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Amtliches verLlndigimgsLlatt des Kreises Matburg.

Tageszeitung für (das früher kurheMche) Oberhessen

Marburg

Freitag, 28. Januar

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DieOberhesstsche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich , aa 4.26 Mk., durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztg." 1 Mk. mehr.

75 Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. l /Ile CM Berlaa von Dr. T. Hitzeroth. Druck der Univ.-Buchdruckerei von 2oh. Aug. Koch, i Markt 21/23. Fernsprecher 55.

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V Wb. Paris, 27. Jan. (Havas.) Der heutige Aormittag wurde ausgefüllt mit privaten Besprech­ungen zwischen den einzelnen Delegationen, die auf diesem Wege zu einer Verständigung in der Wieder- kutmcchuugsfrage zu gelangen suchten. V? scheint, daß Me belgische Delegation den französischen und englischen

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NiedergulmachnngLsrage weiter. Zu dieser Sitzung

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-Standpunkt einander näher bringen tvolle. In den Kreisen der Konferenz frage man sich, ob dieses Er-

«bnis vor Ende der Woche zuslaicke kommen werde. Underr.sallL würde die SachverstäMgenkonferenz in Brüssel fortgesetzt werden, um von neuem die prrk- fischen Möglichkeiten zu studieren, Deutschland zur Zahlung zu zloingen. lieber die endgültige Entschei­dung würden die Verbündeten sich dann im Verlaufe einer neuen Konferenz ans sprechen, die wahrscheinlich im Februar in London stattfinden würde.

! Die NachmitiagLsttzung der Konferenz behandelte die

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wurden zahlreiche Sachverständige zugezogen.

Hebet die heutige Nachmittagssitzung der Konfe­renz ist folgender offizieller Bericht ausgegeben lvorden: Die Konferenz ist in einen engen Meinungsaustausch über die Wiedergutmachungsfrage eingetreten und hat einem kleinen aus eigenen Mitgliedern bestehenden Sueschuß den Auftrag erteilt, die im Verlaufe der Sitzung vertretenen Meinungen zusammenzusassen und einen ausgearbeiieten Text der Konferenz vorzulegßn. s wb. London, 27. Jan. In der Wiedergut- machungssrage stehen einer Pariser Reuter-Meldung zusclg' die Engländer zu den auf der Boulogner Konfe­renz ni.d.'rgeUg'en Ziffern. Der britische Sandpunkt weid: vellkommen ton der belgischen Delegation unter. jtia),. die eint sofortige FeFsetz'nng der deut­sche? Gesamten sch äd i gnngSfmmne wünscht. Die fran- tzks.scheu Delegierten scheinen bereit zu sein, diese Hahlen anzunehmen, jedoch unter der Bedingung, daß Frankreich nachträglich gewisse Zugeständnisse erhält, daß ihm b-stimmte Vorzugsrechte gewährt werden und die interalliierten Schulden gestrichen werden. Dies jp Reuter zufolge die Lage. Es bestehe jedoch Grund je der Hoffnung, daß int Verlauf der nächsten Tage fcin gemeinsamer Boden gefunden werde, auf dem sich die Verbündeten in dieser wichtigen Frage einigen

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Ungeduld und Enttäuschung in England.

Fracht sich eine gereifte Ungeduld mit Bezug auf die visherigen Ergebnisse der Pariser Konferenz bemerk- tzar. Di-Pall Mall Gazette" schreibt: Diplomatische Mreise in London sehen die augenblickliche Lage auf der iPariser Konferenz als nicht sehr günstig an. Bon maß- stzeLender Seite werde versichert, daß die britische Dele-

- Kation nicht die Absicht habe, langer als bis Sonn- ltlbend in Paris zu bleiben. Das Blatt schreibt, wenn bie Konferenz in dieser Woche zu viele Fragen, die auf tber Verhandlungsordnung stehen, unerledigt lasse, so !»e -de dies ebenso viel Schaden als Nutzen anrichten. s^Evening Standard" schreibt: Die neue Konferenz ?scheine den Weg der vorangegangenen zu gehen. Frank­reich re olle, daß Deutschland, welches jetzt darnieder- ; liege, niedergehalten werde, nicht nur im militärischen, sondern in jedem Sinne. Die englischen Staats­männer feien hingegen der Ansicht, daß der Friede am besten dadurch gesichert werde, daß er erträglich gemacht

5) Scherl fc j Lvndpn, 26. Jan. Bei den meisten Blättern malt Figu - eine gereifte Ungeduld mit Bezug auf die

werde.

Doumers Vormundschaftsplan.

