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Amtliches Derkllndigmigsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

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1921

- Bei Betts««, unter 30 TCL mtten wir >es X ort* für >te Vereinen. Pu^che^Nsnta: Nr. Mtl Imt grenhurt e. Äetn.

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93tfor.bfr8 traurig ist die allgem.-iu: Turckseuch-mtz mit Tuberkulose, wobei die schlechten Wohnung-»«- HAtnikse entfdyibenb mitwirken. Neuerdings 'omwi bei den Kindern besonders Rachitis hinzu. Ma< beobachtet Äncchenbiegungen und Kuocheubrüche bd Kindern bi- zum 18. Lebenswahre Im Wackotimk sind Taasende ton Kindern zurückgeblieben. Die 3;al« ermut hat auch zur Folge, daß die geistige j?er«ra< lagung bei Kinder zum Teil schwer gelitten hat.

die Nufnabme der Beziehungen zu Rußland soll in gesckästsordnungsinäßigen Friß beantwortet werden.

Die deutsch nationale Interpellation über den

Streik der Berliner Elektrizitäts» arbeite r

l" »ssbexUi». Bezugaper i< menatlt*

«k. «urgade B mitOber». Epvrt-Ztg." 1 Mk. mehr. ' ' ......- ' "r lei« »cis«. -

Näte-Nußland.

Die neuen Kämpfe.

wb. London. 26 Nov. Ein Moskauer Funk» Spruch meldet. Nördlich von Mosyr haben die non uns verfolgten Ileberreste der Armee Balachowitsch die Irpa über'chritten und fliehen nach Westen. An den Kämpfen gegen Petlfuro haben wir 12 069 Ire, fangen? gemacht und 20 Panzerwagen, 25 Geschütz« und 60 Maschinengewehre erbeutet.

roh. Stockho 1 m, 26. Nov Wie aus Hrif'ng« fors gemeldet wird, hat die Eowsetregierung durch eine eigens hierzu geschaffene Organisation Ue Mobilmachung aller Frauen Rußland« zur Anfertigung von Leibwäsche für die Soldaten angeordnet.

Für di« AuflSs uns deS Landtag-» wurde gegen tlr drei fszialdemokratischen Gruppen folgende Besiimmnng testsclezt:Die Auflösung erfolgt durch eigenen Beschluß durch den Beschluß des auS dem Ministerpräschen- «n- dem Landtagspräsidenten und dem Präsidenten des

$ie M« £18163« stnsnm.

tob. London, 27. Nov. Heute beginnt in bet Wohnung Lloyd Georges die Konferenz der Ver­bündeten. Leygues, Verthelot und der französisch« Botschafter in London werden zugegen sein. Graß Sforza, der Italien anstelle Eiolittis vertritt, rohb jedoch nicht vor Sonntag eintrcffen können. Dis Konferenz wird sich zunächst mit der Frage be« fassen, ob die Verbündeten augenblicklich irgend­eine Erklärung abgeben sollen, die vielleicht auf di« griechische Volksabstimmung bezüglich der Rückkehr Konstantins auf den griech scheu Thron von Ein­fluß sein kann. Es verlautet, daß die Fragen bet Wiederaufnahme des britischen Handelsverkehr« mit Rußland und der deutschen Wiedergutmachung erschöpfend behandelt werden sollen und daß viel­leicht hochwichtige Beschlüsse gefaßt werden. Da« geplante Handelsabkommen mit Rußland befindet sich noch immer in der Behandlung der Sach­verständigen des Handelsamtes, doch wird fein« Fertigstellung während der allernächsten Tage er­wartet. Lloyd George wird im Verlauf der Be­ratungen Leygues über die Bedingungen des rus­sischen Handelsabkommens unterrichten. Obgleich Frankreich nicht unmittelbar davon berührt wird, wird es doch für wünschenswert gehakten, dah e« nicht in Wirkung tritt, bevor Frankreich die Be­dingungen eingesehen hat.

