Amtliches DeMndigrmgsblatt des Arche» Marburg.
Tageszeitung für (das stüher kurhessische) Oberhessen
.giiiiw««—g" ... --1
" Die „Oberhessttche Zeitung" «rjchetnt sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich
«w 4.25 Ätt., durch die Poft 4.65 Mk. Ausgabe B mit „Oberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr. । OTy yS Für ausfallende Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereignisse kein Ersatz.—
! M. LV Serlaq von Dr. C. Sitzeroth. — Druck der llniv.-Buchdruckeret von 2oh. Lug. Koch.
! Markt 21/23. — Fernsprecher 55.
Marburg
Montag, 31. Januar
(-arftmg)
V 51.3M.
Vermittlung der Angebote 75 Big. 6on»l .... 8 müssen wir da» Port» Mr die RechnungI 1Q/| 5015 Amt Frankfurt «.Kain. I
chstscheckkonto: Nr.
Der Snjeiaenprei» beträgt für di« 8gesp. Zeile 75 '151 und auswärtige 1.— Mk^Reklamezelle 3.00 Mk. 3i Bet Auskunft durch di« BeschSftsftells und Vermittl dergebühr. — Bet Betrügen unter 20 Mk. mär
ItliWkk MWW.
Eriiährnngsfragen. — Der Wehrhaushalt 6e« willigt.
61. Sitzung vom 29. Januar.
Ter Gesetzentwurf über die Miets steuer wird ohne Aussprache dem Wohnungsausschutz überwiesen.
Bei der zweiten Beratung des Nothaushalts für
Landwirtschaft und Ernährung
ifordert Abg. Tr. Hertz (11.) Beschränkung der Zahl der Wenstautomobile. Die Frühdruschprämie habe bas Gegen« stell des Erwae-ettn erreicht. Die Gelder für die Be« 'schaffnng ausländischer Futtermittel sind nichts als ein ,'Geschenk. Die Schweinezucht hat sich seit Juni vorigen Halmes sehr gehoben, wie aus der Viehzählung vom Dezember hervorgeht. Die Stadtverwaltungen sind nicht 'in der Lag«, Schweinemastperträge abznschließen, da schon ,bcr Satz von 'lr* Wnrf für das Vfnnd für die werktätige Dc-öl?ernng '<t- wäre, geschweige denn 24 Mark, -.welken Satz di? Lendtvirtschaft verlangt. Wenn nun die La'idwirte-aber für einen Zentner Getreide l1/» Zent« s »er Mais haben ,vollen, so übersteigt das doch alle Grrn« »cu. Der. Unmut wächst in allen Schichten der Bevölke- ruug, selbst beim Zentrum, zumal da die Regierung auch bei her Kartofselversorgung versagt hat.
Berichterstatter Abg. Ll n n ck (Dem.) weist darauf hin. daß von einem Geschenk an die Agrarier keine Rede |eir. kann. Schon seit 1917 sind die Frühdrnsch,i) r 3« fit i c n eingeführt und bezahlt worden. Beschlossen ist die Frnhdrnschprämie auch für diefts Jahr. Der Preis für »isländisches Gxtreide ist so hoch, daß wir bis April schon 5' . Milliarden mehr bezahlen müssen, bis zur neuen '.Ernte aber über 10 Milliarden. 'Andererseits müssen teir die Versuche der Regierung, das im Jnlru.de noch vorhandene Brotgetreide zu erfassen, energisch unter« stützen.
Abg. Wcil.nböck (Dentschnatl.): Die fortschreitende Entwicklung und Verbesserung der Produktiausmethodeu Hai es der deutschen Landwirtschaft ermöglicht,"pro Jahr find Kops der Bevölkerung 5,0 Kilogramm Fleisch zu zu liefern. Der jetzt von der Regierung eingcfchlagenc 8eg des Austausches deutschen Brotgetreides gegen aus« L Indische Futtermittel hätte schon viel früher beschritten.werden müssen. Wir verlangen, daß neben Brotgetreide auch Hafer und Gerste ansgetauscht werden. Durch die von der Negierung weiter rigoros vorgenom- Menen Durchsuchungen der landwirtschaftlichen Betriebe Wirb die Leistungsfähigkeit der Landwirte nicht gesteigert. Der Landwirtschaft darf eine angemessene. Preis« steigenmg ihrer 'Erzeugnisse nicht verwehrt werden, so« ksng? ihre Produktionsmittel so teuer lind.
