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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen

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Rk. 303

Di« , Oberhessiscde Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Dezugspreis mewetli* 4 25 Mk durch die Post 4.65 Mk. Ausgabe B mitOberh. Spori-Zt,." 1 Mk. mehr, fiüt ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz.- Verlaa von Dr. C. Hitzeroth. Druck der Univ.-«u»driickerei von Iah. »,g. Kach. Markt 21 23. Fernsnrech« 55.

Marburg

Mittwoch, 29. Dezbr. (Znlmond.)

Der Anzeigenpreis beträgt für di« 8aesp. Zeile 75 Pffl. und 10 % Aufschlag, amtlich« und auswärtig« 1. Mk., Reklamezelle 3.00 Mk. Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Vermittlung der Angebote 75 Pfg. Sou» dergebühr. Bei Beträgen unter 20 Mk. müssen wir das Bort» für di« R«chnung berechnen. Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main.

55.m

1920 ,

M Sage oor Fim.

ff Ivb. 9te m, 28. Dez. Giolittt kündigt' die Ein» Nähme von Fiume für morgen an. Im Laufe des gestrigen Tages wurde das Feuer bei Fiume auf beiden Seiten ohne Ergebnis fortgesetzt. Bei Zante wurde )ge{lent abermals ein Flugzeug ans Fiume erbeutet. Bis jetzt sind den regulären Trupven vier Flug- Heuge aus diese Weise in die Hände gefallen.

i. Die Zeitungen erfahren, daß Ministerpräsident Molitti die Vertreter verschiedener Kaniincrgruppen empfangen Hal«, die Auskünfte über die Ereignisse Ior Fiume erboten hätten. Giolitti habe die über­triebenen Gerüchte von Toten und Verwundeten Lügen ^efiraft, mit dem Hinznfügen, er habe befohlen, Blut- vergiißkn möglichst' zu vcruteiden. Er bestritt auch, daß die Artillerie auf Privaihäuser zeschofsen habe tenb legte bar, man müsse das Vorgehen gegen Fiume tzeschkeNl'.igen, um einem Einschreiten vom Aus- ftfttb her znvorznkommen. Die Abgeordneten erklär­ten nach dieser Unterredung, sie hielten das Vorgehen der Regierung für gerechtfertigt.

j Nach einer Slesani-Meldung haben die Tnipven jvor Fiume bisher etwa 30 Tote und 100 Verwundete. -Die Legionäre sprengten vier Brücken auf der Seite 'von Necina.

! Nach Zeitungsmeldungen fiel eine Kompagnie .Alpenjäger, als eine Gruppe Fiunrcr Legionäre angeb­lich sich ihr ergeben wollte, in einen Hin rech alt und 'hfuvbf gefangen genommen. Mehrere Alpenjäger tour» 'den verletzt.

| Der TorvedobootSzerstorerEmpore'? würd'»in Brand gesetzt. Versuche der Fiumer Bevölkerung zu revoltiercu, wurden sehr streng unterdrückt.

! irr. Nom, 28. Dez. Heute vormittag sind aec Letter der nationalen Verteidigung von Fiume Venturi Uni> »sr M»kgcr.«ist«r vE Fiume iu Wbazia mit dein General Ferrari» znsammcngetroffcn. Da die jbeiben Delk zierten der Regentschaft die V-rbandinngen eröffnen wollten, ohne sich über ihre Slellnnp zum Vertrage von Rapallo .zu erklären, brachte General Fcrrario in unzweifelhafter Weise zum Ausdruck, dost »ottständige und rückhaltlose Anerkennung des Eertroges die unerläßliche Vorbedingung jeder Uuter- handlungen sei. Die Delegierten erbaten die Au- berauinung eines neuen Zusammentreffens am Nach­mittag um die Möglichkeit zu Beratungen -n Fiume zu haben. Die Unterbrechung der Bcsprechungecn toiiibe bewilligt.

