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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (das früher kurhesiifchej Oberhessen

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Sonnabend. 9. Ottober 1? S'M'Ä f.Ä

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M.rkt 21'28. Fernsprecher 55.

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Erstes Blatt.

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Als die Rote Armee dicht vor Warschau stand, der Fall der polnischen Hauptstadt nur noch eine Frage von wenigen Tagen zu sein schien und das Lindringen der Russen in den deutsch-polnischen Korridor von entscheidender-Bedeutung für die Ee- stalrung der Lage in Deutschland werden konnte, hielt man die von nationalem Ceiste durchdrun­gen« Tireitmacht der Bolschewisten für eine durch­aus siegreiche Kraft, die vielleicht der Welt ein ittues Gepräge zu geben bestimmt war. Es ist ganz l anders gekommen. Die Polen haben sich, durch Frankreichs faktische und moralische Hilfe ange­feuert, zum Verzweiflungskampf erhoben und den Russen eine Reihe von schweren Niederlagen bei­gebrach!, die mit dem Rückzug nach Osten endeten.

? Ter Zustand der Roten Armee ist so schlecht, die ; Lage hinter deren Front so trostlos, daß vorläufig an eine Wiedererstehung der russischen Angriffs­kraft gar nicht zu denken ist.

- Zwei Gesichtspunkts treten uns entgegen, wenn wir nach den Gründen der russischen Niederlage fragen. Zunächst kommen die militärischen und strategischen Fehler der Russen zur Geltung. Die Moskauer Volksbeauftragten, an ihrer Spitze der im Heerwesen gebietende Trotzki, nahmen in j einer durchaus dilettankdnartigen Auffassung d:r s Lage an, Last Polen vor dem Ansturm des _ naricnal-bolfchewistische» Gedankens in sich ' zu- s sammLnsinke» und zu jedem ernsten Widerstand | unfähig sein würde. Daher schob die russische s Heeresleitung sogenannteReiterarmeen" sehr ^ schnell vor, nm Warschau und Lemberg zu erreichen, womit man die Gegenwehr Polens als völlig er- ledigr ansehen zu dürfen glaubte. Allein diese

' Armeen srietzen östlich Warschau in der Linie - PultustEarbolin und östlich Lemberg am oberen Bug und »am oberen Sereth auf einen Widerstand der Polen, den sie nicht bezwingen-konnten. In­zwischen bohrte sich die russische 4. Armee über

; Soldau in Richtung auf ThornEraudenz in den wesrpreustischen Korridor ein. Tie wurde beidrr- scits vom polnischen Gegenangriff umfaßt und gänzlich geschlagen, bekanntlich mutzte sich ein

\ großer Teil tu Ostpreußen von den Deutschen inter­nieren lasten. Unfähige und tollkühne Führung haben es bewirkt, datz der russische Nordflügel ge­worfen und hiermit die ganze Front in rückläufige Bewegung gebracht wurde.

p Dazu kamen Gründe militärtechnischer llrt. Die Bewaffnung ist ganz mangelhaft. Das Gewehr und der Karabiner ist nicht einheitlich. Vielmehr sieht man im gleichen Truppenteil die verschiedensten Modelle durcheinander: neben dem s bekannten (bewehr des alten zarischen Heeres gibt rs japanische, deutsche, österreichisch-ungarische, aber auch englische und französische Waffen, letztere bei­den als Beute ans der Koltfchak- und Denrkrn- : «inner. Die Munition ist an sich äutzerst knapp, i da dle russischen Fabriken fast nichts mehr liefern. \ Die Modelle der Gewehre und Karabiner sind unter sich ganz verschieden, so datz die Patronen r nicht pasten. Noch schlechter war es mit den Ma- r schinengewehren bestellt, die als Hauptwaffe der russischen Reiterei gedacht waren, aber wegen Mu- nitionsmangel und Verwahrlosung versagten. Die Artillerie bestand nur aus einer Zahl aller möglichen leichten Modelle, denen ebenfalls die r Munition fehlte. Da die Polen sehr schlecht s geführt waren und bei Beginn des Krieges vor den schnellen russischen Reiterscharen auswichen, so fiel der Mangel an Artillerie bei den Russen nicht sonderlich ins Gewicht. Diese Lage änderte sich je­doch, als die Russen auf die starken polnischen Stellungen östlich Warschau und östlich Lemberg stießen. Hier hatten die Polen mit französischer Hllfe sehr gute Artilleriestellungen geschaffen, wo­bei ihnen die deutschen Geschütze aus Thorn »nd Graudenz zugute kamen, auch die in Warschau and Modlin vom Weltkriege her noch lagernden -rosten Bestände an schweren Geschützen mit sehr reichlicher Munition. Der russische Angriffs brach f j Anter der Wirkung dieser Artillerie gänzlich zu- i fammen.