Autonom tefrage"

sink, unberechtigt. Ich habe die Zusicherung gegeben, daß ich den Beschluß des Dauses erfüllen und eine Vorlage schleunigst einbringen würde. Ich habe sofort den Staats­sekretär für das Verwaltungsressort beauftragt, eine Vor­lage auSzuarbeiten. Die kommissarische Beratung über den Borentwurf des Autcnomiegesetzes wird in den näch­sten Tagen eröffnet werden. Zwar wird die Verabschie- hnng durch die Landesversammlung nicht mehr erfolgen können: die Vorlage wird aber noch vor dem Auseinander- -ehen bet Landesverfammlung veröffentlicht werden. Im ßdrig-n muß ich darauf Hinweisen, daß her Landesver- fan; nlang schon von meinem Borgänqer -in Autonomie- jt» vorgelegt worden ist. In den letzten sieben Monaten üe.d nun Ereignisse eingetreten, die die Staatsrezienlag tu einer Revision ihrer früheren Auffasiung nötigen. «H.faX.)

Abz. Dr. Leidig (D. Bvt.): Wir halten die be- eufstilndische Glieder ung bei Volkes fflr eines der nichtigsten Probleme. An der Spitze Preußens muß ein ktLütLpräsident stehen. Wir begrüßen es, daß Minffier Stegerwald vom Zentrum ein offenes

Bekenntnis zum Preußentum-

»dgelegt hat. Wenn wir an der Verfassung Preußens arbeiten so treiben «vir zugleich deutsche Politik. Man hat in W.'imar Vinzipien fremder Demokratien einfach Ibernernmen. Wir aber wünschen für das Bersasiungs- a*r? einen deutschen Charakter. (Beifall bei der Dn.-tfcheii Dolkspartei.)

Abg. Adolf Hoffmann (U. S.k.): Die Watte des Herrn v. Kries, daß der Entwurf etwas verbesiett sei. «lltni den Mebrheitssozialisten doch zu denken geben. Die tenie Verfassung ist ein traunzes Bsiischwerk, die die lapi- taliftische Aesellschast wieder neu stärken will. Die revolu- ttorJte Umwälzung macht aber nicht Halt vor papierenen karagraphen.

Damit schließt die allgemeine Aussprache. In der Einzelüeratung toird ein Antrag der Rechten aus Ein- siihrrnz eines Staatspräsidenten abgelehnt Die Bestimmung, nach der da» Wahlrecht für die Soldaten ruht, wirb gegen die Stimmen der beiden rechten Par­tei-- gestrichen. >

General ». Lerche, früher Kommandierender Eene«I des 17. Armeekorps, ist im Atter von 83 Jahre» M WelUiaerod« gestorde»

verlangt von der Regierung eine Verhinderung ähnlicher wilder Strttks und die Aufrechterhaltung her staatlicher Autorität, sowie eine Ausgestaltung der Technischen Not- bilse und die Ersetzung der Verordnung des Reichspräsiden­ten gegen wilde Streiks durch ein Gesetz.

Verbunden mit der Anfrage wird ein sozialdemokra­tischer Antrag, der eie Verordnung des Reichspräsidenten billigt, aber ihre Aushebung verlangt, da die Ordnung wieder hergestellt ist. Die Unabhängigen verlangen be­dingungslose Anfbebung der Verordnung. Die Regie­rungsparteien wollen die Aufhebung erst rnlassen, wenn das angekündigle Schlichtungsgesetz erlassen ist.

Abg. Berndt lDeutschnatl.) begründtt die Inter­pellation: Gibt es bei uns keine A utorität und Staatsgewalt mehr, um das Leben und Eigentum der Bevölkerung zu schützen? Es wäre zu den bellagensw-rten Zuständen nicht gekommen, wenn die Regierung recht­zeitig und wirksam eingegrifsen hätte. Die Re- aiening muß in zukünftigen Fällen die Technische 9,ut- bilke sofort aufrusen. Wir verlangen mehr Entschlos­senheit von der Regierung. Die Verordnung des Rttcks- aräsidenten muß durch ein Gesetz ersetzt werden. Tann lverden auch wieder Ruhe und Ordnung im Reiche herrschen.

