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AmMches VerLndigungsvlatt des Kreises Marburg.

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Tageszeitung für (das früher kurheWche) OLerheffen

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Brüssel, 29. Sept. Der heutige Konferenz­tag diente der allgemeinen Besprechung der Geld- iinb Wechselkursfrage. Die Grundlage für diese Besprechung war der Vortrag des Präsidenten der Niederländischen Bank Dr. Vissering. Aus dem Ergebnis seiner Untersuchungen ist das unbedingte iBekenntins zur Rückkehr zur alten Goldparität und i i|Ur Stabilisierung des Wechselkurses hervorzu- l sheben. In der anschließenden Besprechung bezeich- /jicte der ehemalige Gouverneur der Bank von England, Lord Tüllen, als die Grundlagen für die ,Genesung auf dem Währungsgebiet eine geordnete fnanzwirtschaft. In der Nachmittagssitzung wurde die allgemeine Aussprache über die Visseringschen ' Gedankengänge fortgesetzt. Der deutsche Delegierte

U r b i g betonte, daß die von Vissering geleitete s Gedankenarbeit ein großes Werk sei und daß im - wesentlichen die Richtigkeit seiner Ausführungen zugesianden werden könnte. Deutschland verfolge mit Interesse die Konferenz, in der zum Ausdruck gebracht werde, daß Friede und Unparteilichkeit in ganz Europa vorherrschen muffen. Rach seiner Meinung haben Kapital und Arbeitende, Sieger und Besiegte Opfer zu bringen und auseinander Rücksicht zu nehmen.

Für Donnerstag wurde auf die Tagesordnung eine allgemeine Besprechung über die internatio­nalen Handelsgesetze gesetzt.

Brüssel, 29. Sopt. In der Kommission, der ton der Konserenz die Aufgabe übertragen ist, die Etaatsfinanzen näher zu beraten, ist jede Delegation durch «in Mitglied vertreten. Nunmehr hat die Dele­gation ans ihrer Mitte einen engeren Arbeitsausschuß gewählt. In beiden führt Brand (England) den Vor­sitz. Ter deutsche Delegierte Bergmann wird heute : r wegen dienstlicher Arbeiten für einige Tage von Brüssel abwesend sein.' An seine Stelle tritt in den engeren Arbeitsausschuß Staatssekretär Schröder vom Neichs- finanzministcriizm.

tob. h aag, 29. Sept.Daily Telegraph77 schreibt, die Konferenz habe das Bewußtsein ihrer eigenen Ohnmacht. Sie erkenne, daß sie nicht viel aus- kichten könne, da sie nicht genügende Befugnisse habe.

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Unnötige Aufregung. i-vn^v

' wb. Brüssel, 29. Sept. Havas-Reuter mel­det: Die Nachricht, daß Deutschland einem für Polen bestimmten Sanitätszug die Durch­fahrt durch sein Gebiet untersagt hat, hat hier i großen Eindruck gemacht, namentlich auf der Finanzkonferenz. Die deutschen Delegierten er­klären, von nichts zu wiffen. Der polnische Dele­gierte Erabski sprach sein Erstaunen darüber aus, daß Deutschland sich in Brüssel bemühe, Unterhand­lungen anzuknüpfen, die durch die Taten seiner Regierung unmöglich gemacht würden.

Das Wolff-Büro erfährt amtlich hierzu, daß die i s deutsche Regierung nicht daran denkt, Sanitäts- züge anzuhalten. Wenn die Sanitätszüge aus Belgien nicht glatt durch das deutsche Gebiet ge­führt würden, liege das daran, daß für diese Züge nicht dieselben Bestimmungen gelten wie für die Nachschubzüge der Verbündeten, die auf beglaubigte Frachtbriefe hin angenommen werden. Für alle i anderen Züge sei eine Kontrolle des Inhalts notwendig. Lediglich diese Kontrolle werde an der deutschen Grenze vorgenommen. Die Züge würden sofort befördert» wenn das Ergebnis der Kontrolle vorliege. i..

Str tote im Sltn.

