Einzelbild herunterladen
 

Amtliches Verkündigirngsblatt des Kreises Matourg.

Tageszeitung für (bas früher kurhessische) Oüerheffen

I Üt. 253

TieOderheffffche Zeitung" erjcheint lecbsmal wo»entl,ch. - Bezugspreis monatlich 4 Äf, bar* die Poft 4.20 Ml. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztz." 1 Mk. mehr. xüt aussallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignifle kein Er,-«,. - Lerlaa »on Dr. t. Sitzerath. - Druck der Unin.-BuMdruckerei »en 2oh. »eg. Koch, Markt 21/23. Fernlprecher 5a.

Marburg

Freitag, 29. Oktober

lSilbhardt.)

Der AnzeiIenprei» beträgt für die Seel». Zeile 75 Pf», und 10/, AuffÄlag, «mtliche und auswärtige 1. Mk., ReNumezeile 3.00 Mk. Wieder Nadatt »ilt al» Barradatt. Bet Auskunft burtb die Eeschältsftelle und Vermittlung der »ugedote »fg. Gen» dergebiitzr. Bei Beträgen unter 20 Mk. müssen wir da, Part» für btt Nechnung berechnen. Pofticheckkonto: Nr. 5015' Amt ftranttert e. Main.

55.3,Hk,.

1921

Sie »keiiWe SetiQtoo.

fK. Sitzung der preußischen Landesverjammlüng vom 28. Oktober.

Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 1,18 Uhr. Ins der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand die »eite Beratung einer Verfassung für Preußen Der Ausschuß hat eine Reihe von Aenderungen vorge- lchlagen. Außerdem liegen mehrere Abünderungsan- vöge vor. Bei § 1Preußen ist eine Republik und Glied des Deutfchen Reiches" findet eine allgemeine Aussprache patt. * *

Abg. Berndt (Dem.) berichtet über die Verhand­lungen des Ausschusses.

Abg. Hirsch lSoz.): Die Beschlüsse des Ausschusses sind ein Kompromiß: auch wir haben ihm zugestimmt, weil wir an unserem Widerspruch das ganze Ver- sussungswerk nicht scheitern lassen wollten und konnten. Reichskanzler F e h r e n b a ch hat sich ausschließlich mit den Gefahren von links beschäftigt. Ueber die Ge­fahren jedoch, die von rechts drohen, hat er nicht ge- fprbchen. Und doch erheben dieselben Elemente, die den Zusammenbruch verschuldet haben, erneut ihr Haupt. sEehr wahr! links.) Das alte Preußen soll wieder her- gesiellt werden. Das lehren die Verhandlungen von Hannover. Man wollte in Hannover die Aufmerksam­keit von sich abwälzen. Die Juden sollen es wieder ge­wesen sein. Zu Pogromen hat man gehetzt. (Abg. e, ®taefe (Deutschnat): Da hört denn doch die Welt­geschichte aus! Kein Wort davon ist wahr! Lebhafte Unterbrechungen von rechts. Glocke des Präsidenten.) Wollen Sie etwa bestreiten, daß das, was in Hannover vorgesagt wurde, zu Pogromen reizt? (Aha! und Lachen rechts.) Rach der Reichsverfassung soll Preußen ein Glied des Deutschen Reiches sein, aber nicht mehr der führende Staat wie früher. Im Reibe ist ein Präsident erforderlich, schon wegen der Beziehungen zum Auslande. In den Ländern aber sehen wir keinen '©tunb für einen Staatspräsidenten. Wir lehnen daher den Antrag der Deutschnationalen und Deutschen Volks- partei ob. Wenn der Staatsrat eine erste Kammer lein sollte, würden wir ihn grundsätzlich ablehnen. Daß Deutschland ohne ein starkes treusten nicht leben kann, hat auch der Reichsminister des Innern Dr. K o ch in einem Artikel desBerliner Tageblatts" zugegeben, als et noch Oberbürgermeister von Caüel war. (Hört, Hort! bei den Soz.) Rach dem Zentrumsantrage bat der Staatsrat alles zu sagen, der Landtag nichts. Die Neu­wahlen werden den Sozialdemokraten einen erheblichen Stimmenzuwachs bringen. (Rufe rechts: Oho, Abwarten!) Das Volk wird die hckrwegfegen, die an dem freien demokratischen Breußen zu rütteln wagen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.)

