Amtliches Derkündlgungsblatt des Kreises Marburg.
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Tageszeitung für (das früher kurheffifche) OLerheffen
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4 Wt, kur* kk Poft 4.10 «k. »„gäbe B mit .Oberh. 6»ett-3«P* 1 Mk. mehr.— ^Br autfafleHk* Jlinaeii fkfelge Streik» oder tlrmtularrt »teigailk ket» $t|at. — Verla, »•« Dr. C. Litzerottz. - Druck der Nai» .Dackkruckerei M« 2ah. »»,. Xe*, Markt 21.23. — genfniOti 55.
Marbnrg Donnerstag, 11. Sloubr. (««»eines.)
Der »U,»la«NPr«t» betritt fit kk litte. Zelle 75 VI,. ewk (0% 1efl*U«, eetll*f -w w e NNd «■•wattige 1.— Mk., ReName^il« 3.00 Ät Jeder Xakatt eilt al« Fattabalt. □□ Allfi Lei »eehieft dar* die »elchikteftelle aek Lermtttlaag der Wagtbei« 7b VH. 6ee- ~
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Sagen» Mit
Die Ausstandslage in Berlin
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Fröhlich ($•$.), Hartmann-istuoolftadt (Soz.) Tr
Ti lf d-7g dersZau « t »»: Pi,f. 5,ü^ei-Scth» (2<m)
Die „Wiedergutmachungs"-Frage.
.Anhör»»,- der de»tfche» e»ch»erftöndi,e».
tob. Paris, 10. Roe. liebet den Inhalt der Antwort der britischen Regierung auf die franzr- sisch« Note bezüglich de» Serfabnt i in der wieder, gutmachungrfrage meldet Hava», daß bi? verbündeten Sachverständigen die Vorträge der deutschen Sachverständige« anhören und entgegennehmen werden, worauf dann im Februar 1921 d e verbün beten Finanzminister in Genf zusammenkommen werden. Danach werde der Wiedergntmachungs- ausschuß den Betrag der Schuld Deutschland» lest- stellen, worauf dann endlich die verbündeten Regierungschef» die Sanktionen für die Erfüllung St- stimmen werden.
Der Druck auf Ungarn und die Türkei.
Di« Berweiger»», der Dkatifizlernng.
N6. Mailand, 10 .Rav. Der „Serola" meldet, daß Gwittti im Srttnifierret mitteilte, dost die verbündeten Mächte an dir ungarische Regierung wegen hrer unklaren Haltung ein Ultimatum richteten, in dem die Ratifikation deS FriedenSvertragei von Trianon dir zum 15. November verlangt wird.
wb. Pari», 10. Kob. Nach einer Havasmeldung auk Konstantinopel fassen die Verbündeten, da die türkische Regierung einige Verpflichtungen auS dem TrirbenSrertrag noch nicht erfüllt hat, namentüch aber sich toelgert, die inatisiziening der Vertrages von Sxtrri durch ein Jrade deS Sultans vornehmen zu lassen, gewisse Einschränkungen in der sinanzik.'ll'n Hilf? füt die Türlet ins Auge. Wenn diese Maßnahme kein Ergebnis zeitigen sollte, will man ein Ultimatum jLLeu. ------.—- ---------
Danzig.
Der Vertrag »it Pole» unterzeichnet.
Danzig, 10. No». Dir Vertreter der freien Stadt Danzig unterzeichneten gestern nachmittag 6*/t Uhr. wie die ^Danziger Zeitung" ans Paris meldet, den Vertrag mit Polen sowie die Konstituirrungsakte und da? Zusatzprotokoll. Die KonstituierungSakke wurde nur von den Danziger Delegierten unterzeichnet. Sie enthält vier Artikel <nd bestimmt, daß die schie Stadt Danzig vom 15. November an konstituiert ijl Die Konstituierung erfolgt am 15. November durch einen fei-rlichen Akt, vermutlich gleichzeitig in Eens und Danz'g. Das Zusatzpruioso'l» das gVi-f-fe'U nur von den Danziger Delegierte« unterzeichnet wurde, letzt fest, daß die freie Stadt Danzig berechtigt ist, sich in «fielt Artikel 106 des Versailler Vertrags betreffenden Frage» unmittelbar mit der Botschaflcr- tzonsrrenz in Verbindung zu setzen. Ein Artikel betrifft den Umfang der finanziellen Lasten, bte die freie Stadt »em Deutschen Reich »nd Preußen zu übernehmen hat.
Die polnische Delegation hat bis zetzt weder den Vertrag »ach die vründnngSakte gezeichnet.
