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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberhessen

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Tie ^L»«rh«s1üche Zeit»»," erscheint sechsmal »e»«ntlich. Bezugspreis monatlich 4 1tf durch die Voft 4.28 Mk. Ausgabe B mitObertt. Spo:t-Ztg." 1 Mk. mehr. Rät -u,f«0end« Nummern infolge Streik» oder elementarer Ereignisse kein Ersatz.- Verlag »en Dr. 6. Hitzerotl». Tiu«t der Univ.-Puchdruckerel »on Joh. Nug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Sonnabend, 23. Oktober

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Der «nzeigenprei, betitgt fit die 3,es». Zeile 75 Pf,, und 10% »ufschlo,, amtliche und «u»wärtige 1. SKL, Keklamezelle X.00 Mk. Jeder Mefcett gilt «l» varradatt. Sei >u»kunft durch die Seschästostelle und Vermittlung der Angebote 75 vig. Son. dergebLtzr. vri Beträgen unter 20 Mk. müssen mir da» Port« für die Rechnung berechne». Poftscheikkout»: Wt. 5015 Stet Fcankinrt a. Main.

55.31hl.

1921

Erstes Blatt.

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Solen lägt die Koste Wen.

Ihr» Rücktritt als Verzicht arf Oberfchlefieu und I L-ilna.

' wb. Paris, 22. Okt. Nach einer Radiomeldung Nus SSarschau wird erklärt: Die polnische Regie- nuig wird eher zurücktreten, als im Namen <ber polnischen Regierung aus Oberschlesien, Jesche«, Ostgalizien und Wilna zu ^rzichten. Vne Regierung, die einen derartigen Verzicht aus- ,sprech«, verliere die Autorität beim Volke.

I Das polnische Doppelspiel.

wb. Warschau, 22. Okt. (Havas.) Der Minister tri Aeußern überreichte gestern die Antwortnote dcr> -polnischen Regierung ans die gemeinsame Note be­treffs des Wilnaer Zwis:h«nfalles. In dieser Antwort erklärt die polnische Regierung, daß sie den mit Litauen .Ogrschlossene» Waffenstillstand nicht gebrochen habe, jfrrib daß sie die Verantwortung für die durch die Gruppen des Generals Zeligo.oski begangene Insu­bordination, die sie sehr mißbillige, nicht übernehme. Wie polnische Regierung erklärt ferner, daß sie fest entschlossen sei, die vom Völkerbund getroffenen Ent- sch Langen zu achten und den abgeschlossenen Wasfeu- Mlstand unter allen Umständen aufrecht zu erhalten »md stink Destlirunnngen durchznführen. Als Beweis hierfür gibt sie den Gefangenenaustausch an, der gestern -zwischen Polen und Litauen begonnen habe.

! tob. Paris, 2s. Okt. DerPetit Parisien" Ml wissen, daß die polnische Regierung zwar bereit K den Waffenstillstand zwischen Polen und Litauen tzn achten, daß sie aber nach der vollzogene» Aösvnde- ViNl, des Wilnaer Gebiets dieses als unabhängig Omsthe. Ebenso '.venig sei das polnische Kabinett ge­zeigt, den Völkerbund als Schiedsrichter anzuerkennen.

wb. Rotterdam, 22. Okt. LautNieuwe Rottcrd. Cour." hat der litauische Geschäftsträger In London einen schriftlichen Protest gegen die Be­setzung Wilnas an den Völkerbund gerichtet und am ein Schiedsgericht sowie um Aufnahme Li- tauens in den Völkerbund ersucht. Die litauische Negierung erklärt, daß die Führer der sogenannten ««verantwortlichen Truppen in Wilna fort- «auernd durch Flugzeuge Instruktionen aus Warschau erhalte».

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Oberschlesien.

wb. Berkin, 22. Okt Das polnische Äbstim- ; Nmngskvmmislariat hat im September 1920 der Kom- wission der Verbündeten den Entwurf eines Ab« stimmukKsrcglements für Oberschlesien vorgelegt. Zu den Vorschläge» des polnischen Entwurfs liegen nun« Mehr die Aeußerungen des Äbstimmungskommissariats " 6r Tmtfchland vor. die gleichzeitig auch Geqenvor- chläae enthalten. Das deutsch« Mstimmungskommist ariat betrachtet als Grundlage dieser Vorschläge die Reglements der Abstimmungen in Schleswig sowie k Ost- und Westpreußen. ES hält sich streng an die betreffende» Bestimmungen der Friedensvertrages, während die polnischen Vorschläge in mehreren Punkten feit dem Geist sowohl als auch mit dem Wortlaut des Friedensvertrages in Widerspruch stehen und über- b«S die Tendenz zeigen, die Vornahme euer völlig Nnbeeinfkrßtcn und gerechten Abstimmung zu Hinter­treiben.

