klärte Adg. Schönburger (E.ogdeu'ichj: Der Zweck Unserer Verfassung kann nur sein, über die nächste Zeit hinwegzukommen, damit wir für E r o ß - Deutschland retten, was zu retten ist. Gerade von diesem Gesichtspunkt aus ist ein Einheitsstaat Oesterreich unmöglich. Trotz aller Schwierigkeiten sind wir doch überzeugt, daß auch das ganze Ausland allmählich erkennt, laß es ein Verbrechen ist, sechs Millionen Deutsche in den Kerker von St. Germain gesperrt zu haben. Immer lauter muß der Ruf ertönen von Volk zu Volk. Unser Grundsatz in staatlicher Beziehung kann nur i nur sein: Ein Volk, ein Staat! (Lebh. Beifall.) ! Bei der dritten Lesung des Bundesverfassungs- j, tsctzes nahm die Nationalversammlung einstimmig eine von den Eroßdeutschen eingebrachte Ei tschlietzung an, worin die Regierung aufgefordert wird, spätestens innerhalb 6 Monaten die Volksabstimmung über den Anschluß an das Deutsch« Reich anzuordnen. (Lebhafter Beifall.) Der in der Entschließung enthaltene Beisatz, daß die Volksabstimmung womöglich gelegentlich der Wahlen zur Nationalversammlung am 17. Oktober erfolgen solle, wurde abgelehnt.
wb. Wien, 1. Okt. Einer Korrespondenz zufolge drangen gestern abend etw» 50 mit Bajonetten bewaffnete Volkswehrmanner in eine christlich-soziale Wählerversammlung ein und begannen auf die Teilnehmer einzuschlagen und fie aus dem Saale herauszudrangen. Angeblich ein von einem Volkswchrmann abgegebener Schutz rief eine Panik hervor. Polizei stellte die Ruhe wieder her.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Cassel, 1. Oft In das Schloßgut Escheberg bei Zirrenbrrg sind Räuber cingedruugen und haben Silberzeug im Werte von hunderttausend Mack ge* i stöhlen. Bon den Räubern fehlt jede Spur— I« dem Braunkohlenschacht Krimmerode bei Hefsisch-Lichirnau ii'. ein Zimmermann tödlich verunglückt. Er siel auf unerklärliche Weise in den Schacht und erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Transport nach Cassel starb.
Wiesbaden,!. OK. Eine ganze Anzahl, »am- lich über ein halbes hundert Wiesbadener Kaufleute Mußten wegen Überschreitung der Preise beim Berkaus an Besatzungstruppen und wegen Nichtauszeich- Itung ihrer Waren mit Preisen empfindlich« Geldstrafen zahlen. Das französische Platz'ommand» läßt sehr scharf kontrollieren« ? *
Mitteilungen aus dem Leserkreise. Unter dieser Rubrik veröffentlicht die Schriftleituug Stimmen aus dem Leserkreis. Für die hierin ausgesprochene« Ansichten und Tendenzen übernimmt die Schristlcitung (außer der preßgesetzlichcn) keine Verantwortung, diese bleibt vielmehr dem Einsender überlassen.
Ich entspreche gern der an mich gerichteten Bitte, um falschen Auffassungen vorzubeugen, hier öffentlich zu erklären, was ich in der Bürgermeisterversammlung gleich von vornherein erklärt habe, daß sich meine Vorwürfe nicht gegen den hiesigen Kommunalverband richten. Der hat nur getan, was er nach Lage der Cache tun mußte und selbst und selbst noch Geld zugesetzt, um das künstlich verteuerte Brot zu verbilligen. In der Bürgermeisterversammlung hatte ich überhört, daß die Berechnungen zuerst vom Doppelzentner Getreide ausgingen und sich dann mitten in der Berechnung auf den Doppelzentner Mehl bezogen. Dadurch ist allerdings rin Fehler in meine Rechnung gekommen, hingegen hat sich aber di« von mir in der ersten Bürgermeisterversammlung aufgestellte Berechnung als vollständig richtig erwiese«, es ist und bleibt Tatsache, daß von jedem Doppelzentner Brotgetreide 120 als Aufschlag nach Berlin abgeführt werden mußten und diese ungeheure Belastung trifft nur die Verbraucher und darunter rücksichtslos die ärmsten im Volke.
Weiter ist es Tatsache, daß das Oel mit 2,52 M pro Liter her gestellt und mit 37,50 zeitweise verkauft wurde, sodaß daran ein Geschüstsgewinn von rund 1500 .<t gemacht ist.
Weiter ist Tatsache, daß jedesmal der Zuckerpreis ungeheuerlich gesteigert wurde, sobald sich der Zucker in den Händen der Großhändler befand, mithin diese Preissteigerung auf die Zuckererzeugung ohne Einfluß war. Deutschland war vor dem Kriege das zuckerreichste Land der Erde und es ist nur eine künstliche Mache des Großhandels, der dabei Millionen verdient, daß die Zwangswirtschaft mit dem Zucker beibehalten wird, wo alle anderen Zwangswirtschaften, bi» auf Brotgetreide aufgehoben find.
Es ist weiter Tatsache, daß außer den angeführten riesige« Geschäftsgewinnen aus Brotgetreide und Oel usw. noch 6(4 Milliarden Mark zur Verbilligung der Lebensmittel aus dem staatlichen Steuersäckel gegeben wurden und daß trotzdem die Hungersnot und di« Teuerung Immer größer werden.
