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(Hormrmg)
56. Wkk.
1921
Amtlich« VerkÜndigungsblall des Kreises Marburg. M
Tageszeitung für (das früher kurheMche) Obsrheffeit
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Erstes Blatt
würde wirtschaftlich vergehen an der hysterischen Geistesverfassung des französischen Volkes. Wenn je in der Welt die Unvernunft Orgien feierte, bann jetzt in Paris, und es erscheint nttr völlig unmöglich, dass ine englische Politik auf längere Dauer diese Entwickelung liilterstützen kann, die einmal das ganze Europa verhungern und verlumpen läßt und andererseits den Rest der Wirtschaftsmacht, der auf dem Kontinent bleibt, schrankenlos in die Hände Frankreichs legt. Wird Europa, wird England, wird.die Welt das tLigen können und wollen?
Wag von der Londoner Konferenz zn erwarten ist.
lob Poris,!. Febr. Pcrtinax teilt im „Echo de Paris^' mit, daß die französischen Delegiertet in der Schlußsitzung der Pariser Konferenz ersucht haon, die Konferenz in London zu verhindern, indem sie die Annullierung der im Monat Novemd'.r. vereinbarten VerhaMungsmrthode verlangten. Die Vertreter Frankreichs auf der Pariser Konferenz hätten von dem Obersten Rat gefordert, den „beulen ton Berlin^ die Beschlüsse der Konferenz einfach zu noii* fiziereu. Die Londoner Konferenz hätte aber nicht vermieden werden können, wenigsten» dem S ch e i n e n a ch.
wb. Paris, I. Febr. Der Abgeordnete Tardiea hat dem Ministerpräsidenten Briaud brieflich mitgeteilt, daß er in der heutigen Kammersihung über die Frage des Mkommens von Paris zu interpellieren gedenke. — Im gestrigen Ministerrat ist noch beschlossen worden, daß am Donnerstag in Kammer und Senat über die Konsercirz von Paris e:n» Erk'arung abgegeben wird. Unmittelbar daraus werden die Inter- petlationerl, die sich auf diese. Konse.enz hez'.chen, beraten.
Entschließung des Beamtenbundes.
Wb. Berlin, 1. Febr. Der Vorstand des Deutschen Bemnt-">bundes nahm in seiner Sitzung vom 1. 2. zu der durch die Pariser Beschlüsse geftf-nfleien politischen Lage in folgender Entschließung Stellung:
In vollkommener Einmütigkeit bringt der D-erstaus des Dents'.''en Beamtenbundes zum Ausdruck, daß mit dem gesamten deutschen Volk.» auch die im Deutschen Bcamtenbund organisierte Via^itewchuft in einheitlicher Geschlossenheit hinter dem ut e war« tenben Protest der deutschen ReZierun; gegen da' unmenschliche VernlHtungsbEbat der ?ssl:i-rea mr* feinen unambleibllcheu katastrophale« WirLurgen steüt. Ter Boistanb des Deutschen Beamteubundes reck ick di« Auffassung, daß mit der V«wirklictzing der Preistr Ves>lüsse. die Wiederaufrichtung Europas endgültig verhindert, der sichere Tod des deutschen Wirvchists- lebens und die Unmöglichkeit der Weitersührung irgendeiner der Volksgesamtheit , dienenden Benilspilitik beraufbeschworei'. werden würde. Unter dem I«cl> dieser Bedingungen würde cs auch der deutschen Beamtenschaft nie mehr gelingen, den zur Aufrech-erhvltung eines geovdmlen Staatsbetriebes nolwendlgrn B- om.tenäpparat intakt zu halten. Ter Vorst-rnd des Deutschen Beamtenbundes ist daher fest er.t'chkossen, sich unter Aufbietung des lebten seiner Mckgli-bee — wenn nötig in geschlossener Einheilsfro.it mit allen übrigen beittfd)en Arbeitnehmern — für einen entscheidenden Widerstand gegen die WiSsstafs- bebrngungen der verblendeten'Sieger zur Becsvglng zu halten. r
Ser fmzWtze ZahlkWshnM.
