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Amtliches Verkündigungsblati des Kreises Marburg.

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Tageszeitung für (bas früher kurhessische) Oberhessen

Die Od-rhelsisch« Zett,«," «r|*et«t fe*«mal*entlt*. - »«»«»»prei, monatlich z Mk bm» bte Vofl 4.20 »t. »u,,ab« 8 mitOberh. Sport-Ztg. 1 Mk. mehr. »OK Rit au,f«»e«b. Rümmer« ««folge Streik, Oer «le»e«tar« Lre.gntsfe kein Ersatz. - . kW SerUg ee«$t. C.-ttzarattz. - Druck b«t Uma..»«*bru<ewi eo« 2otz. R«r K»ch. Itertt 21'28. 8er«|pre*et 55.

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Mittwoch, 20. Oktober (*Ubh«»t.)

Der Anzeigenprei, beträgt fit bU Sgesp. Zeile 75 Pfg. e«b 10*1, Aasschlaa, «rötliche «ttb «« marttge 1 Mk., Reklamezeile 8.00 Mk. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Bei l«,t««ft durch bie SeschSft,stelle anb Sermlttl««g bet Angebote 75 Big. 6an< bergebihr Sei Beträge» «ater 20 Mk. rnSsie« wir bs, Part« für bie Rechnung berechne«. Postscheckkonto: Rt. 5015 Imt Frankinrt *. Mai«.

55.

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getne Möglichkeit der Abreise vor Sonnabend.

t s B e 11 i n, 19. Oft. Den Russen S.nowjew und Losowski wurde die von ihnen beantragte be- lchiänkte Aufenthaltserlaubnisverlängerung zuge- Sande«, da sich ihnen vor dem 23. Oktober keine Möglichkeit bietet, die Heimkehr nach Russland an- pitreten. Die beiden Russen stehen bis dahin unter polizeilicher Aufsicht. Jede öffentliche Betätigung ist ihnen untersagt.

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Die Spaltung der Unabhängigen.

Zur Fraktion Eichhorn gehören die folgenden 22 neu» hntmmtisiischen Abgeordneten: Bartz, Berthele, Braß, Bsur.ig, Düwell, Gefärbt, Eichhorn, Fries, Köln, Getier ft»., Dr. Geber jun., Dr. Herzfeld, ?ldolf Hoffmann, KöNein, Koenen, Malzahn, Plettner, Reich, Remmele, Ktoecker, Tender, Thomas und Frau Wackwitz.

Die alte Fraktion umfaßt noch 59 Mitglieder; sie sinkt, dadurch zahlenmäßig an die 4. Stelle, hinter die Deutsche LoMvartei, die nun auch Anspruch auf die bisher von de« Unabhängigen Dittmann innegehabte Vizepräsi- . Kntenüekle hat.

Wie die Blätter melden, hat sich die Fraktion der Un- ekhsngigen im Berliner Rathaufr gespalten., Ter rechte stkügel umfaßt 64 Stadtverordnete, während der linke ßss!"?l 20 Mitglieder stark ist.

DemBerl. Tagebl." wird aus Halle gemeldet, daß kr Hallesche Bezirksparteftaq der Unabhängigen die stieiihsiagsabgcordneten Fritz Kunert und Rauh, die gegen Heu Anschluß an Moskau gestimmt haben, aussorderte, ihre Kaikdi-te der Partei zuriickzugeben.

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Sh Iiüm6 in NnsWkll.

Eine deutsche Denkschrift.

. ivh. Berlin, 19. Oft. Die Ergebnisse der deutschen ünteriuchung über dent-Aufstand im oberschlesifchen Ab' ßimmungsgebict im August und Sept-nnber 1920 werden in einer vom Auswärtige» Amt herausgegebcncn Denk- k Urist mit Anlagen dem Reichstag übermittelt. Die dcuifche Denkschrift behandelt zunächst die Frage der ILchrung der Neutralität in Oberschlesien während der kereänge in Kattowitz vom 17. bis 19. August 1920 und Mtzert dann die von geheimen polnischen Kampforgani- silionen ausgehenden Operationspläne und den Verlaus beä AuistandeS. Schließlich wird die Frage untersucht, e6 dir Kantpforganisationen und Kampfpläne mit dem Ausstand im Zusammenhang stehen. Nach genauester > Iiüiaug mußt? diese Frage bejaht w^den. Es stebt er,her Zweifel, daß sich der Augusiaufstand auf den in Lderschkrsstn bestehenden polnischen Geheimorganisationen tututufe und mit ihrer Hilfe durchgesührt wurde. Diele 8ns cht wird unter anderem auch dadurch bewiesen, daß ° feitfitirher der geheimen Kampforganisation, die in den tzslnischeu Listen vom Juli 1920 als Führer bezeichnet sind, sich auch i» Führerposten am Aufstand beteiligten ; vrd ihn leiteten. Das Auftreten polnischer Soldaten dnd die Versorgung der Aufständischen mit Waffen und lunstiou wird durch das veröffentlichte Material bewiesen.