Reichsminister bei Innern Koch: verliest eine schrsst- firf>e Antwort der Regierung, in der es beißt: Der Gene­ralstreik der Berliner Elektrizilätsarbeiter war begleite: va, einer Reihe von Sabotageakten, die die Fortführung d-s Betriebes verhinderten. Jnsolgedessen ist eine große Anzahl Berliner Krankenhäuser nicht mehr m-t Licht und Kraftstrom versorgt worden, iodaß sogar mehrere T o d e e- Fälle eingelreten sind. (Lebhaftes Hört, Härt') Auch sonst kamen bei dem Streik Menschenleben in unmittelbare Gefahr. Bei dem föderalistischen Charakter des Reiches stehen der Reicksregierung keine Mitte! zum Eingreifen zur Veriuvung, es ;ei denn, daß der Reicksorchchent auf

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tob. Athen, 25. Nov. Nach neu getroffenes Vereinbarungen ist die V o l? s a b st i m m u n g in Griechenland auf Sonntag den 5. Dezember sesige- setzt worden. Die Einberufung der Kammer rourbe auf den 9. Dezember verschoben.

tob. London, 26. Nov. Der griechisck)e Mi­nister Streit begab sich nach Bern, um dort dem bri­tischen Gesandten 'eine Erklärung des vormsligen Königs Konstantin zu überreichen, die hierauf nach Italien gesandt und durch den Prinzen Georg auch der französischen Negierung unterbreitet wer­den soll. In der Erklärung drückt König Konstan­tin seine Genugtuung gegenüber der neuen griechi­schen Regierung aus, daß sie die auswärtige Politik nicht ändern werde. Außerdem äußert er beit Wunsch, engere Beziehungen zu den Westmächteq anzuknüpfen.

mb. Paris, 26. Nov. Nach einerMatinee Meldung aus Athen wurde Admiral Wratza« n o s, der die Akten beseitigt haben soll, auf Ver-' anlasiung des Marinsministers verhaftet.

rob. Paris, 26. Nov. Nach einer Havas« Meldung aus Athen sind bis jdtzt 8 Generale und 1211 Offiziere, die Denizelos aus dem Heere ent» lasten hatte, weil sie deutscher Sympathien ver­dächtig gewesen seien, w'eder in ihre S-eliunge» ausgenommen worden. Das gleiche gilt für zahl­reiche Beamte und Priester.

wb. Nizza, 26. Nov. Venizelos traf gestern mittels Sonderzugs mit großem C folge hier ein. Prestevertretern gegenüber weigerte er sich, Erklärungen abzugeben, und betonte nur, man dürfe nicht zu streng mit einem Volke fein, das zwei Fahre nach der Demobilisation noch nicht demobili­siert sei.

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Annahme in 3. Lesung.

e itznng her preußischen Landerver­sammlung vom 26. November.

Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 11 Uhr JO Min. Aus der Tagesordnung steht ein einziger Punkt: K Beratung der Verfassung. Es liegen eine große Unzahl von Abänderungsanträgen vor. Tie Schlußab- Himmnng über die Verfassung soll namentlich sein. Zu- »Lchst findet eine allgemeine Besprechung statt.

Abg. Hauschildt (Soz.): Wir sind nach wie vor Degen ein Zweikammersystem sowie gegen einen Staats­präsidenten. Wir begrüßen es, daß die grundsätzlichen Be­stimmungen über die Selbstverwaltung fest gelegt sind.

9bg. v. Kries (Deutichnatl.): Ich will offen aner- Intnen, daß das Vcrfasiimoswerk int Ausschuß em wenig Krbeffert ist, so die Ausgesialtnus des Finanzrats zum B'.aatirat, bis. Festigung der preußischen Landesfarben, die Besiimmunger über ber K>rchenaustritt. Die Erbat- drng des preußischen Staatsgebietes >"t aber versa ssungS- wHtlich nich' festgelegt. Wir bekämpfen namentlich die Uwsinzialautonomie, da die Ablösung preußischer San- kt »teilt auf die Ablösung vom Reiche kinausläuft. Die Kutsche Geschichte beweist, daß Teu^ckland i xur durch den Föderalismus fsammengrhalten werden kann. Wir lehnen die Vett.ff- ng ab, weil sie Preußen das Rückgrat bricht.