Ban Tr. Otto Hugo, Mitglied des Reichstags und des Reichswirtschafts,'u.ts. ! Sensationen gibt es ja beinahe für das deutsche Kolk nicht mehr. Trotzdem schlägt der Wahnsinn der finanziellen Forderungen, die das französische Kabinett in Paris bei den Verhandlungen mit Lloyd George durchgesetzt hat, bei unA ein. Der Geisteszustand des französischen Volkes muß geradezu hoffnunsAos fein, ßvcnu so frei von jeder nüchternen Beurteilung der doinschastlichen.- Verhältnisse nrtb Durchführbarkeit Politik gemacht wird, die Weltgeschichte werden sott. Ein »aa: nüchterne Erlvägnugen müßten auch dem wildesten Fantasten znm Bewußtsein bringen, baß bas Rech'-m- 'tzcmpel überhaupt garnicht aufgehen, kann.
Frankreich! verlangt ungezählte Milliarden Ä«td- Incirf. Gold haben wir nicht. Die Milliarde, bi: auf ber lneichsbank ruht, spielt gegenüber der Forde- Xnng keine Rolle. Unser Papiergeld besitzt außerhalb be; d.'utsthen Greußen nur dann Wert, toenn es in beschränktem Maße austritt. Ungezählte Milliarde, frie über die Grenze gehen, entwerten dieses Papier ht einem Maße, daß es wohl kaum möglich ist, Frank- Deichs Goidhunger damit zu befriedigen. Bleibt Ware te-3 Wert. Diejenige Ware, die Deutschland aus Kigenem erzeugen und in die Welt hinaussenden kann, »denso wie Rohstoffe und Halbfabrikate nehmen in Ser oentfchen Produktion immerhin nur eine unter» leerbneie Rolle ein. In der Hauptsache sind es Kohle Mud Kali. Dazu treten einige weitere Artikel, wie Wemikalien, pharmazeutische Produkte, Porzellane und Idin gewisser Uebcrschuß an Papier. Tas was Deutsch- llanb an diesen Waren zur Verjügung stellen Taut, Deicht natürlich nicht im Entferirtesten aus, um den französischen Milliardenhunger zu stillen.
' Andererseits will man uns Milliarden nehmen in jforin einer 10 bis löprozentigen Ausfuhrabgabe. Rniolge der «nigeublicklichen Weltkrise, die sich durch «otstrsf- und Warenüberfluß in allen Produktions- ILndern kennzrichnet und infolge ber gestiegenen Mark ßst bereits heute die deutsche Konkurrenz aus bent Welt- jnarkt aus ein Minimum voll WarengPieten beschränkt. Wie Zeit der großen Valutagewinne an der Ausfubr M" endgültig dahin. Tre Warenproduktion steigt in Rren Kosten in Deutschland von Tag zu Tag sodaß selbst dir minimale soziale Wgaoe von 1 bis 2 Protzen t. die auf einigen Waren noch ruht, nicht mehr |k trcg.ii K. Rur 'ganz wenige Artikel, die einen tnonopolariwM.Charakter tragen, vermögen heute noch Vine höhere Äussnhrabgabe auf sich zu nehmen. Das jft jidci.'falls, sicher: Wenn eine Abgabe von 10, 12 pder J5»/c au! die deutsche Warenausfuhr gelegt wird, hör- die deutsche Ausfuhr automatisch zu bestehn auf ilinb die gesamte Ausfuhr laxe würde deshalb «uter gar : feilten tlmstünd«,! Einnahmen für die französische sWiederLutmachungsrrchnung erbringen. •
(' Tie Entente besitzt deshalb wohl die Macht, uns tllle Bebingmtgen aufzulegen, tote sie in der Phantasie der jranzöstschen Krtegspotitiker bestehm, aber bas Zaubermiitel, ans der deutschen Wirtschaft diese Beträge herauszuholen, besitzt sie nicht. Wenn art il. Mai wirklich die feindlichen Forderungen in Kkkfft tzesetzr werden follten, so würde sich nach ganz kurzer Deit zcigen, das; die deutsche Wirtschaft unter diesem Diktat zum Stillstand kommt und daß deshalb das finanzielle ErgÄnis völlig ausbleibt.