Tie Denkschrift beschäftigt sich weiterhin mit den iür bche und Ordnung in Obcrschlesien verantwortlichen krzanen. Die deutsche Sicherheitspolizei wäre in ht Lsg? gewesen, in ihrer früheren Bcivaffnnng den UMändischen entgegenzutreten. Dadurch wäre dem Aus- Rtäb rin schnelles Ende bereitet worden. Die Denk- : ferift geht auch aus die während des Aufstandes von feien verübten Verbrechen ein. Die geschilderten Dor­fille find hpisch für die in Hunderten und Tausenden von : feilen der deutschen Bevölkerung zuteil gewordene Be- «lndlimg. In einem Schlußwort wird darauf hinge- i bicsen. daß auch jetzt die gesetzmäßigen Zustände in s tbrrschlcsi-chen Abstimmungsgebiet noch nicht überall : bieder hcrgestellt sind. Nach dem Friedensvertrag ist die «evök.erung Oberschlcsien? berechtigt, frei und un­beeinflußt sich zu entscheiden, ob sie bej Deutschland feiben der mit Polen vereint werden will. Die gegen* j,teärtigtn Zustände im Abstimmungsgebiet lassen eine m« und unbeeinflußte Volksabstimmung nicht zu. Wenn »» Friedensvertrag Genüge geschehen soll, dann müßtet r Verhältnisse geschaffen werden, unter denen die Bcvölke- 1 *»?9 sich dessen sicher fühlen kann, daß nicht durch eine 'Rwalttätige Minderheit die freie Stimmabgabe un­möglich gemacht werde. Ter Tenkschrift ist ein starker

Mit Anlagen beigegeben, der unter anderem Einzcl- ^sführungen über den Ausstand, Karten und Sengen* ^Hee enthält. Tas veröffentlichte polnische Mate- *j*l bildet die Beweismittel für die in der deutschen "»ffchrift gegebene Darstellung.

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Eine Auslieferungsnote an Bulgarien.

Basel, 20. Okt. Wie aus Sofia gemeldet haben die Vertreter der Verbündeten der .^lgarifchen Regierung eine Rote überreicht, in sie die Auslieferung von 507 Militär- und ?SlIPer{onen verlangen. Auf der Lifte befinden W unter anderem der gewesene König Ferdi- "ud und der Ministerpräsident Radosla- E®10, die sich angeblich beide in Deutschland auf- sowie der ehemalige Ceneralissimus

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Neue Siege General Wrangels

6 bolschewistische Divisionen vernichtet.

wb. P a r i s, 19. Okt. (Havas.) Aus Sebasts- pol wird unter dem 15. Oktober gemeldet: Die kürzlichen Erfolge des Generals Wrangel haben in den Reihen der Bolschewisten Verwirrungen an­gerichtet. Sie haben so wenig den Fall von Alexan­drowsk erwartet, dass sie die Stadt nicht geräumt hatten und dass fast alle ihre Kommissare in E e - fangenschaft gerieten. Die Bauern und Ar­beiter unterstützen das Heer Wrangels und liefern ihm die Waffen ab, die sie beim Auftreten der Bolschewisten versteckt gehalten haben. Viele Frei­willige strömen dem Heere Wrangels zu. In der Richtung auf Sinelnikowo haben die Truppen Wrangels von neuem die roten Divisionen geschla­gen und sich zweier Panzerzüg? bemächtigt, sowie mehrere Geschütze und drei Züge mit Lebens­rnitteln genommen. Heber 2000 Gefangene wurden bei dieser Gelegenheit gemacht.

wb. Paris, 19. Okt. Havas meldet aus Kon­stantinopel: Wie die Agentur Russagent meldet, haben die Truppen der südrussischen Negierung nordwestlich von Nikopol ihre Offensive fortgesetzt, irn Widerstand der kommunistischen Regimenter gebrochen und zahlreiche Gefangene gemacht. Auf der Nordsront haben die bolschewistish:n Truppen erhebliche Verluste erlitten und Gelände aufgeben müssen.

Seit Beginn der Operationen auf dem rechnen Dnjepr-Ufer baben die Truppen des Generals Wrangel 14 000 Gefangene gemacht und eine g'oße Beute eingebrckcht. 6 bolschewistische Divisionen wurden vc-ffchtet.

