Einzelbild herunterladen
 

Amtliches Derkiindigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

1521 i

meint eit 6ee Verte für bi« 5M5 »mt gtexffxrt «. Sietx.

Btt Bettele« unter 20 Sil. bereite.ch. ^»ttKberfieet«: Str.

(StebetMM.)

Erstes Blatt

Iik RkiPtsg Vtt iit AiiRjrmig dcs griei)fii§öfrtrüof§

i?

PO

Oberfchlesien,

4

M

E

L-

wb. Paris, 25. Nov. Die Botschafterkonferc.r- hielt gestern eine Sitzung ab und vollendete die Prü­fung einer Ansicht Fragen über die Verwendung des deuischea Kriegsmaterials. Der obcrsfe Kncgsrat war durch Marschall Foch und General Weygand ver­treten. Eine selbständige Kommission ist mit der Pcü fung einer Antwort auf die deutsche Note über Ein- und Ausfuhrfragen, die vor längerer Zeit an die Bat schafterkonserenz gerichtet wurde, beauftragt worden.

Jonen ausgesprochen und die Tätigkeit der Exekutive bei den Versuchen, dir Verbrechen durch Terrorismus und Wiedervergeltung zu unterdrücken, ver­urteilt wird. Miedervergeltungen, so heißt es da­rin, ziehen das Land sowie Hab und Gut von Unschul­digen in Mitleidenschaft und widersprechen den Eitlen zivilisierter Völker. Außerdem werden von Asquitb Maßnahmen zur Herbeiführung einer Versöhnung gefordert.

Mark. Dazu kommen die Kosten für die Truppenübung»« Plätze. Ein gemeinsamer Protest der Regierung« des Reichstages und der gesamten deutschen Bevölkerung ist dringend erforderlich. Die Ruhe, die augenblicklich in Deutschland herrscht, ist eine Grabesruhe. Tätig ist nur die N o t e n p r e s s e. DaS einzige Altivum. das ivir besitzen, ist die Kohle. Ihr gilt die Sehnsucht der Franzosen. Waffen haben wir nicht. Die Revision zu -rzwingen, haben wir nicht die Macht. Aber dir Macht des Geistes und der Idee müssen wir ausnützen. Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten, im Inlande wie im Auslande, wie das in Amerika bereits mit Erfolg der Fall gewesen ist. Solange die Revision des Friedensoertrage- nicht erfolgt ist, können wir an einen Wiederaufbau nicht denken.

Abg. Dr. Zapf (D. Vvt.) schildert die Schwierige leiten der Unterbringung französischer Offiziere. Es ist kein Wunder, wenn im Rlreinland

der alldeutsche Gedanke \

alles andere verdrängt. DaS verkleinerte und verarmt« Deutschland steht vor einer finanziellen llnm^'lichtest Tie Lage trägt das Stigma der Hoss nun qslosigkeit. Das Volk ist enttäuscht über den Ausgang des Krieges, aber auch über die Revolution, seit deren Anfang die Ausschreitungen bc5 Kapitalismus nicht ab«, sondern zuaenom men haben.

Abg. Breitscheid fll.@.r.): Auch wir fordern die Abänderung des Frichensvertrages, weil die Arbeiter die Hauptleidtragenden sind. Sowohl Deutschland al- auch Frankreich leiden Mangel an Kohlen. Es vl nicht klug, an den Rhein zu reifen und dort zu erklären, mitt würde es für einen feindseligen Akt ansehen, wenn bat Ruhrgebiet besetzt würde. So leichtfertig darf man mit demfeindseligen Akt" nicht spielen, sonst verstärkt Frank- -'ich seine Truppen noch mehr. Was wollen Sir tz« Dr. Simons) denn gegen Frankreich beginnen? In Frankreich selbst schwindet die Lust zur Beseyung bet Ruhrgebieies, da soll man sie bei uns nitfit an die Wand malen. Eine Gefahr bildet nur die mangelbalfe ffttN inastnung in Bayern. In Frankreich mehren sich in letzter Zeit die Versöhnunssstimmen selbst beim ehemals deutsch- -eiudlichenTemps".