Abg. v. Kries (Teutschnatl.): Auf dem Partei- kag in Hannover haben wir unsere Ideale vertreten, wie dir Sozialdemokraten es in Cassel getan haben. Unsere Ideale sind die M o n a r ch i e. An ihr hakten wir fest. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Wir wollen ein neues Preußen ausrichten, das frei von allen Schlacken der Revolution ist (Greß: Unruh" bei den Soz., lebhafter Beifall rechts). Als Partei bhnen wir den Pogrom ab. Wir haben unsere Ab- LndeningSanträge gestellt, um der Zertrümmerung Preußens Einhalt zu tun. Wir wünschen ein stackes Preußen. Besonderen Wert legen wir auf Festlegung der Landes färb en in der Verfaffung schwarz- weiß. Eine erste Kammer, wie sie der Staatsrat abgebe* fflnnte, kann man nicht ohne weiteres rot bem früheren Herrenhaus vergleichen. Wir Wolken ht dem Staatsrat eine Stelle haben, in deren Hand das Staatssteuer liegt. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Die Selbstverwaltung der Provinzen begrüßen wir. Die Autonomie OberschlesienS wird von den wirt- hhafttichen Verhältnissen abhängen. Mit der Haus- haltsberatung mAffen wir uns beeilen.

Abg. Preuß (Dem.): Ich bin überzeugt, daß die Lkehrheit der Versammlung einen Staatspräsidenten Mchnt. Auch wir wollen, daß alles geschieht, daß die preußischen Landschaften gern im preußischen EtaatSterband bleiben. Die Rechte beantragt, die alle Farbe schwarz-weiß zur Landesfarbe zu erkläre::. Da nach ihrer Versicherung hier keine Demonstration hegen die Reichsfarben liegen soll, haben wir gegen diesen Antrag nichts einzuwenden.

Abg. Tr. Leidig (Dt. Vpt.): Mr treten an die Verfassung heran unter uneingeschränkter Aus­rechterhaltung unserer politischen Grundsätze. Wit hoffen auf ein

Dirkes deutsches Kaisertum,

Ärr wir lehnen politische Demonstrationen ab, da wir nnS in den Grenßen der NeichSverfassung halten müssen. Die dem deutschen Volk entsprechende Llaats- |»nn ist der ObrigkeitSstaat. Das Volk will eine Autorität haben. Die Grenzen der Selbstver­waltung liegen da, wo eS sich um Lebensbedürfnisse des Gesamtstaates handelt. Mit den Lügen des Herrn Korfanty in Warschau können wir nicht Schritt halten (Lebhafte Zustimmung). Unsere Freunde in Ober­schidie« werden sich aber erinnern, was ihnen Preu- fcn gegeben hat. Sollte der Staatspräsident ab- strlehitk werden, so wollen wir den Präsidenten des 6tea»;rate§ mehr herausgehybett wijjerr Lebhafter IfeijnU rechts). -

Die Aussprache im Reichstag.

Slnorüe Wideman» gegen in» WMhrMMkiim.

Abg Beye r-Oberschlesien (Ztr.): Die Annahme, daß auf die Abstimmung in Oberschlesien im weient lichen wirtschaftlichen Einflüsse einwirken, trifft dock, nicht vollständig zu. Es sind manche politische Fehler in Oberschlesien begangen worden. Man sollte Ober- schlesie» dem Lande nicht noch mehr entfremden, und dazu ist es nötig, daß es die Autonomie erhält. Für die Festlegung der preußischen Landesfarben schwarz-wciß in der Verfassung stimmen auch wir.

Abg. C o h n-Nordhausen (U. S.) beantragt die Be­ratung auszusetzen, bis wenigstens die Frage bet Reichsgliederung vollkommen geklärt ist.

Abg. Vellert (Neu-Kommunist): Die Arbeiter­schaft pfeift auf das, was sie hier beschließen. Die wirkliche Veisaffung ist doch lediglich eine Macht- frage. Die preußische Landesre.fammlung ist voll­ständig überflüssig. Tas Proletariat toiro diese Ver­fassung in Scherben schlagen.