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'120 Milliarden Esldmark. DerTurm zu Babel", i - wb. P aciS, 27. Jan. Ueber den gestrigen Bericht des französischen Finanzministers Doumre vor der Konferenz machen die französischen Moegenblätter An- tzaben. Pcrtinax teilt imEcho des Paris^ mit, daß der Finanzministcr die festzulegenden Forderungen

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hottland' in Ehepav sei neben ten einger dern als . [Uten von

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ttu Denisthland mit 220 Milliarden Gold- Mark angab einschließlich' Zinsen und Amortisation. Diese Ziffer sei zweimal so hoch wie diejenige, die in Boüirgne genannt worden sei. Sie gehe über alles hinaus, was man bisher über die Höhe der Gesamt­summe gedacht habe. Nach demMatin^ soll der tzinanzminister erklärt haben, Deutschland solle den Verbündeten die Geiamtschuld mit 3°/o verzinsen und In 30 über mehr Jahreszaglungen entrichten. Als Garantie hat Toumcr nicht militärische Maßnahmen ins Auge gefaßt, sondern Vormundschaften, wie man sie sonst ohnmächiigen Staaten gegenüber äu­ßere er, bet habe. Der Finanzminister betonte, Frank­reich sei am End« seiner Kraft und könne nicht länger wehr für Deutschland bezahlen. Pertinar schreibt im Echo dr Paris", die verbündeten Vertreter gärten über diese Theorie sich sehr erstaunt gezeigt. Man hätte auch feststellen tonnen, daß di? Vertreter der englischen Teleaajion nu mach' eine and er «Sprache sprechen. Einer von ihnen habe sogar von einem Turm zu Babel gesprochen, an dem mau jetzt arbeite. Es sei Zeit, daß Müleraud und Briaud eine gemein- SBartdiiöirte ausstelleu.

Oberschlesier!

Das Vaterland fragt Dich:

M Ds Deines Stmslsstrsg eisgereiA?

Wenn nicht, wende Dich sofort an die nächste Ortsgruppe der

Bereinigten Verbände heimatstreuer Oberschlesier.

Fochs Zwangsvorschläge.

wb. Paris, 27. Jan. Nach einer Havasmeldunz sieht der Bericht des Marschalls Fach ia der Euiwaff- uuugsfrags al» Zwangsniatznahmen nicht nur die Be­setzung neue« deutschen Gebiete«, sondern auch die Ber- lüngerung der Besetzung des Rheiukandrs vor, falls die gewährten Fristen für die Ausführung der milititeischen Klauseln nicht eingehalten werden.

wb. Paris, 26. Jan. Marsch«l) Fach ist heute von Paris nach London abgeretst.

wb. Berlin, 27. Jan. DieDeutsche MU Zitz." blmerkr zur EntschädigungSsrage: Da vor der Er­örterung der Höhe der Jahreszahlungen überhaupt erst die Möglichkeit und Vorbedingungen bajjU unter­sucht werden müsse», sind Darstellungen, wie sie sich in englischen Blattern finden, Staatssekretär Berg- mann habe von Zahlungen in Höhe von 2 Milliarden Goldmark jährlich gesprochen, völlig unrichtig. Sie entsprechen lucht bjm Tatsachen. Staatssekretär Berg­mann, der überhaupt keinrrlei&ffern erwähnt hat, hätte den Betrag von 2 Goldmilliavden schon deshalb niemals nennen können, weil eine solche Zahl völlig über den Rahmen des überhaupt Peukbarm hin- a ns geht.

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Aus dem -besetzten Gebiet.

tri. Koblenz, 27. Jan. Wie der Reichskom- missar für di» besetzten rheinischen Gebiete mit teilt, hat Mt interalliierte Rhein'and komm«fr»n keinen Ein­wan!» gegen die Wahlordnung für die Prvrin:ia>Land- tags- und Kreistags-Wahlen erhob««.

Wiesbaden, 27. Jan. Vor kurzem wurde auf der elektrischen Bahn BiebrichWiesbaden am frühen Morgen, als hauptsächlich Schulkind« die elektrische Bohn benutzten, ein Wagen angehallen und Insassen von französischen Posten auf ihre Ausweise ge­prüft. Die Personen^ bawtnier eine große Anzahl Schullinder mustten beit Weg nach Wiesbaden zu Fuß zmückligen und wurden dort von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags eingcspcrrl, ohne daß ihnen Essen oder bic Möglichkeit, die Angehörigen zu ver­ständigen, gegrbtr. worden wäre. Unter den Eltern der sestgchallruen Kinder, die gerüchtweise vin dem Vorfall hörten, herrschte eine ungeheuere Erregung über das Schicksal der Kinder.

wb. Neuß, 27. Jan. Gestern wurde in Aachen vor dem belgischen Kriegsgerrcht über die gegen die Verurteilung des Landrates Freiherrn v. Lüninck- Neuß eingelegte Berufung verhandelt. Die Strafe wurde in der Berufungsinstanz noch verschärft. Das Urteil lautete auf zwei Monate Gefängnis und 16000 Geldstrafe. Der Landrat war beschuldigt, mehrfach militänschcn Befehlen nicht sofort widw- spiuchslos Folge geleistet zu hoben.

