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Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg.

Tageszeitung für (bas früher kurhsffifche) Oberhessen

TieTDber6eiRI*e Zeitung" «rscheixt »-»«ntlich - Sewnprej» ni.natH«

4 «k durch di- Post 4.20 «k. Au.gabe B mitOberh. Sport-Ztg 1 Mk m«hr. # 99S Sir autfeXenbe Ruwwzrx ixfolge Ltieiks -der elementarer trreignill- keix Ermtz. Ml. fcti» ylxa SS» Dr. r. Hitze r»th. -Druck der Axi».-Lu<t>»rxS»r»i »oxJotz.Lu,. K»ch.

Markt 21V23. Ferxlprecher 55.

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Marburg

Freitag, 8. Oktober lSilbhardt.)

Der Lx,»is«»prei» tzetrSgt fit die Sgtfp. Zeil» 75 Vf«, ux» 18% Aufschl««. «xrtliche xxd xx»«irtig« 1. Mk., Rekl«»ez«ll, S.09 Mk. 3«»«t X«5ett gilt «l» B«n«5«tt. Sei Meihixft durch die Seschtft,stelle und vermittlxxg d«r >x«ed»te 75 Bfg.» dergedützr. Sei Seträaex xxtrr 20 Mk. miflex wir da» S«rt» fit di» Sechxxxg derechxrx. S»stlch«ckk»nt«: Nr. 5615 Amt Frankfurt *. M»ix.

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Der WaffenftMstand im Osten

ig^e hohe» Befatzungskosten. Die Fehlbeträge. 1 Notwendigkeit strengster Sparsamkeit.

wb. Berlin, 7. Oft. Der Reichsrat nahm tn. 7. Okt. folgende Entschließung an die Reichs- rrgierung an:

Der dein Reichsrat vorgelegte Reichshaushalts- ggtwurf für 1920 weift eine Gesamtausgabe von ,79,5 Milliarden Mark gegen 3,4 Milliarden Mark 1914 aus. Die Ausgabe vermehrt sich, wie erst idit festzustellen möglich gewesen ist, durch die S.eigerung der laufenden Aufwendungen zur Un­terhaltung des Besatzungsheeres in den Skheinlanden von dem an sich schon hohen Vatsanfatz von 3 auf. die ungeheuerliche Summe MN 91,5 Milliarden. Ungedeckt hiervon sind 49,7 Milliarden. Hierzu tritt ein weiterer Fehlbetrag bei bei Eisenbahn und Postverwaltung von zusam­men 18 Milliarden. Der Eesamtfehlbetrag beträgt somit 67,7 Milliarden Mark. Die Finanzlage ist hiernach so e r n st, daß das Gebot strengster und rücksichtslosester Einschränkung der Ausgaben nicht aufs neue betont zu werden braucht. Diesem Ge­bote durch scharfe Nachprüfung der Haushaltsent­würfe Geltung zu verschaffen, war der Reichsrat stets bestrebt. Je mehr zudem die Gestaltung des Haushalts von den in ihrem Ausmaß ungeheuren, aus den Bestimmungen des Friedensvertrages her- geleiteten Forderungen unserer Vertragsgegner abhängig ist, umso zwingender ergibt sich die Not­wendigkeit, auf allen unseren Gebieten die starke Minderung der Ausgaben eintreten zu lassen, die für ein verarmtes Staatswesen unentbehrlich ist. Dann bedarf es eines wirksamen Einflusses des Reichsfinanzministers auf die Gestaltung derfeni- gen Ausgaben, deren Bemessung in unserer Hand liegt. An die Reichsregierung richtet der Reichs- rat daher die Bitte, ihre Entschließungen so zu ge­stalten, daß das Ziel, den Reichssinanzminister mit den zur Durchführung strengster Sparsam­keit bei den Reichsausgabcn unentbehrlichen Machtbefugnissen auszustatten, erreicht wird.

*' * M iie 6eni« Äeiiere«.

England verlangt Festsetzung der Konferenz.

wb. Paris,ch. Okt. Nach einer Privatmel­dung desJournal des Döbats" aus London ver- ,sichert man dort, die englische Regierung habe dieser Tage aufs neue in dringender Weise bei der fran­zösischen Regierung Vorstellungen erhoben, damit die Konferenz von Genf, deren Vertagung Mille- Mnb verlangt habe, fe st gesetzt werde. Die Anwesentheit des belgischen Ministerpräsidenten Delacroix in London stehe mit dieser Frage in Zu­sammenhang, und es sei, wie der Korrespondent mitteilt, nicht möglich, daß eine Formel gefunden werde, die es gestatte, die französischen und eng­lischen Jnteresien miteinander in Einklang zu Einklang zu bringen.