Nun mag vom wirtschaftlichen Standpunkt der Entente ans zunächst der Wunsch, Deutschlands Wirt-! schäft zu erdrosseln, ebenfalls maßgebend gewesen sein und Auch heute für französisch« Nvvanchepolinker poch sein, aber England sollte doch längst ein« besehen haben, daß diese Politik nicht nur die leichtfertigste, sondern auch die unhaltbarste ist. Heute ist jDenistiland das wirtschaftlich« Vorland für den hinter .'k"J sich enden, in seiner Zwangslage versinkenden Osten Europas. Alle die Staaten östlich von Deutschland tonnen w Europa nur in deutscher Mark noch kaufen, ha ihre eigenen Zahlungsmittel in den Weststaaten • fernen Wert mehr besitzen. In demselben Augenblid! wo Deuksifikand da; Schicksal der osteuropäischen Staa- ; ien teilt, Hört der größte Teil des europäischen Kon 1 finents *4 ein wirtschaftlicher Abnehmer zu sein. Einen solchen Zustand vermag weder Englands noch Amerikas Rvhjtoffüoerschnß zu tragen, noch werden sich Frankseich uiib die neutralen europäischen Starten halten könne». Schon heute ist Deutschlands Wirt- schastsnor auch die Hollands, der Schweiz, Dänemarks und Schwedens, unter dem Joch dec französischen Mitlialbenknechischast w'ürde sie es in ungeheurer Verstärkung sei»
Bei »tlchterner Betrachtung der Dinge bedeutet deshalb ber Pariser Beschluß in seiner Durchführung den wirtßcktc^riichen UntergangEuropas. Nichts til an bieier Kennzeichnung übertrieben. Europa
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Die Zukunft der deutschen Luftfahrt.
Friedrichshafen, 1. Febr. Die Meldung, daß ftanzösische Interessenten eine Verbindung mit der Zeppelingesellschaft aufzunehmen suchten, ist richtig, wenn auch ein Abkommen bisher nicht abgeschlossen wurde. Ein Abkommen mit ausländischen Gesellschaften, auch mit solchen der benachbarten, vom Weltmeer abgetrennter Länder, ist aber unbedingt erforderlich, wenn die deutsche Luftschiffahrt nicht sang- und klanglos aus der Welt verschwinden soll. Die Bestimmungen des Fiiedeusver« träges, und noch mehr seine Auslegung, legen Deutschlands Luftschiffahrt und Betrieb noch für geraume Zeit lahm, während das Ausland sich der Sache zu bemächtigen sucht und uns so langsam, aber sicher ausscheidet Der Ausschluß Deutschlands ans der internationalen Lnst- schiffahrtskonvention verwehrt uns ferner, jede Betätigungsmöglichkeit im Fernverkehr, der allein ein Feld für die praktische Bedeutung der Lustschiffahrt ist. Die einzige Möglichkeit für Deutschland, sich eine Mitwirkung und eine führende Rolle im Lustweltverkehr der Zukunft zu erhalten, liegt darin, Anschluß, an diejenigen Staaten zu gewinnen, die für uns geographisch und polüisch nicht zu ümgrhen find. Die westlichen Länder Europas und Amerika jenseits des Ozeans müssen bezüglich der Entwicklung der Luftschiffahrt in gleichliegendem Interesse mit Deutschland zusammenarbeiten. Sonst wird vielleicht überhaupt keine Fcrnlustfayrt aufgenöimnen werden tonnen.
Sie RMMMrklMug zu der tooileiwnote
Besprechung der Erklärung heute.
6 3. Sitzung de s Reichstages vom.1. Februar.