Gewisse Anzeichen in Oberschlesien deuten nach dem «L.-A." darauf hin, daß mit einer Volksabstimmung tn diesem Jahre nicht mehr zu rechnen ist. Man tzlaubt vielmehr, daß der früheste Termin März oder April fein »erbe.

wb. Oppeln, 22. Okt. DaS Schwurgericht ver­urteilte bk Arbeiter Zemelka und Kostyr» sowie den Kranfnhser Kolisch, die am 21. November 1919 einen SchießhauSpachter ermordeten, zum Tode.

Danzig.

Beriegang der gesetzgebenden Versammlung dnrch die Verwaltung der Verbündete«.

wvi. Danzig, 22. Okt. Zu Beginn der heutigen Sitzung der verfassungsgebenden Versammlung gab der erste Vizepräsident, Abg. Rahn von der unabhängigen sozialdem. Fraktion folgendes Schreiben bet Verwal­tung der Verbündeten in Danzig bekannt:Nach den Vorkommnissen vom 20. Oktober in der verfassungs- strbendeu Versammlung, sehe ich mich genötigt, die verfassungsgebende Versammlung vorläufig zu ver­tagen. Dem Präsidenten der verfassungsgebenden Versammlung bleibt eS überlassen, int Einvernehmen Wt mir die verfassungsgebende Versammlung wieder ^ujamutzkNjuberufe», wenn eS nöüg fei» tokb,a Du

Verlesung wurde auf der linken Seite des Hauses durch lebhafte Unruhe unterbrochen, und auf oer rechten Seite verließen die Mitglieder der Dnitschnationalen BolkSpartei, der freien wirtfchef-lichen Vereinigung, des Zentrums und der demokratischen Partei demon­strativ den Saal, begleitet von Zurufen der zurück­bleibenden Linken. Diese protestierten gegen die Ver­gewaltigung des Hauses und das Verhalten der bürger­lichen Parteien. Schließlich wurde die Sitzung ge­schlossen.

Polen verweigert Unterzeichnung de, Vertrages mit Danzig.

wb. P a r i s, 22, Okt. Wie dasEcho de Paris" mitteilt, weigert sich die polnische Friedensdele­gation, den zwischen Polen und Danzig abzuschlie- ßenden Vertrag, der von einer französisch-englischen Sachverständigenkommission ausgearbeitet und von dem Botfchafterrat gebilligt wurde, zu unter­zeichnen. Aus diesem Grunde kann die für Sonn­abend festgesetzte Unterzeichnung nächt staktsinden.

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9h WWMaMn.

wb. Berlin, 22. Okt. Dem Reichstag ist der Reichshaushaltsplan für 1920 zugegangen. Er sieht im ordentlichen Haushalt 39 891562 733 dl an Einnahmen und 35 343 647 032 <M an fortdauern­den und 4 547 915 701 dl an einmaligen Ausgaben und im außerordentlichen Haushalt 52 579 319199 di. an Einnahmen und an Ausgaben vor. § 2 des Gesetzes ermächtigt den Reichsfinanzminister, zur Bestreitung einmaliger ordentlicher Ausgaben 32 841 550 150 dl durch Anleihen flüssig zu machen. Von den weiteren Paragraphen bindet § 9 Haus- haltsüberschreitungsn und außerplanmäßige Aus­gaben an die vorherige Zustimmung des Reichs­finanzministers, die nur in besonders begründeten Ausnahmefällen erteilt werden darf und macht Be­amte, die Haushaltsüberschreitungen planmäßig oder fahrlässig verursachen, der Reichskasse gegen­über haftbar. § 10 setzt den Teuerungszuschlag gemäß § 17 des Besoldungsgesetzes auf 50 v. H. fest. § 11 spricht den AOpensionären und Alt- Hinterbliebenen, deren Bezüge noch nicht auf Grund des genannten Gesetzes umgerechnet find, einen Zuschlag von der halben Höhe Uper gesetzlichen Bezüge als Vorschuß auf die gesetzliche Regelung ihrer Gesamtbezüge zu. § 12 ordnet die Heran­ziehung der entbehrlich gewordenen Beamten der Militär-, Marine-, Kolonial- und Schutzgebie'e- werwaltung bei Einstellung von Arbeitskräften b i den Reichsbehörde«, eben#, die der ehemaligen elsaß-lothringischen Landesbeamten und Landes­angestellten.

