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Amtliches Verkündkgungsblaü des Kreises Marburg.

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Tageszeitung für (das früher kurhesiische) Oberhessen

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Der »Mk LnWbMliMlii!».

mb. Amsterdam, 20. Okt.Telegraaf" mel- [ fctl aus London vom 19. Oktober: Die Folgen des -usstandes machten sich bereits sehr empfindlich trlerkbar. Zn Schottland stehen alle Eisen- und Etahlfabriken still. 30 000 Metallarbeiter in Durham sind arbeitslos. In Yorkshire wurde mit hem löschen der Hochöfen begonnen. In Stafford find 20 000 Metallarbeiter arbeitslos geworden. Die Arbeitszeit von 10 000 Arbeitern in den kchthfabriken von Leicester wurde eingeschränkt, dairit der Betrieb aufrecht erhalten werden kann. D^e Forderungen von Lohnerhöhungen von 180 000 englischen Fuhrleuten und Motortransportarbei­tern drohen ebenfalls zu einem Ausstand zu führen.

wb. London, 20. Okt. Der Vergarbeiier- ! fühier Ashton erklärte in einer in Manchester ge­haltenen Rede, wenn Lloyd George die Vertreter der Vergwerksbesitzer und Bergarbeiter $x einer f Konferenz zusammenberufe, so würden ihm die ' Vergarbeitersührer unverzüglich alle Bürgschaften bezüglich der von ihm verlangten erhöhten Ö.zru- gung geben können. Die Haltung der Eisenbahn- i und Transportarbeiter ist immer noch ungewiß. ! Thomas hat bei der Konferenz der Eisenbahn- delegierten seine ganze Beredsamkeit aufgewandt, l im die Eisenbahner --am Eedank"n eines Sym- j psthiestreiks abzubringen.

wb. Paris, 20. Okt. Nach einer Blättermel- tzung aus London sind infolge des Kohlenarbeitsr- ausstandcs für die Dauer der Bewegung alle Pferderennen, mit Ausnahme derjenigen in Ir­land, verboten worden.

B e r l i n , 20. Okt. Wie dieDeutsche Allgem. Ztg." aus London berichtet, ist auf einer Ver­sammlung der Bergarbeiter in Wales in Erwä­gung gezogen worden, die Zechsnbesttzer am Frei ag gewaltsam von den Bergwerken zu vertreiben mb den Betrieb bis zur Relegung des Konfliktes selbst durchzuführen. .

j L j! Die Haltung der Regierung.

E!' wb. Amsterdam, 20. Okt.Telegraaf" mel­det aus London: Zn der gestrigen Unterhausfsi ng forderte der Führer der Arbeiterpartei, Ada n. Lloyd George auf, sobald als möglich eine Kon­ferenz aus Vertretern der Vergwerksbesitzer und Bergarbeiter einzuberufen. Lloyd George erklärte, er )"c; bereit, eine solche Konferenz einzuberufen: er werde gern mit der Leitung des Ve^garbei^er- bundes Zusammentreffen, wenn dieser bereit sei, ' di« Unterhandlungen auf der Basis der folgenden : beiden Bedingungen zu führen: einerseits . i Lohnerhöhung, andererseits höhere Kohlencrzeu- ; f «ung.

Der Präsident des Verbandes der schottischen Bergleute faßte seine Ansicht dahin zusammen, daß dir unveränderte Stellung der Regierung die Bergarbeiter in ihrem Entschlusie, bis zu Ende Zu kämpfen, nur bestärken werde. Der Vertreter von Eüdwales erklärte, es gäbe nur einen Weg, um aU5 s'ritten Lage herauszukommen: die .. müsse die Lohnforderungen der Berg- srbeirer bewilligen und darauf vertrauen, daß nach i. den gegebenen Versprechungen die Bergleute in Berbindung mit den Grubenbesitzern Maßnahmen i treffen werden, um so viel wie möglich die För­derung zu steigern.

Reue Zusammenstöße.

Rotterdam, 20. Okt. DerManchester Guardian" berichtet, baß es im Erubenbezirk von - Keu-Süd-Wales zu größeren Unruhen gekommen ist. Tie Bergleute veranstalteten revolutionäre Kundgebungen, die großen Umfang annahmen. .Polizeimannschaften und Militär gingen gegen die Kundgebenden vor, in deren Besitz sie Waffen knben. Zwischen den Arbeitern und den Polizei- Aannschaften entstand ein Feuergefecht. Angeblich ,!°ll es Tote gegeben haben.

wb. L o n b o n, 20. Okt. (Reuter.) Heute ver- ! srmmelten sich in London wiederum 2000 Beschäf­tigungslose zu einer Kundgebung. Nachdem sie versucht hatten, eine Abordnung an den London.r Benoffenschastsrat zu senden, wurden sie von der Polizei zerstreut.