Abg. Dusche (D. Vpt.): Der frühere soziathnno- kratische Ernäbrungsminister Schmidt rübmte sich, die Krotpreise unter den Erzeugerpreisen gehalten zu haben. Das deutsche Volk ist dabei aber beinahe verhungert. Da die Brotgctreideernte nicht besonders gut ist, werden wir Mindestens 2VS Millionen Tonnen Brotgetreide aus dem Ausland cinsühren müssen. Wir begrüßen cs, daß der Minister Kermes in erfreulichem Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Schmidt rechtzeitig cingekaust hat find daß schon 1,8 Millionen Tonnen gekauft sind. Wir sind nicht für Schweinemastverträge, weil dabei nichts herauskommt. Das Brotgetreide läßt sich nur dann restlos erfassen, wenn den Landwirten Mais als Fntter- fiiittek gegeben wird. Diejenigen Landwirte, die ihr Brotgetreide restlos ablicferten, müßten ihr Vieh hungern lassen.
Abg. Kerschbaum (Dem.): Ter Mais sollte glcich- tfiüßia an die Landwirtschaft im Reiche verteilt werden. Den kleineren Bauern sollte dabei besonders entgegengc- kommen werden. Die Schweinemast ist heute mehr als V das Arbeitsgebiet der kleineren und mittleren Bauern. Die phosphorsauren Düngemittel sind ungeheuer hoch im Preise. Das Druschprämiensystem hat überall Slerbit« ktung und Unfrieden in die landwirtschaftliche Bevölkerung getragen. Wir bitten um auskömmliche Preise, aber firn Beseitigung des Prämiensystems. Man sollte mehr Wert auf Produktion als auf Erfassung und Skt« teil urig legen.
Abg. Dürnreiter (Bayer. Bolksp.): Die Zwangswirtschaft steht eigentlich nur noch auf dem Papier. Das Umlagrverfahren würde dem jetzigen System gegenüber den Vorzug verdienen. Wenn auch eine Verteuerung des Brotes einjritt, so wird andererseits doch viel wehr erzeugt werden.
Abg. Robert Schmidt (Soz.) verweist auf die Mitteilung, daß, wenn wir unser Brotgetreide aus dem Aus- ilande beziehen müßten, ba-5* Brot etwa 45 Mark kosten iWürbe. Wie man da auf eine Aufhebung der Ztaangs- i Wirtschaft für Brotgetreide hinarbeitcn könne, sei ihm un- idersiändlich. (Pwteste rechts.) Von Mastverträgen will 'die Landwirtschaft heute nichts mehr wissen, toeil dabei die Presse gebunden sind. Die Ablieserungsverpflichtnngen ;ftnb nicht innegehalten worden, deshalb mußten wir im sIluslande kaufen und» zwar zu einer Zell, too der Dollar :toti 72 stand. Heute steht er auf 58. (Großer Lärm unb ‘Buruft von links und rechts.) Tie Regierung muß die
Ablieferung des Getreide -erzwingen.
ifckr will uns denn weismachen, daß ein Eierpreis von ;B,60 für das Stück nur die Pwduktionskosten deckt, und ki 24 Mark für das Pfund Schweinefleisch ist es nicht .Kuders. Tas find doch Riesenvcrdienste. Auch das Asoziale Gewissen sollte die Bauern veranlassen, unser Volk tet seiner Not nicht im Stiche zu lassen. Die Arbefter- Wgft verlangt, daß endlich mit dem Abbau der Preise (Ernst gemacht wird.
*, Abg. Dietz (Ztr.): Wir müssen vom Auslände un« Wbh Sugig werden. Deshalb brauchen wir Phosphate
und Futtermittel, speziell Mais, damft wir nicht GetreLe zu verfüttern brauchen. Die Landwirtschaft will keine hohen Presse. Aber die Preise lassen sich auch nicht auf Kommando abbauen. Die mangelhafte Getreideablieferung liegt an der schlechten Ernte, die nur 40 Prozent der normalen Ernte beträgt. Reichtümer hat die Landwirtschaft aus dem Getreche nicht gezogen. Die neuen Preise müssen jedenfalls noch einen Nutzen lassen.