Die schwarze Schmach.

Ludwigshafen, 27. Jan. Beim Polizrigericht in Landau, dem die Aburteilung deutscher Zivilpersonen wegen Vergehen gegen die Besatzungsmacht und^dte Verordnungen der Interalliierten RheinlandkommiMon obliegt, ist schon feit November 1920 em französischer Offizier schwarzer Rasse ads Richter tätig. Seit kurzem ist dieser Offizier auch am Berussungsge- richt in Landau als Richter in Funktion. Der schwarze Offizier benutzt bei den Eerichtsoerhandlungen jede Gelegenheit, den weißen Angeklagten in sehr nachdrück­licher Form seine Verachtung und seinen Spott zum Ausdruck zu bring«», ohne oaß diesem durch die übrigen Richter oder den Vorsitzenden der notwendige Schutz zuteil würde. Im Reichstag wurde kürzlich dagegen Einspruch erhoben.

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Oberschlesten.

Berlin, 27. Jan. Nach einer Meldung des Berl. Lokalanz." erfährt dieSchief. Zeitg." von berufener Selle, daß General Lerond an die nicht- franzöf-schen b'litglicdcr der interalliierten-Kommission einen Ruud erl gerichtet-hat, in Hem er sich gegen Indiskretionen verschiedener englischer Offiziere wendet. E: droht ieccui cualifchen Ojii;?er, der es noch einmal

ivagen würde, schriftlich oder persönlich mit irgend jemanden ans der Bevöueruug außerdienstlich in Be-- rührueig 51t treten, mit sofortiger Ablösung von fernem Posten. »

Rach einer Meldung derVoss. Zeitg.'' hat die interalliierte" Kommifjivn in Oberschlesien/ eine Ver­ordnung über den Besitz von Schußwaffen und Muni­tion erlassen. Danach dürfen außer Förstern und bestimmten Beamten der öffentlichen Behörden ivt* die Anszahler und Sekretäre der Finanz- und 5)aud:ls- mstilute sowie der Jndustrieiräiernehmungen und die Acrzte, Tierärzte und Hebammen Waffen tragen.

tob. Sattotoijj, 27. Jan. Die interalliierte Kommission scheint mit einer Verschärfung der Sicher­heitsmaßnahmen ernst zu machen. Ter Kre:skon- trolleur in Benthen teilte mit, daß zur Bekämpfung des Banditentums in Katlowii; Stabt und Land ver­schärfte Maßnahmen ergriffen worden feien. Es wer­den häufig Haussuchungen stalljinden. Tie fried­liche Bevölkerung hat keinen Grund zu Besürchiungen.

tob. Rom, 27. Jan. Die Meldung, daß 5000 italienische Soldaten in Obcrschlesicn erwartet würden, ist ungenau. Es handelt sich etwa nur um 100 M tun, die nach Oberschlesien geschickt werden,' um- die Stelle von. zahlreichen italtem.fchen Soldaten in Oberschlesien einzunehmen, bi« in Urlaub gegangen sind.

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Aus den Ausschüssen.

wb. Berlin, 27. Jan. Ter Ha'uptausschuß des Reichstags verabschiedete in der gestrigen Abendsitzung den Haushalt dcs Auswärtigen Amtes. Betoilligt wurde gegen den Antrag der Unabhängigen der Titel Geheime Ausgaben" in Höhe von einer Million Mark, ferner für die Förderung deutscher Schul- und Unterrichts- zwecke im Nusland sowie die'Unterstützung von deutschen Büchereien der andere.n im Ausland bestehenden vater­ländischen Unternehmimgen S* 1 * * */« Millionen. Im weiteren Verlaus der Sitzung erklärte Reichsminister Dr. Simons zur Frage des AuSianderstudiumr in Deutschland, das Auswärtige Amt habe eine Rundfrage an die tTi:itierfiiäten ergeben lassen, um siestznstellen, wo noch Platz für die Ausnahme von Ausländern sei. Es sei dadurch und durch Verhandlungen mit cheu Landesbehöreden gelungen, eine Brslnnng der Verhältnisse zu e«ielen. Sehr bedauerlich fri. daß'den während des Krieges zur handwerklichen Ausbildung nach Deutschland gekommenen Türken infolge Mangels an Mitteln die Möglichkeit zur Beendigung ihrer Ausbildung nicht gegeben werden konnte.^ Anknüpfend an die Anregung von deutschnationaler Seite stellte Dr. SimvnS fest, daß die Regierung den Zeitpunkt für die Propaganda über die Schuld am Kriege nicht für gegeben eracht: und sich ihre Stellungnahme hierzu Vor­behalte.