Di« Bolschewistin Pankhurst.

wb. A m st e r d a m , 20. Okt.Telegraaf" mel- Stt us L- ^on: Die englische Bolschewistin Pankhu ,-urde wegen Veröffentlichung und Verbreitung ..usreizender Schriften in Lodon ver­haftet. Sie war vor einigen Wachen aus War­schau zurückgekchrt. Lenin nennt sie in einem Ssuiben an die englischen Arbeiter die einzige Wirkliche Vertreterin des englischen Proletariais. Verbreitung aufreizender Schriften in London ver-

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MlkhWH d» Alins« iitr llssdhiiiiiigk.»

21. Sitzungvom20. D f t o 6 e r.

Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 21/« Uhr. Am Ministertisch erscheint der Vizekanzler und Reichs' justizministcr Heinze.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der Unabhängigen auf

Aufhebung des Ausweisungsbefehl» gegen Sinowjew und Losowski.

Abg. Rosenfeld (U. S.) begründet den Antrag gegen den Ausweisungserlaß, der ganz den alten Bis- marckschcn Geist atme. Es sei die höchste Zeit, daß endlich ein Ausländerrecht geschaffen werde. Anlaß zum heutigen Antrag gebe die empörende Behandlung der russischen Delegierten Sinowjew und Losowski. Der Redner wendet sich besonders gegen den preußischen Mini­ster Severing, der dem Wunsche der Reichsregierung bereitwilligst entsprochen habe, ohne fick auch nur die Mühe zu geben, seinen Erlaß zu begründen. (Die Aus- sübrungen des Redners werden vielfach von Zwischenrnien unterbrochen und führen zu großer Unruhe des Hauses.! Die sozialistische Arbeiterschaft protestiere energisch gegen die Ausweisung, weil sie jede terroristische Maßnahme verabscheue. Man sehe doch endlich davon ab, eine fick durchsetzende geistige Bewegung zu unterdrücken ^Stürmische Heiterkeit.) Ein neuer Geist müsse in Deutsch­land einziehen. (Erneute stürmische Heiterkeit.) Die Aus­weisung sei offenbar nur der Auftakt zu einem scharfen Borgehen der bürgerlichen Reaierung gegen die deutsche Arbeiterschaft. Ein neuer Kurs scheine bevorzustehcn Dagegen würden die Arbeiter auf der Hut sein.

Minister des Aeußcrn Tr. Simons gibt einen lieberblick über die Vorgeschichte der Zulassung der russi­schen Delegierten. Im Anschluß an den Besuch einer linksstehenden deutschen Mission in Sowjetrußland sei der Besuch einer entsprechenden russischen Gegenkom Mission in Aussicht gestellt worden. Dementsprechend sei drei russischen Gewerkschaftsführern die Einreise gestattet worden und zwar auk 4 Wochen. Eine Aufsorderung, diese Zahl aus 11 zu erhöhen, sei abgelehnt worden, zumal eine Kommission deutscher Gewerkschaftler ausdrücklich erklärt habe, einen Zweck habe nur die Anwesenheit be­stimmter Gruppen von Gewerkschaftlern. Diesem Wunsch- entsprechend sei noch vier Herren die Einreiseerlaubnis erteilt worden. Trotzdem seien in Hamburg auch die nicht zugelassenen Delegierten eingetrossen. Man habe diese letzteren üort zurückbehalten, und sie hätten die Gelegenheit zu ausgiebiger Agitation ausge- uutzt. Ten übrigen Herren sei zur ausdrücklichen Be- 'singung ibrer Zulassung gemacht worden, daß ihre Ver­handlungen nur gewerkschaftlichen, sozialen und wirtschaft­lichen Charakter tragen dürfen, aber keine Reden poli­tischer Art gehalten werden sollen. Tas habe sie nicht abgehalten, das doch zu tun, und so mußte den: Treiben des Herrn Losowski Einhalt - tan werden. Eine Verlängerung seines Aufenthaltes konnte nicht mehr 'n Trage kommen. Da er nach Italien weiter reisen wollte, wollten wir ihn auch nicht sofort ausweisen. In­zwischen hat Herr Losowski sich w-nter über alle Vorschri:- ien h in w e g g e s r tz t. Statt wie ihm aufgegeben wor­den war, in Berlin zu bleiben, ist er nach Halle gegangen. Run blieb uns nichts weiteres übrig, als die preußische Regierung um seine Ausweisung zu ersuchen. Ten Beweis, daß er entgegen den Zulassilngsbedingungen politische Reden gehalten hat, kann ich jederzeit er­bringen. Jnzwllchen kam auch aus Italien der Be­scheid, daß er dort nicht zugelaisen sei, und so blieb nur der Rückweg nach Rußland offen. Was den Fall Sinowjew anbetrisft, so ist ihm und einem anderen Delegierten, der aber nicht gekommen ist, auf Wunsch der Unabhängigen Partei die Erlaubnis zur Einreise er­teilt worden. Ter Inhalt seiner Reden ist ja allgemein bekannt Das Kabinett konnte garnichts anderes, als sein weiteres Austreten verhindern. Daß unsere Polizei nicht allzu viel Umgangs^ormen besitzt, wissen wir alle. Aber wie kommen gerade die Vertreter der Sowjetrepublik dazu, sich darüber zu beklagen, die doch ganz andere Bei­spiele der P-ftizeiherrschast gegeben haben? Auf Geltend­machung seiner Hoheitsrechte gegenüber dem Ausland könne kein Staat verzichten. Zur deutschen Arbeiterschaft aber hege er das Vertrauen, daß sie aus die Tauer erken­nen wird, oaß die Methoden Rußlands n i ch t die unsrigen sind. Wie aber eine Partei sich die unabhängige nennen könne, die ihre