Es ist weiter Tatsache, daß di« künstliche» Düngemittel ganz ungeheuerlich künstlich verteuert werden, sodaß der Bauer nicht billig erzeugen kann.
Für di« Kartoffeln ist «in Höchstpreis von 25 Jt festgesetzt und die Regierung zahlt für die Kartoffeln, welche die Bauern abgeben müsse«, 31,75 Jt, damit ist es doch unmöglich gemacht, daß nun die Kartoffeln, über welche die Bauern frei verfügen können in genügender Menge zu einem billigeren Preise beschafft werden können.
Gegen all dieses kämpfe ich und lasse mich dabei auch nicht im geringsten dadurch beirren, daß man in der Zeitung verkündet, gegen mich sei das Disziplinarverfahren eröffnet. Tie Nürnberger hingen bekanntlich keinen, bevor sie ihn hatten, so Nug könnte man auch anderswärts sein.
Marbach, 30. September 1820.
Heinr. Freuden st ein, Bürgermeister.
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Kirchliche Nachrichten.
, Sonntag, den 3. Oktober.
1 Erntedankfest.
Pfarrkirche. 91/, Uhr: Pfarrer Heermann. 2Uhr: Prarrer Fokken.
Elisabethkirche. 9^/, Uhr: Pfarrer Manger. 2Uhr: Pfarrer Metz.
In beiden Kirchen Kollekte fC'r die Lreöesanstalten unserer Stadt.
Ockershaus««. 5Uhr: Pfarrer Fokker«. Erutedank festgottrsdieust.
Im Elisabethhau» und Julieustist von 4—7 Uhr: Jlmsfrauenverrm.
Ref Stadt- uud U«i»ers..Kirche. Erntedankfest. 10 Uhr: Pfarrer Sic. Pkannet (Kirchenchor und Sologesang — Vorbereitung und heiliges Abendmahl). 5 Uhr: Vikar Bolger.
Katholische Kirche. */$8 Uhr: Hl. Messe mit Früh- lehrr und Kommunion der Vereine. VJO Uhr: Feier liches Hochamt mit Predigt. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. 2 Uhr: Andacht und Segen. 8 Uhr: Rosen- kranzandacht.
Diakonissen-MutterhauS Wehrda. Sonntag, vorm. 3 Uhr: Gottesdienst, Pfarrer Kratvirlltzki.
Landeskirchl. Gemeinschaft Marburg-Süd, Cchwanall«« 51. Sonntag vor». 8 Uhr: Morgen- cnix'tdrt. Vorm. 11 Uhr: SonntagSfchuke. Nachm. 3 Uhr: Teilnahme am Erntedankfest des Tiakonisk'n Mutterhauses Hebron-Wehrda. Abends 81/« Uhr: Evangelisation. Montag, nachm. 4 Uhr: Frauen stunde. Abends 8V3 Uhr: Mitgliedersiund«. Freitag, abends 8V2 Uhr: Bibelstunde.
Stadtmissiou, Rotergraben 5. Sonntag, 8)4 Uhr: Frühstunde. Vorm. 11 Uhr: Soantagsschnle. 4—6 Uhr: Zuugstauenstund«; 8Ä Uhr: Versammlung. Montag 8& Uhr: Chorstunde. Freitag 8% Uhr: Bibelstunde.
Methodistengemeinde, Wörthstr. 15a. Sonntag, 3. Oktober, vorm. '/,10 Uhr: Predigt und Abendmahl, Prediger Kuder-Frankfurt: nachm. */*3 Uhr: Viertel jahresversammlung. R. Schopfs.
Neuap. Gemeinde, Elisabethstr.9, h.I. Gottesdienste Sonntag Nachm. 3 Uhr und Mittwoch Abend 8 Uhr.
Christi. Verein junger Mädchen, Julientzift. Sonntag 2—4 Uhr: Konfirmanden. 4—7 Uhr: Ber- einsstunde. Dienstag 5—7 Uhr: Konfirmanden, 8 bis
V2IO Uhr: Inge: dgruppe. Dsnnerskag, abends bis VilO Uhr: Eesangstunde.
Aerztlicher LoastaMdienP
am 3.Oktober: Dr. Wintzer, Neustadt 27; San^Rat Dr. Wigand, Wühelmstraße 27.
Zahnärztlicher Sonntagsdienst
am 3. Otiobet: Zahnarzt Dr. Sommer, Ketzc^üich 521/*. Sprechstunden von 10—11 Uhr.
E»«»tag»die«st und Wochennachtdienst
vom 2.—8. Oktober: Schwan-Apotheke.
Handel», uud Mtrktnachrichten« . ;<! "i
Berlin, l.Okt. Die Hallung des Produktenis Marktes entbehrte der Emheitlichkit. Sveiseerbsn, 1 waren wenig begehrt, dagegen herrschte feste Stimmung ‘ für Futterhül>eufrüchte. namentlich infolge auswärtizer • Nachfrage. Lo» Lupinen waren gute neue gelbe Sorte, begehrt. Raps erzielte wiederum höhere Preise. Heu war ! fest. Für Stroh bestaub lebhafte Nachfrage. Kar- ! toffeilt wurde» stark angeboten. Ter Soabtl , beobachtete Zurückhaltun.j. Kommunen sind zu 28,50 j bis 29 Mark der Zentner Käufer.
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