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Amtliches Verkündigungsblaü des Kreises Matburg.

Tageszeitung für (das früher kurhessische) OLerheffen

St. 230

Di«ObrrdeiMche 3«He*g" erf*eixt (einmal *5»ewtll*. Sezug»prei» «onatltch 4 Mt durch dl« Poft 4.20 Stf. Ausgabe B mitOber!,. Sport-Ztg 1 Mk mehr Xflt -urfaSend- Rurnmer« infolge Streik, «der elementarer Ereignisse kein Ersatz. - KetteanDr E. Hitz«r»th. Druck der Unin-Buchdrucker«, »on Iah. Rag. Koch, Murkt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Sonnabend, 2. Oktober

Der Anzelaeuprei, detrlgt fit die 8«es». Zell« 75 Pf«, uud 10 *L Aufschluß, «mtllch« und «xieäitige 1 Mk., Aeklurnezeile 3.00 Ml. Feder Audun Gilt «l» Bunudutt. Sei Sm,tauft durch die AeschLfirfteLe und Seiwdttluwg der Su«et»te 25 Af§. 6en- dergedLtzr. Sei Beträgen unter 20 Ät. missen etr du, Puri» fit di« Archuung derechnen. Poftschecktont«: Ar. 5015 Amt Fruntsurt «.Stein.

55. m 1021

Erstes Blatt.

K1 III 11 II li

KraMKSHBBKaS«BaHMnMnHHVM worrenen Finanzverhältnisse zu entwirren. Das kann nur durch die Durchführung eines groß­zügigen Wirtschafts- und Finanzprogramms und durch internationale Hilfe gelingen.

Sie »riffelet Sonletem.

Deutschland hat den Verhandlungen der Brüs­seler Konferenz ohne jede Illusion «ntgegengesehen. «a.i war sich von vornherein darüber klar, daß Irgendwelche praktischen Erfolge nicht zu erzielen «ein würden. Schon deshalb nicht, weil die Fest­setzung der Grundlage für «ine finanzielle Gesun­dung, die deutsche ... .--udigungssumme, unter Französischem und belgischem Einfluß von vorn­herein abgelehnt war. Unter diesen Umständen ioeten die Beratungen in Brüsiel, soweit sie Deutschland betreffen, von vornherein zu aka- hemischer Unfruchtbarkeit verdammt. Wie kann «ns Deutsche die Frage der Festsetzung von Staats- 'bvdgets, ja selbst die Frage einer internationalen Beseitigung des Valutaelends interessieren, wenn i®ir noch immer nicht wisicn, welche Summe wir für Wiedergutmachung künftig in unseren Haus­halt werden cinstcllen müssen? Man hat selbst die Frage der Erörterung einer internationalen An­leihe an Deutschland abgelehnt, obwohl selbst die Franzosen zugeben, daß eine deutsche Wiedergut­machung ohne Finanzierung zum mindesten eines Teils der Wiedergutmachungsansprüche an Deutsch­land durch eine internationale Anleihe, die wir zu verzinsen nnd zu amortisieren haben werden, un- den'l ..e sei. Solange diese Frage aber nicht ge- k.'un rit, solange nicht ein Weg gefunden ist, der dir Wiedergutmachungsansprüche der Leistungs­fähigkeit Deutschlands anpaßt, wird es unmöglich fein, Vie deutsche Valuta zu sanieren. Als rein akademische Erörterungen müssen die Brüsseler Be­ratungen auch schon deshalb gelten, weil das ein­zige Land, das für die Gewährung einer großen ßnteruationalen Anleihe in Betracht kommt, die Der-inigten Staaten von Amerika, durch den ^innd ihres Vertreters klipp und klar zu verstehen Lab. n, daß, Amerika zurzeit weder die Mittel noch (bi? leigung zur Aufbringung großer Summen für Eur.pa habe. *