Äbg. Korell (Dem.): bespricht die Wirkung der Ministerreden in der ausländischen $ reife. England und Amerika haben sich nusgeschwiegen. Die bolländifch« 'stresse hat unsere Lage fetzt erst richtig erkannt. Di« 'ranzösische Presse sieht in der ganzen Interpellations­debatte den Beweis, daß Deutschland sich um die Er- 'üllnnn deS Friedensvertrages drücken wolle. Wenn solch« Ausstellungen an den Reden des Ministers Simon» tnb des Reichskanzler» in der ausländischen Presse erhaben morden sind, so rührt mich daS nicht, denn die Reden bet Minister in der Rdeinprovinz waren dem Auslände buchst unerwünscht. Herr Breitscheid handelt nach dem Grund­satz derer, die, um Frankreich gefällig zu sein, sich alle» von Frankreich gefallen lassen. Der Redner schildert ste Uebergrisse der Kommission. Die 15V, Milliarden, die für die Besatzungsarmeen in den Etat -iugestellt lind, scheinen mir nicht auszureichen. Der Redner schließt mit einem Protest gegen Versailles. Im Gegensatz z« Breitscheid bin ich der Ansicht, daß nur bann etwa» er­reicht werden kann, wenn man es wieder und 'treber in t>a< Weltgewissen hineinbämmert. daß dieser Vertrag von Versailles eine einzige Lüge ist gegenüber den Grund- 'ätzen, die zum Waffenstillstand geführt haben.

Abg. Fries kN. S. l.): Ten Krieg bit die inter­nationale Arbeiterschaft verloven. deshalb trägt si« allein die Kosten. Die Klagen der rbein:fchen Wüt» -rtfchaft erscheinen übertrieben, sonst würben die Bürget 'S nicht vorziehen, englische Ofkiziere in ihre Wohnungen 'ufzunebmen statt deutsche Arbeiter und Anaest-lft-. Da» Bürgertum scheut sich nicht, die fremde Bisatzung und -bre Maschinengewehre gegen streikende Arbeiter anruruf-n. Demgegenüber hilft nur der internationale ßufammtw» chlust auf kommunistischer Grundlage.

Abg. v. G t ä f e (Deutschnatl.) weist in einer verlört» sichen Bemerkung die Behauptung zurück, daß er i» Hannover Revanchegedanken provagiert habe.

'^Abg Schultz-Bromberg kTeutschnarl: Die Sum­men zur Unterstützung der auS den abgetretenen Gebieten Vertriebenen reichen bei weitem nicht auS, sie müsten im neuen Etat erhöbt werden.

Der Haushalt für die Ausführung de« Friedensvee» träges wirb famt ben bazu vorliegenden Entschl estungen des Ausschusses angenommen, ebertfo sie Ertötung der Kosten für den Obcrausfchuß gegen die Stimmen bet Deutschnationalen und Unabhängigen.

Donnerstag mittag 1 Uhr: Interpellation Trimborn '3fr.) wegen Beleidigung der rheinischen Bevölkerung durch den Regierungsvertrrtcr v. Falkenhayn und Gesetz 6bcx

sniKtit iit LkMr Isinrm!.

wb. Berlin, 24. Nov. Der Drschluß der Bot­schafterkonferenz vom 8. 11. über ba- Pauverbot für deutsche Flug-euge. den die interalliierte Lust- schif'"ah"tkontrollkommisston dem Reichsmin'ster des Auswärtigen in einer Note übermittelt hat, geht dabin, das Protokoll vom 12. 7. 1920 für nich­tig erklärt zu betrachten, die Entscheidung von Boulogne vom 22. 7. 1920 aufrechtzuerhallen, die den Dau und die Einfuhr von Flugzeugmaterial in Deutschland bis nach 3 Monaten nach dem Zeit­punkt, an dem Artikel 202 des Friebensvertrggs vollständig ausgeführt ist, verbietet.

wb. Dessau, 24. Nov. Auf eine Anfrage bei den Junkers-Flugzeugwerken erfährt bas Wolff- Büro über bie Beschlagnahme von Flugzeugen burch bis interalliierte Kontrollkommission, daß es sich um elf Junkers-Verkehrsflugzeuge hanbelt, bie für bas Ausland bestimmt und zgr Verschiffung nach Hamburg verleben wurden. Die interalliierte Luftfahrtkontrollkommission hat diesen Sonbertyp seinerzeit ausbrücklich burch schriftliche Entscheidung als Ziviltyp anerkannt. Dis beutsche Regierung hat stets den Standpunkt vertreten, daß die Her­stellung und Ausfuhr dieser Zivilflug'euge nicht unter bas Verbot bes Friebensvertraqes falle. Für die elf Flugzeuge wurde daher auch ordnungsgemäß bie Ausfuhrerlaubnis des zuständigen Reichskom- misiars erteilt.

