühe-, M ** ÄLetfö Kai» Hnfl Ki»r f)i#

Bercchnmig der gesetzlichen Miete wird von der im Juli 1914 vereinbarten Miete, der Fncdensmitte, m3- gegangen. Eine Steigerung dieser Miete birf nur insofern erfolgen, als cs durch klhöhtr Beir'.b.;- -bet, JnstandsttznngSkostxn nollvendrg geworden ist. D-r. danach zulässigen Zuschläge zur FcicSensm'e c, sollen von der obersten Landesbchörde oder von be: Gemeindebehörde in Hundertsätzen ber Friedeo.smir!e allgemein festgesetzt werden. Um die Ausführung nlttoenbiger JnstäubsctzungZarbeilen ZN si/e-n wird dem Mieter das Recht «ingeräumt, die En'stbttdiing einer uirparteiischen Stelle anzuruscn, die unter stäuben die Durchführung ihrer Anordnung erwinen kann. Auch die Vornahme großer Jnsta-'dftirungr- arbeiten darf eine unbillige Steigerung der Mitten nickt zur Folge hoben. 'Durch Verleitung dec Kost» auf eine längere Reihe von Jahren sollen die Mie er dcmor mschüA werden, größere Mehrbetrag: auf dntral zahlen zu müssen. Andcrcrseils sott eine Ansammlung von Geldern in öffentlichen. Kassen dem Vcrmictcr er­möglichen, die für große Jttstmidsetziingsarbeiten er- sordorlicheck Mittel tunlichst bald zu erhalten. Del Entwurf bringt ferner Vorschriften über die Tätigkeit ber Mietervertretuuge n, die dem Mieter zur Seite sieben sollen und benen in gewissen Fallen mbeu und an Stelle des Mieters Antrags- und AuffichtS. rcckte eingeräumt werden, lieber die Kosten für Sam- mclheizung, Warmwasserverjorgimg »nd Ber chnung ber Miet« im Falle einer-Untervermietung sind be­sondere Bestimmungen getroffen. . Nenbauie i sollen rcgi-lmäßig den Vorschriften des Entwurfs nicht unterliegen, da hierdurch der Anreiz znc P.mttä'igccil verringert werden könnte und da übrigens auch in solckrn Häusern die Höhe der Mieten schon nach der. besichendeii Vorschrifteil über bi# B-u'osten.-iifchvffe einer gewissen behördlichcn Nachprüfung untertiogr».

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Frankreich und Polen.

wb. Paris, 4. Fcbr. Bei einem gestern o.bend zn Ehren des polnischen Marschalls Pilsudski vom Präsidenten der Rcpuo'lk gcg-b-nrn Essen erk öe-e Mll- lerand, die Sache Polens sei immer die Sacke F'mnll reichs gewesen. Die letzten polnisch n Sl g feien v:r allem der Tatkraft Pi.sndskis zu danken. Mi>r?rand sprach die Ueberzcuguug ans, vaß das polu'icke SLi? trotz der augenblicklichen Schwierigkeii-u die zu te-n Ausbau nötige Tatkraft finden werde. Pilsudski er­innerte an die Jahrhunderte lange Freviidsckmft zim- schen Polen und Frankreich, an die brüberli.he Auf­nahme, die Frankreich de» polnischen Patrioten habe Zuieil werden lassen, und an die gemeinsamen Kämpfe. Der Tag, der Eljaß-Lochnngen dem Mutterland« zu- führe, habe auch Pole» seine Unabhängigkeit gegevew, Polen sei gewiß dntz cs auch bei den inneren Auf­gaben auf Frankreichs Hilfe rechnen kann.

Der polnische Minisier des Aeußern Sapiehst erklärte, Frankreich habe seit Jahrhunderten die Jnt«4 ressen Polens verteidigt. In diesem Augenblick sändeq Verhaiiblungeu über den Abschluß eines polnischer««