Amtliches Verkünd igungsblatt des Kreises Mürburg.
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Hm Deutschlands Entwaffnung
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des früheren NeichLkauzl-rS, dessen
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Oborschlrsier!
’■ e u t f) c n, 31. Dez. Gestern nachmittag
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Grnnöxiigc bet neuen Organisation mit den Vertretern
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teilt! Wir alle bleiben zusammen, bberschkeficno bleiben ein einzig Volk!"
x Neu« Ueberfälle.
Marburg
Montag, 3. Januar
(Hartung.)
Eine preußische Denkschrift über die Sicherheitspolizei.
Berlin, 31. Tcz. Wie die „B.Z." erfährt, fiat der preußisch? Ministck deS Innern S e v e r i n g dem Reichs- uninisterium des Auswärtigen <*ine Denkschrift über die Sicherheitspolizei übergeben, in der bis in die kleinsten Einzelheiten der Nachweis geführt wird, daß die gegenwärtige Organisation der Sicherheitspolizei durchaus den Dittaten von Versailles, Boulogne und Spaa ent- P r i ch t. Es wird darauf hingewiescn, daß alle Maßnah- nien zur Neuorganisation des /»olizeiwesens, wie es fetzt durchgeführt wurde, im engsten Ei nvernehmen mit Offizieren der Verbündeten vorgenommen wurden. Das Ministerium des Innern habe, als in den Sep»einbert«gen
Polen. •
Pils .dski nach Frankreich eingeladen.
»ö. Warschau. 31. Dez. Der Präsident und die Mietung der französischen Republik haben den ‘Utat- !all Pilsudski eingeladen, in der ersten Hälfte 19 Januar nach Paris zu kommen, um u. a. durch rckr« Vestirechungen den Abschiuß des politischen und ntichaftliche» Vertrages zwischen Polen und Fraulich i& erleichtern.
| and seitdem war der Kraule ohne Bewußtsein. Her zweiten Morgenjtunde des Sountig i£t er Ickicden. "T*.
träges wurt m den Botschaftern überreicht. Es ist Wahrscheinlich, daß die französische Regierung den Kabinetten von London und Rom vorschlagen wird, sich damit einverstanden zu erklären, diese dringende , Frage auf einer diese wichtige Angelegenheit be- . handelnden Konferenz zu regeln.
Betonung des französisch-englischen Einverständnisses.
wb. Paris, 2. Jan. Ein Vertreter des „Petit Parisien" hatte mit bem Minisi-rprändencen Lebst >; e s eine Unterredung über die äußere Lage Frank- reiihs zu Beginar des neuen Jahres. Leygues gab seiner vollen Befriedigung über diese Lage Ausdruck.^ Frankreich bcsindr sich im Einverständnis mit England. Das habe sich defonoer? bei den letzten Zu» fmnmeuknnften gezeigt. Ein schwieriges Problem neben alkcj. anderen sii angenbllckltch durch die Fruge der Entwaffnung Deutschlands gestellt. Er könne sagen, daß alles normal verlaufe. Die französische Regie- rima habe Deutschland alle Verstöße gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages mügcteilt. Marschall Fach?. Bericht sei von der interalliierten Militär- nnmission in Versailles gebilligt worden. Es werde jedenfalls demnächst eine Besprechung zwischen den verbündeten Ministerpräsidenten über die Haltung st alt finden, die man gemeinsam einzunchmen gedenke. Bei dieser Zusammenkunft würden aber noch andere Probleme, besonders die Orientseagr behandelt werden. Das wesentliche Bestreben Frankreichs sei. mit Großbritannien in vollkommenem Einverständnis zu bleiben. Frankreichs Feinde hätten -zuviel' Jnleirsst daran,He beiden Länder zu trennen, als daß mau sich nicht bemühen sollte, drs Eiuver- inhmeu io eng wie möglich, zu erhalten. Frankreich brauche im übrigen keine besondere Mühe hierzu üuf- ruwenden.
Zum ersten Male seit 1914 sanden gestern im Elysee die üblichen Neujahrsempfänge statt. Bei dem Empfang dcs diplomatischen Korps hielt' der itali-rische Botschafter Graf Bonin-Longnre als Dopen eine Ansprache an den Präsidenten MtkleranL Dieser sagte in feiner Erwiderung u. a., die wesentliche Vorbedingung für die endgültige Sicherung des Friedens fei die loyale Annahme und vollkommene rluc-sührnug der diplomatischen Abmachungen, die die Neuordnung geschaffen Härten suib die noch für viele I a h re die politische und wirtschaftlich: Charta dir Ael- bilden ntützren.