rotzdem darf man die voraussichtlichen Ergeb­nisse der Brüsseler Konferenz nicht allzu sehr unterschätzen. Immerhin ist das Prinzip der ge­meinsamen Zusammenarbeit aller Länder für den Wiederaufbau und für die Sanierung Europas einmütig anerkannt worden. Bemerkenswert war, daß die französische Presie die Anschauung vertrat, hie internationale Finanzwelt werde den Wieder- «usbau Europas zu einer Angelegenheit machen, die den Vorrang vor jeder anderen haben müsse And die Finanziers, selbst die französischen, würden in der nächsten Zeit alles das bekämpfen, was im Friedensvertrage dem gemeinsamen Wiederaufbau hindernd entgegenstehe. Der amerikanische Dele­gierte aber gab die Ansicht seiner Regierung dahin bekannt, daß die starren Zahlungsbedingungen Deutschlands wesentlich erleichtert werden müssen. .Gleichzeitig müsse die deutsche Produktion dadurch unterstützt werden, daß zunächst auf Grund eines bestimmten Systems Ganz- und Halbfabrikate als Zahlung Für Rohstoffe angenommen werden müßten Es sieht freilich aus, als ob die West- Mächtc für Deutschland ein festes Wirtfchaftspro- gramm in Vorbereitung haben, das letzten Endes auf ein System der Verpfändungen bei gleichzeitiger sehr weitgehender Kontrolle der deutschen Wirtschaft durch das Ausland hinaus- läuft Dieses System war deutlich in dem Vor­schlag des belgischen Ministers Delacroix über die Gründung einer internationalen Bank, aber auch in der Rede des englischen Vizepräsidenten Brand |« erkennen. Es ist möglich, daß wir auf diesem Wege umfangreiche Valutakredite erhalten wür­den, aber dieses Ziel, so wichtig es auch ist, würde Mit dem Preise der Verpfändung der Grundlage Unserer Produktion zu hoch bezahlt sein.

Der Markknrs hat sich auf die Verhandlungen tu Brüssel hin etwas erholt. Der Hauptgrund ist freilich in Rückkäufen internationaler Spekulanten ta Mark und in Angstverkäufen deutscher Devifen- vnd Notcn-Speknlanten zu erblicken. Außerdem hat der Entschluß der deutschen Regierung, zur Verhinderung einer Finanzkatairrophe die Aus­gaben herabzumindern und neue Ausgaben nur zu bewilligen, wenn Deckung vorhanden ist, im Aus­lands einen gewissen Eindruck gemacht. Map darf Aber niemals vergessen, daß die schlechten Ernäh- rungsverhältnisss Deutschland fortgesetzt zu sehr großen Einkäufen zwingen, die bei dem jetzigen Stand der Mark gewaltige Summen erfordern. Anter diesen Umständen besteht leider wenig Aussicht auf ein« Eindämmung der Notenflut. Im Adrigen genügt Eindämmung der Staatsausgaben, f« erwünscht st« auch ist, nicht, um unsere ver-

wb. Brüssel, 1. Okt. Die Finanzkonferenz begann mit der Erörterung der Fragen des inter­nationalen Kredits. Der französische Vizepräsidenk behandelte nacheinander den Umfang der Kredit- bedürfnisse, die Schwierigkeiten der Kredltopera- tonen und die Heilmittel fmc diese Krise. Sodann ging er auf die verschiedenen Vorschäge zur Be­hebung der Krise durch Inanspruchnahme der So­lidarität der Völker ein und lenkte die Aufmerk­samkeit der Konferenz auf eine Reihe von Vor­schlägen, die ihm geeignet erschienen, die Finanz­opera! ionen zu erleichtern. Schließlich erklärte er, der Völkerbund erscheine ihm geeignet, die Be­strebungen zu überwachen, die mehr Durchsichtig­keit und mehr Anstand in die internationalen Finanzoperationen zu bringen suchten. Die Kon­ferenz, bemerkte er, könne sich vorstellen, daß ihre umfangreiche Aufgabe nicht in ihrer ersten Tagung zu erschöpfen wäre und drückte den Wunsch aus, daß die Prüfung gewisser Punkte fortgesetzt werde.

Nachmittags hörte die Konferenz die Finanz­berichte Rumäniens, Frankreichs, Brasiliens, Grie­chenlands und Litauens.

Der französische Bericht schildert die durch die Kriegsmaßnahmen verursachten Schäden und die von Frankreich unternommenen Anstrengungen, diese Schäden auszumerzen. Die französische Re­gierung habe aber geglaubt, nicht auf die von Deutschland zu leistenden Wiedergutmachungen warten zu dürfen. Die von Frankreich geleisteten Vorschüsse könnten nur durch eine Anleihe gesichert werden. Der Bericht hebt zum Schlüsse hervor, daß trotz der durch den Krieg erlittenen Schäden Frankreich das einzige Land sei, das die Ausmer­zung der Kricgsschäden in Angriff genommen habe. Die Last sei schwer, und auf jedem franzö­sischen Steuerzahler liege eine Last von Steuern, die im Verhältnis viel größer sei als bei allen an­deren Ländern.

