Amtliches DeMndigungsblatt des Kreises Marburg.
Tageszeitung für (bas früher kurhessische) Oberhessen st
Marburg
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dahin wirken, daß diese Forderungen erfüllt
ng weiterbestehen werd«?.'
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leitung Vürden.
Abg.
Partei, und im
Leinert (Soz.) begründet eine Anträge seiner Durch die Freigabe der Kartoffelbewirtschaftung Hinblick auf die bevorstehende Aufhebung de»
eine sehr erhebliche Einfuhr dringend erforderlich. Die allgemeine Teuerung kam für Deutschland tw enem ungewöhnlichen Matz« zur Geltung durch di« fast völlige Entwertung des deutsche« Geldes. Di« Anschwellung aller Ziffern des vor« liegenden Finanzberichtes erklärt sich in erster Linie dadurch, datz infolge der sprunghaften Ent« Wertung der Reichsmark, die ihren vorläufigen Tiefstand im Februar und März diese» Jahres er« reicht hat, alle Warenpreise in Deutschland um da» Vielfache gestiegen sind. Löhne und Gehälter mutzten entsprechend folgen. Mit der Entwertung der Mark im Auslande steht das Anwachsen de» Papiergeldumlaufes in Deutschland in engem Zusammenhänge. Mit den wachsenden Eteuerein«/ gängen hoffen wir die Notenerzeugung zum Stillstand zu bringen und dann auch der Balutaver- schlechterung «ntgegenwirken zu können. Trotz der bestehenden unerfreulichen Verhältnisse halten wir jedoch Deutschland» finanzielle Lage nicht für verzweifelt. Wer unbefangen die Zustände prust, wird finden, datz Deutschland allmählich zur O r d - n u n g zuruckkehrt und datz erfreulicherweise auch der Wille zur Arbeit überall im Lande sich wieder kräftig regt. Darau» schöpft die deutsche Regie- rung das Vertrauen, datz bei Beobachtung der grötzten Sparsamkeit das Land in der Lage sein wird, allmählich au» den gegenwärtigen wirt- schaftlichen Zuständen wieder herauszukommen, insofern diese durch die Eigenart der inneren Lage verursacht worden find. Um aber wirklich wieder lebensfähig zu werden, die Währungsverhäliniff« stabilisieren und den internationalen Verpflichtungen in verständiger Weise nachkommen zu künden, muß Deutschland in seinem wirtschaftlichen Leben niindestens soweit gehoben werden, daß es an dem Weltverkehr wieder in aktiver Weise teilnehmen kann. Unser Ziel mutz sein, mit dem enormen Passivum der deutschen Handelsbilanz aufzuräumen und eine erhebliche aktive Bilanz zu schaffen. Darin liegt die einzige Möglichkeit, di« auf uns lastenden Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist eine ungeheure Aufgabe, zu deren Lösung die wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands allein nicht ausreichen. Wir können das uns vor- schwebende Ziel nur in verständnisvoller Zu- 'ammsnarbelt mit allen erreichen, di« auf die Wir« derherstellung geordneter Verhältnisse in dem zer« lüfteten Europa oder vielmehr in der ganzen Welt hiuarbeiten. Wenn wir aber mit der wirtschaft, lichen Hilfe der Welt rechnen, so sind wir verpflichtet, zunächst volle Klarheit über unsere finan- zielle und wirtschaftliche Lage zu schaffen. Nur eine umfassende und durchaus aufrichtige Darlegung der Tatsachen kann bei den anderen Ber- tändnis für unsere eigenartige Lage und Vertrauen in den Ernst unserer Bemühungen erwecken Dazu sind wir entschlossen, und in diesem Geiste hoffen wir, zu den Arbeiten der Konferenz beitragen zu können.
Dem Redner wurde allseitig Beifall zuteil. Des weiteren sprachen der Führer der südafrikanischen Delegation Blankenberg, der österreichische Finanzminister Reisch und die Delegierten von Bulgarien und von Portugal.