Ein englischer Heerführer im Heer Wrangels.

Daily Telegraph" meldet, daß der englische General Townshend in der Krim eingetroffen ist und ftch dem Feldzuge Wrangels gegen *ie Bolschewisten ans^lie- ßen wird. General Townshend war der englische Oberbefehlshaber der Armee in Mesopotamien, die 1916 bei Kut el Amara gegenüber den türkisch deutschen Streitkräften des Marschalls v. der Goltz kapitulierte.

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Die Lage in der Ukraine.

wb. Kopenhagen, 19. Okt.. Das hiesige ukrainische Pressebüro meldet aus Kamenew- Podolsk vom 15. Oktober: Der linke Flügel des ukrainischen Heeres wurde von sechs ' feindlichen Infanterie- und zwei Kavallsriebrigaden, zusam­men gegen 29 000 Mann, ang-griffen. Die Bol­schewisten, die, an mehreren Stellen versuchten, die Flüsse Slucz und Bug zu überschreiten, wurden mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Allein bei Shmerynka wurde eine Reiterbrigade von 2000 Mann vollständig aufgerieben.

wb. Paris, 19. Okt. Wie die hier erscheinen­denNeuesten Russischen Nachr." mitteiten, haben die ukrainischen Aufständisch"« Kiew besetzt. Die Bolschewisten haben die Stadt geräumt.

England.

Der Bergarbeitcrausstand.

wb. London, 19. Okt. Der Präsident der Transportarbeitergewerkschaften hat sich entschieden für eine Vermittlung im Bergarbeiterausstand ausgesprochen. Zahlreiche Hochöfen mutzten gelösch werden. Man rechnet mit der Möglichk.it, daß die Theater und Kinos geschlossen werden müssen. Der Personenzugverkehr wird vor nächstem Montag nicht eingeschränkt werden. Nach diesem Tage aber wird der Zugverkehr, wenn der Ausstand noch fort« dauert, um 10 Prozent eingeschränkt werden.

Havelock Wilson erklärte, dass wegen des Aus­standes bereits Tausende von englischen Seeleuten arbeitslos geworden seien.

wb. H o r s e a, 19. Okt. (Funkspruch.) Heute nachmittag war das Unterhaus in Erwartung der Aussprache über den Bergarbeiterausstand dicht be­setzt. Der Präsident des Handelsamtes Sir Robert Horne gab eine Uebsrsicht über die Verhand­lungen zwischen der Regierung und den Berg­arbeitern. Der Vergarbeiterführer Brace erklärte, für die Bergarbeiter betrachte er den Ausstand al» ein ebenso großes Unheil wie für die Nation. Er schlug die Bildung eines nationaleix Amtes zur Re­gelung der Bergarbeiterlöhn« vor.

linie. In Wolhynien und Podolien warfen unsere Abteilungen den F"ind zurück, der seine Stellungen hier erweitern wollte.

Minsk von de« Polen aufgegeben.

wb. London, 19. Okt. DerTimes" zufolge melden die Bolschewisten die Wiedereinnahme von Minsk, das von den Polen aufgegeben worden ist.

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Die Zersetzung des ru ssischen Heeres.

Basel, 19. Okt. Nach einer Meldung aus Sevosnia über Helsingfors ist es zu ernsten Un­ruhen in Zaritzyn gekommen. Die rote Garnison hat gemeutert und einige Volkskommissare er­schossen. Die Siadt befindet sich in den Händen der aufrührerischen Truppen. Die Moskauer Re­gierung hat eine Strafexvediffon ausgerüstet. Dem BlatteSoje Slovo" zufolge wurden in Smolensk 2000 Sozialisten nach einer Meuterei verhaftet. 800 wurden sofort hingerichtet. Die Stadt sieht aus wie ein großes Gefängnis. Alle größeren Lo­kale müssen für die Arrestanten in Anspruch ge­nommen werden. Viele Arbeiter und Bauern sind ebenfalls verhaftet worden. Trotzki wollte sich für einige Tage nach Minsk begeben. In der Nähe der Stadt wurde sein Sonderzug überfallen, gegen den ein lebhaftes Eewehrf.uer eröffnet wurde. Der Zug mußte nach Orscha geleitet werden.

Ein holländischer Kommunist gegen Lenin.

»6. Amsterdam, 19. Okt, Der holländische Kommunist Kotter hat einen Brief an Lenin gerichtet, in dem er die bolschewistischen Methoden verur­teilt. Der Kampf des westlichen Proletariats gegen den Kapitalismus, jo schreibt er. wird eher moralisch als durch physische Kräfte gewonnen, und weder Sie noch Radek haben dies begriffen. Der ganze Brief ist eine heftige Anklage gegen den Bolschewismus und fein Vorgehen, das ©ortet als gehässig bezeichnet.