Mk Ent in Düta.
wrangel, erfolgreiche Abwehr.
wb. Pari», 10. Rov. Aus Sebastopol wird berichtet: In der Gegend von Perekop haben die Truppen Wrangel? den Bolschewisten empfindliche Perluste b igebracht. In der Gegend von Sirach baden die Bolschewisten nach mehreren vergeblich-.» Versuchen, zur Offensive Lberzugehen, ihre Bemühungen eingestellt.
Meuterei auf eine« bolschew'ft'sche» Kreuzer.
ob. Kopenhagen, 10. Rov. „Berlingske libenbe“ meldet ans Helfingfors: Die neuen hie- eing troffenen russischen Tageszeitungen teilen mit, daß in Kronstadt an Lord d« Kreuzer» „6to- mobry" eine Meuterei ausgebrochen ist. Die Besatzung habe alle bolschewistischen Offiziere e r - mordet und darauf da» Schiff im Hafen versenkt.
Armenien, Settgie» «nd Rußland.
wb. Konstantinopel, 10. Rov. Die Reste der armenische« Armee ziehen sich nach Romo-Basazid zurück. Die armenisch« Regierung hat um Frieden gebeten, aber der Führer der Truppen Kemal Pascha, verlangt die vorherige Auslieferung aller Waffen.
Die Sorofetregierung hat der Republik Georgien ein Ultimatum übermittelt, in dem der sofortige Abbruch der Besprechungen mit General Wrangel verlangt wird.
wird mit Gefängnis oder Geldstrafe bis 15000 <X bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine unzulässige Aussperrung vornimmt.
Die Gewerkschaft«« gegen die verordn«»-.
Die Berliner Gewerkschastskommisfion protestiert in einer Erklärung g*gett bk Verordnung des Reichspräsidenten, da sie gegen da, in der Ver« fasiung gewährleistete Koalitionsrecht einer Gruppe von Arbeitern verstoße. Der Ausschuß der Berliner Eewerkschaftskommission hat im Verein mit dem Allgemeinen deutschen Eewerkschaftsbund gestern bei der Reichsregierung Schritte gegen die Verordnung unternommen. Die sozialdemokrati» chen Parteien werden aufgefordert, von der Regierung die sofortige Aufhebung der Verordnung zu verlangen. »
Ultimatum des Magistrats.
wb. Berlin, 10. Nov. Der Magistrat sieht sich mit Rücksicht auf die durch den Stretk der städtischen Elektrizilätsarheiter hervorgerusene Bedrohung des allgemeinen Wirtschaftslebens zu folgenden Beschlüssen veranlaßt:
1. Die Arbeiter und Angestellten der städtische« Elektrizitätswerke »erben ausgefordert, ihren Tiensis nach den Anweisungen der Direktion in vollem Umfange spätesten- bi« Donnerstag den 11. 1L nachmittags 2 Uhr aufzunehmen. Di« Arbier und Au- gestellten, die dieser Aufforderung nicht Folge leiste«, haben sich mit sofortiger Wirkung «US entlasse» fM betrachten. 2. Die Dtrcktton der städtischen Äestrt- zitätSwerk« wird beauftragt, diejenige« Arbeiter «ich Angestellten, die zur Durchführung de« Streikes an Maschinen, Anlage« oder Etncichtungen Handlungen rorgenommen haben, durch bte eine ordnungsmäßige Fortführung des Werkes unmöglich gemacht oder er- schwen ist sowie ferner diejenigen' die zur Herbeiführung di-seS Erfolge« mitgewirkt haben, zu ermittel« und sofort zu entlassen. 3. Die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke wird ferner beauftragt, solche Arbeiter und Angestellten, gegen bte nach den bisherige« Ermittelungen Tatsachen vorliegen, ans denen zu schließen ist, daß sie eine unter Ziffer 2 angegebene Handlung begangen haben, vis zur endgültigen Feststellung ihrer Schuld, unter vorläufiger Belassung ihrer Bezüge, vom Dienst zu suspendieren.
tob. Berlin, 10. Nov. Nachdem sich der Magistrat nunmehr entschlossen hat, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, hat der RetchSminister des Innern für heute bte Durchführung der auf Grund der Verordnung bei Reichspräsidenten beschlossenen Maßregeln auSgesetzt.