Ueberlassung von Schiffsraum an Deutschland?

wb. B e r l i n, 24. Nov. Wie verlautet, fan­den am 20. und 21. November in Paris Verhand­lungen mit den Delegierten der Wiebergutmach- ungskommisfion wegen der lleberlassung non 350 000 Tonnen Schiffsraum an Deutschland statt. Am 23. November wurde eine offizielle Sitzung ab­gehalten, in der die Angelegenheit nochmals er­örtert wurde. Die Kommission sagte baldige Ent­scheidung zu.

Die Milttiirku«»Kn>w» tn Duisburg, Mannheim und Karlsruhe.

wb. B e r l i n, 24. Nov. Am 10. Juni übergab bie deutsche Regierung der Votschafterkonferenz eine Note, worin die Rücknahme der Milltärkom mandos in Duisburg, Mannheim und Karlsruhe verlangt worben war, ba sie dem Versiaijler Ver­trag widersprächen. Die Vctschafterk-mferenz lehnte diese Maßregel nunmehr ab. Sie behauptet, baß die betreffenden Truppen keine Okkupations­truppen, sondern nut Kontrollposten seien, die ein­gerichtet seien, um die Sch'ffahrt auf dem Rhein zu bewachen. Wie verlautet, wird dieser Standpunkt von der deutschen Regierung nicht anerkannt. Die Verhandlungen werden fortgeführt.

Sie M les lewen Stiletts.

34. Sitzung de S Reichstages vom

24. Novemler.

Präsident L ö b e eröffnet bie Sitzung um 1 Uhr Min. .Die zweite Lestmg des Haushaltsplanes wird

Die Not der geistigen Arbeiter.

wb. Berlin, 24. Nov. Der vorläufig- Reichs wirtschaftsrar hat in Erkenntnis der Not beit g-istii n Arbeiter «inen Unterausschuß zur wirtschaftlichen För­derung der geistigen Arbeiter geb;L'<t, dessen Anfqab-' sein soll, die Voraussetzungen für eine produktive Ein­gliederung der ge* fligen Arbeiter in das Wirtschafts­leben schaffen. Znm 1. Vorsitzenden wurde Professor Ernst Jäjh vom Deutschen Werkbund gewählt. Luxussteuer. Urheberrecht und die Möglichkeit von Staatsbeihilfen in Form einer produktiven Erwerts- losenfürsorge für geistige L^bettet werden einen Teil dis Programms der nächsten Sitzung bilden, die wälz» reno der Vollsitzung vom 10. bis 18. 12. stattsindet Ferner wird der Antrag der A e r z t e gege.r hie von ben Krankenkassen beabsichtigte Einschränkung ihres Arbeitsgebietes und ein weiterer Antrag, der die Eni- lohnung der geistigen Arbeiter im Verlagszewerbe te- trifft, verhandelt.

'ortgcfetzt beim Haushalt für die Aussähr u n g des "ä-riebenStiertrage3. Dazu liegen eine Reihe von Entschließungen des Äusschusies vor. So wird bie Re­gierung ersucht, bei den Ländern erneut auf eine möglichst weitgehende Anstellung der vormaligen elsaß-lothringischen Vamten zu bringen. Dem Reichstage soll eine Denkschrift fier bie Kosten des Oberausschusses der verbündeten Mächte für bie Unterhaltung bet Besatzungstruppen, so« nie über die vom Reiche gemachten Lieferungen und Lei­stungen aus dem Friedensvertrag vorgelegt werden. Ferner 'Ö ans die Herab-ctznus der Besatzungszifter und an' Begrenzung bet Kosten gedrängt werden. Schließlich soll babin gewirkt werden, daß Kriegsmaterial ans Flotten- beständen zur Wiederherstellung zerstörter Kircheiig'ocker. Benvendung finbet. Tie Kosten für ben Oberausschuß werben von 20 auf 40 Millionen Mark erhöht.

