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richt in der Lage guroef n wäre, über die Wider­klage zu verhandeln, hätte Knöckel sicherlich eine härtere Bestrafung getroffen. Bei Eintritt in die Verhandlung machte der Verteidiaer des Klägers, Rechtsanwalt Sr. Külz, geltend, daß sie auch Be­rufung gegen die Bestrafung des Angeklagten ein­legen und zwar dahingehend, daß die Arteils- vublikation nicht nur, wie der erste Rich'er er­kannt, in derLandeszeitung", sondern auch in der Oberhessischen Zeitung" erfolgen müsse. Der Be­klagte bekundete in längeren Ausführungen, es habe ihm mißfallen, daß der Kläger, der selbst zu- gestanden hätte, nicht viel von Politik zu ver­stehen, ihm alten erfahrenen Menschen, der 25 Jahre in der politischen Bewegung stände, ent- gegengetreten sei. Die deutsch-völkischen Versamm­lungen seien deshalb nicht so öffentlich, weil ge­dungene Leute Spektakel machten, da» wolle man verhüten, weiter nichts. Von Feigheit könne da keine Rede sein. Man habe ihm auch vorgeworfen, er hatte sich vor dem Heeresdienst gedrückt, und die 300 Männer, die laut Rathenausch^m Buch die Welt beherrschten, als Juden bezeichnet. Er br- daure, daß Rathenau nicht als Zeuge erscheine, damit er einmal unter Eid sage, wen er mit den 300 Männern, die sich alle untereinander kennen, meine. Man müsse sich von gegnerischer Seite ja manches gefallen lassen, aber wenn ein eigener Volksgenosse das tue, dann müsse man als Deutscher in Erregung kommen. Die Schluß­androhung sei natürlich nicht ernst zu nehmen, denn mit dem Knüppel bekämpfe er seine politi­schen Gegner nicht: er kenne Knöckel, den er ein­mal gesehen, auf der Straße auch gar nicht wieder. Der Kläger Knöckel nahm Bezug auf seine Mi­litärzeit. Zm Felde habe er tapfere jüdische Offi­ziere und Soldaten genug kennen gelernt die Juden hatten voll und ganz ihre Pflicht ge^an. Als Laie fei er in Frankfutt in die Versammlung gekommen und als er die Ergüsse Werners über die Inden gehött, habe er in der ersten Erregung den Artikel für dasMittagsblatt" geschrieben. Wenn er erst einige Tage gewartet hätte, wäre dieser jedenfalls n'cht so scharf ausg-fallen. Dann "il- derte er seine Erlebnisse in der Marburger Ver­sammlung, da sei er ja meist niedergebrüllt wor­den. Werner habe auch behauptet, die .Landes­zeitung" würde von jüdischem Geld unterhalten, die Sozialdemokraten und Unabhängigen gelobt, das sei doch sein Ernst nicht und dann beliebe er immer, in seinen Reden die Zitate unrichtig oder verstümmelt wiederzugeben. Daß er politisch nicht erfahren sei, müsse er bestreiten. Was er damals gesagt hätte, betrachtt er weder als Lüge noch als Verleumdung. Prof. Werner kam auch auf die Frankfutter Versammlung zu sprechen und fügte

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MMekannte ttttS bclrrSts ^PrrsL nsichken war,- '"nach Ljährigem schweren Leiden in seinem 74. Lebensjahre aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene war am L. Februar 1846 in Marburg, dem schönen Hessenlande, geboren und kam schon in jungen Jahren nach Amerika, resp. nach Stapleton, wo sein Vater vor Jahren als Kollektor in Bechtels Brauerei tätig war. Bon Berns tour er Polsterer und früher in größeren Geschäften Newyorks ein gesuchter Arbeiter. Mit einer guten Daß» Htmme begabt, schloß er sich schon frühzeitig dem Quartctt- klub an und später trat er der Einigkeit bei, der er bis zu seinem Tode angehörte. Auch dem Stalen Island Turnverein war er während der Tauer seines Bestehens ein treues Mitglied. Als die Richmond County Schützen- Compagnie vor 33 Jahren gegründet wurde, war et einer bet ersten, der sich dieser Bereinigung anfchloß. In den Jahren 1899 bis 1906 war er Hauptmann der Kompagnie und bei seinem Abgang wurde er mit dem Ehrentitel einer Majors beehtt. Gestern erwiesen ihm die Käme-

