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Amtliches Derkündigungsblatt des Kreises Marburg.

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Tageszeitung für (bas früher kurheffifche) Oberhessen

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ITieObetfjefRIdje Zeltong" erscheint feAsma! wöchentlich - *e«aHl4

4 Rk., duck die Poft 4.2U 9H. Ausgabe B mitOberh. Sport-Ztz 1 Mk. mehr. IZir eu*f«Ge*i>e Kummer« infolge Streik, »der e'emeutarer Erergntste kein Stt-tz.- X$etl«6 »,n Dr. C. Hitzereth. - Druck der U«i».-«uchdrucker»r »»* 3e». «eg. **, Merkt 21/33. Fernsprecher 55.

Marburg

Freitag, 15. Oktober

Der«jeiaettptei, beträgt fit die Smefg». jette 75 Bfg. nnd 1» % Austchlng, nmtliche e«d eeemärttge 1. SRI.. Reflamejetle 3.00 Mk. jeder Redeti gilt el« Berrebett. Bei A»,tuest durch die S»ich/>",Nekie und Sermittlueg der «gebet» 7b Big. 6e«. » rzedtdr Bet Beträgt« tatet 20 Mk. miste« mir da, Berte fite die Rechnung betecheee. «poftichecktont«: Mr. 5015 Ami greehert e. Mei«.

55.3*1.

1921

5it ÄiisttW- Md®ieisroatniüi«i!85' grast.

Frankreich besteht auf einer Diktatkonferenr.

wb. Paris, 14. Okt. Wie dasEcho de Paris" mitteilt, hat die französische Regierung die Vorschläge der englischen Note bett, die Sachver- pändigenkonferenz in Druffel und die vorgeschla­gene Konferenz mit den deutschen Vertretern zur Erwägung der Wicdergutmachungsfrage angenom­men, aber die Einberufung einer dritten Kon- ftrenz verlangt, auf der nur die verbündeten Re­gierungen vertreten sein sollen. Die englische An­sicht geht dahin, daß man sich mit Deutschland auf freundschaftliche Art einigen solle. Der französische Standpunkt dagegen glaubt, daß Deutschland sei­nen Verpflichtungen nur dann nachkäme, wenn es dazu gezwungen werde. Eine Formel für eine endgültige Einigung ist bisher noch nicht ge­funden worden.

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Es wäre «in schwerer Irrtum, anzunehmen, daß siü1 England bei seinem Widerstand gegen die fran­zösischen Diktatpläne von besondcrent Wohlwollen gegenüber Deutschland leiten lasse. Das stets kühl rechnende England hält sich nur frei von kurzsichtiger, von Leidenschaft getragener Rachepolitik, wie sie Frank­reich treibt, und glaubt im Falle Deutschland mehr im englischen Interesse zu erreichen, wenn der Bogen nicht überspannt wird. Frankreich, in seiner Rache­gier und hysterischen Angst vor einem Wiedcrerstarkcn Deutschlands, dagegen kann sich nicht genug in Er­pressungen und Knebelung des am Boden liegenden Deutschland tun.

wb. Berlin, 14. Okt. Am 13. d. Mts. sand im Auswärtigen Amt mi* vom Reichswirtschaftsrat benannten Persönlichkeiten eine Besprechung über die Vorbereitung der Genfer Konferenz statt.

wb. Paris, 14. Okt. Wie Havas mitt eilt, bat Ministerpräsident LeYgueS gestern ben Vorsitzenden »er deutschen Friedensdelegation v.Lucius empfangen.

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MMtlm «i> ZkWlM.