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Die Verminderung der Wehrmacht.

wb. Berlin, 1. Okt. Vom Reichstochrministe- rium wird mitgeteilt, daß mit dem heutigen Tage die 50 Kilometer-Zone geräumt und das Heer auf 150 000 Mann vermindert ist.

wb. Berlin, 1. Okt. Die Entwertung der Kieler Föhrdc als Kricgshasen infolge der Schleifung der Festungswerke und die durch die Kohlenknappheit be­dingte wirtschaftliche Notwendigkeit, die Minensuch verbände in dir Nähe ihres Tätigkeitsgebietes zu stationieren, hat dazu geführt, einem Teil der Sec- streitkräfte der Ostsee Swinemünde als Hanpt- stützpunkt zuzuweisen. Tie Schiffsstammdivision, die die Besatzungen der noch in Dienst zu stellenden Schiffe in sich vereinigt, soll Stralsund als Stand­ort erhalten. Die beiden Seescstungen Swinemünde und Pillan werden von der Marine besetzt. In Kiel bleiben die wichtigsten Marinebehörden, die bisher dorr ihren Sitz hatten, ferner die Küstenwehrabteilung und ein Teil der Seestreitkräfte.

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Deutsche Volkspartei und Sozial­demokratie.

Der deutsch-volksparteiliche Abgeordnete Dr. Ma- retz ky nahm in einer Versammlung in Jena Stellung zu ben gegenwärtigen Presse-Erörterungen über die Frage des Wiedereintritts der Mehrheitssozialdemo, kraten iiz die Reichsregierung. Diesen Ausführungen kommt nach der Erüärung des Vorsitzenden der Charak­ter einer Ansichts-Aeußerung der Fraktion der Deut- {effen Volkspartei zu. Dr. Maretzky äußerte u. a.:

Die Bereitwilligkeit, die Dr. Stresemann ausge- sprachen hat, mit der Sozialdemokratie in einem Ka­binett zusammenzuarbciten, beziehe sich darauf, daß die Volkspartei die formale Anwartschaft der Rechts­sozialisten, an der Regierung teilzunehmen, anerkenne, und zwar sowohl auf Grund ihrer Stärke, als auch nach dem Wortlaut der Verfassung. Die Bereitwillig- keft habe aber keinerlei Zugeständnisse zur Folge wach der Richtung, daß die Bolkspartei in den sachlichen Fragen der praktischen Politik der Sozialdemokratie nachgeben wolle. Wir sind nach wie vor entschlossene Gegner des Sozialismus. Di« Bedingungen, die Abg. Müller-Franken für den Wie­dereintritt der Sozialdemorrati« in das Kabinett gestellt hat, das Bekenntnis zu einer pazifistischen Po- l i t i k und zur Durchführung her Sozialisierung, könne die Deutsche Bolkspartei nur als Herausforde­rung anschen. Eine Sozialisierung glaube die Deutsche Volkspartei nur dann verantworten zu können, wenn mit ihr eine Steigerung der Produktion verbunden

und damft die Grundlage für eine wirtschaftliche Er­starkung des deutschen Volkes gegeben sei. Heute treffe diese Voraussetzung nicht zu. An ein ersprießliches Zusammenarbeiten zwischen der Volkspartei und der Sozialdemokratie in einem Kabinett sei also nicht zu denken. Pflicht der Deutschen Volkspartei sei eS, alles zu tun, um einen Konflikt zwischen den beiden großen Gruppen des deutschen Volkes, dem Bürger- bmt und der Arbeiterschaft zu vermeiden. Ange- sicht- der undurchführbaren Theorien des Sozialismus müsse die Deutsch« Volkspartei bestrebt sein, eine Ein­heitsfront des Bürgertums mit dem freiheitlich gesinnten Zeile der Arbeiterschaft zu schaffen. Der Redner betonte wiederhoft, daß die Bolkspartei die Bedingungen der Sozialdeinokratie für den Wieder­eintritt in daS Kabinett unter allen Umständen ablehne.

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Oberschlesien.

wb. Be uthen, 1. Okt. Zn der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr wurde im hiesigen Hauptbahn­hof ein Mann verhaftet, der wogen der Verwei­gerung des Zutrittes zum Bahnhof lärmte, die Beamten beleidigte und aus einem Revolver schoß, wodurch ein junger Mann am Unterkiefer vorletzt wurde. Die Personalfeststellung ergab, daß es sich um den polnischen Eeneralkvmsul Koszykzki in Oppeln handelte. Laut Mitteilung von inter­alliierter Seite ist die Angelegenheit dem Ober­staatsanwalt beim Sondergericht in Oppeln über­geben worden.