Abg. M ech e r - Frankfurt (Dem.): Wir begrüßen die Festlegung der Republik in der Verfassung. Wir haben wirrr Sehnsucht, Preußen zu zerschlagen. Es kann aber Irin Zweifel darüber bestehen, daß Preußen und das »rutsche Reich von Abtrennnngsl>estrebungen bedroht sind. DeZhalb müssen wir den Selbständigkeitsbestrebungen der verschiedenen Stämme Preußens eht passenderes Betäti- «unzkseld zmveisen. Selbstverständlich ist der Zusammen- stasi Preußens mit unleugbaren wirtschaftlichen und kul- terci"4en Bottcilen verbunden, aber ohne Vertrauenspolüik Hit der» Provinzen ist der Zerfall Preußens unvermeid- 6& . Mnen Staatspräsidenten wünschen wir nicht, weil dadurch bei Keim zu neuen Reibungen zwischen Nock) und tib gelegt wird.

Abg. Oppenhof (Ztr.): Durch die Anerkennung kr Republik in der Verfassung stellen wir uns auf den Boden der Tatsachen. Die Zusammeufehung be-3 Staats- katrs sagt uns nicht zu. Auch an die kommende Land- kgSmehrheit richte ich die Bitte, sie möge den Provinzen licht wieder eine Enttäuschung bereiten.

Abg. Dr Cobn (U. S. r.): In dem Augenblick, wo Bit die Verfassung machen, ist sie längst überholt. An­träge aus Einführung eines Staatspräsidenten sollen lediglich die Monarchie trorteriten. Wir lehne» die Ver- strs-uns ab.

Minister des Inneren Severing: Die Vorwürke ;cn daS Miuistettum des Inneren wegen seiner Haltung

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1 Merkt 21U. Rerxtoreiiet Si.

Grund des Art. 48 der Verfassung eine Ausnahmever­ordnung erläßt. Als die Mittel der Landesregiening nickt ausreickten, dem Streik Einhalt zu gebieten, hat sich die Weeierung diese Machtvollkommenheit geben lasien. Dar­aufhin hat der Streik ein rasches Ende gesunden. Die Reichsregierung wird einem solchen künftigen Streik toirt- 'am und frühzeitig auf Grund dieser Verordnung begeg­nen. (Beifall.) Aus die Technische Rothilse kann erst ver- sichtet werden, wenn solche wilden Streiks durch den Wil­len der Arbeiterschaft selbst unterdrückt werden. Die Verordnung muß aufrecht erhalten werden, bis eine eesetzsicke Regelung getroffen ist.

Dieser Erklärung fügte der Minister hinzu: Die Aus-- ilhiungen des Begründers der Interpellation entfpre - -den den Anschauungen der Regierung. (Unruhe link».) Hätten wir aber den Ausnahmezustand früher verhängt, bann hätten wir nicht Ordnung, sondern Unordnung gestiitet. Da» Ver'ahren gegen Sylt wird fortgesetzt. Bei Verkehr und Landwirtschaft lagen die Voraussetzungen 'ür den Erlaß einer solchen Verordnung nicht vor. Bei der Ab»eigung, die draußen im Lande gegen Berlin herrscht, müssen wir zeigen, daß wir es verstehen, in der kmuptstad» Krbni'ng zu hakeln. Wir werden es mit starb:» Hand (Oho!) verhindern, daß eine Handvoll Unruhestifter «ns der äußersidn Linken die Wiederkehr v-n Ruhe und Ordnung stören-will. (Bravo rechts, Unruhe und Lärm links.)

Auf Antrag S ch u l tz - Bromberg (Dentfcknatl.) wird iie Besprechung der Interpellation einstimmig b-schloffen Auch ein Antrag L e d e b o u r Ul. S. r.) auf Aushebung ser Verordnung deS Reichspräsidenten steht mit zur Debatte.