SLSlischcs Erstaunen iifirr die Haltung der KontroNkomMisfi»«. '
wb. Paris, 2. Jan. In einem Havas-Tele- g- amm aus London wird festgestellt, daß der fran- 'ösisch? Botschafter gestern der englischen Rrgierung den Text der letzten Note über die Entwaffnung mitgeteilt habe. D«e englische.Regierung erwarte nunmehr noch d.en Bericht des Marschalls Foch. Die Angelegenheit werde jedenfalls zu Beginn dieser Woche vom Ministerrat erneut geprüft werden. In englischen diplomatischen Kreisen sei man einitzer- maften erstaunt darüber, daß d»e Angelegenheit so schnell aufgerollt worden sei, und daß die Kontrollkommission in Deutschland bis zum 23. De- rember gewartet habe, um von der verwickelten Lage Kenntnis-zu geben. Auf englischer Seite beabsichtige man sogar, zu verlangen, daß die Kontrollkommission unter die Kontrolle des Votschafterrats gestellt werde, damit man künftig Hinweste und Aistklärungen lange vor dem Verfallstag erhalte, statt, wie bis jetzt geschehe, sich gewisiermaßen erst am Vorabend der Ereignisse.benachrichtigt zu sehen. Man vertrete die Meinung, die Engländer Zeit haben müßten, die gegen- ■ wärtig schwebende Frage zu studieren und über sie» nachzudenken, damit nichts überstürzt »erde. Man glaube deshalb daß die Zusammenkunft der Ministerpräsidenten von England, Frankreich, Italien und Belgien^ sowie des japanischen Botschafters in Paris nicht vor Ende der kommenden Woche stattfinden könne. Die Angelegenheit fei zu ernst, um von der Botschafterkonferenz beraten zu werden; sie müsse dem OberstenRat überwiesen werden
Wchii- Politik an Deutschlands Zusammenbruch ein »hes Maß von Schuld trägt, kommt überraschend. Dar- Unglück des Landes hat aus Herrn v.'Bethmanu Mvll'veg umso schwerer gelastet und vermutlich auch aus tene Gesundheit emgewirkt, als er und fein Werl Wehr als irgend.ein anderer..mivdiesem Unglück ucsach- ^Wh-r.rlnter ist. Der Verstorbene hat ein Alter von M Jahren erreicht.
eine Bande von 12 bis 15 Mann das Haus des Berg- «itesten Wsitacha in Radzionkau in der Absicht, das Sous auzuplündern. Hierbei wurde Woitacha er- fchla.qcn-und der Sekretär derart verprügelt, daß er uacb einigen Stunden starb. Die Tochter des Berg- ältesten wurde crschoffen und der Wächter aufs schwerste Mißhandelt. Ter Frau des Sekretärs gelang es zu -Ctlfonimcn.
Am Mittwoch überfielen etwa 40 bis 50 Banditen, ■fern Teil mit Pistolen bewaffnet, das Gut Popczowih im Kreise Pkeß, umzingelten den Eutshof, drangen in oie Wohnung des Gutsbesitzers und in die Mirtschafts- Äume ein und raubten sie aus. Außerdem stahlen die Räuber 7 Pferde, 1 Omnibus, 1 Arbeitswagen, 1 Sand- fchneider und einen gedeckten Wagen. Der Besitzer des Cuisfiofes sowie das ganze Wirtschastsperfonal wurde ■en den Banditen fortgesetzt mit dem Tode des Er- Wießens bedroht. Nach Zerstörung der Telephonleitung *8 die Bande mit ihrem Raube ab.
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f Oberschlesien.
.Kormclle Berwahung gegen die Teilung der Ab- 4p, stimmung.
; ’ wb. Berlin, 31. Dez. Die deutsche Friedens- belcgation in Paris legte gestern gegen den Be- fchluf; des Botschafterrates vom 27.12. bezüglich der Abstimmung in Oberschlesien Verwahrung ein. Mne eingehende Beantwortung der Note des Bot- Masterrates wird nach einer baldigst stattfindenden Sitzung des Reichskabinetts erfolgen.