' * Frankreich hat den Polen sehr viele und gute fTanks und ausgezeichnete Kampfflugzeuge ge-

i ittefert, die teils über Danzig, teils über die Tfchecho-Slowakei gekommen find. Sie trafen in dem Zeitpunkt ein, als die Rusten den Versuch i i Krachten, in Richtung auf Thorn, Warschau, Lem- f berg durchzubrechen. Die Rusten, selbst ohne Tanks And ohne Kampfflugzeuge, konnten der Wirkung

dieser neuzeitlichen Waffen nicht widerstehen. Die leichten Tanks brachen an vielen Stellen durch die russische Front, während die Bomben- und Maschinengeweh''geschwader der polnisch-franzö­sischen Flieger auf die lose zusammengefügten rus­sischen Aufgebote einen geradezu panikartigen Ein­druck machten. Ganze Divisionen, vom Luftangriff überrascht, liefen einfach auseinander.

Dazu kommen folgende Umstände: Die bolsche­wistischen Bestände waren schwach, der Abgang durch Fahnenflucht, Ueberlaufen, Krankheit sehr groß. Die Verpflegung ließ alles zu wün­schen übrig, denn das Land, durch den seit 1914 tobenden Krieg ausgesaugt, bot garnichts mehr, die Eisenbahnen waren gänzlich leistungsunfähig. Die schnell vorwärtsstürmenden Reiterdivisionen nah­men das Wenige fort, was noch im Lande zu fin­den war. Die nachfolgenden Infanter etruppen litten die bitterste Not und blieben liegen, über­dies mit Schuhzeug und Bekleidung ganz mangel­haft ausgestattet.

Endlich die moralischen Gerten! Tie an­gebliche Begeisterung der Roten Armee verflog sehr bald, als ernste Kämpfe entstanden, Hunger und Elend hereinbrachen. Die ehrgeizigen Führer brachten die Masten nicht mehr vorwärts, denn die 'Hingebung an die Sache des Weltkommunismus und der Proletarierherrschaft der Zukunft spukte nur in den Köpfen der Machthaber in Moskau, die in ihren weichen Sesteln sitzen, während die Armee in Lumpen vor dem Feinde zugrunde geht. Diese Herren hatten sich den Widerstand der Polen als einen ganz geringfügigen vorgestellt.

Was folgt nur aus unseren Betrachtungen? Wir kommen zu dem Schluß, daß das Rote Hcer w!.der den Polen noch Europa iiberha"pi g-fährl'ch werden kann, solange Polen und Europa nicht selbst vom Gifte des inneren Bolschewismus er­griffen werden. Sollte dieser Fall eintreten so ändert sich di« Lage.

Oberst Immanuel. ------

Die Lage im Mn.

Der Beginn der eigentlichen Frtedens- verhaudlungen.

Genf, 8. Okt. Ha-as meldet zum polnisch­russischen Vorfrieden: Die eigentlichen Friedens­verhandlungen beginnen am 20. Oktober in War­schau. Die polnische Armee bleibt bis dahin in Kriegsstärke. Die Polen haben in Riga zugestan­den, daß ein Bündnis zwischen ihnen und der Regierung des Generals Wrangel besteht.

Die neue polnische Grenze.

wb. L o n d o n, 8. Okt.Daily Mail" meldet aus Riga, daß durch die neue polnische Grenze, über die noch verhandelt würde, das Staatsgebiet beinahe verdoppelt werde. Die Grenze.be­ginnt in Drista (östlich Dünaburg), geht nach Sü­den bis Daranowitschi, wo sie dem ehemals deut­schen Erabensystem folgt, und verläuft dann weiter durch Story und Erodno. Das wichtige Eisenbahn­system WilnaKowno wird polnisch. Ein neuer polnischer Korridor gibt Polen Zugang zu den lettlänkischen Seehäfen und schnei­det Litauen, Polens gefährlichsten Feind, von Ruß­land ab.

