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AmLches Derkündigungsblatt des Kreises Dimöurg.

Tageszeitung für (das früher kurheWche) OVerheffen

Bezugspreis monatlich Oberh. Spori-Ztg." 1 Mk. mehr, mentaier Ereignisse kein Ersatz. 'Buchdruckerei von Loh. Aug. Koch,

ITteOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. - 4.25 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. i itiir ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Verlag von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.-Buchdrucker Markt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Donnerstag, 3. Februar

kHornung)

Der Anzeigenpreis beträgt für die 8gefp. Zeile 75 Pfg. und"/< Aufschlag, amtliche und auswärtige L Mk., Neklamezeile 3.00 Mk. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Auskunft durch die Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Son- dergebühr. Bei Beträgen unter 20 Mk. müssen wir das Porto für die Rechnung berechnen. Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

56. Mrs.

1921

Ise WMWerm MWM;. .

r Für die nächsten 42 Jahre soll Deutschland ein Lllaveu-Dajein führen, soll aller Hände Arbeit auf Hi: Abtragung einer ungeheuerlichen uns aufgebürdeien .Schuld verwandt werden. Und diese phantastische Lbuld- »fumin? soll nicht die tatsächlichen Schadenreparieren", 'sondern sie soll einen riesigen Mehrgewinn an die- jtni.ii'U Länder und Völker abwerfen, die trotz ihr-s .»Sieges" es nicht verstehen, ihre Wirtschaft und ihre 'Finanzen in Ordnung zu bringen. Deutschland soll .Wegesangt und anSgcraubt werden durch eine In der .iVcllgeschichte noch nie bagewesene internationale -»Zwar gsvecwaltung". Was uns letzt in mehr rdcr '«ü.dcr ichoncv Worten angesonnen wird, ist nichts ftnbet? als eine Frnanzchntrolle in Formen, 5;t bisher .och keinem Volke der Erde zugemutet worden sind. .Die mildeste Charakteristik für. ein solches zuküns- Jiil«? Verhältnis wäre die der Aegyptisi e rung .Dcuirchkands. Mit der Unterwerfung De rsschlands unter solche Forderungen wäre Deutschland für ein haibrS.Jahrhundert und weit darüber hinaus denn en die Abtragung einer solchcil Schuld innerhalb von 50 Jahren wäre gar nicht zn denken ;.i einem Etaatswesen niedersten Rang-s herabgestosten. Die Türkei wäre noch besser daran, wie das künftige Denifche Reich. Wir hätten weltwirtschaftlich überhaupt uichiü mehr zu bedenten. Die Aufbürdung einer Steuer dvn 12'sißtz uns alle unsere künftig auszukiinrenden Waren und Produkte würde jede ersprießliche wictschaft- liche Tätigkeit in Deutschland, und damit jede Kvn- > krreiizsäyigkeit deutscher Waren aus dem We'.tn'arkte unterbinden.

Und welch ein Widersinn liegt in alledem! Wewist ist das Ziel Frankreichs, aber auch En gl tnb3, die deut sähe Wirlschaslskrast, - insbesondere ihre ffon- kurrenzfähigleit, mit Stumpf und Stiel «i u s z. Botten, aber andererseits können diese Länder ohne die deutschen Waren gar nicht leben, und' wiederum ist Deulfchlaud mit eins der Hauptabsatzgch cte für englische und französische Erzeugnisse. Maa muß sich hier fragen, was hinter den Kulissen vorgegnngen ist und mit welche,r Zugeständnissen die nur Im Orient liegen können, Frankreich sich Eng'ands Zustimmung erkauft hat.

Deutschland hat gegenwärtig. 60 Millione-r Men­schen. DieReparations ^Forderungen für die näch- sten 42 Jahre steile^ sich nach dem gegenwärtigen Lande der deutschen Papiermark auf gut mb gern dreitausend Milliarden Mark! Bei 60 Millionen Menschen müßten also je zwanzig Deutsch? in den »ochsten 42 Jahren eine volle Millionen Mark als Schuldenlast abtragen. Jeder einzelne Deutsch.', ob t8 sich nun um den neugeborenen Säugling oder um einen am Grabe flehenden Greis handelt, müßte allem für dies'Reparation" funfzigtaufend Mark bezahlen. Wo ist einer der cs heule wagen dürfte, sich durch Unterschrift dafür zu verbürgen, daß die Angehörigen tir.er nochgeborenen Generation im Jahre 1963 frcl's Milliarden Goldmark, 60 Milliarden Papier...ark, die vielleicht bis dahin 600 Milliarden Goldmack aus- Wachen, befahlen?