Rcichsernährungsminister §> e r m e S: Tie vom Mini- ter Schmidt eingeleitete Politik der Mindestpreise hat sich nicht bewährt. Die Ablieferungszahlen seien höher als im Vorjahre geivefen. (Zuruft links.) Natürlich seien auch Zurückhaltungen vvrgekommen. Bon einer kata- trophalen Lage der Brotversorgung könne keine Rede Qsein. Das Quantum von 200 Gramm für den Kops et dank unserer Zukäufe int AuSlande gesichert. Wenn der Absatz unserer künstlichen Düngemittel im Auslande fich so weiter entwickelt wie bisher, dürften wir bald an einen Abbau denftn können. An Thomasphosphat« mehl haben wir das Zehnfache eingeführt wie im 8k>t- iahre und unsere Landwirtschaft wird dadurch in die Lage verfttzt, allmählich wieder leistungsfähiger zu werden.
Abg. Düwell (Komm.): Seit 1014.seien die taub» wirtschaftlichen Preise 13mal heraufgesetzt worden, und da «volle der Ernährungsminister uns weismachen, daß die Löbne bei weitem.die Hauptschuld daran trügen. (Vizepräsident Bell rügt den Ausdnrck weismachen.) Die Landwirtschaft halte mit den Ablieferungen zurück. Deshalb müssen wir die teuren Einkäufe int Auslande machen.
Abg. Simon- Franken (U. S) stellt fest, daß der Ausschuß 1 ','s Millionen Tonnen anzukaufen beschlossen habe als Vorbedingung für die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Fleisch. Heute seien aber noch nicht eine Million Tonnen zur Stelle. Damit habe der Minister ftch aber als Minister gegen die Volksernährung erwiesen.
Not- und Ergänzungshaushalt werden angenommen.
Es folgt der Rest des
Wehrhau's Halts.
Alle strittigen Abstimmungen werden sortgelassen. Dir AuSschußanträge werden, soweit sie nicht durch besondere Anträge abgeändert werden, genehmigt.
Abg. K u n e r t (U. S.) wendet sich gegen daS Militär- bildungswesen.
Abg. v.Gallwih (Deusschnatl.) begründet die Notwendigkeit einer Vergrößerung der Heeresbücherei.
Beim Titel „Nachrichtenwesen" erllärt Abg. Sei-' del (11. S.), die Nachrichtenabteilung organisiere einen Spitzeldienst, der auch die Zivilbevölkerung, vor allem die Arbeiterschaft bespitzelt.
Reichswebrminister Geßler: Meinem strikten Befehl vom vergangenen Sommer, alle Nachrichtenstellen aufznlösen, ist durchaus Folge gegeben worden. In einem einzigen Falle, in dem untergeordnete Stellen solche Svitzeleien weitergeübt hatten, sind die Offiziere entlassen worden.
Abg. Schövslin (Soz.): bittet bett Minister, aus Bauern ein besonders scharfes Ange zu haben. Dort herrsche geradezu eint Sauwirtschaft (Präsident Lobe rügt den Ausdruck „Sauwirtschaft") Ich bitte den Vcrrn Präsidenten, die süddeutsche Eigenatt zu berücksichtigen.
Reichswehrminister Dr. Geßler erklärt, auch ihm sei das Svitzelwesen in der Seele verhaßt. Der kommumsti- schen Agitation müsse aber entgegengetreten werden. Die Sckurffnug von Soldatcuräten lönite nicht zugelassen werden.
Ter tzeereshaushalt wird lodann genehmigt, desgleichen der Marinkbaushalt, mit Ausnahme der Kapitel, zu denen Abänderung'-auträge vorliegen.
Nächste Sitzung Montag lllhr: Dritte Lesung des Not- und Ergänznngshausbalts und.Interpellation über Oberschlesien. — Schluß nach 5 Uhr.