Polnischer Kriegsbericht.

tob. Warschau, 29. Sept. Generalstabsbericht bet polnischen Armee vom 28. Sept.: Im Norden erreichten unsere Truppen teilweise die Flußlinie der Szczara. Im Bereiche von Erodno wird die Verfolgung des sich zurückziehenden Feindes fort­gesetzt. Unsere in der Richtung auf Pinsk vor­rückenden Truppen besetzten die Orte Ehomsk, Dro- hiczyn und Janowi, wobei sie den Stab der 55. und 57. Sowjetdivision gefangen nahmen, 6 Maschinen­gewehre, 150 Waggons und eine Lokomotive er­beuteten. Südlich von Rowno warf unser Kaval­leriekorps auf dem rechten Ufer des Fluffes Horyn feindliche Abteilungen zurück, nahm Korzecin und eroberte 6 Geschütze und 16 Maschinengewehre. Am 24. Sept, machte unsere Kavalleriebrigade 2600 Gefangene, erbeutete 32 Maschinengewehre und 3 Geschütze. Ukrainische Truppen, die östlich vom Zbrucz tätig sind, besetzicn mit unserer Hilfe Klo- stirow und Staro-Konstautynow, machten 2800 Ec- sangene und erbeuteten vier Panzerziige, zahlreiche Trains und viel technisches Material. . ...

General Wrang«!.

wb. Paris, 29. Sept. Nach einem Radio- Telegramm aus Odeffa haben Petljura und Wrän­ge! ein Abkommen getroffen, nach dem ihre g e - meinsame Offensive nach einem > einheit­lichen Plan ausgeführt werden soll.

Der bei der Regierung des Generals Wrangel beglaubigte französische Oberkommiffar de Märtel wird sich am 10. Ott. einschiffen, um seinen Posten auzutreten.

Helsingfors, 29. Sept. Ruffischen Zei­tungen zufolge hat General Makarow, ein General Wrangels, die Front der Bolschewisten zwischen Zarizyn und und Woronesch d u t chbrochen.

Reval, 29. Sept. Im Kubangebiet sind vier rote Divisionen zu den Kosaken übergegan­gen, die sich gegen die Bolschewisten erhoben haben.

Die russischen Friedensvorschlä^-.

wb, L o n d o n, 29. Sept. DerDaily Expreß" meldet aus Riga: In den Friedenspräliminarien, >ie Joffe der morgigen Hauptversammlung der Friedenskonferenz unterbreiten wird, besteht er auf der Anerkennung der litauischen und ukrainischen Unabhängigkeit durch Rußland und Polen. Die von ihm vorgeschlagene Grerrze gibt Polen einen Teil von Weißrußland, Wolhynien und die Eisen­bahn BialystokBrest-Litowsk. Die Feindselig­keiten sollen 48 Stunden nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags eingestellt werden. Die Vor­schläge Joffes enthalten einen großen Teil der Forderungen, die in den polnischen Gegenvor­schlägen ausgestellt worden sind, besonders hinsicht­lich der Entschädigungen, der Amnestie für po­litische Verbrecher, der Rückgabe von Kunstwerken und der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen und postalischen Beziehungen. Nach einer weiteren Klausel sollen sich Rußland und Polen verpflich­ten, den Durchgang, von Truppen und Munition durch ihr Gebiet und die Anwerbung von Rekruten zugunsten einer Macht, die sich mit einem der ver­tragschließenden Teile im Kriege befindet, nicht zu- zulcrffen. Dadurch soll Polen verhindert werden, neuerdings als Basis gegen Rußland gerichteter Operationen zu dienen.

Nrugründung einer Munitionsfabrik in Polen.

Berlin, 30. Sept. Nach französischen Blätier- meldungen beabsichtigen Schneider-Creuzot ge­meinsam mit Vickers in London und der Berg­werksgesellschaft Starachowice eine große Muni­tionsfabrik in Polen zu gründen. i; >

Sit Sagt ia SMtltß«.

Bruthen, 29. Srpt. Der Vorsitzende der staat­lichen Bergwerksdirektiou in Hindenburg, Geheim rat Wiggert, wurde, einer Meldung desWanderer" zufolge, zu einer Vernehmung zur interalliierten Kom­mission nach Oppeln berufen. Er ist dort aus unbc kannten Gründen in Untersuchungshaft geitouime:: worden.

Der Briefträger Nowra ist im Walde bei Pallo- witz von drei Banditen überfallen und ihm der Geld­beutel mit 21000 Mark Inhalt geraubt worden.

wb. Beuthen, 30. Sept. Auf der Maxgrubc waren jüngst infolge der Verhaftung eines polnischen BctriebsratSmitgliedes Unruhen ausgeorochen, die zur Verschleppung zweier deutscher Arbeiter führten. Einer von ihnen ist nunmehr erhängt unb mit einge­schlagenem Schädel aufgefunden tootbeik Bon dem anderen fehlt noch jede Spur.