Abg. Breit scheid (U. S. t.) berichtet über die Ausschußb-rntungen.

Abg. WelS (Soz.): Eine Revision des Friedens- Vertrages ist nur bann zu erwarten, wenn «vir die Ent­waffnung vornehmen und Schadenerfatz leisten. Es gibt nichts Verkehrteres, sks den Schrei nach Rache. Hier gibt "s nur zwei Möglichkeiten: Entweder Revanche ober Reni» fion. Wir müssen bie pazifistischen Kräfte Frankreichs "ärken, damit der Imperialismn? dort stürzt. Angesichts -r Höbe der im Friedensvcrtrast festgesetzten Summe ist auch den französischen Revolverpolitikern nicht wohl zu­mute. ' Schon die Belastung durch bie Kosten ber Be- Hhunasarmee schließt bie Erfükluna unserer finanziellen Verpflichtungen ans. Wenn daher setzt tion sranzötistaer Seite Vorschläge auftauchen, daß wir an bi? Stelle ber finanziellen Leistungen solche in Naturalien itnb Inbustne- -rzruauifftn treten lassen, so sollte bieset Vorschlag an -en Arbeitern nicht scheitern. Umsomehr ist es zu be­dauern, baß unsere Vorschläge fiir ben Wiederaufbau bort ruf so wenig ßkgtnfiebe gestoßen sind. Die Art, wie 'insete Regierung bie Frage behandelt, läßt nicht aus ihren «nten Willen schließen, diesen Aufbau als das Rückgrat ber Wiedergutmachung anzusehen. Frankreich allein kann 'ebenfalls den Wiederaufbau nicht aus eigenen Kräften leisten. Die deutsche Arbeiterschaft ist bereit, ihre Kräfte zur Verfügung zu stellen. Andererseits muß das Ausland über bie Schwere unserer Belastung aufgeklärt werden, ftwie über unseren guten Wilken, unsere Pflicht nach Mög- fichkfit zu erfüllen.

Reichsminißer Dr. Eim » » » stellt ridstfa, er habe ''n Köln nicht gesagt, daß bie Entente hie versprochenen Vorschüsse nicht geleistet habe. Die Sach« lieg? vielmehr so, baß nach unseren Ablieferungen allmonatlich iest- -estellt werbe, ob mir oder die Entente ein Guthaben hätten. Wenn wir ein Guthaben hätten, würde uns dieses nicht ansbezahlt, sondern zum späteren Ausgleich zu­rückbehalten.

Abg Schreiber (Ztr.) bedauert, daß eine Nach­prüfung der Kosten für die Besatzung nicht möglich ist, weil die Gegner jede Rechnungslegung verweigern, auS- aenommen die Belgier. Beschwerden gegen daS B-fah- 'mgsheer von 150000 Mann haben nur bann Wert wenn bas ganz« Volk sie unterstützt. Den Ameri- aitern müssen wir klar machen, baß alle ihre Liebesgaben umsonst seien, wenn nicht die Kosten des Befatzungs- lleres vermindert «verben. Der Redner protestiert gegen Re schwarzen Truppen, bie noch immer auf dem »inken Rbeimiser stehen und unsereittturefl so dock stehende Bevölkerung vergewaltigen. Er protestiert amt gegen den Sklavenhandel, ber unter dem Deckmantel s?r Fremdenlegion getrieben wird. Wozu sollen die zwött Flugplätze dienen? Ans bie Rechtswibrigkeit dieser Einrichtung müsse bas Ausland entsvrechend aufmerksam gemacht werben. Entschicken protestiert werden muß gegen daS Bestehen der

friedlichen Durchdringung, da» im Rheinland bereit» leiber Früchte zn tragen beginnt Ein Reichsschulbgeseh muß ben Rheinländern 'n ihrem harten Kampfe, für dessen mannhafte Durch­führung sie ben Tank bes gesamten brutschen Volkes ver­dienen, zu Öilie kommen. Auf bie Dauer können wir «ine Jahrcsbelastnng von 25 Milliarden aus' hem Frft- d-nsvertrag nicht leisten. Der Redner regt die Bilbrin,- eine» parlamentarischen Ausschusses an, ber sich mit den Verhältnissen im besetzten Gebiete ständig behüt, sowie die Schaffung einer Stelle, ber bit Kontrolle über alle Beschaffungen be» Reiches zustehen.