Da gibt es nur eine Parole: Seht seiber zn, Ihr Herrschaften, wie Ihr Eure Beute eiicheimst!

t * * *

Vertagung der Brüsseler Lachoerständigenkonserenz?

Wb. Paris, 2. Febr. Die Zeitungen erblicken in der Abreise des Führers der deutscher- Sacho.n- stö'idigen aus bet Brüsseler Konferenz, Bergmann, tim- Restäiignng, daß diese Konferenz vertagt werden foll.Echo be Paris" will wissen, daß deutsche Delr- girrtk daraus gedrungen haben, daß die ans den 7. Februar anb.raumte Brüsseler Konferenz auf einen fpäieren Zeitpunkt verschoben werde mit Rücksicht aus bi. kurze Frist, die zwischen ihr und der Londoner Konferenz liege, aus der die Frage der Reparationen tn Gcgenwart der deutschen Sachverständigen endgültig geregelt werden soll. DerPetit Parisien" schreibt: Rach Ansicht de: deutschen Sachverständigen ist es fchw-r, die Modalitäten einer Zahlung zu erörtern, bevor man sich nicht über die Zahlung selbst ins Ein- brrnchmcn gesetzt hat. Tie Brüsseler Konferenz könne «lio erst nach der Londoner stattfinden. Da die Lon- bciier Konferenz nicht vor dem 28. Februar die Prü­fung der deutschen Angelegenheiten beginnen werde, toärb.* die Brüsseler.Konferenz wenigsten? bi? zum 8. «der 9. Marz zu Verlagen jein. [

Briand an das englische Volk.

wb. Paris, 2. Febr. Nach einer Havasmeldung «us Newyorl richt/te Minifterprästdent Briand twrch dieMorning Post" eine Erklärung an das eng- iffche Volk, in'der er feine Befriedigung über das Ab- Eovunen der Pariser Konferenz ausdrückt. Zwischen England und Frankreich könne keine Memungsverschie- benheit bestehen. Tie Franzosen wüßten, bah beide -«nder gemeinsame Interessen hätten. England habe Frankreich nötig, wie Frankreich England.

Das Auslandsecho der Rede Simons'.

wk. Paris, 2. Febr. DemTemps" zufolge sichtDaily Cbronicle" in der Rede des deutschen Außenministers Dr. SimouS das Ergebnis eines Kom- promrs'es. Für die deutsche Regierung handle es sich nur darum, den schönen Anschein zu wahren. Ueber die 'Einzelheiten und über die Ausführung»ireihodrn würden die 'Deutschen befragt werden. Menn diese

gegen solche Forderungen ausspreche. Die Erklärung wurde allseitig mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

wb. Stuttgart, 2. Febr. Jip Landtag gab heute Präsident Walter eine Erklärung ab, in drr es heißt: Die Forderungen des Obersten Rates zu erfül­len, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sie bedeuten die Hintanhaltung des Wiederaufbaus des deutschen Wirt­schaftslebens und die Anlegung unerträglicher Sklaven­

fesseln über ein Menschenalter hinaus.' Geschlossen und

einstimmig lehnen deshalb alle deutschen Stämme und

Länder das Verlangen der Entente entschieden ab.

Weiter Proteste werden aus den Landtagen In Karlsruhe und Braunschweig gemeldet sowie aus den Börsenversammlungen in Bremen und Hamburg. I« Hamburg erklärte der Präsident der Handelskammer Witthoeft, daß wir eher neues Elend auf uns nehmen wollen, als unsere Zeit dadurch zu schänden, datz wir kommende Generationen mit bewußtem Willen und aus feiger Angst vor Katastrophen in die Sklaverei ver­kaufen.