wb. Triest, 28. Dez. (Stefani.) In der Nacht vo:u. 27. lebhaftes Gelvehr- und Maschinengewebr- sfeuer zwisckfrn den italienischen Truppen und den Legionären von Fiume, aber ohne ernste Folgen Gestern hat General Caviglia durch Flieger Aufrufe fiter Fiume abtoerfcn lassen, die zur Einstellung des

Iie Wehrlssmachmig i)tr Kutschen ßestuugeu.

itullit BewMm an die MWr- Sonitteai.

wb. Berli28. Dez. Die Neichsregi.'.-nuz ließ au die Bctschafccrkonferenz folgend^ Note richten:

Die Botschasterkonferenz teilte durch Note vom 17.11. der deutschen Regierung mit. daß nach.ibrer Auffassung die Entscheidung der interalliierten militärischen Kon­trollkommission in der Frage der Ausstattung der deut- sfhen Festungen mit Artillerie dem Buchstaben wie dem Geiste der Artikel 167 und 180 des Vertrages von Versailles entspreche, und daß sie diese Entscheidung »nur bestätigen könne. Die deutsche Regierung vermag nicht anzuerkennen, daß diese Entschließung mit den Bestimmungen des FriedenSoertraaes im Einklang steht.

Nach dem Vertrage soll Deutschland das System der befestigten Werke an feiner Süd- und Ostgrenze in dem Zustand vom 10. Januar 10'30 und mit den Geschützen, die am 10. Januar die Bestückung bildeten, behalten dürfen. Nach der Entscheiduntz der Kontrollkommission sollen aber von den 14 Festungen an drr Südgrenze und Ostgrenze Deutschlands elf ihrer Geschütze beraubt und damit tatsächlich aus der Reihe der Festunaen gestrichen werden. Von den übrigen drei festen Plätzen wird nur die für Swinemünde beantragte Zahl Geschütze rvaelassen. Für Pillan werden statt 75 nut 35 Kanonen bewilligt. Königsberg soll nur etwa 20 schwere Geschütze > behalten. Königsberg ist die g r ö ß t e n n b wichtigste von allen Festungen. Es liegt aus der Hand, daß sie mit einer so geringen Geschützansrüstung wehrlos fein würde.

Zn diesem befremdlichen Ergebnis gelangt die Kom­mission auf Grund der Auslegung des Vertrage-?, tue im Widerspruch mit ben seit langen Jahren allgemein an­erkannten Regeln der B-festigunoslehre nur ständige Werke als Teile eines Besestigunassvstems gelten läßt und eine Bestückung ^nur für ständig ausgebaute G'schütz- stelluimen in solchen Werken gestattet. Tatsächlich war man bereits lange vor dem Kriege überall von der Aufst-tluna von Geschützen in ständigen Werken oder im unmittelbaren Anschluß aiz, solche abgeckommen und dazu übergegangen, Batterien in vorberesteten oder bc- iehlsmäßig anszubauenden Strllunen im Gelände auftu- stellen. Tie Entscheidung verstößt aber auch gegen den Geist des Vertrages; denn von dem Sustem der Be- sestiaunaswerke, das Deutschland doch zu seinem Schutze gegen einen bewaffneten Einfall bebalten sollte, bi-ibt danach an der Südgrenze nicht- übrig, an der Ost- zrenze nur ein gänzlich unzureichender Rest.

Trotz eindrinalicher Vorstellunaen bat sich die Bot- fchast-rkoufebenz der Eiüscheidune der Kontrollb,mmi<s«n aufleschlossen. und die Kommission verlangt die Auslie-e- ruirg der hiernach für überzäbliG gelt-nden Geich ätze Ter deutschen Regierung steht kein Weg mehren Gebote, ihr Recht zur Geltung zu bringen.

Sie muß sich der Entscheidung der Alliierten beugen, legt ober gegen die Verletzung des Vertrages nachdrück­lich Verwahrung ein.