Einigung der Mehrtzeitsparteien über die preußische Verfassung. — Keine Neuwahlen in diesem Fahr?
Berlin, 29. Sept. Durch Besprechungen unter den Mehrheitstmrteien sind gestern die letzten Hindernisse aus dem Wege geräumt worden, die der Verabschiedung der preußischen Verfassung im Wege standen. Wenn auch noch, sagt der „Vorwärts", die formellen Zustimmungserklärungen der Fraktionen ausstehen, so kann doch die Einigung als vollständig betrachtet werden, und es kann angenommen werden, daß die ganze Verfassung mit allen ihren Bestimmungen von den gleichen Mehrheitsparleien nun ohne weitere Verzögerung angenommen wird. Die letzten Schwierigkeiten bot die Autonomiefrage. Sie wurde überwunden, indem sich die Mehrheitsparteien auf gewisse Anträge einigten. Ueber die Dauer der Tagung der Landes- verfammluug wird im Aeltestenrat morgen entschieden werden.
Die Mehrheit der Blätter nimmt an, vag an Neuwahlen in Preußen in diesem Fahre nicht mehr gedacht werden kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde die Landesversammlung versuchen, außer der Verfassung und dkm Wahlgesetz auch die Besoldungsgesetze, die Deckungsvorlage und den Haushalt für das laufende Jahr zu verabschieden.
Wilson an Millerand. Präsident Millerand erhielt ein Telegramm vom Präsidenten Wilson, t? de« dieser ihn zu seiner Wahl beglückwünscht und sagt: »34 habe die Gewißheit, daß dir herzlichen Bezieh««?«? zwischen den Bereinigten Staaten und Frankreich, He hiftoriich --emorden sind, unter Ihrer weisen Betten
Ein neutealrs Urteil über Deutschland» Laer.
Die „Baseler Rationalzeitung" schreibt übet feit Brüsseler Konferenz u. a.: Am wichtigsten ist der Fall Deutschlands, weil dieser ungeheure Arbeiterstoat unbedingt wieder in Gang gebracht werden muß, wenn wir vorwärts kommen sollen. Aber solange Frankreich noch immer nicht einmal eine feste und möglich» Summe der Herstellungen genannt Hai, wird jede Arbeit Deutschlands gelähmt sein. 15 Milliarden Besatzungskosten im Jahre, 2 Millionen Tonnen Kohle« monatlich, di« Riesenschulden de« Inlandes zu verzinsen, 70 Milliarden Papier in Umlauf und dazu noch da» unheimliche Fragezeichen der Entschädigungen — ist r» denkbar und menschenmöglich, daß ein Volk i« solcher Lage arbeitet und «mporkommt? Jeder wird darauf antworten müssen, daß dieses unmöglich ist, und wer diesen Zustand aufrecht erhält und nicht hilft, daß die Deutschen ihn überwinden, der überantwortet im Herzen Europas ein 60-Milltonen Volk dem Hunger, dem Hasse und der Verzweiflung.
Abg. Westermann (Dem.): Die Rede Leinerts war ein Vorstoß gegen den Reichsernährungs- i _ Minister. 1
Die abgeschlossenen Licserungsverträge müssen unter allen Umständen eingehalten werden. Es liegt im Interesse des Verbrauchers selbst, daß die Kartoffelpreise sich au' einer für den Landwirt auskömmlichen Höhe halten sonst läuft er Gefahr, daß der Anbau zurückgeht. Die Zwangswirtschaft können wir nicht ewig beibehalten. Ein Kartoffelpreis von 25 Mark ist nicht zu hoch.