Berlin, 1. Okt. Di« polnischen Drahtzieher in Oberschlesien versuchen, um die Entscheidung in ihrem Sinne zu beeinflussen, einer ganzen Kategorie von Abstimmungsberechtigten, an deren polnischer Gesin­nung sie zweifeln, die Abstimmungsbefugnis abzu- streiten, indem sie sich aus den Weg der Auslegung des Friedeusvcrtrages begeben. DieDeutsche All­gemeine Zeitung" meint, daß die internationale Kom­mission in Oppeln nicht besürchteu lasse, sie werde dem juristischen Scharfsinn des Herrn Kocsanth erliegen.

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Das englisch-russische Handels- Abkommen.

wb. London, 1. Okt.Daily Herald" meldet, daß sich die Vertreter Großbritanniens und Sowjetrußlaubs bereits über die folgenden Punkte des britisch-russischen Abkommens geeinigt haben sollen: I.Waren jeder Art, mit Ausnahme von Kriegsmunition, können nach Rußland ein- und von Rußland ausgeführt werden. 2. Die Schiff­fahrt beider Länder fällt unter das allgemeine internationale Gesetz. 3. Jeder Staat kann nach dem (bebtet des anderen Handelsagenten schicken, die alle Vorrechte genießen, welche gewöhnlich den Konsuln zugebilligt werden. 4. Die russische Re­gierung sieht von der Beschlagnahme aller Waren ab, die Privatpersonen britischer Staatsangehörig­keit gehören. 5. Die Frage der Schulden der zae jiischen Regierung wird der Friedenskonferenz Vorbehalten. 6. Beide Parteien können das Ab­kommen mit sechsmonatiger Frist kündigen. Die russische Delegation hat bereits große Ankäufe von Webwaren und Maschinen bewerkstelligt. Die erste Bezahlung wird in Gold geschehen, das bereits in einer Bank in Reval deponiert ist.

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Frankreich.

wb. Paris, 1. Okt. Zum Chef des Militär­kabinetts Mitterands wurde Genercü Laddon er­nannt.

Nach einer Privatmeldung desTemps" aus Straßburg'haben die Abteilungen Mühlhausen und Metz der sozialistischen Partei den Ausschluß de? Bürgermeisters von Straßburg, P e i r o t e i, aus der Partei beantragt, weil er gelegentlich der Anwesenheit Millerands in Äraßburg sehr patriotische Reden ge­halten habe. Auch hab« er.Hoch Millerand" ge­schrien. Noch ein anderes Mitglied der sozialistischen Partei namens Richack ist von den Sozialisten auf' gefordert worden, sein Verhalten anläßlich des Besuches Millerands in Kalmar zu rechtferttgen.

Die vom französischen Landwirtschastsminister ge­plant« internationale Konferenz zur Bekämpfung der Viehseuchen tritt im Dezember in Pari- zusam­men. ES ist geplant, ein ständiges Büro zu errichten, das alles sammelt, was auf die Bekämpfung der Vieh­seuchen Bezug hat.

Amerika.

wb. Pari-, 1. Okt. Nach einer BlättermÄdung aüS Washington geht die Wiederherstellung des Prä- fidentrv Wilfy» so langsam vor sich, bog egt jeden­

falls zu Gunsten des demokrattschen Präsidentschaft-« kandidaten Cox keine äffenttichen Reden mehr halte- kann. :v. i r

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SieäbIImMmk".