Mengen der Parteien zur Mer Note.

aber auf ihrem Verlangen beharrten, daß die Aus­sprache über die grundsätzliche Frage wieder eröffnet weide, würden sie sich selvst nur Unaunehnlichkeiien zuziehen. -Daily News" ist von der Erkläri-ng des deutschen Außenministers nicht überrascht. Kein drift- scher Minister, so sagt das Blatt, hätte anders sprechen können. Das schließe: aber nicht aus, daß die Pariser Vorschläge zum Gegenstand von Beratuiizei gemacht würden .Daily Telegraph" schreibt' Wenn Dentsch- l'.nd sich ablehnend verhalte, so bitt' man annehmen, daß die Strafbesti.numugcn angewendet irärde». doch werde sich Deutschland hoffentlich diel» Demütigung ersparen.

DerTcmps" schlügt im Anschluß an eine Betrach­tung über die Rede des Reichsministers Dr. Simons aufgrund des Artik-ls 270 des Versailler Vertrages vor- 1. daß die verbündeten Regierungen sorirt in ihrer Brsitzungszone Besitz von den deutschen Zoll ein nahmen am linken Rheini'.-.-r nehmen. 2. durch eine Zollgrenze das besetzte Gebi-l vor dem nichtbesetzten get rrnnt wird und daß endlich 3. die verbüiideien Regierungen unverzüglich ein Zollregime für das besetzte Gebert ausarbeiten. Deuls.hmseckZ schlage man vor, erst zn reden, derTemps" schlägt vor, zu handeln.

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Der Korr-kpoudent desTeinvs^ meldet au? Lon­don: Der Berliner Korrespondent desD-nk.g Ermeß" habe in B.rlin mehrere deutsche Persönlichkeiten be­fragt. Fruanzminister Dr. Wirth habe erklr t: Ich bin vollkommen derselben Ansicht, wie Dr. SimouS. Wie er, sage ich- Stein,, nein, nein! Der Reich?:rgs- akoeoidnete v. Lersuer, der frühere Präsidrue der deutschen .Frieden-delcgatioir, erklärte, dir Vorschläge seien nicht diskutierbar. Es feien keine Vorschläge, sondern kurz gesagt Verrücktheitei:. D?s sei nicht nur seine eigen? Ansicht, sondern auch die seiner Frcuude Hugo Stinues und Vogler sowie alle: $e- s häftsleUtc, die der Deutschen Volkspariei angehörte».

DerSergleichs"-L»»»«rft

wb. P.-.ris, 2. gefir. TerTemps" schreibt: Das von den Verbündeten am29. Januar unterzeichnet? Abkommen ist der Entwurf zu einem Vergleich, der mit Deutschland getroffen werden soll. Die vier .Hauptgläubiger sind üb.reingekommen, die'en E n vers auzunchmeu. -Nun bleibt abzuwarlen. ob der Schnl?- ner auch seine Unterschrift unter den Vertrag sitzt. Dec deutsche Schuldner sieht starren Aages zwei bal­digen Fälligkeiten. entgegen, nämlich erfteiS den atl- gemcinen Wahlen in Preußen denen die alter« größte Bedeutung beigemessen werden muß für die innere Politik in Deutschland, und zweitms wird am 1. März Präsident tzarding und seine ne re Re­gierung in Washington die Macht übernehmen. Wenn Deutschland sich weigert, zu unterzerchnen, dam bleibt eben dieser Velgleichseirtwurf ganz einfach rin Ent­wurf und die Zwangsmaßnahmen-rbzn in bft vochcrste Linie rücken.

Millerands Drohung mit Einmarsch.

Basel, 2. Febr. Das PariserJournal" berichtet: Millerand erklärte in der gestrigen Sitzung des Ober­sten Kriegsrates, die Lage Frankreichs wäre derart, daß Deutschland zur Zahlung der festgelegten Summe gezwungen werden müsse, falls es sich widerspenstig zeigen sollte. Die militärischen Streitkräfte müssen mobil bleiben, um in das unbesetzte Rheinland ein zu marschieren, wenn sich DeutschliGd gegen die Zahlungen wehren sollte.