Abg. von der Osten (Deutschnatl.): Ein Teil der Kritik Leinerts richtet sich zweifellos gegen den ftüheren Reichsernährunasminister Schmidt, der ja in Verbindung mit dem Index-Ausschuß den Kartoffelpreis zunächst fnit 25 Mark festgesetzt hat. Gegenüber dem Zweifel Leiirerts an dem Zusammenbruch der Zwangswirtschaft verweist der Redner auf das Wort des Ministerpräsidenten Braun, der es als einen Irrwahn bezeichnete, daß die Zwangswirtschaft einen Abbau der Preise ermögliche. Die Zwangswirtschaft hat auf allen Gebieten versagt, auch bei Brotgetreide. Es ist ein Irrtum, daß die jetzigen Mißstände in der Kartoffelversorgung auf die Aushebung der Zwangswirtschaft zurückzuführen sind. Sie haben ihren Grund in einer Ernte, die seit 30 Jahren nicht so ungünstig gewesen ist wie heute. Der Reichsernährunüs- minister hat nach unserer Auffassung jetzt den richtigen Weg betreten durch Freigabe der Kartoffeln unter gleichzeitiger Sicherung einer starken Reserve. Ebenso Ivar es an der Zeit, die Zwangswirtschaft in Fleisch endlich aufzuheben. Allerdings kann die Schweinemast nur durch die Einfuhr billiger Futtermittel gehoben werden. Der Redner schließt mit dem Appell au die äußerste Linke, etwas mehr Verständnis für die Lage der Landwirtschaft zu bekunden, und an die Landwirtschaft, sich ihrer m 0 r a- lischen Pflicht gegenüber dem Volke bewußt zu bleiben.
Mg. K l a u ß n e r (tt. 3.) entgegnet, die Rechte habe sich an den breite« Massen in schwerster Weise versündigt. Die Landwirte dächten garnicht daran, ihrer Abliefvrungs- pflicht zu genüge». 'Der freie Handel in Kartoffeln und Ileisch werde die Gefahr'der Hungersnot noch beschleunigen.
< Das Hau? vertagt die Weiterberatung auf morgen 1 Uhr, außerdem Vorlage über Groß-Berlin.
Die Mebms ler ZnmwirilW.
168. Sitzung her preußischen Landesversammlung vom u 28. September.
‘ Zur Beratung stehen Anfragen des verstorbenen Abg. fist. Friedberg (Dem.) und Genossen über die Erzeugerpreise, die freie Mgabe wirtschaftlicher Erzeugnisse, hie Förderung des Zuckerrübenbaues, die Aufhebung der Zwangswirtschaft usw Verbunden damit wird die An- stage Dr. Porsch (Ztr.) über die Belieferung der Landwirtschaft mit Kunstdünger.
Abg. H a u s ch i l d (Soz.) wendet sich gegen die Preissteigerung für Kartoffeln und Vieh.
Abg. Kaulen (Ztr.) begründet die Zentrnrnsansrage. Nie Förderung der Erzeugung von Kunstdünger sei mit sllen Kräften zu erstreben Dazu diene die bessere Belieferung der Düngerfabriken mit Kohle, die Kontrolle Über die Erzeugung und Ausführung der Düngemittel, angemessene Preisfestsetzung unter Kontrolle de? Reiches und unter Hinzuziehung der landwirtschaftlichen Organisationen. Die preußische Regierung müsse bei der ReichS-
Eine deutsche Gesandtschaft in Budapest. Der „Voss. Ztg." zufolge wurde dos deutsche Generalkonsulat in Budapest in eine Gesandtschaft nmaervandelt und der bisherige Leiter des Generalkonsulats,Graf Fiirsten- b e r g - Stammheini, zum Eejchäststchiger ernannt.