DerTemps" veröffentlicht eine Meldung des »Daily Chronicle", der sagt, es sei möglich, daß zwischen Lloyd George und Delacroix, obwohl letz­terer nicht in politischer Mission nach England komme, die interessante, aber ein wenig delikate Frage der Haltung der englischen Regierung gegen­über dem französisch-belgischen Bündnis berührt »erde.

" * * *

xss Verkehrskonferenz des Völkerbundes.

r~ wb. London, 7. Okt. Der Völkerbundsrat ,Iie{j Einladungen an feine Mitglieder und an Amerika für die erste Generalversammlung der all­gemeinen Konferenz ergehen, die am 20. Januar 1921 In Barcelona zusammentreten soll, um die Lerkehrsfragen zu regeln.

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Oberschlesien.

Die Weißbücher über Oberschlefien.

wb. B e r l i n . 7. Okt. Wie von zuständiger .Stelle verlautet, werden dem Reichstage bei seinem iSnfommentritt die angekündigten Weißbücher über vderschlefien vorgelegt. Diese find in einem Band ^bereinigt und enthalten Material über die gehei- Mn polnischen Kampforganisationen in Oberschle- |«n und deren Zusammenhang mit dem Aufstande sdom August 1920. Sie bringen weiter Feststellun- |en über das Verhalten der interalliierten Kom- »isfion und ihrer Organe, besonders der französi­schen Truppen, sowie eine Zusammenstellung der polnischen Hebelgriffe und Verbrechen. Dem Buche Jhtb Anlagen beigefügt, die die Beweisstücke k den mitgeteilten Tatsachen bilden.

Ti? Wiens der ZeinWMee.

wb. Paris, 7. Okt. (Havas.) Die Unter­zeichnung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Sowjetrußland und der polnischen Regierung fand am 5. Oktober in Riga statt. Nach diesem Ueber- einkommen müssen dir Feindseligkeiten bis zum 8. Oktober spätestens eingestellt werden. Das Ori­ginal des Waffenstillstandsvertrages trägt die Un­terschriften Dombskis und Joffes.

wb. Kopenhagen, 7. Okt. Wie aus War- chau telegraphiert wird, werden nach den Bestim­mungen des Waffenstillstandes die Feindseligkeiten zwischen Rußland und Polen am 9. Oktober einge­stellt.

wb. K o w n o, 7. Okt. DieLitauische Tele­graphenagentur" meldet: Auf Veranlassung der nteralliierten Kontrollkommission in Suwalki teilte die polnische Heeresleitung die Operationen gegen die litauischen Erenzschutztruppen am 6. Ok­tober vormittags 10 Uhr ein. Die polnische Dele­gation erklärte sich bereit, die von den Litauern ge­forderte Curzonlinie vom 8. 12. 1919 als Demarka­tionslinie anzuerkennen. Die Verhandlungen in Suwalki-Oli^a werden in Gegenwart der inter­alliierten Schiedsgerichtskommission fortgesetzt.

Heute Unterzeichnung des Vorfrirdens.

wb. Kopenhagen, 7. Okt. Einem Tele­gramm aus Riga zufolge wird die Unterzeichnung des Vorfriedens zwischen Rußland und Polen am

England.

England und Räterußland.

wb. L o n d o n , 7. Okt. In einem an Lloyd George gerichteten langen Briefe legt Krassin die Bedürfnisse Rußlands an Rohstoffen und Fertig­fabrikaten eingehend dar. Krassin drängt auf einen baldigen Abschluß eines Handelsabkom­mens mit England und verhehlt nicht, daß Mos- kau in der Lage sei, sehr umfangreiche Bestellungen in Lokomotiven und anderem Eisenbahnmaterial zu vergeben. Als Zahlungsmittel wird aber nicht Gold angeboten, sondern Waren als Austausch, doch soll in Reval eine bestimmte Summe Gold hinterlegt werden. Rur für Waren, die Rußland innerhalb eines Jahres nicht zu liefern vermag, soll Gold als Zahlungsmittel dienen.