Die sinnlose Rachgier und Zerstörungswut der Westmächte hat die deutsche Technik in den letzten Tagen mit zwei Angriffen bedacht, die das deutsche Wirtschaftsleben nicht nur an und für sich anf's Schlimmste gefährden, sondern obendrein uns die Er­füllung unserer vertraglichen Pflichten in bestimmten Eedieten säst unmöglich machen. Einmal handelt eS sich mn den Beschluß des Obersten Rates, die D i e s e l - »otor« zu zerstören. Es ist ohne weiteres klar, welche Wirkung dies aus unsere Industrie unter Berücksichtigung unseres überaus großen Kohlen- Aaugels haben würde. Die Angst vor der Tüchtig- keit des deirtschen technischen Geistes verführt die Kestmächte dazu, in gemeinster Weise die von ihr selbst kftieittn Verträge zu breche u. Nach Artikel 189 des Versailler Vertrages dürfen alle Maschinen usw., btt beim Abbau der deutschen Kriegsschiffe, auch der ll-Bootc, gewonnen werden, für rein industrielle oder Handelszitrecke verwandt werden. Und nichts anderes Seschicht als die Erfüllung dieses Vertragsamkels, wenn die Dieselmotore in der deutschen Industrie berwe:idet werden. Deutschland also hält den Ver­trag, der Oberste Rat in Paris bricht ihn. Nicht «nders verfahren die Verbündeten wenn sie, wie die »Daily Skews" berichtet, durch den interalliierten ^eberwachmigsausschuß bei der Zeppelinluftfahrts- sirsellfchaft in Staaten die Forderung stellen lassen, den tuen Riesenzcppelin, der für den Luftdienst Teutsch- ^vd-Amcrika erbaut toorben ist, auszuliefern. Nach Friedeirsvertrag hat Deutschland das Recht, alle «istsahrzeuge, di« sechs Monate nadj Unterzeichnung Fricdensvertrages erbaut sind, zu behalten, «lcdermn also erfüllt Deutschland seine vertrag­enen Verpflichtungen, während die Verbündeten sie brrletzen. Ihr Vorgehen in beiden Fällen kcnn- ^chnet sich als ein so rachgieriges und schikanöses Ausrortungsprinzip der deutschen technischen Selbst- pündigkeit und Unternehmungslust gegenüber, daß die bvitfche Regierung, wenn nichts anderes als dies bon Deutschlands geistigem Besitz und Recht zu retten gerade hier mit den schärfsten Mitteln darauf bestehen muß, daß ihr die durch ben Versailler Ver- *°3 «ingeräiimten Rechte auch uugeschmälctt ver­bleiben.

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Ne« Verhandlungen.

einer Münchener Meldung derBost. Ztg." die Verhandlungen über die Zerstörung der Diesel- ^°toreq mit den Westmächten wieder aufgenommen ^den. Die Reise der Entsntekommisfion, die die vom an vorgesehene Zerstörung durchführen fach sei aufgeschob^ worden.' .

wb. Berlin, 14. Okt. Der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft hat an die Reichsregiemng die dringend« Aufforderung gerichtet, der Forderung auf Zerstörung der Dieselmotoren unter keinen Um­ständen nachzugeben. Die Fortschaffung der Diesel­motoren werde nicht nur die industrielle Produktion Deutschlands' schädigen, sondern auch die laickwirt- schaftliche. Damit werd« die schon ohnehin gespannte Lage in der Lebensmittelversorgung unseres Volkes bis zur Unerträglichkit gesteigert.

wb. München, 14. Okt. Im Wirtschaftsausschuß des bayerischen Landtags wurde gegen die verlangte Zerstörung der Dieselmotoren von Rednern aller Frak­tionen einschließlich der U. S. P. Protest erhoben. Handelsminister Hamm bemerkte, mit der Ausführung des Friedensvertrags habe die Sache nichts zu tun. Das fei auch die Auffassung des Auswärtigen Amtes. Die Reichsregierung werd« mit allem Nachdruck auf den Ernst der Sache hingewicsen, ebenso die fran­zösisch« Bcrtvötnng in München.

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Di? Lm im Mn.

Kriegshandlungen trotz Friedensschluß. Die Meuterei" Zeligowskis.