Abhängigkeit von Moskau so deutlich bekunde, verstehe er nicht. Gewiß sei die ganze Angelegenheit eine Belastungsprobe für untere Beziehungen zu Rußland, aber die russische Regierung müsse sich darüber klar sein, daß sie selbst einen großen

Teil der Schuld daran trage, weil sie allen Abmachungen zum Trotz daS Auftreten ihrer Vertreter nicht tnndern konnte. Der Redner schließt mit einem Hinweis auf den festen Glauben des deutschen Volkes an die Zukunft des russischen Volkes.

Abg. Bernstein (Soz.) bedauert das Fehlen eines Fremdenrechts und empfiehlt ein Asylrecht, ähnlich wie es die Vereinigten Staaten besitzen.

Abg. Wulle (Deutschnatl.) schildert die Tätigkeit des Herrn Apfelbaum (Sinowjew), der mit Mord und Tot­schlag in Rußland vorgegangen sei. Ihm sei in Halle selbst das WottBluthund" zugerufen worden. Die Mehrheit des deutschen Volkes habe das Verhalten der Regierung für eine selbstverständliche Pflicht gehal­ten. Zu bedauern sei nur, daß man die beiden Leute überhaupt ins Land gelassen habe. Jedenfalls müsse dcr Ausweisungsbefehl Wort vollzogen werden.

Abg. Dr. i8 e l l (Z.) spricht sich für Ablehnung des Antrags auS, plädiert aber, ähnlich wie der Abg. Bern­stein, für ein internationales Uebercinkommen in Sachen des Fremdenrechts.

Abg. Dr. Maretzky (D. Vpt.): Wir fordern die energische Anwendung der bestehenden Gesetze auch gegen diejenigen, die zur kommunistischen Revolution ausfordern. Das wird der Massensuggestion am besten entgegenwirken.

Abg. Petersen (Dem.) hält das Verhalten der Re­gierung für sachlich richtig und sür ein politisch gerecht­fertigtes Vorgehen.

Abg. Koeneu (Linke U. S. PO entbietet Sinowjew den Gruß der deutschen Arbeiterschaft, die diele ihrem bewährten Führer schulde. (Großer Lärmst Er dankt hm für das Vorbild. daS er durch seine muster­gültige Verwaltung in Petersburg gegeben habe. Tas Er- nährungs- und J>a3 Wohnungsproblem habe er gelöst. Stürmische Heiterkeit.) Als der Redner die Rechte und die Kaiser und die Könige für die Wunden der Arbeiter nrr- mtwortlich machte, erhob sich großer Lärm und Pfuirufe. Die Rechte habe Terrorismus verübt, als sie die Arbeiter stör sich bluten ließ. (Stürmische Unterbrechung, Glocke ve? Präsidenten ) Sinowjew sei rin echter Russe und habe niemals den Namen Apfelbaum getragen. Den An­trag würde seine Partei unterstützen, sie lege ihm aber 'eine Bedeutung bei. Nun solle ein Ausnahmegesetz kom­men. Es werde aber doch immer beim alten bleiben, daß der unter dem Gesetz leiden müsse, dessen Name einem -richt gefalle. Der Redner wendet sich dann gegen Bern­stein, der erklärt habe, Sinowjew und Losowski seien Unterdrücker. Wenn Sinowjew wirklich Blut vergossen habe, dann habe er es im Kampfe der Arbeiterschaft gegen 'sie Bourgeoisie getan, das sei immer noch besser, als das Bündnis der Sozialdemokraten mit den Weißgardisten, und hiaß dal Blut von Tausenden von Arbeiter« vergsnen vrirde. Im übrigen bemühte sich der Redner festzustellen, daß Sinowjew seine Versprechungen gehalten habe und