Abg. Heilmann (©.): Wir lehnen den Antrag auf Festlegung von Landessarven in der Verfassung ab. Es kommen auch für Preußen die Neichsfarbeu schwarz-rot-gold in Betracht.

Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr: Fortsetzung, be­ginnend nut der Abstimmung über § 1 und die zt gehörigen Anträge.

e Das Arbeitsprogramm.

Berlin, 28. Oft. Der Aeltestenrat bet Preußi­schen Landesversamrolung faßte den Beschluß, daß Li- Sonnabend dieser Woche die 2. Lesung der Vcrfastune beendet sein sein soll. Dann tritt Vertagung bl? Donnerstag ein. An diesem Tage wird der Haushalt weiter beraten. Am Freitag wird die Vorlage übe^ den Mittellandkanal auf die Tagesordnung gesetzt, und im Verlaufe der übernächsten Woche soll dann die 3. Lesung der Verfassung erfolge«. .....

Die letzte Sitzunq der sächsischen Kammer.

Angriffe gegen die Craanffatio« Escherich.

trb. Dresden, 28. Okt. In der sächsisch.-n Volkskammer gab der Minister des Innern vor Ein­tritt in die Tagesordnung zu den durch die Presst gegangenen Mitteilungen über die Chemnitzer Vor­gänge und angrblichen B strebungen der Organifaiitn Esch-rich, Beamte und Offiziere der Reichswehr und Lar.despolizei für ihre Bestrebungen zu gewinnen, ein längere Erklärung ab. Soweit die Chemnitzer Vor- lalle in Betracht kämen, habe das Mimstert um dec Innern die Offiziere der Landespolizei, Hauptmann Konradi und Leutnant Seholle sos--i ihres Dienstes enthoben und eine schnelle unparteiische Untersuchung angeordnet. Das Wehrkreiskommando 4 fei zur Be­richterstattung in das Reichswchrminiperium aufge­fordert worden. An das sächsische Volk aber richte bw Regierung das dringende Ersuchen, die Ruhe zn wahren. In der folgenden Aussprache erhoben die Redner der Rechten entschichen Einspruch gegen die einseitige Darstellung der Chemnitzer Vorgänge durch den Minister, während im übrigen die Meinun­gen des Hauses weit auseinander gingen. Nach Er- lkdigung der Tagesordnung wurde bie voraussichtlich letzte Sitzung der sächsischen Volkskammer durch den Präsidenten geschlossen. Am 14. November finden die Neuwahlen statt. Am 7. 12. wird wahrscheinlich der neue Landtag zusammentrere«. Bis dahin gilt die Volkskammer als verfassungsmäßiger Landtag.

Das Wehrkreiskommando 4 erklärt: Weder in 8 i> Hain, noch in Frankenberg, noch an irgendeinem an­deren Orte des Wehrkreises ist von ReichSwehr- formctionen die Bewaffnung oder Ausrüstung eines Chemnitzer oder irgendeines anderen Orgesch-Batail- (ous übernommen worden. Weder der General a.D. Senfft v. Pilsach noch ein anderer der von derCh-.m- nitzer Bolkssiimme" angeführten Offiziere gehören der Reichswehr an. Zwischen der Orgesch und oer Reichs- lvchr bestehen keine Abmachungen.

---«---

Deutsch-französischer Zwischenfall.

Hamburg, 28. Okt. Die französische Presst meldet in sensationeller Weise einen tätlichen An­griff aus den Attache des franzöfifchen Konsuls in Hamburg. Nach demFremdenblatt" handelt eS sich um einen Vorfall in dem GesellschaftsbausFaun." Der Attache geriet mit einem Deutschen in Wort­wechsel, wobei es zu Tätlichkeiten kam und der Fran- zeje durch Stockschläge verwundet wurde. Nach An­gabe der Deutschen soll sich der Franzose vorher auf­reizend benommen haben.

Der Neichsschulansschnß trat zu einer auf vier Tage berechneten Konferenz im Reichsministerium des Innern zusammen, um zu einer Reihe dringlicher Aufgabe« der Reichsschutgejetzgebung Stellung zu gehmcg.