Haus und Tribünen sind überfüllt. Auch vor dem Reichstagsgebünde drängt sich eine große Menschenmenge. Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme einer Regierungserklärung. Am Ministertisch sämtliche Kabi- nettsmitglieder und eine Fülle von Regicrungsvertrelcrn und Vertretern der Länder. Tie Tiplomatenloge ist ebenfalls stark besetzt. Der österreichische Vertreter, die Vertreter der Tschechoslowakei und der Schweiz sind anwesend, desgleichen der 1. Botschaftsrat der französischen Botschaft.
Präsident Löbe eröffnet die Sitzung kurz nach 4'/- llfjr. Er erteilt das Wort dem Reichsminister des Aeußern.
Minister Dr. Simons: Selten bat eine politische BrrdandlmiF solch« Verwirrung in den Köpftn am gerichtet wie die Pariser Verhandlungen. Eben war ber Sehdmzische Plan erörtert. Nun kommt die treue Note. Der Minister schildert nunmehr beit Verlauf ber Verhandlungen und bespricht den Inhalt der Note. Anknäpfend rttt Spaa ist diese Note zustande gekommen. Von den Beratungen in Boulogne ist uns nie etwas bekannt geworden. Genf kam nicht zustande, und die Verhandlungen verzögerten sich immer mehr, sodaß ich eine rasche Regelung angeregt habe. So kamen die Brüsseler Berhand- lungen zustande, die dann aber auch ohne endgültig- Ergebnisse vertagt wurden. In Paris wurde das Bild anders. Der Sehdouxsche Vorschlag trat ganz zur ii ck. Die Vorwürfe, daß die deutsche Regierung nicht selbst mit positiven Vorschlägen hervorgetreten fei, treffen nicht zu. Wir haben solche gemacht . Sie sind aber
nicht beantwortet worden.
Auch in Spaa haben wir Vorschläge gemacht, die allci- dings noch, nicht eingehend sein konnten, aber doch u. a ' einen Finanziernngsplan enthielten. Sie sind unter.: den Tisch gefallen. Pläne alternativer Form zu machen, solange Obcrschlesicn noch eine ungeklärte Frage bildet, balle ich für unmöglich. Dazu kommen unsere ungeklärten wirtschaftlichen Veryalluisse und die unstete Valuta. Wir haben auch gegenüber dem Setzdouzsihen Plan keine Ve« diltgurigen gestellt. Wir haben nur erklärt, daß wir leine,, bindenden Zahlen angeben könnten. Der französische Botschafter selbst bat daraufhin erklärt, daß dazu in Brüssel Gelegenheit fein werde. (Hört! Hört!)
Der Wortlaut der Note deckt sich mit dem uns über« mitielten Wortlaut, In der EntwaffmingSnote werden Heeresklauscln, maritime Klauseln und Lustklanfeln vorgesehen. Es handelt sich hier um Entscheidungen, gefragt wurden wir nicht. Das hindert nicht, daß wir uns dazu äußern. (5? sind uns zwar gewisse längere' Friste» zur TmchsMr-tng vor- ßeralungert mit »en Lrssorts und den einzelnen Ländern gelassen. Ich vermisse aber jedes Wort ber Anerkennung für das, was wir hi oer Entwafsnungsfrage schon geleistet haben. Vielmehr klingt stets das Mißtrauen gegen uns heraus.