BtrISt Ns NillitH Vertreters in NM
Brüssel, 28. Sept. Lord Caliner erstattete den Bericht üfer die finanzielle Lage Englands. Englands finanzpolitische Stellung ist gekennzeichnet durch einen festen, klaren Voranschlag und durch eine strenge Steuerpolitik, die die ivichtigste Richtlinie für die künftige englische Finanzgebah- rung ist. An zweiter Stelle sprach das Mitglied der belgischen Delegation Lefreux. Die belgische Finanzlage ist nicht als günstig anzusprechen. Für die japanische Delegation sprach der Finanzsachverständige Mort. Weiter erstatteten die Delegierten von Britisch-Indien, Australien und Peru ihre Berichte über die finanzpolitische Verfassung ihrer Länder. In der Nachmittagssitzung erklärte der amerikanische Delegierte, daß er in der Konferenz einen Erfolg sehe, weil sie zum ersten Male die ehemaligen gegnerischen Nationen zu einer sachlichen Beratung führt. Was die Hoffnung Europas auf die amerikanischen Kredite angehe, so könne er wenig Aussicht auf ihre Erfüllung eröffnen, dies umsoweniger, als Europa eine wesentliche Voraussetzung des amerikanischen Privatkapitals nicht biete, nämlich Sicherheit und Frieden. Erst dann könnte Europa auf Unterstützung rechnen. Staatssekretär Bergmann erstattete dann Bericht über die finanzielle und wirtschaftliche Lage Deutschlands. Er führte u. a. aus:
Während Deutschland 1913 im ganzen eine Schuld von 5 Milliarden hatte, beträgt die Schuldenlast am 31. August 1920 240 Milliarden Mark. Wir sehen ferner, daß mit Ablauf des Rechnungsjahres 1920 die Schuldenlast noch wesentlich höher sein wird, weil der Voranschlag für 1920 einschließlich des vorausfi^».echen Ergebnisses der Verwaltungen von Reichseisenbahnen und Post ein Defizit von mehr als 56 Milliarden Mark ergibt. Um die Ausgaben mit den Einnahem in Einklang zu bringen, wird gegenwärtig in Deutschland eine Steuerreform größten Umfanges durchgeführt. Eine große Anzahl neuer Steuern wurde geschaffen, die alten Steuern sind wesentlich erhöht und die bisher den Einzelstaaten belassenen Einnahme quellen, vor allem die direkten Steuern, sind auf das Reich überfuhrt, um eine Einheitlichkeit zu schaffen und den größtmöglichen Nutzen für die Gesamtheit zu erzielen. Vor allem wird in Deutschland neben dem Einkommen auch der Besitz auf das schärfste zur Steuer herangezogen, nachdem schon vorher die gesamten Kriegsgeminne mit Be- schlag belegt wurden. Von indirekten Steuern ist besonders auf die mit hohen Sätzen ausgestattete Uiuf.rtzsteuer hingewiesen. Wenn erst wieder einmal normale Verhältnisse eingetreten sein werden, haben wir mit dem jetzigen Steuersystem eine Grundlage geschaffen, auf der ein gesunder Haushalt aufgebaut werden kann. Für das Jahr 1920 wird aus den Steuern der Eingang von mehr als 07! j Milliarden Mark erwartet. Das ist ein Betrag. der für sich allein schon die Ausgaben des ordentlichen Haushaltes von etwa 39l/2 Milliarden Mark fast völlig deckt. Die deutsche Regierung ist aber in der Besteuerung schon bis an die E r e n z e des Möglichen gegangen. Dabei ist sie von der Erwägung geleitet, daß jede Verminderung der Produktion vermieden werden muß, damit nicht etwa die Anstrengungen, dir Reichseinnahmen zu erhöhen, zu dem gegenteiligen Ergebnis führen. ‘ Sie werden fragen, ob bei der Aufstellung des deutschen Haushaltes auch mit der erforderlichen Sparsamkeit verfahren worden 'st, das heißt, ob die eingestellten Ausgaben wirklich notwendig sind. SP’t können Ihnen versichern, daß die Reichsfinanzverwaltung ständig auf Innehaltung der größten Sparsamkeit bedacht ist. Ihre Anstrengungen sind aber auf zum Teil unüberwindliche Schwierigkeiten in der wirtschaftlichen Lage gestoßen. Soweit Abgaben infolge des Krieges und der Bedingungen des Waffenstillstands- und Friedensvertrages notwendig geworden find, lassen sich Ersparnisse nicht erzielen. Allein für die beiden Rechnungsjahre 1919 und 1920 mußten die Kosten der Durchführung des Friedensvertrages mit 4V2 Milliarden Mark eingesetzt werden. Die Unterhaltung des Deutschland auferlegten Söldnerheeres erfordert weit größer« Ausgaben als ein Heer auf der Grundlage der allgemeinen Dienstpflicht. Alle diese Lasten sind von einem in seinen Grenzen und feinem Erwerbsleben wesentlich beschränkten Wirt- chaftskörper zu tragen. Auf der anderen Seite machten die Zustände der Ernährung und Kleidung sowie der Entblößung des La-.des w
England.