Abg. ßattleib (Soz.): Die intellektuellen Ur« Heber des Berliner ElerlrrrltärsstrelkZ sind cte Herren «on der Deutschnationalen Bollspartei. Wir treten für >it Aufhebung der Verordnung der Regierung ein. Treten Sie (nach rechts) mit uns für die menschenwürdige Be­handlung der Landarbeiter ein. Dann werden Land- rrbeiterstrciks überflüssig.

Abg. Dr. Fleischer (Ztr.): Mr find mit der Er- llärung drs Ministers durchaus einverstanden. Die Auf- -echterhaltunz des Betriebes war die Pflicht ber Arbeiter­schaft. Die freien Gewerkschaften wollen ein Monopol haben. Wir begrüßen die Verordnung des Reichspräsiden­ten ,denn sie schützt die Arbeiter, die sich ihrer Ver- -ntwortung bewußt sind, vor allem aber unsere Haus­frauen. Der russische Bolschewismus rst nicht tot. Er bedroht uns weiter.

Abg. Schirmer (Bayer. Vpt.): Die große Mehrheit des deutschen Volkes ist mit der Verordnung des Reichs- Präsidenten einverstanden.

Slbg. Brühl (ll. S.r.): Der Streik war von ber peizerorganisation genehmigt worden. Infolge des Kriegs- dankerotts war das fozialiftische Gemeinwei-n Berlin 'icht in der Lage, die Lohnforderungen zu entUUi. Tie Hetze gegen die ElektriritätSarbeiter machen wir nickt mit. Die Venndnung des ReichSpräfidenten und die Technische s'iclbilse verurteilen wir.

Abg. Ziegler (Dem.): Die Art und Weise ber Vrr- vrndlun4»n der letzten Tage ist nicht geeignet, daS An­sehen des Parlaments im Lande zu mehren. Wir sollten -raktische Arbeit leisten. DaS Streikrecht tasten wir eicht an. Die Radikalinskis treten aber das Recht bet 'Überzeugung anderer mit Füßen Ter Aufhebung bei Verordnung des Reichspräsidenten können wir also nicht zustimmen.

Das HauS vertagt sich. Samstag 11 Uhr: Weiter- jeratnpg.

Der Hauptausscknß des Reichstages beschloß zur Be­schleunigung der Beratungen die Einführung einer Höchstzeit für Reden von zehn Minuten.

Es wurde ein fockalbemokrati'cher Antrag, von der Eesamtsumme der Kosten für Waffen, Munition und Heeresgerät von rund 256 Millionen Mark 65 Milli­onen zu streichen, mit Unterstützung der Unabhängi­gen und des Zentrums angenommen. Minister Dr. Keßler erklärte, daß die Heeresverwaltung durck den Beschluß in die größten Schwierigkeiten kommen könne, da der Hauptteil der angesetzten Gelder nickt für die Beschaffung von Munition, sondern für unentbehrliche Instanbhaltungearbeiten bestimmt sei und noch dazu den ganzen Jahresbetrag darstelle.

Die Weiterberatung ergibt die Annahme sämtlicher beantragten Besoldungen für Offiziere, Eanitäts- und Veterlnüroffizier«.

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Das Elend der deutschen Kinder.

wb. B - r l l n. 2C. Nov. Vor Vertretern oer Pc-sfc gab Geheim rat Kröhne ein Bild über das Elend der deutschen Kinder. Durch die Hungerblockade hat Deutschland 800000 Mensckten verloren und harte außerdem einen Vettust an Geburten von 4 Millio-wn Seit Kriegsende hat sich der allgemeine Ernahcungs stand nicht gebessert. Geradezu erschütternd ist es bei den Kindern, wo die Verhältnisse bei den Kindecn vom 2. bis 6. Lebc-nszahre und bet den Schulkindern katastrophal sind. Besonders vier Krankhri'en traten in cndtrc'fenbem Maße auf: Anämie, Skrofulose. Tuberkulose und Rachitis, wobei sick dec Mangel an Milch bttot-ders ungünstig bemerkbar mackt. Beson­ders die Tuberk::!ose wirkt in grauenhafter We-se. Hatte Deutschland 1^13 eine Sterblichkeit von 13 auf 10 00k nn Tuberkulosen, so hat die Sterblichkeit jetzt er­schreckend zugenommen und betrug 1919 23 auf lOOOo. Sie wu- such i» diesem Htchrr nicht gertirger jein.