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Protestkundgebungen.

wb. Dresden, 2. Febr. In der heutigen Sitz­ung des Landtages führte Präsident Fräßdorf vor Eintritt in die Tagesordnung u. a. aus: Das sächsische Volk und fein Landtag nehmen mit unbeschreiblicher Entrüstung von den Zahlungsbedingungen und Den brüsk angedrohten Zwangsmaßnahmen der Eniente- regierungen Kenntnis. Der Landtag ist mit de Reichsminister des Aeußern der Ansicht, daß diese B dingungen keine Grundlage zu Verhandlungen und einer Verständigung bilden können. Schon die teilweise Erfüllung dieses Diktates ist unmöglich: ste scheitert an der wirtschaftlichen und finanziellen Ohnmacht Deutschlands. Die Durchführung der uns angedrohten Maßnahmen würde Sachsen und seine Jndustriedevöl- kerung besonders schwer treffen. Ich glaube mich mit der Kammer im Einverständnis zu befinden, wenn ich den jchärfften Protest gegen ein solche» Diktat und

6loW»nt m Sergi bis Mer.

6 4. SitzungdesReichstagesvom 2. Februar.

Der Sitzungssaal und die Tribünen sind stark besitzt. Präsident Löb«eröffnet die Sitzung nur 1,30 Uhr. Aus der Tagesordnung steht als erster Gegenstand die Be sprechung der Regierungserklärung.

Abg. Schiffer (Dem.): Namens der Zentrumspartei, der Deutschen Volkspartei, der Deutschen Demokratischen Partei, der Bayerischen Volkspartei und des Bayerischen Bauernbundes habe ich folgende Erklärung abzugeben: Tie uns vorgelegten Noten enthalten Zumutungen, die weder mit den Bestimmungen des Fri-denSderirages, noch mit der Ehre und den wirtschaftlichen Lebensbcdingungen des deutschen Volkes vereinbar sind. (Lebhafter Beifall.) Mit Schmerz und Emvörung, aber auch in vollem Bewußtsein unserer durch den furchtbaren Ernst der Sachlage gegel-enen Verantwortung erheben wir feier- liehst Einspruch gegen den Mißbrauch der Gewalt. (Lebhafter Beifall.) Tie Erklärungen deS Reichsministers des Aeußern billigen wir. (Lebhafter Beifall.) In der Entwafsmingsfrage wollen wir die von uns über­nommenen Verpflichtungen im Geiste loyaler Aitslegung äiissiihren. Aus demselben Geist loyaler Auslegung heraus legen nur aber Verwahrung ein gegen diejenigen Entschii-fsilwaen, die offensichtlich gegen den Friedensver- trag verstoßen ober die in ihm gezogenen Grenzen zu unseren llngunsten überschreiten. Die Verantwortung ,'a.füt, daß durch unsere weitergehende Schwächung auch die Widerstandskraft gegen die von außen und innen drohenden Gefahren des Bolschetvismus gelähmt loirb, !rifft die Alliierten Die Vorschläge .die uns von den Alliierten unter Abänderung des Veriragcs vorgelegt find darüber dürfen wir keinen Zweisil lassen sind

sür uns u ii an neh mb ar

und nicht geeignet, die Grundlage für Verhandlungen zu bilden. Sie würden nicht die Gesundung des deutschen Volkes herbeiführen, sopderu die wirlschasttiche uub poli­tische Verelendnng des deutschen Bolkes nach sich ziehen. Durch ihre Rückwirkung ,bie sie in ökonomischer and sinan$iei6r Beziehung «ni alle andere Völker ausüben würden sie auch diese in unseren Untergang verstricken. Das deutsche Volk würde als Abnehmer und Verbraucher ans der Weltwirtschaft ansscheidem Aus dieser Lage andere Wege zu weisen, die die deutsche LeistungS- -äbigkeit nicht vernichten, ist die Absicht der Reichs- regierung. Die Regierung wird uns an ihrer Seite sehen, trenn ihre Vorschläge abgelehnt werden. und die Entente, an ihren ForderunFn sesthält, die die Vernichtung des 'deutschen Volkes in Gegenwart und Zukunft vcdeuten.