Dir irisch« Bewegung.
wb. Paris, 28. Sept. Der „Matin" meldet aus London: Die Nachrichten aus Irland werden immer ernster und bedrohlicher. In Cork fand heute nacht um 2 Uhr eine gewaltige Erplosion statt, die das ganze Zentrum der Stadt schwer erschütterte. Kurz darauf hörte man wieder mehrere starke Detonationen und lebhaftes MaschinengewHrfeuer. Ein großes Haus ist m die Lust geflogen. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. In Belfast.wurden gestern 25 Personen ins Hospital cingeliefert, die im Laufe des Tages verwundet worden waren.
Havas berichtet: Militär und Polizei haben gestern in Dublin Haussuchungen vorgencmmen, u. a. auch in dem Hause des Pariser "Gesandten der Sinnfeiner, Ea- vanduddin. Die Gräfin Markiewiez wurde verhaftet.
wb. Amsterdam, 28. Sept. Zu der Meldung, daß eine bewaffnete Bande eine Polizeikaserne in Trim in Irland in Brand gesteckt habe, wird noch mitgeteilt, daß die Polizisten darauf aus Rache 30 Häuser in Trim niederbrannten.
Bei einem Zusammenstoß zwischen Katholiken und Brotestanten wurden in Belfast 25 Personen verwundet.
wb. Paris, 28. Septz Wie aus London gemeldet wird, war der Lordmayor von Cork gestern sehr schwach, und der Erzbischof Hannir Hai sich zu ihm begeben, um ihm die letzte Oelung zu erteilen. — Die Nachricht ist bisher von Sinnfeinerkreisen nicht bestätigt worben.
Fseischbewirtschastung ist eine so enorme Preissteigerung für Kartoffeln und Vieh eingetreten, daß die minderbemittelte Bevölkerung unmöglich noch ausreichend versorgt lverden kann. Weiten Volkskreisen hat sich daher eine starke Erregung bemächtigt. Es kommen die Bedenken, hinzu, die sich auS den Transportschwierigkeiten ergeben. Die Reichsregierung hat mit der Aufhebung ihrer ZwangZ- feerordnungen keine sehr glückliche Hand gehabt. Wenn sie schon die Zwangswirtschaft aufhob, dann hätte sie auch die Preisbildung dem freien Spiel der Kräfte überlassen müssend Durch die Festsetzung des Preises von 31,75 Mark lmpdeu die Verbraucher übermäßig belastet und die freie Preisbildung verhindert, während üch über die Aushebung* der Lieferungsverträge kein Landwirt leschwert Kälte. Die landwirtschaftlichen Organisationen haben ja selbst erklärt, daß sie sehr gut die Kartoffeln tu 12, 16, 18 und 20 Mark liefern könnten. Jetzt wird eine vllgemeine Fleischtenerung eintreten. Auf die Erfahrungen der Städte in der Fleischversorgung hat die Regierung keine Rücksicht genommen. Man hat die Städte nicht einmal gutachtlich gehört. Die Stabte müssen daher auch jede Verantwortung für die Aushebung der Lwangswirtschaft und ihre Folgen ablehnen. Während die kostspieligen Einrichtungen, welche die Städte für Schlachtung und Wurstfabrikation getroffen haben, wertlos toer- bett, wird der Fleischkonserven-Mien-Gesellschaft die Fleischversoraung und die Regelung des Einkaufs über- tragen, also ein Privatmonopol errichtet. Milch- »md Burierpreise werden naturgemäß mit steigen. Welche Garantien kann die Regierung angesichts der wachsenden Beunruhigung im Lande für die Aufrechterhaltung der Ruhe geben? Die Reichsregierung trägt die Schuld an der allgemeinen Radikalisierung. Ehe sie das Volk nicht davon überzeugt, daß es unter dem freien Handel besser pnd billiger lebt, kann sie auch von den anderen Instanzen ilscht verlangen, daß sie für die Ruhe der Bevölkerung die Verantwortung übernehmen.