>"dcrs keinen Terror verübt habe.

Ein Antrag auf Schluß der Aussprache wird angenom­men. Das Schlußwort erhält der Abg. Ledebour (U. 2. P.): Das Recht der freien Meinungsäußerung dürfe sicht eingeschränkt werden, ob der Betres^nde heimats- berechtigt sei oder nicht. Das Strafgesetz könne nicht angewandt werden, weil in der Rede Sinowjews nichts e -rasbares r.rgetammen sei. Mit Gewalt könne man leine geistige Bewegung rotmachen. Daher sei er gegen alle terroristischen Gewaltmaßnahmen, mögen sie von Herrn Maretzky in Bismarckkürassierstiefel oder von dem kommunistischen Herrn Koenen ausgehen, der Herrn Sinowjew so als unschuldigen Gelegenheitsterroristen hin­gestellt habe. Aber Herr Sinowjew müßte hier bleiben, damit die deutschen Arbeiter bald von ihm tariert würden. Das ist der Grund unseres Antrages.

Zum Schluß kam es zu einer lebhaften Auseinander­setzung zwischen ihm und den Kommunisten über die Vorgeschichte des Antrages, die wiederholt zu stürmischen Unterbrechungen, großer Heiterkeit nnd vielen Zwischen- cusen Anlaß gab. Rach einer Reihe persönlicher Ausein- rndcrsetzunZen zwischen Dr. Levi lKommunist) und Ledebour (U.S.) wird der Antrag der U. S. & ab- gelehnt.

Die Vorlage gegen die Kapitalsflucht wird einem Ausschuß überwiesen.

Nächste Sitzung Mittwoch, 27. Oktober, 1 Uhr: Inter­pellation wegen der Beschlagnahme der Dieselmotoren.

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Die Reichstagswahle« in den Abstimmungsgebieten alsoOst- und Westpreußen sowie Schleswig-Holstein, die bisher durch ihre Abgeordneten zur National­versammlung auch im Reichstage vertreten waren, werden nach einer Vereinbarung zwischen den Par­teien nunmehr im Dezember statlfinden.

Schreiben an die englischen Arbeiter die einzige Frau Pankhurst wurde wieder auf freien Fug gesetzt, nachdem sie sich verpflichtet hatte, keine kommunistische Propaganda mehr zu treiben.

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Die Ausstandsbersegung in Indien. '

wb. H a a g, 20. Okt. LautNieuwe Courant" wird aus London gemeldet, daß einem Bericht aus Kalkutta zujolgr das Streikfieder in ganz Zndien immer größere Formen, annimmt. Zn Bombay

streikt das Post- und Straßenbahnperfonal, in Kalkutta sind die Straßenbahnangestellten eben­falls in den Ausstand getreten.

Die Kämpfe in Irland.

wb. London, 20. Okt. Im Unterhaus« sagte Hamar Ereenwood in Erwiderung auf eine Anfrage, seit dem 1. Januar seien 100 Polizisten und 18 Mill- tärpersonen getötet und 160 Polizisten und 60 Militär­personen verwundet worden.

wb. Rotterdam, 20. Okt. Rach einer Londoner Meldung wurdeg in der Grafschaft Tipperarz (Irland)

zwei Sinnfeiner erschossen. Ein Trupp von acht Milt» tärpersonen war um Mitternacht in ein Wohnhaus ein» gedrungen, hatten di« jungen Leute mit sich geschleppt und dann erschossen.

Zufriedenstellend« Dnrchsiihrung d«r Friedrnsvrrträg«

wb. London, 20. Okt. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses erklärte Vonar Caro auf eine Anfrae,«, daß die Durchführung der Friedensoerträge in zufei«. denstellender Weife vor sich gehe und daß die britisch« Regierung sich mit der Aburteilung des ehemaligen Deutschen Kaisers nicht beschäftigen werde. Tham- berlain erklärte, daß Oesterreich bisher noch kein« Schiffe abgeliefert hab«, während Deutschland in ent­gegenkommendem Maß« den Bestimmungen von Spaig betr. der Kohlenlieferung nachgekommen sei.