Sitzung vom 20. Oktober.

Am Ministertisch: Reichskanzler Fehrenbach, Vize­kanzler und Reichsjustizmimster Heinze und Reichssinanz- minister Wirth.

Scheidemanns Vorstotz.

Abg. Scheidemann (Soz.) betont, die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers zeugten von tiefer Resignation. Er polemisiert gegen die Deutsche Volks­partei, zu deren rosenroten Plakaten vor der Wablbewe- tjung die gegenwärtige Lage schlecht paffe. Wir sind gewillt, die demokratische Republik zu schützen. Wir stehen ja nicht mehr st» ganz allein,, wir haben auch in der Welt wieder Freunde gesunden, und müssen uns hüten, über diese austeimende Saat durch reaktionäre Umtrieb: den Frost kommen zu lassen. Dazu patztz^r Ton schlecht, der ans dem -deutschnationalen ParleiW in Hannover angeschlagen wurde. Lassen Sie die Finger von der Außenpolitik, beschränken Sie sich auf die innere. Er protestierte gegen die Auslieferung der Dieselmoto­ren und nannte diese Forderung grausam, brutal und eine Dummheit. Wir verlangen Wiederaufnahme der wirt­schaftlichen Beziehungen zu Rußland, trotz Hatte. Wir haben auch keine Besorgnisse vor russischen Einflüssen. Der Zustand, daß wegen Kohlenmangel der Austausch der Kriegsgefangenen ins Stocken geraten ist, fordert zum schärfsten Protest heraus. In den Ergebnissen der Ab­stimmung sieht er den Beweis, daß die junge Republik eine größere Anziehungskraft ausübt, als Hohenzollern und Habsburger, und erwartet von Oberschlesien das gleiche Wir wollen keine Gesinnungsschnüffelei, aber der Feind der Republik muß heraus. Deshalb sind wir gegen die Reaktion, die sich sogar der Reichswehr bedient. Die Regierung ist bestrebt, trotz einzelner sozialistischer Mini­ster die alten Beamten als Gegengewicht zu halten. An weiterer Beweis hierkür ist ein Blick in den Heeres- -tat, wo vor lauter Generälen und Pferden kaum die 100000 Manu zu finden sind. Der Herr Minister zieht M den Hut vor allem roten Streifen, deren mächtiges Haupt Herr v. Seeckt ist. Das Ziel des Offizierkorps sei die Wiederherstellung ihrer alten früheren Herrlichkeit. Das zeige das Programm des Herrn v. Seeckt, der die Bil­dung der Wehrkammer eutworftn habe. Auch wir wollen keine Politik im Heere, abgesehen von der Forderung un­bedingten Festhaltens an der Republik. Herr v. Seeckt will den Geist von Potsdam und Sedan toieber Herstellen So macht er aus der Reichswehr ein williges Instrument der nationalistischen Bestrebungen. Dieser Geist führt zur schließlichen Bildung der weißen.Garde. Auch das Beschwerderecht, dieses Scheinrecht unseligen Angedenkens, taucht wieder auf. So wird das Heer eine schrankenlose Domäne der Offizierskamerilla. Diese Hüter der Repu­blik hätten die Wiedek-infübrung der schwarz-weiß-roten Kokarde beantragt Das sei eine Verhöhnung der Repu­blik. (Stürmische Proteste und Zwischenruf des Ministers Äeßker.) Als der Redner der Rechten vorwirft, wäh­rend das Volk im Kriege alles verloren habe, hätten si. nur ihre Achselstücke verloren, ergebt sich ein gewal­tiger Lärm. Das ganze Haus erhebt sich. Pfuirufe und minutenlanger Lärm hindern zunächst den Präsiden­ten, für Ordnung zu sorgen. Der Redner betont, ihm liege 'ede Absicht fern, den Herrn Minister Geßler selbst zn l.änken Er wünsche, den Herrn v. Seeckt, diesen Or­ganisator der Gegenrevolution, zu beseitigen. Die Offizierstaste müsse entfernt werden. Den Ersatz habe man aus den Mannschaften und Offizieren zu nehmen. Die Entwaffnung müsse rücksichts'os durchgeführt werden Run frage er, ob eS wahr sei, daß in Potsdam 000 Ma­schinengewehre und Tausende von Gewehren versteckt ge- Tefuuben wurden, und daß ferner nur Mannschaften, nicht aber Offiziere in dieser Angelegenheit verhafte! worden feien. Ferner frage er. wie es mit der O rges ch stehe. Wir Hoven nicht das Vertrauen zu der Deutschen Bolksvartei, daß sie mit ihrer monarchischen Gesinnung ein guter Schätzer b-r Republik ist. Das macht aber nichts, denn der beutfebe Arbeiter ist der beste Hüter der Republik. Ein Ausnahmegesetz gegen die Kommunisten entspreche nicht den republikanischen Anschauungen. Ob mit den Unabhängigen ein Zusammenarbeiten möglich fein wird, hängt von ihnen ab. Sie lassen sich ja mehr von )er Furcht vor den Kommunisten leiten, als von dem 'Ge­danken von der Einigung der deutschen Arbeiter. Zweck­mäßig sei eS, die Parole auszugeben: Arbeiter, einig« Euch in' der sozialdemokratischen Partei. AIS Ziel^der sozialdemokratischen Wünsche gibt der Redner die So­zialisierung des Kohlenbergbaues an. Ter Redner kritisiert bann das Verhaften der Minister der Deutschen Volksvortei, da sie in der Fraktion gegen dir Sozialisierung Stellung genommen, den Kabinettsbe­schluß auf Sozialisierung aber unterzeichnet hallen und warnt sie, ein Spiel mit der Arbeiterschaft zu treiben Die Arbeiterschaft der ganzen Welt erwartet von uns bahnbrechende Erfolge auf dem Gebiete der Diederaai- richtuug. Sozialist sein heißt: Optimist fein! Wir glauben an Deutschlands Zukunstl