Staatskommissar für da? Ernähruuzswesen Dr.H agc- dorn: Tie Regierung ist nicht gern zur Freigabe geschritten. Dor dringende Wunsch danach kam aber nicht wir von Landwirtschaft ui:b Handel, sondern auch aus beiten Kreisen der Konsumenten und vor allem der Kon- sumvereiue. Ter Kartoffelbreis ist von der Jndexkommis- sson frsteesiellt loorden. Ten Kommunalverbänden werden wehr Kartoffeln zur Verfügung stehen als ftüher. Die iiLieserungsverträge bleiben ausrechterhalten, und nur für diese Kartoffeln gilt der Preis von 31,75 Mark. Für die stn freien Verkehr verbleibenden Kartoffeln kommt nur k ein Preis von höchstens 25 Mark k Betracht. Gegen PreiSüberschreftungen wird einge- kch ritten werden. Einzelne landwirtschaftliche Organisationen haben sich für Lieferung an die minberbemittelte Bevölkerung schon mit 20 Mark einverstanden «klärt. Weitere Verhandlungen finden in dieser Richtung latt. Auch für Fleisch ist die Ztvangswirtschast nicht ohne Licherftellung ausreichender Reserven aufgehoben worden, fe handelt sich hierbei um 70000 Tonnen Auslands- Beisch. Auch itnrb der freie Handel nicht unbeschränkt fein, sondern an bestimmte Weisungen des Ernährungs- Ministeriums gebunden bleiben. Tas System 'der Preis- vrüsungsstellen wird einen weiteren Ausbau erfahren. Die Verarbeitung von Kartoffeln zu Sprit ist bereits im Verordnungslveae verboten worden. Die Regierung wird lNrf jede Mise bemüht fein, allen sich ergebenden Schwierigkeiten Herr zu werden.
Abg. Held :D. Vol >: Vor allem wird die Regierung dafür sorgen müssen, daß das Getreide der Ernährung «s Volkes restlos zugute kommt und Aufkäufe für die Dniente und für Brennzwecke verhindert werden. Es muß «ne scharfe Ueberwachu ngderTransporle statt- Mden, damit in der Kartoffelversorgung jeder W u chc r *eihrndert werden kann. Anderersefts ist das lelbst- rerrliche Eingreifen der Eisenbahner in die Kartoffel- Pkrsorgung eine Gefahr, die schwere Katastrophen herbei- Men kann. Der Redner setzt sich namenrlich für die «enorgimg des Industriegebiets mit Winterkartoffeln ft«, damit der Bolschewismus dort nicht wieder fein Haupt ft&eSt und verlangt die größte Sorgfalt bei der Lagerung F Kartoffeln. Er kommt dann auf die Versorgung P Landwirtschaft mit Düngemitteln zu sprechen, deren ' Sr-i»' zur $dt _ .-.-tzeHKqn-elich -eien.