Eine längere Aussprache gibt es noch bei § 58a, der die Grundsätze der Wahlen zur Volksvertrttnng auch für die Wahlen zu den Provinzial-, Kreis- und tsiemeinbesertre» Hingen gelten lassen will. Für die Wahlberechtigung zu den Gemeinhevertretungen soll im Gesetz eine vesimmt- Ausenthaltsdauer festgesetzt werden. Dazu liegen eine Inzabl Abänderungsanträge vor, die sämtlich abgelrhn: werden.

Bei §63 vertagt sich das HauS. Dienstag will man die Beratungen beenden und auch die namentliche Scklaß- abstimmung vornehmen. An demselben Tage tbirb ruck ober das Kirchenstenergesetz namentlich abgestimmt werden.

Samstag 12 Uhr: Haushaltsanträze.

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StiflSer Stiltiie.

36. Sitzung v o m 26. November.

Präsident L ö b e eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Auf der Tagesordnung stehen zunächst

81 nftegen.

Abg Tusche (D. Vpt.) weist aus die Vertreibung unb Schädigung aller deutschen Bewohner etwa 300 von Dans und 5)os in Samoa durch die Engländer hin.

Die Antwort der Regierung geht dahin: Auch in Samoa wird von dem sich aus dem Friedens-Ertrag er­gebenden Rechte der Deimschafsung der Deutschen aus den Kolonien und der Sianibation ihres Besitztums ninfasftnd Gebrauch gemacht. Bei der Abreise von Apia durften d>e Deutschen mir ihre persönlichen Effekten m'tnebmen Die Behandlung beim Abtranspott war unwürdig und darauf angelegt, die Deutschen in den Augen der Ein­geborenen berabzufetzen. Die deutsche Regierung bat wiederholt eindttugliche Vorstellungen in Lon»on er­heben lassen unb daraus hingewiesen, daß die restlose Ver­treibung aus den Kolonien weder dem Sinne des Friedens- Vertrages entspricht, noch mit den Grundsätzen der Mensch­lichkeit vereinbart ist. Ucber die Schädigung der Dent- >chen aus Samoa hat sie eine besondere Note nach London aericktet. Alle die>e Scktttte sind erfolglos geblieben Die englische Regierung bat nur mitgeteilt, daß die Zu­lassung von Deutschen in den ehemalipen Schutzgebieten bis auf weiteres grundsätzlich nicht gestattet werde.

Abg. I s e n m a n n (Ztr.) fragt an, ob tatsächlich das Anbohren der Briefkästen im ganzen Reick zwecks Anbringung von Reklamen durch Berliner Bohrei ausgefühtt werde.

Darauf wird erroibert: Die Bohrarbeiten an den Brief­kästen sind nicht so einfach, wie es zunächst scheint. (Große Deiierkeft.) Die Bohrung mußte unbedingt gleich­mäßig, also durch eine bestimmte Bohrmaschine erfolgen Die Berliner Bohrarbeiter sind jetzt nach Möglichkeit »urückgezogen worden.

Abg. van den Kerkboff (Dentschnatl.) beschwett sich über die Einfuhrerlaubnis für 200 000 Zentrifugen aus Schweden.

Die Reichsregiernng wirb die Angelegenheit prüfen.

?lbg. vandenKerkbofs (Dentschnatl.) fragt an.ob tatsächlich Werkzeugmaschinen zu einem billigen Preise von den Deutschen Reichswerken A -G. unter Umgehung der Selbstverbraucher an Zwischenhändler verkauft worden sind.

Darauf antwortet die Regierung, daß die Gesellschaft dieses taffäcklrck unter Außerachtlassung des mit dem Reiche abgeschlossenen Vertrages getan bat Der Stuf iicktsrat ist zur Prüfung der Angelegenheit aufge5orbert worden. Mit Ausnahme zweier Direktoren hat di: ge­samte Direktton der Deutschen Wette ihr Amt niedergelegt.

Eine Interpellation der Unabhängigen (Linke) über

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