Die vereinigten englischen Handelskammern haben einen Beschluß gefaßt, der sich gegen die Wiederaufnahme der Handelsbezic Hungen mit Rußland wendet, solange Rußland nicht die alten Schulden anerkannt hat.

tob. Paris, 7. Okt. Nach einer Meldung des Petit Journal" ans Newport hat in Südtoales, namentlich in den Bergwerksbezirken, eine starke Grippe-Epidemie um sich gegriffen. Es seien Fälle beobachtet morden, daß Leute während der Arbeit von der Krankheit befallen und sofort bewußtlos zufammenbrechen.

tob. Belfast, 7. Okt. Die Truppen nahmen nachts und heute früh zahlreiche Durchsuchungen vor. Die Angriffe der Sinnfeiner, die den Charakter einer Guerillakrtegsührung haben, wurden, sämtlich zurückgeschlagen.

Amerika und das irische Problem.

DieUnited Preß" verbreitet folgende aufsehen­erregende Meldung: Der demokratische Präsidentschafts­kandidat Cox erklärte in einer Rede in Kansas City: Irland habe das Recht, sich von Großbritannien loszusagen und eine eigene Regierung in beliebi­ger Form zu bilden. Irland sei berechtigt, den bitteren Kampf in jeder ihm zweckdienlich erscheinenden Weise zu führen, um dieses Ziel zu erreichen. Er glaube, es werde nicht mehr lange dauern, bis Irland seine Un­abhängigkeit erlangt haben werde. Es bestehe die Mög­lichkeit, daß die Vereinigten Staaten unter dem Völker­bundsstatut berufen sein werden, die Unabhängigkeit Irlands zu garantieren. Diese Steuerungen müßten, falls sie wirklich gefallen fein sollten, zu einem schweren Konflikt der Vereinigten Staaten mit England führen.

wb. Paris, 7. Okt. Nach einerMatin"-Meldung aus London hat sich die Familie des Bürgermeisters von Cork an die beiden amerikanischen Präsidentschafts­kandidaten Cox und Harding gewandt, damit sie beide zu Gunsten Irlands emgreifen.

Die Konteradmirale Ewers und o. Hornhardt, beide von der Marinestation der Ostsee, find mit Ab- lauf des September, 1920 aus ihrem Dienstverhältnis entlassen worden.

Freitag in einer öffentlichen Sitzung erfolgen. In polnischen Unterhändlerkreisen -wird erzählt, daß die Bolschewisten die polnischen Vorschläge in allen wesentlichen Punkten angenommen haben. Die ostgalizische Frage ist in den Verhandlungen ausgeschlossen; die Grenze wird westlicher gelegt cuö von der Sowjetdelegation vorgeschlagen wurde.

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Polnischer Hilferuf nach Amerika.

wb. Washington,?. Okt. (Havas.) Die polnische Gesandtschaft hat das Staatsdepartement angesichts der kritischen Lage Polens um Hilfe gebeten. Sie verlangt Lebensrnittel wegen der schlechten Ernte und auch wegen der Verwüstung der Ernte durch die roten Truppen.

Französische aktive Unterstützung Wrangels? ,

Genf, 7. Okt. TieHumanste^ rechnet damit, daß ein aktives militärisches Eingreifen Frankreichs in dem Kampfe gegen SotojetrußlaiS in Kürze zu erwarten sei. Wrangel, der gegenwärtig in Sebastopol mit seinen europäischen Vertretern Besprechungen ab­halte, soll die Zusicherung erhalten haben, daß die französischen Streitkräfte von Süden her einen Vor­stoß gegen die Bolschewisten unterstützen. Auch die am Schwarzen Meer befindlichen französischen Kriegs­depots sind für diesen Zweck bereit gestellt.

Deutsch-Oesterreich.

Der slawische Terror gegen die Volksabstimmung in Kärnten.

wb. Klagenfurt, 7. Okt. Die Südslawen ahren fort, starke Truppenkontingente hart an der Kärntner Grenze zu sammeln. In Kronau und Aßling sind starke Abteilungen Infanterie und Ar­tillerie bereitgestellt. In ganz Südslawien, ganz besonders in Krain, werden Aufrufe an die Bevöl­kerung veröffntlicht, sich freiwillig zu melden, um die Volksabstimmung unmöglich zu machen.