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Wilna.

wb. Warschau, 19. Okt. Nachrichten aus Wilna besagen, daß in einer feierlichen Sitzung vet vorläufigen Vermas.-gskommission General Ze- ligowski eine Erklärung verlas, in der er bie- Gründe' seines Vorgehens auscinanderfetzte und sein Programm darlegte. Alle Mitglieder der vor­läufigen R"gierung soll'n den Eid geleistet haben.

wb. Warschau, 19. Okt. Aus Kowno wird gemeldet dass eine M i n i st e t k r i s e entstanden ist. Man wirst der Regierung vor, daß sie es bei dem Zwischenfall von Wilna an Entschlossenheit und Energie habe fehlen lassen. Der Präsident des neuen Kabinetts wird Slazewicz fein, der polen- feindlich gesinnt ist.

wb. Wilna, 19. Okt. Außer dem franzö­sischen Konsul, der auf seinem Posten bleibt, <o6:n alle Mitglieder der zivsten und mili'ärischcn Son- missioncn, die sich in Wilna befanden, die Stadt verlassen und sich nach Kowno begeben. Man mel­det. daß in der Stadt vollkommene Ruhe herrscht, immerhin ist man wegen der Frage der Lebens- mit^eloersorgung etwas beunruhigt.

wb. London, 19. Okt. Gestern abend sam­melte sich in Tonypandey eine Anzahl junger Berg­leute an und sangen ein revolutionäres Lied. Als die Polizei einschritt, wurden Steine geworfen und eine Anzahl Fensterscheiben, darunter die der Po­lizeiwache, zertrümmert. Die Menge wurde schließ­lich zerstreut.

Der Berkaus der deutschen Handelsschiffe.

wb. Amsterdam, 19. Okt.Daily Mail" meldet, dass Lord Inchcape, der im Auftrag der britischen Regierung über die ehemalige deutsche Tonnage zu verfügen hat, die laut Friedensvertrag England zugestande« worden war, mitgeteilt hat, daß er über 48 deutsche Schiffe verfügt hat. Der erzielte Preis betrage 4 786 975 Pfund Sterling. Kein einziges Passagierschiff und fein einziges der bekannten Schiffe wieBismarck^' undImperator" haben Käufer gefunden. Die größten verkauften Schiffe waren:Berlin",Zeppelin",Königin Luise",Prinz Ludwig" undKönig Friedrich August".

Der Kamps der Ire».

wb. London, 18. Okt. Bet einem Angriff auf eine Polizeistation in der Erasschast Clare ist ein Be­amter getötet worden. Zwei Beamten wurden ver­wundet, während zwei weitere vermißt werden.

Amerika im Schiffsbau wieder geschlagen.

wb.H o r s e a, 19. Okt. (Funkspruch.) Lloyds 1 Schiffsbauregister zeigt, daß die Ueberlegenheit Großbritanniens im Schiffsbau wkeder besteht. Während der letzten 18 Monate hat sich die im Ban befindliche Tonnage im vereinigten Königreich von 214 Millionen auf den augenblicklichen R kordftand von insgesamt 3% Millionen Tonnen erhöht. Während desselben Zeitraums ist die im Bau be­findliche Tonnage in den Vereinigten Staaten von 4 Millionen aus insgesamt 1 Million 772 00Q, Tonnen gesunken. .

z Wieder Zwei Minaten-Feiee. ff

wb. H 0 r s e a, 19. Okt. (Funkspruch.) Es ist be­schlossen worden, wie im Dorjahre am Waffenstill­standstage um 11 Uhr vormittags in ganz Erotzbritan- nien zwei Minuten lang den Verkehr still stehen zu lassen.

Wiederanknüpfung der deutsch-engli'chen wissen­schaftlichen Beziehungen?

75 Professoren der Universität Oxford haben sich an ihre deutschen Kollegen gewandt, um zu einer Wie­deraufnahme der Beziehungen zu kommen, hauptsäch­lich im Interesse gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit zum Vorteile einer besseren Verständigung und Wie­derherstellung der Sympathien, die vor dem Kriege ge­herrscht haben.Times" undDaily Expreß" antwor­ten darauf mit bissigen Aussätzen.

wb. H 0 r s e a, 19. Oft. (Funffhruch.) Am 25. Ok­tober um 1 Uhr morgens hört die britische Sommer^ zeit auf und wird die normale Zeit wieder eingesührt.