Frontbericht«.

wb. W a r s ch a u , 8. Ott. Polnischer Heeres­bericht vom 7. Ottober: An der ganzen Front ist die Lage unverändert. Bei einem Ausfall auf die feindlichen Truppen bei Zwiehsl schlugen unsere Abteilungen die Sowjetregimenter in die Flucht, machten 700 Gefangene und erbeuteten 6 Ma­schinengewehre.

wb. Wilna, 8. Okt. Laut einer Meldung der Litauischen Telegraphenagentur heißt es in dem litauischen Eeneralstabsbericht vom 7. Oktober: Obwohl die litauischen Truppen gemäß der getrof­fenen Vereinbarungen im Abschnitt von Drang die Feindseligkeiten einstellten, fahren die Polen fort, zu kämpfen. Sie haben die litauischen Stellungen angegriffen. Die litauischen Truppen zogen sich zurück.

In ganz Litauen ist nach einer weiteren Mel­dung der gleichen Agentur eine Bewegung im Gange, um gegen die furchtbaren Gewalttaten der Polen zu protestieren.

Ei« seltsamer Frirdensschluß.

wb. Wilna, 8. Ott. Am 7. Oktober abends ist der Friedensvertrag zwischen der litauischen und der polnischen Regierung unter­zeichnet worden.

Die Litauische Tel.-Ag. meldet: Trotz der Un­terzeichnung des Friedensvertrags fahren die Polen'fort, die litauischen Stellungen anzugreifen und die litauischen Truppen mit Arttllerie zu be-

chießen. Gegen diese Verletzung der Bestimmun­gen des Völkerbundes wird schärfster Protest vor der ganzen Welt erhoben.

wb. Kowno, 8. Okt. In den Städten Li­tauens werden Landesheerausschüste zum Kampfe gegen die Polen gegründet. Täglich treffen in Kowno Freiwillige aus allen Teilen des Landes ein, einzeln und in Gruppen bis zu 200 Mann:

wb. Wilna, 8 Ott. Die litauische Regierung hat angesichts der immer kritischer werdenden Lage an die Vertreter der Westmächte den Antrag gestellt, die provisorische Verwaltung der Stadt Wilna in ihr« Hand zu nehmen. Die litauische Re­gierung stellt die Kommandantur und die Miliz zur Verfügung.

Der englisch-russische Notenwechsel.

wb. L o n d o n , 7. Okt. Reuter vernimmt, daß die Antwort der Sowjetregierung auf die Note Lord Eurzons über die britischen Gefangenen und die bolschewistische Propaganda nicht vollkommen '»sriedensiellend ist, da von der Sowjetregieruug keine Zusicherungen gegeben worden sind. Allem Anschein nach wird eine neue Note nach Moskau gesandt werden.

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Oberschlesien.

Polnische Wasfeufchiebungen.

wb. Bre slan, 8. Okt. Zu den Blätterm.'ldunqen über ennebtiebe deutsche Wcissentransvorte, die aus Deutsch­land in das oberschlesische Abstimmungsgebiet geleitet wor­den seien, wird von zuständiger unterrichteter Seite mit» geteilt: Schon sein längerer Zeit freien Nachrichten ein. Sng die Polen im unbesetzten Schlesien um jeden Preis Wallen ankaufen und über Oberschlesien nach Polen verschieben. Zn einigen Fällen gelang es auch, derartige Transporte abzusangen und die Täter sestzunebmen, die ausschließlich im pol nii chen Lager standen. Die Was- ienschiebnngen liefen bis Warschau. Die Transporte wurden noch erheblich dadurch begünstigt, daß eine wirk­same Grenzsperre zwischen Oberschlesien und Polen nickt besteht. Es ist erwiesen, daß die angeblich deutschen Wallentransvorte in Wirklichkeit polnische sind. Auck die Beteiligung von kommunistischer Seite wurde ht einem Falle sestgestellt. Militärische deutsche Dienst­stellen haben mit derartigen Wassenschiebungen entgegen den Behauptungen einiger polnischen Zeitungen nichts zu tun.

Verhaftung deutscher Schauspieler.

M a r i e n b u r g, 8. Okt. Wie dieMarienburger Zeitung" meldet, wurden gestern in Dirschair vier Mitglieder eines Berliner Operettentheaters, die sich nach Marienburg zu einer Aufsührung begeben wollten, ohne jeden Grund verhaftet.

Die gefährlichen Dieselmotoren.