wb. Berlin, 27. Jan. Der Hauptcmsfchuß des Reichstags hat heute die Beratungen über den Haus­halt des Neichsfchatzministeriums wieder aufgenommen. Erfing (Z.) griff die Reichstreuhandgefellfchaft an, der das überzählige Heeresgut zur Veräußerung über­geben wird. Sie scheine sich zu einer Kriegsgesellschaft übelster Art zu entwickeln. Reichssckmtzmtnister 0. Raumer erklärt, die Vorwürfe gegen die Reichs- treuhand-Kesellschaft seien nicht haltbar. Die Reichs- treuhand-Eesellschaft werde nach Ansicht des Ministers augenblicklich vorzüglich geleitet. Was die angeblichen Waffenschiebungen betreffe, so habe sich jedesmal ge­zeigt, wenn er solchen Gerüchten nachgegangen fei, daß sich in keinem Falle die Anschuldigung bestätigte. Es nabe stch stets um Luftangebote gehandelt, wobei ein Schieber dem anderen nicht vorhandene Waffen anbot.

Die Einfuhr de» Auslandsgetreides. *,

tob. Berlin, 27. Jan. Der Ausschuß des Reichs- ivirffchaftsrat für Landwirtschaft und Ernährung hat zum großen Teile einstimmig folgende Grundsätze ange- iwmmen: 1. Das Reich nimmt durch Reichsgesetz die Sentraftfafion für die Einfuhr des gesamten AuS- landsgetreides« Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, MaiS, ohne Rücklicht auf den Verwendungszweck in die Hand. Zur Erfüllung dieser Aufgabe wich eine Zentrale der Reichsverwaltung für Getreide gebildet, die diesen Zweig ihrer Tätigkeit ausschließlich nach kaufmännischen Grundsätzen zu erfüllen hat. Sie kann sich hierbei der Vermittlung deS Handels bedienen. 2. Tas_ von der Reichsmonovolverwaltung eingekanste ausländische Vrot- getreide ist für die Ernährung der Bevölkerung zu ver- w:.:den. 3. Tie von der Reichsmonopolvcrwaltung ein»

gekauften ausländischen Mengen an Gerste, Hafer wt6 Mais sind an den Handel und die Verbraucher aüzugeben. Die Preise werden von der Reichsmonopolverwaftuni estgesetzt. Bei Abgabe an die Landwirtschaft zu Brr» ütterungszwecken soll die Ware in erster Linie ohm Gegenleistung in Geld durch Eintausch inländischen Bwt- getreides abgegeben werden. 4. Das Monopol für dft Einfuhr von Gerste, Haier und Mais ober eine dieser Getreidearten kann zeitweise oder dauerird aufgehoben toere bett, sobald ihr Einfuhrpreis - unter den Preis des der Landwirten zur freien Verfügung überlassenen Brot­getreides sinkt. 5. Während der Tauer der zentrale: Bewirtschaftung der in Ziffer 1 genannten GetreideartS ist jede Ausfuhr einer dieser Arten verboten.

St#H WMZ.

Jugendwohlfahrt und Reichswehr.

5 8. Sitzung vom 27. Januar.

Das Haus ist s-hr schivach besetzt. Der Gesetzentwurf über die Abgabe von Versicherungen an Eidesstatt zur tstelteudmachung von Rechten und Interessen im Auslandi wird in allen drei Lesungen erledigt.

An den Rechtsausschuß geht ohne Aussprache der Jesetzentwurf zur Entlastung der Gerichte.

Es folgt die Besprechung der Interpellation über dar Reich singendwohlfa^rtSgesetz.