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Die Spaltung der U. S. P.

Berlin, 20. Okt. Wie der ..'Lo-wärts" aus, Hamburg berichtet, ist eine dortige Versammlung der Rechtsunabhllngigen, in der die unabhängig» Sozialdemokratie Hamburgs neu begründet werde« sollte, von den Linksunabhängigen gesprengt und die Fortsetzung der Versammlung unmöglich gemacht worden.

Auf eine Anfrage der unabhängigen Abgeord« neten Ludwig und Genossen an die preußische Re» gierung ist den Blättern zufolge mitgeletlt war« den, daß das preußische Zustizministerium oder ein.» andere preußische Regierungsstelle nicht beabsich» tigt, Strafverfolgungen gegen diejenigen einzu« reichen, die der dritten Internationale sich anzu» schließen im Begriffe sind.

Dresden, 21. Okt. Gestern vormittag ver« suchte eine Gruppe von etwa 20 Leuten, sich mit Gewalt in den Besitz des Unabhängigen Partei« sekretariats zu setzen. Es gelang, die Leute oo« Gewalttätigkeiten fernznhalten. Man kam überein, am Freitag eine Kreisversammlung abzuhalten^ in der entschieden werden soll, wem die unabhäne gige Zeitung und der ganze Partei-Apparat zue fallen soll.

Sie preußische Fraktion der UnabhSngigkn al» aufgelöst betrachtet.

wb. Berlin, 20. Okt. Der Aeltestenrat preußischen Landesversammlung hat entschieden, baß bis Fraktion der Unabhängigen sozialbem« kratischen Partei als a u f g e l ö st zu betrachten se^ Ihren bisherigen Mitgliedern wurde anheim» gegeben, eine Liste mit mindestens 15 Unter« schriften und ein Programm einznreichen. Dies» Mitglieder würden dann als seibständige Fraktion anerkannt und dürfte« sich ihren Namen fetbfl wählen.

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Nach derFreiheit" sind neu« Organlsationsgnmd« (inten aufgestellt worden. Danach heißt e» u. a.: Mit­glieder, welche di« 21 Anschlußbedingungen drr kom­munistischen Moskauer Internationale anerkannt ha­ben, haben sich damit verpflichtet, ihre Mitgliedschaft in der U. S. P. aufzugeben und sich der Kommunisti­schen Partei Deutschlands (Sektion der Dritten Inter­nationale) anzuschließeu. Sie haben mit Anerkennung der Bedingungen aufgehör^, Mitglieder der ll. S. P. zu sein. Alle diese Mitglieder sind au» den Mitgliederlisten zu streichen. Sie können östentlich« Aemter oder politische Vertretungen im Namen der Partei nicht mehr ausüben. Treten Orts-, Kreis- oder Bezirksorganisationen geschlossen der Kommunistischen Partei bei oder suchen sie unter dem Deckmantel der U. S. P. dl« Geschäft« der Rommunifttn zu besorgen, so sind neue Organisationen In» Leben zu rufen.

Aus München wird gemeldet: Die Linke der Unab­hängigen wird, wi« verlautet, im Dezember mit der Kommunistischen Partei einen gemeinsamen Parteitag abhalten, auf dem die Vereinigung vollzogen und di« deutsche Sektion der Dritten International« endgültig gebildet werden soll.

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Die Finanzlage.

Berlin, 20. Ott. Das Reichskabinett be. schloß neuerdings einmütig, den verschiedentlichen über den Stand der Organisation der Reichsfinanz, nicht nachzugeben, sondern dem Reiche so rasch wie möglich weitere Einnahmen zu deschasfen und die alsbaldige Entrichtung eines Teils des Reichs-

notopfera obligatorisch zu machen.

Berlin, 21. Okt. Zn einer Denkschrift, bte derVosi. 3*8. zufolge btt Reichsstnanznuntfter über ben Stanb der Organisation der Reichsftninz- Verwaltung im Reichstag überreicht hat, wird di« Einrichtung einer besonderen Steucrr.achrichten» kommission angeregt. Zur Beobachtung steuerUch

wichtiger Vorgänge find Zollgrenzkommisiariat« geschassen worden, die jedoch Kapital- und Steuer« flucht verhindern sollen. Weiter ist die Einrtch« tung einer besonderen Buchprüfungsstell» bei jebeM Finanzamt vorgesehen,*