Reichswehrminister Geßler erklärt, auf die Einzel­heiten des Vorredners erst beim Haushalt der Heeres­verwaltung eingehen zu wollen und übernimmt dic alleinige Verantwortung für fein Ressort, dir er mit niemand teilen wolle, auch nicht mit Herrn tu S-rl.kt. Daß fccti Scheidemrun für dirjchwcir Aufgabe,

die Herr v. Seeckt, sogar zur Zufriedenheft der (Entente in stiller Arbeit, aber mit blutendem Herzen erfüllt bat, so wenig Verständnis zeigt, beklage er aus ganzem Herzen. (Bravo.) Er bedauere, daß Herr Scheidemann für die ungeheure Tragödie der Entlassung von Taufende« von Offizieren und alten Unteroffizieren kein Verständ­nis hat. Leider gebe es große Parteien, die auf das Heer nur zurückgreifen, wenn es gelte, Verfaffung und Re p u- d 1 ik z n sch Ü tze n, die aber sonst kein 83erftänbm4 für diese Dinge zeigen. (Beifall.)

Reichskommissar Peters spricht über die

Ergebnisse der Entwaffnungsaktion

Das Gesetz vermißt Zwangsmaßnahmen, zumal daS Ge­biet sehr groß sei und nur die Polizei zur Verfügung stehe, da die Reichswehr nicht damit befaßt werden solle. Der Weg der freiwilligen Ablieferung habe sich bewährt. Die Frist sei noch bis zum 1. November ausgedehnt worden. Die Ablieferung fei ziemlich gleich­mäßig erfolgt.- Jedenfalls sei nirgends eine größere Lücke festgestellt worden. Auch auf dem Lände liege keine Zurückhaltung vor. Was die Organisationen anbelange, so hoffe er, daß eS bald gelingen werde, auch diese zu ent­waffnen. Doch mit den Waisen große Schiebungen vorgenommen morden sind, ist bekannt. Auch ist es richtig, daß unsichere Elemente sich in den Besitz von Waffen gesetzt haben. Das war z. B. in Potsdam ber Fpll. DaS Ergebnis der Ablieferung war 809 Ge­schütze, 1635 Maschinengewehre. Flammenwerfer ufw.

1 735 000 Gewehre und 11 Millionen Geschosse. Allel dies ist nur arff friedlichem Wege erreicht worden.