Nach dem polnisch-russischen Vorfriedknsoertrag tritt dis Waffenruhe erst 6 Tage später, also erst am 18. Oktober ein. Ist das schon eine seltsame Sache, so in noch höherem Maß die Vornahme von Kriegshandlungen in größerem Maßstab, wie sie von der Front im Osten noch gemeldet werden. Die Friedensbedingungen stehen in der Hauptsache fest, auch chie Führung der künftigen polnisch-russischen Grenze. Wenn überhaupt der Wille, zu einem endgültigen Frieden zu kommen, bei den Vertrags­gegnern vorhanden ist, hat weiteres Blutvergicßen also keinen Sinn. Hier freilich bedarf es etlicher Fragezeichen. Man ist vielfach der Meinung, daß die Bolschewisten zwar der Not gehorchend (innere Aufstände und mangelnder Kriegswill- der roten Truppens sich zum Frieden bereit erklärt haben, aber, sobald es ihnen möglich ist, wieder zum An­griff gegen Polen schreiten werden. Andererseits suchen die Polen noch einzuheimsen, was zu er­reichen ist. Sie haben am 7. Oktober in Gegen­wart einer interalliierten Schiedsgerichtskommis­sion einem Waffenstillstandsvertrag mit Lttauen geschloffen, in dem sie die von Litauen geforderte sogen. Curzonlinie als. Demarkationslinie aner­kennen. Kurz darauf ist Wilna von polnischen Truppen unter General Zeligowski besetzt worden. Rach außen hin kleiden die Polen diesen Vertrags­bruch in das Mäntelchen der Meuterei Zeligow'kis, der sich als polnischer d'Annunzio geweigert habe, dem Warschauer Befehl Folge zu leisten und gegen den Willen der polnischen Heeresleitung Wilna besetzt habe. Das Unternehmen Zeligowskis scheint aber nichts als eine von Frankreich geduldete, vielleicht sogar unterstützte Komödie zu sein, >>i neues Glied in der Kette der von den Polen unter Antrieb der Franzosen im Osten betriebenen Raub­politik. Zeligowski ist ein enger Freund des pol­nischen Staatschefs Pilfudski, des Hauptvertreters der polnischen Raubpolitik im Osten. Er ist in Wilna, und niemand wird ihn so bald wieder hinaustreibe». Beteuerungen der Unschuld und Versicherung der Mißbilligung des Unternehmens Zeligowskis sind billig. Schließlich behält Polen Wilna, trennt Litauen von Rußland und bildet eine Sperre zwischen Deutschland und Rußland.

Polnischer Frontbeeicht.

wb. W a r s ch a u, 14. Okt. Im Eeneralstabs- bericht der polnischen Armee vom 13. Oktober heeßt es: Unsere Truppen brachen den Widerstand zweier Sowjetdivisionen und besetzten am 12. Oktober Molodetfchno. Im südlichen Abschnitt kehrte unsere Reiterei nach dem am 7. Oktober eingeleite­ten großen Ausfall aus Korostyn dorthin zurück. Rach Zerstörung der Eisenbahnstation, Vernichtung der Brücken und Zerstreuung der 7. Rcseroebrigade der 7. Sowjetdioision machten unsere Abteilungen 2000 Gefangene, erbeuteten 12 Geschütze und 40 Maschinengewehre. Gestern meldeten die Bol­schewisten die Einnahme von Molodetfchno.

Die Besetzung Wilnas.

wb. K o w n o, 14. Okt. Di« Kontrollkommisfin des Völkerbundes hatte mit den Vertretern der li­tauischen Regierung eine Besprechung. Sie über­läßt es den Litauern, den Streitfall mit Waffen­gewalt oder friedlich zu lösen. Der Vorsitzende ver­sprach, die Hauptmächte zu ersuchen, Hilfskräfte und Mittel zur Verfügung zu stellen, nm die 33er« bindun»swege zwischen den Truppen Zeligowskis und dem polnischen Heere zu überwachen, den Schießordarfs- und LebonsmitieVnaAHub zu ver-

hrndern und für die Unverletzlichkeit der Demarka« tionslinie zu sorgen.