Eine Betriebsräte- und Vertrauensmännerver­sammlung des Verbandes der Bergarbeiter Deutsch­lands, Bezirk Oberschlesien, protestierte in einer Ent­schließung gegen die polnische Aufstandsbewegung und fordert Einigung mit den polnischen Organisations­vertretern.

wb. Berlin, 29. Srpt. .Ein von der deutsch­nationalen ReichStagssraktion «ingrbrachter Antrag verlangt die sofortige Vorlegung einer Denkschrift der Reichsregierung über die Vorgänge in Oberschlesien. In der Denkschrift sollen die polnischen Uebcrgriffe und Gewalttaten, die auf die widerrechtliche Besetzung Ober­schlesiens gerichteten polnischen Pläne und Maß­nahmen und die Begünstigung des polnischen Vor­gehens durch ftanzösische Stellen zusammenfassend dar­gestellt und die Maßregeln mitgeteilt werden, dir die deutsche Regierung ergriffen hat und zu ergreifen ge­denkt, um die Deutschen in Oberschlesien vor polnischen llebergrifsen und Gewalttätigkeiten unbedingt zu schützen, dir Kohlenlieferungen aus Oberschlesien gemäß dem Abkommen von Spaa zu vermehren, die dem Frie­densvertrag entsprechende unbehinderte Durchführung der Volksabstimmung in Oberschlesien zu sichern und vor allem der Gefahr vorzuöeuzen, daß die Prooinj Oberschlesien durch dir Polen ohne Abstimmung ge* waltsam von Preußen und Deutsehlavd abgerissen wird.

Um die Selbständigkeit der Provinzen.

Im Vcrfassungsausschuß der preußischen Landesver- ammlung entwickelte am Montag der Staatskommisiar für die Bcrwaltungsreform Minister a. D. Drews seine Anschauungen über die zukünftige Ausgestaltung der Provinzialautonomie. Er ging davon aus, daß wir nm die Gewährung einer wirklichen und nachhaltigen Autonomie an die Provinzen in Preußen unter keinen Umständen bennnkommen werden. Daß das die Auflösung des preußischen Staates überhaupt bedeute, sei, wie bas Beispiel Englands beweise, nicht richtig. Man dürfe die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß die zentrifugalen Bestrebungen in vielen Landesteilen außer­ordentlich gestiegen sind. Am schlimmsten liege es jetzt vielleicht in Oberschlesien. Ernste Männer aller Parteien hätten ihm gesagt, Oberschlesien will los von Preußen, und diesesLos von Preußen" bedeute, daß bei der' Abstimmung auch einLos von Deutschland" herauskomme. Die einzige Möglichkeit, Oberschlesien bei Preußen zu erhalten, sei die Gewährung einer außer­ordentlich w e i t g e h e nd e n A ut on om i e. Die Bestel­lung des gesamten Bcamtenavparats und dieUcbertragung der legislativen Autonomie würbe es vielleicht ermöglichen, daß Oberschlesien Preußen erhalten bleibt. Andernfalls to'äte daS völlig ausgeschlossen. Auf dem linken R h e i n u f c r sei es ähnlich. Die Tortensche Bewegung habe dort zwar wenig Boden gefunden, aber außerordent­lich stark sei die Belr-egungLos von Preußen". Wenn diese Bestrebungen sich mehr vertiefen, dann fei im August 1921 nach dem Ablauf der Sperrfrist der Reich sver- fassung auf dem linken Rheinufer für Preußen außer­ordentlich wenig zu hoffen. Auch in Hannover und in anderen Provinzen seien ähnliche Strömungen zutage getreten. Werde irgendwo der Anfang mit der Loslösung gemacht, so würden die anderen Provinzen nachfolgen. Die Redner des Zentrums schlossen sich den Ausführungen des Staatskommisars an, während u. a. der Minister des Innern Severing vor einem llebcrmaß Von Auto­nomie warnte. In Oberschlesien gebe es Stimmen, die sich dahin äußern, daß die Gewährung der Autonomie den glatten Berlust der Provinz bedeute. Bei der Be­rufung der höheren Beamten der Provinzen die Pro- vinzialiustanzen mitwirken zu lassen, gehe nicht an. Auf anderen Gebieten wolle die Regierung den Bestrebungen nach Autonomie gern entgegenkommen. Insbesondere fühle sic sich verpllichtet, ihr den Provinzen gegebenes Versprechen zu erfüllen.