M Ausruf an die Oberschlcsio^.
wb. Kattowitz, 31. Dez. In den Neujahrsaus- Wtben der deutschen Zeitungen Oberschlefiens wird ein Ausruf des deutschen Abstimmungskommisiars Dr. Lrbanek verösfentlicht, worin es u. a. heißt: „Das vnischeidungsahr ist angebrochen! Das oberschlesische Voll rüstet sich, aus den. Scherben der nationalen Ver- »Lstuna, aus den Trümmern der Verleumdung und des ’ Kaste-, ein neues Haus zu bauen. Polen und Deutsche ; werden in diesem Hause Raum haben. Die Verfasiung » »erden wir uns nach eigenem Willen gestalten. Die | Warschauer Herren suchen jetzt Auffrischung ihres ver fufielten Glanzes. Ihre Begehrlichkeiten und Regie
rungskunstc künden sich an in Gewalttätigkeiten. Mor den. Bomkenanschlägen und Aufständen. Luser Rcujahrswunsch soll heißen: Ans
Amerika.
wb. Paris, 2. Jan. Nach einer Meldung des /„Motin" aus London liegt dort die Nachricht vor. daß nach einer Ankündigung des Senators K n o x in der Sondertagung, die der Eröffnung des Kongresse- folgt, ein Amrag eingebracht wurde, der dem Kriegs» ustand mit Deutschland ein Ende bereite und die»Grund- läge für eine Gemeinschaft der Völker biete.
wb. Rom. 2.Jan. Ter König empfing den amerikanischen Senator Mac C o r m i ck. Mc. Cormick ist dann nach Paris abgereist,
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Tageszeitung für (das früher kurhessische) OSerhessen
der Verbündeten durchgei'prochen wurden, die Offiziere ausdrücklich gebeten, jeden Fall der Verletzung der gelte freiten Serein&ornngen dem Ministerium zur Kenntnis $u bringen. Bis jetzt sei kein einziger Fall mit» geteilt worden. Der Inhalt der Denkschrift soll der Ententekommission zur Kenntnis gebracht und diese soll ersucht werdet», ihre Beanstandungen der Regierung mitzu- teilen, da die Note nur allgemein gehalten ist, ohne An- '"brnng von Tatsachen.
Eine neue Konferenz derWeflmächte
wb. Pn r i s, 31. Dez. Ministerpräsident L e y ° g u.e s unterhielt sich gestern mit den Botschaftern Englands und Italiens über die Entwaffnung Deutschlands. Die verbündeten Regierungen besitzen jetzt alle Unterlagen für die Behandlung der Streitfrage. Die Berichte des Marschalls Foch über den gegenwärtigen Stand der Ausführung der Militär-, Schiffs- und Lustfchiffsklnvseln des Ver-
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I Sttlmonn Sototg t.
| f wb. Hohenfinow, 2. Zan. Der frühere I Meichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg ist « der vergangenen Nacht nach kurzer Krankheit Merfchieben. Die Beisetzung findet am Mittwoch nachmittag 3 Uhr in Hohenfinow statt.
Herr v. Bethmanu Hollweg war «ö in die letzten Toae geistig und körperlich frisch und rüstig gewesen. Um »ergangenen Mitilvoch zeigten sich die ersten Spuren der Erkrankung. Narb der Rückkehr vor einem EP ziergaug wurde er in feinem Schlafzimmrr ohn- ^«ächitg ausgefuadeu. Der Arzt stellte eine Ripveit- Ml- und Lunger,eutzünduitg fest, Am Donnerstag ►ar zerr v. Bethmauu Holltveg geistig noch srtsch und verbrachte einige Zeit int lebhaften besprach mit 'inent Mrsucher. 9km nächsten Morgen stellte der aus Berlin heruseuc Professor Dr. Lazarus fest ,datz es sich um röte schwere doppelseitige Erkrankung haud-lte. Die Kranthoit machte schnelle Fortschritts Am Ab:uh zeigleit sKh leichte Bewußtseinsstörungeu. Die Nacht verbrachte der Kranke ziemlich rttvig. Ant Sonn- vbiu>> Morgen trat ein schwerer Schwäch uptfall ein,
Zwei eeae Mei.