In der Nacht zum 13. Oktober find die auslän­dischen Missionen aus Wilna nach Kowno zurück­gekehrt. Sie erklärten, die sogenannte Regierung Mittellitauens nicht anzuerkennen.

Zur Verteidigung gegen Polen zeigt die Bevöl­kerung die größte Opferwilligkeit. Diele Frei­willige aus allen sozialen Schichten melden sich zum Heere, auch Schüler der oberen Klaffen der Gymnasien «nd anderer Schulen. Sogar aus den von den Polen besetzten Gebieten kommen Weiß- ruffen, Juden und selbst polnische Arbeiter, um mit den Litauern gegen Polen zu kämpfen.

Lettisch-polnische llebereinkunft?

wb. Kopenhagen, 15. Okt. DerVer- lingske Tidende" wird aus Kowno gemeldet: Der litauische Eeneralstab teilt mit, daß lettische Trup­pen vorgestern bei einem plötzlichen Vorstoß *ie Station Selowka an der Eisenbahninie Libau Dünaburg besetzten und gleichzeitig unter Drohung der Entwaffnung die sofortige Räumung des gan­zen übrigen von Litauern besetz'en Teiles des früheren Gouvernements Kurland und des sogen. Jlluxt-Dezirks gefordert haben. Dieser Schritt kommt den Litauern um so überraschender, als Lettland kürzlich einen Vertrag mit Litauen unter­zeichnet hat, wonach das Schicksal dieses Gebiets durch Schiedsgericht entsch'eden werden soll. Eleich- 'eitig wird gemeldet, daß die Polen die litauische S'adt Swenzany besetzt haben und auf litauischem Gebiet nordwärts vorrücken in der vermeintlichen Absicht, mit den lettschen Truppen im Illnrt-Ge- biet in in Verbindung zu treten. Litauen wird vorläufig eine abwartende Haltung ein­nehmen. Es mobilisiert aus voller Kraft. Ehe es icdoch fein Heer anwendet, will es feststellen, mit wer es kämpft. Litauischersei's wird betont, daß die Polen in Wilna die gleiche Taktik anwenden mt? die Bolfch-wistsn, als diese bei der Besetzung non Milna Volkskommiffare von litauischer Ab­stammung an die Spitze der Eebie^sverwaltung stellten.

Di« Wrangeltruppen überschreiten den Dnjestr.

Basel, 14. Okt. Ein Bericht des Oberkom­mandos des Generals Mrängel meldet die lieber« schreitung des Dnjestr und die Gefangennahme des 19. und 23. bolschewistischen Regiments.

Verhängung des Ausnahme- Zustandes.

Die autibolfchewiftisch« Gärung.

Berlin, 14. Okt. Die Blätter geben eine Mel­dung des Moskauer VolschewistenblattesPrawda" wieder, wonack die Sowjetregiernng über 12 russische Touvernementsdistrikte, darunter über Moskau und Petersburg, den Ausnahmezustand verhängt habe. In allen Gouvernements würden revolutionäre Volksgerichte eingesetzt.

Nach einer Meldung betDaily Mail" habe die Sowjetregierung die Amtsenthebung und Verhaftung von 26 zaristischen Offizieren wegen Verfehlungen im Dienste und wegen politischer Unzuverlässigkeit verfügt.

Riga, 15. Okt.Nußkoje Slowo" meldet, daß die Ausstandsbewegung in Smolensk gro­ßen Umfang annehme. Bei ihrer Unterdrückung wurden 20Ö0 Soldaten verhaftet, 300 erschos­sen. Das Kloster wurde in ein Konzentrations­lager umgewandelt. Alle Gefängnisse und zu fängniffen verwandelte Schulgebäude find mit Ge­fangenen überfüllt. 90 Prozent aller Verhafteten sind Arbeiter und Bauern. Der Soldatenaufstand greift nun auch auf Minsk über.