Dem Reichshaushaltsplan ist u. a. eine Denk­schrift über die Beteiligung des Reiches an folgenden industriellen und kaufmännischen Unternehmungen beigegeben: Ilseder Hütte, Mit­teldeutsche Stickstoffwerke, Chemisch» Werke Loth­ringen, Elektrowerke A. E. Berlin, Gesellschaft für Kraftübertragung, Mitteldeutsche Kraf werke, Alz- werke, Württemberg! sche Landes- und Elektrizitäts- Gesellschaft, Oftpreußische Kraftwerke, ferner an verschiedenen Werken der Aluminiumtndustrie, Deutsche Werke A. E. und schließlich Reichskrebit- und Kontrollstelle G. m. b. H.

Tie Steigerung der Ausgaben beim Rcichsminist«- rium des Auswärtigen, wofür für 1919 21553 934 Mk. bewilligt waren, ist teilweise durch die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu einer Reihe europäi­scher und ckußerenrvpäischer Staaten herdorgeruien worden. In Prag und Warschau wurden neue Ge­sandtschaften eingerichtet. Das bisherige Generalkon­sulat in Budapest wurde in ritte Gesandtschaft umge­wandelt. In Posen ist ein Generalkonsulat, in Vrom-. berg, Lodz und Lemberg Konsulate vorgesehen. Ebenso ist in Glasgow und Liverpool die Errichtung von Kon­sulaten beabsichtigt.

Sinowjew und Losowsky.

Abreise von Berlin.

wb. Berlin, 23. Okt. S'nowjew und Losowski reisen heute vormittag zunächst nach Stettin ab.

Schweden «nd Italien verweigern die Einreise.

wb. Stockholm, 22. Okt. Eine Delegation de? Ausschusses der Kommunistischen Partti vcgab sich zum Sekretär des Ministeriums des Aeu gern, Baron Palmstjerna, und ersuchte um di« Ermächtigung sür Sinowjew durch Schweden nach Rußland zurück-

D.'legierten in Deutschland das Versprechen, sich aus- schli.ßlich mit Gewcrkschastspolitik zu b.fajfen, nicht gehalten hätten.

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9er MW SerMellermwd.

wb. London, 22. Okt. Mit Ausnahme von Südwales, wo die Bergarbeiter bis zum äußersten entschloffen sind, ist man allgemein der Ansicht, daß eine friedliche Beilegung des Konflikts noch möglich ist. Aus Südcumberland und aus dem Becken von Durham werden Plünderungen ge­meldet.

DieTimes" beurteilt die Lage sehr pesfimistisch und sagt: Wir sind am Rande des Abgrundes. Morning Post" tritt dafür ein, daß die Regierung gegenüber dem Ausstand hart bleibe. Sonst wür­den die Drohungen mit Ausständen anhalten und auf die Dauer die Industrie zerstören.Daily Telegraph" meint, es sei keine Frage von Löhnen, sondern eint Frage um Leben und Tod der demo­kratischen Regierung.

wb. Rotterdam, 22. Okt. DerNieuwe Rotterb. Cour." meldet aus London, daß die aus­ständigen Bergarbeiter Raubzüge nach den Kar­toffelfeldern bei Manchester organisierten. Als be­rittene Polizei eingriff, haben die Bergarbeiter die Flucht ergriffen.

* wb. London, 22. Okt. (Reuter.) Der Schiff­fahrtsdienst zwischen Grimsby, Hamburg, Antwer­pen und Rotterdamm ist bis auf weiteres ein­gestellt worden.

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Die Kämpfe in Irland.

wb. London, 22. Okt. Heute morgen fanden an verschiedene« teile« der Stadt Dublin Explo­sionen statt, während heft'ges Gewehrfeuer ver­nommen wurde. Wie verlautet, ist das Reichs­waffenarsenal ang griffen worden. Einer anderen Meldung zufolge haben sich die Angreifer großer Mengen von Waffen und Munition bemächtigt und bei ihrem Kampfe gegen die Polizei davon Gebrauch gemacht.

Bor dem Tode des Bürgermeisters von Cork.

wb. P a r i s, 22. Okt.Daily Mail" berichtet, daß der Gesundheitszustand des Bürgermeisters von Cork gestern abend derart gewesen sei, daß man daran zweifelte, ob er die Rächt überleben würde.

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Die verlangten Viehlieferungen.