LautVoff. Ztg." ging der preußischen Landesoer­sammlung ein Gesetzentwurf zu, wonach Provinzial­landtage und Kreistage in direkter Wahl gewählt werden sollen. Der Entwurf soll als Zwischengesetz am 1. Januar 1921 in Kraft treten. is i.

Störung einer Versammlung durch Polen.

wb. Berlin, 29. Sept. Zu Lärmszenen und einer größeren Schlägerei kam es heute abend im großen Saale des Lehrervereinshauses, wo die Ober- schlesijche Volkspartei eine Versammlung abhielt. Als einer der Redner die Forderung stellte, nur ein auto­nomes und selbständiges Oberschlesien, in dem Deutsch­land und Polen gleichberechtigt sind, könne den augen­blicklichen unhaltbaren Zuständen ein Ende machen, er­hob sich ein furchtbarer Lärm. Der Redner wurde von Polensreundlichen angegriffen, und dem Vorsitzenden schleuderte man aus der Menge ein Bierglas mit sol­cher Wucht ttn den Kopf, daß er blutüberströmt zu­sammenbrach. In dem sich entwickelnden Handge­menge wurden schließlich die Hauptangreifer, die in der Minderzahl waren, in einen kleinen Nebenraum gedrängt, wobei mit Stühlen, Tischen und Biergläsern aufeinander eingeschlagen wurde. Inzwischen erschien die alarmierte Sicherheitspolizei, die dem Tumult ein Ende machte. Eine Anzahl junger Leute, die zugaben, Polen zu sein und auch als Angreifer wieder er­kannt wurden, konnte festgenommen werden. Es sind insgesamt 7 Personen, darunter eine Frau, zur Wache geführt worden.

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Der Sinnfeiner-Kampf gegen England.

wb. Paris, 29. Sept. Wie derMatin" aus London berichtet, wurde gestern mittag eine Werft von Sinnfeinecn erstürmt. Die Arbeiter wurden schwer mißhandelt und verjagt. Die Werft mußte geschloss-n werden. Dem Eingreifen der Poltzei gelang es schließe lich, die Ruhe wiederherzustellen.

Wie derPetit Parisien7* meldet, sind 700 Personen in eine Sinnseinerverschwörung in London verwickelt. Bei Hausuntersuchungen in Bridgetown ist das Be­stehen der Verschwörung entdeckt worden. Man fand auch eine Reih/von Anweisungen für die Organisation einet öffentlichen Kundgebung in London, die am Tage des Todes d-S Bürgermeisters von gort statt­finden sollte.

Nach einetMatin"-Meldung ans London haben bewaffnete Sinn feinet in Malow die Kasernen ange­griffen und die militärischen AuSrüstungsgegenstände sowie die Waffen Und die Munition weggeschleppt. Auch in Belfast ist ei erneut $u schweren Ausschrei­tungen gekommen. U sind zahlreiche Verhaftungen «rgeiMW«» worden. Wegen bei Angriffs find weh-

reic öffentliche Gebäude unb Privathäuser in der letzten Nacht in Brand gesteckt worden.