Seitdem der Beschluß der Botschasterkonferenz gefasst wurde, hat sich jedoch die Lage an der deutschen Ostgrenze wesentlich verändert. Die immer bedrohlicher lauten­den Nachrichten über Rüstungen der Sowjetrepublik und die Zusammenziehung russischer Truppen gegenüber der deutschen Ostgrenze zwingen dazu, die Gefahr eine* Wiederaufflammens des russisch-polnischen Kriege- und einer Bedrohung der deutschen Grenzge­biete nicht außer Acht zu lassen. Wenn in diesem Augenblicke die dort liegenden festen Plätze sämtlich aller Berteidigungsmittel beraubt würden, s ch w S n d e die letzte Möglichkeit, dem einbringenden Gegner Widerstand zu leisten. Die deutsche Regierung bittet daher die alliierten Regierungen, nicht darauf zn bestehen, daß Königsberg, Küstrin und die Feste Boyen, die als vorgeschobene Posten dem ersten Ansturm des Gegners standzuhalten haben würden, sofort entwaffnet werden. Sie bittet, ihr dafür bis zur Klärung der Verhältnisse im Osten Auf­schub zu gewähren. In Königsberg handelt es sich im ganzen um 390 Geschütze, darunter 298 schwere, in Küstrin um 168, darunter 100 schwere, in Boven um etwa 20 Feldgeschütze. Ein Vergleich mit ähnlich wick- ti#en Festungen anderer Länder wird bestätigen, daß diese Bestückung außerordentlich gering ist. Sie stellt das Mindestmaß dessen dar, was erforderlich ist. um an eine Verteidigung überhaupt denken zu können. Es dar! darauf hiiigewieien werden, daß die deutschen Truppen seinerzeit in Kowno 857 Geschütze, in Warschau rund 1100 und in Mau beuge 412 l?-eschütze vorfanden. Die Befehle zur Ablieferung und Zerstörung aller übrigen Geschütze, soweit sie von der Kontrollkommission nicht ge­nehmigt sind, ergingen am 15. Dezember und 20. Dezem­ber, Eine Abschrift der Note wird dem Vorsitzenden der interalliierten Militärkommission mitgeletlk. _

Eine Note über die Umbildung der Polizei.

wb. Berlin, 28. Dez. Die interalliierte mili­tärische Kontrollkommission richtete unter dem 23. Dez. eint Note an das Auswärtige Amt, in der sie sich mit der Art, wie die Reorganisation der Polizei ausge­führt wurde, nicht befriedigt erklärt. Da die Re­organisation nach einem Plane erfolgt ist, der bis ins Einzelne im Einvernehmen mit der Kontroll­kommission ausgestellt wurde, noch angenommen «er­den, daß Mißverständnisse vorliegen. Das Auswärtige Amt ist damit beschäftigt, diese Mißver­ständnisse auszuklären.

trollen durch diesen ungewöhnlichen Schritt die ver- bürdeten Mächte darauf aufmerliant machen, welche Gefahr nicht nur Oesterreich, sondern auch bei dessen Zusammenbruch die übrigen Staaten bedrohe und' hoffen von der Einsicht der Vertreter der Westmächte rascheste Abhilfe. , ty