Berlin, 22. Okt. Zu den Viehforderungen der Verbündeten wird demLok.-Anz." mitgeteilt, was wir bereits geliefert haben. Die Ablieferung führte zu unersetzlichen Schädigungen unserer ge­samten Viehwirtschaft. insbesondere ist der Milch­schwund ungeheuer. Der Ausfall an Fleisch und Milch läßt fick überhaupt nicht ersetzen. Ganze Ställe find vollständig ausgestorben. Die Milch­ablieferung an die Großstädte ist katastrophal ge­schädigt. Die Grenze des Erträglichen ist erreicht, wenn nicht schon überschritten. Bei dieser Lage der Dinge stellen die Verbündeten ein Verlangen auf rund 800 000 weitere Milchkühe.

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Die Reichsgetreidestelle.

Die Verteuerung des Getreides.

wb. München, 22. Oft. Im Verlaufe einer Sitzung bes Wirtschaftsausschusses de? bayerischen Landtags machte Landtmrtsckaftsmimstet Wutzelbofer Mitteilungen, ins denen sich ergibt, daß bi« Reichsgetreidestelle im gan­zen 4912 Personen, darunter 4 Geschäftsführer mit je COOO Mark Monatsgehalt, 5 stellvertretende Geschäfts- stibrer mit je 4000 Mark Monatsgehalt ufm. beschäftigt mit filtern Gesamtk ostenau ftvand von 72 688 331 Mart Die Berwoltnngsabttilun, beschäftigt 14 hohe Beamte 10 mittlere Beamte. 120 Angestellte im Bürodienst. 44 Angestellte im Kanzleidienst nnd 60 Nnttrbeamtt mit -inem Kostenaufwand von 2119843 Mark. Im Wirt­schaftsjahr 1919'20 wurden von der Reichsgetreidestelle erlaßt: An Jnlandsgetreid« 51 315 000 Zentner nnd AnS- landsgetreide annähernd 10 Millionen. Aus jeden Zent­ner der erfaßten Getreidemengen entfallen von den der GeschäftSabteilung der Reichsgetreidestelle erwachsenen Un­kosten 1,35 Ml Der Minister bemerkte, der Reichs- wirtschastsminister hab« ihm persönlich erklärt, daß Vor­sorge getrosten worden sei. daß 1200 Beamte der Reichs- grtrndestelle herauskommrn und daß er mit den Kriegs- gesrllschasttn avsräumen werde. In Bovern koste die Verwaltung drS Brotgetreides überhaupt nichts.

Die Sonderstellung Ostpreußen«. Wie die Blätter melden, werden am 26. Oktober in der Reichskanzlei neue Verhandlungen zwischen den Reichs- und Staats­behörden und den ostpreutzstchen Berufsständen über die

kehren zu können. Die Ermächtigung wurde nicht erteilt.

wb. Mailand, 22. Okt. Nach demAvanti" Hai die italienische Regierung den beiden Sowsct- delegierten Sinowjew und»Losow sky die Er­

laubnis zur Einreise nach Italien nicht erteilt und

laubms zur Einreise nach Italien nicht erteilt und wirtschaftliche und politische Sonderstellung Ostpreußens

Liefe Maßnahme damit begründet, daß dir öeiottjstatlslade», _ .... ....... v

Murg iit eint UnioHütäl.

Wer im August und September durch die Straßen Marburgs ging nd Geschäfte ober Gasthäuser besuchte, dem trat fast überall gähnende Leere entgegen. Aus­nahmen b cstätigen auch hier nut die Regel. Der Marburger wie der Fremde konnte sich hier wieder ein­mal überzeugen, was für unsere Stadt die Universität schon rein wirtschaftlich bedeutet, ganz abgesehen von dem geistigen Leben, das jede Universität mit sich fühtt, das aber naturgemäß in jeder anderen Stadt genau so sein könnte. Kaum eine andere Stadt ist daher so auf das Vetbundenfein mit der Universität seit alter, her eingerichtet wie Marburg, und gerade die heutige Zeit mit ihren hochgespannten wirtschaftlichen Verhältnissen und Notwendigkeiten führt das besonders deutlich zu (Setnute. Es scheint, als ob in manchen Kreise« der Stadt, die nickt direkt an dem Blühen und Gedeihen unserer Universität interessiert sind, die Vorstellung von der Notwendigkeit einet Marburger Universität nicht mehr so fest säße wie früher. Umso deutlicher muß es ausgesprochen werden, daß bi, auf einen ganz geringen Teil die Marburger Einrvohnersckast so ober so. eulnbe« ftens inbireft, mit unserer Universität zusammenbimut. Es hat gar keinen Zweck, batübet zu philosophieren, wie ble Dinge heute ftänben, wenn Marburg Induftrle- stabt geworben wäre.. Einmal behaupten ble Vermal- tungen größerer, schnell entstandener Jndustrieftobte, daß auch ihr Blühen angesickt, bet notmenstigetmels« entstehenben Lasten (Schullasten, Armenlaftens feine reine Fteube sei. andererseits schließt die Lage Mar­burgs innerhalb bet Berge ble Entstehung eine« In- busttiezentrums einfach aus. Es könnte sich nut uni kleinere Jnbustrien hanbeln. Die Entstehung einet Stabt an bem Platze Marburgs beruht auf mittel­alterlichen Notwenbigkeiten, heute würbe hier niemals iemanb eine Stabt errichten. Aber brittens unb letz­tens: wie haben feine Industrie, wir stehen unb fallen mit-n'erer Universität.