Der Zentrumsredner.

Abg. Tri mbar« (Z.) entnimmt der Rede Scheide­manns den Eindruck, daß die Mehrheitssozialdemokrat« zu gegebener Zeit

* die Regierung stürze«

wolle«. An uns hat seinerzeit die Schuld an dem ShtS*- tritt der Sozialdemokraten aus der Regierung n i ch t ge­legen. Wenn die Sozialdemokratie aber gewissermaßen eine drohende Haltung gegen da- Ministerium einnimmt/ so tmrd sie uns gerüstet finden. Der Redner fordert die Regierung auf, den Bolschewismus scharf im Auge z« behalten. Gegenüber Scheidemann müsse er betonen, daß oer Reichskanzler von einem Ausnahmegesetz gegen die Kommunisten nicht- gesagt habe. Der Redner geht dann aus die Parteitage in Kassel und Halle ein und spricht dem Kabinett gegenüber den dort erhobenen Angefffen da- unerschütterliche Vertrauen au-. Was die Angriffe auf den Reichswehrminister betreffen, so vermisse et in Scheche- manns Ausführungen die Forderung der Disziplin. (Allgemeine Zustimmung.) Was die Beziehungen zum Ausland unbefangen, so warne et vor jeder Jllufions- volitik. Auch auf da« Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten solle man keine großen Hoffnungen setzen. ES bleibe weiter der Osten. Aber zum Tell seien auch hier die Berhältniffe aussichtslos. Bester stehe e« mft Italien. Polen dagegen hat sich die attaemeine Erbitterung bei »ns zugezogen. Der NameOterfchlekien" sei dafür der Beweis. Leider komme bei der Besetzung der Poften im Auslände das katholische Element nicht entsprechend zur Geltung. Er vermisse im Auswärtigen Amte einen Knl- turreferentrn. der mit dem Missionswesen betraut werde« müsse. Der Redner kommt bann auf die Notlage einer großen Anzahl von Ausländsdeutschen zu spreche« und verlangt eint genaue Feststellung fiter diese Notlage und die Mittel, um diese dem Vaterlande zurückzugewin« nett. Den Südtirolern sichere er die deutsche treue zn. Den Kärntnern danke er für da« Fest halten am deutsche« Vaterlande. Der Redner gebt dann auf die einzelnen Positionen de? Haushalts ein. Der Fehlbetrag von 48 Milliarden könnte den Staat-bankerott empfehlen- Das würde aber den

i Verlust bet Selbstä ndigkeit bedeuten. Eine Erhöhung der direkten Steuern fei nicht mehr möglich. Sparsamkeit und Erhöhung der Artells- leistungen sei die Hauptsache ' Die 3ahl bet Beamten müsse überall herabgesetzt werden. Wit brauchen ein festes Programm, da» allerdings weder den reinen Sozia- l'smuS, noch auch, den bisherigen Liberalismus bedeuten I tue. Tie Besetzung deS Ruhrbezirke« würde eine Störung der Prsdull'on zur Folge haben und damit das Ende des Reiche» bedeuten. Tie Ernährungsftage ist für uns ausschlaggebend. Tie Zwangswirtschaft muß»' fallen. Ein großer Teil der Landwirte sei ioval gemein. Viele aber hätten sich die Berhältniffe zunutze gemacht. Bedauerlich sei es, daß dies auch auf bie 3 nb u ft rie übergreife und zur Ausbeutung bet Notlage führe. I« ber Schulfrage stehe feine Partei entschieden auf bet Znnehallung de? Weimarer Schullomvroniifses. (Jetern Vunfche, ein andere» Schulgrfttz vorzulegen. werde seine Partei in schroffer Opposition entgegentreten. Wandte

Neugliederung Deutschland»

mbefange. so erinnert er daran, daß in Preußen demnächst die Frist ablaufe, die durch Arutel 167 der Verfassung 8* stellt sei. Temzu'olge seien zahlreiche Gebiete berechn ligt, durch Volksabstimmung über ihr werteres Verb leides bei Preußen sich schlüssig jn machen. Tie Rdeins lande werden z. B. von diesem Recht Gebrauch

Litt wüßte die Retchsiegieiung die Führung in die fceMI