Sie stanziMe

In der Pause, die in den Brüsseler Verhandlungen eingetreten ist, hat - eS die französisch« Kammer für nötig gehalten, ein Speltakelstück gegen Deutschland, anfznfüßren. Das Bedenklichste daran istf nicht ein­mal die Hetzrede des ehemaligen KciegsministerS Lefevre, dem jeder Tag verloren zu fein scheint, an dem Frankreich nicht brutale Gewalt gegen Deutsch­land übt. Bedenklicher ist, daß die französische Re­gierung, deren Aeußerungen ernst genommen werden müssen, wenn auch in etwas milderer Tonart itt das­selbe Horn gestoßen hat. Das Kabinett deS frarv- zdftscheu Ministerpräsidenten LeygueS hat eS für nötig gehalten, der Brandrede des Herrn Lefövre« anstatt sie Mit Wasser zu behandeln, sogar noch Zünd-, ftofr zu reichen. Der französische MinisterprSs'd'nt hat erklärt, daß Frankreich selbstverständlich stark genug fein müsse, um die Durchführung des Friedens« Vertrages mit Gewalt zu erzwingen, und bet gegenwärtige französische Kriegsminister Raiberik hat der Kammer zum Beweise seiner Gesinnungstüch­tigkeit eine Anweisung an Marschall Foch und den Genera. Rollet vcrgelesen, die den französischen Militärs Zwangsmaßnahmen zur strikten Durchführung des Fricbensvertragrs zur Pflicht matljf. Das französische Parlament und die französische Re­gierung haben alfo drohend die Faust gegen unS ge­schüttelt und mt5 daran erinnert, daß Frankreich immer noch sprungbereit auf der Lauer liegt.

Warum T)a§ olles? Irgend ein Grund ist gerade jetzt nicht vorhanden. Tenn selbst der französische Ministerpräsident hat zugegeben, daß Dnttschland den Vertrag erfülle. Der ganz« Spektakel kann also nur daraus znrückgehen, daß bie französische öffentliche Meinung toietcr einmal beunruhigt ist unb zu ihrer Stärkung bas Raffeln mit dem französischen Säbel nötig hat. Der Grunb' ihrer Unruhe sind bk Ver­handlungen in Brüssel, in beten Verlauf die deutschen Delegierten die Unmöglichkeit des Versailler Ver­trages bargelegt und seine Revision gefordert haben, ehe überhaupt von wirtschaftlichen Leistungea Deutsch­lands bie Rede fein könne. Daraufhin hat man in Brüssel auf der Gegenseite nicht mkt der Faust auf den Tisch geschlagen, sondern sich gemäßigt, weil selbst die französischen Wirtschaftspolittker vernünftig genug sind, um baS Törichte von Drohreden und Zwangs­maßnahmen im ersten Stadimn der Verhandlungen

briidermörderischen Kampfes aufsordern.

wb. Triest, 28. Dez. Der Bürgermeister von Fttiine eifuchte den Bcschlshaber der Dioifion von f Kbbazi« um eine Zusammenkunft, die auf den 28. Dezember vormittags festgesetzt mürbe, hier find au Lrichtvcrtoundstrn 5 Offiziere und 78 Soldaten, bn« > unter ein Offizier unb ein Soldat aus Fiume, auge- i kommen.

d'Annunzio tot?

Rom, 28. Dez. Es wird das Gerücht verbreitet. - daß D'Annunzio tot sei. Nach anOefen Meldungen f soll vcr nur eine Kopfverletzung davongetragen haben.

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Abbruch der Friedensverhand- [ lungen zwischen Polen und Rußland ? [ ! London, 28. Dcz. Aus Warschau wird gc- l Meldet, das; die polnisch-russischen Ftiedensuechaud- I lungen abgebrochen seien. Der bolfmewistis he ; Delegierte Joffe soll erflärt haben, daß die Lage RätcrußlaiidS sich nun so günstig gestaltet habe, daß Rußland keinerlei Interesse mehr bannt habe, bie früher vereinbarten Vertragsbestimmungen zu cr- f füllen. Aus jeden Fall werde Räterußland dir pol> wischen Kriegsgefangenen nicht heimsenden, sondern sie in Rincrußland zurückbehalten, lot: sie beschäf­tigt werden sollen.

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Lenin über die wirtschaftlichen Konzessionen.

roj>. Kopenhagen, 27. Dejl Nach einer Mel­dung aus Moskau führte Lenin-in feinem Bericht »och aus, daß die Verhandlungen mit England fortge­setzt würden. Die Unterzeichnung des Handelsabkom­mens fei nahe bevorstehend. Bezüglich der Konzessions- Politik erklärte" Lenin, daß die Bestimmungen übet die Konzessionen vom Volke als ein Beweis für die Furcht »et der kapitalistischen Invasion betrachtet werden. Die Konzessionen enthalten jedoch keine Gefahr, ba bie Eowjetregierung aus der Hut fein werde. Die Kon- geifionen seien ein wirtschaftliches Lockmittel, damit .Rußland sobald al» niöglich mit Lokomotiven und Ma- ifchinen versehen werd«, ohne die die wirtschaftliche i^iederanfrichtung unmöglich fein werbe.