Abg. Frau Müller- Otftied (Dentschnatl.) begrün­det die Interpellation, die von den weiblichen Abgeord­neten aller Parteien eingebracht ist. Sie erkennt an, Daf die staatliche Fürsorge in Erscheinung getreten ist. Der staatlichen Fürsorge fehle jedoch das seelische Moment. Wir müssen mit dem Zusammenschluß Ernst machen. Dii privaten Bestrebungen dürfen jedoch nicht ausgefchaltei werden. Die Angelegenheit sollte auch bte Männer in höchstem Maße interessieren. Die Rebnerin verlaust schleunige Vorlegung eines Rahmengesetzes durch daS Reich, das bestimtnte Mindestforderungen enthält und der Tt-lbstverwaltung Raum läßt.

Reichsminister des Innern K 0 ch teilt mit, daß föB Ministerium bereits int Februar vorigen Jahres der, Entwurf über das Reichstvohlfabrisgesetz dem Reichsrat nabe ztigeben lassen, daß aber die Beratungen im ReichSral sich infolge des Kapv-PutscheS und der daraus entstände- treu politischen Verhältnisse leider verzögert haben. Auch hie Kostendeckung habe Schwierigkeiten ergeben. Nachdem >er Reichssinanzminister sich zum Entgegenkommen bereit gezeigt habe, werde er dafür sorgen, daß die Beratungen im Reichsrat f-bleun-gst wieder ausgenommen werben und daß dem Reichstag in spätestens vier Wochen der Gesetz- -ntwiirs vorgelegt werden könne.

Abg. Fran Dr. Baum (Dem.): bedauert, daß schon die Jugend unter den Steuersorgen leiden muß. Tie Ju­gend bat nach der Verfassung ein Recht auf Schutz, dessen Durchführung an (Selbfragen nicht scheitern bars.

Abg. Frgu Schröder (Soz.): Schleunigste Borlag- hes Gesetzes ist brntgenb notwendig.

Abg. Frau Dr. Matz (D.Vpt.) betont gleichfalls diese Notwendigkeit. Die Verantwortung für das Schick­sal der Jugend trage in erster Linie das Reich. Für diese große Kulturaufgabe muß das erforderliche Geld vor­handen fein.

Staatssekretär Schulz vom Reichsmimstrtium des Innern betont, daß sich in den Anschauungen der zur Mitarbeit herangezogenen SachverstSndigen, obwohl diese her. verschiedensten Parteien und Richtungen angehören erhebliche Gegensätze nicht ergeben haben.

Abg. Löwenstein (U.S.): Wir haben keift Ver­trauen zu der rein gesetzlichen Regelung bet Jugendtoohl- 'ahrt. Autorität, Gehorsam und Ptlichten sind die drei Hauvtpfeiler ihrer Kultur. Diese Pfeiler sind zur Zeit 0 erschüttert, daß sie keinen Halt mehr geben. Wir setzen an ihre Stelle die Solidarität der Gemeinschaft und da? Solidaritätsgefühl, dir die bestehende Zersetzung über­dauern werden.

Abg. Frau Zetkin (Komm.): Eigentumsrecht am $inbe hätten bie Eltern nicht. Der Staat habe bie Pklicht unb bas Recht, an her Erziehung mitzuwirken.

Abg. Frau Neuhaus (Ztr.) hält e5 für höchste Zeit, baß bie Regierung eingreift, ba bte Not der Jugent alle Grenzen Übersteige. Die katholischen Vereine bür fee. jn ihrer Tätigkeit von der Regierung nicht behindert werden.

Es folgt die dritte Beratung des Gesetzentwurfes über den Erlaß von Verordnungen für die Zwecke der

UebergangSwirtschaft.

Hierzu liegen ein deutfchnationaker Antrag «nb ein solcher der Mehrheitsparteten vor. Der Antrag der Deutsch- nationalen will in Paragraph 1 in bau Passus, daß es für Beschlüsse auf Einführung oder Aushebung von Bewirtschaftungen bn Zustimmung des Ausschusses bedarf, die Worteoder Aushebung streichen.

Abg. Warmuth (Dentschnatl.) degrünbet diese» Antrag.

Nach kurzer Aussprache totib der deutschnationale An­trag abgelehntunddie Ausschußsassung angenommen Da daS Gesetz dne Verfassungsänderung darstellt^ wird bte Schlußabstimmuug noch vertagt.

ES folgt bet

Haushalt de» ReichrwehrmknisterlnmU.

Der Berichterstatter Abg. Stückle» (Soz.) teilt mit, baß im Ausschuß besonders die Zahl der im Ministg- rium beschäftigten Offizier« als zu hoch bemängeÜ worden sei. Die Beschwerden über Bevorzugung bei Abels im Ossizierkorps seien als unbegründet i»* rüefnetoiefen worben. Der Ausschuß habe gestrichen; 2 Generäle, 8 Generalmajore, 13 Lberste», 5OberKteud»,

[ntettusft.