Dr. Simons gab dann einen Ueberblick über den Inhalt der Reparationsftage und fuhr fort: Wo bleibt die Anrechnung dessen, waS wir schon geleistet haben ? Auch ist nichts gesagt, ob wir bei Ausgabe der Bons die beim Waffenstillstand hinterlegten Schatzscheine Mrückethalten. Das neue Programm enthält also ’bt-, ttarheiteu und Widersprüche. Variable Summen dürfen ünS nickt auferlegt werden. Desgleichen sind nach dem WafseusMstaud nur 30 3 ab ro» ber Tilgung vorgesehen. Sun allem ist keine Rede mehr. Es müßte doch festgestellt werden, wie hoch ber angcrichtete Schaden eigentlich ist. Was Frankreich bisher aufgewendet hat, ist verschleudert worden, ohne daß nur eine Mauer ausgebant worden ist. Tie Schätzungen der französischen Sachverständigen sind Herrn Pcincare zu niedrig erschienen. Sie sind erhöht worden; aber deutsche Sachverständige hinzuzuziehen, ist niemand eingefallen. Tie Summe, die jetzt o «gegeben wird, scheint als« mehr oder weniger willkürlich zu fein. Clemenceau hat seinerzeit selbst erklärt, daß ein Eingriff in unsere Freiheit nicht beabsichtigt fei. Von einer Zollkontrolle war nie zuvor die Rede. Tie Regierung» ist sich darüber klar, dckß der Weg, der vorgeschlagen wird, unpraktisch und somit ungangbar ist und auf
eine wirtschaftliche Versklavung hinausläuft. Daran ändern die in Aussicht gestellten Rabattsätze von 8 und 6 Prozent nichts. Die Entente glaubt vielleicht, wir könnten im Auslande eine Anleihe aufnehmen. Das ist einfach unmöglich, zumal die Bestimmungen der Reparationskommisswn hier schon eine Barriere gezogen haben. Es würde auch nicht einmal das Land in Frage kommen, das die Alliiefien wegen de? Krieger finanziert hat. Die Zollabgabe ist eine
Erdrosselung der deutschen Industrie. Muß bas Ausland sie tragen, so wird ber Absatz erschwert. Ist bas nicht möglich, so muß sie ber Arbeiter tragen. Gefangenrnarbeit ist stets eine unliebsame Konkurrenz ber freien Arbeit. Wir werben
42 Jahre lang Gcfangenenarbeit leisten müssen. Der Rebner kommt auf bie Strafbestimmungen zu sprechen, bie er noch nicht amtlich erhalten habe, bie er aber aus einer Unterredung entnommen habe. Infolge von Zwischenrufen ber äußersten Linken bittet der Minister, ferne rein objektiven Aeußeimngen nicht
durch Zwischenrufe zu stören. Zu den Strasbestimmunset gehört auch die eventuelle Einrichtung eines eigenen rheinische n Zollgebiets sowie bie Nichlaufnahme in den Völkerbund. Der letztere Punkt interessiert uns weniger, solange wir noch nicht den Antrag auf Aufnahme in den Völkerbund gestellt haben. Jedenfalls hat der Völkerbund, so wie er jetzt ist, nicht viel Ber« lochendes für uns. Also die Regierpng kann in dem Arrangement uichtdie inögliche Grundlagesür w e i t c r e Verhandlungen sehen. Es ist aber ihre Pflicht, alle Mittel anzuwenden, um zu entsprechenden deutlichen Gegenvorschlägen zu kommen. (Beifall.)
Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber bie Frage auf« werfen: Man soll nicht glauben, baß man, wenn man biese Vorschläge uns boch als Diktat gäbe, soviel anS DeNschlcind heranswirtschasten kann, tote matt jetzt sich wrnimmt. Wenn der Deutsche etwas leisten soll, muß. appelliert werden an den freien deutschen Willen. Als Sklave arbeitet der Deutsche nicht soviel, wie als freier Mann. Das wird sich zeigen, toenn es so kommen soll!?, daß die Alliierten in so übertriebener Weise ihre Forderungen aut Reiten.
Präsident Lobe beantragt, die Sitzung jetzt zu Her* tagen und die Besprechung' erst morgen vorzunehmen, nachdem die Fraktionen dazu Stellung genommen.
Abg. Hofs mann (stomm.) will zur Ge'chäftsord« nuttg sprechen, gibt aber trotz mehrfacher Unterbrechung durch den Präsidenten eine Erklärung ab, in der bie Forderungen der Entente als eine Frucht des deutschen Imperialismus bezeichnet werden. Der Reichstag habe bereits gestertr durch den Abbruch der Verhandlungen die ■•Mine Bankerotterklämng der bisherigen auswärtigen Politik unterstrichen. Wenn et heute wieder ohne Aussprache anseinandergehe, erkläre er sich ebenfalls für bankerott. Der Redner wird fortwährend von Ent« rüstungs- und Schlußrufen nnterhrochen.