Die Frage der Arbeitsbeschaffung.
Wb Berlin, 30. Ian. Unter dem Vorsitz des Rrichökun-lcrs und in Gegenwart der bettiliqteu Reichs- und preußischen Ressortminister .sonie Vertretern dec voln'schcn Parteien des Reichstags sand beute eine Aussprache über die Arb'itsbeichafiug '! m t V.rtretern aller G'wersschastsgrup en statt All' i ig wurde die bk^tans erache Lage auf dem Arbeitsw.ackr anerkannt und betont, oaß das Reich und die Länder bis zur clltztn,einen Besserung der Wirtschas-ll-tgr mehr noch als bisher Arbeitsgelegenheit 'ch-nftn müßten. Tie Erörterung zeigte die Möglichkeiten dafür insbesondere auf dem Arbeitsgebiete des Reichs« vctk'.hrbutinisteriums und des Reichspostmiu'stwiums sowie-ia den land:, irrschaftlichen Bodennerbessemngen, wo si ■ schon jetzt mit Helfe der produttiven Er oerbs« (osenfürsorge betrieben werden. Sehr bedeufttnaSvoll für die n k irre Entwickelung des Arbeitsmarktes schtea nach al^g meiner Ausfassung die Belebung der Bau- tätig k e' t Auch die Znlunftsaussichter. der deutschen Jndustri' wurden eingehend erörtert. Aus dem Kresse der Ge,i erlschaftcn wurde auch die d^otneidig- keit dec Anwendung der Methode der Kurzarbeit sowie die Fr<me des Wechsels der Belegschaft zur Er« örierunp gestellt. Sämtlich« Anregungen sollen von dm in Betracht kommenden Bchördm nachd'ncklichst und schleunigst vjerfolgt werden.
Die Volkszählung in Norwegen hat ein« Vevölke- rungszahl von 2 646 000 ergeben, was eines Zuwachs seit dem Jahre 1910 um 1014 ä bedeut^, A x.
IMlMi fineieluno unb MWms.
SM ler Sitiltr Kinlernr.
Die Pariser Konferenz ist dem bereits am Sonnabend mitgeteilten Beschluß, nach dem in 42 Jahren 226 Milliarden Goldmark von Deutschland i,u bezahlen sind, beigetreten. Um Deutschland anzuspornen, sich möglichst rasch seiner Verpflichtungen zu entledigen, wird ihm ein Diskont auf die estgesetzten Jahresraten gewährt werden und zwar bi» zu 8 Prozent in den beiden ersten Jahren, 6 Prozent in den beiden folgenden und 5 Prozent ür den Rest der Frist, wenn es seine Zahlungen vor den vorgesehenen Fristen ausführt. Als „Sanktionen" für die Ausführung seiner Verpflichtungen sieht das Uebereinkommen eine Verpfändung der deutschen Zölle unter der Kontrolle der Wiedergutmachungskommission vor, einer die Festsetzung neuer oder höherer Taxen ohne Rücksicht auf alle Maßnahmen, die die verbündeten Regierung tief» : e n können, falls die vorhergehenden Maßnahmen ungenügend sein sollten. Schließlich soll Deutschland keine auswärtige Anleihe aufnehmen können, ohne durch die Wiedergut- machungskommisfion dazu berechtigt zu sein.