Ein Zwischenfall.

wb. W i e n, 8. Okt. Aus der Fahrt der am Diens­te? von Wien nach Klagenfurt entsandten verbündeten Cifijiere feuerte ein betrunkener englischer Soldat aus dem Zuge einen Schuß ab, durch den ein österreichischer Volkswehrmann verletzt wurde. Der englische Eeschästs- träoer erschien gestern im Staatsamt für Aeußeres und druckte über diesen Zwischenfall sein Bedauern aus.

Tschecho-Slowakei.

Die Rot der Deutsche«.

Berlin, 8. Okt. Nach einer Meldung der Deutschen Zeitung" wurde in Mies im deutsch­sprachigen Teile Böhmens der Vorkämpfer für die Angliederung Dcutschböhmens an Deutschland, Hasfold. der auf dem zweiten Allgemeinen deut­schen Studententag in Göttingen de« Kampf des Deutschtums in der Tschechoslowakei schilderte, nachts von tschechischen Soldaten überfallen und nicht unerheblich verletzt.

Reichen berg, 7. Okt. Wie dieReichen­berger Zeitung" meldet, wurde als Protestkund­gebung gegen die Erdrosselung der deutschen Schu­len in Böhmen durch die tschechische Regierung vom deutsch-parlamentarischen Verbands für den 8. und 9. Oktober der allgemeine S ch u l st r e i k in der ganzen Republik beschlosien. Im deutsch-parlamen­tarischen Verbände sind vereinigt die Deutschnatio- nationale Partei, der Bund der Landwirte, die Deutsch - Christlich - sozialistische Partei und die Deutschdemokratische Freiheitspartei.

Ausstand in der Slowakei.

wb. P r a g, 7. Okt. Blättermeldungen zufolge wird die Verhängung des Ausnahmezustandes über die ganze Slowakei verkündet. Entgegen einem offiziellen Bericht meldet ein Blatt aus Preßburg, daß die Ausstandsbewegung bereits den größten Teil der Slowakei ergriffen habe. Sowohl die landwirtschaftlichen wie die industriellen Arbeiter find beteiligt. In Preßburg seien allein 20 000 Arbeiter ausständig.

Die Hamburger Biirgerschest stimmt einem Antrag des Senats auf Ernennung eines Hamburger Ge­sandten bei der Reichsregierung mit 40 000 .M Ge­halt und 60 000 Jt Aufwandseutschädigans zu. _____

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Die Abänderung des Gesetze» über Grotz-BeAin beschlossen. Um die Neuwahlen in Preah?«.

Sitzung vom 7. Oktober.

Der Präsident eröffnet die Sitzung mittags 12 Uhr. Dir Novelle zum Gesetzentwurf über Groß-Berlin teht zur dritten Beratung.

Abg. Kilian (U. S.): 6» handelt sich hier um ein Attentat der bürgerlichen Parteien auf die preußische» Grundrechte. Es ist ein Skandal für dieses Parlament, daß von ihm ein Gesetz abgeändert wird, noch ehe «S in . Kraft getreten ist. Unerhört ist eS, daß auch die Demo» firoten sich an diesem reaktionären Angriff beteiligten.

Abg. Heilmann (Soz.): Dem jetzigen pwvisort- chen Zustande in Berlin muß ein Ende gemacht werden. - Eine Obstruktion gegen die Novelle hätte nur dann eten Sinn, wenn die Aussicht bestände, daß der jetzt gewählte Magistrat bestätigt würde. Diese Voraussetzung besteht nicht. Wir verwerfen daher febe Obstruktion. (8*ruf» bei den Unabhängigen.) Es wäre ein Verbrechen am Volke von Berlin, wenn wir die Verabschiedung der Vor­lage aufbatten würden, nm bckMrch die Einrichtung einer geordneten Verwaltung zu verhindern. Für mich gib e» keinen widerlicheren Menschen al» den

atheistischen Papst.

(Großer Lärm bei den Unabhägnigen, well der Redrer geradezu auf Adolf Hoffmann blickt.)

Abg. Leidig (D. Vpt.): Ich kann nur wiederholen« ! der Minister Severing im HauptauSschuß die Erklä­rung abgegeben hat, daß die vor der Verabschiedung g«1 wählten Magistratsmitglieder nicht bestätigt würde». Gegen diese Ankündigung ist damals auch von bei Unabhängigen kein Widerspruch erhoben worden.