Vormarsch gegen Georgien.

wb. Paris, 28. Dez. Nach einer Havasmelbung aus Konstantinopel rückt die 2. bolschewistische Arme« gegen Georgien vor. An der Grenze sind starke bol- jchewistische Streitkräfte zusammengezogen. G

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Oberschlesien.

Fenergefrcht zwischen Polen und Polizei.

wb. B e u t h e n, 28. Dez. Wie dieOstdeutsche Morgenpost" meldet, drangen am Schluß einer von einem Sportverein in Mischowitz am zweiten Feiertag veranstalteten Weibnachtsfeier bewaffnete Polen unb Haller-Soldaten in den Saal. Als auf dem Heimwege die Polen mehrere Schüße abgaben, schritt die Ab­stimmungspolizei ein und es kam zu etnwi regelrechten Fenergefecht, wobei zwei Polen verwundet wurden. Obwohl d>e Abstimmungsyolizei Verstärkungen erhielt, konnte ste gegen die Haller-Soldaten nichts aus­richten. Eie zog sich in das Eemeindebaus zurück, das bis zum frühen Morgen beschossen wurde.

Ein Tombenanschlag.

wb. Oppeln, 28. Dez. In Vogtdorf wurde heute gegen den Laden eines Kaufmanns ein schwerer Bombenanschlag 4>erütt. Plötzlich flog gegen die Laden­tür ein schwerer Gegenstand. Beim Ocsfnen des Ladens explodierte eine Bombe. 7 Personen wurden verletzt, davon 3 schwer. Orts» und Abstimmungspolizei schritt an Ort und Stelle ein. Die Dcrsolgung der Täter ist ergebnislos geblieben. x Gegen den Geschäftsinhaber wurden schon seit Tagen Drohungen laut.

In Oppeln herrscht heute angesichts einer für heute abend anberaumten Polenversammlung gr»ße Auf­regung.

Die Denkmalssprenger.

wb. T a r n o w i tz, 28. Dez. Heute nacht wurde der Versuch gemacht, mittels einer Dynamitpatrone das Denkmal Kaiser Wilhelms I. zu s p.r e n g e n. Wäh- rend die unteren Steinstufen und die Umfassung des Denkmals zertrümmert wurden, blieben Sockel und Figur unbeschädigt. . Der angerichtete Schaden ist dennoch sehr beträchtliry. In- einem Umkreise von 100 Metern wurden pmtliche Fenster,chviLrn yttdhetnert.

Durch einen Uebermittelungsfebler ist in der Knud- flkbuna des Monfiflnore Opno, die bas Wolst-Büro gestern »eröffentlichte, ein Satz vottss-i'^ig eutst-ttt wieberge- tebrn. Es muß richtig beißen: Ich, Monsignore Ogno bestimme namens bes Heilig-n VoterS Folgendes: Allen Lriestern jedweder Nation wird sub gravi untersagt, iw Abstimmunasgebiet Propaganda $u treiben, unbescha­det des Rechtes,- ihre Privatmeinung zu äußern und bei den Wahlen ihre Stimme abzugeben, nicht: im Absiimmungsgebi-t Proizgganba zu treiben, ihre Privat- meinnng zu äußern usw."