Abg. Dr Reichert (Deutschnatl.) betont, daß der Abg v. G r ö f e in Hannover sich nicht für eine R.iche- volitik ausgesprochen habe. Er habe vielmehr genau das Gegenteil gesagt Die Leiben unterer Volksgenossen im besetzten Gebiet, die schwarze Schmach, die Hemmung unsere» Handel» und unserer Industrie, bas Fortführen -tnferer Viebbeüände, überall Verarmung, ba» iinb dir Fußtaofen untere» LeibenSwege». Umso dankbarer mässen wir ben Stammesgeuossen fein, bie fo tavfer an deutscher Art fest halten. Deutschland ist ein Schulduervolk znoorden. Wenn es so weitergeht, wird eS r tin Bettelvolk.

Tie Last drückt umso schwerer, als mir die ganze Summe, hie wir zu zahlen haben werden, noch gar nicht kennen Jeder Soldat des BesaLungsherrrS lostet uns 100000

Internationaler Coewerlschasts- Korgretz.

wb. London, 21. Nov. Heute vormittag seM die Versammlung d.S intemalionalen Oiei-certdrifti» bundes die Verbandlungen fort Tue 12 brutsch«» Delegierten saßen neben den b ritt leben Verrr-ttra, Fimmel« bedauerte die Abwefenheit btr amerikanisches und russischen Arbeiter und eiflärtt, daß an go» sandte Briese und Telegramme unbeantroortti bl rot ben. Ter deutsch« Delegiert« Graßma.nu antwortet.

V I Pt«£'»eet>»fr.Mbe Zeitung" eichet«! «.»es«» - "»<*

__ I 4 -STt, bur* bte Bett 4.29 Wt Aurgab« B r.itCfietli. Sport-Zt,. 1 Wt «ehr.

f 975 I Bxr ausfeflenbe Itmnmerx infoige Streiks ofcei el-npetKwet Sretewfre t»<x 6eis». - 31* Li U 18ltleg Sr. L. Hitzer»tl>. - Druck der v»x Ish. Mxg. Re*,

I SRertt 21/23. »etnSertdier 55.

Mnl.

Der Engländer hört sich mit einem unverkenn- lertn Gefühl der Genugtuung John Bull nennen, Und er nennt sich recht gern auch selber so. Er hat ßaS richtige Gefühl dafür, daß in diesem Namen die Uatt'onale englische Eigenart sich sehr gut auspräqt. pnd da-der Engländer mit seiner Eigenart stets sehr Alfrieden war, so hat er auch gegen ihre Personifi­zierung nichts einzuwenden. Bon diesen Zusammen­hängen erhält man wieder einmal den richtigen Be- hriff, wenn man sicht, mit welcher Verbissenheit der Kampf in Irland geführt wird. Menschenleben pnd dabei-mindestens so billig wie im Kriege. Den Bürgermeister von Cork läßt man Hungertodes ster- hen. Dafür rächt sich dec Inländer durch blutige Anschläge auf englische Polizisten und Soldaten. Und if*. geht die Reihe weiter: Ange um Auge, Zahn um Hghn. Englische Besatzungstrupven schießen bekannte iWnnfeiner nieder. Das nächste Bist) ist blutige Rache, hie an englischen Soldaten geübt wird. In Dublin pnd von Sonntag auf Montag englische Offiziere Und Soldaten diesmal nicht mehr allein, sondern in Ganzen Trupps dem irischen Rachegeist zum Opfer fallen. Daraus hat sich eine Straßenschlacht ent» nnen, itnb so wird daS irische Drama sich weiter blutigen Szenen abspielen.