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Die Frage der griechischen Thronfolge.

Errichtung einet Republik?

tob. Mai land, 14. Okt. Infolge der Tatsache, daß im Befinden des Königs Alexander von Griechen­land eine weitere Verschlechterung eingetreten ist, die xu ernsten Besorgnissen Anlast gibt, beschäftigt man sich, wie derKarriere della Sera" aus Athen meldet, dort lebhaft mit den Konsequenzen, die durch das Ableben deS Königs enistehen würden, da bei der Absetzung deS Königs von Griechenland keine Be­stimmungen über di« Thronfolge getroffen worden sind. Es würde daher nichts anderer übrig bleiben, als den Königsthron einem isländischen Prinzen anzubieten, oder di« Monarchie als solche auf mH eben, was die Freunde VenizcloS sehr begrüben würden.

Unter allem Vorbehalt wird die Nachricht der Chicago Tribüne" gegeben, Prinz Arthur von Connaught könne vielleicht zum König von Sie» chenland getollt werden, wenn bie Blutvergiftung deS Königs Alexander einen tödlichen verlaus nehmen werd«. Als weiter« Kandidat jei «vH da Prinz

SixtuS von Bourbon genannt worden. Rau erkläre ferner, Benizclos sehe die Errichtung einet griechische» Republik vor.

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Von unserem Sonderberichterstatter.

Halle, 13. Oktober.

So mancher U. 6. P - und kommunistische Vertreter mochte ein verwundertes Gesicht, als er am Halieschen Bahnhof ankam. Da waren ja leibhaftige schwarz-weiß- rote Fahnen neben den Farlin der neudeutschen Republik! Jene Fahnen galten den Söhnen der Stadt Halle, die immer noch von der Kriegsgefangenschaft zurnckerwart-t werden. Der U. S. P. war nirgends ein äußerlicher Wftlkommengruß entboten. Das verstimmte. Nmsomeh-, als gerade die triumphierenden Berichte desVorwärts" über die Eröffnung des mehrheitssozialistischen Panei- tages in Cassel bekannt wurden, und als sie im besonderen damit prunkten, wie ganz Cassel in ein Meer von roten Fahnen getaucht und wie auch sonst die Begrüßung über alle Maßen herzlich gewesen sei. Bon alledem in Halle nichts zu merken.

AIS die Pforten zu dem blutrot ausgeschmücktcn Tagungsfaal geöffnet werden, geht ein wildes Jagen um die Plätze loS. Man besänftigt sich aber wieder, als Bohnenkaffee und weiße mit Wurst und Fleisch belegte Brötchen herumgereicht werden. Eine bestimmte Vlatzverteilung ist zwar nicht getroffen. Doch baden sich die Befürworter und andererseits die Gegner Mos­kaus zusammen gmuiert. Beide Teile nehmen fo ziem­lich je die Hälfte des Saales ein. Sie hoben zwischen sich auch äußerlich einen-scharfen Trennungsstrich gezogen. Tie Parteipresse der U. S. P ist überaus stark vertreten, namentlich sind fast sämtliche Redakteure derFrete hfft", um welche ja ein ganz besonders heftiger prin- zivieller Kampf geführt werden soll, anwesend. Ans den Tribünen ist bie ebensals in großer Stärke vertretene bürgerliche Presse aller Parteien untergebracht. Daneben ist die ausländische Presse und zwar vorab diejenige der östlichen Länder, dann der skandinavischen Länder und ferner von Amerika, England, Frankreich, Italien und der Schweiz sehr stark vertreten.