Hastbesehl gegen de« Anstifter be« Auostanbe».
wb. Berlin, 10. Nov. Wie verlautet, erging schon vor Ausbruch bei Elektrizitätsstreiks gegen dessen Anstifter, den Kommunisten Sott, ein H a f t b e t e h l wegen verschiedener strafbarer Handlungen. Die Elek« trizitätsarbeiter verharre« vorläufig weiter im Streik und lehnen das Ergebnis der gestrigen Uraistimmunal» für sie nicht verbindlich ob. Sie beschlossen, beute über die durch die Streikgegnerschaft der Mehrzahl der stödti'chen Arbeiter geschaffene Lane zu beraten. Der Straßenbahnverkehr konnte noch nicht wieder aufgenommen werden. Sie Hoch- und die Untergrundbahn verkehre» wieder.
Die Regierungsbildung in Thüringen.
- W. Wei mar, 10. Nov. Henke abend wurde A«h fünsstünbig-r, zum Teil erregter Aussprache die Regierungsbildung für Thüringen vollzogen. Gewählt । tourbe die sozialdemokratische Liste mit Hrlfe von vier ! Demokraten und elf Unabhängigen, die Kommunisten i bedielten sich neutral, die vereinigten Rechtsparteien ; fammten bagegen. Tie neue Regierung für Thürin- i|en setzt sich zusammen aus den Herren: Tr. Paulsen .kD-m.^, Dr, Benz und v. fcraaicnjtcm ^Parteilos),
HtWnoi ins rrlWt gijrwultt.
wb. Berlin, 10. Nov. Aufrufe der Komm«- nistischen Arbeiterpartei und der Arbetlerunion fordern di« Arbeiterschaft tut Unterstützung deS Streiks, her au- einem gewerkschaftlichen zu einem großen politischen Kampfe geworden fei, und zum Generalstreik auf. Ebenso tote die Mehrheitssozia- list-n sind auch bet rechte und linke Flügel bet Un- akhängigen gegen den Generalstreik. Der linke Flügel der Unabhängigen erläßt folgenden, von Ernst Täumig und Adolf Hoffmann gezeichneten Aufruf gegen den Generalstreik: „Zu den Maueranschlägen, die allenihalben angebracht wurden und in denen zum Generalstreik anfgefordert wird, erllären rott, daß wir nnS mit di-ser Parole im gegenwärtigen Augenblick nicht identifizieren, und daß ebenso wie die Unterschrift der K. P. D. auch die unfnge fälschlicherweise unter diese Plakate gesetzt wurde."
Berlin, 10. Nov. Kommunistisch« Arbeitergruppe« versuchten henw an verschiedenen Stellen der Stabt in Betriebe einzudnngen, die Arbeiter an bet Arbeit zn hindern und die Betriebe stillzulegen.
Ausschreitungen Arbeitsloser.
tob. Berlin, 10. Nov. Eine größere Anzahl fertnber Arbeiter drang zwischen 12 und 1 Uhr in die Gasanstalt 4 (Danziger Straß«) ein «nd verlangte, baß die Garanstaltsarbeiter noch einmal über den Stt if abfiimme« sollten. Dem Drä:«gen oieser Leute folgend, wurde auf Verlangen des Betriebsräte» diese Äbstimmung sofort votgenommen mit dem Ergebnis, daß bet Streik erneut abgelehnt wurde. Nach einiget Zeit brangen etwa 1000 Arbeitslose in die Gasanstalt, setzten gewaltsam den Betriebsrat ab und verlangten die Einschung eine» politischen Arbeite träte», der von den Arbeitslosen sofort gewählt wurde. Daraufhin wurde bet Streik In bet Gasanstaft 4 erklärt. Die Staatsbehörden wurden tu Kenntnis gefetzt.
Nach einer weiteren Meldung haben die Arbeiter der Gasanstalt den politischen Aroet'.etrat wieder ab* gesetzt und die Arbeit wieder ausgenommen.
Fast ;n gleichet Zeit mit der Stillegung der Gasanstalt 4 drangen etwa 150 Personen in da» Thar* la'tTnbntxer Elektrtzllätsw.'tk en und verhinderten d» Arbeiter an der Weiterarbeit. Als Sicherheitspolizei erschien, flüchteten die Demonstranten. Vor dem Gebäude des Metallarbllterverband«- in bet Linienstraß sammelten sich ebenfalls nm bte M t agsstnnde otwa tausend Personen an »nd verluchten in die Räume de» Verbandes einzudringen. Es gelang, noch e ch - yitig die lote zu schließen, so daß die Demonstranten icLbet adziehen mußten. Ter Sicherhe' Spolizn ge i g eS, einen der Hetzer festzunehmen. In da» Rosen- chaler Werk der Bergmann ElektrizttätS-Werke drangen etwa 400 bis 600 Arbeitslose ein, zwangen die Arbettet zum Feiern und veranlaßten sie zum Berlafsen der Werke. Auch die Werkzeugmaschinen- ntck Werk* zeuasabtik Aitten-Gescllschast Ludwig LoeweLTo. in der Hutten-Straße echielt heute Mittag den Besuch von etwa 200 Demonstranten, die daS Kraftwerk still- legten und so de« Betrieb unterbauben. Al» die in den Werkstätten beschäftigten Arbeiter, über die Ursache des Stillstehen» der Maschinen beunruhigt, auf die Höfe kamen, wurden sie von beit Demonstranten ausgesordett, in den Generalstreik einzutreten. Schließlich erschien die Sicherheitspolizei, der ei gelang, dir Ruhestörer zu entfernen, ko daß jetzt da» Werk wieder vollständig in Betrieb ist.