Die amerikanische Schriftstellerin Ray Beveriligg, di« die Seele der amerikanischen Kinderspeisung 6( Deutschland ist und' in den deutschen StDten bkf<l Liebeswerk für die deutsche Jugend organisiert, hafte Gelegenheit, die besetzten Gebiete zu bereisen. Sie veröffentlicht über ihre Eindrücke in der Pfalz elneq Aufsatz in denMünchener Neuesten Nachrichten" und stellt folgende Tatsachen fest: Tatsache ist, bafl 60 Prozent der Kinder, die durch die sranzöstsche Besatzung daS Licht der Wüt erblickten, schon mlf Syphilis zur Wüt kommen, daß die Marokkaner schlimmer sind, als di« anderen Schwarzen, daß bit weißen französischen Kolonialtruppen ihre ftanzösi- scheu Kameraden übertrumpfen an Brutalität und, Bestialität. Tatsache ist, daß die Geburt all der Mischlings kinder mehr und mehr zunimmt, daß die Väter der Mischlingsktnder sich in jedem Fall« weigern, das Mich zu unterstützen, daß dies« Kin­der all« zur Saft der Bevölkerung fallen, daß schwarz« Soldaten Damen vorn Bürgersteig herunterweisen und di« Kolben ihrer Gewehr« auf die Füße der Damen ' fallen lassen. Tatsache ist, daß Eltern ihre Töchter die Lehrer ihre Schüler, di« Geistlichen und die Polizei die Jugend nicht bestrafen kann, wenn sie mit Schwar­zen oder Franzosen verkehren, weil die- sofort eil Beleidigung gegen die Grande Nation gilt. Tat« fache ist, daß die Sittenpolizei gegen Nttlichkrits-i? verbrechen an her Jugend nicht ein sch reiten darf, denn dieses wäre eine Beleidigung gegen die Franzosen, Tatsache ist, daß schwarze bewaffnete Soldaten ein« wehrlose christlich« Bevölkerung terrorisieren. Tat­sache ist, daß Noh Verzweiflung, Hunger, Erwerbs­losigkeit und die ausgesprochenen großen Bortell« wegen Pässen usw. in den christlichen Gemeinden Pro-. stitution hervorgerufen haben. Tatsache ist, daß täfl« lich im besetzten Rheinland Greueltaten, wirklich«' Greueltaten passieren, die mit denen, die in Bügiech passiert sein sollen, nicht i« Vergleich stehen.! Die Anierikanerin bringt dann Einzelhüten für ihre angeführten Tatsachen und erklärt, daß sie der fran­zösischen Negierung jederzüt zur Verfügung stehe und Beweis« für ihre Behauptungen habe.

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Der Rektor der Straßburger Universität und Let­ter des gesamten Schulwesen- in Elsaß-Lothringeq hat bestimmt, daß der französische Sprachunterricht in allen Schulen den ersten Platz einzunehmen habe, daß aber auch die deutsche Sprache gelehrt werdeq müsse. Im ersten Schuljahr dürfe jedoch kein deut-, scher Unterricht erteilt wecken. Französisch sei bit' Kultursprache, deutsch sei d!« Sprache deS wirtschaft­lichen Nutzens. DaS Straßburger fozialdemokcattsch« Matt, dieFreie Presse", erinnert bei dieser Ge­legenheit an dieBarbaren", die Deutschen, die in den Gegenden des Elsaß, di« tatsächlich mehr fran­zösisch als deutsch waren, auch bi« französische Sprach« ruhig in bet Schule bestehen ließen und erst, wemz die Kinder die erste E^iehung hinter sich hatten, die deutsch« Sprache im Unterricht lehrten. Auch di« elsässischen Abgeordneten haben sich zusammengetan und haben eine Entschließung gefaßt, die sich gegen den französischen Chauvinismul richtet. Der Unter­richt müsse die Tatsache berücksichtigen, daß in der großen Mehrzahl d«S Lande! die französische Sprach« nicht die Muttersprache ist. Die Muttersprache aber sei allein die Vermittlerin der sittlichen Erziehung, Freilich müsse di« französisch« Sprach« stark gepflegt wecken, selbst vom ersten Joch« der Schul« und vom Kleinkindergarten an, der Unterricht darin solle fort­geführt und vertieft wecken, aber die Muttersprache müsse bleiben.

Die Elsäffer scheu immer mehr ein, welcherSulfur» zeit" sie die ftanzöfische Regierung entgegenführt. ,

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»rtilHIi LMunrlsMiW.

Sitzung vom 1. Oktober.

In Beantwortung Keiner Anfrage» äußert sich die Regierung u.a. zu dem Erlaß deS UnterrichlsmimstcrS, wonach wahluumündigen Schülern der Beitritt zu partd' politischen Vereinigungen und die Teilnahme an ihren Veranstaltungen vxrüoten ist. Nach Auflassung aller Parteien deS HaujeS muß die Parteipolttik bet Schule ernbleiben.

Zur Entschädigiulg für Tie«, die an Maul- und Klauenseuche eingegangen sind, fehle es der Regierung an Mitteln, wohl aber würden von den Provinzialver­bänden solche EnttchLigunge» bezahlt, von manche» ogar für notgcschblchtete Rinder, Ti» Antrag Oelz« Deutschnatl.), daraus hinzuwirkeu, daß Schüler bei ge­meinsamen Ausflüge» freie Fahrt oder yahrpreiSermäßi- riunn erhalten, geht an den HauptauZschuß.

Es folgt die Beratung eines von alle» Partei« wüt»* stützten Antrages D» Schmidt»a»» (&) »ab