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Sitzung vom 19. Oktober.

Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 3*4 Uhr Das Haus ist nur schwach besetzt, die Tribünen dagegen sind ziemlich gefüllt. Der Präsident gebenH vor Ein­tritt in die Tagesordnung der schweren Stunden, die unsere Volksgenossen in Oberschlesien während der Pause der ReichstagSverhandlungen durchmachen mußten, und in denen sie schwer unter polnischer Willkür ge­litten haben. Aber sie haben Treue zum deutschen Bater- lande gehalten. DaS gibt uns die Hoffnung, daß s'e uns auch weiterhin die Treue halten werden. Gegen di« volnischen Bestrebungen, die Volksmeinung in Ober« Schlesien durch Fälschung zu beeinllussen, bat die dei t'che Neichsregierung bereit- protestiert. Der Reichstag sck ließt sich diesem Protest an. Ueber die Frage der Dies-l- motoren wolle er heute nicht sprechen, da der Reichstag binnen kurzem Gelegenheit nehmen werde, diesen An­schlag auf ein arbeitendes Volk.zurückzuweisen. Mit Ge­nugtuung lenke et den Blick auf ff ä roten, das soeben Zeugnis für das deutsche Volkstum und für ein noch ärmeres Staatswesen alS wir eS sind abnelehnt bat. All« diese Abstimmungen im Osten und Süden bereiten doch nur den Tag vor, an dem endlich alle Hemmnisse beseitigt werden und dem ganzen Volk die Freiheitsstunde schlägt.

Zur Geschäftsordnung beantragt Abg. Ledebour Tl. S.l einen heute eingereichten Antrag Aderbold noch heute mit auf die Tagesordnung zu setzen, in dem gegen die

Ausweisung der Sowjetdelegierten Sinowjew und Losowffi Protest erhoben und die Re­gierung ausgefordert wird, die Austveisungsversügung sofort auszuheben.

Abg. S ch u ltz-Bromberg (Deutschnatl.) erbebt da­gegen Einspruch. Selbstverständlich sei sich die Mehrbeit des Hauses darüber llar. daß diese Ausweisung so schnell wie möglich dnrchgefüh'rt werden müsse, aber so eilig, wie Ledebour die Sache darstelle, sei sie doch nicht.

Präsident Löbe erklärt, infolge dieses Wiverspruch-'s könne der Antrag Aderbold heute nicht auf die Tagesord­nung kommen, werde dafür aber morgen erörtert werd-n.

Das Haus tritt dann in die Tagesordnung ein, die Erledigung von Anfragen.

Auf eine Anfrage des Abg. ff a 61 (D. Sßpt), ob d« Negierung im Hinblick aus bie Verordnung der Nheinland- kommission, die das Hissen bet deutschen Flagge von einer 48 Stunden vorher erstatteten Anzeige abhängig macht, bereit sei, für das Hissen der französischen Flagge die gleichen Vorbebingungen zu fordern, erwidert ein Negierungskommissar: Allerdings bat bie Nbeinlandkom- miffion für baS Hissen jeder Flagge eine vorherige Anmeldefrist von 48 Stunden rorgetd)rieben. Da die Regierung hierin einen Angriff aus ihr Bestimmungsrecht sehe, habe sie die Aufhebung dieser Verordnung bean­tragt.

Aus eine Anfrage des Abg. Mumm (Deutschnatl) wegen des Auftreten- der russischen Sowjetprova- ganda in Deutschland, während der Hetnitransvort unse­rer Kriegsgefangenen in Mußland verweigert werde, ent­gegnet ein Regierungskommissar: Ter Heimiransport unse­rer Kriegsgefangenen ist schon eingeleitet und wird hon'etU« lich noch vor Beginn des Winters burefcgeführt sein.

Auf eine weitere Anfrage des Abg. Mumm toeyn Zulassung ausländischer Fi l m e r,e u g n isse, während eine Ausfuhr deutscher Filme vom Ausland durchweg nicht gestattet werde, entgegnet ein Regierungs­kommissar, daß auch deutsche Filme ins Ausland gehen und die Einfuhr ausländischer Filme nur 15 Prozent der Ausfuhr deutscher Filme ausmache. Es bestehe so­mit keine Veranlassung zur Erhöhung des FilmzollS.

Auf eine Anfrage des Abg. Mumm wegen der 3* taffung des nicht fachmännisch vorgebildelen Dr, 84*

Polnischer Frontbericht.

wb. Warschau, 19. Okt. Im Gcneralstabs- bericht der polnischen Ar.nee vom 18. Oktober heißt es: Unsere Truppen besetzten die Waffenstillstands-