(Siürmischer Beifall.)

Abg. M ü ller-Fraicken (Soz.) gibt im Auftrag der sozialdemokratischen Fraktion eine Erklärung ab, in der es ii. a. beißt: Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs­tages stimmt den Ausführungen des Reichsanßenmiuisters über die UNansführbarkeit der 93tftifer Vor­schläge zn. (Lebhafter Beifall.) Eine deutsche Regiernii'g, die bereit wäre, diese Vorschläge für ausführbar zu er­klären, wird sich nicht finden. (Leshaster Beifall.) Sie würde das Vertrauen weder des Inlandes, noch des Auslandes verdienen, denn sie würde sich einer Unwahr­heit schuldig machen. (Lebhafter Beifall.) Die- gefor­derten 42 Jahreszahlungen würden die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes um ein Vielfaches übersteigen. (Leb­hafte Rusi: Sehr richtig!) Die Forderung einer 12pro- zentigen Abgabe von der gesamten Ausfuhr, ebenso der aus 42 Jahre berechnete Tilgungsplan stehen im Wider­spruch zu der int Vertrag voll Versailles festgelegten in 30 Jahren zahlbaren testen Summe. Die Aussichr- abgabe würde ein Zwang für die ganze Welt, auf dem deutschen Markt teuer einzukaufen, und eine verab- drückung der Lebenshaltung und eine

Verelendung der deutschen Arbeiter bedeuten. Die Sozialdemokratie des Reichstages richtet an die Arbeiter aller Länder die Aufforderung, auf das Zustandekommen von Verhandlungen hinzuwirlen, die unter Berücksichtigung der internationalen gleichen Arbei­terinteressen das Wiedergutmachungsproblem einer prak­tischen, für alle Welt heilsamen Lösung entgegenführen. Die Entwaffnung Deutschlands, heißt es am Schluffe der Erklärung, ist heute schon so weit gediehen, daß auch für andere Völker kein Anlaß mehr, besteht, die schweren Rüstungen weiterzutragen, die sie jetzt noch be­drücken. (Sehr wahr!) Nur die allgemeine Ent­waffnung wird den Frieden der Welt sichern und die Voraussetzungen des wahren Völkerbundes schaffen, der das Ziel der sozialistischen Arbeiterschaft der ganzen Weft bedeutet. (Lebhafter Beifall bei den Svz.)^

Abg. Hergt (Deutschnatl.) teilt als Stellungnahme seiner Parteifreunde mit: Mr uns gibt es gegenüber diesen Zumutung« nur ,, . . ,

ein glattesUnannehmbar!"

In den Ausführungen des Reichsministers des Auswär­tigen zur EulwasfnungSfrage hätten wir eine klarere Stellungnahme und einen entschiedeneren Ton gewünscht. (Beifall rechts. ) Die Not der Welt hat uns gezwungen, im Interesse der Selbsterhaltung Abänderun­gen der NestimmllNgen des Friedeusvertrages zu ver­langen. Auch die Entente hat sich bisher dieser Rück­sicht auf die Not nicht ganz verschließen können. Jetzt läßt die Entente nicht nur alle Rücksichtnahme auf dkese Not fallen, solidem über die unerhört harten Entwass- nungsbedingungen de? Versailler Friedensvertrages hin­aus mittet sie uns ohne jeden Bernunfts- und Rechis- nrunb weitere Einschränkungen unserer Machtmittel zu In der Frag^' der Reparation stimmen toi» sachlich 6en Ausführungen des Reichsministers des Auswärtigen zu Die Folge der Annahme der sogenannten Proposftionen der Entente wäre die