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In Aix-les-BainS war außer Herrn Giolitti auch Herr Take JoneseN, der Rumäne, bei Mitterand zu Gast. Er hat dort mit einem Pariser Journalisten über diekleine Entente77 gesprochen und ihm versichert, liefe kleine Entente sei nur ein Mleger der großen und werde sich durchaus der Vormundschaft der leitenden Westmächte unterstellen. DaS hat Herr Take Joncscu gesagt. auf französischem Boden und im Ge- präch mit einem französischen Zeitungsvertreter. Man -raucht nicht anzunehmen, daß damft daS Problem «r kleinen Entente (zu der die Initiative nicht von Bnlarest kam), erschöpft oder auch nur richtig Um­rissen sei. Die kleine Entente ist unter tschecho­slowakischer Führung inS Leben gerufen worden, nicht um den Frieden von Versailles zu schützen, son- >ern um die von Ungarn ausgehenden Restaurations- pläne zu bekämpfen. Diesen Pläne« unb den mit ihnen verbundenen habsburgischen Aspirationen, sowie den verwandten Ideen einer Donaukonföderation, bet nicht nur die Deutsch-Oesterreicher, die zum Reich« wollen, sondern auch die Tschechen und Südffawen sehr entschieden widerstehen, stand Frankreich bekanntlich nicht ganz fern. Sicherlich wird die Pariser Politik versuchen, die Front der kleinen Entente gegen Deutsch­land (und Rußland) zu drehen und die neuen Staate» Mitteleuropas so in der Linie ihrer Barrierepolitik festzuhalten. Als gegebener Werkzeug kann sie dabei Polen benutzen. In der Tat ist von Warschau ein solcher Fronttvechsel der kleinen Entente bereit- gefor­dert worden; erst wenn er vollzogen werde und nut bann, könne sich Polen beul neuen mittel-osteuropäi­schen Bündnisgebern anschließen. Aber diese barriere­politische Einstellung tragt nur dem vermeintlichen französischen und dem vermeintlichen pol­nischen Interesse Rechnung; von der Tschechd-Slowa* fei, von Südslawien und schließlich sogar von Ru­mänien müßte sie auf die Dauer als künstlich und zweck­widrig empfunden iveroen. Das kommt bei aller dip­lomatischen Vorsicht der Aeußerungen auch in der Uutcrnbung zum Ausdruck, das der tschecho-slowaki* sche Vertreter in Berlin einem Mitarbeiter desSet* liner Bkrsen-Kurier^ über dir Frage der Keinen Entente gewährt hat. Besonders aktive Deutsch'reund- lichkeit darf man, wie die Dinge liegen, von dieser Staaten-Koalition vorderhand nicht erwarten; aber auch in eine positiv-antideutsche Orientierung wird sie sich schwerlich drängen lassen. Dazu ist das Inte* resse dec Hauptbeteiligten am Wirtschaftsverkehr mit Deutschland zu groß.

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Tschecho-Slowakei.

wb. Prag, 29. Sept. Im ständigen Ausschuß der Nationalversammlung entwickelte Ministerpräsident Cerny ausführlich sein Regievrugsprogramm, worin es u. a. heißt: Die gegenwärtige Regierung Ist eine Arbeitsregierung, die ebenso gründlich wie schnell den Boden für die Bildung einer definitiven Regierung vorbereitet. Es wird daS Bestreben der Regierung sein, eine Annäherung unb Ilebereinstimmung bet Nationalitäten herbeizuführen. Der MinisterprSsidenk legte sodann das Arbcitsprogramm der Regierung dar. Tie militärische Reform wird die Regierung mit gehöriger Beachtung des Gesetzes, daS die später- Errichtung einer Miliz vorsieht, durchführen. Durch die allmähliche Demobilisierung Wick, die Arntee aus den Frihensstand zurückgeführt. Rach der Rede bei Ministerpräsidenten wurde bei Antrag der deutschen Abgeordneten auf Eröffnung der Aussprache Wer die Regierungserklärung mit 16 gegen 7 Stimmen ab* gelehnt. Minister für Nationalverteidigung General Rnsak beantwortete dann die Anfrage Dr. Spina bezüglich der Ausbildung der deutschen Rekru­ten und erklärt«: Bei der Ausbildung wirb aus die­jenigen Rekruten, die die Armeesprache nicht beherr­schen, in der Weife Rücksicht genommen werden, daß sie solchen Instrukteuren zugetcilt werden, die ihre Muttersprache verstehen. Die Erläuterung wird in der Muttersprache, die Befehlsgebung fn der Annee- fprache erfolgen,

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Deutsch-Oesterreich.

Snebee« oder Einheitsstaat?

wb. Wien, 80. Sept. Die Nationalversammlung begann gestern die Verhandlung de» Gesetzentwurf» durch den die Republik Oesterreich al» Bunde»? staat eingerichtet wird. In Besprechung de» Ent- wurs» erklärte der Sozialdemokrat Danneborg. dH Sozialdemokraten hätten den Einheitsstaat schon iq Hinblick darauf für zweckmäßig gehalten, daß der Ar» schluß an Deutschland im Gegebenen Augenblick str eq einheltliche» Oesterreich formell unb technisch erreichter werde. Der Sebalde des Anschlusses fei ss Hat «