Zusammenfassende Note über angebliche deutsch« Berstiiße.
wb. Berlin, 31. Dez. Wie dec deuis.he Bot- schastec in Paris mitteilt, .ging ihm eine Note der fcanzösischrn Negi-rnng zu, in dec behauvtet wird, d»ß Deulschltmd in einer Reihe wesentlicher Punkte gegen bfe in Spaa üßeruontmeiten Berpssichmngen verstieß. Die Role schließt: „Tie französische Regierung nimmt, soweit sie-beteiligt ist, 'chon jetzt Art von diesen Verstößen, die Deutschland gegen die feierlich übernommenen Verpflichtungen begangen hat. Die verl-ütibeteu Regierungen werden über die Verstöße zu befinden haben."
Noch dem Protokoll von Spaa sollten die Kontrollkommissionen berichten, ob die deutschen Regiect'ngen die übernommenen- Verpftichtungen loyal erfülle. Deutschland bemühte sich nach besten Kräften und in voller Loyalität, dett Anfotcherungen des Protokolls gerecht zu werden. In den Ländern der Verbündeten wurde der Erfolg dieser Bemühungen von oen Staatsmännern wie im Parlament und in der Presse a n - erfnnut. In der vorliegenden Note aber sollte osfetck.ar, um ben im Pwtokoll von Spaa festgesetzten Termin vom 1. Januar zu wahren, alles zu- samm enges atzt werden, was nach Ansicht der Kotitrollkommission überhaupt als Mangel ober Verfehlung in Betracht kommen konnte.
Eine Note über die ^Kriegsverbrecher".
Der dculscheit Friedeitsdelcgatiou in Paris ist eine Note von dem sraarzösischen Mitüstcr für" auswar^ge Nngeligenhetten zugegaugen, dir jtch mit der Frage des Rechtshilfrersuchetis des Oberreichsanwalts 'n bf llntersuchungett gegen die Kriegsbeschuldiglen befaßt. Solche Ersuchen sind schott seit März in großer Zahl von der Flieden^dclegation gestellt worde-i. Die Note unterschL'det brft Sorten von Fälle«. Der diplo- n:a tische 2Stg soll dann ctugeschkaß-'n werden, w^nn es sich um Besthuldigte haardelt, die weder aus der Liste der 45 Fälle vsm 7. 5. 20, noch auf der großen Ansltesent'rgsliste vom 3.2. sichen, gegen die aber der Oberreichsattwalk auf Grund n'-deren M-ittrials das- Verfahren, eingeleitet hat. Der in Spa, vereinbarte unmitt'elbare Schriftverkehr zwi- stben dem OkerreichsmiwaU ttnb dem srrntösisibru Justizministerium soll dem Wortlaut der Vereinbarung entsprechet^» auf dir Fälle her am 7. 5. über- rächten Liste beschränkt bleiben. In Sachen der '.'huldigten, die zwar nicht auf der Liste der 45, woh: aber auf der großen Auslieferung?liste sieben, wird keine Rechtshilfe geleistet. Die sraitzosische Regierung erklärt, sich den in dem S-'-aiaNik'! deS Friedeitsvertrages vorgefthenen Anspruch aus die Auslieferung dieser Perso t en und ihrer A biirt ei lung d.u r ch französische Gericht e wahren zn wolle n. Sie glaubt di.-sem Anspruch etwas zu vergeben, .wenn sie dem Oberrcichsauaoalt Är das deutsche Untersuchuiigsversahretl Ausksttnstc beschaffen ließe.
$05 Mes-Ikamchentr.
Mit einem wahren Trommelfeuer lon Noten haben um die Jahreswende die verbündeten „Sieger" die deutsche Republik und ihre Regierung überschüttet, in der Hauptsache wegen angeblicher Vorstöße gegen die Diktate von Versailles, Spaa und Boulogne: die Einwohnerwehren in Bayern und Ostpreußen, die letzten, durch besondere Umstände und Gefahren bedingten Reste von Selbst- schutzorganisationen sollen beseitigt, die, nicht mehr bestehende und nach eingehenden Erörterungen mit der Kontrollkommission in Berlin bereits in die „Schutzpolizei" umgewandelte, „Sicherheitspolizei" soll „sofort völlig aufgelöst" werden, das durch Artikel 167 und 180 des Versailler Friedensvertrages Deutschland in dem damals bestehenden Zustande zugestandene „Befestigungssystem an den Süd- und Ostgrenzen Deutschlands" soll vernichtet oder gänzlich wertlos gemacht und damit der Weg «ach Berlin für polnische und tschechische Heere frei gemacht werden; denn nichts anderes bedeutet es, wenn für die Festungen Königsberg, Pillau' unß Swinew.ünde nur eine lächerlich geringe Anzahl^von Geschützen zugestanden und für die Festungen Lötzen, Küstrin, Elogau, Neisse, Elatz, Königstein, Ingolstadt, Ulm überhaupt keine bewilligt werden. Dazu noch eine zusammenfassende Note über die „deutschen Verstöße gegen die Friedensbedinguttgen" und eine über die Aufrechterhaltung der ForderiMg auf Auslieferung und Aburteilung der „Kriegsverbrecher". Vielleicht ist inzwischen eine weitere Note da.