dauerndeVersklavungundEutmündigung des deutschen Volkes. Diese Vorschläge müssen daher zurückgewiesen werden und dürfen in keiner Weise die Grundlage oder auch nur als Anhaltspunkt zu künf- tiaen Verhandlungen dienen. (Lebhafte Zustimmung.) Die uns angedrohten Sanktionen gehen noch über die im Versailler Vertrag feflgefebtrn Stiuinmhuahmr» Sin­ti u s. Wir erheben gegen diese völlig rechtswidrigen, jedem Rechtsgesühl widersprechenden, nur ans unersätt- lick'em Bernichtungswillen gegen unser Volk erklärlichen Vorschläge entschieden und pwrsich Einspruch. (Bei­fall.) Will uns die Entente ihre Forderungen mit Gewaft- miiteln aufzwingen, so zerreißt sie mit eigener Hand den Versailler Vertrag (mit erhobener Stimme) lind das auch für uns! (Lebhafter Beifall rechts.) Wir sind bereit hinter jede Regierung uns zu stellen, die gewillt ist, diesem neuen unerhörten Ser* a waliigungsversuch mit unbeugsamer Entschlossenheit ent­gegenzutreten. (Lebhafte Zustimmung «rechts.) Das deutsche Volk will lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. (Beifall rechts.) Wenn diese Stimmnng gestern hier nicht so zum Ausdruck kommen fcnflfc, so ist es h-ute Pflicht der Abgeordneten,^ hier dieser einmütigen Entrüstu«y des VollstS ihre Stimme zu verleihen. (Beifall.) Mögen sie wissen, daß über die von uns selbst gezogenen Grenzen hinaus ein Befolgen der diktierten Forderungen nicht in Betracht kommen kann. .

Abg. Ledebour (U. S.) polemisiert gegen die Rechte, die die Schuld an allem trage. Die Entwaffmingsforde- rangen hätten eine gewisse Berechtigung, mit Aus­nahme des Passus über die Lustschiffahrt, soweit hie- wirifchastliche Angelegenheiten in Frage kommen. Gege-c- ü'rr den imperialistischen Friedensfvrdernngen Ver Rech­ten schienen die Forderungen der Entente verständlich. Das Ziel, die Ausbeutung der Arbeiter durch, die imändi'chen Kapitalisten zn vermeiden, lasse sich nur durch den inter­nationalen Zusammenschlüß der Arbeiterschaft erreichen

Abg. Dr. Levi (Komm.): Die Erklärung der Regie­rungsparteien steht im Widersvruch zu der Erklärung des Kiabinetts. Mit allen diesen Erklärungen werden sie der Entente, nicht imponieren, auch nicht mit der Erklärung des Abg. Müller-Franken. Mit ihren jetzigen Mitteln kann die Regierung nichts gegen die Entente ansrichten. Nur eine Stelle gibt es, die die große Wettenwende h.-rkeifübren kann: Sowjetrußland! Sie ist die einzige Machtz der Welt, die sich dem feindlichen Sntente* kopitalismus nicht gebeut hat. Die deutsche Regiening hat die große Bedeutung dieser Machtverhältnisse noch immer nicht erkannt. (Gelächter bei den Me.hrheitS- Parteien.)

Damit schließt die Vesprechung. Präsident Löbe knüpft daran eine Ansprache, in der er ausführt: Mögen die Gegner auf die Worte des Reichstages hören, damit ihnen und uns die Tatsachen erspart bleiben, di- ein­treten können bei dem Versuch einer gewaltsamen Durch­setzung dieser unmöglichen Forderungen. (Lebhafter Bei­fall.) Die Forderungen entspringen vielleicht dem naiven Glauben, daß die Arbeitskraft des deutschen Volkes un­verwüstlich bleibt auch bei den größten Drangsalierungen. Das aber, was der Fremde in gut versorgten Lokalen sicht, ist nicht das deutsche Volk. Da, wo von 600 Ge- meindeschAern -100 kein Hemd anhaben, wo die Mütter den hungernden Kindern kein Brot mehr geben können, da zeigt sich das Elend des deutschen Volkes. Das deutsche Volk hat seine warnende Stimme erhoben. Wird sie überhört, dann treffen die Folgen nicht nur uns, sondern ganz Mitteleuropa und auch diejenigen, dir sie hervorge- rufen haben. iLebhasier Beisall im Hause und aus den Tribünen.)

Die Abgeordneten Crispien (U.S.), Dr. Levi (Komm), Adols Hoffmann (Komm.) und Lede­bour (U. S.) erklären unter lebhaftem Widerspruch der Mehrheit, b«r Präsident sei nicht berechtigt gewesen, in die Debatte einzngreisin.