Eine Verordnung des Reichs- Präsidenten.
Gegen willkürliche Etillegungen in 6a»-, wasser. »^Kraftwerken.
Berlin, 10. R^v. Der Reichrpräsident hat auf Grund des Artikel» 48 Absatz 2 bet Reich» Verfassung eine Berorbnung heraurgegeben, welche di« willkürlich« Stillegung der Gas-, Master- und Kraftwerke verhindern soll. Die Verordnung sieht vor. daß Ausstände und Aussperrungen erst zuläll^ sind, nachdem bet Schlichtungsausschuß engenden ist unb drei Tage nach dem Schiedsspruch vergang.m sind. Weiter soll der Reichsminister de; Znnern auch befugt sein, die Arbeitg b?r zur Erfüllung berechtigtet Wünsche und Ansprüche der Arbeiter anzuhalten, um dadurch Ausstände zu verhindern Wer zu «inet danach unzulässigen Aussperrung ob it Arbeitsniederlegung aufforbett oder zur Durch- fürung eines solchen Ausstandes an Maschinen, Anlagen oder E nrichtungen Handlungen vornimmt, durch die die ordnungsmäbge Fortführung des Werke» unmöglich gemacht öder erschwert wird.
Berlin, 11. Rov. Tie Funktionär« der streikenden ElektnzttAsarbllter haben in einer Versammlung, nachoem der Verband bet Maschinistei« und Heizer zum Streikabbruch geraten hatte, beschlossen, erneut eine Urabstimmung vornehmen zu lassen, bis heute vormittag beendet sein werd.
Mehreren Blättern zusolge wird sich der Reichs, tag mit dem Berliner Elektrizitätsstreik beschäflig-n, Bei der Hauehaltsberatung soll bte Frage der ob ligatorisch.n SchlichtungsauLfchäste und der Schutz d't Arbeitswilligen sowie die Frage des Schutzes wc kom- muniftifchen Sewaltwaßnahmen etirtett werden.
wb. Charlottenbntg, 10. Rov. Heut« vov mittag fand eine Betri bsVersammlung der Lhar otiew bürget städtischen Gasarbeitrt statt, a« der zablreicht Arbeitslose teilnahmen. Nach längeren Berhandlunqei unter Mitwirkung des Poltteipräsibemen Rick^er er- klärte" sich schließ ich die Gasarb?iter bereit, verstärktj NotstaitbSarbeiten auszusüdren. d. h. für die Füllun; bet Gasbehälter »nd die Beleuchtung des GaSwerki zu sorg.n. 3tot weitere Betätigung lehnten bte Ao beitet ab.
Der 9. November in Reich.
Berlin, 10. Nov. Die Feier de» 2. Jahre« tage» ber Revolution verl es überall, soweit fest steht, ohne Z 'hensall. In Sachsen und Braun schweig bau." bl« Arbeiterschaft nut jum s<hr gt rtagen Teil b.e eingestellt.
jp" Rebe des bayerische« Slinisteepräfideute«. .
r wb. München, 10. No». In bet heuttaen Sitzung |et bayrischen Landtage, sprach Ministerpräsident e. Lahr über die bayrisch« Politik: An unserer Selb- »änbigreit, die uns die Weimarer Verfassung läßt, ist festzuhalten, llnitarismu» und Liberalismus lehnen , i r a b im Interesie de» Reiches. Das sogenannt« fS- heralistisch« Programm bet Bayrischen Volkspartei berührt weder die Koalition noch die gegenarörtige Regierung. Die auswärtige Politik, bte Bayern treibt, yt ihm durch die besonderen Verhältniste «ufgenötiat «nd zwar im Interesse de» Reiches. Alles, was wir im, geschieht im Einvernehmen mit dem Reiche: «a eine Sonderpolitik denken mir nicht. Imperialis- pm, und Chauvinismus, sowie Gewaltpolitik haben ««» ins Unglück gebracht. Gefehlt wurde bei uns, ober, oben so auch bei den Siegern. Wir find in dem Bestreben einig, den Friedensvertra« so weit al, Möglich zu erfüllen und die Frankreich zugefimten Schäden «iedergutMmachen. Unmögliche, darf man aber nicht von uns verlangen. Verständigung und Versöhnung ist bas Leitmotiv bet Politik im Innern. Das Holk ist burch K l a s s e n h a tz zerklüftet, unb die Regierung hat bte Pflicht unb bas Bestreben, diese Kluft zu üoerbrücken. Es ist erfreulich, datz sich dieser Gedanke auch bei der einsichtsvollen Arbeiterschaft durchzusetzen beginnt. Die Regierung wird, um die Versöhnung zu sthLtzen, sich gegen jede Machtgelüste wen recht» und Ihile wenden müssen.