Abg. Müller-Franken (Soz.): Die großen Parteien haben den Wunsch ausgesprochen, erst morgen zu ber Rede des Ministers Steklnng zu nehmen. Wir sind deshalb sür den Slnlrag des Präsidenten. _
Abg. Schiffer (Dem.) protestiert gegen den Ton 5er Ausführungen des Abg. - Hoffmann und betont bie Notwendigkeit, jedes Wort auf die Wagschale zu leger,.
Abg. Ledcbour (U. S.): Trotz anfänglicher Bedenk haben wir davon Abstand genommen, diele Angelegenheit 5nr(ri eine Geschäftsordnungsdebatte herahzudräcken.
Gegen die Stimmen der Kommunisten wird der Antrag des Präsidenten angenommen.
Morgen l Uhr: Besprechung der Regierungserklärung, 2. und 3. Lesung des Haushalts samt den ausgcschobenei» Wssimmungen. — Schluß 5V9 Uhr
Einigkeit zwischen Regierung und Reichstag.
Berlin, 2. Febr. Wie die Blätter mitteiten, werden in der beutizen Rcichstagssitzunq die Koaki« tionsparteien durch einen Vertreter eine gemeinsam e E r k l ö r n n g abg b'n. b-rett Wortlaut zwischen ben Pancün vorher vereinbart worden ist. Die übrigen P> rteicn werden gesonderte Ecssärungen ab- geben. Alle Parteien werden in dielen Erklärungrit ihre Zustimmung zu der Se^unanrhme der Ne::lisregirrung gegenüber den Veschlüften der Pariser Konferenz kundgeben und sich hinter die Regierung stellen. Nur die Kommunisten werden sich an bleiet Einheitsfront ves Reichstags nicht beteiligen.
In ben Besprechungen ber Parteiführer mit btitt Reichsiainistcr bc5 Aenßern über bie Entwaffnungsfrage herrscht Hebtretnftiininung darüber, daß die ueaeq Bi stimm ungen anerkannt werden müssen, soweit sie nicht über den Vertrag von Versailles hin ausgehen. Tas tun sie aber tn ber Frage des Lufssahrwffeus, und hier soll auf dem Wege der SachvetstänbigewBr- sprechungen alles daran gesetzt werden, bie Lebens- inieresscn bei bentschin Flugzeugindustrie zu schützen. Auch fomntt die Anregung eincs Schiedsgerichtß in Frage.
Wie die „Vosi.' Zcilg." hört, wrrd ber bayerische Handelsminijter Hamm, der den Besprechungen bei» genohnt bat. heut« nach München fahren, mn beut Miuifieiprästbenten v. Kahr dir Berliner Auffassunß von ben Einwohnerwehren vorzutragen.
Die Ausführungen be§ RrrchLmimsterS des Aeußent Tc. Simons finden bie Zustimmung ber gesamte« Presse. .
Di« Frage der Berbrrrterung der Reglerungskoalitio»
Berlin, L Febr. Der „Vorwärts", ber ruhig Blut zu bewahren empfiehlt, schreibt: Die Regierung hat nach innen die allerbeste Situation, da sie in der entscheidenden Frag« alle Parteien hinter stch hat. Nach außen würbe «ine andere aus diesem Reichstag hetvorgehende Regierung auch kaum eine bessere Position haben. Am wenigsten besteht unter solchen Um» ständen für den Retchsminlster Dr. Simons ein Grund, aus dem Amte zu scheiden. Die „Vossfiche Ztg." gibt der Auffassung Ausdruck, daß sich die Einheitsfront und Geschlossenheit des Reichstags gegenüber den Pariser Beschlüssen auch ohne Verbreiterung bet bestehende« Regieiungskoalitton nach rechts und lintp lediglich,