Frankreich wünscht Vernichtung aller Diesel, motoren.

wb. Augsburg, 8. Okt. Dieser Tage er­schien bei der Direktion des Werkes der Augsburg- Nürnberger Maschinenfabrik eine Ententekommif- fion, um den Bestand an Dieselmotoren festzustel­len. Dabei erklärte der Führer der Kommission, das sämtliche in Deutschland besindl'chen Die­selmotoren vernichtet werden müßten, angeblich, um zu verhindern, daß sie wieder für U-Bootzwccke Verwendung finden könnten. Die Direktion erklärte, sich mit allen Mitteln der Ver­nichtung zu widersetzen. Eine Abordnung von Angestellten und Arbeitern ist nach Berkin ab- gereist, um mit den zuständigen Reichsstellen und dem Betriebsrätekongreß in Fühlung zu treten.

Auch Mitglieder der Direktion sind nach Berlin ab­gefahren, um beim Reich vorstellig zu werden.

Wie verlautet, sind auch diplomatische Schritte im Sinne der Aufhebung der Anord­nung auf Vernichtung der Dieselmotore im Gange.

Amerika.

wb. Paris, 8. Okt. (Havas.) Der republikanische Präsidentschaftskandidat Senator Harding soll in einer Wahlrede erklärt haben, Amerika werde niemals einen Rat ausländischer Mächte in Genf tagen lassen, der den Vereinigten Staaten sagen werde, waS sie zu tun hätten. Amerika wolle eine Rolle bei den Ge­schäften der Welt spielen. Harding soll auch au Anfragen erklärt haben, er glaube nicht, daß ein Solider friede mit Deutschland notwendig werde.

Nach einer Meldung aus Washington hat die Volkszählung in bett Bereinigten Staaten 105 683 103 Menschen ergeben.__

Dem französischen Generalkonsul hf Stuttgart Moisson Baron de Vaux ist namens des Reicher das Exequatur erteilt worden.

Das Stil.

Wer in das heutige öffentliche und pirvate Leben unse­res Volkes einen Blick tut, hat die Empfindung, daß nur eins aller Dichten und Trachten beherrscht, das Gell». Als wir noch vom Weltmarkt vollkommen abgeschlossen waren, nahmen diese Stellung die Lebensmittel ein. Di« Sache hat sich etwas verschoben, nurscheinbar"'. denn ür Gell» kann manalles" haben. Heute güt fedensalls unwidersprochen der Grundsatz, den im Borspiel Goethe» Faust" der Theaterdirektor ausspricht:Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles" wenn dieses Gold zurzeit auch nur Papier ist. Wenn jemand auf einer fetnen Insel, sei es der Seligen oder der Unseligen, eine deutsche Zeitung auf die Frage prüft: Welche GÄanken und Empfindungen das deutsche Volk im Jahre 1920 bewegt haben, so würde ihm nichts andere» an» der Lcttüre über Streiks,Preisabbau", Höchstpreise, polittfche Ideale, unser Verhältnis zum Ausland und andres mehr übrig bleiben als Geld unb immer wi-der Geld, dar nicht nur zum Kriegsühren nach Montekukuns Ausspruch nötig ist, jondern auch in der seligen Friedenszeit, die wir heute durchleben, Morgen- und Abcndgedanke aller bildet, ohne "deshalb am Mittag ans dem Kreis der Betrachtungen auszuschalten.

Es soll hier nicht die Frage des Besitze» Überhaupt aus- geworfen und etwa untersucht werden, ob der Kommunis­mus theoretisch recht hat oder nicht. Diese Unter- suchunaen werden ewig Theorie bleiben, wie nicht zuletzt Rußland unS heute beweist. Auch wenn der Maler Bogeler in Worpswede in seiner kommunistischen Kolonie untereinander den Eigenbesitz auSschaltet, so hat doch die übrige Welt noch immer für den Tausch der Produkt« das Geld, und daS derzeitige lebhafte Treiben an bet Börse zeigt, daß die Welt vorläufig noch nicht barmt denkt, e3 auszugeben, bevor unsere Zivilisation sich etwa wieder der des germanischen Urwaldes nähert, tu bet man freilich ass Tausch- und Zahlungsmittel Rinder benutzen konnte:: -Wenn man auf Rußland schaut, f« könnte man beinahe behaupten, daß, umso größer bet Umlauf des Geldes fein wird, je stärker der politische Kommunismus Wirklichkeit wird. Hören wir doch täglich^ welche Unmengen von Scheinen bort notwendig find,, mll selbst die einfachst« Bedürfniffe decken |« können. i