F Zur Frage der Einwohnerwehr übergehend s erklärte der Redner: Der einzige Zweck der Einwohner- !»ehren ist der Selbstschutz und der Schutz der staatlichen Ordnung. Würden andere Ziele in sie auf» genommen, so würden diese die Einwohnerwehren fptengen. Der Staat kann die Unterstüdunq der Cin- wohnerwehren nicht entbehren, da er wehr- lo» gemacht worden ist. Der Staaisfeinv rüstet zu — «teer neuen Revolution. In den letzten Tagen pnd durch die Presie erst Nachrichten gegangen, die w« einem Operationsplan Moskaus mit den deutschen Ra- .bikalen zu berichten wußten. Es kam die Note des i,Generals Rollet, nach der unsere-Selbstfchutzorgani- | faticn a u f g e I ö ft werden sollte. Die Einwohnerwehr stillt aber nach dem Friedensvertrag nicht unter die auszulösenden Organisationen unb daher habe auch die Regierung gegen die Entwaffnung Einspruch erhoben, da orbnungsmästige Einwohnerwehren und unerlaubte bewaffnete Organisationen auf eine gleich« Btufe gestellt würden. Würde die Einwohnerwehr aufgelöst ober entwaffnet, so würde da» «in Versinken I» den Bolschewismus bedeute«. Der Unter« geng Deutschlands würde aber den Untergang Europas Md der europäischen Kultur «ach sich ziehen. Bei der i anzunehmeiiden Aufrichtigkeit der Verbandsmächte •erb« sich wohl ein Weg finde« kaffe«, der den Seiber« ■ stritten Intereffen gerecht wird.
"■ Zur Frage des Preisabbaues bemerkte der s Redner, daß die bayerische Regierung eine Verordnung I gegen den Wucher erlassen habe, den« es sei eine sittliche Wiedergesundung ohne Staatszwang nicht zu erhoffen. Auf dem Gebiete des Wohnungswesens, ber Urwerbskosenfürsorge unb ber Arbeitsbeschaffung sei Alt allem Ernst gearbeitet worben. Die wirtschaftliche -Rot kann nur burch ein wachsenbes Interesse des ganzen Volkes unb nur allmählich behoben werden. Der Red- l»et schloff: „Rur das Volk ist eine reiche Ration, bas Aichr nur an sein eigenes Recht glaubt, sondern auch bi- rr,’»V'*-n -rM'tntt und erfüllt, die ihm obliegen."
Im Anschluß an die Erklärung bes Ministerpr*si benien v. Ka^r erklärte Aba. Speck svayr. vpt.s bei ; Besprechung bes Bamberger Programm», baff seine iVartei sich gegen alle Verdächtigung wegen ihres Pro- * irorams verwahre. Frankreich werde a« seinem ve- sstreben, das Ruhrgebiet zu besetze«, festhoffen j ohne Rücksicht darauf, ob wir i« Bayer« entwaffnen '»der ni*t. Wir können auf die Einwohnensdhren als kelbstfchutz nicht verzichten, solange die Putschaefabr Von links besteht und bas Reich un, nicht zu schüfen vermag. Abg. Dill (Soz.) »endet sich gegen das Bamberger Programm, do, er wegen seiner Fordern«» de, Rechts ber einzelnen Länder, ihre Staatsform selbst tzu bestimmen, für gefährlich erklärt. Die Sozialdemokratie Bayerns sei für die geschlossene fest« Reichsein- hett und verstehe unter llnitarismu, lediglich, daff die Bwffe Politik einheitlich vom Reich gemacht werde. , «Benn Bayern die Entwaffnung nicht durchführe, «»erde . bet Entente für bte PefeNung be« Ruhrgebiets ein Kechtstitel gegeben. DK Verantwortung treffe dann leite, die bet Entente die Möglichkeit z» Repressalien ■ gegeben hätten.