!< Lloyd George hat vor einigen Tagen dem eng» Vschen Unterhaus bei einer Anfrage nach den irischen Verhältnissen geantwortet, die Sage habe sich bedeu- gebessert. Vielleicht könnte man versucht sein, hen englischen Ministerpräsidenten, der in dieser Weift *it der Wahrheit umspringt, einen kaltherzigen Heuch-- ler zu nennen, tote man nicht mknder versucht ist. IS Heuchelei und Pharisäertum.zu nennen, wenn die Ä"tcrdrückcr des irischen Volles auf der Völkerbunds- togung in Genf ben Anwalt des Völkerrechtes spielen Aber alte diese moralische Entrüstung ist dem Eng» länbet ungeheuer gleichgültig, und wir Deutsche, die Dir mit der Anwendung von Moralbegriffen auf die Politik so schlechte Erfahrungen gemacht haben, erhalten Per erneik immerhin bcachtenswerten Anschauuiigs- »wterricht von einem anderen Staatsbegriff, von dem Btgrijf, daß der Staat Wille und Macht ist. tzohn Bull ist die Verkörperung eines bis zur Bru­talität gesteigerten staatlichen Machtwillens. Wie ter Engländer im Kriege gegen uns die Niederknüppr- Kmgsparole ausgegeben hatte, so geht er in Zrland Ver L .'tcden, unbekümmext um Mißstimmung in Frankreich und osfene Feindseligleit in Amerika. -So­lange die Sache für England günstig steht, hält Lloyd kcorge die Lage für gut. So kämpft der Sohn der pränen Insel Irland gegen John Brill. Wieviel kftiriyrcrihzrt wird für diese Sache noch fließen?

Ucber die Sage in Irland liegen folgende Mel- Hungen vor:

wb. Dublin, 24. Nov. Die ganze letzte Nacht fperrte Militär und Polizei alle nach Dublin führenden Straßen ab und legten den Verkehr still. Die Jnfasien »er nach Dublin unterwegs befindlichen Straßenbahnen Und sonstigen Fahrzeuge wurden genau untersucht. Der Eintritt in die Stadt war verboten. In der Stadt und »erschtebenen anderen Orten der Umgebung wurden Urhlreiche Haussuchungen vorgenommen und zahlreiche Versoneu verhaftet. Die Zahl der Toten anläßlich der Schießerei zu Ende der letzten Woche beläuft sich aus Iber 40, die Zahl der Verwundeten auf 180. Aus ver­schiedenen Teilen Irlands werden Angriffe auf Poli- BBten gemeldet.

! wb. London, 24. Nov. Reuter meldet aus Dublin: Kn ber Grafschaft Tipperary ist der Führer der Sinn- pinsr Killen Aule getötet worden. Nach einer Meldung aus Cork ist dort am Dienstag abend eine Bombe explodiert. STefirere Personen wurde verwun» '»et, darunter zwei schwer.

Auch in der Wohnung des Erzbischofs von Dublin V eine Haussuchung abgehalten worden. Sein Diener wurde verhaftet.

I-n Unterbause teile E h u r ch i l l mit, daß dem iri. Phen Freiwilligenheere seit dem 1. Januar bet Heber­ollen im ganzen 3 Maschinengewehre, 197 Gewehre, 192 Revolver und etwa 60 000 Patronen in die Hand« Befallen find.

wb. Parks, 24. Nov. Nach einer Radtomeldtma d«s London versuchten in Dublin drei Führer der Ltnnfeiner cm Sonnabend aus dem Gefängnis aus* tubrecben. Sie wurden bei der Flucht getötet.

wb. Amsterdam. 24. Nov. DerTelegraaf" mel­det aus London, daß die Leichen aller Osiiztere, die am Vonntag in Dublin ermordet wurden, auf Kriegs­listen nach England gebracht werden. Auf Bitten ber varnMenmitolieder wird die Bestattung in London Itottfinben. Die Toten werden wabrfcheinllch nächsten vreftaa mit militärischen Ehren beerdigt.

Asgnfth gegen Wiederocrgeltungsmesjnahmen.

wb. London, 24. Nov. Asquith wird morgen Unterhaus einen Antrag einhrtngen, worin der Ab- J$*u gegen die am Somnag in Dublin stattgefundenen Ernrordungen von Offtiieren und anderen Pcr-

flPxrlüurn D« «xzetg'x»»«'» fit He Sew. 3«U« 7* Dfa. »n» 10% CE 7«»ft1

nxti 1.- SR., MrflaxMMÄe 1.00 St!. Jeder ,'tt 6«tr«Utt A),

Sti Sxshmft dxr» die »elchiittoft,»« xx» SetxtiHlxxn der »»»»d«t« »f«. Sex- ----

Donnerstag, Zu. yionur. dergedSpr. - e«i S«ttMe« extn M Btt. wir 6e» Verte fiir die Kechxxx,