Wenn wir hier von dem Geld reden wollen, so wollen wir nur sehen, was das Geld dem deutschen Bolle heut« bedeutet, und das wird wohl am treffenbften durch M» volkstümliche Bezeichnung:Gell» allein macht nicht glück« sich, man muß es auch haben" gekennzeichnet. Daß Gech allein nicht glücklich macht, sicht man an der Leichtig- feit, mit der es heute ausgegeben wird, daß man eS haben muß, lehren die erhöhten Forderungen für jede Arbeit, für jeden Bedarfsartikel, die eine ständige Rubrik in alle» Zeitungen bilden. Ein Finanztechniker würde nn» be­weisen, inwiefern der erböhte Bedarf an Zahlungsmitteln, mit der berühmten Dome Valuta in Verbindung steht, tote Nachfrage und Angebot den Preis reguliert: der Sozialist würde «nS von den Schäden deS KapitaliSmu» »eben, von derMehrwerttheorie" deS seligen Marx und anderen tiefgründigen Theorien. Gne Sette kommt aber bei allen diefen Dingen zu knrz nämlich wie menschliche Natur und Charakter sich zur Geldftage ver­halten. Da kann man freilich dem Menschen von heut« kein allzu günstiges Zeugni» ausstellen. Die Sucht nach Geld, nicht zur Selbsterhaltung, wo es geboten und gerechtfertigt ist, sondern vor altem als Mittel, sich Genuß zu verschaffen, ist da- stärkste Kennzeichen einer Zeit,-in der die materialistisch« GeschichtS- und Welt« tebensaiissassung wahre Origien feiert. Die täg­lichen Ereignisse des LebenS zeigen unS, wie ohne Scheu einer den anderen zu Übervorteilen sucht. Man macht da freilich öfter die Beobachtung, daß dieses Geld- abnehnten viele Seute für ein Zeichen ibrer Tüchtigkeit halten und mancher nur hohe Forderungen stellt, well er nicht wenigertüchtig" sein will als der Nachbar. Früher ging durch Stadt und Land ein gutes Svrichwort:Un­recht Gut gedeiht nicht." ES fcheint in Stadt und Lantz heute vielfach vergessen zu sein, wenngleich nicht ver­kannt werden Hots, daß doch ein großer Prozentsatz d« Jagd nach dem Gelbe nicht mitmacht. Lieder vom braven Mann" werden aber heute seltener gesungen al» ihr Gegenteil. Ter Mißbrauch hebt auch beim Geld den Gebrauch nicht auf. Ganz gewiß ist jede Arbeit ihre» Lohnes wert, und die Welt ist so eingerichtet, daß da» Streben nach Besitz und gutem Auskommen »n ben Grundeigenschasten des Menschen gehört, allen kom­munistischen Ideen »um Trotz. Wa» wir aber beute an Habsucht, wahnwitziger Erwerbsqier und Betrug, in Uekerschätzung deS Geldes erleben, wird nur noch Über­boten durch die Unterschätzung des Gelbe», wie sie sich in einer ebenso wahnwitzigen Verschwendungssucht äußert. Auch hier kann man leiber zwischen Stabt und Land heute im allgemeinen keinen Unterschied mehr machen, wenn auch natürlich die alle» Denkbare übersteigende Verschwen­dungssucht der Großstadt dem Maße nach von derPro­vinz" in keiner Weise erreicht werden kann.

Daß Uebersckätzung und Unterschätzung de» Geldes sich zu gleicher Zeit in einem Volke breit machen, ist ganz natürlich. Sie find beide Auswüchse, Krank­heiten eines aus seiner Bahn geworfenen Volkes. Nur darüber soll man sich klar sein, daß die Heilung dieser Krankheiten nicht durch Valutakonserenzen letzten Ende» herbeigesührt wird, so wichtig im einzelnen Falte dte volkswirtschaftliche Regelung von Volk zn Boll usw. sei» mag. Entscheidend wirft auf alle Fälle nut der Mensch selbst. Der Charatter des Menschen bestimmt nicht nur den Lebenslauf de» einzelnen, sondern wie der einzeln^ denft, so denft schließlich das Boll. Nur bleibt die Frag«, Woher hier ein« flenberung kommen soll, vorläufig t»

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