Die Beschlüsse werden heute an die deutsche Regierung gesandt und veröffentlicht werden. Die „Sanktionen", die in der Entwaffnungsfrage vorgesehen sind (siehe unten), sollen auch für die Wiedergutmachungsfrage gelten. Es wurde folgender offizielle Bericht ausgegeben:
Die Konferenz hat jm Laufe der beiden Sitzungen, die sie gestern abgehalten hat, sich mit der Ausarbeitung eines Uebereinkommen» beschäftigt, das unter ihren Mitgliedern Über die beiden Hauptfragen der Entwaffnung und der Reparation erzielt wurde. Hinsichtlich der Entwaffnung billigte sie die Vorschläge, die ihr die Sachverständigen für militärische, maritime und Luftschiffahrts-Angelegenheiten mit dem Zweck unterbreiteten, von Deutschland die vollständige Ausführung der Verpflichtungen zu fordern, die sich für dieses sowohl aus dem Vertrag als aus den Noten von Dou- logne und dem Protokoll 'von £paa ergeben. Hinsichtlich der Reparation ist gestern das von den Sachverständigen vorbereitete Arrangement einstimmig gebilligt worden. Die Verbündeten haben schon jetzt unter fich die Maßnahmen festgehalten, die eventuell an« gewendet werden sollen, im Falle Deutschland fich weigern würde, loyal und lückenlos die Verpflichtung«! auszuführen, bi« fich auf die Reparation und auf die Entwaffnung ersttecken. Aus Höflichkeitsgefühl und von der Hoffnung erfüllt, daß Deutschland aus sich selbst heraus seinen Verpflichtungen nachkommen werde, hätten die Verbündeten geglaubt, in diesem Augenblick diese Sanktionen in Berlin nicht notifizieren zu las- ieiu Qualifizierte Vertreter der deutschen Regierung würden eingeladen werden, Ende Februar in London mit den Vertretern der verbündeten Mächte zusammenzukommen.
Jnbezug auf die H i l f e für Oesterreich ist ein Bericht Loucheurs angenommen worden, der die Gründung eines Finanzsyndikats mit einem Kapital von 200 Millionen Franken vorsieht.
Sie StWe in ftk (ftMmtsIttnt.
Reue Fristen bis 1. Juli. — Festsetzung neuer Zwangsmaßnahmen.
wb. Paris, 29. Jan. Wie die Havasagentur nichtoffiziell meldet, nahm die Konferenz in der Vormittagssitzung den Bericht des interalliierten militärischen Ausschusses in Versailles über dis Entwafsnungsfrage entgegen. Es wurde hiernach Deutschland für jede der noch auszuführenden Maßnahmen eine Frist bis zum 1. Juli bewilligt. Die folgenden Sicherungen der Durchführung sind vorgesehen:
1. Aufhebung der Räumungsfrist für dieRhein- lande, 2. Besetzung neuen deutschen Gebietes, 3. Errichtung eines besonderen Zollregimes in den Rheinlandeu, 4. (auf Antrag von Lord Curzon) Einspruch gegen dir Aufnahme Deutschlands in den Bölkerbnnd.
wb. P a r i». 30. Jan. (Havas.) Der diplomatische Mitarbeiter der Agentur Havas sagt, daß im Laufe des gestrigen Abends Deutschland folgende Beschlüsse mitgeteilt wurden: Hinsichtlich der Entwaffnung wurde der Bericht des Marschalls Foch etwas abgeändert. Deutschland muß danach seine Gesetzgebung den Vereinbarungen des Friedensvertrages anpassen, die überzähligen Offiziere vor dem 28. Februar entlassen, die Bürgerwehr vor dem 30. Juni auflösen, die Reserveschiffe vor dem 81. Juli entwaffnen, die im Bau befindlichen Kriegsschiffe sowie alle Unterseeboote vor dem 81. Juli zerstören, die im Jahre ISIS zerstörten Zexxeline ersetzen, darauf
verzichten, eine Lustpolizei zu bilden und die Definitionen der Verbündeten annehmen, die die zivilen von den Militärflugzeugen unterscheiden.
Fortsetzung der Brüsseler Sachverständigeillonfr- renz. — Statt Sens am 28. Februar London.
wb. Paris, 88. Jan. Die Sachverständigen- onferenz, die vordem in Brüssel tagte, wird nächtens ihre Arbeiten wieder aufnehmen, um über >ie Ausführungsmöglichkeiten des beschlossenen Äb- ommens über die Wiedergutmachung zu bcfchlie- ien und die durch da» Anhören der Deutschen aufgeworfenen verschiedenen Fragen zu regeln. Schließlich werden die Vertreter der verbündeten Regierungen mit den deutschen Ministern Rammen treffen, jedoch nicht in Senf, wie vordem br- timm# wurde, sondern in London und zwar am 28. Februar, wenn das Orientproblem gelöst ist.
Die Konferenz über die Orientfrage in London beginnt am 21. Februar.