Die Veamienirage.

wb. Berlin, 28. Dez. Tie Reichsftnflnzver- waltting hat Anordnung getroffen, daß die näckLie Gehaltszahlung an die Beamten nicht erst Aufana Februar, sondern bereits vom 20. 1. ab erfolge, damit nicht m<hr als ein Monat seit der vor Weihnach'e" ersclgle-t Zahlung des Januargehalts verstrickten ist

Wegen der von den Otgamsatianen b:r Reichs b.amten und Reichsarbetict ge|teilteu neuen Forde­rungen sock unverzüglich nach Neujahr im R-tchs- flnanzministerluin vor Eintritt in die Verhandlungen eine Aussprache über die gcfamie Lage mit Ver­tretern der beteiligten Kreise stal.finden. Sonst ver­breitete Nachrichten über angebliche Veichlüüe der Staateselrctäre der Reichsmintsterien entbehren jeder Begründilv.z.

Deutsch-Oesterreich.

wb. Wien, 28. Dez. Die Morgenkarrespoude'i? Herzog meldet, daß der Zenttalverband der öfter reirl ischrn Siaatsangestelltrn'.errinigungen einflinmiip beschloß, mit Rücksicht auf die bi» aufs äußerst gestiegene Notlage der StaatSangestellien und ins- besonderr auf die geradezu tierbccrtube Wirkung der in der letzten Zeit über Oesterreich bereing-brocbenen zunihmkndeu Teuerungswelle an bie österreichisch. Sektion bec Reparationskommtssivn mit der dringen den Forderung heran^ulrctcn, hier raschesteuS hel­fend einjugräien. Tie SlaalsanaestAiku Oesterreichs

einzusihen. Die öffentliche französische Meinung aber ist aufgebracht, weil sie die übliche Tonart nicht ver­nimmt, obgleich Herr T a r b i e u einer dir schlimm- fltn Hetzer beruhigend darauf hinweist, Deuifchland habe 95 Prozent feinet Geschütze abgeliefect, fei also nicht mehr gefährlich.

Nach dem Spektakelstück in der französischen Kim­mer wird man in Frankreich wohl wieder etwis ruhiger Trafen; denn man hat nicht nur daS Rasseln des ge­siebten Säbels vernommen, sondern auch von der Regierung bte Erklärung gehört, daß die Schraube, in bie man Deutschland gepr-ßt Hot, nichtgelockert werden soll. DicseS parlamentarische Zwischenspiel ist für uns lebrreich genug. Es soll uns eil* neue War­nung sein, bie Tonart, die von den französischen Vertretern in Brüssel zu hören war, uitb bie int neuen Jahr weiter zu hören sein wird, irgend wie als inneren Silmmungsrimschtvnng auszufassen. In bet franzö­sischen öffentlichen Meinung hat sich nicht daS Ge­ring st e gewandelt und ebenso wenig in der Auf­fassung der Regierung. Weil» die französischen Dele­gierten daS in Brüssel nicht Durchblicken lassen, so ist darin eine Taktik zu erkennen, die ihce letzten Ziele zu nächst vorsichtig verhüllt. Tänschea aber könnte dieser Schleier nicht, selbst wenn er in der französi­schen Kammer Nicht beiseite geschoben woroe-t wäre.

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wb. Baris, 28. Tez. Die Kammer hat gestern mit >04 gegen 62 Stimmen einen Kredit oon 3 621665 745 Franken für die Monate Januar und Februar 1921 be­willigt.

wb. Prag, 28. Tez. Die französische Regierung bat der tschecho-slowokischen Regierung mit geteilt, daß iie den Chef der französischen Militärmission in Prag ;inb Ches des Generalstabes der tschichilchen bewaffneten Macht General Peile znin ironzösiichen Cberfommmar in Konstantinopel zu ernennen beabsichtige. Infolgedessen wirb Genera! Pettä am 1.1. Prag verlassen.

Die Lieferung deutscher Farbstoffe.

wb. Paris, 28. Tez. Laut Mitteilung der Ne- parationskommission sind im November 1701 092 Kilo Farbstoffe unb 8217 Kilo pharmazeutische Produkt« von Deutschland geliefert worden. Vis zum 30. No­vember wurden insgesamt S 679101 Kilo Larbjlojf«