1 raden vom Trauerhause Nr. 24 Hudson Str., Stapleton, die letzten Ehren. Er war mit der Witwe des Ei-Präsi­denten des S. I. OnartettklubS F. Siegfried verheiratet, die ihm vor mehreren Jahren im Tode voranging. ES be­trauern ihn nahe Anverwandte, aber er hinterlaßt keine Kinder. In Deutschland wohnt noch eine Schwester, welcher der Verlust nahe gehen wich. Seine vielen Freunde wetten ihm ein ehrender Andenken bewahren. Stumm schläft der Sänger. Gestern wurde er auf dem Woodland Kirchhofe zur letzten Ruhe «bettet. Friede feiner Asche. (Der Verblichene war Lehrling bei brr Firma Schaefer, früher Wettergasse, jetzt Bahnhofstraße. Die erwähnte Schwester ist die Frau des Kaufmanns und Gastwirts Christian Klötz in Schweinsberg.)

* Strafkammer. Gestern beschäftigte sich das Gericht mit dem bereits im Juni W I. vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelten Privat- Beleid'güi.gsprozeß des Schriftleiters Kuökel von der .Landeszeitung" gegen den antisemitischen Reichstagsabgeordneten Prof. Dr. Werner aus Butzbach. Der Sachverhalt sei hiermit noch ein­mal kurz in Erinnerung gebracht. Am 18. Febr. d. I. fand in den Stadtsälen hier eine öffentliche Versammlung des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes statt, zu der nurDeutschblütig?" ein- geladen waren. Als dem Redner des Abends, Prof. Dr. Werner, in der Aussprache der Kläger entgegentrat, fragte ihn der erstere, ob er vielleicht mit dem Schreiber eine» gegen ihn nach einer Ver­sammlung in Frankfurt im dortigenMittazs- blatt" erschienenen Artikels identisch sei. Als Knöckel dies bejahte, forderte er ihn auf, das, was er in dem Artikel gesagt hätte, zu beweisen. Nach­dem letzterer darauf nicht einging, brauchte Prof. Werner beleidigende Ausdrücke und drohte ihm mitSatisfaktion" auf offener Straße. Einer van Prof. Werner eingereichten Widerklage, konnte, wie damals mitgeteilt wurde, nicht stattgegeben werden, weil der erstere bei der Verhandlung ge- fehlt hatte. Die Verhandlung endete beim Schöf­fengericht damit, daß Prof. Werner wegen öffent­licher Beleidigung in ein« Geldstrafe von 75. «M. genommen wurde. In den Gründen hieß es, die

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uiachte auch Mitteilungen über seine damaligen Ausführungen, die Larin gegipfelt hätten, daß dis Juden das wirtschaftliche Leben beherrschten. Seine Zitate feien nicht falsch. Weitere ZeuZen wurden diesmal nicht vernommen, sondern nur die Aussagen der in der ersten Verhandlung vernom­menen Zeugen verlesen. Nach kurzer Beratung kam das Gericht zu dem Ettenntnis, daß beide Be­rufungen unter gleichzeitiger Tragung der Kosten zu verwerfen feien. Die Ausdehnung bet Urteils« Publikation auf Kosten Prof. Werners in der ,F)bcrhess. Ztg." wurde abgelehnt. Die Begrün­dung war die gleiche wie beim Schöffengericht.

Die Postverhältniffeckuf dem Lande. Ans landwittschastlich:» Kreisen werden seit längerer Zeit Klagen darüber geführt, daß die postalischen Ver­hältnisse auf dem Lande in keiner Brzichung den Ber- lehrsbedürsttgen Nechnnng ttagen. Eine zweite Post- kestellung, die vor dem Kriege fast scher Ott hatte, gibt es nicht mehr. Bor allem ficht man in der Sonntags ausfallenden Postbestcllung einen Uttelstand, dem abgcholfen werden müßte. Der Fernsprechverkehr ist meisten» in den Mittagsstunden geschlossen. Während der Dienstzeit der Agenturen ist der Landwirt heschüfigt; in den arbeitsfreien Mütags- stnnden ist flzv ihn der Fernsprechverkchr unmöglich gemacht. Es liegt ein dringendes Bedürfnis dafür per, daß überall dort, wo Sonntags keine Postbestel« lnng besteht, wenigshrns Wicker eine einmalige Zu­stellung erfolgt, und daß der Fernsprechverkehr eine derartige Regelung findet, die es den Landwirten ermöglicht, auch in den Mittagsstunden zu telephonieren.

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