Hinter allen diesen Noten steht Frankreich als treibende Kraft. Haß und Angst vor Wieder- orstarkmtg Deutschlands sind auch weiter die Triebfeder. obwohl von französischer militärischer und ministerieller Seite und in der englischen Presse sestgestellt wird, daß Deutschland nicht mehr in der Lage ist, auch nur gegen Frankreich allein irgend etwas unternehmen zu können. Aber für Polen und Tschechen wäre es noch immer ein be- »achtenswerter Gegner. Also muß es weiter entwaffnet werden, als der Friedensvertrag vorsieht. Das geht sehr einfach: man diktiert, wogegen den Deutschen nichts als wirkungslose Proteste übrig bleibt/
Alles wird ja nun von der Haltung Englands abhängen (Italien'kommt nicht sehr in Betracht). Wenn es sein Peto einlegt, würde Frankreich neue Zwangsmaßnahmen, etwa die Besetzung des Ruhrzcbietes, nicht ergreifen können. Die Meldungen hierüber sind unbestimmt und widersprechend. Der Londoner Berichterstatter des „Echo de Paris" meldet, daß Marschall W i l s o n und der englische Botschafter in Berlin, Lord d'Abetitelt, den Beratungen des englischen Kabinetts beiwohnten. Die Folgen der Haltung Deutschlands seien in diesem Ministerrat „mit größter Kaltblütigkeit und unbeugsamer Entschlosienheit" ins Auge gefaßt worden. Eine hervorragende englische Persönllch- keit habe ihm vor einiger Zeit erklärt, die Verbündeten würden aufs neue gegen Deutschland Krieg rühren, falls es seine Verpflichtungen nicht er- 'iillei/ sollte. Auf die Frage des Berichterstatters, was-man unter solchem „Kisteg" zu verstehen habe, babe der Engländer geantwortet, Frankreich werde die Besetzung von deutschem Gebiet durchführen, und Englgud werde die deutschen Häfe^ filtrierens im Notfall sogar beschießen. England sei auch jetzt bereit, sich ganz auf den von Frankreich vertretenen Standpunkt zu stellen. Der „Evening Standard" will" von einer hohen Persönlichkeit erfahren haben,-ryenn Deutschland sich nicht sofort zu einer entschlosießon Tat auf- -affe, werde Frankreich die nötigen Vollmachten erhalten, um zu handeln. Das würde einen sofortigen Vormarsch des französischen Heeres und eine neue Besetzung bedeuten. Der Berichterstatter des „Journal" bezweifelt aber, daß das richtig fei; fikch feinen Erkundigungen fei man in England nicht für eine derartige Geste, man wolle Deutschland wohl eine- Warnung zukommen lassen, aber ihm doch eine gewiße Frist gewähren. Auch im „Watin“ heißt cs, man werde Deutschland zweifelsohne eine letzte Frist für die Auflösung der Einwohnerwehren bewilligen. Eine Stimme der Ver- e nunft, freilich eine vereinzelte, stellt folgende Auslastung des „Petit Journals^ dar: Wenn die Sachverständigen zu der Ileberzeugung kämen, daß, Deutschland im Innern nicht genügend geschützt sei,, dann wüste man ihm eben stärkere Polizei bewilligen. Man dürfe die Lage überhaupt nicht pessimistisch beurteilen, denn tatsächlich set-Deutsch- land schon jetzt in höherem Grade entwaffnet, als es jemals fett dem dreißigjährigen Krieg gewesen sei; dieses ungeheure Reich habe jetzt weniger Soldaten und Geschütze eis Griechenland und Portugal —
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