Die Vorlage wird nach den Ausschußanträgen in den einzelnen Artikeln angenommen. Die Abänderungs­anträge der Unabhängigen werden in einfacher Abstim- mung abgelehnt. Die Anträge aus namentliche Ab« Htnmung hierüber finden keine genügende Unterstützung. Nur die Schlußabstimmung ist namentllch. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 161 gegen 123 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen. Die Mitteilung des Ergebnisses wird von den Unabhängigen mit Pfuw rufen ausgenommen.

Der Gesetzentwurf zur Aenderung der Zusammensetzung ser Schuldeputation und Ausschüsse wird in dritter; Mung im Einklang mit den Beschlüssen der zweiteu Lesung geen die Stimmen der U.S.P. angenommen. Eingefügt wird noch die Bestimmung, daß der Vorsitzende von den Aufiichtsbehörden zu ernennen ist.

Es folgt die erste Beratung der Gesetzentwurfes über die Wahlen zur LandeSversammlung.

Abg. Dr. v.Richter (Deutsche Bpt.) begründet den Antrag seiner Partei, die Landtagswahlen am 12. Dezem­ber im Rahmen deS Reichstagswablrechtcs und der Reichs­tagswahlkreiseinteilung stattsinden zu lassen. ES foH jedoch aus je 45 OOO Stimmen ein Abgeordneter entfallen,

Abg. Rippe! (Deutschnatl.) begründet den Antrag Hergt auf Annahme des Notwahlgesetzes, damit bk Wahlen spätestens am 12. Dezember stattfinden können. Wenn die Verfassung bis zu den Wahlen nicht fertig werde, so liege die Schuld an den Sozialisten und dem sozialistischen Teil der Regierung. Es ist kein Ruhmes­blatt, daß ein Jahr nach 'der Jnkrafttretung der Reichs­verfassung die preußische Verfassung noch nicht einmal in zweiter Lesung steht. WaS für das Reich möglich ist, sollte auch für Preußen möglich sein. Die Unzufrieden­heit, die von Tag zu Tag in Süddeutschland und am Rheine steige, zeigt, daß dieser Kleben an den Man­daten nicht nur Preußen, sondern auch dar Reich gefährde. Die Wahlrechtsvorlage der Regierung wolle nur die Dauer dieser Verschleppung noch weiter hinausschieben. Wolle sie das nicht, so müsie sie schleunigst ein Notwahl­recht annehmen. Der RegierungSentwurf habe auch da» sichtliche Bestreben, durch seine Art der Wahlkreisqeometrie die Wahl selbst zu verschleppen und gebe daher zu den schärfsten Bedenken Anlaß. Unser Antrag empfiehtt eine einfache Wahlkreiseinteilung, auf die der Beamten- und Parteiapparat bereits eingestellt ist.

Minister des Inneren Severing: Die Ausführun­gen der beiden Vorredner fördern die schnelle Erledigung der Vorlage nicht. Sie spielen diese praktisch aus das varteipolftische Gebiet hinüber. Die Beziehungen de» Reichsministers des Inneren zu dem sozialdemokratischen preußischen Minister des Inneren sind so freundschaftlich, wie sie nur irgend sein können. Ich warne die Rechts­parteien, ihre Agitation auf die Spitze zu treiben. Die Ausführung des Antrages freegt würde 10 bis 11 Wochen erfordern, Würbe also die Wahl am 12. Dezember auch nicht ermöglichen, zumal auch noch eine AuSschußberatnng erforderlich sein würde. Eine Verschleppuugsoolitik habe ich nicht getrieben. Die Regierung hat nicht die Ab­sicht, die Neuwahlen zur Landesversammlung »n ver­zögern.

Abg. H e i l m a n n (So».): Der Zuwachs von ein paar Mandaten ist der Rechten wichtiger als Oberfchlesien. Die Rechte ist anttnational bis auf die Knochen, daS be­weist die Stimmungsmache, die von ihr in Bayern gegen Preußen getrieben wird. Daß wir an der Regierung nicht Neben, haben wir Ihnen im Reiche gezeigt, als Sie bei unS gebettelt haben, aber wir wünschen baldige Neu­wahlen im Lande und im Reich«. Wir brennen darauf, mit Ihnen abzurechnen.

Abg, Dr. Hager (Zentr.): DaS Zentrum ist der ruhende Pol

in der Meinungsflucht und daher am weiften ix der Lage, die Frage rein sachlich zu beurteilen. Für Preußen gilt nicht dasselbe tote für da» Reich, tot Bergung