Frankreich« Kohlenförderungen.
wb. Paris, 29. Jan. Nach der Havasagentur vertritt die französische Regierung in der Kohlenfrage folgende These: Frankreich verlangt eine monatliche Lieferung von 2 000 000 Tonnen. Dic ILezahlung von 5 Goldmark je Tonne, die für di« Ernährung der deutschen Bergarbeiter bestimmt war, soll aufgehoben werden, dagegen eint Prämie für eine besonders gut ausgesuchte Qualität Kohle bewilligt werden. Die Wiedergut- machungskommission soll die Ausführung des Ab' kommens überwachen.
Das Urteil eine» amerikanischen Finanzmannes.
wb.P aris, 30. Jan. Rach einer Radiomeldung aus Rewyork soll der amerikanische Finanzmann Vanderlip in einer Unterredung erllärt haben, niemals könne Deutschland die verlangte Summe bezahlen. Die H ö ch st s u m m e, die Deutschland jemals zahlen könne, würde 3 Milliarden nicht übersteigen. Vanderlip sieht voraus, daß Deutschland sich weigern werde, die Beschlüsse der Konferenz anzunehmen.
Erklärungen Lloyd Georges.
wb. Paris, 30. Jan. (Havas.) Nack Schluß Set Konferenz erfiarte Lloyd George französischen Jeuc- nallsten, sein Eindruck von der Konferenz sei aus« gezeichnet. Er habe selten eine Konferenz gesehen, die man mit solch allgemein« Befriedigunz verlassen habe, und daS sei sehr gut so, denn wenn man nicht zu einer vollständigen Verständigung geluigr wäre, war dos ein wirlliches Unglück gewesen und nur die Deutschen hätten sich darüber freuen können. Die Deutschen würden allerdings nicht so reckt mit dem Ergebnis der Konferenz zufriü>en fein, dürfte er. Irgendwelche Schwierischeiten für die Erhebung der Kontrolle der AnSsuhrtaze fürchte er keineswegs. Es stände den Verbündeten mchr als ein M'-tcl zur Verfügung, um dieser Schiiierigkeiien Herr zu werden, falls sio üuftai.chen sollten, oor allem die Zollkontrolle, die sie einrichten würden. Diese Kontrolle werde allerdnigs durch einen deutsch:» Beamten ausgeübr werden. Aber die Ernennung bie]eS Beamten weide nur unter Zustimmung dec Reparation!« kommission erfolgen können, die jeden Augenblick seine Abberufung fordern könne. Wenn die Deutschen trotz dieser Kontrolle ihre Ausfuhr irgendwie zu rrrheimlicherr suchen würden, so brauche man sich nur an die Verbündeten oder s-gar an die neutralen Regierungen zu wenden, die ja größtentells schon-S!ui:sttken über ihre Einfuhr veröffentlichen. Man würde dann diese Statistiken nur mit den deutschen Ziffern zu vergleichen haben. Hebet die militärischen u/ck nichtmilitärischen Zwangsniaß- nahmen erklätre Lloyd George, man müsse ^bch Wohl barer hüten, die Kontrolle der deutschen Zölle, die keinerlei Zwangsmaßnahme sei, mit der Einrichtung .eines direkten Zolircgimes zu verwechsln, wo? itatür* lich eine Zwangsmaßnahme wäre. Man habe es vermieden. der- Ausdr-icr „Beschlagnahme", zu gebrauchen, tote men ganz allgemein überhaupt zu vermriden gesucht habe, was die deutsch: Empfindlichkeit verletzen könnte. Es sei den. Verbündeten nichts barm gelegen, die Tensschen zu erniedrigen, sondern daran, in dnr Besitz ihrer Forderungen zu gelangen. Die rech n-or,llische Zwangsmaßnahme der Richtaufnobme Deutschlands m den Völkerbnüd könnte ohne weiteres d rdurch veru ir'ticht werden, daß die Berbündeten sih dec Ausnahme Deutschlands widersetzten, fall? dieses sich weigern sollte, die soeben unterzeichnete'Lösung anzlrnehmen. Die Berbünderen seien sich vollkommen herüber einig, daß man die ZtoanOmaßnahmen nW