Zu Vorsitzenden werben für den unabhängigen Flügel Dittmann und für den kommunistischen Braß ge­wählt. Das übrige Büro wird varitätisch zusammen­gesetzt. Zunächst kommt die Genossin Lnift Zietz für ben Bericht des ParteivorftandeS zu Worte.Tie ist ober alt geworden!" ruft eS auf der Tribüne. Ihr Bericht ist langatmig, langweilig, lieber große Aufmerksamkeit braucht sie sich nicht zu beklagen. Tann gibt es noch eine kleine Sensation: Ter Vorsitzende teilt mit. daß im Saale sich der Führer der kommunistischen Partei Dr. Levi nebst einer Anzahl anderer kommunistischer Führer aushalten. Unter dem Murren des kommunistischen Blockes werden die Betreffenden zum Verlassen deS Saales aufgefordert. Nachdem noch Bach vom rechten Flügel für bie Kontrollkommission ben geldablieseningssäumigen Genossen bie Leviten gelesen hatte, stärkte man" sich zuw weiteren Kampf toi« folgt: ' Ochsenschwanz­suppe mit friedensweißen Brötchen, Zanderfflet mit Weißweintunke und Kartoffeln. Kalbsbraten mit Gemüse und Kartoffeln, Reis mit Obst, summa summarum 16,50 Mark. Dazu Weiß- und Rotwein.

Richard Müller, der sogenannte LeicheinMüller, häuft nachmittags Schimpf und Schande auf diesenigen seiner Parteigenossen, die nach dem Kavp-Pntsch den Generalstreik mit abblasen halsen. Er schreit sich heiser im Ausruf zum Weitertragen der Revolution. Es ist bezeichnend, daß er dabei von der Rechten forte dauernd ausgela cht wird. Im übrigen schildert Mül­ler die Tinge, wie sie sind: er muß eine rücksichtslose» Klärung ftattfinben. Wer nicht pariert, muß heraus! Diese Aeußerungen werden von der Rechten mit ironi­schemSehr richtig" quittiert. Die Linke bejubelt demon­strativ den Sprecher.

C r i s p i e n, der Führer des Nechtssiügels, versuch» das Herz der Linken zu rühren mit dem Hinweis darauf, was von der Partei in kurzer Zeit geschaffen worden sei. Die Linke sitzt ober wie ein Steinklatz ha. Sie bildet eine übrigens vortrefflich organisircte, fest in sich ge­schlossen« Gruppe. Ihr ganzes Verhalten beruht offen­bar auf Verabredung. Allmählich verlieren aber Teile die Fassung. Denn nun hält Crispien eine Gene­ralabrechnung. Er geißelt dieunfertigen Elemente', die noch nicht einmal das A-B-T der Polelik begriff«n hätten und nun das große Wort führen wollten. Loenm und Stoecker unterbrechen den Redner fortbanernb, worcuf dieser erklärt, daß ihm diese zugerusenen Schimpstv-ict« bewiesen, daß die Peitschenhiebe gesessen hätten. So>che Etewnte gönne er den Kommunisten. Dem anf der Tribiine sitzenden Kommunistenfghrer Dr. Sert, der direkt von Moskau «rach Hatte kam, gratuliert er unter bür- mischer Heiterkeit der Rechten und unter starker Unruhe der Linken zu solche«Errungenschaften". Dißman« nimmt sich noch einmal Körnen und andere vor. für derentreulose Lameradschaftlichkrit" er nerVerachtung" ftabe. Wieder tobt «s im Saale wirr durcheinooder. Dißxoa' U spricht de« Anhänger« des linken irblgetfc jede Ehrlichkeit ab und schreit unter einem ungeheure«, Arm« daß, wenn er persönlich werden wolle, mancher von denen« die jetzt links sitzen, schwer blamiert würde.Berlaßt Euch darauf, Ihr werdet unter die Räder kommenN U sein letztes Wort, da» einen ungeheuren Lärm anSlöst.

Die Berhaiidlungn, gehen schon lange nicht wdft parlamentarisch vor sich. Der Wortkamvf zwischen Tisch und Tisch ist längst lebhaft tm Gang«. Die Rrbnet Cönftett sichh ioum noch Gehör tzeMaAN. Der PräA»