Wie in diesen Spalten öfters erwähnt, droht aber unserer Anioetsität Gefahr. Einmal muß damit ge­rechnet W-'H-N. bi" der v-rarmte preußische Staat bei einem Nachlassen des Studiums an ein Eingehen eini­ger Universitäten denken muß, eine zentral gerichtete Regierung wird auch versuchen, die Universitäten nach den Wirtschaftszentren der großen Städte zu führen. Diese Gefahr besteht, und mag sie noch so oft afcge» leugnet werden. Gegen politische Verblenbung werben alle Drunbe nichts ausrichten, unb wenn uns ble Zeit noch so ftäftig bavon überzeugt, baß bie Gesundung de, Reiches niemals aus den Eroßstädlen, sondern immer nut vom Lande unb vsn bem Heinen Pulturzentren Im Lanbe fommen fann. Dieser Gefahr muß frühzeitig begegnet werben auch burch ben Hinweis, wie sehr bas Gebeihen einer ganzen Stabt wie Marburg von bem Bestehen bet Universität hier abhängt. Bon wesent­licher Bebeutnna ist aber «uch. daß die Studenten sich bei tm, wohl fühlen. Es ist natürltch. daß In flehten Verhältnissen die Gegensätze heftig« aufrtnanbet« prallen als in großen, unb baß biejenigen, bie in politi­scher Agitation ihre Lebensaufgabe sehen, an kleine« Plätzen ihre Sporen zu oetbknen versuchen, je jünger fie sinb, mit umso größerer Heftigkeit. Man wirb bas nicht allzu tragisch nehmen, aber bie Bürgerschaft hat boch ein Interesse baran, baß diese Dinge nicht zu einer regelrechten Hetze ausarten, die ben Studenten selbst bas Leben bet uns verleiben. Jetzt, wo bie Stubcnten in ba, neue Semester zurückkehren, erscheint es not« menbig, hin unb wieder einmal zu sagen, daß ble Mar­burger Bürgerschaft wie seit öfters her auch heute noch gewohnt unb gewillt Ist, Ihren Stubenten hier eine Heimat zu bieten, baß man auch heute noch von uns sagen kann wie Prinz Rosa Sttamin:Göttingen hat eine Universität, Marburg ist eine Universität."

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Deutsch-Oesterreich.

Rücktritt der bisherige« Regier««-.

Berlin, 22. Okt. Wie sich di«Voss. Ztg." aus Wien melden läßt, wollen bie sozialdemo» kratischen Staatssekretäre und Regretungemttgl'.e» der heute gemeinsam zurücktreten. Der christlich­soziale Staatssekretär Prof. Mayr werde bas Staasamt bes Aeußern unb Oberst Koerner bas Staatsamt für Heereswcfen übernehme«.

wb. W ien, 28. Okt D« Verband der fozialdem», kratischen Abgeordneten befaßte sich mk dem ErgÄ<i nis der Nationaltatswahlen. Die Negirrungsmit« glirdet ersuchten «m Zustimmung deS Verbandes, aw gesicht- der neuen politischen Lage ihre Aemttr al^ Staatssilretär« und Unterstaatssekretäre nkednznlegen, Ter Verband faßt« einstimmig einen Beschluß, in devtz es heißt, nach den bemokratischen Grundsätzen obliezg es nunmehr den Chtistlich-Sozialen, bie Pflichten detz Regierung $n übernehmen. Der Verband lehnt ieo< Teilnahme o« b« Regierungsbildung ab. J

Räumung Kärntens durch bie SLbflawe«,

Delgtab, 22. Okt. Die ZeitungSlovenskg Narob" melbet, baß bie südslawischen Behörde» gestern Kärnten verlaßen haben, nachdem fie bk Verwaltung in ble Hänbe bet Volksabstimmung^ behörbe gelegt haben. Nach ihrem Weggang räumten auch bie eingerückten Betaillon« uni bie gesamte Lendarmer^ ba» lärntnerische 6ckN